KING DIAMOND
Interregnum
im Gespräch mit King Diamond (voc)
Gesendet am 31. August (Teil I)
und 2. November (Teil II) 2004

Er ist eine Legende. Nicht nur weil er ganze
Generationen von Death- und Black-Metal-Musikern beeinflußte. Auch
sein eigenes Schaffen, das sich bereits seit gut 25 Jahren in der Heavy-Metal-Szene
manifestiert, ist praktisch ohne Fehl und Tadel. Ob mit seiner Stamm-Formation
MERCYFUL FATE oder als KING DIAMOND, was der King anpackte, wurde ein Nugget
des satanischen Heavy Rocks. Horror und Spiritualität sind die maßgeblichen
Attitüde, die seiner Musik anhaften. Wir sprachen mit KING DIAMOND
über seine Karriere und seinem Draht zu einer anderen Welt. Dabei
kam einiges zutage, was auch Euch die Gänsehaut über den Leib
jagen könnte
Hallo King, erst einmal Gratulation
zu Deiner neuen Scheibe "The Puppetmaster". Sie bietet dem KING DIAMOND-Fan
genau das, was er hören möchte. Einmal mehr gibt es ein ausgetüfteltes
Horrorkonzept für die Scheibe. Wie bei fast allen anderen auch. Wie
lange dauert es bei Dir in der Regel, aus einer ersten vagen Idee ein fertiges
Album zu machen?
Es ist ein Puzzle, es gibt eine
spezielle Formel, die wir einhalten müssen, ansonsten würde es
nicht funktionieren. Als erstes brauchen wir eine Kurzgeschichte. Sie kann
alles mögliche behandeln. Ich lasse mich von den verschiedensten Dingen
beeinflussen. Ich bin vielseitig interessiert. Ich
gehe mit offenen Ohren und offenen Augen durch die Welt. Ich sehe,
was um mich herum passiert, an jedem Tag meines Lebens. Vieles davon basiert
auf dem, wofür ich mich sowieso interessiere, dem Übernatürlichen.
Wenn man das alles zusammenfaßt, wird daraus eventuell eine Horror-Kurzgeschichte.
So war es diesmal auch. Dann begann der Prozeß des Schreibens der
Musik. Dabei ist es von Vorteil, daß die Geschichte vorher schon
steht, denn sie gibt Dir ein gewisses Gefühl dafür, in welche
Richtung die Musik wächst. Du hast ein besseres Gespür für
die Musik, wenn Du weißt, worum es in der Geschichte geht.
Als wir diesmal den Songwriting-Prozeß
abgeschlossen hatten, standen zwölf Songs. Dann begann ich damit,
die Geschichte in Kapitel aufzuteilen. In so viele wie wir Songs dafür
hatten. So wurden es zwölf Kapitel. Dann nahm ich die Musik und überlegte:
Kapitel eins, welche Musik paßt zu der Geschichte? Und es könnte
dann Song Nummer neun sein. Kapitel zwei ist dann vielleicht Song Nummer
drei, wenn die Musik zu dem, was passiert, am Besten paßt. So passten
wir alles einander an. Als das geschafft war, nahmen wir die Kapitel und
verfassten dazu richtige Texte. Das ist der einzige Weg, der dazu führt,
daß die Lyrics und die Musik nachvollziehbar Hand in Hand gehen.
Das schafft man sicherlich nicht jedes Mal zu 100 Prozent, da es sich nicht
um den Soundtrack zu einem Film handelt. Es ist Musik. Aber es ist, zumindest
für mich, der einzige Weg, am Ende ein gutes Resultat zu erzielen.
Unser absoluter Favorit unter
den Songs von „Puppetmaster“ ist „Darkness“. Geiler Song, und, was für
eine herrliche Frauen-Stimme. Wer steckt dahinter?
Sie kommt aus Budapest in Ungarn.
Das passte ausgezeichnet, da die Geschichte eben dort auch spielt. Sie
führte ein Interview mit mir zu „Abigail II“ für den ungarischen
Metal Hammer. Sie studierte zu der Zeit in Amerika. Während des Interviews
erwähnte sie, daß sie auch singen würde und fragte mich,
ob ich ihr Demo hören möchte. Ich sagte: „Sicher, kein Problem!“.
Als ich dann das Demo hörte, hat es mich regelrecht umgehauen. Ihre
Stimme war absolut umwerfend, dabei klang sie so, daß sie meiner
Stimme nicht unähnlich war. Zu diesem Zeitpunkt spielte ich jedoch
noch nicht mit dem Gedanken, eine weibliche Stimme auf irgend einem unserer
Alben zu verwenden. Das passierte erst als ich mit dem Schreiben der neuen
Geschichte begann. Ich fand meine Aufzeichnungen aus dem Jahr 1999. Ich
schrieb sie als wir mit Mercyful Fate in Budapest waren. Wir spielten mit
auf der Europa-Tour von Metallica. Es waren zwölf Shows, darunter
hatten wir einen freien Tag in Budapest. Ich sah das National-Puppentheater,
es stand im Zentrum von Budapest, umgeben von lauter engen Straßen.
Daher kam die zündende Idee zu „Puppetmaster“. Zuhause sichtete ich
dann die ganzen Notizen von dieser Reise. Während ich sie las, überkam
mich wieder das Gefühl, welches mich damals in Budapest beschlich,
als ich die Dinge erlebte. Von da an war klar, daß ich darüber
eine Geschichte fürs nächste Album schreiben würde. Der
beste Weg, diese Geschichte zu schreiben, war, sie in der ersten Person
„Ich“ zu verfassen. Es bringt den Hörer näher an die Geschichte
heran. Es besteht ein großer Unterschied darin,
ob Du sagst „Ich sehe um die Ecke und erblicke den Schatten des erhobenen
Messers hoch über mir“, oder ob Du sagst „Er sah um die Ecke und erblickte
den Schatten des Messers“. In diesen Ausdrucksweisen besteht ein
großer Unterschied. Es ist wie: „Ich bin dort, es passiert gerade
jetzt!“ So muß man es dem Publikum nahe bringen. „Ich fühle
wie das Messer sich in meine Brust bohrt!“ oder ob Du sagst „Er fühlte
wie das Messer sich in seine Brust bohrte“. Das ist eine ganz andere Weise,
eine Geschichte zu erzählen, wenn Du es in der Ersten Person „Ich“
ausdrückst. Als ich also daran arbeitete, wußte ich, daß
ich eine weibliche Stimme brauchen würde, um den Charakter von Victoria
lebendig werden zu lassen. Nicht zu 100 Prozent, das war nicht möglich,
da es sich hierbei nicht um ein Oper handelte. Aber zu einem gewissen Teil
kann man es dennoch umsetzen. Da kam mir die Idee: „Hey, warum probiere
ich nicht mal Livia dafür zu gewinnen?“ Ich sprach mit den anderen
Bandmitgliedern darüber. Sie fanden es interessant. Noch mehr als
sie sich auch Livias Demo anhörten. Genauso war es auch mit unserem
Plattenlabel, sie hörten das Demo und fanden die Idee interessant.
Jeder sagte:"Hey Mann, versuch es, mal sehen was passiert!“ Ich denke,
so wie wir es umsetzten, war es auch der richtige Weg. Wir haben die Sache
nicht überstrapaziert. Es veränderte nichts an unserem urtypischen
KING DIAMOND-Sound. Dennoch war es ein neues, zusätzliches, frisches
Element. Die Sache ist letztendlich gut gelungen. Es war eine Chance, die
wir ergriffen haben.
Als ich den Song hörte, war
mein erster Gedanke, daß sie auf jene Weise singt, wie Du es vermutlich
gemacht hättest. Hast Du ihr also haarklein diktiert, wie sie zu singen
hatte, oder war das ihre eigene Interpretation des Charakters?
Ja, alle ihre Passagen habe ich
geschrieben. Ich schrieb alle Texte und auch alle Melodien. Im Studio stand
ich bei ihr, sang die Passagen vor, wie ich es mir vorstellte, und sie
sang die Sachen mit ihrer Stimme nach. So zum Beispiel auch der kleine
Schrei in der Mitte von „Blue Eyes“. Erst sang ich, wie es mir vorschwebte,
dann mußte sie die Harmonie nachempfinden. Sie
konnte sich dahingehend nicht mit einbringen, doch das war wichtig, damit
der KING DIAMOND-Sound erhalten bleibt. Ich sagte „Das ist die Harmonie,
das geht so“, und sie übte die Passagen und wußte exakt, was
sie zu singen hatte. Dann wurde meine Stimme runtergedreht und die Sache
in echt mit ihrer Stimme aufgenommen.
Ihre Stimme paßt hervorragend
zu der meinen und zu der Musik, der Klang ihrer Stimme. Das Feeling, welches
sie mit einbringt... Ich bestimme zwar den theoretischen Teil, sage ihr,
wie sie zu singen hat. Etwa den Mittelteil von „Emerencia“, da gibt es
einen Part, den sie alleine singt. Die Worte und die Melodielinien habe
ich designt aber sie kann natürlich auch ihren Teil beim Singen dazu
beitragen. Die Art, wie sie die Worte ausdrückt etwa, das kann etwas
abweichen. So kommt dann der ganze Stil zustande.
In Deiner gesamten Karriere hast
Du stets gleichbleibend gute Scheiben in Deinem ureigenen Stil veröffentlicht.
Selbst Anfang bis Mitte der 90er, als es für den traditionellen Heavy
Metal gar nicht gut aussah, hast Du nie einen Stilbruch begangen. Andere
Bands hingegen bekamen kalte Füße, als es zu der Zeit Entlassungen
aus den Verträgen hagelte, und änderten ihren Stil. Wie hast
Du diese mageren Zeiten überlebt? Waren es überhaupt magere Zeiten
für Dich?
Nun ja, vielleicht ein kleines
bißchen. Aber man kann nicht sagen, daß wir große Wellen
von Hochs und Tiefs durchzustehen hatten. Das ist dieser Band nie wirklich
passiert. Einer der vielen Gründe dafür war und ist, daß
uns das Glück beschieden ist, absolute künstlerische Freiheit
von der Labelseite aus zu genießen. Das geht sogar soweit, das wir
bei „The Puppetmaster“ ins Studio gegangen sind, aufnahmen und mixten.
Als alles fertig war, schickten wir das Endprodukt dem Label. Sie hörten
es dann zum allerersten Mal. Sie vertrauen uns zu 100 Prozent. Wir hingegen
bleiben uns selbst treu und folgen unserem Gefühl. Wir sind zu 100
Prozent ehrlich bei dem, was wir machen. So haben wir es schon immer gehalten.
Das führte dazu, daß wir von Beginn an über einen eigenen
Stil verfügen. Es gibt niemanden, der so klingt wie wir. Wenn Du einen
Song von einer anderen Band hörst und dann einen von uns, wirst Du
nicht lange fragen müssen, welcher der gehörten Songs von KING
DIAMOND stammt. Ich denke nicht, daß wir wie eine x-beliebige andere
Band klingen. Das verhalf uns zu unserem eigenen Stil. Aus diesem Grund
wurde unsere Musik zeitlos. Wir mußten keinem Trend folgen. Wären
wir irgendeinem Trend gefolgt, hätten wir vielleicht zu einer gewissen
Zeit mehr Alben verkauft, das ist wahr. Aber dann hätten wir sicherlich
nicht solange überleben können. Die Tatsache, daß
wir immer noch aktiv sind, und „Puppetmaster“ läuft wirklich gut,
beweist, daß Du Deinen Wurzeln treu bleiben solltest, um länger
zu leben. Wären wir Trends gefolgt, wären wir vielleicht schon
in den 80ern auf der Strecke geblieben. Ob das jetzt gut oder schlecht
ist, ist egal, ich kann es eh nicht anders handhaben. Ich würde niemals
einem Trend folgen, um angesagt zu bleiben. Ich muß mich vollständig
mit dem identifizieren können, was ich mache. Würde das Label
Leute ins Studio schicken, die sagen, „Der Song ist nicht gut genug“ oder
„Schreib von dieser Art Song noch einen, wir können Dir einen Produzenten
schicken, der Dich wie diese oder jene Band klingen läßt“, dann
würde ich das nicht akzeptieren. Das wäre der Zeitpunkt, an dem
ich aufhören würde. Denn dann wäre ich nicht mehr ich. Ich
denke, daß das viel damit zu tun hat, daß das Label uns erlaubt,
wir selbst zu bleiben. Und das waren wir immer.
Auffallend oft wechseln Deine
Mitmusiker. Was muß ein neuer Mann, der in Deine Band kommt, außer
musikalischem Können noch mitbringen?
Wann immer sich unser Line Up
veränderte, es war stets so, daß man von einer sauberen Trennung
sprechen konnte. Meistens waren die Gründe, warum uns die Bandmitglieder
verließen, persönlicher Natur. Prioritätenverschiebungen
im Privatleben. Viele der Jungs haben geheiratet
und sind Väter geworden. Das ist absolut verständlich, das kann
Deine Prioritäten gewaltig verschieben. In 95 bis 99 Prozent
der Fälle war das der Grund für Line-Up-Veränderungen. Das
ist ein sauberer Trennungsweg. Nicht so wie bei den üblen Trennungen,
wo sich hinterher alle gegenseitig hassen. Dann ist es natürlich notwendig,
neue Leute zu finden. Meistens kennt man jemanden, der jemanden kennt.
Wir hatten nur ein einziges Mal in unserer Karriere so etwas wie ein Casting.
Letztendlich wurde aber niemand davon genommen. Denn auch dieses Mal bekam
den Job der Freund eines Freundes. Der letzte Line-Up-Wechsel passierte
nach den Aufnahmen zu „House Of God“. Wir spielten die U.S.-Tour. Danach
verließen uns sowohl der Schlagzeuger als auch unser kanadischer
Gitarrist, Glen Drover. Aus rein persönlichen Gründen, die ich
vorhin nannte. Der eine heiratete. Beide haben Kinder. Beim Bassisten war
es eine andere Geschichte. Er paßte einfach nicht in die Band. Seine
Persönlichkeit war absolut unpassend. Wir mußten ihm also sagen,
daß wir ihn nicht länger brauchten. Wir brauchten neue Leute.
Hal Patino, der alte Bassist, war stets ein guter Freund. Er besuchte die
Proben in Dänemark, er war ständig um uns herum. Es war offensichtlich,
daß ich ihn fragen würde. Er war schon immer mein bester Bassist,
egal ob auf der Bühne oder im Studio. Er erzählte mir, daß
er auf diesen Anruf schon seit Jahren wartete: „Mann Du glaubst nicht,
wie lange ich mich schon danach sehne, wieder in die Band kommen zu können.“
Es ging ein Traum in Erfüllung mit seiner Wiederkehr.
Was den Drummer anbelangt, so
ist es der Studiobesitzer hier in Dallas, der an der Sache nicht ganz unschuldig
war. Er erzählte Matt Thompson, der in diesem Studio, in dem wir aufnehmen,
arbeitete, daß bei KING DIAMOND ein Posten als Schlagzeuger zu besetzen
sei.
Matt stammt aus Dallas und ist
ein absoluter Wahnsinns-Drummer. Der Studiobestitzer sagte ihm also, daß
wir in drei Monaten eine Europatournee spielen würden und er sich
doch mal bei uns melden sollte. Als wir uns von seinen Qualitäten
überzeugen konnten, war es einfach unglaublich. Das war der beste
Schlagzeuger, mit dem wir je zusammenarbeiteten. Er war also auch ein Freund
von einem Freund. Jemand, der uns weiterempfohlen wurde. Beim Gitarristen
war es so, daß wir uns eine Menge Tapes anhörten, auf denen
eine Menge ausgezeichneter Gitarristen spielten. Aber wir kamen auf die
Sache zurück, als ich zu Andy LaRoche, unserem Hauptgitarristen, sagte.
“Mein Gott, es wäre großartig, wenn Mike Wead die Sache übernehmen
könnte.“ Er spielt zwar bei Mercyful Fate, aber heutzutage überschneiden
sich beide Bands zeitlich nicht mehr. Er schreibt einen Haufen Musik, welche
dieselben Einflüsse hat wie die unsere. Es wäre die absolute
Krönung, Mike Wead zu bekommen, denn er ist ein regelrechter Schädelspalter
als Gitarrist. Wir sagten uns: "Lass es uns angehen!“ Also sprachen wir
mit Hank Sherman, er erwiderte: „Kein Problem Mann, das klingt nach der
einzig richtigen Lösung für Euer Problem.“ So kam das Line Up
zustande. Dann spielten wir die „House Of God“-Europatour und es war das
beste Line Up, mit dem wir je gespielt hatten. Es war großartig mit
denselben Leuten danach „Abigail II“ aufzunehmen. Das Line Up hielt auch
bei den Aufnahmen zu „The Puppetmaster“, und vor zwei Wochen haben wir
die U.S.-Tour beendet. Es war eine der besten Touren, die ich je erlebt
habe. Wir bekamen großartige Resonanzen für die besten KING-DIAMOND-Shows,
die Du je gesehen hast. Wir werden dieselbe Produktion dieses Jahr mit
nach Europa bringen.
Das zum Line Up. Ich fühlte
mich auf der Bühne noch nie so sicher wie mit diesem Line Up.
Es ist so sicher, da sie alle
ihre Parts beherrschen. Dazu kommt, daß sie auch großartige
Persönlichkeiten sind, was vieles erleichtert und eine Menge Spaß
bereitet.
Im Rahmen Deiner Promoarbeit zur
neuen CD sagtest Du, daß Ihr weniger Geld vom Label bekommen würdet.
Du hast für die Aufnahmen noch weniger beansprucht, um für den
Rest auf Tour gehen zu können.
Was da passierte, war, daß
die Download-Geschichte dem Label empfindlich zusetzte. Es setzte allen
Labels erheblich zu. Deshalb sagten sie uns nach der „Abigail II“-Tour,
daß es für die nächste Tour kein Geld geben würde.
Das war das erste Mal, daß uns so etwas passierte. Wir waren geschockt,
als wir davon erfuhren. Sie sagten, daß sie sich die Verträge
durchgelesen haben und sahen, daß es ihr Recht sei, das Budget zu
kürzen.
Wir standen nun vor der fast
unlösbaren Aufgabe, einen Weg zu finden, um ein absolut hochwertiges
Produkt abzuliefern, welches den anderen Platten in nichts nachstand und
dennoch viel weniger Geld kosten würde. Allerdings wollten wir die
Band als alleinigen Job nicht aufgeben. Es war schwierig, eine geeignete
Option zu finden, aber als wir sie fanden, wurde das neue Album „The Puppetmaster“
zu dem Album, auf das wir am meisten stolz sein konnten. Am Ende ging alles
gut, doch wir mußten sehr hart dafür arbeiten. Was wir taten
war, uns ebenfalls die Verträge noch mal durchzulesen und dann ein
Budget zu fordern, welches uns zwar zustand, aber nicht vollkommen verbraucht
werden würde. Dazu nahmen wir Geld aus unseren Merchandising-Einnahmen.
Das tat zwar weh, sicherte uns aber die Möglichkeit zu touren. So
machen wir es jetzt.
Die Aufnahmen liefen wie folgt
ab: Andy LaRoche hat ein eigenes Studio in Schweden mit einem Haufen an
richtigem Top-Epuipment. Deshalb konnten wir die Sache auch so durchziehen.
Andy packte zwei riesige Kisten voll mit seinem edelsten Equipment. Diese
verschiffte er hierher nach Dallas in mein Haus. Jetzt kannst Du sagen:
“Meine Fresse, das muß aber teuer sein.“ Aber letztendlich will ich
Dir verraten, wie wir Geld sparen und eine bessere Qualität abliefern
konnten: Wir verwandelten mein Haus in ein Studio. Es war aber nicht so
wie üblicherweise ein Heimstudio aussieht, denn es war wirklich absolutes
Top-Equipment. Wir nahmen also alle Rhythmusgitarren, alle Harmoniegitarren
und Hals-Baßgitarren als auch mein Keyboard in meinem Haus auf. Andys
Keyboard nahm er in seinem Homestudio in Schweden auf. In unser eigentliches
Studio in Dallas, in dem wir normalerweise aufnehmen, gingen wir nur, um
das Schlagzeug und den Gesang aufzunehmen. Den Mix erledigten wir dann
wieder in meinem Haus. Normalerweise verbringen wir neun Wochen im Studio.
Zwölf Stunden am Tag. Diesmal waren es aber nur dreieinhalb Wochen
im Studio. Wir konnten also fünfeinhalb Wochen Studioaufenthalt sparen.
Diese würden mehr kosten als das verschiffen des Equipments. Dennoch
haben wir dasselbe Resultat abgeliefert wie man es von uns gewohnt war.
Es war also keine wirkliche Veränderung
vollzogen worden. Wir mußten nicht mehr arbeiten und wir haben auch
nichts dabei verloren. Trotzdem hatten wir am Ende ein besseres Produkt
in den Händen. Das erscheint logisch wenn man an die vorherrschenden
Umstände denkt. Wenn Du Zuhause bist, stehst Du nicht unter demselben
Streß. Da gibt es keine Uhr, die permanent tickt. Wenn Du mit irgendeinem
speziellen Songpart im Studio nicht so recht vorankommst, dann wird gedrängelt:
“Los komm, sieh zu, das kostet Zeit!“ Diesmal war es so, daß - wenn
es ein Problem gab - man auch die Zeit dafür hatte. Nur die Ruhe,
es kostet uns nur unsere eigene Zeit. Wir konnten mehr Zeit veranschlagen,
und das taten wir auch.
Wir konnten diesmal jedes Detail
ausarbeiten und ich denke, daß man das auch hören kann. Wir
konnten uns auch beim Mix mehr Zeit lassen. Ein anderer
großer Pluspunkt war die Tatsache, daß wir die Scheibe in einem
Haus mit Teppichen und Möbeln mixten. Das ist die Einrichtung, die
jeder Zuhause hat, wenn er das Album hört.
Die Fans gehen nicht in ein Studio,
welches perfekt dafür eingerichtet ist, damit die Frequenzen sich
sauber an den Wänden brechen, um die Scheibe zu hören. Sie hören
die Scheibe Zuhause, wo eben Teppiche und Möbel sind. Als wir das
Album mischten, wußten wir, daß das exakt der Sound sein würde,
den die Fans auch Zuhause hören würden. Das war ein großer
Vorteil. Wir fühlten uns sicher, geborgen und in vertrauter Umgebung.
Automatisch machte die Sache auch mehr Spaß. Gut, Spaß macht
das Arbeiten eh immer. Doch diesmal war es entspannter. Im Gegenzug war
auch die Leistung der einzelnen Musiker viel besser. Ich denke, daß
man das der Platte auch anhören kann. Die gesamte Geschichte wandelte
sich also zum Positiven.
Inzwischen mixen wir eine Doppel-Live-CD,
für die wir alle Shows der Amerika-Tour mitgeschnitten haben. Wir
haben aber noch mehr vor. Beide Labels sind daran interessiert, zusammenzuarbeiten,
um eine Live-DVD von der Europatour herauszubringen, die wir nun in Angriff
nehmen möchten. 2004 war sowieso ein sehr arbeitsreiches Jahr, denn
wir sichteten eine Menge Videomaterial von beiden Bands, Mercyful Fate
und KING DIAMOND, wir fanden viel Material von Shows die noch nicht einmal
als Bootlegs kursieren. Es handelt sich dabei um Zeug, was noch nie jemand
zu Gesicht bekommen hat. Ich sehe also zur Zeit sehr viel Video. Ich weiß
von Hank Sherman, als er begann sein Material zu sichten, daß er
etwas gefunden hatte, was sich als die fünfte Mercyful Fate Show,
die jemals statt fand, entpuppte. Noch bevor Michael Denner zu Band stieß.
Dasselbe gilt auch für KING DIAMOND, wir haben soviel altes, rares
Zeug. Auch Heimvideomaterial von KING DIAMOND. Ich weiß von Andy
LaRoche, daß er etwa eine Stunde Videomaterial von der „Conspiracy“-Tour
in Europa gesammelt hat. Dazu kommen die ganzen Videoclips von uns, die
noch nie offiziell erhältlich waren. Das kann also für die Fans
sehr interessant werden, wenn wir noch genügend Material finden, welches
in qualitativer Hinsicht einem gewissen Standard entspricht. Das wird alles
auf diesen DVDs zusehen sein. Ein Haufen Arbeit wartet auf uns, es gibt
viel zu tun. Es ist eine gute Zeit, auch wenn es dem CD-Markt im Moment
nicht so gut geht. Wir haben Wege gefunden, um wie gewohnt weitermachen
zu können und zu überleben. Und es sieht gut für uns aus.
Deinem neuen Album liegt eine
DVD bei, auf der Du ein außergewöhnliches schauspielerisches
Talent beweist. Wenn Du die Wahl hättest bei einem X-beliebigen Film
mitzuwirken, was wäre es für einer?
Das wäre ein Horror-Film.
Ich würde immer einen Horror-Film bevorzugen. Aber diese DVD die Du
nanntest, das ist eine Geschichte, die erzählenswert ist, da es schon
lustig war, wie es dazu kam. Brian Slagel, der Besitzer von Metal Blade
Records, besuchte mich mit dem Präsidenten der Firma zu einer Geschäftsbesprechung
in meinem Haus. Sie besuchten mich an einem sonnigen Nachmittag. Ich fragte
sie, ob sie die Story zu dem neuen Album hören wollten. Natürlich
wollten sie, und ich erzählte die ganze Geschichte. Brian Slagel hatte
hinterher eine richtige Gänsehaut und sagte: “Mann, das müssen
wir als Bonustrack am Ende der CD mit draufpacken. Oder wir veröffentlichen
das als DVD, und Du erzählst die Geschichte genau so, wie Du sie mir
eben erzählt hast.“ Ich sagte, daß sich das gut anhört.
Ich könne das mit komplettem Make Up machen. Das wäre eine gute
Bereicherung zu den Texten. So begann das alles.
Die Labels sehen sich im Moment
mit schwierigen Zeiten konfrontiert. Dennoch versuchen sie etwas Besonderes
zu bieten. Ich bin froh, daß das mit diesem Album geklappt hat, denn
ich halte die Platte für verdammt stark. Es ist das richtige Album,
um es in einen solchen Rahmen zu packen. Es kostete noch mal richtig Kohle,
um das Album mit dem Digipack-Cover und dem Silberaufdruck zu versehen.
Aber
Du mußt investieren, um etwas zurückzubekommen. Das Label
realisierte das. Sie hätten auch sagen können, daß sie
dafür keine Kohle haben, doch sie haben das Geld aufgetrieben. Denn
es ist wichtig, den Fans zu zeigen, daß Du Dich kümmerst, zu
zeigen, daß sie mehr für ihr Geld bekommen. Das war es auch
was sie taten.
Und ich bin überglücklich
mit dem, was das Label für dieses Album geleistet hat. Sie haben viel
Extra-Arbeit geleistet. Und ich denke, wir auch mit der Musik, mit der
Story. Ich denke, daß es sich dabei um die beste Story handelt, die
ich je ausgebrütet habe. Sie ist echter Horror, sehr komplex und ich
habe zu ersten Mal ein wirklich gutes Gefühl bei dieser Scheibe. Bei
den Scheiben davor konnte ich das natürlich auch sagen, aber dieses
Album ... Ich würde nichts daran nachträglich verändern
wollen. Keine einzige Note. Und das passiert wirklich nicht oft. Normalerweise
wünschte ich hinterher, daß die Snaredrum etwas lauter wäre,
daß ich den Baß besser hören könnte. Dort könnte
vielleicht das Keyboard mehr im Vordergrund sein, und die Backing-Vocals
sitzen nicht exakt an der Stelle, wo ich sie haben wollte. Das sind die
Sachen, die mir normalerweise auffallen, wenn ich mir die Scheiben hinterher
anhöre und analysiere. Aber diesmal habe ich das Hören wirklich
genossen und würde absolut nichts nachträglich ändern wollen.
Das ist ein wirklich gutes Gefühl, ein richtig besonderes Gefühl.
Als ich mir die DVD Zuhause ansah,
stilecht bei Kerzenschein in der Nacht, klingelte es an meiner Tür
und zwei Kumpel kamen in wilder Partylaune in die Wohnung gestürmt.
Als sie Deinem Treiben auf der DVD einige Minuten zusahen, waren sie wie
gebannt. Hinter Dir konnte man Fenster sehen, durch die Tageslicht schien.
Es war Mondlicht.
Mondlicht? Es sah aber aus wie
heller Nachmittag.
Es wurde nachts gedreht.
Nun ja, es war ein scheinbar normales
Büro, lediglich mit ein paar Kerzen ausstaffiert. In diesem saßest
Du mit Deinem Bühnenoutfit und erzähltest die Geschichte des
Albums. Klingt nicht sehr spektakulär, möchte man meinen, doch
wir waren alle wie gefesselt. Das macht natürlich heiß auf die
von Dir vorhin erwähnte komplette DVD.
Ich kann das, was Du sagst, gut
verstehen, denn mir ging es genauso, glaub es oder nicht. Es ist schon
verrückt. Es war eine simple Sache, Die DVD sollte als Ergänzung
zu den Texten verstanden werden. Nichts aus den Texten verwendete ich auf
der DVD und von dem, was ich auf der DVD erzähle, kann man nichts
in den Texten lesen. Aber zusammen machen sie Sinn. Es wurde mit einer
Kamera gefilmt. Ich erzählte die Geschichte dreimal von vorne bis
hinten. Dafür benutzte ich keine Textblätter, denn ich kenne
die Geschichte in- und auswendig. Du kannst sehen, daß ich, wenn
ich sie erzähle, in einer komplett anderen Welt bin. Sie
filmten die Geschichte mit einer Kamera, also mußte ich für
die drei Perspektiven, aus denen gefilmt wurde, die Geschichte dreimal
erzählen. Hinterher sollte ich meinen Segen für das Projekt
geben. Sie schnitten die drei Aufnahmen zu einer zusammen. Das Ergebnis
sah ich mir in Phoenix 10 Uhr in der Frühe an. Nachmittags um 3 Uhr
wollten sie meine Antwort haben. Ich saß da, draußen herrlichster
Sonnenschein, und sah mir die Sache an. Ich war geschockt. Ich wurde regelrecht
in den Fernseher gezogen. Ich saß da und starrte in den Kasten. Als
es vorbei war hatte ich dieses komische Gefühl. „Was zur Hölle
ist da geschehen? Mein Gott, ist das abgefahren.“ Die Art und Weise wie
ich erzählte, die Stimme, die Bewegungen der Hände, der Gesichtsausdruck,
ich sah mich an und dachte: „Mann, Du bist richtig in dieser Geschichte
aufgegangen.“
Amerika, und vor allem Texas sind
nicht unbedingt als ein Hort für freigeistige Individualisten bekannt.
Du lebst seit einigen Jahren schon in den Staaten. Wissen die Leute, wen
sie als Nachbarn haben? Und wie reagierten sie als sie von Deinem Beruf
erfuhren?
Ich lebe hier nun schon seit anderthalb
Jahren. Ein Nachbar von mir weiß, was ich mache, die anderen nicht.
Einer meiner vorherigen Nachbarn war übrigens ein Fan, er zog hierher,
weil es sein Job verlangte. Als er erfuhr, daß ich hier lebe, kam
er mich immer besuchen, wenn wir eine neue Platte draußen hatten,
um ein Promo-Exemplar abzustauben.
Der war aber echt in Ordnung.
Ein
anderer Ex-Nachbar von mir war ein baptistischer Priester, ein sehr umgänglicher
Mensch. Das erste Mal, als wir uns nach seiner Ankunft sprachen,
fragte er mich, was ich so mache. Ich erzählte ihm, daß ich
in
einer Band spiele und fragte ihn nach seinem Beruf. Er erzählte, daß
er ein Baptisten-Priester sei. Ich dachte nur: „Ach du Scheiße, was
geht denn hier ab?“ Aber wir hatten nie Probleme miteinander. Er war ein
klasse Typ. Einmal sagte er, dass ich in seiner Kirche stets willkommen
sei, wenn ich Lust hätte, dort hinzugehen. Ich erwiderte: „Nein, danke.“
Aber wir hatten nie Streß miteinander.
Als er wegzog, kam er zu mir
und sagte: „Heute ist der letzte Tag, an dem wir uns sehen. Ich bin gekommen,
um Aufwiedersehen zu sagen und daß Du der beste Nachbar warst, den
ich je hatte.“ Er war wirklich cool, er wuchs mit Bands wie Black Sabbath
oder Grand Funk Railroad auf. Klar war er im Internet, um Nachforschungen
über uns anzustellen, doch er fand nichts, was ihm spanisch vorkam.
Soweit ich weiß wird in
dem Bundesstaat Texas noch immer die Todesstrafe verhängt. Bist Du
ein Befürworter oder ein Gegner der Todesstrafe?
Das ist eine sehr schwierige Frage.
Aber bei manchen Vergehen, bei denen Du 100prozentig weißt, daß
Du den richtigen Mann hast, ist die Todesstrafe in Ordnung.
Aber es gibt auch eine fürchterliche
Ungewißheit in manchen Fällen, wo man nicht sicher ist, ob man
tatsächlich den Richtigen geschnappt hat. Er wurde verurteilt und
dies und das, dann tauchen auf einmal Beweise auf oder verschwinden. Vielleicht
kommt es dann zu einer neuen Verhandlung oder eben nicht. Das ist eine
sehr schwierige Frage. Wenn man sich absolut sicher ist, den richtigen
zu haben, dann bin ich auch dafür. Denn manche Verbrechen verdienen
nicht anders geahndet zu werden.
Als Du damals in die Staaten übergesiedelt
bist, wie war dein Eindruck von diesem Land in den ersten zwei Wochen?
Für einen dänischen Aussiedler muß es ja ein Kulturschock
gewesen sein.
Es war nicht mehr so neu für
mich, denn vor meinem Umzug lebte ich anderthalb Jahre in Los Angeles.
Zwar nicht als Aussiedler, aber ich bekam vom dortigen Leben einiges mit.
Wie man Rechnungen bezahlt oder solch simple Prozeduren wie man an den
dortigen Tankstellen tankt. Diese Sachen waren ja neu für mich. Ich
kannte das System als solches nicht, wie man Steuern bezahlt und dergleichen.
Die geschäftlichen Gesetze in diesem Land zu verstehen, dauerte eine
Weile, aber ich bekam ausreichend Hilfe von den Buchhaltern.
Vor einigen Jahren ist ein Mercyful
Fate/KING DIAMOND-Tribute Sampler erschienen, auf diesem waren auch Bands
vertreten, die aus dem Umfeld der kriminellen skandinavischen Black-Metal-Szene
stammen. Wie Du sicherlich weißt, gab es Anfang der 90er in Skandinavien
eine Bewegung, mit Leuten, die Menschen töteten, Kirchen nieder brannten
und andere nicht gerade gesetzestreue Dinge taten. Diese Leute kommen nun,
um Dich und Deine Musik zu ehren. Kannst Du das, was damals passierte,
gutheißen, oder haben sie Deine satanische Botschaft mißinterpretiert?
Nun, zuerst einmal möchte
ich nicht über Dinge und Ereignisse sprechen, über die ich nichts
weiß. Die Leute erzählten mir Gerüchte, und ich fragte:
“Was kannst Du mir genau dazu sagen? Wer tat was?“ Die Leute erzählen,
daß sie (die Skandinavier) Kirchen niederbrennen und Menschen töten.
Wie viele wurden denn umgebracht? Es war wohl einer, der umgebracht wurde,
wenn ich mich nicht täusche. Ich kenne aber die Fakten nicht. Und
es war wohl auch nur eine Kirche, die in Brand gesetzt wurde. Aber ich
weiß nicht von wem und wie die Umstände waren. Darum kann ich
nicht meine Meinung dazu sagen. Aber ich kann sagen, daß es auch
andere Gründe für diverse Ereignisse gibt. Es gab vielleicht
einige andere Morde in derselben Woche, damals in Skandinavien. Aber über
den Mord, über den wir sprachen, dessen Hintergründe kenne ich
nicht. Ich weiß nicht, ob Du die Gründe kennst, warum es passierte.
Aber
ich kann nur sagen, daß, wenn jemand meine Schwester vergewaltigen
würde - ich habe keine, aber wenn ich eine hätte und jemand sie
vergewaltigen würde - dann würde ich den Kerl umbringen. Ich
weiß, das wäre gegen das Gesetz, der Regierung nach ist es falsch.
Aber ich würde es dennoch tun. In diesem Fall kenne ich die
Hintergründe.
Zur selben Zeit, als diese Dinge
geschahen, eine Kirche fing Feuer und ich weiß nicht, wer es war
und warum er es tat, passierte es, daß hier in den USA im Süden
200 Kirchen angezündet wurden. Über einen Zeitraum von etwa zwei
Monaten. Das waren keine Heavy-Metal-Musiker oder dergleichen, es war irgendeine
Art von Organisation. Niemand hat je herausgefunden, wer es war.
Das ist eine völlig andere
Perspektive, ich sitze hier und sehe diese Dinge im Fernsehen und jemand
fragt mich, was ich darüber denke würde. Ich fand heraus, daß
es sich um gerade mal eine handelte. Und niemand wußte, wie und warum
sie Feuer fing. Wenn Du Musiker bist und speziell wenn Du in einer Black-Metal-Band
spielst, und Du tust Sachen, die in irgendeiner Weise dem nicht unähnlich
sind, was andere angestellt haben. Selbst wenn es nur ein Freund von Dir
war, wirst Du als erster verdächtigt. Denn Du bist in einer Black-Metal-Band.
Oft wird Dir ein Stempel aufgedrückt, obwohl Du nichts getan hast.
Letztendlich waren es drei Leute,
die umgebracht wurden, einer von ihnen war Euronimus von Mayhem, ein anderer
Musiker, Bard“Faust“Eithun, tötete in Lillehammer einen Schwulen.
Dann wurde in Schweden der Frontmann von Dissection wegen Mordes verurteilt.
Darüber hinaus waren es an die 14 Kirchen, die angezündet wurden.
Jedenfalls war das die Zahl, die in einem TV-Report genannt wurde.
Und warum brannten sie die Kirchen
nieder?
Weil einige der Musiker die Auffassung
vertraten, daß das Christentum in Skandinavien nichts verloren hätte
und die Kirchen dort nicht hingehörten. Deswegen brannten sie die
Kirchen nieder.
Und wie viele Leute waren daran
beteiligt?
Wieviele es waren, weiß
ich nicht genau, aber die Rede war von 14 Kirchen.
Aber wer tat es?
Einer von ihnen war Count
Grishnack, schon von ihm gehört?
Nein.
Er wurde verurteilt wegen Mordes
und Brandstiftung. Er brannte zwar nicht alle 14 ab, jedoch einige.
Allein? Eine Person? Über
diese Dinge kann ich nichts sagen, weil ich darüber nichts gehört
habe. Und ich glaube, daß Du auch nicht alle Fakten diesbezüglich
kennst. Ich kann auch nicht behaupten, daß
Michael Jackson Kinder schändete, weil ich es nicht weiß.
Im Fernsehen behauptet ein Typ, daß das passierte, weil das Kind
das behauptet. Und ein anderer verteidigt ihn, und sagt, daß das
alles nur Behauptungen sind, die einer Prüfung bedürfen. Was
wissen wir den wirklich? Es ist sehr schwierig, sich eine Meinung zu bilden,
wenn man immer nur Behauptungen aus dem Fernsehen hat. Ein Typ behauptet
etwas und wenn Du zurückfragst, ob er es genau weiß, dann sagt
er „Nein, aber wir versuchen es herauszufinden ob nicht doch was dran ist.“
Ich versuche es zu vermeiden,
über Dinge zu urteilen, deren genauen Hintergrund ich nicht kenne.
Ich spreche nicht über Dinge, die ich nicht genau weiß, das
wäre ziemlich falsch.
Wo Du gerade die anderen Bands
nanntest, es ist mir egal ob eine Band unter der Bezeichnung Black Metal
geführt wird oder nicht. Welche Art von Musik auch immer sie spielen,
wenn sie behaupten, daß sie durch uns beeinflußt wurden, eine
Band zu starten, mit dem Gitarrespielen anzufangen oder zu singen. Später
bringen sie dann ein Album heraus und die Leute kaufen es auch, dann unterhalten
sie uns. Ich respektiere alle Künstler. Wenn sie dann auch noch behaupten,
von uns beeinflußt worden zu sein, ist es eine große Ehre für
mich. Absolut. Ich wurde zum Beispiel von Jimmy Pages Gitarrensound beeinflußt.
Als ich begann, mich mit Musik zu beschäftigen, geschah das aufgrund
des Gitarrensounds auf der ersten Led-Zeppelin-LP. Diese war der Grund
für mich, Geld zu sparen, von dem ich mir meine erste Gitarre kaufte.
Ich versuchte nie wie Led Zeppelin zu klingen. Genauso ist es auch mit
den heutigen Bands, die uns als ihre Inspiration ansehen.
Spielst Du heute immer noch Gitarre?
Ja, natürlich. Für KING
DIAMOND schreibe ich 75 Prozent der Musik auf Gitarre und Keyboard. Andy
LaRoche schreibt die anderen 25 Prozent.
„Tu,
was Du willst.“ Dieser Satz von Aleister Crowley wird von vielen selbsternannten
Satanisten als Grundlage für ihre Lebensphilosophie herangezogen.
Ist dies wirklich die Formel für ein besseres Leben?
In vielen Fällen, ja. Es
spielt keine Rolle, an was Du glaubst. Satanismus
ist für mich keine Religion, das war er noch nie. Es ist eine Lebensphilosophie.
Dazwischen gibt es einen großen Unterschied. Wenn wir über Religion
reden, dann ist es egal, ob man über Buddhismus, das Christentum oder
was weiß ich redet. Da gibt es Millionen von verschiedenen Arten
des Christentums, verschiedene Richtungen. Einige von ihnen hassen sich
gegenseitig. Wie etwa die Katholiken und die Protestanten. Dabei glauben
sie an denselben Gott. Aber so ist die Welt nun mal.
Niemand hat je die wahrhafte
Existenz irgendeines Gottes prüfen können. Niemand konnte je
prüfen, ob er an den richtigen Gott glaubt. Denn wenn es jemand getan
hätte, dann würden wir alle an den gleichen Gott glauben. Deshalb
haben wir so viele unterschiedliche religiöse Richtungen in dieser
Welt. Andererseits kann man aber auch nicht steif und fest behaupten, daß
der Christengott nicht existiert. Niemand kann es nachweisen. Und es ist
mir auch egal. Ich muß keine Nachforschungen über seine Existenz
anstellen.
Oft scheint es so, daß
die extrem Religiösen ihren Pfad verlassen, um zu beweisen, daß
sie an die richtige Sache glauben. Aber das können sie nicht. Da liegt
für mich das Problem, ich kann es einfach nicht nachvollziehen, wieso
Menschen soweit gehen können und sich gegenseitig in Kriegen umbringen,
die auf religiösen Unterschieden basieren. Es macht keinen Sinn. Es
passiert überall, wohin Du auch siehst. Religion findet man in allen
Kriegen auf der Welt.
Dann wiederum kann ich es verstehen,
daß keiner es beweisen kann, daß er an die richtige Sache glaubt.
Das ist ja das Verrückte. Deshalb sollte meiner Meinung nach Religion
etwas sein, was jeder für sich behält. Solange Du anderen Menschen
mit Respekt begegnest. Das ist meiner Meinung nach eine der wichtigsten
Sachen, daß die Leute mir mit Respekt begegnen und ich andern ihren
gebührenden Respekt zukommen lasse. Andy (LaRoche) hat dazu eine andere
Meinung. Ich respektiere seine Meinung, denn ich weiß, daß
jeder Mensch auf der Welt sich von den anderen unterscheidet.
Wir alle leben in unseren eigenen,
kleinen Universen in denen wir der Mittelpunkt sind. Das ist ein Fakt.
Ich rede nicht über Theorien, es ist ein Fakt. Für mich hat „Tu
was Du willst“ nichts mit Religion zu tun. Dieser Satz bringt Dich weiter.
Allerdings mußt Du dich an die Regeln halten. Machst Du das nicht,
weiß Du ja, was Dich erwartet. Wenn ich mich nicht an das Gesetz
halte, riskiere ich ins Gefängnis zu kommen. Muß ich es darauf
ankommen lassen? Nein! Das ist es mir nicht Wert. Aus diesem Grund haben
wir Gesetze. Weil wir uns niemals in allen Punkten einig sind.
Ein Beispiel: Jemand denkt, daß
es eine perfekte Idee ist, auf einem Behindertenparkplatz vor einer Bank
zu parken. Denn dort parkt im Moment kein Schwein. Ein anderer sagt: „Das
kannst Du nicht machen. Wo kommen wir denn da hin, wenn das jeder macht?“
Das sind dann unterschiedliche Meinungen. Wer liegt richtig und wer falsch?
In diesem Fall gibt es ein Richtig und ein Falsch, denn es gibt dafür
ein Gesetz. Ein Gesetz welches besagt, daß es falsch ist, auf dem
Behindertenparkplatz zu parken. Solche Regeln sind wichtig, ansonsten hätten
wir hier das totale Chaos. Eben weil wir alle unterschiedliche Meinungen
haben.
Oder nehmen wir mal an, daß
Mister Johnson seinen kleinen Sohn Jimmy mit einem pinkfarbenen T-Shirt
in die Schule schickt. Ist das richtig oder falsch? Man kann nicht sagen,
daß es falsch ist, was Mister Johnson macht. Dafür gibt es kein
Gesetz. Klein Jimmy wird sich aber sicherlich nicht allzu wohl in der Schule
fühlen, wenn er ein pinkfarbenes T-Shirt trägt. Die anderen Kinder
werden ihn mit Wahrscheinlichkeit auslachen. Aber siehst Du, was ich meine?
Es gibt so viele verschiedene Meinungen über alle möglichen Sachen
in der Welt. Bei schwerwiegenden Dingen muß einfach jemand kommen
und sagen: „Hört zu! Das ist so, weil es so ist. Gewöhnt Euch
besser daran, denn so müßt Ihr Euch verhalten. Andererseits
müßt Ihr für das, was Ihr tut, bezahlen.“ Aber, um noch
mal auf den Satz „Tu was Du willst.“ zurückzukommen - Wenn Du also
etwas anstellst, wofür Du in den Knast kommen kannst, dann mußt
Du für die Konsequenzen bereit sein. Das ist es, worum es geht.
Du sprachst gerade über Religion.
Nostradamus weissagte für die Zukunft, daß es zum ultimativen
Glaubenskrieg zwischen den beiden größten Weltreligionen, dem
Islam und dem Christentum, kommen wird. Was denkst Du, wird es so sein?
Wie dicht sind wir schon dran, und ist es möglich, diesen Zusammenstoß
abzufedern?
Ich glaube nicht an diese Prophezeiungen.
Aber diesen Krieg gibt es schon länger als man sich vorstellen kann.
Bis zurück in die Zeit als der Islam und das Christentum noch dichter
beieinander lagen. Seitdem gibt es diesen Krieg schon. Das liegt länger
zurück als etwa die Kreuzzüge. Wann immer sich die Leute nahestanden
und die Kraft hatten, diese religiösen Richtungen stark genug zu machen,
benutzten sie diese, um loszuziehen und zu skandieren: „Laßt uns
die Heiden töten, im Namen Gottes!“ Und die Gegenseite tat dasselbe.
Da gibt es so viele Sachen von damals, über die wir nichts wissen.
Wer glaubte an was zuerst. Da kommen wir wieder auf die Sache zurück.
Wer hat recht und wer nicht? Waren die Kreuzzüge falsch? Oder war
es gerechtfertigt, daß die Christen sie unternahmen? War es gerechtfertigt,
daß sie so viele Leute töteten, die zum Beispiel islamisch waren?
Das kann man auf die vorangegangene
Frage beziehen. Wer hat recht und wer liegt falsch? Es hängt davon
ab, auf welcher Seite Du stehst. Ich finde es verrückt, daß
es da ein Problem gibt. Darum verstehe ich das nicht. Warum haben sie ein
Problem damit, das andere Leute an andere Sachen glauben? Sie können
es nicht nachprüfen, daß es richtig ist, daß die andere
Partei an das Falsche glaubt. Darum heißt es Glauben. Glauben
heißt: Ich denke, daß es so ist. Es heißt nicht: Es ist
so.
Meistens schein es so zu sein,
daß die breite Masse die Wahrheit für sich gepachtet hat, auch
dann, wenn ein Einzelner vielleicht im Recht ist.
Kommt darauf an, in manchen Fällen
schon. Etwa, wenn eine Person zu 100 anderen etwas sagt, was sich komplett
von dem unterscheidet, woran die anderen 100 Leute glauben. Wenn sie sich
wegen etwas streiten, wird die Hundertschaft wahrscheinlich gewinnen. Weil
man sich sicher sein kann, daß sie dem Einzelnen nicht zuhören
werden. Sie werden demjenigen predigen: „Das ist es, woran wir glauben,
alle von uns.“ Und da wird kein Weg reinführen. Und der Einzelne sagt:
„Nein, nein, hört Euch das mal an. Da gibt es das und das." Sie werden
ihm einfach nicht zuhören.
Ja, wie etwa bei Galileo Galilei.
Ich hab das am eigenen Leib erfahren.
Schon so manches Mal. An eine Show kann ich mich noch besonders gut erinnern.
Das war wirklich einzigartig. Das war vor 15 oder 20 Jahren, eines unserer
Crewmitglieder sagte, daß da zwei Eltern mit ihrem 13jährigem
Sohn draußen warteten, um mir „Hallo“ zusagen. Das war übrigens
in Kopenhagen. Wir hatten gerade geduscht und uns fertig gemacht. Und als
ich dann rausging, begannen die beiden Eltern zu predigen. Ich dachte so
bei mir: „Was geht denn hier ab?“ Sie plapperten und redeten nur Scheiße.
So würde ich es nennen. Ich versuchte mit ihnen zu reden, ich fragte
sie eine Menge Fragen. Doch diese konnten sie mir nicht klar beantworten.
Danach fragte ich den Jungen ein paar Fragen. Alles was er machte war,
die Bibel zu zitieren. Es war ein fürchterlicher Anblick. Zwei Eltern
mit einem Kind, welchem sie eine gehörige Hirnwäsche verpaßt
hatten. Das war wirklich ein trauriger Anblick. Da haben wir die Sache
wieder, es waren aber nur drei Leute. Dennoch war es reine Zeitverschwendung,
mit ihnen zu reden. Denn es war kein Gespräch. Sie redeten nur auf
mich ein. Nicht etwa mit mir, nein, nur zu mir. Es war, als wären
sie in einer Blase gefangen, durch die nichts hindurchdringen könnte.
Aufgrund dieser Situation würde ich aber nicht sagen, daß sie
Recht hatten, nur weil sie zu dritt waren. Aber ich weiß, was Du
meinst. Meistens hat die Mehrheit die Kraft, Dinge in eine gewisse Richtung
zu drücken.
Laß uns das Thema wechseln.
Wenn ich KING DIAMOND mit Mercyful Fate vergleiche, dann muß ich
sagen, daß KING DIAMOND aufgrund der Horror-Konzepte und Geschichten,
wegen des speziellen Songwritings und der Melodien mir besser gefällt.
Weil es eben diese Spuk-Aura verbreitet. Wie alt warst Du etwa, als Du
merktest, daß Du Dich für mystische Geschichten und übersinnliche
Phänomene interessierst?
Ein Kind. Es geht bis dahin zurück,
als mir meine Eltern erlaubten, diese alten Schwarz-Weiß-Horrorfilme
zu sehen, Dracula, Frankenstein, die Mumie, all diese Film-Klassiker. Ich
kann mich deshalb so gut daran erinnern, weil ich, als ich dann ins Bett
ging und das Licht aus war, immer dachte, diese Kreaturen würden aus
dem Dunklen zu mir ans Bett kommen. Am nächsten Morgen mußte
ich dann feststellen, daß nichts passiert war. Frankenstein kam nicht,
um mich in der Nacht zu töten. Es ist nicht so, daß es schlecht
von meinen Eltern war, mich diese Filme sehen zu lassen. Jeder kann Träume
haben. Oftmals basieren sie auf Ereignisse, die man tagsüber erlebte
oder in einem Film sah, die dann dein Hirn beschäftigen. So war es
damals auch bei mir. Und es faszinierte mich. Speziell die Erleichterung,
nachdem man sich in einer beklemmenden Situation befand. Soetwas kann man
natürlich auf einem Album vermitteln. Du kannst Gefühle und Stimmungen
kreieren. Bei Filmen ist es jedoch wesentlich einfacher. Da gehen die Bilder
mit dem Sound Hand in Hand. Warum sehen sich die
Leute Horror-Filme an? Weil sie sich erschrecken wollen. Sie wollen die
Erleichterung spüren, wenn sie aus dem Kino kommen. Sie wissen,
daß es nur ein Film war. Es war nicht real.
Gab es einen Punkt in Deinem Leben,
als Du einem unerklärlichem Phänomen gegenüberstandest und
Du Dich in allem, was Du vorher nur ahntest, bestätigt fühltest?
Das ist beinahe wieder eine religiöse
Frage. Ich selbst habe keinen religiösen Glauben. Aus dem einfachen
Grund heraus, daß ich nie Beweise habe. Ich kann es mir zwar selbst
beweisen und auch demjenigen, der dabei ist, wenn es passiert. Der kann
sagen, daß er es auch sah. Aber ich erlebte die Kräfte des Unbekannten.
Oder wie auch immer man es nennen möchte. Poltergeister meinetwegen.
In der Wohnung, in der ich vor vielen, vielen Jahren in Kopenhagen lebte,
spukte es extrem. Und viele andere Leute, meine Freunde etwa, erlebten
es dort auch. Diese Erlebnisse überzeugten mich davon, daß es
da draußen etwas gibt. Vielleicht eine Art Parallelwelt. Eine Welt
die zur gleichen Zeit wie die unsrige existiert. Und
die Geister besuchen uns aus der anderen Welt. Es ist möglich.
Natürlich ist es möglich, denn niemand kann das Gegenteil beweisen.
Für mich haben diese Dinge, die ich sah, fühlte und hörte,
nichts mit irgend welchen religiösen Sachen zu tun. Denn ich kann
nicht erklären, was es ist oder was es war. Ich kann rumsitzen und
wochenlang Theorien ausbrüten, was es war. Aber ich kann sie beim
besten Willen nicht beweisen. Ich kann nur eine Theorie entsinnen und ihr
folgen. Und das ist genau das, was die meisten Religionen sind. Du erstellst
eine Theorie und folgst ihr so starr, als sei es die Wahrheit. Das könnte
ich nicht. Deshalb könnte ich keiner Religion folgen, ohne mir meine
eigene Sichtweise zu erschaffen. Das ist unmöglich.
Ich hatte mal das Erlebnis, daß
ich nachts im Bett lag, mit dem Gesicht zur Wand. Ich wußte nicht,
ob ich schlief oder wach war, doch mir war, als sein noch jemand in meinem
Zimmer. Dann war es, als sähe ich durch meinen Hinterkopf hindurch
einen Geist an meinem Bett stehen. Es konnte kein Traum gewesen sein, denn
die Furcht war zu stark. Ich hatte ein Hochbett von etwa zwei Metern. Fast
genauso groß war auch diese Gestalt, welche nur aus einer bläuliche
Gasflamme zu bestehen schien. Sie tänzelte leicht vor sich hin und
wisperte leise Worte, die ich nicht verstand. Mir war eiskalt und ich war
nicht fähig, irgend etwas zu tun oder zu sagen. Diese Flamme kam langsam
auf mich zu und wisperte. Dann auf einmal rauschte sie wie ein Blitz durch
mich hindurch und war verschwunden. Ich war dermaßen erschrocken.
Danach wurde mir klar, daß ich die ganze Zeit wach gewesen bin. Vorher
war ich mir dessen nicht sicher gewesen. Von da an war mir klar, daß
es etwas wie eine andere Seite geben muß. Hattest Du auch so ein
Schlüsselerlebnis?
Absolut. Das ist diese Art von
Dingen, die in meiner Wohnung passierten. Und nicht nur in meiner Wohnung.
Es passierte auch in der Wohnung meines Bruders, als ich damals dort war.
Es passierte an vielen Orten, auch auf Touren. Aber hauptsächlich
in meiner Wohnung. Alle möglichen Sachen. Wir sahen, wie sich ein
Glas in die Luft erhob. Zusammen mit meinem Bruder und Kim Ruzz, dem damaligen
Mercyful-Fate-Drummer. Eines nachts streichelte mich eine Hand über
die Wange, als ich zu Bett gehen wollte. Ich fühlte eine Hand, sie
war nicht kalt, eine normale Hand. Und ich wußte, daß da etwas
kommen würde. Ich erinnere mich noch genau, was an diesem Tag passierte.
Ich kam mit dem letzten Bus nach
Hause. Ich kam von einem Treffen zwischen der Band und einem Coverkünstler,
der an dem Cover für die „Melissa“-LP arbeitete. Es war nicht der
Typ, der das Cover anfertigte, für welches wir uns entschieden. Es
war ein anderes Cover, ein paar Dänen arbeiteten daran. Ich fand es
fürchterlich. Es wurde später auf einem Bootleg verwendet. Die
Band steht auf dem Boden und über ihr schwebte ein riesiger Schädel.
Aber für mich sah es so aus, als hätte ein Kind es gezeichnet.
Ich haßte es. Ich fuhr also mit dem letzten Bus nach Hause. Ich war
innerlich ziemlich aufgewühlt, war frustriert, wie sollte es nun weitergehen?
Als ich dann, nahe meiner Wohnung, aus dem Bus ausstieg, wartete ich an
einer roten Ampel, als plötzlich jemand an meinen Haaren zog. Ich
dachte, es handele sich um einen Freund, mit dem ich zusammen aus dem Bus
gestiegen war, der mich nun etwas erschrecken wollte, ohne das ich ihn
sähe. Daß es ein Spaß sei. Ich drehte mich um und sah
niemanden. Ich ging also über die Straße und in meine Wohnung.
Sie lag oben im dritten Stockwerk.
Als ich oben ankam, passierten
so viele Dinge in meiner Wohnung. Ich wollte noch eine Lakritzstange essen,
legte sie dann aber doch beiseite auf meinen Kaffeetisch. Ich ging ins
Bad, um mich fertig zu machen, die Zähne zu putzen und dergleichen.
Dann wollte ich ins Bett gehen. Manchmal schlief ich auf der Couch in meinem
Wohnzimmer. Als Decke hatte ich ein Federbett. Diese legte ich flach auf
die Couch. Als ich dann im Bad stand, hörte ich Geräusche aus
dem Wohnzimmer. Ich dachte: “Oh mein Gott. Jetzt geht es wieder los.“ Dafür
war ich nun wirklich nicht in der Stimmung. Normalerweise kann ich solche
Sachen willkommen heißen, doch an diesem Abend war ich einfach nicht
in der Stimmung dafür. Als ich wieder ins Wohnzimmer zurückkam,
stellte ich fest, daß dieses Stück Lakritz von der einen Ecke
des Tisches in die andere Ecke gerollt war. Das konnte einfach nicht passiert
sein. Dann sah ich, daß mein Federbett, welches
vorhin noch flach auf der Couch lag, von jemandem, der auf der Couch stand,
etwa anderthalb Meter in die Höhe gehalten wurde. Ich konnte die Fingereindrücke
in der Decke sehen. Ich stand da und war völlig perplex: „Oh
Gott!“ Ich war mir sicher, daß, wenn ich mich nun hinlegte, um mich
zuzudecken und das Licht zu löschen, mir irgend jemand an den Füßen
ziehen würde oder etwas in der Richtung passieren würde. Ich
legte mich also hin, machte das Licht aus, und ich fühlte diese Hand
in der Dunkelheit, welche meine Wange berührte. Ich war nicht in Panik,
aber um so mehr überrascht. Ich sagte zu dem Ding. „Weißt du
was, ich bin heute nicht in der Stimmung für soetwas, laß es
uns an einem anderen Tag machen.“ Dann verschwand es langsam.
Starker Tobak, wirklich.
Da passierten so viele Dinge in
dieser Wohnung. Etwa diese Fingerabdrücke von Kindern über die
komplette Fläche meines Spiegels. In meiner Wohnung waren niemals
irgend welche Kinder. Flaschen, die ich nachts in die Küche stellte,
standen am nächsten Morgen wieder in meinem Wohnzimmer. Solche Sachen
passierten andauernd. James und Lars von Metallica besuchten mich in meiner
Wohnung, als so etwas passierte. Aber auch bei anderen Besuchern war es
so.
Ich hatte mal ein Mädchen
bei mir, dem wurde mit voller Kraft an den Haaren gezogen. Weißt
Du, sie war so eine Art Freundin, die begann Musik zu hören, als ich
auch damit begann. Sie interviewte mich und fing an einen Haufen Scheiße
zu erzählen: „Warum erzählst Du so einen Haufen Lügen, nur
um Dich interessant zu machen?“ Ich sagte: „Was? Warte, halt mal die Luft
an. Es ist mir scheißegal, ob Du mir das glaubst oder nicht. Wir
müssen darüber nicht reden.“ Und sie.“ Ach was, Du bist einfach
zu durchschauen, das ist so dumm.“ Und so machte sie immer weiter. Ich
sagte: „Möchtest Du auch mal so eine Erfahrung machen? Du hast es
verdammt noch mal so gewollt.“ Ich machte das Licht
aus und zündete zwei Kerzen an. Dann versuchte ich mit allem, was
ich in mir hatte, die Geister zu rufen, damit etwas passierte. Es dauerte
keine fünf Minuten, da schrie sie wie am Spieß neben mir auf
der Couch. Irgendwer oder irgendwas zog ihr an den Haaren. Gleich
darauf hörte ich von der Wand, an der mein Schallplattenschrank stand
mit meinen Platten, die ich in Schutzhüllen aufbewahrte, ein Geräusch,
als würde jemand mit dem Finger über die Ränder der Schutzhüllen
fahren. Das Geräusch bewegte sich in die gegenüberliegende Ecke,
die nicht von den Kerzen ausgeleuchtet wurde und wo man nichts sehen konnte.
Das Einzige, was man noch hörte, war ein Atmen. Und ich kann Dir exakt
sagen wie es klang. Nämlich genauso wie das Atmen im Intro zu der
„House Of God“-Platte.
Als wir die Scheibe und das Intro
aufnahmen, war ich komplett aus dem Häuschen. Meine Stimme klang,
nachdem ein Effekt darüber gelegt wurde, genauso wie die damals in
meiner Wohnung. Mir wurde auf einmal eiskalt. Denn es erinnerte mich sofort
direkt an diese Geschichte von damals. So klang das Atmen, danach verschwand
es. Das Mädchen wollte diesen Abend nicht nach Hause gehen, sie wollte
einfach nicht allein in die Dunkelheit raus. Diese Sachen passierten aber
immer wieder. Mal in größeren Rahmen, mal in einem kleineren.
Aber was war es denn nun genau? Ich kann einfach nicht mit Bestimmtheit
sagen, was es war. Ich weiß nicht, was dies für eine Welt ist,
wenn es sie wirklich gibt. Ich kann nur für mich selbst reden, daß
ich niemals daran zweifle, wenn mir Leute ihre Geschichten erzählen,
wie Du es zum Beispiel gemacht hast.
Ich könnte mir vorstellen,
daß Du genügend Stoff gesammelt hast, um, wenn es ums Texte
schreiben geht, jahrelang davon zu zehren. Gibt es jedoch Thematiken, über
die Du ums Verrecken nichts schreiben würdest, selbst wenn Dir jemand
eine Knarre an den Schädel hielte?
Es ist komisch, Du kannst niemals
so verfahren, denn der Weg wie KING DIAMOND funktioniert, ist, daß
alles zu 100 Prozent aus dem Inneren kommt. Gefühle. Es müssen
wahre Emotionen dahinterstecken. Egal ob es der Horrorteil der Geschichte
ist oder ob es der Teil ist, bei dem es um Lebensphilosophie geht. Ich
muß diese Freiheiten haben, um die Charaktere in meinen Geschichten
so real wie möglich erscheinen zu lassen. Ich muß die Geschichte
fühlen können, jeden Pickel, jedes Augenlid, das die Figuren
in meinem Kopf haben. Ich weiß exakt, wie sie aussehen müssen.
Wenn
jetzt jemand käme und mir sagt, daß ich über ein Kinderkrankenhaus
schreiben soll, in dem Kinder ohne Hände und Füße geboren
werden, dann könnte ich das nicht tun. Das ist keine Unterhaltung.
Es ist Horror, direkt aus der Hölle. Das ist nicht die Art von Horror,
die unterhaltsam sein kann. Ich meine, die ganzen Horrorfilme und
Geschichten. Man kann sagen, daß das, was in meinen Horrorgeschichten
passiert, sehr realistisch ist. Besonders die Art und Weise, wie sich die
Charaktere gegeneinander ausspielen. Das ist nichts anderes als das, was
wir aus dem täglichen Leben kennen. Unsere natürlichen Grundverhaltensmuster.
Das wiederum vermische ich mit dem Übernatürlichen. Wenn mich
aber jemand mit einer Pistole bedrohen würde, und mich zwänge,
eine Geschichte über die eben aufgezählten Dinge mit dem Kinderkrankenhaus
zu schreiben, dann wäre das eine fürchterliche Geschichte. Keine
gute Horrorgeschichte, sondern eine ganz schlimme Geschichte, hinter der
ich eventuell zu, sagen wir mal, sechs Prozent stehen könnte. Und
diese sechs Prozent würden sich einzig und allein darum drehen, wie
ungerecht es ist, daß die meisten Kinder gesund geboren werden und
einige auf diese Art. Auf dem letzten Album gibt es da diesen treffenden
Satz: „Das Leben ist niemals fair.“
Vor einigen Jahren wurdest Du
von Gene Simmons von Kiss verklagt. Er behauptete, daß Dein Make
Up dem von Gene zu ähnlich sei. Das ist natürlich kompletter
Blödsinn, wenn man einen vergleichenden Blick auf euer beider Make
Up wirft. Wie ist die Sache damals für Dich ausgegangen, und was glaubst
Du, war Genes wahre Motivation, Dich zu verklagen?
Eigentlich war er es nicht allein.
Seine Anwälte hatten ihre Hände mindestens zur Hälfte mit
im Spiel. Meinem Anwalt wurden sämtliche ihrer rechtlich geschützten
Make-Up-Desings zu geschickt, welche sie sich seit der ersten Kiss-Platte
haben schützen lassen. Und was sie meinten, daß ich es verändern
müßte, war das Make Up, welches ich auf der „Them“-Platte trug.
Es käme ihrem zu nahe. Ich persönlich denke, daß keines
meiner Make Ups jemals einem von Kiss zu ähnlich sah. Selbst ein Kleinkind
hätte Unterschiede ausmachen können. Dennoch kamen sie zu unserem
Plattenlabel und beschwerten sich bei deren Anwalt, der wiederum mit mir
Kontakt aufnahm. Wir mußten aber nicht viel unternehmen, denn die
Sache wurde schnell wieder eingestellt. Aber dennoch hatten sie es versucht.
Zu dieser Zeit veränderte ich mein Make Up sowieso, da wir auch an
der neuen Platte „Conspiracy“ arbeiteten. Noch bevor wir von dieser Anklage
erfuhren. Wir nahmen das Album auf und kreierten ein neues Make Up, da
mich das alte ermüdete.
Als die Presse von der ganzen
Sache Wind bekam, redete jeder darüber, was für eine unmögliche
Sache das sei. Was sie außen vor ließen war, warum sie es taten.
Ich konnte der Presse nur eine Sache dazu sagen: „Sie haben eine Menge
mehr Geld, jemanden zu verklagen, als ich jemals haben werde, oder die
anderen Leute, die Make Up benutzen.“ Das, denke ich, führte zu einer
baldigen Einstellung des Verfahrens, und daß sie sich in der Presse
nicht sehr beliebt machten. Ich habe nichts gegen Kiss, auch nicht wegen
dieser Sache. Wer weiß, wer diese Idee hatte. Sie selber, ein cleverer
Anwalt oder irgendein Geschäftsmann. Vielleicht gar der Manager, ich
hab keine Ahnung. Aber ich kann mir vorstellen, daß
es deswegen passierte, weil es unter anderem für Kiss in dieser Zeit
nicht ganz so gut lief. Denn 1998 hatten Kiss nicht gerade ihre
beste Zeit. Vielleicht brauchten sie einfach nur etwas Presse. Und dies
war nur eine Art, diese zu bekommen. Zu zeigen das sie das Original auf
Make Up gepachtet hatten. Natürlich ist das nicht der Fall. Peter
Gabriel, Alice Cooper, Crazy Arthur Brown - es gab massig Leute, die schon
vorher Make Up benutzten. David Bowie etwa, es gab so viele andere, die
ein kräftiges Make Up benutzen, lange bevor Kiss es taten. Und ich
habe es nicht von ihnen, ich habe es von Alice Cooper, er inspirierte mich
dazu, Make Up zu verwenden, als ich ihn damals 1975 in Kopenhagen live
sah. Während der „Welcome To My Nightmare“-Tour. Du wirst mich aber
niemals über Kiss lästern hören, denn ich empfinde keinen
Haß auf sie. Es passierte zu einem Zeitpunkt, da ich ihre Verhaltensweise
nachvollziehen konnte. Die Sache wurde ja auch ziemlich schnell wieder
beigelegt, somit gab es niemals ein echtes Problem.
Zusammen mit Lemmy von Motörhead
und Angus Young von AC/DC zum Beispiel bist Du eine der letzten noch aktiven,
großen Persönlichkeiten der aktuellen Heavy-Metal-Zeitgeschichte.
Überall auf der Welt kennt man Dich, Deine Stimme und Dein Make up,
ungeachtet dessen, ob man es mag oder nicht. Allerdings macht sich der
Nachwuchs in Sachen Persönlichkeiten in den letzten Jahren sehr rar.
Was machen die Bands heutzutage falsch?
Ach, ich weiß nicht, das
kann man so nicht sagen, wir machen einfach das, was wir immer machen und
schon immer getan haben. Dadurch wurden wir, ich möchte nicht hochnäsig
rüberkommen, aber dadurch wurden wir zeitlos. Unser Musikstil folgte
niemals einem Trend. Wir folgten niemals dem angesagtesten Musikstil, nur
um mehr Platten zu verkaufen. Das haben wir nie getan. Und das werden wir
auch nie tun. Wir haben unseren Stil, und der kommt zu 100 Prozent aus
unserem Inneren. Das hat auch viel mit dem Vertrauen zu tun, welches uns
die Labels entgegenbrachten, in denen wir involviert waren. Wir hatten
stets komplette künstlerische Freiheit. Sie sagten uns nie, was wir
zu tun hätten und was nicht. Sie schickten uns niemals irgendwelche
Typen ins Studio, die sagten: “Ich mag diese vier Songs nicht. Schreibt
ein paar neue, die so klingen wie die Lieder eins und zwei. Schreibt ein
paar Radiohits.“ Oder was auch immer. So etwas passierte uns niemals.
Unser aktuelles Album „The Puppet
Master“ nahmen wir auf und mixten es fertig. Erst danach hörte unser
Label das Album zum ersten Mal. Sie hörten vorher nicht eine Note.
Das ist eine Menge Vertrauen, was sie uns entgegenbringen. Immerhin bekommen
wir von ihnen eine Menge Geld zum Aufnehmen. Sie vertrauen darauf, daß
wir ihnen ein Qualitätsprodukt abliefern. Ist das nicht der Fall,
werden wir die Konsequenzen tragen müssen. So können wir uns
stets treu bleiben. Meiner Meinung nach gibt es heutzutage nicht
viele Bands, die diese Freiheit genießen können. Normalerweise
kommen bei ihnen diese A&R-Leute ins Studio, hören sich die Sachen
an, und sagen, was sie zu tun haben, oder wie der Produzent zu arbeiten
hat. Das würde ich hassen. Denn was kann schlecht daran sein, wenn
Du die Songs aufnimmst, die Du im Schweiße deines Angesichts komponierst
hast und die tief aus deinem Inneren kommen. Dann kommen da diese Typen
und verändern sie so sehr, daß Du sie nicht mehr wiedererkennst.
Und dann mußt Du damit leben. Ich könnte das nicht tun. Wenn
das bei uns so losgeht, dann höre ich auf. Wie könnten diese
Typen es wagen und mir sagen, wie KING DIAMOND zu klingen hat? Das wäre
so dumm. Aber im großen Business, bei den großen Labels mit
dem dicken Geld, ist es so, daß sie wissen wollen, wofür sie
so viel Geld ausgeben. Und sie wollen natürlich auf Nummer sicher
gehen, daß sie es auch ja wieder reinbekommen. Sie investieren in
eine Menge neuere Bands, diese wissen meistens nicht, was sie eigentlich
wollen, deshalb geben ihnen die Labels nicht die komplette Freiheit. Denn
sie hoffen, daß sie einfach nur so gut sind, wie damals in dem Club,
in dem sie sie unter Vertrag genommen haben. Es ist schwierig, darüber
zu reden, denn wir haben etwas wirklich einzigartiges gemacht. Definitiv.
Aber wir konnten es nur deshalb machen, weil wir das Vertrauen des Labels
gewonnen haben.
Wir haben quasi unsere eigene
kleine Nische. Wenn Du ein Lied im Radio hörst und eins von KING DIAMOND,
dann wirst Du sofort erkennen, welcher Song von uns war. Und das meine
ich damit, daß wir einen eigenen Stil haben. Darum sagte ich vorhin
auch, daß wir zeitlos sind. Denn wenn Du einen eigenen Stil hast,
mußt Du keinem Trend folgen. Das bedeutet zeitgleich aber auch, daß
Du niemals zehn Millionen Platten von einem Album verkaufen wirst. Ich
bin mir dessen bewußt, aber es heißt auch, daß Du in
diesem Business längere Überlebenschancen hast. Nun ja, und wie
Du siehst, sind wir immer noch am Ball. Das ist die beste Antwort, die
ich darauf geben kann. Ich kann nicht behaupten, daß die heutigen
Bands nicht mehr so originell wie damals sind, als wir anfingen. Die ganze
Szene, das ganze Musik-Business veränderte sich. Wenn
wir zurück auf die 70er Jahre blicken, mit all den klassischen Bands
wie Led Zeppelin, Black Sabbath, Uriah Heep, Jethro Tull oder Alice Cooper.
Als sie begannen, klangen sie alle absolut unterschiedlich, sie alle hatten
ihre eigenen Stile. Sie kamen alle zur selben Zeit raus und waren alle
angesagt. Das ist das Verrückte. Es war nicht so, daß
für zwei Jahre Jethro Tull angesagt waren und alle wie sie klingen
wollten. Sie waren alle sie selbst. Und sie klangen alle extrem unterschiedlich.
Dennoch waren sie sehr populär. Es hat auch damit zu tun, daß
es weniger Kontrolle durch die Labels gab. Sie ließen die Bands mehr
Spielraum in dem, was sie machen wollten. Deswegen sind die meisten Bands
heute ziemlich stromlinienförmig. Sie klingen sich oft sehr ähnlich.
Es wird dadurch schwerer, sie voneinander zu unterscheiden.
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