Bericht vom Riot Fest – Teil 9

The Hold Steady @ 15:20-16:20 on Rock Stage

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Da ich die massive Verliebtheit zu Motion City Soundtrack, die manche meiner Kollegen vertreten nicht unbedingt teile, war es nicht so schwer sich zwischen der vorletzten Show der Pop-Punk Band und The Hot Steadys Feier zum 10.Jubiläum des Albums „Boys and Girl in America“, bei welcher sie das Album komplett spielen würden, zu entscheiden. Der Frontman der Band Craig Finn gehört zu einem aussterbenden Schlag Poeten, welcher seine Inspiration weit und breit durch Bruce Springsteen, Nick Cave und Frank Truner zieht, was man in seinen Werken heraushören kann. Die Waffe der Band ist, was ich gerne als „Great American Rock Song“ bezeichne; voller lebendigem Storytelling, erhobene Piano Rolls und warme, prickelnde Instrumentation, welche von Herzen kommt und das Herz erwärmt. Es ist Musik, wegen der man sich gut fühlt – Auch,wenn Finns Lyric trügerisch dunkel sind.

Anders als Springsteen, schaffen es The Hold Steady deutlichen Punk und ungehobelte Ecken hervorzubringen, während sie auch euphonisch klingen, wobei es gesprochene Verse wie „You don’t have to deal with the dealers. Let your boyfriend deal with the dealers.“ in “You can Make Him Like You” stark und prägnant klingen. Gleichzeitig weiß die Band eine ironische Distanz zur Lyrik zu wahren, da sie enthusiastisch, fast euphorisch wirken, wenn sie so lächeln und sich herum drehen. Das Konzert von The Hold Steady ist bekömmlich für Ohren und Augen und ist genau das, was man Nachmittags braucht, wenn man schon ein bisschen über den Durst getrunken hat. [8] AP

Black Foxxes @ 16:00-16:30 on Rebel Stage

Großbritanniens Black Foxxes haben erst vor kurzem ihr Debütalbum herausgebracht und bekommen an den richtigen Stellen Aufmerksamkeit. Dennoch ist Chicago weit von Zuhause weg; deswegen ist es nicht nur erstaunlich, dass sie hier gebucht wurden, sondern auch, dass sie erst zu einem kleinen Treffen verwiesen werden bevor sie der Rebel Stage zugeteilt werden. In seiner Sommerkleidung und mit der Sonnenbrille sieht der Gitarrist und Sänger Mark Holley mehr wie ein Tourist als ein Rocker aus. Schnelle Entschuldigung für die Band: Sie leiden unter einem unfassbaren Jetlag. Während die beiden anderen Mitglieder des Trios eine geschäftsmäßige Show abliefern, wärmt sich Holley auf und eröffnet die Show mit seiner brillanten Stimme. Er ist die Art von Sänger, die im einen Moment ein klares Flüstern hinbekommen und im nächsten Moment einen Schrei in perfekter Tonlage hinlegen können. Das zeigt er häufig – vielleicht zu oft – auf dem heutigen Auftritt. Es ist klar, dass mit nur einem Album selbst ein 30 minütiger Auftritt eine Herausforderung. Die Qualität spiegelt sich jedoch in Songs wie „I‘m Not Well“, „Husk“ und „River wieder. Der sehr emotionale Alt-Rock der Band und die Blues-Einlagen in den Gitarrenparts lassen darauf schließen, dass Jeff Buckley einen Einfluss auf die Band haben könnte. Extra Punkte bekommt Holley als er gegen Halbzeit des Auftritts seine Sonnenbrille abnimmt, sich entschuldigt und selbst-kritisch zugibt, dass er es hasst, wenn Bands Sonnenbrillen tragen, während sie spielen. Auch wenn der Auftritt von Black Foxxes nur einen groben Überblick über das zu bieten hat, was die Band zu bieten hat, sollte man weiterhin ein Auge auf sie werfen. [7] TL

Balance and Composure @ 17:00-17:30 on Rebel Stage

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Balance and Composure beginnen ihren Auftritt mit neuen Song ihres Albums „Light We Made“, welches bald veröffentlicht  wird. Und auch wenn diese Tracks diffuser und atmosphärischer sind als die älteren Lieder der Band, passen sie gut zu dem restlichen Set des heutigen Tages. Die Band bedankt sich beim Publikum dafür, dass es heute als Meerschweinchen hinhalten muss und spielt kurz darauf „Tiny Raindrop“ und „When I Come Undone“ von ihrem vorangegangenen Album. Der Klang der Band wirkt umgarnend, obwohl ich die Show von einem nahegelegenen Zaun betrachte. Ein späterer Zeitpunkt hätte jedoch besser zu ihrem Auftritt gepasst, da eine knallende Sonne nicht gut zu den emotionalen Lyrics passen. [7] LF

Descendents @ 18:05-19:05 on Rock Stage

Eine große Menschenmenge hat sich für Punkrock Veteranen Descendents gebildet, welche gerade erst ihr exzellentes neues Album „ Hypercaffium Spazzinate” veröffentlicht haben, welches sowohl von den Fans als auch von denen Medien große Anerkennung einsackte. Heute quetschten sie ganze 29 Lieder in ihren Auftritt, welcher nur eine Stunde lang ist. So positionieren sie klassische Tracks zwischen neue Ausschnitte, was in großen Mitsingchören bei Liedern wie „Nothing With You“, „Talking“, „Suburban Home“ und vielen anderen Liedern führte. Auch nach all den Jahren sieht die Band noch gut auf der Bühne aus, während sie mit viel Energie spielen und die Atmosphäre i Publikum atemberaubend ist. Nostalgische Chöre versetzen einen zurück in die guten alten Zeiten, während neue Songs wie „Shameless Halo“ zeigen, dass die Descendents es immer noch voll drauf haben. Kurz gesagt: Die Circle Pits und Gesänge des Publikums erklären, warum die Descendents Legenden in ihrem Genre sind.