HYPNOS
Interregnum
im Gespräch mit Bruno (bass/voc)
gesendet am 09. April 2002
Sich heutzutage als Death
Metal-Band erfolgreich zu zeigen ist schwerer, als Anfang der 90er. Trotzdem
sind HYPNOS sehr populär.
Ja, es ist definitiv schwerer
heutzutage eine Death Metal-Band zu haben, als es noch vor 10 Jahren war.
Denn die Szene und der Metal überhaupt sind nicht mehr auf dem Höhepunkt
wie einst. Es gibt nicht mehr so viele Fans und Zuhörer wie früher,
die die Alben kaufen. Und jeder kämpft ums Überleben. Aber
dennoch würde ich sagen, daß Metal und Death Metal noch stark
genug sind, um zu überleben. Denn es gibt verdammt starke Bands,
die excellente Alben veröffentlichen, die zu den Top-Platten aller
Zeiten gehören.
Und wenn Du siehst, daß
die Leute zu den Shows kommen und die Musik genießen, die Band unterstützen
und so weiter, ist das ein gutes Gefühl. Das wiederum treibt Dich
an und macht Dich glücklich darüber, eine Band zu haben. Das
ist es auch, warum ich KRABATHOR so viele Jahre gemacht habe. Und das ist
auch der Grund, warum ich nach meinen Ausstieg bei KRABATHOR nicht aufgehört
habe.
Zu Krabathor-Zeiten spieltet Ihr
’98 auf dem Wacken Open Air. Es kam am Bühnenrand rasch zu Handgreiflichkeiten
zwischen Fans und Ordnern. Wie reagierst Du auf solche Ereignisse, wenn
zum Beispiel irgendwelche szenefremden Hohlkörper auf Deine Fans bei
Konzerten eindreschen?
Ja, ich kann mich sehr gut an
das W.O.A. erinnern ... es passierte vor einiger Zeit, daß die Security
sehr aggressiv zu den Fans war. Ich mag das nicht. Die Leute, die die Show,
die Deine Band genießen und Dich unterstützen, verdienen Respekt.
Und wenn sie nichts kaputt machen und nicht aggressiv sind, sondern nur
headbangen und stagediven, haben sie ein Recht auf ihre Party und keine
Security sollte sie deswegen zusammenschlagen. Ich stehe immer zu unseren
Fans und wenn sie geschlagen werden, weil sie Spaß an unserer Musik
haben, versuche ich immer, mich zwischen die Security und den Fans zu stellen.
Ich versuche, mit den Security-Typen zu sprechen, und manchmal werde ich
richtig wütend und ich hoffe es hilft, denn wenn die Band nicht zu
den Fans hält, wer soll dann sonst zu ihnen stehen?
Ich möchte
die Fans bei unseren Shows nicht verdroschen wissen, denn es gibt keine
Grund dazu.
Welche Variante ziehst Du vor:
Sport treiben, Vitamine schlucken und früh zu Bett gehen, um ein möglichst
langes Leben zu führen oder das intensive selbstzerstörerische
“Sex, Drugs and Rock’n’Roll“-Klischee, bei dem man natürlich früher
stirbt, aber mehr erlebt?
Ich treibe keinen Sport, ich schlucke
keine Vitamine und dergleichen. Aber es stimmt schon, ich gehe schon früh
zu Bett, um am nächsten Morgen frisch zu sein. Ich
trinke nicht viel Alkohol, meistens keinen. Ich nehme auch keine
Drogen und so. Ich versuche gesund zu leben. Diese Lebensart paßt
zu mir, ich genieße es wirklich.
Ich entschied mich für diesen
Weg, da ich nicht gern in Kneipen gehe oder lange Partys durchziehe, bei
denen man einen Kater an nächsten Morgen hat. Ich genieße die
Musik mit der Band. Das macht mich total glücklich.
Ich bin eher ein Familienmensch.
Ich bin ein glücklicher Mann, ich brauch nichts anderes.
Die Krabathor-Platte „Lies” war
ein Statement gegen die verlogene Gesellschaft. Hand aufs Herz Bruno, lügst
Du weniger als andere Menschen?
Du glaubst mir sicherlich nicht,
aber ich versuche nie zu lügen. Ich kann
mich auch nicht daran erinnern, wann ich zuletzt gelogen habe. Vielleicht
als ich noch ein Kind war.
Manchmal erzähle ich nicht
die volle Wahrheit, die ganze Wahrheit, aber ich ziehe es vor, lieber keine
Lügen zu erzählen.
Na gut, das sieht jetzt vielleicht
auch nach Lügen aus. Aber ich lüge wirklich nicht.
Äußerst interessant
präsentieren sich bisher die Cover der HYPNOS-Scheiben. Was hat es
mit der Darstellung auf der „In Blood We Trust“ auf sich? Was erzählt
das Bild auf „Revenge Ride“?
Die Bilder sind aus einem alten
Buch, das ich von meinem Großvater bekam. Es gibt darin viele Bilder
wie diese. Da sie mir sehr gefielen, entschied ich mich dafür, sie
als Frontcover für HYPNOS zu verwenden. Ich wollte etwas herausstechendes
für die Band, etwas, was die Leute wiedererkennen, wenn sie auf das
Cover sehen. Und ich denke auch, daß es zu der Musik paßt,
ebenso zum lyrischen Hintergrund.
Das "In Blood We Trust"-Cover
paßt zum Beispiel zum Titeltrack, denn ich singe dort "Cut my hands,
cut my legs and set me free" und der Typ auf dem Cover hat keine Hände
und Beine. Deswegen das Bild. Und das "The Revenge Ride"-Bild soll Kraft
und Aggression vermitteln und nicht zuletzt Rache, denn ich war angepißt
über einige Dinge in meinem Leben, bevor wir "The Revenge Ride" veröffentlichten.
Ich wollte mit diesem Album zeigen, daß wir stark genug sind, den
Leuten gegenüber zu treten, die Lügen über uns verbreiten
und dergleichen. Unser Rachefeldzug ist als musikalischer
Racheakt an Leute zu verstehen, die nicht an uns glaubten und einen
Haufen Scheiße hinter unserem Rücken erzählten, weil sie
uns nicht mochten.
“I Am The Wind” hat mich in seiner
Stimmung sehr an “Orgasmatron” von Motörhead erinnert. Gibt es da
Bezüge?
Es gab kein spezielles Gefühl,
aus welchem heraus ich dieses Lied schrieb. Ich wollte einfach nur ein
Lied, das sich vom Rest der Platte unterscheidet. Ich
mag es, unterschiedliche und variable Musik zu erschaffen. Schnelle,
langsame und atmosphärische Titel. Aber immer noch als Death Metal
erkennbar.
Zum Beispiel mag ich die Alben
von Hypocrisy. Denn sie sind sehr atmosphärisch auf der einen Seite
und aggressiv auf der anderen. Vielleicht waren sie nicht ohne Einfluß
auf das "Revenge Ride"-Album, denn die Songs auf unserem neuen Album sind
sehr unterschiedlich und dennoch unsere Kinder. Es sind unsere Songs, wir
entschieden uns für sie. Wir stehen zu ihnen und wir mögen es,
sie zu spielen.
Bei uns hat kürzlich ein
Satanisten-Ehepaar einen Arbeitskollegen abgeschlachtet. Begründung:
Satan hat den Auftrag gegeben. Ist soetwas für Dich nachvollziehbar?
Ich kenne die Geschichte. Ich
sah es in den TV-Nachrichten und in den großen Zeitungen, aber ich
denke, daß die Geschichte nichts mit dem Heavy Metal zu tun hat.
Ich
denke, daß diese Leute schon lange einen Schaden im Hirn haben. Und
wenn sie sich selbst Satanisten nennen, dann ist das für sie nur ein
Aufkleber, den sie sich selbst verpassen. Wenn diese Leute so eine wirklich
üble Sache tun, dann haben sie solche Gedanken schon eine lange Zeit
in sich.
Und es hat nichts mit Satanismus
oder Metal-Musik in erster Linie zu tun, denke ich.
Das Spiel mit dem vermeintlich
Bösen zieht natürlich auch hin und wieder extreme Handlungen
nach sich. Sollte man als Death Metal-Band nach solchen Erscheinungen eventuell
die Finger von satanischen Texten lassen?
Ich denke,
daß Death Metal definitiv böse, aggressiv, rachlüstern
und haßerfüllt sein sollte. Und deswegen denke ich, daß
Metal, Death Metal und Black Metal von solchen Themen handeln sollte. Ich
kann mir nicht vorstellen, daß solche Bands über Blumen und
die schön scheinende Sonne singen könnten.
Ab wann ist ein Mensch für
Dich nicht mehr wert, am Leben zu bleiben? Wo hast Du Deine Schmerzgrenze,
bevor Du tötest?
Für lange Zeit war ich gegen
die Todesstrafe, da gibt es viele Fehler und politische Morde. Damals las
ich einen Haufen Bücher darüber und sah ebenso viele Filme. Das
ist ein Thema, das mich sehr traurig stimmt. Ich mag es nicht so sehr,
darüber zu reden, denn es ist ein sehr gefährliches Thema und
die Leute sollten vorsichtig damit umgehen.
Andererseits, wenn ich irgendwelche
Dummköpfe oder Kriminelle sehe, die Leute wegen nichts umbringen und
dabei nichts fühlen, keine Scham oder Mitgefühl zeigen ... Ich
weiß nicht ... Es steht mir nicht zu, zu richten. Ich
bin kein Richter. Diese Leute sollten sorgsam mit ihrer Verantwortung
umgehen, denn sie werden schließlich dafür bezahlt. Also ist
das ihre Sache.
Kurz nach dem 11. September war
ich in der Tschechei. Dort habe ich gesehen, wie sehr sich die Leute mit
den Amis solidarisierten. Woher kommt bei Euch diese hingebungsvolle Begeisterung
für die Staaten?
Alle Leute sollten sich solidarisch
zu den Amerikanern verhalten, denn der 11. September war ein Disaster.
Aber auf der anderen Seite steht bei dieser ganzen Sache auch sehr viel
politischer Scheißdreck dahinter. Manchmal kann man das schon verstehen,
aber es gibt keine Entschuldigungen für die Geschehnisse in Amerika.
Es
gibt keine Entschuldigungen für die Menschen, die das taten.
- Aber das ist kein Musikthema. Ich bin kein Politiker und möchte
darüber nicht reden, denn ich bin kein Spezialist für soetwas.
Kannst Du Dir vorstellen, gemeinsam
mit Krabathor eine Tour zu machen?
Warum nicht? Wir haben zwar einige
persönliche Probleme miteinander oder vielleicht Schwierigkeiten miteinander
zu sprechen oder in Kontakt zu treten. Im Grunde kümmere ich mich
nur um die professionelle Seite, ich könnte mit jeder Metal-Band touren,
die Du Dir vorstellen kannst.
Ich glaube
aber nicht, daß wir mal mit KRABATHOR touren werden. Ich kann
mir noch immer ihre Musik anhören und ihre Konzerte ansehen. Ich bin
mir absolut sicher, daß sie eine qualitativ hochwertige Band sind
und es verdienen, von den Leuten akzeptiert zu werden. Auf der anderen
Seite mögen wir uns nicht sonderlich, und es wäre für jede
Band - HYPNOS und Krabathor - besser, sie würden mit jeweils befreundeten
Bands touren.
Ich denke, es wäre kein
gutes Tour-Paket, HYPNOS und Krabathor. Doch davon abgesehen habe ich nichts
mehr gegen sie, wie ich Dir schon sagte, kann ich ihre Alben und Konzerte
genießen. Ich wünsche ihnen viel Glück. Unsere Wege trennten
sich und verlaufen jetzt in andere Richtungen.
In Teplice an der deutsch-tschechischen
Grenze existiert der größte Straßenstrich Europas. Gefällt
es Dir, ist es Dir egal, oder schämst Du Dich dafür?
Ich kümmere mich nicht so
sehr darum. Ich habe nie genug Geld, um die Huren zu bezahlen, deswegen
kümmere ich mich nicht darum.
Ich verabscheue sie nicht, außerdem
sind sie heutzutage mehr in den Nachtclubs. Sie stehen nicht mehr so zahlreich
an der Straße. Manche Menschen hassen Huren und dergleichen. Ich
habe nichts gegen sie. Gut, Huren sind Huren, aber
sie bringen niemanden um, sie verbreiten Freude, um es mit diesen
Worten zu sagen. Ich mag keine Drogendealer oder Menschen, die mit Waffen
handeln oder Krieg führen. Ich mag Menschen nicht, die andere töten,
aber ich kann nicht sagen, daß ich Huren nicht mag. Huren gibt es
seit dem Beginn unserer Welt und sie sind notwendig für einige Menschen.
Ich denke, daß Männer das mögen.
Was ist der Hauptunterschied zwischen
Krabathor und HYPNOS? Gibt es etwas, was Du bei HYPNOS machst, was bei
Krabathor aber unmöglich war?
Als ich mit HYPNOS begann, wollte
ich mit der Arbeit weiter machen, die ich normalerweise für Krabathor
erledigte. Persönlich kann ich keinen Unterschied zwischen den letzten
Krabathor-Alben und den frühen HYPNOS sehen. Der Hauptunterschied
ist, daß die Dinge, die ich bei Krabathor nie machen konnte, mit
dem Background der Band, die Philosophie und einige antireligiösen
Sachen zusammenhingen. Christopher war mehr ein Pazifist. Er glaubte nicht
sehr an Sachen wie ich. Er mochte es nicht so sehr,
wenn ich gegen die Kirche oder die Christenheit wetterte. In der
Hinsicht kann ich heutzutage mehr machen. Es war für mich ein großer
Einschnitt, als sich Krabathor mit uns beiden trennte. Aber es war nötig,
ich konnte mit Krabathor nicht mehr weitermachen. Und HYPNOS war das beste,
was ich da machen konnte.
Wie ich Dir schon am Anfang sagte,
hatte meine Trennung von Krabathor keine musikalischen Gründe. Das
bewegte sich auf rein persönlicher Ebene zwischen Christopher und
mir.
Das Zeug, was ich heute für
HYPNOS mache, ist definitiv dasselbe, was ich für Krabathor tun würde,
wäre ich geblieben.
Warst Du mit dem Lauf der Dinge
bei Krabathor zufrieden, wenn nicht, was würdest Du ändern, wenn
Du die Chance dazu hättest?
Ich war definitiv zufrieden mit
meinem Spiel bei Krabathor. Es gab eine bestimmte Sache, damals 1993, die
ich heute ändern würde, wenn ich das Recht dazu hätte. Aber
wie auch immer, die Zeit läuft weiter und Du kannst sie nicht zuückdrehen.
Es war mein großer Fehler damals. Aber abgesehen davon würde
ich nichts ändern. Denn mein Ausstieg wurde nicht von mir verursacht,
ich reagierte nur auf die Situation, in der ich mich befand. Krabathor
war eine sehr zufriedene, sehr erfolgreiche Band. Freunde, wo der
eine für den anderen lebte und arbeitete. Wir waren wirklich ein Team,
die besten Freunde, und ich werde diese großartigen vierzehn Jahre
nie vergessen, die ich bei ihnen hatte.
Oder sagen wir besser - dreizehn
Jahre, denn das letzte Jahr war wirklich beschissen. Aber wegen einem beschissenen
Jahr werde ich die dreizehn glücklichen Jahre, die ich dabei war,
nie vergessen.
Nicht viele Menschen können
von sich behaupten, ein so aufregendes Leben geführt zu haben.
Ihr, Christopher und Du, wart
jahrelang mit Krabathor die bekannteste tschechische Band. Wie immer, wenn
einer Erfolg hat, neiden es einem die meisten, die Gleiches tun. Wie sah
es bei Euch diesbezüglich aus?
Die Lügen
und Gerüchte und so weiter - sie leben überall. In der
tschechischen Republik genauso, wie anderswo. Wenn Du Dir die Album-Titel
ansiehst - das war auch für die Menschen, die uns tot sehen wollten
oder aufgelöst. "Lies" von der gleichnamigen CD war auch für
diese Leute, die Lügen über die Szene und die Metal-Gemeinschaft
verbreiteten. Der Titel "Revenge Ride" zielt auch auf dieses Thema ab.
Ich denke, daß sich die Menschen in der tschechischen Republik nicht
so sehr von denen in anderen Ländern unterscheiden. Die Gerüchte
und der ganze Scheiß leben überall, auch hier.
Was denkst Du über ein Festival
wie das BANDS BATTLE, das sich einzig und allein dem Underground widmet?
Bands Battle? Um ehrlich zu sein,
in diesem Moment weiß ich noch überhaupt nichts über dieses
Festival, außer daß Du der Promoter dieses Festivals bist und
wir die Band, die dort spielen wird. Das einzige was ich sagen kann, ist,
daß wir uns schon darauf freuen, dort zu spielen, denn wir haben
Spaß an allen Shows. Wir versuchen unsere Arbeit gut zu machen, wir
versuchen den Leuten das Beste zu bieten. Sie bezahlen für das Ticket
und sie verdienen es, daß sich die Band den Arsch aufreißt,
sie haben ein Recht darauf. Ich freue mich schon sehr darauf und hoffe
daß wir eine gute Zeit haben werden. Wenn Du die Möglichkeit
hast, uns in irgend einer Weise zu unterstützen, wäre ich sehr
glücklich darüber. Habt viel Spaß, und wir sehen uns auf
Deinem Konzert beim Bands Battle-Festival in Deutschland.
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