GLENN HUGHES "Sorry, Mister Axel Rose"
Interregnum im Gespräch GLENN HUGHES
Gesendet am 06. Juni 2006

GLENN HUGHES hat eine der faszinierendsten Musiker-Karrieren hinter sich. Er gründete die Band Trapeze, war Sänger und Bassist bei Deep Purple, stand bei Black Sabbath am Mikrophon, veröffentlichte Alben mit Joe Lynn Turner, Tony Iommi und Pat Thrall, war an zig Projekten beteiligt und arbeitete zuletzt mit Musikern der Red Hot Chilli Peppers zusammen. Er gilt als einer der besten Basser der Rock-Szene und gehört zur Sänger-Elite. Kein Wunder, daß wir ihm eine ganze Sendung widmeten.
Ist die Musik auf „Soulmover“ und „Music For The Divine“ genau die Musik, in der Du dich am wohlsten fühlst?
Oh ja. Ich habe in den 90ern einige Platten gemacht, bei denen ich vielleicht ein wenig unsicher war. Aber ich war immer glücklich mit der Musik, die ich je gemacht habe. Mit den letzten beiden Alben „Soulmover“ und „Music For The Divine“ hatte ich eine Vision, bevor ich an ihnen zu arbeiten begann. „Soulmover“ war eine komplette Rocklehrstunde. Sie sollte soviel Funk und Groove haben wie nur möglich. Sowas macht mir Spaß. Bevor ich „Music For The Divine“ schrieb, wollte ich ein Album machen, das nur auf Saiteninstrumenten arrangiert wird. So etwas hatte ich vorher noch nicht gemacht. Und so schrieb ich Songs wie „Violent Denial“, „Frail“ oder „This House“. Ich schrieb sie für Saiteninstrumente. Die Leute fragten mich, warum ich dieses Album gemacht hätte. Jeder Künstler kommt in seiner Karriere an einen Punkt, an dem er etwas anderes ausprobieren möchte. Diese Alben, ich sagte es bereits, bedeuten mir sehr viel. Ich bin noch immer sehr glücklich darüber, Sänger und Baßist bei Deep Purple gewesen zu sein. Aber ich möchte, daß meine deutschen Fans wissen, daß es hier einen Künstler gibt, der neue, frische Sachen ausprobiert. Und diese Alben wirken sehr frisch.
Du sprichst übrigens einen sehr interessanten Dialekt.
Ja ich lebe jetzt schon 30 Jahre in Los Angeles. Vielleicht habe ich mir schon einen englisch-amerikanischen Dialekt angeeignet.
Ich schätze, daß Dir unsere Aussprache weitaus fürchterlicher vorkommt.
Nein, überhaupt nicht. Ich liebe Deutschland. Ich komme gerne rüber, um bei Euch zu spielen. Deutschland ist ein sehr wichtiger Markt für meine Musik.
Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit den Red-Hot-Chilli-Peppers-Musikern Chad Smith, John Frusciante und auch Dave Navarro gehört ja irgendwo dazu?
Sie sind meine Freunde. Chad Smith ist sogar mein bester Freund. Ich bin der Patenonkel seines Kindes. Wir stehen uns sehr nahe. John Frusciante ist auch einer meiner engsten Freunde. An Dave Navarro kam ich durch meine Freundschaft zu Chad Smith. John und ich schreiben zusammen viele Songs. Darunter auch schon welche für meine nächste Platte, die Ende 2007 erscheinen wird. Los Angeles ist zwar eine große Stadt, doch wenn es um Musik geht, ist es eher eine Kleinstadt mit wenigen Musikern. Wir sind eine kleine Gruppe aus engen Freunden, die sich hin und wieder zum Essen verabreden oder Musik zusammen schreiben. Chad, John und Dave Navarro auf meinem Album zu haben ist schon ziemlich cool.
Haben diese Musiker auch dazu beigetragen, daß die Platte ein wenig mehr in die Funk-Richtung tendiert?
Nun, Chad, John und ich sind alle Brüder im Geiste, wenn es um Funk geht. Sie verstehen die Funk-Elemente. John und Chad auf meinem Album zu haben, ist cool. Ich liebe es.
Kannst Du Dich noch an das „Rock Of Ages“-Festival 2006 erinnern?
Natürlich.
Warst Du zufrieden mit Deinem Auftritt und wie hat Dir das Festival im Allgemeinen gefallen?
Es war großartig trotz einiger Probleme. Der Drummer von Wishbone Ash etwa wurde auf dem Flughafen festgehalten, ich hatte 15 Minuten weniger Spielzeit, weil es Probleme beim Koordinieren der Spielzeit für die Bands gab. Es war alles ein bißchen durcheinander. Aber mit dem, was ich auf der Bühne geleistet habe, war ich sehr zufrieden. Bei meinen Auftritten versuche ich den Leuten etwas Andersgeartetes zu geben und niemanden zu kopieren. Wenn du GLENN HUGHES siehst, dann siehst du einen singenden Bassisten, der zu den Besten seines Fachs gehört. Was ich den Festivalbesuchern biete, ist ein Auftritt, bei dem sie einen Sänger und Baßisten hören, der irgendwie anders ist als alle anderen. Ich möchte an niemand anderem gemessen werden. Ich fühle mich auf der Bühne wohl. Wenn Du da warst, hast Du es vielleicht gesehen.
Wer war der blonde Typ, der am hinteren Bühnenrand stand? Du hast beim Auftritt manchmal mit ihm gesprochen.
Das ist mein Manager. Ich hatte leichte Probleme mit meinem Baß-Equipment, und er versuchte sie aus der Welt zuschaffen. Normalerweise ist er nicht zu sehen, doch er steht immer an der Bühne und leistet mir Hilfe im Fall der Fälle.
Deine Stimme ist unbestritten toll, aber einige Kritiker behaupten, Du würdest zu viele Schreie in Deiner Live-Performence haben.
Kannst Du mir welche nennen? Ich weiß nicht, wer das sein soll. Das ist ihre Meinung. Jeder hat eine Meinung.
Aha.
Das ist kein Problem für mich.
Einerseits hast Du Deep Purple und Trapeze Deinen Stempel aufgedrückt, andererseits schienst Du bei anderen Bands mehr ein musikalischer Dienstleister zu sein. Wie waren Deine Erfahrungen bei Black Sabbath?
Es war großartig. Ich denke, das Album war großartig und die Tour ein Disaster. Das damals aktuelle Album „Seventh Star“ war ein gutes Stück Musik. Was ich in die Band brachte, unterschied sich von dem was Dio oder Ozzy beisteuerten. Es war eine gute Zeit. Trapeze hingegen war meine erste Band. Ich war noch sehr jung, 17 Jahre alt. Dort lernte ich zu singen.
In welcher Band hast Du dich am wohlsten gefühlt? Bei wem warst Du am besten aufgehoben?
Trapeze!
Hat es für Dich Projekte gegeben, die Du nicht mit dem Herzen, sondern aus rein kommerzieller Sicht mitgemacht hast?
Mit dem Kommerz ist das so eine Sache. Ich hab das zuvor noch nie in Deutschland gesagt, aber für mich ist meine Kunst auszuleben sehr wichtig. Wenn ich zum Beispiel in einem Lied schreie oder auf der Bühne Sachen mache, die einfach anders sind, dann ist das meine Art und Weise mich auszudrücken. Genauso wie es bei Jimi Hendrix war als er verrückte Dinge mit seiner Gitarre anstellte oder Ritchie Blackmore seine Gitarre zerschlug. Musiker machen manchmal merkwürdige Sachen auf der Bühne, um ein Gefühl zu provozieren. Kommerzielle Dinge hingegen bedeuten nichts für mich, ich möchte nichts tun, was in erster Linie kommerziell ist. Daran verschwende ich keinen Gedanken. Geld verdienen ist das Letzte, was ich mache. Wenn ich mit dem Erschaffen von Kunst in meinem Leben glücklich werde, ist alles andere zweitrangig. Kommerzielle Dinge sind mir nicht wichtig. Ich könnte mich verkommerzialisieren, mich teurer verkaufen als jetzt. Doch daran habe ich kein Interesse. Ich bin jetzt 54 Jahre alt und sehe mich als neuen Künstler an. So wie Robert Plant oder David Gilmour, zwei meiner Freunde, sie machen im Moment die beste Musik seit langem.
Warum hast Du nie das Baßspielen aufgegeben, um Dich nur auf den Gesang zu konzentrieren?
Ich liebe es, Baß zu spielen. Ich werde das oft gefragt. Ich bin zum Baßpielen geboren und spiele den Baß schon länger als ich singe. Ich fühle mich sehr wohl mit dem Baß oder mit einer Gitarre in der Hand. Beim Spielen verändert sich die Atmung durch das Halten des Instrumentes und das spiegelt sich im Gesang wieder. Ich liebe es, Baß zu spielen. Es ist ein großartiges Instrument.
Was hältst Du vom aktuellen Deep-Purple-Material?
Oh das ist schon lange her, 30 Jahre mittlerweile. Diese Songs bedeuten mir sehr viel. Sie waren und sind ein großer Teil meines Lebens. Millionen von Fans kauften sich die Alben. Das war großartig. Ich liebe es. Aber das Wichtigste für mich ist es, vorwärts zu gehen. Beim „Rock Of Ages“ habe ich drei, vier Deep-Purple-Songs gespielt für die Leute, die sie hören wollen. In einem Zwei-Stunden-Set drei bis vier Lieder. Aber meine Zukunft liegt nicht in dem, was ich in der Vergangenheit getan habe, sondern in dem was ich in Zukunft machen werde.
Gut, aber ich meinte vielmehr, ob Du glaubst, daß Deep Purple im Moment eine gute Band sind?
Das aktuelle Deep-Purple-Line-Up kann ich nicht kommentieren, da ich sie schon lange nicht mehr gesehen habe. Deep Purple in der Mark-III-Besetzung war, meiner Meinung nach, die beste. Mit Ritchie Blackmore, David Coverdale, Glenn Hughes, John Lord und Ian Paice. Das war die beste Deep Purple Besetzung meines Erachtens nach.
Welche drei Sänger sind die Deiner Meinung nach besten ihres Faches?
Steve Wonder, Wilson Picket und Marvin Gaye.
Warum?
Ich hörte sie als ich aufwuchs. Würdest Du jemand jüngeren fragen, gäbe er dir sicherlich eine andere Antwort. Aber ich bin 54 Jahre alt. Ich wuchs in Nordengland auf und hörte am liebsten schwarze, amerikanische Künstler. Vor allem die drei genannten. Ich könnte dir zehn weitere nennen, doch sie wären alle schwarz. Die Zeit zwischen 1962 bis 1968, daher kommen meine Einflüsse. Ich wollte Fußballspieler werden und hörte diese Musik im elterlichen Haushalt. Meine Mutter und mein Vater wurden durch diese Musik auch sehr beeinflußt. Du kannst deine Einflüsse nicht verleugnen.
Hast Du Steve Wonder schon mal getroffen?
Ja ich habe ihn getroffen als ich bei Deep Purple spielte, und wir wurden Freunde. Er ist ein toller Typ.
Und welchen Baßisten bewunderst Du?
Oh einige. Ich mag Andy Fraiser, den Baßisten von Free. Paul McCartney, Jacko Pastorious und meinen guten Freund Jack Bruce. Sie haben mich alle beeinflußt.
Einst sagtest Du „Axl Rose singt wie ein Wiesel. Und wer wie ein Wiesel singt muß ein Arschloch sein.“ Was ging diesem Statement voraus? Warum so harte Worte?
Weist Du, das ist jetzt sieben Jahre her. Dieses Verhalten ist für mich nicht akzeptabel. Ich muß mich entschuldigen dafür, daß ich das gesagt habe. Das stammt aus einer Zeit in meinem Leben als ich noch etwas verärgerter war. So redet man einfach nicht über andere Menschen. Ich muß mich dafür entschuldigen, so etwas über Mister Rose gesagt zu haben. Ich kann so was denken oder auch nicht. Aber ich hätte besser nichts gesagt. Das war sehr unhöflich. Weißt Du, wir können alle denken, was wir wollen, wenn wir etwas lesen oder Axl Rose im Fernsehen sehen. Wenn ich etwas gesehen habe, was mich provoziert hat, dann hätte ich es besser für mich behalten sollen. Ich hätte es nicht Tausenden von Leuten sagen sollen, die diesen Kommentar gelesen haben. Ich möchte mich bei alle Lesern und bei Euren Hörern entschuldigen, das gesagt zu haben.
Aber ich denke, daß Axl Rose durch sein Verhalten solche Sprüche durchaus provoziert.
Aber ich hätte es trotzdem nicht sagen sollen. Ich bin seitdem älter geworden. Wenn Du Dir den Verlauf meiner 35jährigen Karriere ansiehst, wirst Du feststellen, daß ich nie so etwas zuvor gesagt habe. Das ist sehr untypisch für Glenn Hughes. An den Tag als ich das sagte, muß mir irgend etwas Übles passiert sein, daß ich so was von mir gegeben habe.
Manchmal passieren eben komische Sachen. Ich denke, er wird Dir nach den sieben Jahren vergeben haben.
Weist Du, eine Menge Leute auf der Welt lasen das, was ich Dir gerade sagte. Dieses Statement ging nach Deutschland, nach England, Italien und nach Australien. Eine Menge Leute in der Weltpresse gingen auf diesen Spruch ein. Und nun sage ich es Dir in Deinem Interview.
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