Bericht vom Riot Fest – Teil 7

Off With Their Heads @ 18:30-19:00 on Storyheart Stage

„Wir haben keine Set-list, wir üben nicht, wir machen nur Party!“, behaupten Off With Her Heads während ihres Auftritts am frühen Abend. Man merkt es. Ihr Auftritt wirkt salopp und der Sound ist schief und vom Klang her könnte man meinen, dass er zumeist von Monitoren kommt, aber das ist egal. Sie sind eine wüste, fröhliche Band, die ohne Schnickschnack auskommt. Auf diese Weise klingt Punkrock noch immer am besten. Aber auch langsamere Stücke funktionieren: Der „Please Leave me alone“ Part in „Fuck This, I‘m Out“ werden von der Band laut und klar gesungen, obwohl das explosive „Janie“ kurz darauf der entscheidende Moment des Auftritts ist, da es von dort an nicht mehr gut, sondern großartig ist. „Seek Advise Elsewhere“ ist ein anderer Knaller, bei dem die kratzige Stimme zum Leben erweckt wird, wonach es Zeit wird alten Kram vom Debütalbum zu spielen, wie beispielsweise „Keep Falling Down“ und ein anderes, das ich nicht sofort erkannte. Die Band erkennt, dass das Publikum diese Songs nicht gut annimmt. Die Band nimmt sich etwas Zeit einen Kel zu kritisieren, welcher ein „Punks for Trump“-Shirt trägt, was laut der Band nur okay sei, sollte er trollen. Und selbst wenn es ein Troll ist, wäre es fürchterlich. „Nightlife“ lässt das Publikum ein wenig aufwachen, aber erst „Clear The Air“ mündet in einem massiven Gesangschor, welcher wie ein epischer Moment der Gemeinschaft wirkt. Der Sound war unerträglich, aber die Band hat eine Songs mit der guten alten Punk-Rock Attitüde gespielt.

 

All Time Low @ 19:00-20:00 on Rise Stage

All Time Low scheint für die fehlende Lautstärke bei Jimmy Eat World aufzukommen, da sie sofort mit einer unglaublichen Lautstärke das Publikum beschallen, dass von Song zu Song weiter wächst, was man daran sieht, dass immer mehr Mädels von Nummer zu Nummer in die Masse sprinten. Viele Alternative-Fans schreiben die Band als sauberen Boyband-Rock ab, aber wie gewohnt profitieren All Time Low von ihrer Schamlosigkeit, wenn es um Auftritte geht. Das obligatorische und unreife Geblödel der Band, welches durch Blink-182 Pop-Punk Tradition erlangte, scheint verdient auszusterben, da sich All Time Low mehr auf eine konstante Pop-Rockstar Performance konzentrieren, was für eine gute Erfahrung sorgt. Alex Gaskarth bringt ein wenig Veränderung, indem er seine klare Stimme oft zu einem Schreien werden lässt. – Währenddessen trifft er jedoch jeden Ton, die Band rockt die ganze Bühne, und  weicht Feuersäulen aus, welche links und rechts aus ihrem skurrilen Pyro Setup schießen. Vic Fuentes von Pierce the Veil betritt die Bühne, um seine Interpretation von „Love Like War“ vorzutragen und Gitarrist Jack Barakat covert prompt mit einem Augenzwinkern Limp Bizkits „Break Stuff“. Überhauot bekommt man den Eindruck, dass All Time Low eine unterhaltsame Show im Schlaf konzipieren könnte und andere Bands trotzdem unvorbereitet aussehen würden. [8] TL

Basement @ 19:30-20:00 on Storyheart Stage

basementband

Basement haben dieses Jahr schon eine steile Show auf dem BETA in Kopenhagen und werden bald komischerweise als Support für Bring Me The Horizon fungieren, was eine Show ist von der ich ganz viel Distanz wahren möchte. Ich war ziemlich froh, die Band hier sehen zu können und einen so guten Auftritt zu erleben wie ich mir erhofft habe. Die ausdrucksstarke Stimme harmoniert perfekt mit den Gitarren und der Dunkelheit der Nacht, die sich um uns herum ausbreitete, was eine passende Umgebung für diese nachdenkliche Musik darstellte. Lieder wie „Promise Everything“, „Aquasun“ und mein persönlicher Favorit „For You The Moon“, sowie andere Songs wie „Bas Apple“ und nicht zuletzt „Covet“ bekommen einen starken Chor aus dem Publikum.Alles in allem war dies eine unglaubliche Erfahrung und einer der besseres Shows dieses Festivals. [8] LF

Pierce The Veil @ 20:30-21:30 on Rise Stage

Was für eine Band ist Pierce The Veil? Pop-Punk, Post-Hardcore oder Glam Metal? Vielleicht wäre es einfacher herauszufinden, wenn ihre Stück nicht doppelt so schnell wären wie normale Musik, aber es ist sowieso nicht so wichtig, da die Skurrilität ihrer Show für sich selbst spricht. Die Band taucht in Jumpsuits aus einem Raumschiff auf, welches im hinteren Teil der Bühne liegt. Sofort beginnen sie fingerknochenbrechende Eskapaden auf ihren Gitarren zu spielen und vollführen Akrobatik auf der Bühne, welche die Augen des Publikums gespannt auf der Bühne weilen lassen. Vic Fuentes, welcher wie immer wie ein lässiger Skater gekleidet ist, ist ein geborener Künstler als Faulenzer getarnt, welcher jeden Gesangspart und jede Gitarreneinlage mit passenden Bewegungen veranschaulicht. Jaime Preciado wirbelt bei jeder Gelegenheit mit seinem Bass in der Luft herum, während Tony Perry die ganze Zeit auf seinem Instrument Tapped Leads hinlegt als sei er ein Mitglied bei Iron Maiden. Von der Struktur her mögen die Songs erscheinen als seien sie ein Zuckerschock, mit offensichtlichen Texten und vorhersehbaren Breakdowns. Jedoch ist die musikalische Komplexität intensiv und abgesehen von dem ganzen oberflächlichen Unfug, merkt man, dass Pierce The Veil live spielen. Das einzige Manko an der Performance ist Fuentes quietschende Gesangsstimme, welche häufig einen Einbruch verzeichnet. Das mag wie ein Problem klingen, aber da es immer etwas gibt, was man angucken oder hören kann, dass einen an dem Auftritt beeindruckt, ist auch dies ein Highlight des Festivalauftakts.  [8½] TL

The Flaming Lips @ 20:45-22:00 on Riot Stage

Es gibt einen Grund dafür, dass The Flaming Lips häufig auf den “Bands, die man sehen muss bevor man stirbt”-Listen zu finden sind. Und ich verstehe die Motivation dahinter. Jedoch hat es weniger mit der Musik zu tun, sondern viel mehr mit der absolut wahnwitzigen Bühnenshow und den Eskapaden des Frontmans Wayne Coyne. Und ich habe schon erlebt, wie das funktioniert! Aber heute Abend erinnert es mich einfach nur an eine Zirkusshow mit sehr wenig Inhalt.  In fünf Vierteln einer Show, welche eine Stunde geht, bringt es die Band auf etwa neun Tracks, was schon an sich ein Rekord ist; auch im Psych-Genre. Der Auftritt zeigt auch wie wenige Hits die Band eigentlich wirklich im Petto haben. – Nur etwa 1% der Lieder laden zum Mitsingen ein, außer man gehört zu den wenigen Leuten, die zur Orgel in “Pompeii Am Gütterdämmerung“ mitsummen können oder, warum auch immer, die Lyrics von „What is the Light“ auswendig kennen. Das Publikum scheint nicht das Hauptziel der Band zu sein und scheint für den Großteil der Show ziemlich verloren und schon bevor die Show richtig begonnen hat, suchen sich immer mehr und mehr Leute einen Uber zurück Nachhause. Die Band hat wieder mal mehr Erfolg mit einem David Bowie Cover als mit ihren eigenen Songs als sie eine breite Version von „Space Oddity“ spielen. Endlich erreicht der Auftritt der Band das Ende und sie spielen das Lied, auf das die gesamte Audienz gewartet hat, nämlich „DoYou Realize??“, was noch immer ein wundervoller Song ist, jedoch nicht die Show retten kann, von der sich das Publikum trotz leuchtender Raumanzüge, aufblasbaren Regenbögen und Lasern entfernen.