„The Great Beast“ unterscheidet
sich eklatant von den Vorgängern „Satanic Verses“, „Drachenblut“ und
„Morgenröte“. Zog man einst Cradle Of Filth und Dimmu Borgir als Beispiel
heran, klingt „The Great Beast“ mehr nach Crematory, sprich eingängiger.
Warum diese Wandlung?
Also, ich hör das ja gar
nicht gern, weil, mit Crematory will ich überhaupt nicht verglichen
werden. Ich mein, die machen zwar gute Musik und so – machten, denn die
Band hat sich ja aufgelöst … Aber es hat mich
schon ein bißchen wie ein Schlag getroffen, mit Crematory verwechselt,
genannt oder verglichen zu werden. Das paßt mir überhaupt nicht,
weil MYSTIC CIRCLE viel mehr Metal sind, also viel härter von der
Gitarre her. Unsere Musik ist zwar keyboardlastig, klar, wie Crematory
auch, aber ich finde, das ist überhaupt nicht zu vergleichen. Bei
dem neuen Album ist es vielleicht Zufall, was mich sehr ärgert. Aber
daraufhin habe ich mir gedacht, daß das nächste Album wieder
härter – nicht härter – aber schneller werden sollte. Dieser
majestätische Keyboardballast, also der hintere Schwelg, ist sehr
wichtig für die Gitarre, die im Vordergrund steht. Ich spiele jetzt
allein Gitarre. Früher war Isternos noch dabei, und Isternos war halt
ein Gitarrist, der gut hineinpaßte. Aber Streitereien in einer Band
bleiben nunmal nicht aus. So hat sich Isternos verabschiedet damals. Genau
wie Aaarrrgon auch, der Drummer. Wir haben jetzt einen neuen Drummer aus
Berlin.
In wie weit beeinflussen Euch
die Entwicklungen auf dem Heavy Metal-Markt bzw. in der Metal-Szene beim
Komponieren eigener Stücke?
Ich hör zwar Dimmu Borgir
und Cradle Of Filth, wir wurden mit den Bands schon seit der „Morgenröte“
verglichen. Aber ich habe keinen Bock, irgendwie etwas zu kopieren. Es
kann sein, daß tief im Bewußtsein irgendwas verankert ist von
den Bands, die ich halt mag. Ich mag Dimmu Borgir und Cradle Of
Filth. Ich hör seit 1979 Heavy Metal und darum kommen jetzt auch diese
klassischen Metal-Gitarren mehr raus.
Jetzt hört man auf dem Album
das erste Mal richtig die Gitarre, weil wir im Commusication Studio in
Beindersheim bei Frankenthal aufgenommen haben. Ich hatte immer den Sound
verglichen und hab gedacht, die Gitarre steht immer so sehr im Hintergrund.
Das fand ich irgendwie schwach, weil ich als Gitarrist darauf stehe, die
Gitarre im Vordergrund zu haben, und das Keyboard soll nicht die Gitarre
wegsaugen. Das war früher immer der Fall. Und jetzt auf dem neuen
Album hört man auf jeden Fall eine klassische Sologitarre. Das war,
was ich Dir gesagt habe, wegen diesem Heavy Metal-Einfluß, weil ich
seit 1979 Motörhead, Saxon, Judas Priest oder Iron Maiden höre.
Das hat mich schon sehr geprägt, hat mich auch nicht mehr losgelassen
seit damals, und deswegen habe ich gedacht: Jetzt machen wir eine straighte
Black Metal-Platte mit Einflüssen von Black, Death, Gothic. Da ist
eigentlich alles drin, was das Metal-Herz begehrt.
Deutsche Bands haben seit Ende
der 80er das Problem, aktuellen Trends nachzulaufen. Auch MYSTIC CIRCLE
sind im Black Metal nicht unbedingt als Vorreiter bekannt. Woran, glaubst
Du, liegt das?
Leider sind
Bands, die aus Deutschland kommen, immer der Prophet im eigenen Land, und
der zählt so und so nichts. Das war damals schon bei Accept
so oder bei den Scorpions. Die Scorpions waren zwar mehr Hardrock als Heavy
Metal, aber Accept waren für mich die Band, die mich überhaupt
inspiriert hat, 'ne Flying V, 'ne Gibson Flying V in die Hand zu nehmen.
Accept waren damals schon verschrien und im Ausland total populär,
und diesen Weg probiere ich, wenn das noch möglich ist. Ich meine,
das sind jetzt ganz andere Zeiten. Aber trotzdem, dieses geile Niveau,
das Accept damals hatten, halt nachzuvollziehen. Früher zum Beispiel
kam Heavy Metal aus England, New Wave Of British Heavy Metal. Das gab‘s
ja in Deutschland überhaupt nicht und ich hab das damals mit 14 Jahren
1979 mitgekriegt. Ich war total begeistert von der Metal-Szene, wollte
immer nach England ziehen damals und 'ne Band gründen.
Aber wie gesagt, ich war zu jung,
war 14 Jahre alt, war in der Lehre und habe Elektroinstallateur gelernt,
nebenbei gesagt. Ja, mit 14 war ich noch zwei Jahre in der Schule. 1982
kam ich aus der Schule, da war ich 16, mit 14 wäre ich ein bißchen
zu jung gewesen. Also, mit 16 habe ich die Lehre als Elektroinstallateur
begonnen. Und wie gesagt, das Heavy Metal-Ding hat mich dermaßen
beeinflußt. Ich hatte eigentlich gar keinen Bock, irgendeine Lehre
zu machen. Aber wegen meiner Eltern mußte ich halt. Ich mußte
mich den Sozialkritiken beugen, den Belastungen, die man so hat. Ich wollte
halt auf jeden Fall immer Heavy Metal-Gitarrist werden und das bin ich
jetzt auch mit Leib und Seele, seit 20 Jahren schon. Ich
hab jetzt 18 Jahre gebraucht, um bei MYSTIC CIRCLE spielen zu können
und bin stolz darauf, auf Tour zu gehen. Das war immer mein Traum.
Ich bin zwar kein Rockstar, das hört sich so und so beschissen an,
aber auf jeden Fall bin ich froh, daß es wenigstens läuft jetzt.
Und ich gebe alles, um die Leute, die Metal-Fans, um die Metal-Gemeinde
weltweit oder europaweit mehr zusammenzuschließen. Es gibt viel Musik,
wie Techno oder Rave, das mag ich aber alles überhaupt nicht, weil
das überhaupt nicht mein Ding ist. Ich bin in dieser Beziehung ziemlich
spießig, weil 20 Jahre Metal, die kann man nicht einfach so abstreifen
und das ist schon sehr wichtig für mich und eine Lebensphilosophie,
und ich werde dieser Leidenschaft bis zu meinem Tod halt nachgehen.
Die meisten Black-Metal-Bands
fahren so ein unveränderliches textliches Konzept. Ihr hingegen seit
von Platte zu Platte so ein bißchen hin und her gesprungen. Einst
Satanismus, jetzt die deutsche Sagenwelt, Nibelungen usw. Warum dieser
Wechsel?
Ich finde es sehr wichtig, daß
man in der Musik auf jeden Fall vielfältig ist, und daß man
nicht auf einer Schiene herumreitet, weil das ziemlich einfallslos ist.
Man
muß als Band experimentieren, ob das den Leuten gefällt oder
nicht. Wenn Du eine Platte machst und die nächste klingt genau
so, dann finde ich das zwar true, aber es ist auf jeden Fall nach drei
Platten ein ziemlich langweiliges Gähnen. Viele Bands, die das machen,
die sind inzwischen auch weg vom Fenster. Das habe ich beobachtet.
Das wollten wir auf keinen Fall.
Ich lebe für Metal und will vom Metal leben. Wir verdienen eh nicht
viel Geld und wir können noch nicht davon leben, so muß ich
nebenbei arbeiten gehen. Ist ja egal, andere müssen auch arbeiten
gehen. Hauptsache auf Tour gehen und darauf arbeite ich das ganze Jahr
hin.
In Eurer Band gibt es mittlerweile
zwei Glatzen. In der Szene geht das Gerücht um, daß allein schon
wegen dieser Frisur eine gewisse politische Gesinnung festgemacht werden
kann. Was sagt Ihr dazu?
Ich finde es totalen Humbug, totalen
Quatsch, solche Scheiße zu erzählen. Wenn einem halt keine Haare
wachsen bis zum Arsch, muß man halt schon mal ‘ne Glatze haben.
Ich steh zwar auf Metal-Fans
oder Metal-Musiker, die lange Haare bis zum Arsch haben. Leather Wolf zum
Beispiel. Das hat mir zwar musikalisch überhaupt nicht gefallen, aber
vom Outfit her fand ich das genial. Die haben die Haare bis zum Arsch gehabt.
Ich steh halt zum Beispiel auf Morbid Angel, wenn die anfangen zu bangen,
das sieht dermaßen grandios aus… Aber wie gesagt, das sind, sagen
wir mal, Genprobleme bei uns in der Band und das hat mit Rechtsradikalismus
überhaupt nichts zu tun. Das ist Quatsch. Wir haben jetzt zwei lange
Haare bei uns in der Band, mit Markus, unserem neuen Drummer. Der kriegt
noch ein Pseudonym, auf jeden Fall. Wir haben zwei Langhaarige und zwei
Glatzköpfe. Glatzköpfe sind ja so angesagt heutzutage, da kann
man eigentlich nicht bös drüber sein. Das muß schon akzeptiert
werden.
Wir sind eine absolut unpolitische
Band. Wir wurden schon oft verschrien als Nazischweine oder so, aber das
ist völliger Quatsch, völliger Humbug.
Wir machen
unsere Musik, das ist die Religion und die Politik kann uns am Arsch lecken.
Es ist ja nichts Neues, daß
die Bands im Underground nicht unbedingt die dicksten Kumpels sind und
auch MYSTIC CIRCLE nicht gerade frei von Angriffen sind, von welchen Seiten
auch immer. Wie geht ihr damit um?
Ich versuche mit den Leuten zu
reden. Wenn wir auf der Bühne stehen, waren sie total feige, wir werden
total angegriffen. Wie in Österreich, da hat man mich mit irgend welchen
Plüschtieren beschmissen. Ich meine, das ist noch okay. Graf von Brezelbub-Plakate
nach oben halten, das kann ich auch, wenn 'ne Band auf der Bühne steht.
Aber wenn man dann irgendwie durch die Reihen läuft, dann laufen sie
alle weg oder zieh’n den Schwanz ein. Ich bin zwar
nicht gewaltbereit, aber wenn mich einer angreift, kann er seine Tracht
Prügel beziehen, das ist kein Thema. Ich bin zwar gegen Gewalt,
aber irgendwo hört der Spaß auf. Weil, Metal muß zusammenhalten.
Ich kann mir vorstellen, Haß
auf Techno zu haben, so wie ich, aber nicht gegen Metal, weil - Metal ist
Metal.
Aber wenn ich ‘ne Stromgitarre
habe und ‘ne verzerrte Gitarre ist das Metal für mich, egal, wie schlecht
`ne Band ist, ich akzeptiere die Band.
Wenn ich ‘ne Band nicht sehen
will, gucke ich mir die nicht an. Aber wenn die Idioten natürlich
uns sehen und extra Eintritt bezahlen, dann sollen sie halt bezahlen, da
sind sie selbst dran Schuld. Auf jeden Fall, mit mir hat sich noch keiner
angelegt und das war auch deren Glück.
Ist das Internet Deiner Meinung
nach etwas Positives für die Metal-Szene oder eher nicht?
„Lucifers Angel“ von der „Great
Beast“ kann man jetzt runterladen und ich finde es ganz okay, daß
man einen Song runterladen kann. Aber die CD soll man schon kaufen, weil
das ist schwerwiegend für die Bands. Man will ja auf Tour gehen und
die Kohle muß ja irgendwie stimmen. Ich meine,
die Plattenfirmen haben so und so das Gesetz in der Hand und wir Musiker
gehen meistens leer aus, wenn man nicht gerade 100 000 Platten verkauft.
Ich
laß mich durch diese Querelen aber nicht klein kriegen. Ich kämpfe
halt um den Metal und werde für den Metal leben und die Fahne des
Metals immer hoch halten.
Was hältst Du denn von den
Plänen des einigen Europas?
Wenn man jetzt auf Tour ist, muss
ich mich ziemlich ärgern. Ich habe dann DM in der Tasche, kann aber
leider nicht bezahlen in Holland. In Holland geht es noch, aber gerade
in England und in Schottland ist es schwierig. Es hat Vor- und Nachteile
mit der Währung, halt jetzt mit dem Euro. Ich habe keinen Bock, die
ganze Kohle zu verlieren, die ich gespart habe an irgend welche politische
Vereinbarungen, die irgendwie schief oder gut gehen. Es gibt Vor- und Nachteile.
Ich wäre auch für und gegen den Euro, half and half – 50 Prozent.
Muss halt mal gucken, wie es läuft. Wenn es
klappt, ist es okay, dann kann ich halt überall, wenn ich auf Tour
bin, bezahlen mit einer Währung.
Welche Rolle spielt Deutschland
für Dich im Kontext dieses Europas?
Deutschland war schon ein starkes
Land und ich hoffe, daß auch Deutschland weiterhin industriell, von
der Infrastruktur her, so bleibt wie es ist. Aber wie gesagt, es gibt so
viele Länder, so wie Frankreich oder Schottland, gibt sehr viele treue
Fans von MYSTIC CIRCLE. Die deutschen Fans, Metal-Fans,
die müßten das mal checken, die müßten mal alle auf
Tour gehen, so wie ich, damit sie mal sehen, was für ein Zusammenhalt
im Ausland herrscht für eine deutsche Metal-Band. Das ist sehr
pompös, muß ich sagen. Das hat mich platt gemacht. Wir haben
in Lyon gespielt oder Madrid. Wir waren 800 Leute und die haben mich dermaßen
abgefeiert, das war voll traumhaft. Die waren wirklich treu, wir haben
einen gesoffen, das war genial. Wie gesagt, ich hoffe, daß die Metal-Gemeinde
wieder größer wird, denn in den 80er Jahren war es schon traumhaft
groß. Jeder hat Metal gehört, das war genial und das soll auch
wieder so werden. Dafür werde ich kämpfen auf jeden Fall – mit
meiner Gitarre auf der Bühne halt.
Kommen wir zur Religion. Über
das Christentum an sich brauchen wir nicht groß zu debattieren. Gibt
es Deiner Meinung nach eine Religion, die den Menschen nur annähernd
Halt und Hoffnung geben kann?
Das ist so, für mich ist
Heavy Metal meine Religion. Ich glaube, Heavy Metal wäre die beste
Religion für alle Menschen auf dieser Welt. Weil, das heißt
halt Freiheit und überhaupt so viel saufen, wie es geht, aber trotzdem
cool auf die Bühne gehen mit klarem Kopf. Religionen haben viele Kriege
verursacht, das finde ich halt schon Scheiße. Aber wie gesagt, Metal
ist die Religion überhaupt, für die ganze Welt. Ich hoffe,
daß es auch so eintrifft irgendwann. Das ist mein Traum – vielleicht
naiv gesagt – aber mir egal. Ich steh dazu.
Gibt es denn irgendeine Geschichtsepoche,
die Ihr besonders bevorzugt bzw. in der Ihr am liebsten leben würdet?
Ich wollt als Kind immer irgendwie
Astronaut werden, find es zwar auch schwachsinnig, ist aber egal. Bin immer
von den Gestirnen geleitet worden, Saturn und Jupiter und so. Ich fand
das voll genial damals mit 14. Vielleicht auch im Mittelalter als Ritter
oder so, das war schon ’ne stolze Zeit – aber sehr unrein und die Hygiene
… Es gab sehr viele Seuchen.
Aber das ist irgendwie das Mysterium
– Mittelalter, das hält mich heute noch fest. Wenn man die ganzen
Filme sieht wie „Braveheart“ oder „Highlander“, schon genial. Aber mit
Schwert – heute habe ich die Axt als Stromgitarre in der Hand – früher
hätte ich es halt als Metall in der Hand gehabt. Das
Mittelalter würde ich gern mal für ein Jahr, wenn ich es überleben
würde, auf jeden Fall erleben wollen. Mit einer Zeitmaschine
oder so, wäre nicht schlecht.
Welche Persönlichkeiten in
der Geschichte würdest du gerne mal treffen bzw. gibt es Persönlichkeiten
in der Geschichte, die du speziell verehrst?
Ja, ich muß sagen, bei den
Schotten halt William Wallace. Ich hab gerade den Film gesehen „Braveheart“.
Klingt halt sehr klischeemäßig. Der Film ist zwar nicht der
Realität entsprungen, aber so Leute, die sehr
stolz oder heldenhaft waren, hätte ich gern kennen gelernt.
Ja, so Märtyrer; Julius Cäsar hätte ich auch gern kennen
gelernt, so ist es nicht. Oder Gladiatoren oder je nachdem, was halt geht
– ja, warum nicht, wäre nicht schlecht.
Noch mal zurück zur Band.
Was steckt hinter MYSTIC CIRCLE, wenn die einzelnen Musiker gerade mal
nicht spielen? Was macht ihr eigentlich neben der Band?
Ich hab am Anfang gesagt, daß
wir von der Musik nicht leben können, was sehr Scheiße ist.
Ich probiere es auf jeden Fall krampfhaft, mit aller Gewalt zu erreichen,
daß wir halt irgendwie ein bißchen hoch kommen, mehr hoch kommen,
daß wir halt davon leben können. Wenn nicht, gehen wir halt
arbeiten. Ich hab so Fahrradjobs, Medikamente ausfahren oder irgendwelche
Sachen machen. Ich fahr halt gern Auto und da bietet es sich an, so’n Job
zu machen. Die anderen sind arbeitslos – klingt zwar asozial – aber ist
halt die Wahrheit. Ich spreche immer die Wahrheit. Nicht hinten herum,
sondern den Leuten in die Augen gucken und immer die Wahrheit sprechen.
Dazu stehe ich, ohne irgendwie den Schwanz einzuziehen. Ja, wie gesagt,
wir müssen schon hart arbeiten gehen, teilweise, für die Tour
arbeiten gehen quasi, daß man die ganze Kohle hat, auch ’ne Tour
zu finanzieren. Das kommt zwar von der Plattenfirma, aber es ist ein harter
Kampf, ist sehr hart. Die Leute, die meinen, wir
wären Rockstars, sind falsch gewickelt. Sollen erst mal ’ne
gute Band auf die Beine stellen. Ich habe 18 Jahre gebraucht, ’ne geile
Band am Start zu haben. Ich hab schon so viele gute Musiker gehabt früher.
Wir haben nur nie ’nen Plattenvertrag gekriegt, das war das Problem. Oder
irgendwelche Querelen oder Intrigen in der Band. Leider ist das bei der
Menschheit verankert – Intrigen. Ich hasse das wie die Pest. Deswegen bin
ich ein Mensch, der halt den Leuten ins Gesicht sagt, was ich von denen
halt oder nicht.
Jobben wir halt mal weiter und
gucken wir, wie es geht, um den Traum Heavy Metal am Leben zu halten.
Was ist, wenn das ganze mal vorbei
ist, die Band sich auflösen sollte oder ihr keinen Erfolg? Was wäre
eine Alternative zu der Band?
Wenn die Band MYSTIC CIRCLE irgendwann
mal stirbt, dann werde ich nicht aufhören Musik zu machen und werde
in meinem Keller sitzen und Gitarre spielen –ich probiere weiterhin Musik
zu machen. Dann mit anderen Bands oder so, ich bin da ziemlich flexibel.
Aber für mich gibt es nur
eine Band. Entweder eine Band oder gar keine. Also Sideprojects gibt’s
bei mir überhaupt nicht. Für mich gibt’s nur MYSTIC CIRCLE zur
Zeit. Falls es platzt, dann ist das Schicksal, dann
such ich mir halt ’ne andre Band. Und wenn ich dann mal zu alt bin,
auf die Bühne zu gehen – ich meine Lemmy ist auch nicht zu alt - und
wenn man dahinter steht, mit jeder Faser seiner Körpers, spielt
man auch in ’ner anderen Band und hat auch Erfolg über kurz
oder lang, je nachdem.
Ihr habt Eure Pseudonyme ein bißchen
entschärft und auch das Facepainting ad acta gelegt. Du hast Dein
Pseudonym behalten. Kannst du noch mal erklären, was dahinter steht.
Also, bei Ezpharess – ich kam
damals 1998 in die Band rein und Argon damals, unser Exdrummer, der hatte
halt gemeint, ich soll mir ein Pseudonym aussuchen oder er sucht eins für
mich. Da ich aber ein Typ bin, der auf eigene Faust sein Ding macht, hab
ich das selbst in die Hand gennommen. Ich hab so’n Banner gesehen beim
Kumpel von mir, der heißt Keule, der auch aus meiner Ära kommt.
Wir kennen uns schon 15 Jahre. Wir waren damals bei unserem Master King
Diamond auf’m Konzert und er hat mir damals ’ne Flagge gezeigt. Er hat’n
total schwarzes Zimmer gehabt mit lauter Satanssymbolen. Und überhaupt,
das war die Schwarze Messe schlechthin damals. Und er hat mir das Altartuch
gezeigt mit den ganzen Symbolen drauf und da hab ich mir das durchgelesen,
und auch diese Buch dazu „Necronomicon“, und ich hab mir den Namen Ezpharess
rausgesucht. Der wird halt nur mit einem „s“ geschrieben, aber ich hab
ihn mit zwei „s“ geschrieben. Das hat nichts mit der SS zu tun. Ich
war früher mal Kiss-Fan und wie gesagt, da hab ich mir halt diesen
Namen Ezpharess rausgesucht, weil der sehr bizarr, sehr dämonisch
klingt und das ist der 13. Klop von „Necronomicon“. Nicht zu verwechseln
mit Zyklopen oder so. Insider wissen das, die sich auskennen mit der schwarzen
Magie, was das ist und überhaupt.
Du sagst, du warst Kiss-Fan. Bist
du nicht mehr Kiss-Fan?
Damals war ich 14 Jahre alt, das
war die pubertäre Zeit. Da konnte man mich noch mit Rock’n’Roll überzeugen.
Wie gesagt, ich bin damals gerade in den Heavy Metal eingestiegen mit Kiss
und irgendwie nach einem Jahr fand ich das ganz schön so. Aber irgendwie
wollt ich dann härteren Metal hören. Ich hab Judas Priest gesehen
mit „Unleashed in the East“ im Reisebüro. Die haben damals geworben
für ’ne Reise für die erste Headliner-Tour für Judas Priest.
Und ich hab den Rob Halford mit seiner Siegespose auf diesem „Unleashed
in the East“-Album und das hat mich dermaßen weggeblasen, daß
ich gedacht habe – genial.
Leute in
Leder und Nieten - das war für mich härter als Kiss, das
war nicht mehr so kostümiert und so. Das war dieser Harley Davidson-,
dieser Rock’n’Roll-Epoche entsprungen und das fand ich dermaßen genial,
daß ich mir die Platte gleich gekauft habe am selben Tag. Und ich
hab die Platte gehört und seitdem bin ich infiziert mit Heavy Metal
pur. Und dann gab’s halt noch Bands wie Iron Maiden, die mich auch dermaßen
überzeugt hatten, Saxon, Quo Vadis oder die Band aus England, Tank.
Es gibt so viele Bands, fällt mir gar nicht alles ein auf die Schnelle.
Aber wie gesagt, das hat mich
infiziert mit dem Bazillus Heavy Metal – das ist ein echt geiler Bazillus
und ich steh heut noch dazu – 20 Jahre später. Deswegen kann ich es
nicht verstehen, daß die Leute so intolerant sind und ich muß
über die Szene, die Heavy Metal-Szene, lachen – wenn sich Leute dermaßen
untereinander anpissen, was sehr unrecht ist. Und wenn mich die Leute alle
kennen würden, dann würden sie vielleicht anders reden.
Du bist also Judas Priest-Fan
und durch diese Leder- und Nietenoutfit zum harten Metaller mutiert. Rob
Halford ist dann aber ausgestiegen bei Priest und hat Sprüche gucken
lassen wie „Metal ist tot“. Dann kam sein Coming Out und er trat als Tunte
mit Federboa und Schminke auf. Jetzt macht er wieder einen auf harten Rocker.
Nimmst Du ihm das ab?
Ich nehm es ihm schon ab, weil
er 20 Jahre lang Metal gemacht hat. Ich hab’s damals gehaßt, das,
was er probiert hat. Das ist wie bei MYSTIC CIRCLE, er hat irgendwie mal
andere Musikstile ausprobiert. Ich mein, so kraß, wie er es gemacht
hat, würde ich es nicht bringen, weil, das ist ein bißchen Hochverrat
an der Metal-Szene. Aber jetzt, er bringt ’ne super
Show und ist total ehrlich, wie gesagt, er steht zum Metal.
Ich weiß nicht, welche
Droge oder was ihn damals geritten hat oder welche Frau ihn da halt beeinflußt
hat - nein, er ist ja schwul – welcher Typ ihn beeinflußt hat.
Ich denk mal, mit dem ganzen Kram, was er da an hatte, hat er in LA zu
viel Gays kennengelernt. Ich weiß auch nicht und ich hab das auch
später erst erfahren. Ich mein, es wär jetzt dumm zu sagen, hey,
ich mag Priest nicht, weil er ein Gay ist. Ich mein, ich mag auch keine
Gays, soll jeder machen, was er will und Metal ist Metal – Halford hat
mich dermaßen beeinflußt. Ich mein, das würde mein Leben,
den Metal zerstören, wenn ich jetzt sagen würde, der ist ein
Gay und ich will alles vergessen, was mal war.
Er hat das rüber gebracht,
er steht heute noch dazu und er ist auf jeden Fall
unanfechtbar der Gott auf der Bühne. Auf jeden Fall vom Gesang
her und von der Performance.
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