ASIA
Interregnum im Gespräch mit John Payne (voc/bg)
Gesendet am 5. April 2005

John Payne

ASIA waren zum Zeitpunkt ihrer Gründung eine jener Supergruppen, die die Rockwelt immer mal wieder beehrten und sie nicht selten veränderten. Das gelang der Briten 1980 auch mit ihrem selbtbetitelten Debüt-Album. John Wetton (voc, bg - King Crimson, Uriah Heep), Steve Howe (g - Yes), Geoff Downes (key - Yes) und Carl Palmer (dr- Emerson, Lake & Palmer) erfüllten jene Erwartungen, die man in sie steckte und legten eine Scheibe vor, die an Melodien und vor allem Pathos bis dahin ihresgleichen suchte. Zwar änderte sich das Line up stetig, die Band ASIA blieb als Baby von Geoff Downes aber fast durchgehend bis heute existent - und ist brillanter denn jeh.

Von den Bombast-Rockern der frühen 80er bis zur heutigen Scheibe "Silent Nation" haben ASIA eine Reihe von Phasen durchlaufen. Was war der Grund für die stetigen Veränderungen, die sich auch stilistisch niederschlugen?

Wir befinden uns in der sehr glücklichen Position, die Möglichkeit zu haben, uns verändern zu können. Bands wie Pink Floyd veränderten sich auch über die Jahre. Und dennoch schloß sich der Kreis in ihrer Entwicklung. Ich führe darüber natürlich kein Tagebuch. Wenn man ein Album macht, das ist wie ein Tagebuch in musikalischer Hinsicht. Was hört man gerade selber, wie fühlt man sich gerade. Seit „Aqua“ klang jedes unserer Alben unterschiedlich. Man konnte sogar Jazz-Einflüsse auf dem letzten Album ausmachen. Ich denke, mit „Silent Nation“ schließt sich der Kreis zu den Ursprüngen, hin zum ersten ASIA-Album.

In den 80er Jahren waren ASIA in der DDR-Metalszene eine der populärsten Melodic-Metal-Bands. Unabhängig davon, welche Arten von Bands die Fans gerade bevorzugten - etwa Iron Maiden, Metallica oder Bathory - sie alle mochten ASIA. Zwar war die DDR sicherlich ein kleines Land, aber diese Haltung zeigt auf, daß die Band sehr groß und gefragt war. In dem Maße sicherlich auch weltweit. Was denkst Du, welchen Stellenwert die Band heutzutage hat?

Das erste Album war definitiv groß. Es war Geffens erster Vertragsabschluß mit einer Band. Die Bandmitglieder kamen allesamt von großen Gruppen wie Yes, King Crimson, ELP. Es wurde unter dem Sticker „Supergroup“ verkauft. ASIAs größtes Problem war, daß sie mit einem so großen Album begannen. Alles, was danach kam, wurde kommerziell nie mehr so erfolgreich. Das Folgealbum verkaufte sich drei Millionen Mal. Die Öffentlichkeit und das Label sahen es ein wenig als Flop an. Heutzutage verkaufen wir nicht mehr annähernd so viel, doch wir haben eine starke Untergrund-Gefolgschaft. Ich denke, daß unser neues Album das stärkste ist, welches wir seit langem aufgenommen haben. Wir hoffen damit das Profil von ASIA wieder verstärken zu können. Ich mache Musik nicht, weil ich auf kommerziellen Erfolg aus bin, sondern weil ich es liebe, sie zu spielen. Aber wenn es geschieht, das ASIA dadurch mehr Platten verkaufen, dann bin ich damit natürlich auch glücklich.

Zu dem „Supergroup“-Status kommen wir später noch einmal. Doch zuerst, welche Nation ist denn die „Silent Nation“?

Ich denke, die Sache ist so, daß es sich mehr auf Amerika bezieht, als auf irgendeine andere Nation. Es gibt viele ökologische Referenzen auf diesem Album, auch findet man viele politische Referenzen. Der Krieg im Irak, die Zerstörung des Planeten durch ökologischen Raubbau. Man kann mich jetzt einen Hippie schimpfen. Aber diese Sachen empfinde ich als sehr wichtig. Auch andere Menschen finden es wichtig, daß solche Sachen angesprochen werden. Erstaunlicherweise finden auch viele andere Regierungen diese Themen im Moment sehr wichtig. Sie sind besorgt, denn der Einfluß und die Macht, die erzielten Gewinne, die dadurch entstehen, sind doch eher kurzfristiger Natur. Auf lange Sicht hingegen muß man aber die Natur schützen und die Menschen verschonen. Wir glauben, daß die Erde uns gehört, doch ein berühmter Indianerhäuptling sagte einst: „Wir besitzen die Welt nicht, die Welt besitzt uns.“

Wie kommt es, daß „Silent Nation“ Eure erste Platte ist, die im Titel nicht mit einem „A“ beginnt?

Mit diesem Album wollten wir eine große Veränderung herbeiführen. Wir fühlten, daß, wenn wir so weiter machten wie wir bisher verfahren sind, wir uns zu einer Lachnummer entwickeln würden. Es gibt da einen berühmten Film aus England, „Spinal Tap“. Da geht es um solch eine Rock-Band. Jedenfalls waren wir der Plattentitel - bestehend aus vier Buchstaben und beginnend mit einem „A“ - überdrüssig. Wir wollten längere Titel. Es stand zu Beginn ja auch mal der Titel „Corner“ im Raum. Doch wir fragten uns: „Wollen wir wirklich ein Album rausbringen, mit einem Titel den keiner versteht?" Die Sache begann lächerlich zu werden. Es sollte dieses Mal ein Name sein, der wirklich etwas mit den Texten der Platte gemeinsam hat. Wir fanden mit „Silent Nation“ einen Titel, der wirklich das wiederspiegelt, worum es in den Texten geht. 

Ein typisches Merkmal von ASIA sind die warmen Melodien in den Refrains. Andere Bands wie Nightingale oder die neue Praying Mantis etwa schreiben ihre Musik nach einem ähnlichen Prinzip. Ist Dir das auch schon 'mal aufgefallen? Bist Du Dir eigentlich dessen bewußt, etwas mitkreiert zu haben, was andere Bands beeinflußt?

Auch wenn viele Leute es nicht mögen, daß Bands sich an anderen orientieren, ist es meiner Meinung nach das größte Kompliment, wenn andere probieren, das zu machen, was du tust. Ich denke, daß ASIA eine der beeinflussenden Bands war. Nicht aber die einzige, die solche Sachen schrieb und spielte. Da gibt es noch Styx, Journey, einige Foreigner-Sachen. Ich denke, wenn wir die Leute musikalisch beeinflussen können, mit unseren Texten provozieren können, das ist ein Grund, darüber glücklich zu sein. Die Leute zum Denken anzuregen und beim Musizieren zu beeinflussen, das ist großartig. Ich liebe diese Art von Musik mit den großen Harmonie-Refrains. Schon seit ich ein Kind war.

In den 80ern waren ASIA ein Projekt, welches von Top-Stars der Szene gegründet wurde. Mit ihrem Neuanfang 1992 waren ASIA noch immer von diesem „Supergroup“-Flair umgeben. Heutzutage funktioniert dieser Bonus nicht mehr. Ist es darob schwieriger geworden, erfolgreich zu bleiben?

Ich denke, der schwierigste Teil daran, wenn du Musiker der Extraklasse für ein Projekt zusammentrommelst, ist, daß sie aus finanziellen Gründen zusammenkommen. Das muß nicht immer so sein. Manchmal sind sie auch einfach nur gute Freunde. Das Line Up, welches wir mit Chris Slade und Guthrie Govan haben, ist das stabilste seit Jahren bei ASIA. Und in erster Linie sind wir Freunde. Der Ärger mit vier Musikern aus vier großen Bands ist der, das so schnell sie auch einsteigen, so schnell verlassen sie die Band auch wieder. Entweder gehen sie in eine andere Band oder sie gehen in die Band zurück, aus der sie gekommen sind. Ich denke, daß dieser Supergruppen-Titel, der ASIA damals 1982 anhing, eher eine unglückliche Sache ist. Und jetzt sind wir eine Band, die daran interessiert ist, einfach nur gute Musik zu machen. Wir kümmern uns nicht mehr um dieses Superband-Ding. Entweder machen wir gute Musik oder nicht. Heutzutage hat dieses Superband-Gehabe keinen Platz mehr. Eine vergleichbare Situation durchleben heute am ehesten Velvet Revolver.

John, was fühltest Du damals in den 80ern, als Du auf einmal ein Teil von dieser legendären Band wurdest?

Ich war sehr glücklich darüber, daß man mir die Möglichkeit dazu gab. Ich arbeitete mit Jim Steinmann und den Jungs von ELO, als mich ein Freund fragte, ob ich nicht in das Studio gehen wollte, um zu sehen, wie GTR aufgenommen wurde. Ich arbeitete mit Chris Spadding, dem Gitarristen von GTR. Er hörte meine Platte und lud mich ins Studio ein. Der Mann produzierte mit Geoff Downes. Wir saßen zusammen bei ein paar Drinks, und Geoff fragte mich, was ich gerade machte. Ich sagte, daß ich gerade mit ELO beschäftigt bin. Er wollte sich unsere Sachen anhören, also schickte ich ihm einige Aufnahmen. Er fragte mich, ob ich nicht mit ihm an seinem Solo-Zeug arbeiten möchte, welches er gerade aufnähme. Er hatte diesen Song „Who Will Stop The Rain“. Sein Projekt hieß Rain. Ich sagte, daß ich glücklich darüber wäre, dort der Sänger zu sein. Ganze sechs Monate hörte ich nichts mehr von ihm. Ich war inzwischen zurück in Amerika, um mit ELO zu arbeiten. Als ich dann wieder nach England kam, sagte Geoff, daß er ASIA reformieren wollte und ob ich nicht der Sänger sein möchte. So passierte es. Das war 1990. 

Euer Schlagzeuger Chris Slade ist nun festes Mitglied bei ASIA. Hat er nach AC/DC nun seine musikalische Heimat gefunden?

Ja er ist sehr glücklich bei ASIA. Er ist als Schlagzeuger sehr unterschiedlich zu Carl Palmer. Er hat eher den Bonham-Solo Stil. In erster Linie sind wir enge Freunde. Sein musikalischer Stammbaum ist schier unglaublich: von Tom Jones über Manfred Mann, Uriah Heep, Gerry Newman bis The Firm und AC/DC. Ich erinnere mich daran, ein AC/DC-Video gesehen zu haben, als ich zu Jeff sagte: "Oh Gott, es wäre gut, wenn wir diesen Schlagzeuger hätten.“ Er gäbe uns mehr Kraft und Rock-Feeling. Vier Jahre später arbeiteten wir mit ihm und machen es heute noch. Es ist großartig und ein glücklicher Umstand, ihn in der Band zu haben.

Ist Geoff Downs mehr der Band-Diktator oder ein Viertel von ASIA?

Unsere Band arbeitet auf einer eher unkonventionellen Art und Weise. Es sind größtenteils Geoff und ich, die wichtige Entscheidungen treffen. Aber wir beziehen die anderen Jungs so sehr wie nur irgend möglich mit ein. Geoff und ich gucken, daß wir das Richtige tun, dann klären wir es mit Guthrie und Chris ab. Die meisten Sachen aber klären Geoff und ich. Es ist eine Co-Partnerschaft, wenn es darum geht, ASIA am Laufen zu halten.

Guthrie Govan er ist eher ein unbeschriebenes Blatt. Welchen musikalischen Hintergrund hat er denn vorzuweisen?

Guthrie ist einer der Sorte, die aus dem Nichts auftauchten. Wir arbeiteten gerade an einer unserer älteren Platten, als unser damaliger Schlagzeuger Michael Sturges sagte, daß er im Moment als Lehrer an einer Musikschule arbeite. Dort ist dieser eine Typ, der Gitarre unterrichtet. Er sei ein Genie, wir sollten ihn unbedingt mal antesten. Guthrie kam und nach fünf Minuten wußte ich bereits, daß er ein phänomenaler Gitarrist ist. Er begann bereits im Alter von vier Jahren mit dem Spielen der Gitarre. Egal ob Guthrie in seinem Haus umhergeht oder im Tourbus, er hat stets eine Gitarre um den Hals zu hängen. Er spielt die ganze Zeit. Er war noch in keiner bekannten Band. Er spielte lediglich in einer kleinen Jazzrock-Kapelle, mit der er an Wochenenden auftrat. Guthrie schreibt für ein Gitarren-Magazin als Journalist, und er hört Musikstücke, die er dann auf Papier transkribiert. Er ist ein absolutes musikalisches Genie. Er ist phänomenal. Es ist toll, bei diesem Supergroup-Ruf einen Gitarristen zu haben, von dem die Leute noch nie etwas gehört haben, wenn sie zu unseren Shows kommen, und in zwei Minuten sind sie alle hin und weg. Sogar Leute wie Steve Lukather von Toto fragen uns, wer dieser Gitarrist sei. Guthrie ist das absolute Gegenteil von einem Supergroup-Mitglied. Guthrie ist ein phänomenaler Gitarrist.

Er ist offenbar ein wahres Multitalent.

Er spielt auch Violine, das erfuhr ich am nächsten Tag. Er ist aber auch sehr schüchtern, sehr ruhig. Doch wenn er auf die Bühne kommt, ist er eine komplett andere Person. Ansonsten mußt du ihm alles aus der Nase ziehen. Er hat einen Grad der Oxford Universität in Englisch. Er hat viele Interessen. Und er ist sehr lustig. Und er spielt ausgezeichnet Violine. Er ist ein großartiger Typ.

Damals in den 80ern gab es einige große Bands, die beinahe immer hervorragendes Material veröffentlichten. Von diesen Bands existieren heutzutage nur noch wenige. Heute gibt es hingegen eine Vielzahl an Bands, die kommen und gehen, ohne spezielle Spuren zu hinterlassen. Welche Situation ist besser für die musikalische Evolution? 

Ich denke, beide haben ihren Platz in der Musikgeschichte. Einige der Bands, die so lange unterwegs sind wie wir, erleben mitunter gerade ihren zweiten Frühling. Rush oder Yes verkaufen eine Menge Tickets für ihre Konzerte. Einige der Bands machen auch heute noch gute Platten. Ich persönlich mag es überhaupt nicht, wenn Bands schon ewig lange existieren und sie nur deswegen weitere Platten aufnehmen, weil sie eben eine große Fanschar haben. Nur weil sie die Platten mühelos verkaufen können, ohne sich großartig anstrengen zu müssen. So etwas passiert natürlich auch. Aber ich denke, daß so im Moment das Gesamtkonzept der Welt auch funktioniert. Das gilt nicht nur für Bands, die schon lange existieren. Das Musikgeschäft ist nur noch auf große Gewinne aus. Wenn eine Band nicht schon in den ersten sechs Monaten ihrer Existenz genug Alben verkauft, wird sie vom Label wieder gefeuert. Die gesamte Idee der Jugendbewegungen reduziert sich auf Fastfood-Kultur. Fastfood, schnellebige Musik, schnelle Computerspiele. Wenn neue Filme rauskommen, kann man schon sehr bald die DVD davon kaufen. Alles verändert sich so schnell. Alles ist austauschbar geworden. Auch die Musik. Die Leute lieben eine Band für sechs Monate und sobald sie keinen Hit mehr hat, fliegt sie wieder aus dem Fenster. Aber ich denke, daß auch heute noch Bands kommen werden oder schon gibt, die ebenfalls einen Einfluß auf die Musiklandschaft haben. Dafür gibt es definitiv noch einen Platz.

Und es kommt noch schlimmer: Es gibt Diskussionen im Musikgeschäft darüber, ob es überhaupt noch notwendig ist, Musik an einen Datenträger wie einer CD zu binden. Man überlegt bereits, die Musik nur noch als Mp3-Datei auf der Label-Homepage anzubieten. Was hältst Du als Musiker und Fan von dererlei düsteren Aussichten?

Als Musiker, Fan und Produzent habe ich verschiedene Ansichten darüber. Eine davon ist, daß - als Vinyl herauskam - die Musikqualität unglaublich hoch war. Als dann die CD kam, verlor diese Qualität etwas von ihrer Stärke. Es war nicht mehr wirklich HiFi. Dann kamen die Mp3-Formate und die Musikqualität wurde noch miserabeler. Nun gibt es diese i-Pods, welche eine exzellente Möglichkeit für die Leute bietet, Musik zu hören. Apple haben mit ihrem i-Store ein klasse Gerät zum downloaden gebaut, welches dem Erfolg von Musik sehr zuträglich sein kann. Ich denke, daß es noch immer einen Platz für hochwertige Audio-Produkte gibt. In den nächsten Jahren wird meiner Meinung nach viel in der Hinsicht DVD-Audio passieren. Wir werden viel gute Musik hören können. Das Radio ist noch immer eine der besten Möglichkeiten, um gute Musik in guter Qualität zu hören. Aber ich will das hier jetzt nicht zu sehr ausführen. Aber ich denke, daß die gute Seite an dieser Mp3-Geschichte ist, daß es ein gutes Beispiel dafür ist, zu zeigen, wie Musik klingen kann. Ich bin nicht der Meinung, daß Mp3 schon das Business bestimmen. Ich denke auch nicht, daß kostenlose Downloads etwas daran ändern werden. Als ich ein Kind war, hatte ich eine Musikanlage mit einem Plattenspieler und einem Kassettendeck. Ich denke, daß eine Kassette in qualitativer Hinsicht mit einer Mp3-Datei zu vergleichen ist. Leute, die sich LPs auf Kassetten überspielten, waren in den meisten Fällen die, welche sich dann später das Album zulegten. Wenn die Leute sich also Dein Zeug runterladen und es ihnen gefällt, dann werden sie sich später vielleicht, wenn sie wirklich auf die Band abfahren, Dein Album kaufen. Wenn man also die Vor- und Nachteile aufwiegt, dann ist das eigentlich schon eine gute Sache.

Glaubst Du, daß die ehemaligen ASIA-Mitglieder noch immer das Geschehen der Band verfolgen?

John nimmt noch immer Solo-Platten auf. Carl auch. Steve spielt bei Yes. Die Fortsetzung von ASIA mit mir und den anderen Jungs ist gut, denn es hilft ihnen dabei, ihren Back-Katalog zu verkaufen. Bis auf Steve haben wir keinen Kontakt mehr zu den anderen Ex-Mitgliedern. Geoff trifft sich wohl noch hin und wieder mit John Wetton, aber ich denke nicht, daß er jemals wieder auf einer ASIA-Platte spielen wird. Vielleicht Steve oder Carl, sie sind als Gäste willkommen. Jeder ist als Gast in der Band willkommen. John hatte viele Meinungsverschiedenheiten mit mir in der Band. Ich denke nicht, daß er jemals wieder mit ASIA zusammenarbeiten würde. Auch, wenn ich ihm sagen würde, daß ich eine Zusammenarbeit mit ihm und der Band willkommen hieße. 

Du sagtest, daß Du auch als Produzent tätig bist. Was war denn Deine bisher wichtigste Sache, die Du produziert hast?

Die wichtigste Sache, die ich bisher produziert habe, war dieses Album. Es war ein langer Weg. Ich arbeite in Studios als Engineer und Produzent, ich besitze Studios seit den letzten 15, 20 Jahren. Das ist eine Seite an der Musik, für die ich mich wirklich sehr interessiere. Aber dieses Album war wirklich sehr wichtig für mich. Es waren von Anfang bis Ende, vom Schreiben der Stücke bis hin zu den Aufnahmen Jahre der harten Arbeit.

Ist die Musik von „Silent Nation“ Musik für den täglichen Radioeinsatz geeignet? Würdest Du solche Musik selbst täglich im Radio hören wollen?

Liebend gerne. Vielleicht verändert sich alles eines Tages und es passiert wirklich. Unglücklicherweise ist das kommerzielle Radioprogramm voll mit Hip Hop, Britney Spears und Christina Aguilera. Wobei ich nichts auszusetzen habe an Britney Spears und Christina Aguilera auf MTV ohne Ton. Das ist okay. Aber im Radio sind sie so sehr austauschbar. Hier in den Staaten wird viel Geld dafür bezahlt, die Musik im Radio laufen zu lassen. Die Plattenlabels kaufen Werbezeiten von vier Minuten Länge, um ihre Acts spielen zu lassen. Das ist ein sehr unglücklicher Lauf der Dinge. Auf einigen Sendern kommt aber auch hin und wieder gute Musik. Ich denke, daß ASIA die Vorraussetzungen dafür haben, in das tägliche Radioprogramm wechseln zu können. Einige Lieder und Aspekte haben durchaus das Zeug dazu. Ob es nun passieren wird, weiß ich nicht.

Was denkst Du, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit dafür, mit ASIA mal wieder in die Charts einzusteigen?

Das wäre wirklich geil. Wir haben einiges an Erfolgen diesbezüglich in Japan erreicht. Außerhalb Japans ist es wahrlich wie eine Achterbahnfahrt. Aufwärts geht es im Moment wieder in Deutschland. Hier waren wir in den Charts, wenn auch nur für eine kurze Weile. Ich weiß, daß die Vorverkäufe für dieses Album die besten sind, seit ich in die Band kam. Darüber bin ich sehr glücklich. Wenn das Radio was von uns spielt, wenn wir einen Song in einem Film unterkriegen und die Mund-zu-Mund-Propaganda sich mehrt, wenn dann auch noch die Presse sich um uns kümmert, was sie bisher gut macht, dann könnte es was mit der Chart-Position werden. Wir haben einen Deal mit Inside Out in Deutschland über drei Alben. Sie sind sehr glücklich darüber, die Band aufbauen zu können. Mit dem dritten Album könnten wir tatsächlich in die Charts einsteigen. Das wären, was mich angeht, echte Fortschritte.

Welcher Song für welchen Film?

Wir bemühen uns „What About Love“ in einem Film plazieren zu können. Es geht um keinen speziellen Film im Moment. Ich habe einen Film-Agenten hier, der aggressiv versucht, einen Song in einem Film unterzukriegen. Das ist offensichtlich ein guter Weg, ein Album zu promoten. Vor allem, wenn man nicht ohne weiteres in das Major-Radionetzwerk reinkommt. 

Welche Art von Film würdest Du bevorzugen, wenn es darum geht, die Musik dazu beizusteuern?

Es wäre gut, wenn es ein provozierender Film wäre. Das ginge gut Hand in Hand mit dem, was ich politisch und textlich fühle. 

Was kannst Du uns über eventuelle Live-Aktivitäten sagen? Ist schon irgendetwas geplant?

In den nächsten Wochen werden wir einige Akustik-Shows hier in Amerika spielen. Einfach nur, um rauszukommen und das Album zu promoten. Dann gehen wir zurück ins Probenstudio, wo wir das komplette neue und das komplette erste Album einstudieren werden. Alles andere werden wir weglassen. Wir werden dann ein Set spielen, welches sich abwechselnd aus dem ersten und dem aktuellen Album zusammensetzt. Dann gehen wir auf Tour in Nordamerika. Machen dann eine kurze Pause und kommen im Februar oder März nach Europa. Wir werden dann einige Shows auf eigene Faust spielen, ein paar Shows mit Barcley James Harvest und einige Shows mit anderen klassischen Rockbands. Wir werden dann Europa ausgiebig betouren.

zurück zur Übersicht