ABGEHÖRT
vom 29. November 2005



HUMAN BLOODFEAST
„Bath of Bugs“
Erschienen: 2003
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.humanbloodfeast.de
HUMAN BLOODFEAST On Air: „Schizophrenic Butchering“

Die fünf Recken aus der Oberpfalz metzeln in gewohnter Bay-Area-Tradition drauflos. Zum gleichnamigen Album „Bath of Bugs“ sind hier auf dieser Promo-Variante vier hammermäßig niederschmetternde Songs in den Rohling gebrannt. Schnelle, groovige Songs mit präzisen Baßläufen, ein blechern klingendes Schlagzeug und rhythmisches Gitarrenriffing. Der Gesang trifft 100prozentig meinen Geschmack; dumpf, tief und grunzend, ab und zu unterbrochen durch ein unterlegtes Kreischen. Sehr geiles Stück Todesblei, moshkompatibel mit Ohrwurmcharakter.

9 von 10

MANDY



DESTRUCTION
„Inventor Of Evil“
Erschienen: 2005
Label: AFM
Homepage: www.destruction.de
DESTRUCTION On Air: „No Mans Land“

Auch wenn es für die Review eigentlich unrelevant ist, muß ich an dieser Stelle die Art der mir vorliegenden Promo-CD mit einbeziehen. Aus Gründen des Kopierschutzes haben AFM nämlich die neue DESTRUCTION, „Inventor Of Evil“, mit nahtlos ineinandergeblendete Songs verschickt. Dadurch fehlen zwar pro Stück immer so an die 15 bis 30 Sekunden, allerdings entsteht dabei ein Effekt, der den Charakter der Scheibe vortrefflich rüberbringt: „Inventor …“ ist eine Thrash-Metal-Walze der absoluten Gnadenlosigkeit. Wie das Getöse von hunderten Motoren, denen keine Ruhe gegönnt wird, ballern die deutschen Thrash-Heroen durch ihre elf Songs.

In den 80ern waren DESTRUCTION irgendwie poltriger. Ungezügelt sind sie aber heute noch. Natürlich ist es anno 2005 weitaus schwerer, mit dieser Musik Achtungszeichen zu setzen, denn die Nachkommen dieser Legende sind streckenweise besser als ihre Vorbilder. Aber die alten Herren halten gut mit. Und in Sachen Aggressivität agieren sie auf absoluter Augenhöhe mit all den jungen Wilden.

8 von 10

JUB



MEDUZA
„Upon The Word“
Erschienen: 2004
Label: Massacre Records
Homepage: www.meduza.nu
MEDUZA On Air: „Dream on“

Nachdem bereits das Debüt der Schweden von MEDUZA durchweg gute Resonanzen erhielt, legen sie nun mit ihrem zweiten Album „Upon The World“ noch eins drauf. So vereinen sich in den neun Songs des Albums klassischen Heavy Metal mit Rock und Power Metal. Untermalt wird die ganze Szenerie von meisterhaft gespielten Gitarrensoli, welche selbst aus der Hand von Yngwie Malmsteen entsprungen zu sein scheinen. Die Songs wirken kraftvoll, treibend und perfekt harmonisch arrangiert. Highlight ist der mal powervoll schreiende, dann mal zerbrechlich wirkende Gesang von Apollo Papathanasio. Ein reinweg durchdachtes und technisch hoch versiertes Album.

8 von 10

MANDY



SALTATIO MORTIS
„Des Königs Henker“
Erschienen: 2005
Label: Napalm Records
Homepage: www.saltatio-mortis.com
SALTATIO MORTIS On Air: „Tritt ein“

SALTATIO MORTIS sind die Rettung dessen, was man landläufig als Mittelalter Metal bezeichnet. In Extremo sind schlaffe EBMer geworden, Tanzwut machen schon immer mehr auf Techno und Subway To Sally haben das Genre gleich ganz verlassen.

Da kommen SALTATIO MORTIS mit „Des Königs Henker“ genau richtig. Sie sind durchweg heavy, haben die typischen Melodien, Sänger Alea hat diesen einprägsamen Marktschreierklang in der Stimme, die Band verwendet Instrumente wie Sackpfeife, Schalmeien, Cisterium, Flöte, Dudelsack und Bouzouki und bewegt sich textlich schließlich auf jenem Terrain, wo Mädchen geschändet, Mitmenschen gemeuchelt oder Delinquenten hingerichtet werden. Aufgearbeitet werden die Geschichten alle in sehr lyrischer Form. Am besten könnte man „Des Königs Henker“ mit den Subway-To-Sally-Alben „Hochzeit“ und „Bannkreis“ vergleichen. Wer diese Phase der Ostdeutschen am liebsten mochte, könnte bei SALTATIO MORTIS sofort zugreifen.

Man sollte nicht soweit gehen und dieser Band einen überaus eigenen Stil zuschreiben. Dazu ist das Genre viel zu limitiert. Allerdings machen SALTATIO MORTIS ihre Sache wirklich tadellos. Die Songs sind nahezu perfekt. Und Sachen wie „Rette mich“ und „Tritt ein“ gehen dermaßen unter die Haut, wie Songs dieser Art schon lange nicht mehr.

Für die Mittelalter-Markt-Besucher sei gesagt, daß sich SALTATIO MORTIS dort ebenfalls herumtreiben und den reinen traditionellen Mittelalterlärm verbreiten. Außerdem gibt es bereits zwei weitere Alben der Band, auf denen sie im Sinne von Tanzwut zahlreiche elektronische Elemente verarbeiteten. Aber diese Zeit scheint ja vorbei zu sein.


10 von 10

JUB



KRYOBURN
“Enigmatic Existance“
Erschienen: 2005
Label: Continental/Rawhead
Homepage: www.kryoburn.net
KRYOBURN On Air: „Reverse“

KRYOBURN ist eine Band, welche noch in den Anfängen steckt. So liefern uns die Jungs aus New Mexiko einen Mix aus Hardcore, Thrash und Industrial. Ihr Debüt ist zweigeteilt. Auf der einen Seite harte, treibende Rhythmen und dann ruhige, ja fast schon melancholisch wirkende Parts. Hört sich ja auf den ersten Blick sehr interessant an, ja, wenn da nur nicht der Mangel an Eigenständigkeit wäre. So klingen alle Songs (wenn man sich die melodischen Parts wegdenkt) wie die Herren Fear Factory zu „Demanufacture“-Zeiten. Schade, denn es steckt wirklich Potential in den Songs und im Gesang. So versteht es Todd Brashar, sein Organ stimmlich gut zwischen bösen Growls und cleanem Gesang zu variieren.

6 von 10

MANDY



DIECAST
„Tearing Down Your Blue Skies“
Erschienen: 2004
Label: Century Media
Homepage: www.bhcdiecast.com
DIECAST On Air: „Fire/Damage“

Ich fürchte, daß diese Art des Heavy Metals, die ja sinnigerweise von den Verantwortlichen als Metalcore bezeichnet wird - ein Begriff übrigens, den die jungen Fans begierig aufgreifen – alsbald die Szene durchfluten wird. Der New Metal hat es nicht geschafft, den ihm haftete zu sehr der Kommerzschwurbel an. Und mit Blagen wie Fred Durst zum Beispiel konnten sich halbwegs selbstbewußte europäische Halbwüchsige nun wahrlich nicht identifizieren.
Bands wie DIECAST machen eine Unterwanderung der Metal-Szene mit amerkanischem Sondermüll wahrscheinlicher, denn der Unsinn klingt im Großen und Ganzen nicht wie solcher. Nehmen wir nur eine Band wie Shadows Fall. Die haben solch ein großes Talent Hardcore mit Thrash Metal zu mischen, daß sie zu recht auch hierzulande eine große Fanschar hinter sich wissen. Auch DIECAST werden ihre Anhänger finden.
Sie gehören ebenfalls dieser Fraktion, die vor allem Hardcore und Thrash Metal mixt. Hinzu kommt noch ein Schuß New Metal. Bei dieser Konstellation kommt es vor allem darauf an, wie die Songs gelingen. Und da haben DIECAST auf „Tearing Down Your Blue Skies“ so ihre Schwierigkeiten. Denn hier wird nicht mehr als Durchschnittware geboten. Soetwas hört man unter den Gebrüdern Amihardcore zu Hauf. Die Band selbst glaubt, aus dem Wust der neuen Bands dieser Richtung herauszuragen. Ich frage mich nur womit.

5 von 10

JUB



REFUGE
„Promo CD“
Erschienen: 2003
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.refuge.de.vu
REFUGE On Air: „Put You Life On Standby“

Eine Band, welche schon seit 1995 zusammen Musik zelebriert. Ihren Stil beschreiben sie als Mix aus Speed/Thrash und Power Metal. Diese Meinung teile ich leider nicht mit ihnen. O.k., auf der Promo-CD sind nur ganze drei Songs enthalten und diese lassen keine Verbindung zwischen den oben genannten Stilrichtungen erkennen. Für mich klingen die Jungs wie eine Mischung aus Pop meets Bon Jovi. Alle Songs sind im ruhigen, eher „soften“ Bereich gehalten. Auch was das Musikalische angeht ist nur wenig Abwechslung erkennbar und gesanglich wieder stark Mister Ville Vallo kopiert.

7 von 10

MANDY



WRATH
„Viking”
Erschienen: 2005
Label: Einheit Produktionen
Homepage: www.freewebs.com/pagansoul
WRATH On Air: „Germanic Tribes“/“Whispers From The Ancients“

Aus England kehren die Wikinger zurück? Da haben die Nordmänner recht rüde gewütet und auch eine große Anzahl Frauen geschwängert, so daß sich die Gene bis in die heutige Zeit fortgepflanzt haben. Zumindest WRATH dürften dieser Brut entstammen. Oder besser gesagt, Nazgul. Denn der ist alleinig für sämtliche Taten auf dem Album „Viking“ verantwortlich.

Wenn Nazgul neben Darkthrone und Emperor vor allem Bathory und Burzum als seine großen Faves bezeichnet, dann wird das auch auf „Viking“ hörbar. Denn der Black/Viking Metal des Engländers ist ungehobelt, meist im stampfenden Midtempobereich gehalten, die Vocals keifen hallig und die Gitarren knistern. Das kennt man sowohl von Quorthon als auch vom Count. Allerdings ist bei WRATH derzeit nicht viel mehr als Nachahmung zu erkennen, obwohl die Songs gut gemacht sind.

Allerdings gilt das nur für die erste Hälfte der CD. Wäre diese silberne Scheibe eine Platte, wäre die Einteilung klar: Seite eins beinhaltet das Black-Metal-Zeug, Seite zwei ist ausschließlich mit Keyboard-Sounds bestückt, in jener Machart, wie es Burzum einst für die Metal-Szene salonfähig machte. Allerdings hat Nazgul nicht annähernd das musikalische, oder sagen wir kompositorische Potential wie der Norweger. Endlos werden die knappen Tonfolgen mit einem Tasteninstrument wiederholt, das man heutzutage schon für 10 Euro auf dem Trödelmarkt erwerben kann.

6 von 10

JUB



F.O.B.
“Default“
Erschienen: 2005
Label: I.F.A. Records
Homepage: www.fob.cz
F.O.B. On Air: „When Knife Cuts Glass“

Vom Bandnamen allein läßt sich nur sehr wenig über die Musik der drei Tschechen sagen.

So muß man sich ihr „Zweitlingswerk“ also genauer betrachten. Anhand des Covers ist erkennbar, daß die Jungs gerne mit Rasierklingen in Hände metzeln, in die Lebenslinie, welch ein Zufall. Also kombiniere: Tod gleich Death, jawohl Death Metal. Gut gemachten Death Metal, nicht zu vergleichen mit Hypnos oder Fleshless, aber durchaus hörenswert. So trifft der Gesang für mich genau ins Schwarze, musikalisch gesehen hätte ich mir etwas mehr Abwechslung gewünscht, da man nach „Land Of Markets“ nicht mehr wirklich überrascht werden kann. Aber sehr geiles Scheibchen, Hut ab.

7 von 10

MANDY



BESATT
„Sacrifice For Satan“
Erschienen: 2004
Label:
Homepage:
BESATT On Air: „Time For Gathering“

Davon ausgehend, daß hier Leute die Reviews lesen, denen man gewisse Stilrichtungen nicht mehr erklären muß, kann man BESATT aus Polen urwüchsigen Black Metal attestieren. Den spielen sie auf „Sacrifice For Satan“ vor allem ziemlich rasch, belassen es aber nicht bei zu simplen Gitarrenmelodien, sondern halten die Akkorde so knapp, daß diese auch für Death-Metal-Songs taugen würden. „Time For Gathering“ hätte ebensogut ein purer Death- oder Thrash-Song werden können.

BESATT sind nicht unbedingt die einfallsreichsten. Das Material, was sie hier herunterprügeln, gestalten sie aber für ihre Verhältnisse sehr lebendig. Wogegen textlich eher dem Tod und den „bösen Mächten“ gehuldigt wird.



8 von 10

JUB



INFLICTION
„The Silencer“
Erschienen: 2005
Label: Cruz del sur music
Homepage: www.infliction.it
INFLICTION On Air: „Poisonradio“

Die sechs Italiener verbinden gekonnt Melodic Black/Death Metal mit thrashigen Elementen und mischen diesem Extrakt ein wenig Gothic-Keyboard-Geplänkel unter. Sehr gewagte Mischung, so finde ich. Aber im Einklang mit mal kreischend-keifendem und mal cleanem Gesang klingt das ganze ziemlich gut. Für eingefahrene Gemüter eher nicht empfehlenswert. Durchaus ein gutes Werk für Fans, die der Abwechslung nicht abgeneigt sind.

6 von 10

MANDY



ENERTIA
„Force“
Erschienen: 2004
Label: Mausoleum/Soulfood
Homepage: www.enertia.cc
ENERTIA On Air: „Messed Up Son”

ENERTIA sind diese typische Sampler-Band. Ein Song von denen im Verbund mit anderen Bands des gleichen Genres (in diesem Fall powervoller Heavy Metal der alten Schule) auf einer CD kommt richtig gut. Da würden die Amis sogar auffallen. Ein Tonträger, der allerdings nur Musik von ENERTIA enthält, leidet unter Eintönigkeit. Die Stücke haben ein ähnliches Strickmuster, die Riff-Figuren sind nicht gerade ungewöhnlich, der Gitarrensound hat einen Allerweltsklang und die Stimme Scott Fatherstones ist äußerst limitiert. Trotzdem bleibt die Platte „Force“ immer noch gut, da die Songs an sich so schlecht nicht sind.

Der Band wirklich gerecht zu werden, ist nicht leicht. Ich vermute, wer sich in die Scheibe reingehört hat und die ersten Nummern mitsummen kann, wird „Force“ viel Zuneigung entgegenbringen können.

6 von 10

JUB



INSANE
„Demo“
Erschienen:
Label: Eigenproduktion
Homepage:
INSANE On Air: „Hauptsache asozial“

Die Jungs aus NRW klingen nicht wirklich überzeugend, und das ist noch gelinde ausgedrückt. Sie sind viel eher für mich eine Schulbandkapelle, welche einerseits auf Garagenpunk macht, mal schlecht Nirvana imitiert, dann auf Pop-Teeni überschwenkt und zu guter letzt rockig, melancholisch sein möchte. Und das war es dann schon mit der Promo-CD. Grottenschlechter Sound, in jeglicher Hinsicht. Sorry Jungs, aber übt lieber noch fünf Jahre und dann vielleicht auf ein Neues.

1 von 10

MANDY



DEADSOUL TRIBE
„The Dead Word“
Erschienen: 2005
Label: Inside Out/SPV
Homepage: www.deadsoultribe.com
DEADSOUL TRIBE On Air: „To My Beloved …“

Diese Band, besser gesagt – dieses Duo, hat die Zehner-Region gepachtet. DEADSOUL TRIBE sind derzeit im düsteren Metal-Bereich eine der führenden Formationen. Diese Mixtur aus Prog, Tool und brachialer Heavy-Metal-Wucht ist betörend. Erst recht, wo jetzt auch noch feine, fast sanfte 70er-Jahre-Rock-Elemente hinzugekommen sind. „Some Sane Advice“ ist dafür das beste Beispiel. Oder „My Dying Wish“ – hier treffen gar Satzgesänge der alten Rockschule auf Electro-Beats.

Ex-Psychotic-Waltz-Musiker Devon Graves hat mit DEADSOUL TRIBES seine Bestimmung gefunden, hier spielt er außer Schlagzeug alles im Alleingang ein und singt. Letzteres von zauberhaft bis giftig. An den Instrumenten ist er virtuos, ohne sie als Schwanzverlängerung zu verwenden. Er hält sich mit Solo-Eskapaden so diszipliniert zurück, daß man wirklich grundsätzlich die Songs in ihrer Fülle auf sich wirken läßt. Vermutlich ist Graves ein absolutes Genie, nur wer wird das schon groß mitbekommen. Stattdessen wird Robin Williams als der letzte große Rockstar gefeiert.

10 von 10

JUB

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