Bericht vom Riot Fest – Teil 4

Fu Manchu @ 13:10-13:45 on Riot Stage

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Dass Fu Manchu bei diesem größtenteils ‚Alternative‘-line-up anzutreffen war, war seltsam und ließ die Band aus Orange County, CA, welche eine Legende des Stoner-Rocks ist, in gewisser Weise als Außenseiter dastehen. Es fühlt sich komisch an, dass meine erste Live-Erfahrung mit dieser Band auf einem Event wie dem Riot Fest stattfindet, da ich einige Möglichkeiten die Band in Dänemark zu sehen nicht wahrgenommen habe. Die Vorstellung der Band verläuft wage und (wie ich glaube) vor einem anderen Publikum als gewohnt. Trotzdem war es eine weise Entscheidung, eine Band wie Fu Manchu am frühen Nachmittag spielen zu lassen, da Stoner Rock als einer der einzigen Sub-Rock-Genres auch gut in schweißtreibender Hitze funktionieren.

Fu Manchu beginnen ihren Auftritt mit einem unscheinbaren Wechsel zwischen einem aufwendigen Soundcheck und ihrem ersten Song „Hell of Wheels“ von ihrem 2000 veröffentlichten Album „King of the Road“, welches von Kritikern gefeiert wurde. Sofort fiel der absolut brutale Bass auf, welcher von Brad Davies Instrument geliefert wurde. Der Effekt war unfassbar: Anstatt dass der Klang der Instrumente unübersichtlich wurde, spielten die Gitarristen Scott Hill und Bob Balch sowie Drummer Scott Reeder noch intensiver, was dieses Konzert wohl möglich zum lautesten Set des Riot Festivals‘16 machte, was aber nichts an der Klarheit der Musik änderte. Mit dem Track „Evil Eye“ nimmt uns die Band mit zurück ins Jahr 1997, bei welchem alle vier Musiker weiterhin mit ganzer Energie spielen und Hills exzessives Headbangen und seine Kunststückchen mit seiner transparenten Gitarre etwas schwankende und introvertierte Auftritte auf dem Riot Festival alt aussehen lassen. Aber auch die drei anderen Mitglieder der Band kamen nicht zu kurz: Sticks und Instrumente wurden gewirbelt, es wurde gestampft und so bekam der Auftritt einen gewissen Wiedererkennungswert. – Fu Manchu treten als Band auf, die durch und durch rocken. Ihre Musik macht ihren Auftritt nur noch besser.

Fu Manchus außergewöhnliches Auftreten gekoppelt mit dem ansteckenden Groove und der vielschichtigen psychedelischen Einlagen, welche immer wieder in Songs wie dem großartigen „Saturn III“ (ebenfalls vom 1997er Album „The Action to Go“) machten dieses Konzert zu einem unglaublichen Auftakt meines ersten amerikanischen Festivals.Das einzige, was ich an der Band (mit einem Augenzwinkern) zu kritisieren habe ist, dass es jedes mal wie von Geisterhand zu nieseln angefangen hat, wenn die Musiker von blauen Himmeln oder dem Trockenbleiben gesungen haben. [8] AP

The Dillinger Escape Plan @ 14:00-14:45 on Rise Stage

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Ein Genre, das im Tageslicht absolut nicht wie gewünscht funktioniert, ist der jazzige Mathcore der Band The Dillinger Escape Plan; besonders nicht, wenn die Sonne volle Pulle auf die Band scheint. Die verrückte und hoch geschätzte Show scheint von der Hitze nahezu paralysiert zu sein, weshalb „Prancer“, sowie die neue Single „Limeret Death“ und sogar das zerstörerische „Panasonic Youth“ vergehen, ohne auch nur ein Schulterzucken auszulösen. Nur der Gitarrist Ben Weinman blüht während der Tracks auf. Er swingt, schmettert, hampelt über die ganze Bühne  und springt von Verstärkern. Ich glaube, dass wir uns einig sind, dass die Musik von TDEP herausfordernd wirkt. Und wenn ihre Tracks so friedlich gespielt werden, ist es schwierig ihre wahre Bedeutung schätzen zu wissen. Deswegen war ich für die erste Hälfte der Performance eher enttäuscht (; besonders, weil ich hohe Erwartungen an die Band hatte.)

Zum Glück sind Lieder wie „Milk Lizard“ und „Nothing‘s Funny“ über die Jahre besser geworden. Das unglaubliche Double Pedal Drumming, das Billy Rymer live abliefert und die starken Gesänge lassen niemals unbeeindruckt. Während „Room Full of Eyes“, einer der packenderen Stücke der Band, schafften es Weinman und Sänger Greg Puciato endlich die Distanz zum Publikum zu brechen und dies zu animieren, wodurch eine unglaubliche Reaktion der Zuhörer hervorgerufen wurde. Trotz all der Brillianz muss man sagen, dass sich der Auftritt TDEPs eher schlaff und standardisiert  anfühlten. [6] AP