MARDUK
Interregnum im Gespräch mit Legion (voc)
gesendet am 11. September 2001

Legion

Handelt es sich bei "La Grande Danse Macabre" um die Ankündigung einer Abkehr von dem Hyperspeed-Black Metal, und ist auf dem nächsten Marduk-Album mit einem noch höheren Anteil von eher Marduk-untypischem Material zu rechnen?
Nein, nicht wirklich. Ich denke, daß „La Grande Danse Macabre“ immer noch typisch Marduk ist. Es ist eine Mischung aus dem, was wir in unserer langen Karriere gemacht haben. Es ist eine natürliche Weiterentwicklung, um von dem schnellen Geknüppel der letzten Platte wegzukommen. „Panzerdivision Marduk Teil II“  einzuspielen, wäre ziemlich dumm gewesen. Wir hätten uns nur wiederholt. Es ist dasselbe wie mit SLAYER, die haben nach „ Reign In Blood“ eben „ South Of Heaven“  gemacht. Wenn du verstehst, was ich meine. Diesmal ist das Konzept ein völlig anderes, als „ Panzerdivision“. Die Texte sind jetzt durchdachter, denn wir wollten eine völlig andere Atmosphäre kreieren. Das war unser Grundgedanke, erwarte das nächste mal wieder etwas völlig anderes, dennoch: Es wird immer Marduk sein. Aber so ist es mit jedem unserer Alben. Sie klingen alle unterschiedlich. Aber das ist auch gut so, denke ich, denn wenn du dich wiederholst, hast du deine Kreativität verloren.

Der Heavy Metal hat gute und schlechte Zeiten gesehen. Im Moment scheint die Aufbruchstimmung, die Mitte der 90er herrschte, ähnlich wie in den Spät-80ern, im kommerziellen Supergau zu ersticken. Ist da noch Platz für ein Black Metal-Gebolze á la Marduk?

Oh ja sicher, wir haben einen festen Platz in der Szene eingenommen durch das Veröffentlichen von einer Platte nach der anderen. Und wir spielten eine Tour nach der anderen, um es den Leuten zu zeigen. Musik dreht sich immer im Kreis. Wir haben uns bewußt für diesen kompromißlosen Stil entschieden. Immer, wenn die Leute das Marduk–Logo auf den Platten sehen, wissen sie, was sie erwartet. Ich meine, wenn all diese gehypten Bands heute auch groß sind, wir werden immer noch Arsch treten, wenn sie alle wieder verschwunden sind. Nimm nur Slayer als Beispiel, das ist fast dasselbe. Die großen vier, die in den 80’ern starteten, das waren Metallica, Megadeth, Slayer und Anthrax. Und heute? Anthrax sind Hip Hop, Metallica sind ein Haufen Scheiße, Megadeth sind Pop und Slayer sind immer noch Slayer. Ich meine, Trends mögen kommen und gehen, aber so lange du dich einer Sache voll und ganz widmest und deine Sache gut machst, bleiben dir die Leute treu.

Welche Zukunft glaubt Ihr könnte der Black Metal im neuen Jahrtausend haben?

Im Grunde genommen ... keine Ahnung. Als wir „Panzerdivision Marduk“ veröffentlichten, sah ich immer mehr Kriegsmaschinen auf Covern. Vielleicht wird es sich mehr in diese Richtung bewegen. Jedenfalls finde ich diese ganzen Black Metal-Opern ziemlich albern, denn als es mit dem Black Metal begann, war es eine Art Rebellion gegen die Death Metal Bands, die immer softer wurden. Und jetzt, wo die Black Metal-Bands wie Pilze aus dem Boden schießen, werden auch viele von ihnen weicher. Ich kümmere mich nicht darum, was die Leute wollen, ob die Labels diese Art von Metal lieber haben. Ich bevorzuge Bands und Künstler, die es verdient haben, bevorzugt zu werden. Ich gebe nicht viel auf die Szene, denn was ist die Szene? Jeder macht jeden schlecht. Ich gebe keine zwei „flying fucks“ auf dieses „Der Typ ist cool und der Typ ist cool“. Letztendlich werden Marduk Marduk bleiben und das ist alles, worum ich mich schere.

Was ist in Euren Augen und Ohren tatsächlich Black Metal?

Wie soll ich sagen ... Brutale Musik mit satanischen Inhalten, das ist es. Darüber hinaus brauchst du nicht über dies oder das schreiben. Wenn du willst, kannst du Morbid Angel und Deicide auch als Black Metal bezeichnen. Jedenfalls das frühe Morbid Angel-Zeug. Meiner Meinung nach dunkle Lyrics und brutale Musik.

Diese Satans-Geschichte sorgte vor 5-8 Jahren für erhebliches Aufsehen, provozierte, schockte. Allmählich scheint das Thema zumindest für die Metal-Szene ausgereizt. Warum haltet Ihr immer noch daran fest?

Ja, weil uns das eben auszeichnet. Ich schreibe über Sachen, die mich wirklich interessieren. Und von denen ich etwas verstehe. Ansonsten ist es langweilig und man fabriziert nur Scheiße. Es muß diesen bestimmten Geist haben, oder wie auch immer du es bezeichnen möchtest, sonst wird es seichte Scheiße. Aber wenn eine Sache sich ausdehnt und viele Leute sich dem zuwenden, aus welchem Grund auch immer: Es ist so, daß eine Menge Typen mit dem Zeug kokettieren, aber wenn der Trend vorbei ist, werden nur die, die wirklich dahinter stehen, die einzigen sein, die immer noch dabei sind. Weil nur diese Typen ein Herz dafür haben. Wir haben jetzt dieses „Manowar–Bullshit–Revival“ mit riesigen Muskeln, Schwertern und Stahl und Kraft und Macht und bla bla bla ..... Ich meine diese Typen machen das jetzt, weil sie denken, daß sie damit irgendwo mit zugehören. Wer weiß, über was sie in 3 Jahren singen?

Spiegelt es tatsächlich Eure Gedankenwelt wieder, wenn Ihr über Satan singt, oder ist es Show und Effekthascherei?

Nein. Ich meine es gibt bessere Wege, um sich als Aufschneider interessant zu machen. Ich könnte auch auf einem Barhocker sitzen mit lockigem Haar, irgendwelchen Scheiß singen und einen Haufen Kohle kassieren. Oder ich könnte einen normalen Job machen. Ich schätze, da würde ich sowieso mehr Geld verdienen. Weißt du, wir machen nur das, was wir machen wollen. Es entsteht ganz natürlich. Schritt für Schritt. Ich war schon immer fasziniert vom Dunklen und Andersartigen und das prägte mein Leben in die Richtung, in der ich mich jetzt befinde. Manchmal wollen wir wirklich provozieren, mit Sachen wie „Slay The Nazarene“ oder „Jesus Christ Sodomized“, „Fist Fucking Gods Planet“. Damit wollen wir schon Turbulenzen verursachen und einigen Leuten ans Bein pissen. Ich setze mich hin und schreibe den ganzen Text in einer Stunde nieder. Manchmal brauche ich dafür auch mehrere Tage. Ich finde es nicht mehr interessant, nur über Dinge ohne Tiefgang zu schreiben, nur weil es cool ist. Ich mag es nicht, über Dinge zu schreiben, ohne daß sie meinem Standpunkt entsprechen. Es ist mehr als ein Erwachen oder ein neues Weltverständnis, es ist einfach so, daß ich es machen will.

Eure Cover sind recht martialisch. Welche Haltung habt Ihr dazu, politische Differenzen mit kriegerischen Mitteln zu lösen?

Ich gebe eigentlich keine „two fucks“ auf Politik. Es ist eh alles Heuchelei. Das was heute wahr ist, ist morgen völliger Unsinn oder verboten. Einfach weil ein paar andere Typen an der Macht sind. Es ist schon beschissen. Wir brachten einen englischen Panzer aufs Cover und gaben der Platte einen Titel, der deutsch und schwedisch zugleich ist, einfach weil es besser klingt als „Armour Bataillon bla bla bla ...“. Der Krieg, der in Europa vor 50–60 Jahren statt fand, war sehr faszinierend, denn es war ein globales Ereignis und es war das Extremste seit Jahrhunderten. So rücksichtslos. Und es gibt immer Leute, die herumheulen, daß das so fürchterlich war, daß man sich dafür heutzutage nicht mehr interessieren darf. Wiederum gibt es ein paar Spinner, so wie die dummen Wichser von Rage Against The Machine. Sie stehen auf der Bühne und singen über Kommunismus, welcher 150 Millionen Leuten das Leben kostete. Und daß das wirklich toll sei. Oder über Terrororganisationen, die schon zum Frühstück morden. Und jeder liebt diese Band. Oder über das rücksichtslose Establishment. Das ist ja alles sooo toll. Das hat sehr viel mit Doppelmoral zu tun. Meinungen können sich ändern in zehn Jahren. Jeder versucht, immer so korrekt wie möglich zu sein. Dann denken sie plötzlich, daß das falsch ist. Diese Menschen werden dumm geboren, und da sie so verblendet sind, werden sie auch dumm sterben. Weil sie sich nie mit der Materie selbst auseinandersetzen. Wir werden immer tun, was wir wollen. Und wir fürchten uns nicht, so etwas wie das „Panzerdivision“–Cover noch einmal zu machen. Wir werden auch weiterhin für Aufregung sorgen. Mit dem nächsten Album-Cover vielleicht. So lange die Kritiker nichts wirklich Entscheidendes darüber zu sagen haben, so lange werde ich es auch nicht für voll nehmen. Politik ist einfach nur Bullshit.

Wem gehört Eure Sympathie, wenn Ihr auf die Armeen im II. Weltkrieg schaut? Unabhängig von den jeweiligen politischen Zielen.

Es waren ziemlich viele. Ein Land gegen 130 und es stand aufrecht für sechs Jahre. In allem war die deutsche Armee überlegen. Speziell bei den Maschinen: Ein „Königstiger“ konnte von keinem anderen Kriegsfahrzeug auf einer freien Fläche ausgemacht werden, aber die Deutschen konnten einen sowjetischen 
T 44 auf einer Entfernung von drei Kilometern vernichten. Das sagt doch schon einiges. Deutschland hatte schon immer die überlegendsten Maschinisten. Seht euch doch nur mal eure verdammten Autos an. Das ist doch unglaublich. Es ist sicherlich übertrieben, einen Kult, eine Religion oder eine Bruderschaft aus einer Armee zu machen. Aber es ist interessant, sich damit zu beschäftigen. Es ist übertrieben, wenn einige Leute noch dieselben Standpunkte wie früher vertreten. Es sind heute andere Zeiten. So rücksichtslos es klingen mag, aber die coolsten Kriegsmaschinen hatte Deutschland. Das kannst du drehen und wenden wie du willst. Aber es ist so.

War Euch klar, daß ein Aufschrei durch die deutsche Medienlandschaft gehen würde, wenn eine schwedische Band einen ihrer Tonträger "Live in Germania" nennt?

Das war so beschissen. Aber die Franzosen heulten noch lauter. Wie fürchterlich es war. Nur weil wir diesen Habsburger Adler auf dem Cover hatten, der als deutsch–nationales Symbol galt, noch bevor Deutschland Deutschland war. Als es nämlich aus vielen kleinen Fürstentümern bestand. Er ist auch auf euren „Eine–Mark–Münzen“ zu sehen. Und trotzdem hatte jeder ein verdammtes Problem damit. Es war so dumm. Im Original schnitten wir 18 Shows auf Band mit, für das Album. Und als wir zu Hause waren, glänzten die Shows aus Essen, Bayreuth und ... ich kann mich nicht mehr erinnern. Aber es waren vier deutsche Shows, welche besonders herausstachen. Für das Budget und diese primitiven Umstände unter denen die Aufnahmen stattfanden, klang es verdammt excellent. Wir entschieden uns, die Sache durchzuziehen. In Deutschland lief es immer gut für uns. Warum sollte es nicht eine Lobpreisung an die deutschen Metalfans werden? Wir entschieden uns für den Titel „Live In Germania“, weil er besser klingt als „Live In Germany“. Eigentlich sollte das Album ja „The Black Years“ heißen. Doch dann veröffentlichten Sodom „Ten Black Years“, also brauchten wir was neues. Nun, alle Songs auf dem Album wurden in Deutschland aufgenommen, und so kam uns die Idee. Aber im Nachhinein haben sich die Wogen geglättet und die Leute verstehen es. Aber das erste Jahr danach war fürchterlich.

Ist Euch bekannt, daß man in Deutschland selbst Begriffe wie Germania oder Bilder von Panzern aus dem II. Weltkrieg mit einer rechtsradikalen Gesinnung in Verbindung bringt?

Ja, aber ich meine wieso? Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Rechten heute in Panzern durch die Gegend heizen. Es ist so doof. Fest steht schon mal, daß die Leute sich noch immer fürchten vor dem, was hier passierte vor 50–60 Jahren. Wie ich schon sagte; es ist eine Frage der politischen Korrektheit. Am Anfang, noch vor ein paar Jahren, standen die Majormagazine geschlossen in einer Reihe und musterten uns mißtrauisch. Jetzt, wo wir erfolgreich sind, tun sie es immer noch. Es ist dasselbe wie mit Slayer oder Motörhead. Sie alle hatten ihre Probleme. Aber sobald die Leute merken, daß es nur das Interesse an einer bestimmten Zeitperiode ist, kommen sie langsam damit klar. Vor allem, wenn sie uns kennenlernen und merken, was wir für Typen sind. 

Habt Ihr in Deutschland schon mit linken Gruppierungen Ärger gehabt?

Nein, nicht das ich wüßte. Wir mußten deswegen noch nie Shows absagen oder dergleichen. Nur in Italien machten mal ein paar Christen Ärger. Oder 1999 in Madrid. Da war so eine religiöse Demonstration. Das waren die einzigen Male, daß ein paar christliche Arschlöcher uns schaden wollten. Außer letztens, da kann ich dir eine lustige Geschichte erzählen. Vor einigen Wochen spielten wir in Kroatien. Einige Tage zuvor fand dieses große Treffen von ca. 3000 Mitgliedern der „Church of Satan“ statt. Das ist eigentlich nichts für mich. Ein Teil ihrer Ideologie ist o.k. Aber das ist das, was jeder denkt, der ein bißchen was im Kopf hat. Ich meine, wenn ich dich aufmische, wirst du mir danach den Arsch aufreißen. Denn so laufen die Dinge. Darin stimme ich mit ihnen überein. Einige denken das ist Bullshit. Aber ich denke, sie haben eine Menge Unterstützung, da sie eine der größten Organisationen sind, die gegen die christliche Kirche rebellieren. Aber sie sind nicht so schrecklich wie jeder glaubt. Denn hauptsächlich predigen sie Sachen wie Selbstachtung. Aber letztendlich waren 3000 Mitglieder da und Kroatien ist nicht sehr demokratisch. Aber es ist mittlerweile besser als 1999, denn damals hatten wir nur unter schwersten Bedingungen spielen können. Wir spielten in einem kleinen Keller und es war ziemlich wild mit riesigen Security-Typen mit Baseballschlägern, die das Publikum verdroschen, weil es zu uns auf die Bühne wollte. Es war der Wahnsinn. Sie haben zwei große Zeitungen dort. Und obwohl wir nur in einem normalen Club auftraten, waren wir in beiden. Zwar nicht als ganz große Schlagzeile aber jeweils ein Artikel auf den ersten Seiten. Nach dem Motto: „Die fürchterliche Band“, „Satan wird in unser Land kommen, was können wir tun?“ Alles wegen dieses Treffens. Und wir spielten am 9. April und dieser Tag war ausgerechnet der Tag, als das Regime vor 61 Jahren sich positiv Deutschland zuwandte. Unsere erste Vorband hieß Dornenreich. Und die Leute dort sagten: „Ah, Reich = Nazis“. So, die Polizei war da und der Veranstalter fragte, ob mit dem Gig alles laufen dürfe. Darauf die Polizei: „Ja, aber beim ersten Anzeichen von Ärger schießen wir alles über den Haufen.“ Und dann hatten wir diese Bombendrohung von so einer christlichen Gruppe oder so. Jedenfalls von irgendwelchen Radikalen. Es war ein totaler Zirkus. Und weswegen? Wegen nichts.

Wie politisch ist Marduk, wie politisch ist Black Metal, wie politisch ist Heavy Metal überhaupt?

Überhaupt nicht. Jeder kann so politisch sein wie er will. Aber das interessiert uns nicht sonderlich. Aus den Gründen, die ich vorher bereits nannte. Ich kümmere mich überhaupt nicht darum, wer zu Hause in Schweden die Macht hat oder das Land beherrscht, ob die Rechten oder die Rote Arbeiterunion. Es kümmert mich nicht, da ich nicht wirklich in ihrer Welt lebe. Sie sprechen eine Sprache, die ich nicht wirklich verstehe. Sie kümmern sich nur um ihre Vorstellungen, Typen in Anzügen und Krawatten. Ich gebe eine Scheiß darauf. Niemand in der Band geht wählen, schon seit Ewigkeiten. Es gibt natürlich ein paar verrufene Black Metal-Typen, die dies oder jenes rumschreien. Aber was immer sie wollen, sie können es kriegen. Ich kümmere mich nicht darum. In der Metal-Szene habe ich so viele Leute getroffen, die dies oder das dachten. Aber du konntest dich mit ihnen unterhalten, da sie Metaller waren. Wären es normale Typen, die sich auf der Straße träfen, und der eine dächte dies und der andere etwas völlig anderes, käme es wohl zu Spannungen. Aber in der Metal-Szene können wir offen reden. Es gibt natürlich immer Ausnahmen. Als wir in Lyon spielten im Sommer 1999, stand ich da, um einige Autogramme zu schreiben, als ein paar Skinheads auf mich zu kamen und mich ansprachen. Ich habe mich auch gut mit ihnen unterhalten, denn sie waren ja da, um uns zu sehen wie alle anderen auch. Es war ziemlich cool mit ihnen abzuhängen und ein bißchen Mist zu erzählen. Doch dann kamen wieder andere, die mich ermahnten, wie ich solchen Leuten Autogramme geben könne. So nach dem Motto „Warum sprichst du mit denen, die denken doch so und so“. Dann kamen wieder zwei andere: „Wir sahen dich vorhin mit den Glatzen da stehen und reden. Warum, warum?“ Ich meine, die Menschen haben immer Probleme mit anderen. Aber wer auch immer auf einem Marduk Konzert auftaucht, es kümmert mich nicht. Nach einigen Konzerten als das passierte, kamen immer noch Fragen von einigen Leuten bezüglich der Sache. Aber jeder ist willkommen. Denn ein Marduk Fan ist ein Marduk Fan. Und das ist alles, was für mich zählt. 

Auf "Jesus Fuck Me" habt Ihr Ausschnitte aus dem Film "Der Exorzist" verwandt. Habt Ihr den kürzlich im Kino zurückgekehrten "Directors Cut" dieses Films gesehen?

Nein, denn zu dem Zeitpunkt waren wir nicht zu Hause, wir gingen auf Tour. Aber wenn wir nach Hause kommen, werde ich ihn mir definitiv ansehen. Denn das ist einer meiner Lieblingsfilme, er ist sehr erschreckend. Und auch der zweite Teil „The Heretic“ ist sehr cool, nicht viele Leute mögen ihn, aber ich liebe diesen Film, er ist großartig, ebenso der dritte Teil. Es ist auf jeden Fall eine großartige Trilogie. 

Euer Privileg als Band ist es, von der Bühne herab gegen das Christentum zu wettern. Was kann der gemeine Fan tun, um diese Religion zu untergraben?

Für sich selbst entdecken, daß das Schwachsinn ist. Wer zum Henker möchte einen Gott verehren, der sich wie ein Hausherr aufführt, bei dem du eine Wohnung mietest, der nur das Geld nimmt und sich einen Scheiß um dich kümmert. Warum solltest du dort wohnen? Es ist eine abgefuckte Ideologie, er erschuf die Menschen nach seinem Abbild aber er kümmert sich nicht um sie, denn sie sind ja sein Eigentum. Jeder soll sich schuldig fühlen, weil er existiert. Wie kann man einen Gott respektieren, dem man egal ist? Ich kann hier sitzen und rufen „fick dich, fick dich, fick dich“. Wie geht das, wenn er so mächtig ist? Wie kann man einen Gott respektieren, der seine eigene Schöpfung nicht kontrollieren kann? Das verehren? Niemals. Letztendlich muß das jeder für sich selbst entscheiden. Ich befinde mich in der Position zu sagen, was ich will. Und die Leute hören mir zu. Ich werde auch weiterhin sagen, was ich will. Es ist jedem seine Sache. Aber ich kann Christen nicht ausstehen. Weil sie immer häßlich und dumm sind. Sie sind so glücklich darüber, nichts zu wissen. Es ist als wäre Schwäche und Bedeutungslosigkeit die Freude am Leben. Wenn du solche Leute triffst, wirst du mir sagen können, daß in ihren Augen nichts von Bedeutung zu sehen ist. Es ist, als wenn du eine Kanne aufmachst und sie ist leer. Es kotzt mich an. Aber dieser ganze Scheiß wie „Lasst uns den Krieg gegen die Christenheit starten“ - Ja, was willst du tun? Zwei Typen erschießen und den Rest deines Lebens im Knast verbringen? Was soll das? Das Lustige daran ist, daß alle Schuld auf die Bands geschoben wird. Zum Beispiel das Ding an der Columbian Highschool in den Staaten letztes Jahr. Zwei Typen hatten ein Problem und sie bereinigten es in einer extremen Art und Weise. Es war überall in den Medien und wen beschuldigen sie? Marilyn Manson. Aber was ist mit ihren verdammten Eltern? Unter welchen Umständen sind die Jungs aufgewachsen? Waren sie wahnsinnig? Waren sie gesund? Was ist damit? Und wer wird beschuldigt? Slayer oder wer auch immer. Musik tötet Menschen? Was zur Hölle ist mit Clinton, was hat er gehört als er entschied, Bosnien zu bombardieren? Es ist Scheiße, das gesamte Establishment.

Die Menschen brauchen Leitbilder. Das hat die Geschichte bewiesen. Wenn wir Satan mal außen vor lassen, woran könnte sich der moderne Mensch klammern, um nicht von allen guten Geistern verlassen zu sein?

Ich weiß nicht. Menschen sind kontrollierbar. Für gute und für schlechte Sachen. In der gesamten Evolutionsgeschichte zeigte sich das. Vor 500 Jahren war ein Priester der mächtigste Mann im ganzen Land. Denn du konntest die Führenden austricksen, indem du ihnen erzähltest, daß du sie in die Hölle schickst, wenn sie nicht das tut, was du willst. Eigentlich habe ich keine gute Antwort auf diese Frage. Über dieses Thema könnten wir stundenlang reden. Ich weiß nicht, wie man das kurz zusammenfassen könnte. Die Menschen fanden heraus, daß es einfacher ist, wenn viele dasselbe denken. Als Beispiel die evangelisch-lutherische Kirche. Weißt du wie es dazu kam, wie sie die Kirche Martin Luthers fanden? Kennst du Nummerologie? Du kannst z.B. die Zahlenwerte deines Namens addieren, zu einer speziellen Nummer, welche dir Informationen über dies und das gibt. Jedenfalls setzte er sich hin und nahm alle Namen der Päpste und Kardinäle, würfelte sie zusammen und jedes Mal kam das Ergebnis 666 heraus. Er war der Meinung, daß der Vatikan das böseste Ding in der Welt sei. Und daß die Katholiken zerstört werden müssen. Die Katholiken wollten die Herrscher sein. Hauptsächlich versuchen zwei christliche Ideologien sich gegenseitig auszulöschen. Ja wie auch immer. Es ist eine zu große Frage. Es ist, als wenn du dasitzt und über das Leben sinnierst. Ich überlasse es jedem selbst, das zu tun, was zur Hölle er will. Das einzige Ding, um das ich mich schere, ist es, das zu tun, wonach mir der Sinn steht. Wenn mir einige Typen dabei im Weg stehen – schön, aber deswegen höre ich nicht auf damit. Wir werden immer weiter machen und weiter machen. Und wenn wir’s versauen, dann werden wir uns die Sache mal aus anderen Perspektiven betrachten, zurückkommen und noch härter zurückschlagen. Ich werde noch bei Marduk spielen, wenn ich 40 bin, das ist die Ideologie, in der ich aufgehe. Ich werde immer härter und härter arbeiten, um meine Ziele zu erreichen. Und wenn es vorbei ist, wenn ich versagt habe, dann sorgt mich das nicht, denn dann habe ich es zu hart angegangen. Aber das ist der einzige Weg, es zu tun. Nach deinen Zielen streben, so hart, daß du sie erreichst oder du bist verloren, denn dann mußt du dich nicht mehr sorgen. Aber darüber soll jeder selbst entscheiden. 

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