Bericht vom Riot Fest – Teil 5

GWAR @ 14:45-15:15 on Rock Stage

Der Preis für die irrwitzigste Band des Tages geht wie gewohnt an die Monster Thrasher GWAR. Durch ihre frevelhaften Outfits und ihren theatralischen soziopolitischen Unterton,  welcher nur so in Fake-Blut getränkt ist, das aus sämtlichen Körperöffnungen spritzt, muss man ihr Set auf Grund des B-Movie Humors und der ironischen Handlungslinien zu schätzen wissen. „Glaubt ihr lächerlichen Amerikaner wirklich, dass ihr unseren nächsten Präsidenten aussuchen könnt?“, fragt Sänger Blothar uns, bevor er Obamas Kopf aufschneidet, wodurch Blut überall hin spritzte. Mit einem „Haaaalllo Cleveland“ stichelt er das Publikum an, bevor er „Baby eater, crooked criminal Hillary Clinton“ vorstellt, welche hustend auf die Bühne stolpert und umkippt. Natürlich betritt Donald Trump als nächstes die Bühne, der wie ein Idiot gekleidet ist. – dieses Zusammentreffen resultierte in einem heftigen Kampf, welcher einige Songs andauerte. Clinton schafft es, kleinere Teile der Gedärme aus Trump zu ziehen. So spritzte nur so in die ersten Reihen. Ich kann mich daran erinnern, dass andere Bands später fragten, was zur Hölle falsch mit den blutverschmierten Besuchern sei und dann realisierten, dass diese den Auftritt von GWAR besucht haben. – Die Legenden der Thrash Metaller und ihr B-Movie Stil kennen keinerlei Grenzen. Nachdem Clinton Trump mit seinen eigenen Innereien verprügelt, gewinnt Trump die Oberhand, zieht Clintons Oberteil hoch, wodurch ihre Brüste freigelegt werden. Fake-Blut schießt aus beiden Brüsten, während die Bandmitglieder „Genozid!“ rufen und eine riesige Axt schwingen.

 

Die Menge tobt und genießen die Zeit mit GWAR total. Und wieso sollten sie das auch nicht tun? Obwohl die beiden Kandidaten zu sterben scheinen, ist der Contest noch nicht vorbei, da Bernie Sanders, mit seinen Füßen im Mund, die Bühne betritt und „FREE HEALTHCARE“ auf der Bühne schreit. GWAR entscheiden sich dazu dieses Scheusal zu in einem epischen Kampf zu bekämpfen, was darin resultiert, dass Sanders aufgeschlitzt wird und Blut in alle Richtungen spritzt. – Wer hätte das gedacht? „GWAR MOTHERFUCKERS!“, brüllt Blother, um zu verkünden, dass GWAR die Gewinner der Präsidentschaftswall seien. Ist das alles verdammt dumm? Natürlich! Ist der Thrash Metal der Band gut? – Es ist ehrlich gesagt ziemlicher Standard. Ist der Live-Auftritt durch und durch unterhaltsam? Und wie! Besucht  ein Konzert der Band. Ihr werdet es nicht bereuen. [8] AP

Neck Deep @ 15:15-16:00 on Rise Stage

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Als Europäer ist es ziemlich seltsam Neck Deep zum ersten Mal in Chicago zu sehen. Aber die Band aus Wales hat anscheinend einen so großen Einfluss in Übersee gewonnen, dass sie die niemals endende Euro-Tourneen übersprungen haben, die auf unserem Kontinent zum Werdegang einer aufstrebenden Rockband gehören. Das Set-Up ist jedoch so stereotypisch wie ein Europäer sich eine Pop-Punk Show in Amerika vorstellt. – Es fängt mit einer Rede durch eine Gesundheitsorganisation über den Suizidpräventionsmonat an. Das war alles ziemlich kitschig und politisch korrekt. Die Band verliert danach keine Zeit und beginnt mit ihrem Auftritt, der zum größtenteils aus Songs des neusten Albums „Life‘s Not Out To Get You“ aufgebaut ist. Während Bassist Fil Thrope-Evans und Gitarrist Matt West großen Spaß an ihrer Show haben, schlendert der Frontman Ben Barlow eher desinteressiert und mit gesenkten Haupt auf der Bühne umher. Die Unbeständigkeit des Albums lässt den Auftritt außerdem ungeschickt zusammenhangslos, was man an Pop-Punk Knallern wie „Gold Steps“und „Kali Ma“ in Kombination mit (relativ) harten und düsteren Stücken wie „Losing Teeth“ und „Serpents“ erkennen kann. Obwohl mich das fade Bühnen-Alter Ego des Barlows dazu anregt von einem springenden Jordan Pundik oder zumindest von einem halbwegs animierten Ryan Kelly zu träumen, gerät Barlow trotzdem außer Atem und hat mich sich selbst während der schnellen Verse von „Can‘t Kick Up the Roots“ zu kämpfen. Mit Barlows gesanglicher Leistung war es teilweise auch nicht möglich, einen bestimmtem Effekt zu erzielen, was letztendlich dazu führte, dass der Gesang nicht überzeugend und unmelodisch wirkt. Im Großen und Ganzen, habe ich mich sehr auf die Show gefreut, aber ich schätze, dass es schwierig ist heutzutage eine Pop-Punk Band zu finden, die vom selben Kaliber ist wie jene, die es in den Anfängen des Genres gab. Zu viel Pizza und zu wenig Talent, fürchte ich. [6] HES