HELLBLAZER
Interregnum im Gespräch mit Olli (voc) und York (g)
gesendet am 16. Juli 2002
Olli York


Als der erste Song verklungen war, wurde uns klar: Hier tobt ein Grindcore-Monster. HELLBLAZER räumten beim Obscene Extreme-Festival 2002 in Trautenau dermaßen die Bühne frei, daß wir nicht umhin kamen, sie unmittelbar nach dem Gig ohne Federlesen für das BANDS BATTLE 2003 zu verpflichten. Ganz nebenbei beantworteten uns Sänger Olli und Gitarrist York noch ein paar Fragen.

Ihr wart am ersten Tag die erste Band, die uns wirklich aufgefallen ist. Allerdings kannten wir vorher weder den Namen HELLBLAZER, noch Eure Musik. Das wird vielen anderen auch so gehen, vermute ich. Also stell die Band vor, Olli.

Olli: Ja, kein Problem. Uns gibt es seit August 2000, also fast zwei Jahre. Wir haben letztes Jahr im Herbst ein Demo-Tape rausgebracht und haben jetzt gerade neue Aufnahmen gemacht für ein paar Split-Singles, die anstehen. So mit Groinchurn aus Südafrika, mit Deathpile aus den USA und noch einen Song extra, den wir noch auf einen Sampler packen oder so was. Und wir planen auch noch eine Split-Single mit Exhumed, die ja sicher alle kennen. Aber was da raus kommt, ist noch nicht ganz klar, weil Exhumed ziemlich viel zu tun haben. Aber wir machen die auf jeden Fall. Wir bemühen uns, möglichst viel live zu spielen; haben ja über Ostern eine kleine Tour mit Driller Killer aus Schweden gespielt, sind jetzt im Anschluß an das Festival noch mit Total Fucking Destruction unterwegs und wollen so in dem Stile weitermachen. Und wir hoffen, auch mal ein Album machen zu können. 

Du bist aus Halle, der Rest aus Braunschweig. Wie kommt diese Konstellation zustande?

Olli: Das kommt eigentlich dadurch zustande, daß ich eigentlich auch ein Braunschweiger bin. Nachdem wir uns gegründet hatten, bin ich ein Jahr später wegen des Studiums nach Halle gezogen. Und da ich halt "nur" der Sänger bin, können die anderen natürlich problemlos ohne mich proben. Und deswegen haben wir gesagt, wir probieren mal, ob das funktioniert – und es funktioniert. Also machen wir weiter so. Ich seh’ halt zu, daß ich ungefähr einmal im Monat rüber fahre, damit wir zusammen proben können. Neue Songs krieg ich auf Tape – dann geht das schon. 

Was machst du in Halle?

Olli: Ich studiere da prähistorische Archäologie. 

Prähistorische Archäologie. Das ist soetwas mit buddeln, nicht wahr? Erklär es. 

Olli: Prähistorisch heißt im Prinzip alles vor der Zeit, in der irgendwas schriftlich überliefert ist. Das heißt also sozusagen Vorgeschichte. Als Geschichte bezeichnet man erst das, was in irgendeiner Form dokumentiert ist, also schriftlich. Und deswegen halt prähistorisch. Dabei geht es um alle menschlichen Zeugnisse, nicht Dinosaurier oder so was. Alle menschlichen Zeugnisse, die aus der Zeit vor der Schrift stammen, buddelt man aus und wertet sie aus und ordnet sie chronologisch ein usw. 

Bei Eurem Obscene Extreme-Gig war so’n Typ mit auf der Bühne, der sich mit Dir die Vocals teilte. Der sah aus wie ein Dönerverkäufer. Was war das?

Olli: Das ist eigentlich kein Dönerverkäufer. Wenn du es genau wissen willst, er ist Pizzaverkäufer. Das war Rich von Total Fucking Destruction. Den kennen viele vielleicht noch als Ex-Drummer von Brutal Truth und der ist italienischer Abstammung. Daher auch der Pizzaverkäufer und nicht Dönerverkäufer. Also eigentlich Ricardo und nicht Rich, nehme ich an.

War das eine spontane Bühnen-Aktion oder geplant?

Olli: Der hat uns halt angesprochen: Wenn ihr bei irgend einem Song noch ein bißchen Platz habt, dann mach ich mit. Und da haben wir gesagt, das machen wir. Wir gehen dieses Jahr eh auf Tour zusammen, und für solche Scheißaktionen sind wir immer zu haben. 

Der Gitarrist hatte ein Woll-Maske auf.

York: Ja, ich hatte so’ne Maske auf, das stimmt. 

Warum?

York: Das habe ich mal irgendwie so angefangen. Ich hab auch noch 'ne andere, die ist ein bißchen mehr Ninja-mäßig.   Aber das hatte vorher der Sänger von Leng Tch'e schon gehabt und ich dachte auch, daß das zu heiß ist heute. Deshalb habe ich die andere übergestülpt. 

Bekommst Du genügend Luft darunter?

York: Ich weiß nicht, ich bin immer ziemlich aus der Puste danach. Das könnte sein, daß es besser wäre ohne. Aber eigentlich geht das schon irgendwie. 

So eine Maske vor dem Gesicht - das ist ja eigentlich auch nicht so neu. 

York: Nö, ist es nicht. Aber es ist auch nicht so der aktuelle Trend, daß man jetzt sich dafür zu schade sein könnte. Ich habe aber auch schon mal ohne gespielt. So je nachdem, wie ich eben gerade Lust habe und danach war ich eigentlich auch aus der Puste. Deshalb, nur daran liegt’s nicht. 

Habt ihr musikalische Vergangenheiten?

Olli: Ja, eigentlich alle. Also nichts, was wirklich riesig bekannt ist. Rocky, unser Drummer, hat zum Beispiel bei My Stillborn Child gespielt, die aber über eine Demo-CD nicht hinausgekommen sind. Torsten hat mal mit mir bei Intested Infection gespielt, die vielleicht ein kleines bißchen bekannter sind und auch noch bei In Darkness, die nun wiederum nicht so bekannt geworden sind. Und York spielt nebenher noch bei Spancer, was 'ne Sludge-Band so ungefähr im Eye Hate God- Stil ist. 

Welches Selbstverständnis habt Ihr? Ich würde fast so ein bißchen Death Metal in Eure Musik hineininterpretieren wollen. Seht ihr Euch als Grindcore-Band?

Olli: Ja, also nicht als Metalband. Der Death Metal-Touch ist drin. Das ist ganz klar. Das bringt auch unser Hintergrund irgendwie mit. Wir hören es ja auch alle. Wir sehen uns aber eher als Grindcore-Band, auf jeden Fall. 

York: Also, es ist zwar schon Death Metal mit drin, weil, wie Olli ja meinte, wir das auch irgendwie hören. Aber wir sind halt keine reine Metal-Band. Sondern es ist auch extremer Hardcore und Rock uns sonstiges mit in unserer Musik, je nachdem, worauf wir gerade Bock haben. Aber wir sehen uns in gewisser Hinsicht schon als Grind-Band, weil wir wie eine Grind-Band ans Spielen rangehen. Aber das ganze nennen wir dann Sepuku-Grind.

Wie jetzt?

York: Sepuku – das ist auch als Harakiri bekannt, der rituelle Freitod in Japan. 

Also müßtet ihr Euch quasi nach irgend einem Konzert mal killen?

York: Ja, wir wollten eigentlich auch unseren Basser dazu überreden, daß er es mal tut. Aber wir haben es bisher noch nicht geschafft. 

Ihr mögt Euren Basser nicht?

York: Doch eigentlich schon; sogar sehr. Aber er war halt derjenige, auf den es gefallen ist. 

Wie gefällt Euch das Obscene Extreme-Festival?

Olli: Ja, es ist cool. Auf jeden Fall neben dem Fuck The Commerce im extremen Bereich das geilste Festival hier in Europa, denke ich mal (Olli kannte zum damaligen Zeitpunkt das BANDS BATTLE noch nicht, d. V.). Extrem viele Bands; man sieht neue Gruppen, die man noch nicht kannte, und man sieht Bands, die man kennt und mag. Das Gelände ist wunderschön. Die Preise sind für uns natürlich besonders günstig – das darf man auch nicht von der Hand weisen. Das Bier zum Beispiel. Das Essen ist gut, muß man mal eindeutig sagen. 

York: Ja ich finde es super, daß es hier veganes Essen gibt.

Olli: Da sind wir die beiden einzigen in der Band, die das finden. Da hast Du Dir die Richtigen ausgesucht. - Curby, der Organisator, ist ein netter Kerl, und deswegen macht es uns noch mehr Spaß, hier zu sein, das ist wirklich super. 

Wir hatten vorher mit einem Typen gesprochen, der kommt aus Mecklenburg und der hat gesagt, ihm ist es ein bißchen zu fett, daß vom Prinzip her hier zwei Tage lang nur Prügelcombos spielen. 

York: Ja, das ist schon irgendwie richtig. Ich finde es sowieso besser, wenn unterschiedliche Sachen laufen. Aber es ist natürlich auch irgendwie konsequent un d von daher ist dann schon wieder irgendwie okay. So etwas muß es halt auch geben. Es wäre natürlich auch toll, wenn es ein Festival gäbe, wo ein paar solche Bands spielen und noch ein paar Doom-Bands und so’ne Sachen und meinetwegen auch noch `ne Thrash Metal-Band oder eine Free Jazz-Band. Also, alle möglichen Extreme und nicht nur so was (York kannte zum damaligen Zeitpunkt das BANDS BATTLE auch noch nicht, d. V.). Aber es ist okay.

Olli: Was man dazu sagen muß, ist, daß Curby, der das Festival macht, es halt im Prinzip genau nach seiner Fasson gestaltet. Er verwirklicht damit seinen Lebenstraum. Er macht das jedes Jahr um seinen Geburtstag herum. Er steht auf alles, was wirklich extrem ist, und von daher muß man das einfach, auch wenn es einem nicht so gefällt, akzeptieren. Es ist halt sein Ding, er steht auf extreme Musik, er ist Veganer usw. Und deswegen macht er hier sozusagen sein Leben in groß. Und ich denke mal, das ist schon 'ne gute Sache.
 
 

zurück zur Übersicht