KRABATHOR
Interregnum im Gespräch mit Christopher (git/voc)
gesendet am 13. Februar 2001

Christopher

In Eurer 16-jährigen Band-Geschichte habt Ihr schon an verschiedenen Orten der Welt gespielt. Jetzt kommt Ihr gerade von Eurer Tour aus den Staaten zurück. Wie lief es für Euch?

Wir haben vorher nur einmal dort in den Staaten gespielt, das war 1996 beim Metalmania-Festival in Millwaukee. Wir wollten gern wieder dort spielen. Paul half uns, Shows bei einigen Leuten zu buchen. So konnten wir einige Shows in den Staaten und einige in Mexico spielen. Wir bräuchten ein größeres Label und einen größeren Vertrieb dort. Aber wie gesagt, wir hatten ein paar gute Shows in den Staaten und Mexico. Es war großartig, dort zu spielen. Wir haben jetzt auch einen Vertrieb dort: Hellfire Records. Es gab keine Probleme mit den Leuten, die zu unseren Konzerten kamen, ja sie kannten sogar unsere CDs.
Ich kann sagen, daß es in Mexico am besten war. Aber wir hatten auch gute Shows an der Westküste der USA, in San Francisco und Umgebung. Die beste Show - denke ich - war in Chicago, denn da gibt es eine Menge Tschechen, und das ist ganz gut für tschechische Bands.

Bevor Ihr anfingt an einem neuen Krabathor-Album zu arbeiten, veröffentlichtet Ihr eine CD unter dem Namen Martyr. Entwickelte sich diese Geschichte, bevor Paul Speckmann zu Euch stieß?

Nun, wir waren auf Tour mit Malevolent Creation und Master. Und auf dieser Tour jamten wir ein wenig mit Paul und wir entschieden uns, zusammen dieses Projekt zu starten. Da Paul ursprünglich aus den Staaten kommt, flog er zu uns in die Tschechei. Wir verbrachten ca. einen Monat zusammen, um an der CD zu arbeiten und sie aufzunehmen. Das war, bevor Paul bei Krabathor einstieg. Und während der Zeit mit Martyr hatten wir dann diese Line-Up-Probleme und ich fragte ihn, ob er nicht bei Krabathor einsteigen möchte. Er willigte ein, da das Line-Up in diesem Projekt mit dem von Krabathor identisch ist. Aber Krabathor steht für uns an erster Stelle.

Auf dem Martyr-Album scheint Ihr von Thrash-Bands der 80er Jahre beeinflußt zu sein. Was hälst Du von der Wiederauferstehung alter Helden wie zum Beispiel Destruction?

Ja, Du hast recht, denn wir haben mit der Band in den 80ern angefangen, und sicherlich sind wir von diesen Bands beeinflußt. Aber in erster Linie wollen wir natürlich was Neues, was Eigenes machen. Von daher würde ich sagen, daß wir mehr von uns selbst inspiriert sind. Sicherlich sind wir von den alten Bands beeinflußt worden, wir haben das sozusagen im Blut, und Du kannst es an manchen Stellen sicher raushören.
Ich denke es ist gut für Destruction, daß sie wieder mit dem selben Line-Up wie früher unterwegs sind. Ich denke, das ist gut für die Band, weil die Leute die alten CDs mögen, und sie spielen die alten Sachen wieder.

Wenn man sich Krabathor anhört, hat man das Gefühl, daß Ihr von Paul Speckmanns Master beeinflußt seid. Wie ist es dann mit jenem Typ im Studio zu stehen und auf Tour zu gehen, der Euer großes Vorbild zu sein scheint?

Ja, wir hörten Master schon vorher und auch ein paar andere Bands aus derselben Richtung. Paul ist ein bißchen anders. Er hat eine etwas andere Art, diese Musik auf seinem Baß zu spielen. So wie ich halt an der Gitarre. Das paßt gut zusammen. Wir ergänzen uns ganz gut in der Musik, weißt Du?

Spielt Ihr nach Brunos Trennung von Krabathor seine Songs auch weiterhin noch live, oder hat er sie mit zu Hypnos genommen?

Ich weiß nicht, was er mit seinen Songs bei Hypnos macht, aber er sagte uns, daß wir sie weiterhin spielen können. Mehr weiß ich auch nicht.

Hast Du schon was von seiner neuen Band Hypnos gehört? Wie gefällt Dir sein Zeug?

Ich hab ein paar Songs gehört, es sieht gut aus. Ich sah auch ein paar Auftritte, die waren ganz in Ordnung, ja.

Könntest Du Dir vorstellen, mal eine Master-Krabathor-Hypnos-Tour zu spielen? Oder gibt es böses Blut zwischen Bruno und Dir?

Wir könnten keine Shows zusammen spielen. Das ist ein bißchen schwierig. Wir haben zwar keine Probleme miteinander, aber wir wollen nur mit Krabathor spielen, denn Krabathor steht für uns an erster Stelle.

Wie funktioniert eigentlich eine Zusammenarbeit zwischen Bandmitgliedern, die auf unterschiedlichen Kontinenten beheimatet sind, so wie bei Euch mit Paul?

Er ist jetzt ganz in die Tschechei gezogen. Wir bleiben im Winter einige Wochen hier in den Staaten. Die Tour ist jetzt vorbei und wir gönnen uns eine kleine Auszeit. Schließlich ist hier das Wetter auch besser. Anfang 2001 wollen wir zurück nach Europa kommen und einige Shows spielen. Paul bleibt aber in der Tschechei.

Kannst Du Dich noch an Deine ersten Jahre mit Krabathor erinnern?

Wir begannen 1984, zu Zeiten des Sozialismus in Osteuropa, und wir hatten ein paar Probleme mit unserer Regierung, der unsere Art von Musik zu hart war. Wir hatten einen Proberaum in einem sehr kleinen Dorf in der Nähe meiner Stadt. Wir jamten mit einigen Leuten, die heute nicht mehr dabei sind. Es war eine tolle Zeit. Wir schufen ausschließlich Musik, die wir mochten, und so halten wir es auch heute noch. Heute ist es natürlich besser, wir sind nämlich viel bekannter. Wir können reisen, wohin wir wollen, um Shows zu spielen und auf Tour zu gehen.

Bei uns in der DDR mußte man, um eine Lizens für das Musizieren zu erhalten, vor einem staatlichen Gremium auftreten. Danach haben sie entschieden, ob die Band weiter existieren darf oder nicht. Wie war es bei Euch?

Ja sicher. Auch wir brauchten ein Examen für unsere Musik, weißt Du. Wir mußten 13 eigene Songs spielen und einige Coverversionen. Natürlich hatten wir Probleme, weil wir so hartes Zeug spielten. Unsere Texte handelten nur über Tod und Verwesung und all so'n Zeug. Das fand die Regierung nicht so toll. Wir spielten damals zwar einige Konzerte, aber die waren so gut wie verboten und fanden heimlich statt.

Ende der 80er reisten sehr viele Metal-Fans aus der DDR in die CSSR, denn dort gab es eine sehr starke Szene mit guten Bands. Heutzutage sucht man die Metaller in den tschechischen Städten vergebens. Was ist passiert?

Nun, bevor es zu dieser Situation kam, war es so, daß nicht viele Bands in der Tschechei spielten. Sie konnten nicht einfach herkommen und ihre Shows spielen. Für den Underground waren die Türen überall offen. Und die Leute wählten sich die Bands aus, welche sie mögen und welche nicht. Jetzt ist es kein Problem für eine tschechische Band in der Tschechei oder in der Slowakei zu spielen. Die Szene bekam eine gewisse Normalität, wurde transparenter.

Ein Bandname wie Root klingt noch immer angenehm in den Ohren der deutschen Underground-Fans und nicht nur dort. Was ist mit den alten Bands los?

Root spielen immer noch zusammen. Aber sie spielen nur in der Tschechei oder in der Slowakei. Ich weiß nicht, vielleicht möchten sie gar nicht raus aus dem Land. Aber es ist eine gute Band. Sie sollten mal raus, das würde ihnen weiterhelfen.

Wieviel besser ist die Metal-Szene in Deiner Heimat als in anderen Oststaaten wie zum Beispiel Rumänien oder Bulgarien?

Ich weiß es nicht. Ich war noch nie dort. Ich habe nicht so viel Kontakt in diese Länder, wie Bulgarien zum Beispiel. Aber ich denke, daß die Szene in der Tschechei viel besser ist als die dortige. Aber ehrlich gesagt, kann ich nicht sagen, was da los ist.

In Deutschland ist zur Zeit Death und Black Metal sehr angesagt. Wie verhält es sich bei Euch in der Tschechei?

In der Tschechei stehen die Leute mehr auf Death Metal. Denn wenn Du zu Underground-Konzerten gehst, findest Du einen Haufen Death Metal-Bands. Ein paar davon spielen auch Black Metal, aber das ist hier nicht so groß wie in Deutschland.

Während die Regierungen Westeuropas versuchen, eine schnelle Einigung in der EU zu erreichen, wollen viele Völker lieber eine Teilung. Wie zum Beispiel die Tschechen und die Slowaken. Wie hast Du diese Trennung erlebt?

Ich weiß nicht, es war schon verrückt. Eine seltsame Situation. Die Slowaken wollten sich plötzlich von den Tschechen trennen, weil sie frei sein wollten oder sowas. Aber ich denke, daß das keine gute Idee war. Woanders werden die Grenzen geöffnet, wir werden der EU angehören, und die Slowaken haben sich abgeschottet. Es ist nur eine Frage der Zeit, dann werden sie ihre Grenzen wieder für alle öffnen.

Die Geschichte der Deutschen und der Tschechen ist nicht frei von Problemen miteinander. Zum Beispiel die Sudetenfrage. Ist Deine Meinung über die Deutschen beeinflußt von den Problemen unserer Väter?

Ich weiß es nicht, ich weiß es wirklich nicht. Das war in der Vergangenheit, da war Einiges anders. Wir können über die Vergangenheit reden, aber wir sollten besser in Frieden leben. Das ist besser.

Ist es für Dich noch entscheidend, ob Du vor einheimischem Publikum spielst oder im Ausland?

Es kommt auf das Land an. Überall gibt es Leute, die unsere Musik mögen und welche, die sie nicht mögen. Es ist wirklich gleich. Aber sicher, ich mag es, zu reisen, ein neues Land zu sehen und neue Leute kennenzulernen. Ich denke, es ist immer dasselbe. Menschen sind verschieden. Die Länder sind verschieden. Die Probleme sind verschieden. Wenn sie zu den Konzerten gehen, wissen sie, was sie erwartet. Da ist was los auf der Bühne, Party, das ist schon geil.

Mayhems Eurounymus sagte einst, daß eine echte Death Metal-Band sich in schwarzes Leder zu hüllen habe. Darüber hinaus müßte man zentnerweise Nieten, Patronen und umgedrehte Kreuze mit sich herumtragen. Auch textlich sollte man sich ausschließlich mit der Verehrung Satans beschäftigen. Wie würdest Du, als jemand auf den die Beschreibung nicht paßt, eine Death Metal-Band definieren?

Wir benutzen den Begriff Death Metal, weil uns Dinge aus dem Leben umgeben. Denn ich denke, das Leben ist hart, und da sollte man hart spielen und Texte schreiben über die Dinge, die um uns geschehen.

Wie kann man sich Krabathor-After-Show-Partys vorstellen? Sex, Drugs and Rock'n Roll oder mehr wie Bücher lesen, an neuen Songs feilen und ins Bett gehen?

Es kommt auf die Person an. Nach der Show haben wir schon Party. Aber ohne Drogen oder so. Wir trinken ein paar Bier, das reicht. Wir wollen ja schließlich am Leben bleiben.

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