KING DIAMOND
Interregnum im Gespräch mit  King Diamond (voc)
Gesendet am 31. August (Teil I) und 2. November (Teil II) 2004

King Diamond

Er ist eine Legende. Nicht nur weil er ganze Generationen von Death- und Black-Metal-Musikern beeinflußte. Auch sein eigenes Schaffen, das sich bereits seit gut 25 Jahren in der Heavy-Metal-Szene manifestiert, ist praktisch ohne Fehl und Tadel. Ob mit seiner Stamm-Formation MERCYFUL FATE oder als KING DIAMOND, was der King anpackte, wurde ein Nugget des satanischen Heavy Rocks. Horror und Spiritualität sind die maßgeblichen Attitüde, die seiner Musik anhaften. Wir sprachen mit KING DIAMOND über seine Karriere und seinem Draht zu einer anderen Welt. Dabei kam einiges zutage, was auch Euch die Gänsehaut über den Leib jagen könnte

Hallo King, erst einmal Gratulation zu Deiner neuen Scheibe "The Puppetmaster". Sie bietet dem KING DIAMOND-Fan genau das, was er hören möchte. Einmal mehr gibt es ein ausgetüfteltes Horrorkonzept für die Scheibe. Wie bei fast allen anderen auch. Wie lange dauert es bei Dir in der Regel, aus einer ersten vagen Idee ein fertiges Album zu machen?

Es ist ein Puzzle, es gibt eine spezielle Formel, die wir einhalten müssen, ansonsten würde es nicht funktionieren. Als erstes brauchen wir eine Kurzgeschichte. Sie kann alles mögliche behandeln. Ich lasse mich von den verschiedensten Dingen beeinflussen. Ich bin vielseitig interessiert. Ich gehe mit offenen Ohren und offenen Augen durch die Welt. Ich sehe, was um mich herum passiert, an jedem Tag meines Lebens. Vieles davon basiert auf dem, wofür ich mich sowieso interessiere, dem Übernatürlichen. Wenn man das alles zusammenfaßt, wird daraus eventuell eine Horror-Kurzgeschichte. So war es diesmal auch. Dann begann der Prozeß des Schreibens der Musik. Dabei ist es von Vorteil, daß die Geschichte vorher schon steht, denn sie gibt Dir ein gewisses Gefühl dafür, in welche Richtung die Musik wächst. Du hast ein besseres Gespür für die Musik, wenn Du weißt, worum es in der Geschichte geht.
Als wir diesmal den Songwriting-Prozeß abgeschlossen hatten, standen zwölf Songs. Dann begann ich damit, die Geschichte in Kapitel aufzuteilen. In so viele wie wir Songs dafür hatten. So wurden es zwölf Kapitel. Dann nahm ich die Musik und überlegte: Kapitel eins, welche Musik paßt zu der Geschichte? Und es könnte dann Song Nummer neun sein. Kapitel zwei ist dann vielleicht Song Nummer drei, wenn die Musik zu dem, was passiert, am Besten paßt. So passten wir alles einander an. Als das geschafft war, nahmen wir die Kapitel und verfassten dazu richtige Texte. Das ist der einzige Weg, der dazu führt, daß die Lyrics und die Musik nachvollziehbar Hand in Hand gehen. Das schafft man sicherlich nicht jedes Mal zu 100 Prozent, da es sich nicht um den Soundtrack zu einem Film handelt. Es ist Musik. Aber es ist, zumindest für mich, der einzige Weg, am Ende ein gutes Resultat zu erzielen. 

Unser absoluter Favorit unter den Songs von „Puppetmaster“ ist „Darkness“. Geiler Song, und, was für eine herrliche Frauen-Stimme. Wer steckt dahinter?

Sie kommt aus Budapest in Ungarn. Das passte ausgezeichnet, da die Geschichte eben dort auch spielt. Sie führte ein Interview mit mir zu „Abigail II“ für den ungarischen Metal Hammer. Sie studierte zu der Zeit in Amerika. Während des Interviews erwähnte sie, daß sie auch singen würde und fragte mich, ob ich ihr Demo hören möchte. Ich sagte: „Sicher, kein Problem!“. Als ich dann das Demo hörte, hat es mich regelrecht umgehauen. Ihre Stimme war absolut umwerfend, dabei klang sie so, daß sie meiner Stimme nicht unähnlich war. Zu diesem Zeitpunkt spielte ich jedoch noch nicht mit dem Gedanken, eine weibliche Stimme auf irgend einem unserer Alben zu verwenden. Das passierte erst als ich mit dem Schreiben der neuen Geschichte begann. Ich fand meine Aufzeichnungen aus dem Jahr 1999. Ich schrieb sie als wir mit Mercyful Fate in Budapest waren. Wir spielten mit auf der Europa-Tour von Metallica. Es waren zwölf Shows, darunter hatten wir einen freien Tag in Budapest. Ich sah das National-Puppentheater, es stand im Zentrum von Budapest, umgeben von lauter engen Straßen. Daher kam die zündende Idee zu „Puppetmaster“. Zuhause sichtete ich dann die ganzen Notizen von dieser Reise. Während ich sie las, überkam mich wieder das Gefühl, welches mich damals in Budapest beschlich, als ich die Dinge erlebte. Von da an war klar, daß ich darüber eine Geschichte fürs nächste Album schreiben würde. Der beste Weg, diese Geschichte zu schreiben, war, sie in der ersten Person „Ich“ zu verfassen. Es bringt den Hörer näher an die Geschichte heran. Es besteht ein großer Unterschied darin, ob Du sagst „Ich sehe um die Ecke und erblicke den Schatten des erhobenen Messers hoch über mir“, oder ob Du sagst „Er sah um die Ecke und erblickte den Schatten des Messers“. In diesen Ausdrucksweisen besteht ein großer Unterschied. Es ist wie: „Ich bin dort, es passiert gerade jetzt!“ So muß man es dem Publikum nahe bringen. „Ich fühle wie das Messer sich in meine Brust bohrt!“ oder ob Du sagst „Er fühlte wie das Messer sich in seine Brust bohrte“. Das ist eine ganz andere Weise, eine Geschichte zu erzählen, wenn Du es in der Ersten Person „Ich“ ausdrückst. Als ich also daran arbeitete, wußte ich, daß ich eine weibliche Stimme brauchen würde, um den Charakter von Victoria lebendig werden zu lassen. Nicht zu 100 Prozent, das war nicht möglich, da es sich hierbei nicht um ein Oper handelte. Aber zu einem gewissen Teil kann man es dennoch umsetzen. Da kam mir die Idee: „Hey, warum probiere ich nicht mal Livia dafür zu gewinnen?“ Ich sprach mit den anderen Bandmitgliedern darüber. Sie fanden es interessant. Noch mehr als sie sich auch Livias Demo anhörten. Genauso war es auch mit unserem Plattenlabel, sie hörten das Demo und fanden die Idee interessant. Jeder sagte:"Hey Mann, versuch es, mal sehen was passiert!“ Ich denke, so wie wir es umsetzten, war es auch der richtige Weg. Wir haben die Sache nicht überstrapaziert. Es veränderte nichts an unserem urtypischen KING DIAMOND-Sound. Dennoch war es ein neues, zusätzliches, frisches Element. Die Sache ist letztendlich gut gelungen. Es war eine Chance, die wir ergriffen haben.

Als ich den Song hörte, war mein erster Gedanke, daß sie auf jene Weise singt, wie Du es vermutlich gemacht hättest. Hast Du ihr also haarklein diktiert, wie sie zu singen hatte, oder war das ihre eigene Interpretation des Charakters?

Ja, alle ihre Passagen habe ich geschrieben. Ich schrieb alle Texte und auch alle Melodien. Im Studio stand ich bei ihr, sang die Passagen vor, wie ich es mir vorstellte, und sie sang die Sachen mit ihrer Stimme nach. So zum Beispiel auch der kleine Schrei in der Mitte von „Blue Eyes“. Erst sang ich, wie es mir vorschwebte, dann mußte sie die Harmonie nachempfinden. Sie konnte sich dahingehend nicht mit einbringen, doch das war wichtig, damit der KING DIAMOND-Sound erhalten bleibt. Ich sagte „Das ist die Harmonie, das geht so“, und sie übte die Passagen und wußte exakt, was sie zu singen hatte. Dann wurde meine Stimme runtergedreht und die Sache in echt mit ihrer Stimme aufgenommen.
Ihre Stimme paßt hervorragend zu der meinen und zu der Musik, der Klang ihrer Stimme. Das Feeling, welches sie mit einbringt... Ich bestimme zwar den theoretischen Teil, sage ihr, wie sie zu singen hat. Etwa den Mittelteil von „Emerencia“, da gibt es einen Part, den sie alleine singt. Die Worte und die Melodielinien habe ich designt aber sie kann natürlich auch ihren Teil beim Singen dazu beitragen. Die Art, wie sie die Worte ausdrückt etwa, das kann etwas abweichen. So kommt dann der ganze Stil zustande.

In Deiner gesamten Karriere hast Du stets gleichbleibend gute Scheiben in Deinem ureigenen Stil veröffentlicht. Selbst Anfang bis Mitte der 90er, als es für den traditionellen Heavy Metal gar nicht gut aussah, hast Du nie einen Stilbruch begangen. Andere Bands hingegen bekamen kalte Füße, als es zu der Zeit Entlassungen aus den Verträgen hagelte, und änderten ihren Stil. Wie hast Du diese mageren Zeiten überlebt? Waren es überhaupt magere Zeiten für Dich?

Nun ja, vielleicht ein kleines bißchen. Aber man kann nicht sagen, daß wir große Wellen von Hochs und Tiefs durchzustehen hatten. Das ist dieser Band nie wirklich passiert. Einer der vielen Gründe dafür war und ist, daß uns das Glück beschieden ist, absolute künstlerische Freiheit von der Labelseite aus zu genießen. Das geht sogar soweit, das wir bei „The Puppetmaster“ ins Studio gegangen sind, aufnahmen und mixten. Als alles fertig war, schickten wir das Endprodukt dem Label. Sie hörten es dann zum allerersten Mal. Sie vertrauen uns zu 100 Prozent. Wir hingegen bleiben uns selbst treu und folgen unserem Gefühl. Wir sind zu 100 Prozent ehrlich bei dem, was wir machen. So haben wir es schon immer gehalten. Das führte dazu, daß wir von Beginn an über einen eigenen Stil verfügen. Es gibt niemanden, der so klingt wie wir. Wenn Du einen Song von einer anderen Band hörst und dann einen von uns, wirst Du nicht lange fragen müssen, welcher der gehörten Songs von KING DIAMOND stammt. Ich denke nicht, daß wir wie eine x-beliebige andere Band klingen. Das verhalf uns zu unserem eigenen Stil. Aus diesem Grund wurde unsere Musik zeitlos. Wir mußten keinem Trend folgen. Wären wir irgendeinem Trend gefolgt, hätten wir vielleicht zu einer gewissen Zeit mehr Alben verkauft, das ist wahr. Aber dann hätten wir sicherlich nicht solange überleben können. Die Tatsache, daß wir immer noch aktiv sind, und „Puppetmaster“ läuft wirklich gut, beweist, daß Du Deinen Wurzeln treu bleiben solltest, um länger zu leben. Wären wir Trends gefolgt, wären wir vielleicht schon in den 80ern auf der Strecke geblieben. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, ist egal, ich kann es eh nicht anders handhaben. Ich würde niemals einem Trend folgen, um angesagt zu bleiben. Ich muß mich vollständig mit dem identifizieren können, was ich mache. Würde das Label Leute ins Studio schicken, die sagen, „Der Song ist nicht gut genug“ oder „Schreib von dieser Art Song noch einen, wir können Dir einen Produzenten schicken, der Dich wie diese oder jene Band klingen läßt“, dann würde ich das nicht akzeptieren. Das wäre der Zeitpunkt, an dem ich aufhören würde. Denn dann wäre ich nicht mehr ich. Ich denke, daß das viel damit zu tun hat, daß das Label uns erlaubt, wir selbst zu bleiben. Und das waren wir immer.

Auffallend oft wechseln Deine Mitmusiker. Was muß ein neuer Mann, der in Deine Band kommt, außer musikalischem Können noch mitbringen?

Wann immer sich unser Line Up veränderte, es war stets so, daß man von einer sauberen Trennung sprechen konnte. Meistens waren die Gründe, warum uns die Bandmitglieder verließen, persönlicher Natur. Prioritätenverschiebungen im Privatleben. Viele der Jungs haben geheiratet und sind Väter geworden. Das ist absolut verständlich, das kann Deine Prioritäten gewaltig verschieben. In 95 bis 99 Prozent der Fälle war das der Grund für Line-Up-Veränderungen. Das ist ein sauberer Trennungsweg. Nicht so wie bei den üblen Trennungen, wo sich hinterher alle gegenseitig hassen. Dann ist es natürlich notwendig, neue Leute zu finden. Meistens kennt man jemanden, der jemanden kennt. Wir hatten nur ein einziges Mal in unserer Karriere so etwas wie ein Casting. Letztendlich wurde aber niemand davon genommen. Denn auch dieses Mal bekam den Job der Freund eines Freundes. Der letzte Line-Up-Wechsel passierte nach den Aufnahmen zu „House Of God“. Wir spielten die U.S.-Tour. Danach verließen uns sowohl der Schlagzeuger als auch unser kanadischer Gitarrist, Glen Drover. Aus rein persönlichen Gründen, die ich vorhin nannte. Der eine heiratete. Beide haben Kinder. Beim Bassisten war es eine andere Geschichte. Er paßte einfach nicht in die Band. Seine Persönlichkeit war absolut unpassend. Wir mußten ihm also sagen, daß wir ihn nicht länger brauchten. Wir brauchten neue Leute. Hal Patino, der alte Bassist, war stets ein guter Freund. Er besuchte die Proben in Dänemark, er war ständig um uns herum. Es war offensichtlich, daß ich ihn fragen würde. Er war schon immer mein bester Bassist, egal ob auf der Bühne oder im Studio. Er erzählte mir, daß er auf diesen Anruf schon seit Jahren wartete: „Mann Du glaubst nicht, wie lange ich mich schon danach sehne, wieder in die Band kommen zu können.“ Es ging ein Traum in Erfüllung mit seiner Wiederkehr.
Was den Drummer anbelangt, so ist es der Studiobesitzer hier in Dallas, der an der Sache nicht ganz unschuldig war. Er erzählte Matt Thompson, der in diesem Studio, in dem wir aufnehmen, arbeitete, daß bei KING DIAMOND ein Posten als Schlagzeuger zu besetzen sei. 
Matt stammt aus Dallas und ist ein absoluter Wahnsinns-Drummer. Der Studiobestitzer sagte ihm also, daß wir in drei Monaten eine Europatournee spielen würden und er sich doch mal bei uns melden sollte. Als wir uns von seinen Qualitäten überzeugen konnten, war es einfach unglaublich. Das war der beste Schlagzeuger, mit dem wir je zusammenarbeiteten. Er war also auch ein Freund von einem Freund. Jemand, der uns weiterempfohlen wurde. Beim Gitarristen war es so, daß wir uns eine Menge Tapes anhörten, auf denen eine Menge ausgezeichneter Gitarristen spielten. Aber wir kamen auf die Sache zurück, als ich zu Andy LaRoche, unserem Hauptgitarristen, sagte. “Mein Gott, es wäre großartig, wenn Mike Wead die Sache übernehmen könnte.“ Er spielt zwar bei Mercyful Fate, aber heutzutage überschneiden sich beide Bands zeitlich nicht mehr. Er schreibt einen Haufen Musik, welche dieselben Einflüsse hat wie die unsere. Es wäre die absolute Krönung, Mike Wead zu bekommen, denn er ist ein regelrechter Schädelspalter als Gitarrist. Wir sagten uns: "Lass es uns angehen!“ Also sprachen wir mit Hank Sherman, er erwiderte: „Kein Problem Mann, das klingt nach der einzig richtigen Lösung für Euer Problem.“ So kam das Line Up zustande. Dann spielten wir die „House Of God“-Europatour und es war das beste Line Up, mit dem wir je gespielt hatten. Es war großartig mit denselben Leuten danach „Abigail II“ aufzunehmen. Das Line Up hielt auch bei den Aufnahmen zu „The Puppetmaster“, und vor zwei Wochen haben wir die U.S.-Tour beendet. Es war eine der besten Touren, die ich je erlebt habe. Wir bekamen großartige Resonanzen für die besten KING-DIAMOND-Shows, die Du je gesehen hast. Wir werden dieselbe Produktion dieses Jahr mit nach Europa bringen.
Das zum Line Up. Ich fühlte mich auf der Bühne noch nie so sicher wie mit diesem Line Up.
Es ist so sicher, da sie alle ihre Parts beherrschen. Dazu kommt, daß sie auch großartige Persönlichkeiten sind, was vieles erleichtert und eine Menge Spaß bereitet.

Im Rahmen Deiner Promoarbeit zur neuen CD sagtest Du, daß Ihr weniger Geld vom Label bekommen würdet. Du hast für die Aufnahmen noch weniger beansprucht, um für den Rest auf Tour gehen zu können.

Was da passierte, war, daß die Download-Geschichte dem Label empfindlich zusetzte. Es setzte allen Labels erheblich zu. Deshalb sagten sie uns nach der „Abigail II“-Tour, daß es für die nächste Tour kein Geld geben würde. Das war das erste Mal, daß uns so etwas passierte. Wir waren geschockt, als wir davon erfuhren. Sie sagten, daß sie sich die Verträge durchgelesen haben und sahen, daß es ihr Recht sei, das Budget zu kürzen.
Wir standen nun vor der fast unlösbaren Aufgabe, einen Weg zu finden, um ein absolut hochwertiges Produkt abzuliefern, welches den anderen Platten in nichts nachstand und dennoch viel weniger Geld kosten würde. Allerdings wollten wir die Band als alleinigen Job nicht aufgeben. Es war schwierig, eine geeignete Option zu finden, aber als wir sie fanden, wurde das neue Album „The Puppetmaster“ zu dem Album, auf das wir am meisten stolz sein konnten. Am Ende ging alles gut, doch wir mußten sehr hart dafür arbeiten. Was wir taten war, uns ebenfalls die Verträge noch mal durchzulesen und dann ein Budget zu fordern, welches uns zwar zustand, aber nicht vollkommen verbraucht werden würde. Dazu nahmen wir Geld aus unseren Merchandising-Einnahmen. Das tat zwar weh, sicherte uns aber die Möglichkeit zu touren. So machen wir es jetzt.
Die Aufnahmen liefen wie folgt ab: Andy LaRoche hat ein eigenes Studio in Schweden mit einem Haufen an richtigem Top-Epuipment. Deshalb konnten wir die Sache auch so durchziehen. Andy packte zwei riesige Kisten voll mit seinem edelsten Equipment. Diese verschiffte er hierher nach Dallas in mein Haus. Jetzt kannst Du sagen: “Meine Fresse, das muß aber teuer sein.“ Aber letztendlich will ich Dir verraten, wie wir Geld sparen und eine bessere Qualität abliefern konnten: Wir verwandelten mein Haus in ein Studio. Es war aber nicht so wie üblicherweise ein Heimstudio aussieht, denn es war wirklich absolutes Top-Equipment. Wir nahmen also alle Rhythmusgitarren, alle Harmoniegitarren und Hals-Baßgitarren als auch mein Keyboard in meinem Haus auf. Andys Keyboard nahm er in seinem Homestudio in Schweden auf. In unser eigentliches Studio in Dallas, in dem wir normalerweise aufnehmen, gingen wir nur, um das Schlagzeug und den Gesang aufzunehmen. Den Mix erledigten wir dann wieder in meinem Haus. Normalerweise verbringen wir neun Wochen im Studio. Zwölf Stunden am Tag. Diesmal waren es aber nur dreieinhalb Wochen im Studio. Wir konnten also fünfeinhalb Wochen Studioaufenthalt sparen. Diese würden mehr kosten als das verschiffen des Equipments. Dennoch haben wir dasselbe Resultat abgeliefert wie man es von uns gewohnt war.
Es war also keine wirkliche Veränderung vollzogen worden. Wir mußten nicht mehr arbeiten und wir haben auch nichts dabei verloren. Trotzdem hatten wir am Ende ein besseres Produkt in den Händen. Das erscheint logisch wenn man an die vorherrschenden Umstände denkt. Wenn Du Zuhause bist, stehst Du nicht unter demselben Streß. Da gibt es keine Uhr, die permanent tickt. Wenn Du mit irgendeinem speziellen Songpart im Studio nicht so recht vorankommst, dann wird gedrängelt: “Los komm, sieh zu, das kostet Zeit!“ Diesmal war es so, daß - wenn es ein Problem gab - man auch die Zeit dafür hatte. Nur die Ruhe, es kostet uns nur unsere eigene Zeit. Wir konnten mehr Zeit veranschlagen, und das taten wir auch.
Wir konnten diesmal jedes Detail ausarbeiten und ich denke, daß man das auch hören kann. Wir konnten uns auch beim Mix mehr Zeit lassen. Ein anderer großer Pluspunkt war die Tatsache, daß wir die Scheibe in einem Haus mit Teppichen und Möbeln mixten. Das ist die Einrichtung, die jeder Zuhause hat, wenn er das Album hört.
Die Fans gehen nicht in ein Studio, welches perfekt dafür eingerichtet ist, damit die Frequenzen sich sauber an den Wänden brechen, um die Scheibe zu hören. Sie hören die Scheibe Zuhause, wo eben Teppiche und Möbel sind. Als wir das Album mischten, wußten wir, daß das exakt der Sound sein würde, den die Fans auch Zuhause hören würden. Das war ein großer Vorteil. Wir fühlten uns sicher, geborgen und in vertrauter Umgebung. Automatisch machte die Sache auch mehr Spaß. Gut, Spaß macht das Arbeiten eh immer. Doch diesmal war es entspannter. Im Gegenzug war auch die Leistung der einzelnen Musiker viel besser. Ich denke, daß man das der Platte auch anhören kann. Die gesamte Geschichte wandelte sich also zum Positiven.
Inzwischen mixen wir eine Doppel-Live-CD, für die wir alle Shows der Amerika-Tour mitgeschnitten haben. Wir haben aber noch mehr vor. Beide Labels sind daran interessiert, zusammenzuarbeiten, um eine Live-DVD von der Europatour herauszubringen, die wir nun in Angriff nehmen möchten. 2004 war sowieso ein sehr arbeitsreiches Jahr, denn wir sichteten eine Menge Videomaterial von beiden Bands, Mercyful Fate und KING DIAMOND, wir fanden viel Material von Shows die noch nicht einmal als Bootlegs kursieren. Es handelt sich dabei um Zeug, was noch nie jemand zu Gesicht bekommen hat. Ich sehe also zur Zeit sehr viel Video. Ich weiß von Hank Sherman, als er begann sein Material zu sichten, daß er etwas gefunden hatte, was sich als die fünfte Mercyful Fate Show, die jemals statt fand, entpuppte. Noch bevor Michael Denner zu Band stieß. Dasselbe gilt auch für KING DIAMOND, wir haben soviel altes, rares Zeug. Auch Heimvideomaterial von KING DIAMOND. Ich weiß von Andy LaRoche, daß er etwa eine Stunde Videomaterial von der „Conspiracy“-Tour in Europa gesammelt hat. Dazu kommen die ganzen Videoclips von uns, die noch nie offiziell erhältlich waren. Das kann also für die Fans sehr interessant werden, wenn wir noch genügend Material finden, welches in qualitativer Hinsicht einem gewissen Standard entspricht. Das wird alles auf diesen DVDs zusehen sein. Ein Haufen Arbeit wartet auf uns, es gibt viel zu tun. Es ist eine gute Zeit, auch wenn es dem CD-Markt im Moment nicht so gut geht. Wir haben Wege gefunden, um wie gewohnt weitermachen zu können und zu überleben. Und es sieht gut für uns aus.

Deinem neuen Album liegt eine DVD bei, auf der Du ein außergewöhnliches schauspielerisches Talent beweist. Wenn Du die Wahl hättest bei einem X-beliebigen Film mitzuwirken, was wäre es für einer?

Das wäre ein Horror-Film. Ich würde immer einen Horror-Film bevorzugen. Aber diese DVD die Du nanntest, das ist eine Geschichte, die erzählenswert ist, da es schon lustig war, wie es dazu kam. Brian Slagel, der Besitzer von Metal Blade Records, besuchte mich mit dem Präsidenten der Firma zu einer Geschäftsbesprechung in meinem Haus. Sie besuchten mich an einem sonnigen Nachmittag. Ich fragte sie, ob sie die Story zu dem neuen Album hören wollten. Natürlich wollten sie, und ich erzählte die ganze Geschichte. Brian Slagel hatte hinterher eine richtige Gänsehaut und sagte: “Mann, das müssen wir als Bonustrack am Ende der CD mit draufpacken. Oder wir veröffentlichen das als DVD, und Du erzählst die Geschichte genau so, wie Du sie mir eben erzählt hast.“ Ich sagte, daß sich das gut anhört. Ich könne das mit komplettem Make Up machen. Das wäre eine gute Bereicherung zu den Texten. So begann das alles.
Die Labels sehen sich im Moment mit schwierigen Zeiten konfrontiert. Dennoch versuchen sie etwas Besonderes zu bieten. Ich bin froh, daß das mit diesem Album geklappt hat, denn ich halte die Platte für verdammt stark. Es ist das richtige Album, um es in einen solchen Rahmen zu packen. Es kostete noch mal richtig Kohle, um das Album mit dem Digipack-Cover und dem Silberaufdruck zu versehen. Aber Du mußt investieren, um etwas zurückzubekommen. Das Label realisierte das. Sie hätten auch sagen können, daß sie dafür keine Kohle haben, doch sie haben das Geld aufgetrieben. Denn es ist wichtig, den Fans zu zeigen, daß Du Dich kümmerst, zu zeigen, daß sie mehr für ihr Geld bekommen. Das war es auch was sie taten.
Und ich bin überglücklich mit dem, was das Label für dieses Album geleistet hat. Sie haben viel Extra-Arbeit geleistet. Und ich denke, wir auch mit der Musik, mit der Story. Ich denke, daß es sich dabei um die beste Story handelt, die ich je ausgebrütet habe. Sie ist echter Horror, sehr komplex und ich habe zu ersten Mal ein wirklich gutes Gefühl bei dieser Scheibe. Bei den Scheiben davor konnte ich das natürlich auch sagen, aber dieses Album ... Ich würde nichts daran nachträglich verändern wollen. Keine einzige Note. Und das passiert wirklich nicht oft. Normalerweise wünschte ich hinterher, daß die Snaredrum etwas lauter wäre, daß ich den Baß besser hören könnte. Dort könnte vielleicht das Keyboard mehr im Vordergrund sein, und die Backing-Vocals sitzen nicht exakt an der Stelle, wo ich sie haben wollte. Das sind die Sachen, die mir normalerweise auffallen, wenn ich mir die Scheiben hinterher anhöre und analysiere. Aber diesmal habe ich das Hören wirklich genossen und würde absolut nichts nachträglich ändern wollen. Das ist ein wirklich gutes Gefühl, ein richtig besonderes Gefühl.

Als ich mir die DVD Zuhause ansah, stilecht bei Kerzenschein in der Nacht, klingelte es an meiner Tür und zwei Kumpel kamen in wilder Partylaune in die Wohnung gestürmt. Als sie Deinem Treiben auf der DVD einige Minuten zusahen, waren sie wie gebannt. Hinter Dir konnte man Fenster sehen, durch die Tageslicht schien.

Es war Mondlicht.

Mondlicht? Es sah aber aus wie heller Nachmittag.

Es wurde nachts gedreht.

Nun ja, es war ein scheinbar normales Büro, lediglich mit ein paar Kerzen ausstaffiert. In diesem saßest Du mit Deinem Bühnenoutfit und erzähltest die Geschichte des Albums. Klingt nicht sehr spektakulär, möchte man meinen, doch wir waren alle wie gefesselt. Das macht natürlich heiß auf die von Dir vorhin erwähnte komplette DVD.

Ich kann das, was Du sagst, gut verstehen, denn mir ging es genauso, glaub es oder nicht. Es ist schon verrückt. Es war eine simple Sache, Die DVD sollte als Ergänzung zu den Texten verstanden werden. Nichts aus den Texten verwendete ich auf der DVD und von dem, was ich auf der DVD erzähle, kann man nichts in den Texten lesen. Aber zusammen machen sie Sinn. Es wurde mit einer Kamera gefilmt. Ich erzählte die Geschichte dreimal von vorne bis hinten. Dafür benutzte ich keine Textblätter, denn ich kenne die Geschichte in- und auswendig. Du kannst sehen, daß ich, wenn ich sie erzähle, in einer komplett anderen Welt bin. Sie filmten die Geschichte mit einer Kamera, also mußte ich für die drei Perspektiven, aus denen gefilmt wurde, die Geschichte dreimal erzählen. Hinterher sollte ich meinen Segen für das Projekt geben. Sie schnitten die drei Aufnahmen zu einer zusammen. Das Ergebnis sah ich mir in Phoenix 10 Uhr in der Frühe an. Nachmittags um 3 Uhr wollten sie meine Antwort haben. Ich saß da, draußen herrlichster Sonnenschein, und sah mir die Sache an. Ich war geschockt. Ich wurde regelrecht in den Fernseher gezogen. Ich saß da und starrte in den Kasten. Als es vorbei war hatte ich dieses komische Gefühl. „Was zur Hölle ist da geschehen? Mein Gott, ist das abgefahren.“ Die Art und Weise wie ich erzählte, die Stimme, die Bewegungen der Hände, der Gesichtsausdruck, ich sah mich an und dachte: „Mann, Du bist richtig in dieser Geschichte aufgegangen.“

Amerika, und vor allem Texas sind nicht unbedingt als ein Hort für freigeistige Individualisten bekannt. Du lebst seit einigen Jahren schon in den Staaten. Wissen die Leute, wen sie als Nachbarn haben? Und wie reagierten sie als sie von Deinem Beruf erfuhren?

Ich lebe hier nun schon seit anderthalb Jahren. Ein Nachbar von mir weiß, was ich mache, die anderen nicht. Einer meiner vorherigen Nachbarn war übrigens ein Fan, er zog hierher, weil es sein Job verlangte. Als er erfuhr, daß ich hier lebe, kam er mich immer besuchen, wenn wir eine neue Platte draußen hatten, um ein Promo-Exemplar abzustauben.
Der war aber echt in Ordnung. Ein anderer Ex-Nachbar von mir war ein baptistischer Priester, ein sehr umgänglicher Mensch. Das erste Mal, als wir uns nach seiner Ankunft sprachen, fragte er mich, was ich so mache. Ich erzählte ihm, daß ich in einer Band spiele und fragte ihn nach seinem Beruf. Er erzählte, daß er ein Baptisten-Priester sei. Ich dachte nur: „Ach du Scheiße, was geht denn hier ab?“ Aber wir hatten nie Probleme miteinander. Er war ein klasse Typ. Einmal sagte er, dass ich in seiner Kirche stets willkommen sei, wenn ich Lust hätte, dort hinzugehen. Ich erwiderte: „Nein, danke.“ Aber wir hatten nie Streß miteinander.
Als er wegzog, kam er zu mir und sagte: „Heute ist der letzte Tag, an dem wir uns sehen. Ich bin gekommen, um Aufwiedersehen zu sagen und daß Du der beste Nachbar warst, den ich je hatte.“ Er war wirklich cool, er wuchs mit Bands wie Black Sabbath oder Grand Funk Railroad auf. Klar war er im Internet, um Nachforschungen über uns anzustellen, doch er fand nichts, was ihm spanisch vorkam.

Soweit ich weiß wird in dem Bundesstaat Texas noch immer die Todesstrafe verhängt. Bist Du ein Befürworter oder ein Gegner der Todesstrafe?

Das ist eine sehr schwierige Frage. Aber bei manchen Vergehen, bei denen Du 100prozentig weißt, daß Du den richtigen Mann hast, ist die Todesstrafe in Ordnung. 
Aber es gibt auch eine fürchterliche Ungewißheit in manchen Fällen, wo man nicht sicher ist, ob man tatsächlich den Richtigen geschnappt hat. Er wurde verurteilt und dies und das, dann tauchen auf einmal Beweise auf oder verschwinden. Vielleicht kommt es dann zu einer neuen Verhandlung oder eben nicht. Das ist eine sehr schwierige Frage. Wenn man sich absolut sicher ist, den richtigen zu haben, dann bin ich auch dafür. Denn manche Verbrechen verdienen nicht anders geahndet zu werden.

Als Du damals in die Staaten übergesiedelt bist, wie war dein Eindruck von diesem Land in den ersten zwei Wochen? Für einen dänischen Aussiedler muß es ja ein Kulturschock gewesen sein. 

Es war nicht mehr so neu für mich, denn vor meinem Umzug lebte ich anderthalb Jahre in Los Angeles. Zwar nicht als Aussiedler, aber ich bekam vom dortigen Leben einiges mit. Wie man Rechnungen bezahlt oder solch simple Prozeduren wie man an den dortigen Tankstellen tankt. Diese Sachen waren ja neu für mich. Ich kannte das System als solches nicht, wie man Steuern bezahlt und dergleichen. Die geschäftlichen Gesetze in diesem Land zu verstehen, dauerte eine Weile, aber ich bekam ausreichend Hilfe von den Buchhaltern.

Vor einigen Jahren ist ein Mercyful Fate/KING DIAMOND-Tribute Sampler erschienen, auf diesem waren auch Bands vertreten, die aus dem Umfeld der kriminellen skandinavischen Black-Metal-Szene stammen. Wie Du sicherlich weißt, gab es Anfang der 90er in Skandinavien eine Bewegung, mit Leuten, die Menschen töteten, Kirchen nieder brannten und andere nicht gerade gesetzestreue Dinge taten. Diese Leute kommen nun, um Dich und Deine Musik zu ehren. Kannst Du das, was damals passierte, gutheißen, oder haben sie Deine satanische Botschaft mißinterpretiert? 

Nun, zuerst einmal möchte ich nicht über Dinge und Ereignisse sprechen, über die ich nichts weiß. Die Leute erzählten mir Gerüchte, und ich fragte: “Was kannst Du mir genau dazu sagen? Wer tat was?“ Die Leute erzählen, daß sie (die Skandinavier) Kirchen niederbrennen und Menschen töten. Wie viele wurden denn umgebracht? Es war wohl einer, der umgebracht wurde, wenn ich mich nicht täusche. Ich kenne aber die Fakten nicht. Und es war wohl auch nur eine Kirche, die in Brand gesetzt wurde. Aber ich weiß nicht von wem und wie die Umstände waren. Darum kann ich nicht meine Meinung dazu sagen. Aber ich kann sagen, daß es auch andere Gründe für diverse Ereignisse gibt. Es gab vielleicht einige andere Morde in derselben Woche, damals in Skandinavien. Aber über den Mord, über den wir sprachen, dessen Hintergründe kenne ich nicht. Ich weiß nicht, ob Du die Gründe kennst, warum es passierte. Aber ich kann nur sagen, daß, wenn jemand meine Schwester vergewaltigen würde - ich habe keine, aber wenn ich eine hätte und jemand sie vergewaltigen würde - dann würde ich den Kerl umbringen. Ich weiß, das wäre gegen das Gesetz, der Regierung nach ist es falsch. Aber ich würde es dennoch tun. In diesem Fall kenne ich die Hintergründe.
Zur selben Zeit, als diese Dinge geschahen, eine Kirche fing Feuer und ich weiß nicht, wer es war und warum er es tat, passierte es, daß hier in den USA im Süden 200 Kirchen angezündet wurden. Über einen Zeitraum von etwa zwei Monaten. Das waren keine Heavy-Metal-Musiker oder dergleichen, es war irgendeine Art von Organisation. Niemand hat je herausgefunden, wer es war.
Das ist eine völlig andere Perspektive, ich sitze hier und sehe diese Dinge im Fernsehen und jemand fragt mich, was ich darüber denke würde. Ich fand heraus, daß es sich um gerade mal eine handelte. Und niemand wußte, wie und warum sie Feuer fing. Wenn Du Musiker bist und speziell wenn Du in einer Black-Metal-Band spielst, und Du tust Sachen, die in irgendeiner Weise dem nicht unähnlich sind, was andere angestellt haben. Selbst wenn es nur ein Freund von Dir war, wirst Du als erster verdächtigt. Denn Du bist in einer Black-Metal-Band. Oft wird Dir ein Stempel aufgedrückt, obwohl Du nichts getan hast. 

Letztendlich waren es drei Leute, die umgebracht wurden, einer von ihnen war Euronimus von Mayhem, ein anderer Musiker, Bard“Faust“Eithun,  tötete in Lillehammer einen Schwulen. Dann wurde in Schweden der Frontmann von Dissection wegen Mordes verurteilt. Darüber hinaus waren es an die 14 Kirchen, die angezündet wurden. Jedenfalls war das die Zahl, die in einem TV-Report genannt wurde. 

Und warum brannten sie die Kirchen nieder?

Weil einige der Musiker die Auffassung vertraten, daß das Christentum in Skandinavien nichts verloren hätte und die Kirchen dort nicht hingehörten. Deswegen brannten sie die Kirchen nieder. 

Und wie viele Leute waren daran beteiligt? 

Wieviele es waren, weiß ich nicht genau, aber die Rede war von 14 Kirchen. 

Aber wer tat es?

Einer von ihnen  war Count Grishnack, schon von ihm gehört?

Nein.

Er wurde verurteilt wegen Mordes und Brandstiftung. Er brannte zwar nicht alle 14 ab, jedoch einige. 

Allein? Eine Person? Über diese Dinge kann ich nichts sagen, weil ich darüber nichts gehört habe. Und ich glaube, daß Du auch nicht alle Fakten diesbezüglich kennst. Ich kann auch nicht behaupten, daß Michael Jackson Kinder schändete, weil ich es nicht weiß. Im Fernsehen behauptet ein Typ, daß das passierte, weil das Kind das behauptet. Und ein anderer verteidigt ihn, und sagt, daß das alles nur Behauptungen sind, die einer Prüfung bedürfen. Was wissen wir den wirklich? Es ist sehr schwierig, sich eine Meinung zu bilden, wenn man immer nur Behauptungen aus dem Fernsehen hat. Ein Typ behauptet etwas und wenn Du zurückfragst, ob er es genau weiß, dann sagt er „Nein, aber wir versuchen es herauszufinden ob nicht doch was dran ist.“
Ich versuche es zu vermeiden, über Dinge zu urteilen, deren genauen Hintergrund ich nicht kenne. Ich spreche nicht über Dinge, die ich nicht genau weiß, das wäre ziemlich falsch.
Wo Du gerade die anderen Bands nanntest, es ist mir egal ob eine Band unter der Bezeichnung Black Metal geführt wird oder nicht. Welche Art von Musik auch immer sie spielen, wenn sie behaupten, daß sie durch uns beeinflußt wurden, eine Band zu starten, mit dem Gitarrespielen anzufangen oder zu singen. Später bringen sie dann ein Album heraus und die Leute kaufen es auch, dann unterhalten sie uns. Ich respektiere alle Künstler. Wenn sie dann auch noch behaupten, von uns beeinflußt worden zu sein, ist es eine große Ehre für mich. Absolut. Ich wurde zum Beispiel von Jimmy Pages Gitarrensound beeinflußt. Als ich begann, mich mit Musik zu beschäftigen, geschah das aufgrund des Gitarrensounds auf der ersten Led-Zeppelin-LP. Diese war der Grund für mich, Geld zu sparen, von dem ich mir meine erste Gitarre kaufte. Ich versuchte nie wie Led Zeppelin zu klingen. Genauso ist es auch mit den heutigen Bands, die uns als ihre Inspiration ansehen.

Spielst Du heute immer noch Gitarre?

Ja, natürlich. Für KING DIAMOND schreibe ich 75 Prozent der Musik auf Gitarre und Keyboard. Andy LaRoche schreibt die anderen 25 Prozent.

Tu, was Du willst.“ Dieser Satz von Aleister Crowley wird von vielen selbsternannten Satanisten als Grundlage für ihre Lebensphilosophie herangezogen. Ist dies wirklich die Formel für ein besseres Leben?

In vielen Fällen, ja. Es spielt keine Rolle, an was Du glaubst. Satanismus ist für mich keine Religion, das war er noch nie. Es ist eine Lebensphilosophie. Dazwischen gibt es einen großen Unterschied. Wenn wir über Religion reden, dann ist es egal, ob man über Buddhismus, das Christentum oder was weiß ich redet. Da gibt es Millionen von verschiedenen Arten des Christentums, verschiedene Richtungen. Einige von ihnen hassen sich gegenseitig. Wie etwa die Katholiken und die Protestanten. Dabei glauben sie an denselben Gott. Aber so ist die Welt nun mal.
Niemand hat je die wahrhafte Existenz irgendeines Gottes prüfen können. Niemand konnte je prüfen, ob er an den richtigen Gott glaubt. Denn wenn es jemand getan hätte, dann würden wir alle an den gleichen Gott glauben. Deshalb haben wir so viele unterschiedliche religiöse Richtungen in dieser Welt. Andererseits kann man aber auch nicht steif und fest behaupten, daß der Christengott nicht existiert. Niemand kann es nachweisen. Und es ist mir auch egal. Ich muß keine Nachforschungen über seine Existenz anstellen.
Oft scheint es so, daß die extrem Religiösen ihren Pfad verlassen, um zu beweisen, daß sie an die richtige Sache glauben. Aber das können sie nicht. Da liegt für mich das Problem, ich kann es einfach nicht nachvollziehen, wieso Menschen soweit gehen können und sich gegenseitig in Kriegen umbringen, die auf religiösen Unterschieden basieren. Es macht keinen Sinn. Es passiert überall, wohin Du auch siehst. Religion findet man in allen Kriegen auf der Welt.
Dann wiederum kann ich es verstehen, daß keiner es beweisen kann, daß er an die richtige Sache glaubt. Das ist ja das Verrückte. Deshalb sollte meiner Meinung nach Religion etwas sein, was jeder für sich behält. Solange Du anderen Menschen mit Respekt begegnest. Das ist meiner Meinung nach eine der wichtigsten Sachen, daß die Leute mir mit Respekt begegnen und ich andern ihren gebührenden Respekt zukommen lasse. Andy (LaRoche) hat dazu eine andere Meinung. Ich respektiere seine Meinung, denn ich weiß, daß jeder Mensch auf der Welt sich von den anderen unterscheidet.
Wir alle leben in unseren eigenen, kleinen Universen in denen wir der Mittelpunkt sind. Das ist ein Fakt. Ich rede nicht über Theorien, es ist ein Fakt. Für mich hat „Tu was Du willst“ nichts mit Religion zu tun. Dieser Satz bringt Dich weiter. Allerdings mußt Du dich an die Regeln halten. Machst Du das nicht, weiß Du ja, was Dich erwartet. Wenn ich mich nicht an das Gesetz halte, riskiere ich ins Gefängnis zu kommen. Muß ich es darauf ankommen lassen? Nein! Das ist es mir nicht Wert. Aus diesem Grund haben wir Gesetze. Weil wir uns niemals in allen Punkten einig sind.
Ein Beispiel: Jemand denkt, daß es eine perfekte Idee ist, auf einem Behindertenparkplatz vor einer Bank zu parken. Denn dort parkt im Moment kein Schwein. Ein anderer sagt: „Das kannst Du nicht machen. Wo kommen wir denn da hin, wenn das jeder macht?“ Das sind dann unterschiedliche Meinungen. Wer liegt richtig und wer falsch? In diesem Fall gibt es ein Richtig und ein Falsch, denn es gibt dafür ein Gesetz. Ein Gesetz welches besagt, daß es falsch ist, auf dem Behindertenparkplatz zu parken. Solche Regeln sind wichtig, ansonsten hätten wir hier das totale Chaos. Eben weil wir alle unterschiedliche Meinungen haben.
Oder nehmen wir mal an, daß Mister Johnson seinen kleinen Sohn Jimmy mit einem pinkfarbenen T-Shirt in die Schule schickt. Ist das richtig oder falsch? Man kann nicht sagen, daß es falsch ist, was Mister Johnson macht. Dafür gibt es kein Gesetz. Klein Jimmy wird sich aber sicherlich nicht allzu wohl in der Schule fühlen, wenn er ein pinkfarbenes T-Shirt trägt. Die anderen Kinder werden ihn mit Wahrscheinlichkeit auslachen. Aber siehst Du, was ich meine? Es gibt so viele verschiedene Meinungen über alle möglichen Sachen in der Welt. Bei schwerwiegenden Dingen muß einfach jemand kommen und sagen: „Hört zu! Das ist so, weil es so ist. Gewöhnt Euch besser daran, denn so müßt Ihr Euch verhalten. Andererseits müßt Ihr für das, was Ihr tut, bezahlen.“ Aber, um noch mal auf den Satz „Tu was Du willst.“ zurückzukommen - Wenn Du also etwas anstellst, wofür Du in den Knast kommen kannst, dann mußt Du für die Konsequenzen bereit sein. Das ist es, worum es geht.

Du sprachst gerade über Religion. Nostradamus weissagte für die Zukunft, daß es zum ultimativen Glaubenskrieg zwischen den beiden größten Weltreligionen, dem Islam und dem Christentum, kommen wird. Was denkst Du, wird es so sein? Wie dicht sind wir schon dran, und ist es möglich, diesen Zusammenstoß abzufedern? 

Ich glaube nicht an diese Prophezeiungen. Aber diesen Krieg gibt es schon länger als man sich vorstellen kann. Bis zurück in die Zeit als der Islam und das Christentum noch dichter beieinander lagen. Seitdem gibt es diesen Krieg schon. Das liegt länger zurück als etwa die Kreuzzüge. Wann immer sich die Leute nahestanden und die Kraft hatten, diese religiösen Richtungen stark genug zu machen, benutzten sie diese, um loszuziehen und zu skandieren: „Laßt uns die Heiden töten, im Namen Gottes!“ Und die Gegenseite tat dasselbe. Da gibt es so viele Sachen von damals, über die wir nichts wissen. Wer glaubte an was zuerst. Da kommen wir wieder auf die Sache zurück. Wer hat recht und wer nicht? Waren die Kreuzzüge falsch? Oder war es gerechtfertigt, daß die Christen sie unternahmen? War es gerechtfertigt, daß sie so viele Leute töteten, die zum Beispiel islamisch waren?
Das kann man auf die vorangegangene Frage beziehen. Wer hat recht und wer liegt falsch? Es hängt davon ab, auf welcher Seite Du stehst. Ich finde es verrückt, daß es da ein Problem gibt. Darum verstehe ich das nicht. Warum haben sie ein Problem damit, das andere Leute an andere Sachen glauben? Sie können es nicht nachprüfen, daß es richtig ist, daß die andere Partei an das Falsche glaubt. Darum heißt es Glauben. Glauben heißt: Ich denke, daß es so ist. Es heißt nicht: Es ist so.

Meistens schein es so zu sein, daß die breite Masse die Wahrheit für sich gepachtet hat, auch dann, wenn ein Einzelner vielleicht im Recht ist.

Kommt darauf an, in manchen Fällen schon. Etwa, wenn eine Person zu 100 anderen etwas sagt, was sich komplett von dem unterscheidet, woran die anderen 100 Leute glauben. Wenn sie sich wegen etwas streiten, wird die Hundertschaft wahrscheinlich gewinnen. Weil man sich sicher sein kann, daß sie dem Einzelnen nicht zuhören werden. Sie werden demjenigen predigen: „Das ist es, woran wir glauben, alle von uns.“ Und da wird kein Weg reinführen. Und der Einzelne sagt: „Nein, nein, hört Euch das mal an. Da gibt es das und das." Sie werden ihm einfach nicht zuhören. 

Ja, wie etwa bei Galileo Galilei.

Ich hab das am eigenen Leib erfahren. Schon so manches Mal. An eine Show kann ich mich noch besonders gut erinnern. Das war wirklich einzigartig. Das war vor 15 oder 20 Jahren, eines unserer Crewmitglieder sagte, daß da zwei Eltern mit ihrem 13jährigem Sohn draußen warteten, um mir „Hallo“ zusagen. Das war übrigens in Kopenhagen. Wir hatten gerade geduscht und uns fertig gemacht. Und als ich dann rausging, begannen die beiden Eltern zu predigen. Ich dachte so bei mir: „Was geht denn hier ab?“ Sie plapperten und redeten nur Scheiße. So würde ich es nennen. Ich versuchte mit ihnen zu reden, ich fragte sie eine Menge Fragen. Doch diese konnten sie mir nicht klar beantworten. Danach fragte ich den Jungen ein paar Fragen. Alles was er machte war, die Bibel zu zitieren. Es war ein fürchterlicher Anblick. Zwei Eltern mit einem Kind, welchem sie eine gehörige Hirnwäsche verpaßt hatten. Das war wirklich ein trauriger Anblick. Da haben wir die Sache wieder, es waren aber nur drei Leute. Dennoch war es reine Zeitverschwendung, mit ihnen zu reden. Denn es war kein Gespräch. Sie redeten nur auf mich ein. Nicht etwa mit mir, nein, nur zu mir. Es war, als wären sie in einer Blase gefangen, durch die nichts hindurchdringen könnte. Aufgrund dieser Situation würde ich aber nicht sagen, daß sie Recht hatten, nur weil sie zu dritt waren. Aber ich weiß, was Du meinst. Meistens hat die Mehrheit die Kraft, Dinge in eine gewisse Richtung zu drücken.

Laß uns das Thema wechseln. Wenn ich KING DIAMOND mit Mercyful Fate vergleiche, dann muß ich sagen, daß KING DIAMOND aufgrund der Horror-Konzepte und Geschichten, wegen des speziellen Songwritings und der Melodien mir besser gefällt. Weil es eben diese Spuk-Aura verbreitet. Wie alt warst Du etwa, als Du merktest, daß Du Dich für mystische Geschichten und übersinnliche Phänomene interessierst? 

Ein Kind. Es geht bis dahin zurück, als mir meine Eltern erlaubten, diese alten Schwarz-Weiß-Horrorfilme zu sehen, Dracula, Frankenstein, die Mumie, all diese Film-Klassiker. Ich kann mich deshalb so gut daran erinnern, weil ich, als ich dann ins Bett ging und das Licht aus war, immer dachte, diese Kreaturen würden aus dem Dunklen zu mir ans Bett kommen. Am nächsten Morgen mußte ich dann feststellen, daß nichts passiert war. Frankenstein kam nicht, um mich in der Nacht zu töten. Es ist nicht so, daß es schlecht von meinen Eltern war, mich diese Filme sehen zu lassen. Jeder kann Träume haben. Oftmals basieren sie auf Ereignisse, die man tagsüber erlebte oder in einem Film sah, die dann dein Hirn beschäftigen. So war es damals auch bei mir. Und es faszinierte mich. Speziell die Erleichterung, nachdem man sich in einer beklemmenden Situation befand. Soetwas kann man natürlich auf einem Album vermitteln. Du kannst Gefühle und Stimmungen kreieren. Bei Filmen ist es jedoch wesentlich einfacher. Da gehen die Bilder mit dem Sound Hand in Hand. Warum sehen sich die Leute Horror-Filme an? Weil sie sich erschrecken wollen. Sie wollen die Erleichterung spüren, wenn sie aus dem Kino kommen. Sie wissen, daß es nur ein Film war. Es war nicht real.

Gab es einen Punkt in Deinem Leben, als Du einem unerklärlichem Phänomen gegenüberstandest und Du Dich in allem, was Du vorher nur ahntest, bestätigt fühltest?

Das ist beinahe wieder eine religiöse Frage. Ich selbst habe keinen religiösen Glauben. Aus dem einfachen Grund heraus, daß ich nie Beweise habe. Ich kann es mir zwar selbst beweisen und auch demjenigen, der dabei ist, wenn es passiert. Der kann sagen, daß er es auch sah. Aber ich erlebte die Kräfte des Unbekannten. Oder wie auch immer man es nennen möchte. Poltergeister meinetwegen. In der Wohnung, in der ich vor vielen, vielen Jahren in Kopenhagen lebte, spukte es extrem. Und viele andere Leute, meine Freunde etwa, erlebten es dort auch. Diese Erlebnisse überzeugten mich davon, daß es da draußen etwas gibt. Vielleicht eine Art Parallelwelt. Eine Welt die zur gleichen Zeit wie die unsrige existiert. Und die Geister besuchen uns aus der anderen Welt. Es ist möglich. Natürlich ist es möglich, denn niemand kann das Gegenteil beweisen. Für mich haben diese Dinge, die ich sah, fühlte und hörte, nichts mit irgend welchen religiösen Sachen zu tun. Denn ich kann nicht erklären, was es ist oder was es war. Ich kann rumsitzen und wochenlang Theorien ausbrüten, was es war. Aber ich kann sie beim besten Willen nicht beweisen. Ich kann nur eine Theorie entsinnen und ihr folgen. Und das ist genau das, was die meisten Religionen sind. Du erstellst eine Theorie und folgst ihr so starr, als sei es die Wahrheit. Das könnte ich nicht. Deshalb könnte ich keiner Religion folgen, ohne mir meine eigene Sichtweise zu erschaffen. Das ist unmöglich.

Ich hatte mal das Erlebnis, daß ich nachts im Bett lag, mit dem Gesicht zur Wand. Ich wußte nicht, ob ich schlief oder wach war, doch mir war, als sein noch jemand in meinem Zimmer. Dann war es, als sähe ich durch meinen Hinterkopf hindurch einen Geist an meinem Bett stehen. Es konnte kein Traum gewesen sein, denn die Furcht war zu stark. Ich hatte ein Hochbett von etwa zwei Metern. Fast genauso groß war auch diese Gestalt, welche nur aus einer bläuliche Gasflamme zu bestehen schien. Sie tänzelte leicht vor sich hin und wisperte leise Worte, die ich nicht verstand. Mir war eiskalt und ich war nicht fähig, irgend etwas zu tun oder zu sagen. Diese Flamme kam langsam auf mich zu und wisperte. Dann auf einmal rauschte sie wie ein Blitz durch mich hindurch und war verschwunden. Ich war dermaßen erschrocken. Danach wurde mir klar, daß ich die ganze Zeit wach gewesen bin. Vorher war ich mir dessen nicht sicher gewesen. Von da an war mir klar, daß es etwas wie eine andere Seite geben muß. Hattest Du auch so ein Schlüsselerlebnis? 

Absolut. Das ist diese Art von Dingen, die in meiner Wohnung passierten. Und nicht nur in meiner Wohnung. Es passierte auch in der Wohnung meines Bruders, als ich damals dort war. Es passierte an vielen Orten, auch auf Touren. Aber hauptsächlich in meiner Wohnung. Alle möglichen Sachen. Wir sahen, wie sich ein Glas in die Luft erhob. Zusammen mit meinem Bruder und Kim Ruzz, dem damaligen Mercyful-Fate-Drummer. Eines nachts streichelte mich eine Hand über die Wange, als ich zu Bett gehen wollte. Ich fühlte eine Hand, sie war nicht kalt, eine normale Hand. Und ich wußte, daß da etwas kommen würde. Ich erinnere mich noch genau, was an diesem Tag passierte.
Ich kam mit dem letzten Bus nach Hause. Ich kam von einem Treffen zwischen der Band und einem Coverkünstler, der an dem Cover für die „Melissa“-LP arbeitete. Es war nicht der Typ, der das Cover anfertigte, für welches wir uns entschieden. Es war ein anderes Cover, ein paar Dänen arbeiteten daran. Ich fand es fürchterlich. Es wurde später auf einem Bootleg verwendet. Die Band steht auf dem Boden und über ihr schwebte ein riesiger Schädel. Aber für mich sah es so aus, als hätte ein Kind es gezeichnet. Ich haßte es. Ich fuhr also mit dem letzten Bus nach Hause. Ich war innerlich ziemlich aufgewühlt, war frustriert, wie sollte es nun weitergehen? Als ich dann, nahe meiner Wohnung, aus dem Bus ausstieg, wartete ich an einer roten Ampel, als plötzlich jemand an meinen Haaren zog. Ich dachte, es handele sich um einen Freund, mit dem ich zusammen aus dem Bus gestiegen war, der mich nun etwas erschrecken wollte, ohne das ich ihn sähe. Daß es ein Spaß sei. Ich drehte mich um und sah niemanden. Ich ging also über die Straße und in meine Wohnung. Sie lag oben im dritten Stockwerk.
Als ich oben ankam, passierten so viele Dinge in meiner Wohnung. Ich wollte noch eine Lakritzstange essen, legte sie dann aber doch beiseite auf meinen Kaffeetisch. Ich ging ins Bad, um mich fertig zu machen, die Zähne zu putzen und dergleichen. Dann wollte ich ins Bett gehen. Manchmal schlief ich auf der Couch in meinem Wohnzimmer. Als Decke hatte ich ein Federbett. Diese legte ich flach auf die Couch. Als ich dann im Bad stand, hörte ich Geräusche aus dem Wohnzimmer. Ich dachte: “Oh mein Gott. Jetzt geht es wieder los.“ Dafür war ich nun wirklich nicht in der Stimmung. Normalerweise kann ich solche Sachen willkommen heißen, doch an diesem Abend war ich einfach nicht in der Stimmung dafür. Als ich wieder ins Wohnzimmer zurückkam, stellte ich fest, daß dieses Stück Lakritz von der einen Ecke des Tisches in die andere Ecke gerollt war. Das konnte einfach nicht passiert sein. Dann sah ich, daß mein Federbett, welches vorhin noch flach auf der Couch lag, von jemandem, der auf der Couch stand, etwa anderthalb Meter in die Höhe gehalten wurde. Ich konnte die Fingereindrücke in der Decke sehen. Ich stand da und war völlig perplex: „Oh Gott!“ Ich war mir sicher, daß, wenn ich mich nun hinlegte, um mich zuzudecken und das Licht zu löschen, mir irgend jemand an den Füßen ziehen würde oder etwas in der Richtung passieren würde. Ich legte mich also hin, machte das Licht aus, und ich fühlte diese Hand in der Dunkelheit, welche meine Wange berührte. Ich war nicht in Panik, aber um so mehr überrascht. Ich sagte zu dem Ding. „Weißt du was, ich bin heute nicht in der Stimmung für soetwas, laß es uns an einem anderen Tag machen.“ Dann verschwand es langsam.

Starker Tobak, wirklich. 

Da passierten so viele Dinge in dieser Wohnung. Etwa diese Fingerabdrücke von Kindern über die komplette Fläche meines Spiegels. In meiner Wohnung waren niemals irgend welche Kinder. Flaschen, die ich nachts in die Küche stellte, standen am nächsten Morgen wieder in meinem Wohnzimmer. Solche Sachen passierten andauernd. James und Lars von Metallica besuchten mich in meiner Wohnung, als so etwas passierte. Aber auch bei anderen Besuchern war es so.
Ich hatte mal ein Mädchen bei mir, dem wurde mit voller Kraft an den Haaren gezogen. Weißt Du, sie war so eine Art Freundin, die begann Musik zu hören, als ich auch damit begann. Sie interviewte mich und fing an einen Haufen Scheiße zu erzählen: „Warum erzählst Du so einen Haufen Lügen, nur um Dich interessant zu machen?“ Ich sagte: „Was? Warte, halt mal die Luft an. Es ist mir scheißegal, ob Du mir das glaubst oder nicht. Wir müssen darüber nicht reden.“ Und sie.“ Ach was, Du bist einfach zu durchschauen, das ist so dumm.“ Und so machte sie immer weiter. Ich sagte: „Möchtest Du auch mal so eine Erfahrung machen? Du hast es verdammt noch mal so gewollt.“ Ich machte das Licht aus und zündete zwei Kerzen an. Dann versuchte ich mit allem, was ich in mir hatte, die Geister zu rufen, damit etwas passierte. Es dauerte keine fünf Minuten, da schrie sie wie am Spieß neben mir auf der Couch. Irgendwer oder irgendwas zog ihr an den Haaren. Gleich darauf hörte ich von der Wand, an der mein Schallplattenschrank stand mit meinen Platten, die ich in Schutzhüllen aufbewahrte, ein Geräusch, als würde jemand mit dem Finger über die Ränder der Schutzhüllen fahren. Das Geräusch bewegte sich in die gegenüberliegende Ecke, die nicht von den Kerzen ausgeleuchtet wurde und wo man nichts sehen konnte. Das Einzige, was man noch hörte, war ein Atmen. Und ich kann Dir exakt sagen wie es klang. Nämlich genauso wie das Atmen im Intro zu der „House Of God“-Platte. 
Als wir die Scheibe und das Intro aufnahmen, war ich komplett aus dem Häuschen. Meine Stimme klang, nachdem ein Effekt darüber gelegt wurde, genauso wie die damals in meiner Wohnung. Mir wurde auf einmal eiskalt. Denn es erinnerte mich sofort direkt an diese Geschichte von damals. So klang das Atmen, danach verschwand es. Das Mädchen wollte diesen Abend nicht nach Hause gehen, sie wollte einfach nicht allein in die Dunkelheit raus. Diese Sachen passierten aber immer wieder. Mal in größeren Rahmen, mal in einem kleineren. Aber was war es denn nun genau? Ich kann einfach nicht mit Bestimmtheit sagen, was es war. Ich weiß nicht, was dies für eine Welt ist, wenn es sie wirklich gibt. Ich kann nur für mich selbst reden, daß ich niemals daran zweifle, wenn mir Leute ihre Geschichten erzählen, wie Du es zum Beispiel gemacht hast.

Ich könnte mir vorstellen, daß Du genügend Stoff gesammelt hast, um, wenn es ums Texte schreiben geht, jahrelang davon zu zehren. Gibt es jedoch Thematiken, über die Du ums Verrecken nichts schreiben würdest, selbst wenn Dir jemand eine Knarre an den Schädel hielte?

Es ist komisch, Du kannst niemals so verfahren, denn der Weg wie KING DIAMOND funktioniert, ist, daß alles zu 100 Prozent aus dem Inneren kommt. Gefühle. Es müssen wahre Emotionen dahinterstecken. Egal ob es der Horrorteil der Geschichte ist oder ob es der Teil ist, bei dem es um Lebensphilosophie geht. Ich muß diese Freiheiten haben, um die Charaktere in meinen Geschichten so real wie möglich erscheinen zu lassen. Ich muß die Geschichte fühlen können, jeden Pickel, jedes Augenlid, das die Figuren in meinem Kopf haben. Ich weiß exakt, wie sie aussehen müssen. Wenn jetzt jemand käme und mir sagt, daß ich über ein Kinderkrankenhaus schreiben soll, in dem Kinder ohne Hände und Füße geboren werden, dann könnte ich das nicht tun. Das ist keine Unterhaltung. Es ist Horror, direkt aus der Hölle. Das ist nicht die Art von Horror, die unterhaltsam sein kann. Ich meine, die ganzen Horrorfilme und Geschichten. Man kann sagen, daß das, was in meinen Horrorgeschichten passiert, sehr realistisch ist. Besonders die Art und Weise, wie sich die Charaktere gegeneinander ausspielen. Das ist nichts anderes als das, was wir aus dem täglichen Leben kennen. Unsere natürlichen Grundverhaltensmuster. Das wiederum vermische ich mit dem Übernatürlichen. Wenn mich aber jemand mit einer Pistole bedrohen würde, und mich zwänge, eine Geschichte über die eben aufgezählten Dinge mit dem Kinderkrankenhaus zu schreiben, dann wäre das eine fürchterliche Geschichte. Keine gute Horrorgeschichte, sondern eine ganz schlimme Geschichte, hinter der ich eventuell zu, sagen wir mal, sechs Prozent stehen könnte. Und diese sechs Prozent würden sich einzig und allein darum drehen, wie ungerecht es ist, daß die meisten Kinder gesund geboren werden und einige auf diese Art. Auf dem letzten Album gibt es da diesen treffenden Satz: „Das Leben ist niemals fair.“

Vor einigen Jahren wurdest Du von Gene Simmons von Kiss verklagt. Er behauptete, daß Dein Make Up dem von Gene zu ähnlich sei. Das ist natürlich kompletter Blödsinn, wenn man einen vergleichenden Blick auf euer beider Make Up wirft. Wie ist die Sache damals für Dich ausgegangen, und was glaubst Du, war Genes wahre Motivation, Dich zu verklagen?

Eigentlich war er es nicht allein. Seine Anwälte hatten ihre Hände mindestens zur Hälfte mit im Spiel. Meinem Anwalt wurden sämtliche ihrer rechtlich geschützten Make-Up-Desings zu geschickt, welche sie sich seit der ersten Kiss-Platte haben schützen lassen. Und was sie meinten, daß ich es verändern müßte, war das Make Up, welches ich auf der „Them“-Platte trug. Es käme ihrem zu nahe. Ich persönlich denke, daß keines meiner Make Ups jemals einem von Kiss zu ähnlich sah. Selbst ein Kleinkind hätte Unterschiede ausmachen können. Dennoch kamen sie zu unserem Plattenlabel und beschwerten sich bei deren Anwalt, der wiederum mit mir Kontakt aufnahm. Wir mußten aber nicht viel unternehmen, denn die Sache wurde schnell wieder eingestellt. Aber dennoch hatten sie es versucht. Zu dieser Zeit veränderte ich mein Make Up sowieso, da wir auch an der neuen Platte „Conspiracy“ arbeiteten. Noch bevor wir von dieser Anklage erfuhren. Wir nahmen das Album auf und kreierten ein neues Make Up, da mich das alte ermüdete.
Als die Presse von der ganzen Sache Wind bekam, redete jeder darüber, was für eine unmögliche Sache das sei. Was sie außen vor ließen war, warum sie es taten. Ich konnte der Presse nur eine Sache dazu sagen: „Sie haben eine Menge mehr Geld, jemanden zu verklagen, als ich jemals haben werde, oder die anderen Leute, die Make Up benutzen.“ Das, denke ich, führte zu einer baldigen Einstellung des Verfahrens, und daß sie sich in der Presse nicht sehr beliebt machten. Ich habe nichts gegen Kiss, auch nicht wegen dieser Sache. Wer weiß, wer diese Idee hatte. Sie selber, ein cleverer Anwalt oder irgendein Geschäftsmann. Vielleicht gar der Manager, ich hab keine Ahnung. Aber ich kann mir vorstellen, daß es deswegen passierte, weil es unter anderem für Kiss in dieser Zeit nicht ganz so gut lief. Denn 1998 hatten Kiss nicht gerade ihre beste Zeit. Vielleicht brauchten sie einfach nur etwas Presse. Und dies war nur eine Art, diese zu bekommen. Zu zeigen das sie das Original auf Make Up gepachtet hatten. Natürlich ist das nicht der Fall. Peter Gabriel, Alice Cooper, Crazy Arthur Brown - es gab massig Leute, die schon vorher Make Up benutzten. David Bowie etwa, es gab so viele andere, die ein kräftiges Make Up benutzen, lange bevor Kiss es taten. Und ich habe es nicht von ihnen, ich habe es von Alice Cooper, er inspirierte mich dazu, Make Up zu verwenden, als ich ihn damals 1975 in Kopenhagen live sah. Während der „Welcome To My Nightmare“-Tour. Du wirst mich aber niemals über Kiss lästern hören, denn ich empfinde keinen Haß auf sie. Es passierte zu einem Zeitpunkt, da ich ihre Verhaltensweise nachvollziehen konnte. Die Sache wurde ja auch ziemlich schnell wieder beigelegt, somit gab es niemals ein echtes Problem. 

Zusammen mit Lemmy von Motörhead und Angus Young von AC/DC zum Beispiel bist Du eine der letzten noch aktiven, großen Persönlichkeiten der aktuellen Heavy-Metal-Zeitgeschichte. Überall auf der Welt kennt man Dich, Deine Stimme und Dein Make up, ungeachtet dessen, ob man es mag oder nicht. Allerdings macht sich der Nachwuchs in Sachen Persönlichkeiten in den letzten Jahren sehr rar. Was machen die Bands heutzutage falsch?

Ach, ich weiß nicht, das kann man so nicht sagen, wir machen einfach das, was wir immer machen und schon immer getan haben. Dadurch wurden wir, ich möchte nicht hochnäsig rüberkommen, aber dadurch wurden wir zeitlos. Unser Musikstil folgte niemals einem Trend. Wir folgten niemals dem angesagtesten Musikstil, nur um mehr Platten zu verkaufen. Das haben wir nie getan. Und das werden wir auch nie tun. Wir haben unseren Stil, und der kommt zu 100 Prozent aus unserem Inneren. Das hat auch viel mit dem Vertrauen zu tun, welches uns die Labels entgegenbrachten, in denen wir involviert waren. Wir hatten stets komplette künstlerische Freiheit. Sie sagten uns nie, was wir zu tun hätten und was nicht. Sie schickten uns niemals irgendwelche Typen ins Studio, die sagten: “Ich mag diese vier Songs nicht. Schreibt ein paar neue, die so klingen wie die Lieder eins und zwei. Schreibt ein paar Radiohits.“ Oder was auch immer. So etwas passierte uns niemals.
Unser aktuelles Album „The Puppet Master“ nahmen wir auf und mixten es fertig. Erst danach hörte unser Label das Album zum ersten Mal. Sie hörten vorher nicht eine Note. Das ist eine Menge Vertrauen, was sie uns entgegenbringen. Immerhin bekommen wir von ihnen eine Menge Geld zum Aufnehmen. Sie vertrauen darauf, daß wir ihnen ein Qualitätsprodukt abliefern. Ist das nicht der Fall, werden wir die Konsequenzen tragen müssen. So können wir uns stets treu bleiben.  Meiner Meinung nach gibt es heutzutage nicht viele Bands, die diese Freiheit genießen können. Normalerweise kommen bei ihnen diese A&R-Leute ins Studio, hören sich die Sachen an, und sagen, was sie zu tun haben, oder wie der Produzent zu arbeiten hat. Das würde ich hassen. Denn was kann schlecht daran sein, wenn Du die Songs aufnimmst, die Du im Schweiße deines Angesichts komponierst hast und die tief aus deinem Inneren kommen. Dann kommen da diese Typen und verändern sie so sehr, daß Du sie nicht mehr wiedererkennst. Und dann mußt Du damit leben. Ich könnte das nicht tun. Wenn das bei uns so losgeht, dann höre ich auf. Wie könnten diese Typen es wagen und mir sagen, wie KING DIAMOND zu klingen hat? Das wäre so dumm. Aber im großen Business, bei den großen Labels mit dem dicken Geld, ist es so, daß sie wissen wollen, wofür sie so viel Geld ausgeben. Und sie wollen natürlich auf Nummer sicher gehen, daß sie es auch ja wieder reinbekommen. Sie investieren in eine Menge neuere Bands, diese wissen meistens nicht, was sie eigentlich wollen, deshalb geben ihnen die Labels nicht die komplette Freiheit. Denn sie hoffen, daß sie einfach nur so gut sind, wie damals in dem Club, in dem sie sie unter Vertrag genommen haben. Es ist schwierig, darüber zu reden, denn wir haben etwas wirklich einzigartiges gemacht. Definitiv. Aber wir konnten es nur deshalb machen, weil wir das Vertrauen des Labels gewonnen haben. 
Wir haben quasi unsere eigene kleine Nische. Wenn Du ein Lied im Radio hörst und eins von KING DIAMOND, dann wirst Du sofort erkennen, welcher Song von uns war. Und das meine ich damit, daß wir einen eigenen Stil haben. Darum sagte ich vorhin auch, daß wir zeitlos sind. Denn wenn Du einen eigenen Stil hast, mußt Du keinem Trend folgen. Das bedeutet zeitgleich aber auch, daß Du niemals zehn Millionen Platten von einem Album verkaufen wirst. Ich bin mir dessen bewußt, aber es heißt auch, daß Du in diesem Business längere Überlebenschancen hast. Nun ja, und wie Du siehst, sind wir immer noch am Ball. Das ist die beste Antwort, die ich darauf geben kann. Ich kann nicht behaupten, daß die heutigen Bands nicht mehr so originell wie damals sind, als wir anfingen. Die ganze Szene, das ganze Musik-Business veränderte sich. Wenn wir zurück auf die 70er Jahre blicken, mit all den klassischen Bands wie Led Zeppelin, Black Sabbath, Uriah Heep, Jethro Tull oder Alice Cooper. Als sie begannen, klangen sie alle absolut unterschiedlich, sie alle hatten ihre eigenen Stile. Sie kamen alle zur selben Zeit raus und waren alle angesagt. Das ist das Verrückte. Es war nicht so, daß für zwei Jahre Jethro Tull angesagt waren und alle wie sie klingen wollten. Sie waren alle sie selbst. Und sie klangen alle extrem unterschiedlich. Dennoch waren sie sehr populär. Es hat auch damit zu tun, daß es weniger Kontrolle durch die Labels gab. Sie ließen die Bands mehr Spielraum in dem, was sie machen wollten. Deswegen sind die meisten Bands heute ziemlich stromlinienförmig. Sie klingen sich oft sehr ähnlich. Es wird dadurch schwerer, sie voneinander zu unterscheiden.

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