Bericht vom Riot Fest – Teil 6

Set Your Goals @ 16:30-17:15 on Rise Stage

dsc005

Gibt es eine Band, die mehr nach 2016 klingt als Set Your Goals? „Mutiny“ und „This Will Be The Death Of Us“ waren hochgelobte Platten des Easycore der 2000er Jahre. Heute kommt ihr fideler Hip-Hop Stil bestenfalls als Klischee und schlimmstenfalls als langweilig und nicht nennenswert rüber. Natürlich spielt die Band eine breit gefächerte Mischung neuer und alter Songs und sieht dabei noch auf der Bühne sehr energisch aus, während sie die Hände hoch und runter zu dem Hip Hop Beat bewegen und es sogar Gesangchöre gab, die bei „The Fallen…“, „Echoes“ etc. mitgesungen haben, aber dennoch klang alles so neumodisch und auch der Gesang ist live auch nach vielen Jahren nicht besser geworden. „Das ist für die Kids, die an diese Musik glauben“, kündigt Set Your Goals an und werfen einige Serpentine Sprühdosen für „This Very Moment“ in die Menge. Zugegeben, der Circle Pit sah währenddessen und während „Summer Jam“ unglaublich gut aus, aber das Set haut nicht rein, bis die Band „Mutiny“ spielt, welches noch immer als einziger Song der Band gilt, der langlebig ist. Es ist schwer zu begreifen, was aus der Band, die einst die führende Gruppe des Easycore war, 2016 geworden ist.

Somos @ 17:30-18:00 on Storyheart Stage

Bevor ich zu der anderen Bühne gehe, um mir Glassjaws auftritt anzusehen, habe ich noch Zeit mir etwa das Halbe Set Somos‘ anzusehen, welches den älteren Song „Lives of Others“sowie das neuere „ThornIn The Side“, „Problem Child“ und den EP-Song „Streets Upon Streets umfasst. Der Auftritt scheint dicht zu laufen und die dudelnden Gitarrenriffs hört man immer klar raus. Als ich die Band zuletzt gesehen habe, kannte ich keinen ihrer Songs. Dieses mal hat es sicht auf jeden Fall mehr gelohnt, da ich bekannte Melodien und Texte wiedererkannt habe. Obwohl die Hooks einfach zugänglich sind, wirkt  der freie Gesangsstil nach einer gewissen Zeit etwas ermüdend. Trotzdem wurde die Energie der Band dank der Instrumente, welche immer in Betrieb waren, nicht erschöpft und ich wünschte, ich hätte mehr Zeit gehabt, zu ihren Liedern mitzusingen, aber es war mir dann doch wichtiger Glassjaw zum ersten Mal live zu sehen. [7] LF

 

Glassjaw @ 17:45-18:30 on Rise Stage

Glassjaw bleibt eine Band, die man nur schwer erwischt, da sie berüchtigt dafür sind nur sehr selten auf Tour zu gehen – Zumindest in Europa. Genau deshalb war die Post-Hardcore band aus Long Island, NY ganz oben auf meiner Liste der Bands, die ich unbedingt auf dem Riot Fest ‚16 sehen wollte. Während das Quartett mit dem Song „Tip Your Bartender“ prahlt, erinnert man sich daran, dass die Show nicht ausgezeichnet ist, weil man die Band so selten zu Gesicht bekommt, sondern weil Glassjaw eine exzellente Live Band sind. Obwohl sie erst seit einem Jahr dabei sind, haben Bassist Travis Sykes und Schlagzeuger Chad Hasty schon eine tiefe, fast schon telepathische Verbindung zu Gitarrist Justin Beck, was darin resultiert, dass die entstehenden lateinischen Grooves jedermanns Sinn für Ästhetik befriedigen. Und Daryl  Palumbos Gesang ist, wie immer, grandios und wird nicht durch die üblichen Schwierigkeiten bei Festivals in Mitleidenschaft gezogen

Dann gibt es da noch die Selbstdarstellung der Band: Mit ihren Instrumenten, welche hoch an ihnen festgeschnallt sind, emittieren Beck und Skyes in einer Art Trance zu seien und verlieren sich komplett in Songs wie „Ape Dos Mil“ und „Jesus Glue“, was sich auch im Publikum widerspiegelt. Palumbo hingegen steht in einem völligen Kontrast. Mit seiner zuvorkommenden, charismatischen Art und dem Wissen, dass sein Gesang einfach nicht besser sein könnte, hat er die Masse in der Hand. Es ist schade, dass die 45 Minuten so ein abruptes, unerwartetes Ende nach „Two Tabs of Mescaline“ nehmen musste. Aber diesmal haben sich Glassjaw als einer der absoluten Highlights auf dem diesjährigen Riot Fest etabliert. [8] AP

Turnover @ 18:00-18:30 on Rebel Stage

Während einer der schlimmsten Zusammenstöße zwischen Glassjaw und Jimmy Eat World auf dem Festival, habe ich es auch noch geschafft, ein paar Songs von Turnover mitzubekommen. Ihr Album „Peripheral Vision“ , welches sie letztes Jahr veröffentlichten, läuft bei mir immer noch regelmäßig und ich musste einfach einen Teil davon live sehen, bevor ich über das Festivalgelände zu JEW eilen würde. Ich habe meine persönlichen Favoriten „Dizzy on the Countdown“  und das neuere „Humblest Pleasures“ hören können, welche beide gut gemixt klingen, obwohl der Effekt der Distanz, welcher in ihren aufnahmen zu hören ist, live nicht so rüber kommt. Das verändert die Songs und verleiht ihnen einen direkteren Ausdruck, da der Gesang viel offensiver und nicht so aufgerundet ist, wie ich mittlerweile gewohnt bin. Ich kann die Show durch meinen sehr kurzen Eindruck nicht beurteilen, aber ich bin auf jeden Fall gespannt auf ihre kleinere Show im Underwerket, Dänemark im Oktober. LF

 

Jimmy Eat World @ 18:05-19:05 on Riot Stage

jimmyeatworld

Einer der Hauptgründe den langen Weg von Europa zum Riot Fest zu reisen war, dass wir einige Bands sehen wollten, welche in Europa nicht die Aufnahme und Spielzeit bekamen, welche sie eigentlich verdienten. Das ging fast nach hinten los, da sich schon eine riesige Menge zum Jimmy Eat World Set begeben hat, welches, ehrlich gesagt, etwas zu früh startet. Es wird schnell klar, dass die Riot Stage es nicht erlaubt, auch Menschen einen guten Sound bieten zu können, die nicht bereit sind sich in die unkomfortable Situation zu begeben, sich in die Masse zu quetschen, woran man sich während einiger Songs gewöhnen muss. Außerdem scheint es so als möchte Jim Adkins seinem Gitarrenspiel durch energisches Stampfen Ausdruck verleihen, um das Publikum anzuheizen. Nach ein paar Songs wirkt die Kraft des Quartetts aus Arizona aber wahre wunder, da die Zuschauer ihre Stimmen zu Chören erheben. Abgesehen von der fehlenden Soundlautstärke, wirkt das Set warm während die Sonne über Chicago schwindet und leidenschaftliche und beiläufige Fans der Veteranen-Band gleichermaßen zu einer Gemeinschaft werden und die klassischen Texte gemeinsam singen, während Adkins und Tom Linton Gitarrenriffs zum Besten geben. [7½] TL