Bericht vom Riot Fest – Teil 3

Kommen wir nun zu den Reviews!

 

Freitag

Tigers Jaw @ 12:00-12:30 on Riot Stage

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Das Riot Fest 2016 wurde von wohl einer der besten Emo-Bands der modernen Zeit, Tiger Jaw, eröffnet, deren Studiosänger Adam McIlwee wohl einer der melancholischsten Stimmorgane weit und breit besitzt. Jedoch tourt er nicht mehr mit der Band, weswegen Ben Walsh als Kontrast zu der weichen Stimme von Brianna Collins eingesetzt wird. In Aktion ist der Klang der Band kaum zu unterscheiden, wobei aber doch auffällt, dass die emotionale Performance von Walsh fehlte. Das hat das Publikum jedoch nicht gestört. Von „The Sun“ an wurde kräftig mitgesungen. Die Set-List begann mit ruhigen Indie/Emo-Liedern, wobei die Band weniger beliebte Lieder von den Alben „Charmer“ und „Two Worlds“, wie beispielsweise den Opener „Hum“, „Test Pattern“ und „Frame you“ spielte, welche von der Zuhörerschaft nicht wirklich angenommen wurden, obwohl die Bühne solide gerockt wurde.
„Slow Come on“ veränderte  die Stimmung, dank der fantastischen stimmlichen Leistungen der Band , grundlegend. Danach leitete „The Sun“ die zweite Hälfte des Auftritts ein, bei welchem primär die besten Songs aus ihrem Debütalbum gespielt wurden. „Chemicals“, „Plane vs Tank vs Submarine“ und „I Saw Water“ klangen beeindruckend. Das Publikum belohnte die Band mit einem riesigen Applaus und, für diese Zeit ungewöhnliches lautes, Mitsingen. Es gab sogar einen Circle Pit bei „I Saw Water“. Während die erste Hälfte also ein wenig zu ruhig schien, ließ die zweite Hälfte die Leitung der Band glänzen. [7½] PP

Big D And The Kids Table @ 12:35-01:05 on Roots Stage

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Kann man sich Nachmittags auf einem Festival eine bessere Band wünschen als Big D And The Kids Table? Dank ihres optimistischen Auftretens ist energischer Ska-Punk verbunden mit Bier, Sonne und einigen lebendigen Skank Pits in der Menge einfach perfekt.  Die tolle Stimmung und die Gelegenheit David McWane dabei zu beobachten wie er skankt, während der Rest der Band im Halbkreis hinter ihm steht, ließen die Atmosphäre fast perfect wirken. Leider ist dies heute nicht der Fall, da die Band ihre dunkleren punk-verbundenen Stücke spielt, welche Saxophon und Posaune hervorheben, welche ab und an auf der Bühne dudeln. Jedoch bleiben einige Erwartungen des Publikums unerfüllt. Es ist klar, dass die schnellen und melodischen Ska-Songs die besten Stücke der Band sind, wobei „Noise Complaint“ sich größter Beliebtheit erfreut. Jedoch gab es heute Abend zu wenige dieser guten Stücke. Trotzdem sind McWanes aufwendige Gesten und die Art wie er mit dem Publikum umgeht, nicht zu verachten. „This goes for the motherfucking Specials!“ – Die Tracks haben gereicht, den Abend angenehm zu gestalten, aber man kann den Auftritt nicht mit dem brillianten FEST vor ein paar Jahren vergleichen [7] PP

Citizen @ 13:00-13:30 on Rise Stage

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Als wir an der Rise Bühne ankommen, haben Citizen aus Detroit schon eine beachtliche Zuschauermenge angesammelt. Schnell konnte man eine starke Gefühlstiefe in der Performance wahrnehmen, welche die emo/shoegaz Kombination, mit der die Band auf ihren Aufnahmen arbeitet, nochmal verstärkt. Von der Körperstatue erinnert Frontman Mat Kerekes eher an einen Runningback als an den stereotypischen Emo-Kerl. Trotzdem ist sein Gesang von Emotionen, aber auch von Stärke gezeichnet, welche in Schreien münden und eine explosive Note zu der Musik beisteuern. Er und seine Band leben nicht in alter Rockstar-Attitüde, treten aber selbstsicher vor das Publikum. Die etwas ansprechenderen Stellen des Sets rufen sogar wilde Antworten der Besucher hervor, wie wir sie eigentlich erst auf dem Auftritt von Touché Amoré erwartet hätten, die kurz darauf auftreten.
Man bemerkt, dass die Songs dazu neigen schnell und abrupt abgebrochen zu werden, was für Citizen aber in ihrer Live Performance, anders als auf der Platte, nicht hinderlich wirkt, da das Auftreten der Band alles wett macht, was in ihrer musikalischen Performance fehlt. 7 TL