Bericht vom Riot Fest – Teil 10

Brand New @ 18:15-19:15 on Riot Stage

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An den Fanartikel-Ständen gibt es Brand New T-shirts die darauf hindeuten, dass sich das legendäre Pop-Punk/Emo Rock Quartett 2018 auflösen wird. Nach dem Auftritt auf der Hauptbühne am Samstag müssen sich aber auch langjährige Fans fragen, wieso sie sich nicht früher trennen. Die Band hat mehr Songs, die dieses Sub-Genre definiert haben, als sie auf einem Auftritt spielen könnten, aber ihre eigene  Loyalität zum Genre hat einen historischen Tiefpunkt erreicht. Besonders ältere Stücke wie „Mix Tape“ und „Okay I Believe You“ werden schnell übergangen, mit keinem Sinn für Tempi oder der stimmlichen Melodien und die Differenzen zwischen den Mitgliedern lässt die Frage offen die Band überhaupt noch miteinander spielen kann. Vince Accardi spielt seine Gitarre energisch und performet mit einer guten Dichte, während Jesse Lacey so wirkt als wolle er gar nicht hier sein. Ich habe nichts gegen Raum für Improvisation auf Konzerten, aber Brand News Songs haben einen prägenden Charakter in ihrer Originalen Form und Lacey unterbricht sie immer wieder, indem er Melodien verändert oder eher schreit statt zu singen, ohne sich dafür zu interessieren, ob das was er tut melodisch ist. Natürlich gibt es noch unglaublich viele Fans in den ersten Reihen, die ihre Nerven komplett verlieren – weil es die Songs von Brand New sind – aber weiter in den hinteren Reihen fragt ich jeder, der Brand New noch nicht kannte, wieso man wegen dieser Band so ausflippen würde. „Aber verstehst du nicht? So ist Jesse nun einmal!“ – Die Antwort ist: Verdammt nochmal, nein! Nachdem ich zehn Jahre diese Band gehört und verehrt habe, fühlen sich dies Auftritte immer mehr wie Müll von einem Songwriter an, der sich nicht weniger darum scheren könnte eine halbwegs gute Performance von Meisterwerken abzuliefern, für die er zum Großteil mitverantwortlich ist abzuliefern. Jesse Lacey soll sich überwinden oder die Band wird sich nicht dafür interessieren was sie in ihren etzten gemeinsamen Jahren noch fabrizieren.

Death Cab For Cutie @ 19:15-20:15 on Roots Stage

Kennst du das Sprichwort, das besagt, dass meine seine Helden nie in der Realität treffen soll, weil sie, je mehr Zeit man mit ihnen verbringt nur noch wie gewöhnliche Sterbliche erscheinen? Genau so fange ich an für Death Cab For Cutie zu fühlen Benjamin Gibbard war mein kraetiver Held, nun wurde er aber zu dem Typen, der mir das gleiche Set in 3 verschiedenen Städten vorspielte. Das schlimmste daran ist, dass zwei von den Konzerten Festivals waren und das andere Set war nur wenig besser. Ich muss zugeben, dass die älteren Lieder wie „Crooked Teeth“ oder „Title In Registration“ immer noch einen Platz in meinem Herzen haben, aber wenn ich mir anhören muss, dass die Band mit der 8,5 Minuten langen, größtenteils Bass-Einlage von „I Will Posses Your Heart“ die Show beginnt, was Zeit für einen ganzen Track verschwendet, glaube ich, dass ich die Show verlasse. Ich kann verstehen, dass man, wenn man tourt, nicht damit rechnet dass sich das Publikum aus Europa und den USA überschneidet, aber dennoch kann ich nicht verstehen, wieso man die gleichen Lieder immer und immer wieder spielst, wenn man doch noch so viele andere tolle Tracks produziert hat.

White Lung @ 19:30-20:00 on Storyheart Stage

Ich wurde erst vor kurzem auf das neuste Album von White Lung „Paradise“ durch einen Freund aufmerksam gemacht, aber fand es sofort interessant genug, um die Band statt Death Cab For Cutie anzusehen. Es sollte sich herausstellen, dass das nicht meine beste Entscheidung auf dem Riot Fest war. Der Sound war nicht gut und der Gesang war die meiste Zeit des Auftritts unfassbar schief. Die Sängerin beschwerte sich auch mehrmals über den Monitor-Sound und dass es zu laut sei. Sie verlässt sogar die Bühne, um vor der Bühne auf Augenhöhe mit dem Publikum aufzutreten. Die Post-Punk Energie der Band ist dennoch stark und sie führen mehr Songs auf als einige andere Bands auf den beiden kleinen Bühnen. Ich bin ebenfalls noch da geblieben, weil mich die Gitarrenriffs auf dem Album am meisten beeindruckt haben. Sie klangen auch Live ziemlich gut, aber leider waren sie im Vergleich zu dem Gesang zu leise abgemischt, wodurch der Auftritt nicht so angenehm war.

I The Mighty @ 20:30-21:00 on Storyheart Stage

Weißt du, wer Live singen kann? Brent Walsh aus San Fransicos I The Mighty, verdammt nochmal, er kann live singen! Weißt du wer das noch kann? Seine Kollege Chris Hinkley am Bass. Hinkley setzt hohe Wohlklänge und Antworten ein, wenn sie hineinpassen. Ansonsten benutzt Walsh eine reine Stimme auf der Storyheart-Bühne, die immer mehr an Zuwachs gewinnt. Anders gesagt: Der Auftritt fühlt sich an wie eine Miniaturnachbildung der Show von Pierce The Veil gestern Abend, da sie sich in musikalischer Hinsicht gleichen, während Walsh im Zentrum der Bühne zu den rockigen Sounds bewegt. Er und Hinkley singen so gut, dass man denken könnte, die Band würde davon profitieren, langsamer zu spielen, da sie in höherer Geschwindigkeit ihre funky und emotionalen Qualitäten vernachlässigen. Vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass es keine Zeit gab den richtigen Mix für die Gitarre der Gruppe zu finden, sodass die Parts, in denen die Gitarre die Zuhörer anstacheln sollte, zu flach erschienen. Wenn man das außer Acht lässt, muss man sagen, dass der 30 minütige Auftritt zu schnell vorbei war und jeder live sehen oder sie buchen sollte.

SONNTAG

Swingin’ Utters @ 12:35-01:05 on Riot Stage

Es ist der heißeste Tag mit Temperaturen, welche bei einem wolkenlosen Himmel über 30 Grad erreichen. Swingin‘ Utters legen eine soide Leistung auf der Bühne ab, aber nach nur ein paar Songs wird es zu viel in der Hitz zu stehen, was schade ist, da ihr Bad Religion/Descendents Stil gut klang.

The Falcon @ 13:10-13:40 on Roots Stage

Ich hatte schon mehrere Gelegenheiten sowohl The Lawrence als auch The Falcon live zu erleben und ihr Auftreten auf der Bühne hat mich immer verärgert, aber heute sieht es anders aus. Diese super Gruppe, welche aus Dave Hause (The Loved Ones), Dan Andriano (Alkaline Trio), Brendan Kelly und  Neil Hennessy (The Lawrence Arms) besteht, waren auf jeden Fall hier, um das Festival zu rocken. Ein Song wie „Sailor‘s Grave“ hat einen tollen Sound und das durch Dave Hause geführte „If Dave Did It“ spiegelt die Energie von The Loved Ones sowohl visuell als auch audativ. Mit dem Kultklassiker „Unicornography“ aus 2006 und „Gather Up The Chaps“, einem Knaller aus diesem Jahr, liefern The Falconer ein ganzes Set voller solider Punk Songs, bei welchen der Sound tadellos ist und die Band mit einer überraschenden Energie die Bühne rockt, welche nicht mit ihren vorherigen Shows zu vergleichen ist. Gute Stimmung und gesprächige Interaktionen runden einen großartigen Auftritt an einem Nachmittag ab, welcher unterstreicht warum sich die Band an so viel Hype erfreuen kann. [8] PP

Billy Talent @ 13:30-14:20 on Rise Stage

– the catchy songs come off the setlist as surely as goods off an assembly line, and where it can prove monotonous when listening to the band’s recorded discography, it’s entirely fitting for fifty minutes of dancing and singing along in the sun today. D’Sah’s riffs and solos come off great, and Kowalewicz entertains with a nice mix of humorous teasing Chicago’s baseball fans – boasting that the Toronto Blue Jays will knock the local Cubs out of the playoffs – and a dash of seriousness, preaching tolerance and togetherness even in the face of the current political climate, inviting everyone to stay over at his house should the US election fall in a certain direction. So while there may be a sense of safeness and commercialism over the band’s recorded material and continued career, there’s barely a finger to put on how they conduct themselves live.

Früher am Tag gab es einige Bands, die entweder sehr entspannte Attitüden an den Tag legten oder sich haben anmerken lassen, dass sie unerfahren sind.. Billy Talent gehört in keiner der beiden Kategorien, da sie professionell an ihren Auftritt in der prallen Sonne auf der Rise-Bühne herangegangen sind. Ihre Set-List ein Highlight an ansteckenden Riffs von Ian D‘Sah, welches das Publikum von vorne bis hinten in Wallung versetzte. Und Ben Kowalewicz als Sänger ist wie eine kanadische Antwort auf Dennis Lyxzen, der in einer Band spielt, die eine Mischung aus Green Day und The Hivers in einem ist.Alles fühlt sich an wie es sich bei einer größeren Rockshow anfühlen sollte. „Redc Flag“, „Try Honesty“, „Surprise, Surprise“, „Viking Death March“ – diese packenden Songs kommen so gut an als wären sie vom Fließband. Und alles was auf den Alben der Band monoton erscheint, passt heute perfekt in de in 50 minütigen Auftritt der Band, bei dem man in der Sonne tanzen und mitsingen kann. D‘Sahs Riffs hören sich super an und Kowalewicz unterhält das Publikum mit einer bunten Mischung. Zum einen ärgert er die Baseballfans aus Chicago, indem er behauptet, dass die Toronto Blue Jays den lokalen Club aus den Playoffs werfen. Zum anderen predigt er Toleranz und Zusammenhalt, auch wenn die momentane politische Lage kritisch ist und lädt jeden dazu ein, in seinem Haus zu wohnen, wenn die Wahlen mit einem bestimmten Ergebnis ausgehen. Auch wenn ein kommerzieller und sicherer Schleier über den Alben der Bands liegt, kann man sich nicht darüber beklagen wie Billy Talent sich live geben.