GARY HUGHES
Interregnum
im Gespräch mit Gary Hughes (voc/git)
Teil I gesendet am 18. November
2003
Teil II gesendet am 25. November
2003

GARY HUGHES ist ein Phänomen, wie es in
der Rock-Geschichte bestenfalls nur alle 20 Jahre einmal auftaucht: Der
Brite ist ein überdurchschnittlicher Gitarrist, ein erstklassiger
Sänger, hat eine eigene Band namens TEN, arbeitet in einer Reihe von
Projekten und veröffentlicht jetzt noch obendrein sein erstes Solo-Werk,
das zu allem Überfluß ein zweiteiliges Mammut-Werk darstellt
und die König Artus-Saga in Töne faßt. Und egal, was Huges
angeht: Die Songs schreibt er. Man gewinnt mittlerweile den Eindruck, daß
die Melodic Metal-Elite bei dem Blondschopf Schlange steht, um sich wenigstens
einmal einen Song von ihm schreiben zu lassen, denn GARY HUGHES hat sich
mit all seinen Arbeiten - sei es in eigener Sache oder für Kollegen
wie zum Beispiel Bob Catley von Magnum - immer auf höchstem Qualitäts-Level
bewegt. Tja, und schließlich hat der Mann obendrein eine Menge zu
sagen.
Seit 1996 die Melodic Metal-Band
TEN, seither immer wieder Kollaborationen mit anderen Musikern und schließlich
das Solo-Projekt "Once And Future King": Gary Hughes ist einer der meistbeschäftigtsten
Komponisten in der Metal-Szene und scheint doch aus dem Nichts aufgetaucht
zu sein. Schildere Deinen Weg bis zur Gründung von TEN.
Bis zu TEN war es ein langer Weg.
Ich begann mit dem Songwriting in den späten 80ern. Hauptsächlich
schrieb ich Songs für andere Bands. So bis etwa 1989. Dann bekam ich
meinen ersten Solo-Deal mit der schwedischen Polygram. Nebenher nahm ich
Platten für EMI/Elektrola in Deutschland auf. Das ging so bis 1995,
dann begann ich mit dem Schreiben des TEN-Materials. Die ersten beiden
TEN-Platten waren hauptsächlich Soloplatten. Mit der Zeit hatte ich
wechselnde Musiker, die bei diesem Projekt mitwirkten, wodurch es mehr
nach einer Band klang. Das führte zu den ersten beiden TEN-Platten
"TEEN I" und "The Name Of The Rose".
TEEN hatten sich bereits mit dem
ersten Album 1996 einen beachtlichen Ruf verspielt. War für Dich zu
jener Zeit schon klar, daß Du als Workaholic in die Rockgeschichte
eingehen möchtest?
Hahn, das war natürlich nicht
geplant. Ich schätze, ich hatte einfach Glück, daß ich
meine Karriere auf der Musik aufbauen konnte. Ich schätze das nicht
all zu viele Musiker heutzutage von sich behaupten können, einen solchen
Erfolg mit Rock Musik zu haben wie damals in den 80ern, als diese Musik
sehr populär war. Ich denke, wenn man keine
Kraft mehr hat, Platten zu machen, kommt man schnell an den Punkt, an dem
man merkt, daß einem das Geld knapp wird. Das treibt die Produktivität
an. Gleichzeitig ist das sehr hilfreich für das Schreiben. Denn je
mehr man schreibt, je mehr man sich in das Projekt hineinversetzt, desto
besser geht es einem von der Hand. Ursprünglich war es nicht geplant
ein Workaholic zu werden. Aber man muß viel und hart arbeiten, um
die Sache am Laufen zu halten.
TEEN ist quasi Dein Baby. Und
für das eigene Kind möchte man immer das Beste. Wie gelingt es
Dir, wenn Du wie im Falle vom "Milde Ehrt"- Album von Magnum-Sänger
Bob Catley für andere komponierst, tatsächlich erstklassige Ware
für das Produkt des anderen abzuliefern, ohne besonders gute Melodien
für die eigene Band zurückzuhalten?
Ich denke, daß man sehr
ehrlich sein muß, wenn man in ein Projekt informiert ist und Platten
macht, ungeachtet dessen ob es die eigene ist oder die eines anderen. Man
sollte stets die beste Qualität abliefern, zu der man im Stande ist.
Natürlich gibt es auf dem "Milde Earth"-Album Songs, die ich für
TEEN hätte zurückhalten können. Aber ich hatte so viel Material
auf Halde zu liegen, daß es kein Problem war, davon etwas für
"Milde Ehrt" auszusuchen. Und in der Zeit war ich davon überzeugt,
daß es sehr starkes Material war. Ich fühlte dies zu der Zeit,
als Bob die Songs sang. Er war es, der die Songs richtig gut klingen ließ.
Wenn ich in ein Projekt informiert bin, versuche ich stets das Beste abzuliefern,
zu dem ich gerade im Stande bin. Ohne mir Sorgen um die nachfolgenden Platten
zu machen. Ich bin sehr zufrieden mit den Alben, die ich mit Bob machte,
und es stand nie zur Debatte, irgendwelche Stücke für TEEN zurückzuhalten,
denn als die nächste TEN-Platte anstand, hatte ich wieder genug starke
Sachen in der Hinterhand.
Die Songs auf Catleys Album unterschieden
sich deutlich vom TEN-Material. Leider wirken sie auch schwächer.
Könntest Du Dich im Bemühen, andere Wege zu beschreiten, unter
Umständen ein wenig verirrt haben oder bist Du mit dem Material auch
heute noch zu 100 Prozent zufrieden?
Ja ich bin noch immer zufrieden
mit den Alben, die wir zusammen machten. Es war das letzte Album, auf dem
Bob und ich zusammen zu hören sind und wir haben damit eine Grenze
überschritten. Das Album bekam die besten Reviews von allen dreien,
die ich mit ihm aufnahm. Speziell in Japan. Dort wurden wir auf ein neues
Level gehoben. Ich bin damit sehr zufrieden, denn als Bob und ich begannen,
zusammen zu arbeiten, hatte er einen ausgezeichneten Ruf, der noch aus
seinen Magnum-Tagen herrührte. Er war sehr schüchtern, was eine
Solokarriere anbelangte, und er zögerte in der Sache eine Weile. Aber
sein Label legte ihm nahe, daß die Solokarriere eine gute Sache wäre.
Jedenfalls wurde ich ihm vorgestellt. Er kannte TEEN nicht und auch nicht
die Sachen, die ich mit Hugo oder mit anderen Bands machte. Er war ein
bißchen skeptisch zu Anfang. Unsere Beziehung baute sich erst über
die Periode der drei Alben auf, die Bob und ich zusammen aufnahmen. Nach
den Aufnahmen zu "Milde Ehrt" hatten wir das Gefühl, ein bißchen
Abstand voneinander zu brauchen, um nicht an den Punkt zu geraten, an dem
wir uns wiederholen. Immerhin arbeiteten wir schon sehr lange zusammen.
Wir wollten auf dem kreativen Höhepunkt aufhören. "Milde Ehrt"
bekam die allerbesten Reviews, und wir dachten, daß der beste Zeitpunkt
gekommen war. Ich denke noch immer, daß es ein starkes Album ist,
denn die drei Tolkien-Teile in einem Album zusammenzufassen war in der
Tat eine recht schwierige Aufgabe. Das Album stellt eine gute Übersicht
über die drei Bücher dar. Es hört sich verdammt gut an.
Ist ein Album von Bob Catley,
auf dem Gar Hughes sämtliche Songs geschrieben hat, tatsächlich
ein Bob Catley-Album oder nicht vielleicht doch eher ein Hughes-Solo-Album
mit Gast-Sänger?
Hahn, das ist eine sehr gute Frage.
Das hängt wirklich von Deinem Standpunkt ab. Eine Sache, die bewußt
passierte, war, daß die Lieder und Melodien - ich schreibe nur Melodien,
die ich mag - auf der Platte Ton für Ton in der Höhe gehalten
sind, die mit Bobs Stimme übereinstimmen. Für meinen Geschmack
sind sie auf "Milde Ehrt" zum Beispiel ein oder zwei Töne zu hoch.
Auf
diesem Wege wurden die Songs, die ich schrieb, auf Bob zugeschnitten, so
daß sie ihm letztendlich paßten, wie Kleider, die nur ihm stehen.
Es ist also beides: Ein Album, das von mir geschrieben, aber auf Bob Catley
zugeschnitten wurde.
Wann komponierst Du? Oder vielleicht
besser, wann komponierst Du nicht?
Ja, das
ist schon etwas bizarr. Ich trage stets ein kleines Aufnahmegerät
mit mir umher, egal ob ich mit dem Hund raufgehe oder mit dem Auto fahre.
Wenn mir dann plötzlich eine Melodie oder eine Akkordfolge oder sonst
irgendeine Idee durch den Kopf schießt, kann ich sicher sein, sie
gleich auf ein Tape bannen zu können. Ich habe schon eine kleine Bibliothek
an Kassetten zu Hause. Über die Jahre hat sich da einiges angesammelt.
So gehen mir nie die Ideen aus, wenn ich Material ausarbeite. Das ist der
Teil, über den ich keine Kontrolle habe, wenn es passiert, dann passiert
es. Ich gehöre nicht zu der Art von Songwritern,
die sich mit einer Gitarre hinsetzen und eine Stunde später haben
sie einen Song geschrieben. Bei mir kommen
die Ideen plötzlich, und wenn ich eine Stunde Zeit habe, setzte ich
mich hin und arbeite sie aus. Erst muß mir eine Idee einfallen, und
dann kann ich mich hinsetzten und arbeiten. Das verhindert kreative Blackouts.
Die Methode funktioniert bei mir ganz gut.
Wie gelingt es Dir, diese ständigen
Outputs Deinen Musikern zu vermitteln?
Das ist manchmal etwas schwierig,
weil Du eine Art Beziehung mit den anderen Musikern eingehen mußt.
Man hofft, daß sie das, was man ihnen erklärt, auch so auffassen,
wie man es von ihnen erwartet. Das nimmt einiges an Zeit in Anspruch. Ich
bin jedoch sehr glücklich mit den Jungs, die bei TEEN dabei sind,
wir arbeiten nun schon seit einigen Jahren zusammen. Und sie wissen schon
instinktiv, wohin wir uns bewegen möchten. Wenn ich ein Song in die
Band bringe, etwa mit Piano und Gesang oder mit Akustikgitarre und Gesang,
habe ich schon genaue Vorstellungen davon, wie die Riffs, Akkorde und die
Melodie zu klingen haben. Wenn es aber um Sachen wie Soli, die Baßläufe
oder um irgend welche komplexen Details geht, dann sind sie gefragt. Meistens
werden wir uns dann schnell einig. Es ist also ein ständiges Geben
und Nehmen, wenn wir Songs ausarbeiten. Bisher funktionierte das recht
gut bei uns.
Mußt Du Dich mit Blick auf
ein beliebiges anstehendes Projekt, ob jetzt Solo, mit TEEN oder Kollegen,
manchmal zur Arbeit zwingen?
Manchmal kommt man an den Punkt,
an dem man denkt, daß die Dinge nicht schnell genug für einen
vorrangehen. Das ist der Augenblick, in dem man einen Gang zurückschalten
sollte, um nichts zu überstürzen.
Man denkt sich: "Das dauert länger
als ich dachte". Aber deswegen sollte man ein Projekt nicht gefährden.
Es gibt halt Dinge, die mehr Zeit beanspruchen. Ich erinnere mich noch
daran, wie ich bei der Arbeit an unserer letzten Platte zeitgleich noch
in ein Projekt informiert war. Ich stand schon kurz davor, alles hinzuschmeißen
und sagte zu Stege, dem Basierten des Projekts: "Sollte ich jemals wieder
eine vergleichbare Idee haben, dann hau' mir eine in die Fresse, bevor
ich sie in die Tat umsetzte." Die Studiogeschichte kam an einen Punkt,
an dem sie mir sehr viel an Logistik abverlangte. Es war fürchterlich.
Nun sind beide Sachen beendet,
man kann sich zurücklehnen und die Früchte der Arbeit genießen.
Meiner Meinung nach habe ich das Beste getan, was in meiner Macht stand.
Das ist den ganzen Ärger wert gewesen.
Hattest Du schon einmal mitten
im Schreiben von Songs das Gefühl, daß Dir die Ideen ausgehen?
Glücklicherweise hatte ich
dieses Problem noch nie. Mein Problem ist normalerweise, daß ich
zu viel Stoff habe und ich viel von dem außen vor lassen muß,
was ich gerne noch untergebracht hätte.
Auf dem
letzten TEN-Album zum Beispiel mußten wir regelrecht ausknobeln,
welche elf Songs auf die Platte kommen. Ursprünglich hatten wir um
die fünfzig vorbereitet. Manchmal suchen wir die besten aus,
und es kommen dreißig von fünfzig in die nähere Auswahl,
von denen wir die aussuchen, die eine vernünftige Album-Ballance garantieren.
Die Songs, die wir dabei außen vor lassen, sind nicht etwa schwächer
als die anderen, aber wir haben genug andere ihrer Art. Da wählen
wir knallhart aus, Songs die nicht zu dem Album passen, halten wir dann
zurück. Mit diesem Problem werde ich des öfteren konfrontiert.
Letztendlich werden aber alle Songs verwendet. Ob auf dem nächsten
Album oder bei Projekten.
Wie ist es zu "Once ADN Future
King" gekommen?
Das ist eine lange Geschichte.
Bei uns in England gibt es Schulen, die sich ausschließlich mit dem
Lehren von Legenden befassen. Jedes Land hat seine eigene Geschichte und
seine eigenen Legenden. Doch geraten sie immer mehr in Vergessenheit. Ich
mag diese Legenden, denn sie enthalten stets ein Stück Wahrheit. Es
sind zwar Legenden, aber sie basieren auf historischen Begebenheiten und
Fakten. Dennoch, und das macht sie zu Legenden, enthalten sie zum Großteil
viel Phantasie. Letztendlich gefiel mir die Idee, meine eigene Interpretation
davon verfassen zu können. Ich wollte die Sage
frei von Hollywood-Glamour und schmalzigem Pomp erzählen. Etwas
bodenständiger. Etwa die Schlachten und die Vereinigung der verschiedenen
britischen Stämme. Es war auch ein Versuch, die Beziehungen der Charaktere
untereinander übersichtlicher zu erzählen. Es war mehr als nur
der Versuch Berlins, die heidnischen Götter zurück nach Britannien
zu bringen. Guinevere war Christin, sie versuchte die britischen Stämme
zu christianisieren. Die Römer hinterließen die Saat des Christentums,
als sie England nach der Besatzung verließen. Das ist der rote Faden
der Geschichte. Der religiöse Hintergrund. Ich mag die Komplexität
der Geschichte. Ich schätze, daß ich die Artus-Sage auf acht
Alben verteilt erzählen könnte. Doch zwei Alben müssen genügen.
Ich haben die wichtigsten Punkte der Geschichte rausgepickt und auf die
verschiedenen Charaktere aufgeteilt. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden.
Was ist für Dich der Kern
der Geschichte?
Meiner Meinung nach ist Arthur
der Kern der Geschichte. Ich habe die Erzählungen vieler verschiedener
Leute studiert. Arthur war eine große Persönlichkeit. Er hatte
eine Stiefschwester, die ihn tot sehen wollte. Sie wollte sich seiner entledigen,
um selbst Königin zu werden. Also vergiftete sie ihn. Auf der anderen
Seite dachte er, daß er in Merlin einen Freund hatte, welcher die
heidnischen Götter nach Britannien zurück bringen könnte.
Dann gibt es noch dieses Szenario mit Guinevere und Lanzelot, welche heiraten,
sich trennen, um dann wieder zu heiraten. Für mich ist der Kern der
Geschichte die innere Zerissenheit Arthurs am Ende der Sage. Er
wollte offensichtlich nicht seinen eigenen Sohn töten, er wollte nicht
seinen Freund töten und er wollte sicher auch nicht seine Schwester
töten. Er hatte die Wahl. Er konnte es tun, und er konnte es
sein lassen. Dann würde er sie aber alle in der Schlacht am Ende der
Geschichte gegen sich haben. Der Kern war also, daß Artus sich in
der Schlüsselposition befand. Er hat die Sache dann für sich
entschieden.
Und wieder scheint die Herangehensweise
ans Komponieren im Vergleich zu Deinen bisherigen Arbeiten völlig
anders gewesen zu sein. Ich würde wahnsinnig werden, ständig
mit eiserner Disziplin an völlig unterschiedlichen musikalischen Konzepten
arbeiten zu müssen.
Ja dieses Mal war es wirklich
was anderes. Als erstes habe ich mit der Besetzung der einzelnen Charaktere
begonnen. Dannach habe ich versucht, das Songmaterial auf die einzelnen
Sänger zuzuschneiden und dabei gezielt auf die jeweiligen Stärken
hingearbeitet. Mit vielen von ihnen arbeitete ich schon öfter zusammen.
Wenn
Du Dir aber die Rollen ansiehst, die sie singen sollen, merkst Du, daß
sie gesanglich und textlich etwas komplett anderes machen als bisher.
Die Kehrseite an einem solchen Konzept ist, daß man viele ähnlich
klingende Stimmen auf einer CD vereint. Ich wollte mir keine Fehler erlauben,
und die einzelnen Rollen und Charaktere so unterschiedlich klingen lassen,
wie nur irgend möglich. Denn mir war schon bei der Besetzung der Rollen
klar, daß die Stimmen alle sehr ähnlich klingen würden.
Danach überlegte ich mir, daß die Songs im klassischen Sinne
gehalten sein sollten. Und die meisten Songs auf "Once And Future King"
weisen die typischen Strukturen auf. Dennoch sollte sie auf die Stärken
der einzelnen Stimmen zugeschnitten sein. Im Beispiel von Danny Vaughn
etwa wollte ich sicher gehen, daß der Song für ihn eine Verbeugung
an Tyketto wird. Das währe das Richtige, was zu seiner Stimme passen
würde. "Avalon" ist der kommerzielle Pop-Rock-Song. So versuchte ich
mit jedem der Sänger zu verfahren. Als Gegenstück haben wir zum
Beispiel Harry Hess. Er singt das letzte Stück auf der B-Seite des
zweiten Albums. Der Song ist sehr klassisch aufgebaut. Was ich daran mag,
ist, daß er nicht so singt wie man es von ihm erwarten würde,
wenn er mit Harem Scarem singt. Mir gefiel es, daß er außerhalb
seines natürlichen Rahmens singt. Er leistet hervorragende Arbeit
bei diesem Song. Ich bin sehr zufrieden damit. Es kann gut möglich
sein, daß er so nie wieder singen wird. Letztendlich versuchte ich,
ihm einen Song zu schreiben, der für ihn völlig neu war. Ich
versuchte
beides: den Leuten etwas unkonventionelles zu geben und gleichzeitig
auf die Stärken ihrer Stimmen hinzuarbeiten. Es war eine gute Balance
zwischen beidem.
Welcher Kino- oder TV-Film hat
für Dich die Artus-Saga am besten interpretiert?
Ich würde sagen, daß
es immer noch John Boormanns Film "Excalibur" ist.
Er
bietet die beste Interpretation. Es gibt noch einen anderen, "Nebel
von Avalon". Ausserdem wird gerade an einer neuen Hollywood-Version gearbeitet.
Aber ich bleibe bei John Boormanns "Excalibur". Er ist auch am authentischsten,
wenn es um die Kostüme geht und um die Darstellung der damaligen Zeit.
Mehr als alle anderen Versionen.
DC Cooper, Lana Lane, Dougie White,
Bob Catley, Harry Hess - das ist das Who-is-Who der Melodic Metal-Szene.
Was muß ein Gary Hughes tun, um all diese Leute unter eine Hut zu
bekommen?
Das Problem war nicht, die Leute
für das Projekt zusammen zu bekommen. Das war recht einfach. Der
schwere Teil war, einen Plan aufzustellen, der es erlaubt, all diese zwölf
Personen terminlich sinnvoll einzutakten. Wir hatten elf Monate,
um das Projekt fertigzustellen. Nachdem wir die Musik aufgenommen hatten,
blieben uns noch drei, vier Monate, um die Gesänge aufs Band zu bannen.
Da bekamen wir die ersten Planschwierigkeiten, denn einige Leute konnten
leider nicht zum Singen kommen, als wir sie brauchten. Letztendlich versuchten
wir, von den Sängern soviel wie möglich hier in dem Studio in
Nordengland aufzunehmen. Arjen Lucassen sprang ein und wollte für
mich bei sich zu Hause aufnehmen. Lana Lane konnte nicht kommen, da bei
ihr in den Staaten eine Tour anstand. Ihr Mann Erik hat ein Studio, in
dem er ihre Stimme für mich aufnahm. Ich für meinen Teil versuchte,
so viel wie möglich selbst aufzunehmen. Die anderen halfen mir soweit
sie konnten, indem sie es einrichten konnten, ihre Gesänge in ihren
jeweiligen Ländern aufzunehmen, wenn sie nicht selbst nach England
kommen konnten.
CDs sind heute mittlerweile extrem
teuer. Da ist es schon interessant zu erfahren, was solch eine Mammut-Produktion
kostet?
Du mußt wissen, es ist ein
Projekt, was sehr mühsam zu bewerkstelligen war. Allein, was den Schreibprozeß
anbelangt. Ich schrieb an den Scheiben über zwei Jahre hinweg. Es
geschah in gewissen Abständen. Ich hatte da mal wieder ein Projekt,
in welchem ich involviert war, oder ich arbeitete an einer anderen TEN-Platte,
oder den Alben mit Bob Catley und so weiter. Es brauchte also zwei Jahre,
bis sie geschrieben waren und elf Monate an konzentrierter Studioarbeit,
um die beiden Alben aufzunehmen. Du mußt bedenken, daß Du die
Musiker und die Studiorechnung bezahlen mußt. Doch damit nicht genug.
Die Sänger wollen auch bezahlt werden. Somit werden diese Alben extrem
teuer. Das Label in Europa und das Label in Japan gaben Vorschüsse
bzw. Vorschüsse auf die Lizenzen. Doch braucht es auch einen gewissen
finanziellen Eigenanteil, der unabdingbar ist, um solch eine Sache durchzuziehen.
Natürlich
sind die Alben teuer, wenn sie im Laden stehen, doch das überrascht
nicht, wenn man bedenkt, daß sie das Geld, was sie verschlungen haben,
wieder einspielen müssen. Da führt kein Weg dran vorbei.
Es kostet so etwa 130 000 Pfund, so eine Platte nur aufzunehmen. Sie müßten
sich also ein Viertel Millionmal verkaufen, um das wieder reinzuholen.
Das passiert aber auch nicht jedesmal. Solche Strapazen nehme ich aber
gerne in Kauf. Denn ich mache es, weil ich es liebe, dies zu tun. Rock
Musik ist nicht mehr das, was sie vielleicht noch 1987 war. Die ganzen
amerikanischen Bands fuhren noch richtig große Produktionen auf,
Rock Musik war immens angesagt. Wenn man heute noch Rock Musik macht, dann
macht man es, weil man die Musik liebt, nicht etwa um sich eine goldene
Nase zu verdienen. Es sei denn, man heißt Metallica. Ja, es ist das,
was ich machen will und in was ich mein Geld investieren möchte, um
es nach meinen Wünschen gestalten zu können. Und ich hoffe, daß
ich das relativ gut mache. Letztendlich mag ich es, und solange die Reviews
gut sind - und das sind die meisten - werde ich auch weiterhin die Kosten
auffangen und den Leuten die beste Musik geben, zu der ich im Stande bin.
Wird es "Future King" live geben?
Gute Frage. - Vielleicht. Das
ist eine Sache, die man mit den Labels ausdiskutieren müßte.
Im Moment ist nichts geplant. Und es ließe sich auch nur schwer verwirklichen.
Es wäre großartig, diese Idee umzusetzen. Fantastisch. Ob wir
aber die Originalbesetzung zusammenbekämen, weiß ich nicht.
Wir unterhielten uns über die Möglichkeit, alle nochmal zusammen
zu kommen, um "Future King" aufzuführen. Man könnte es für
eine DVD mitfilmen, um die Auslagen, die man für solch eine Show hat,
wieder einzuspielen. Aber ich denke, es wäre einfach zu teuer und
zu aufwendig. Aus meiner Sicht wäre es fantastisch, wenn es klappen
würde, doch es ist einfach zu teuer.
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