Radek,
neben der Band NAPALMED gibt es das Label und auch den Vertrieb gleichen
Namens. Erzähl unseren Hörern etwas darüber und über
Deine Veröffentlichungen.
Nun, wir
sind Napal-Med, ein kleines Plattenlabel, da wir inoffiziell sind. Es ist
sehr schwer diese Aktivitäten auf offiziellem Wege durchzuführen.
Unsere Veröffentlichungen sind seit meinem Beginn eine Compilation
CD, die "Unnormal Silencer" heißt.
Bis zum
heutigen Tage veröffentlichte ich fünf Ausgaben dieser Compilation,
die nur Industrial Noise und experimentelle Klänge beinhaltet. Keine
Musik, keinen Metal, keinen Grindcore.
Wieviele
hast Du insgesamt veröffentlicht?
Vor drei
Monaten kam die fünfte Ausgabe der Compilation. Neben dem Label veröffentliche
ich einige Split 7 Inches Platten. Aber alle davon sind nicht über
Napal-Med erschienen.
Sie kamen
über verschiedene Label heraus.
Wir kennen
jetzt die Band NAPALMED, wir kennen das Schaffen von Corrupting Harmony,
wir spielten sie in unserer Sendung. Gibt es da noch mehr Bands bei Deinem
Label?
Wir veröffentlichten
Corrupting Harmony nicht, es wurde nur durch uns vertrieben. Der Vertrieb
ist noch eine andere Aktivität, der ich nachgehe und wir haben diese
Tapes nur vertrieben.
Wie hoch
ist die Auflage einer CD auf Deinem Label pro Veröffentlichung?
Von jeder
Compilations-CD veröffentlichten wir fünfhundert Kopien. Das
ist genug, denke ich. In erster Linie wegen des Geldes, das ich in die
Veröffentlichung stecken kann, um sie zu verkaufen und um in die ganze
Welt zu verschicken. Ich denke es ist genug,
fünfhundert Kopien davon zu machen.
Du sprachest
davon, daß Dein Label inoffiziell sei. Was bedeutet das? Wo ist der
Unterschied zwischen offiziell und inoffiziell?
Inoffiziell
bedeutet für mich, daß ich alles selbst mache. Die zweite Sache
ist, daß ich nicht so viel Geld in die Sache stecke, daß ich
Gewinn einfahren könnte. Ich bekomme zwar etwas hinein, aber die Veröffentlichungen
sind mehr ein Statement. Das ist der Underground-Weg.
Alles selbst zu machen.
Wie kamst
Du auf die Idee, das Label zu starten? Dieser inoffizielle Weg ist sicher
mit viel Aufwand und Problemen verbunden. Wie konntest Du es letztendlich
realisieren?
Als erstes
gründete ich eine Band, eben NAPALMED. Dann mußten wir unsere
Aufnahmen vertreiben. So wuchs dieses inoffizielle Label nach und nach.
Ich
habe alles selbst gemacht. Ich denke es ist
keine verrückte Idee, etwas zu veröffentlichen, denn es geht
Seite an Seite mit der Band. So brachte ich in Eigenregie einige Tapes
in geringer Auflage heraus. Etwa 20 bis 40 pro Release. Als immer mehr
Leute merkten, daß es NAPALMED gibt, brauchte ich mehr Kopien.
So begann
ich mit 100 Stück 7 Inch Platten und dachte, es sei besser auch andere
Bands in aller Welt, mit denen ich in Kontakt stand, zu fragen, ob sie
nicht an einer Compilation interessiert seien. Das ist für micht der
einfachste Weg.
Wie viel
Deiner Zeit widmest Du dem Label, Zeit die Du ja auch vor dem Fernseher,
mit Bier trinken und vögeln verbringen könntest. Wieviele Stunden
am Tag arbeitest Du für das Label?
Hauptsächlich
arbeite ich in einem normalen Beruf und den Rest des Tages verbringe ich
mit dem Vertrieb und der Kommunikation mit Brieffreunden oder anderen Vertrieben.
Der Rest des Tages geht dafür drauf. Also fünf bis sechs Stunden
pro Tag.
Und dann
bleiben Dir noch drei Stunden pro Nacht zum schlafen, oder?
Ich versuche,
so viel wie möglich zu schlafen.
Ist es so,
daß Du immer nur eigene Energie aufwendest, oder bekommst Du genug
Resonanz von den Leuten, deren Zuspruch Dich vorantreibt?
Die Energie
kommt von den Leuten zurück, die bei mir CDs oder die Compilation
bestellen. Oder wenn jemand eine gute Review über meine Arbeit schreibt
oder über unsere Veröffentlichungen und unseren Krach. Das ist
die Energie, die ich zurückbekomme.
Woher rührt
Deine Faszination dafür, unmusikalischen Krach zu hören, und
vieviele Minuten oder Stunden kannst Du Dir das Zeug anhören, bevor
Du wahnsinnig wirst?
Ich begann
damit, Hardrock und Metal zu hören, und ich versuchte immer mehr Energie
und Kraft in der Musik zu finden. Das hatte das harte Zeug zweifelsohne
- aber nicht genug für mich. So sah ich mich nach anderen Stilistiken
um und stieß auf die Einstürzenden Neubauten, eine Industrial-Legende
aus Deutschland. Dann stieß ich auf die japanische Szene voll Noise
und Power Elektronik und so begann ich, diese Art von Stilen zu hören.
Diese
Stile geben mir mehr Abstraktheit und Freiheit beim Hören.
Es sind nicht die musikalischen Bereiche, die allen Leuten bekannt sind.
Wo ist der
Unterschied zwischen schlechten und guten Noisebands?
Ich weiß
nicht. Es kommt darauf an, ob ich sie mag
oder nicht. Nicht mehr.
Welches
ist Dein Lieblingsgeräusch? Eher das eines kaputten Kühlschranks
oder das, was man beim Zerstören eines Autos hört, vielleicht
die Klänge beim schlachten eines Schweins?
Alles was
Krach oder Lärm für den normalen Hörer ist.
In meiner
Band versuche ich die Geräusche, die Du nanntest, selbst zu machen
mit einem Haufen Metall und zerstörter Elektronik. Vielleicht auch
mit Instrumenten, aber ich spiele sie nicht im herkömmlichen Sinne.
Zum
Beispiel zerstöre ich Gitarren und versuche so, neue Klänge aus
ihnen zu entlocken.
In Deutschland
gibt es eine Band mit dem Namen Tschetnick Section Mainz, schon mal was
von ihnen gehört?
Noch nie
gehört.
Und Cripple
Christ?
Nein.
Die Typen
sind vollkommen wahnsinnig. Bei Cripple Christ beginnt auch bei Konzerten
jeder Song mit einem Radio auf Sendersuche für etwa zwei Minuten,
und der Bassist und der Gitarrist machen dann hirnrissige Geräusche
mit ihren Instrumenten, und dazu geben sie irgendwelche kranken Vocal-Verrenkungen
von sich. Dabei kommen sie komplett ohne Harmonien aus. Nur der pure Noise.
Und nach zehn Minuten hast Du die barbarischsten Kopfschmerzen Deines Lebens.
Allerdings
spielen sie mindestens fünfzig Minuten. Wäre das was für
Dich?
Das ist
was für mich. Aber nur ein Teil davon. Denn es ist noch immer Musik.
Denn sie spielen noch Instrumente, sie versuchen
nur, Noise zu machen. Aber da sie Musiker
sind - und das sind die meisten von ihnen in den Noisecore-Gruppen - enthält
das Ganze immer noch Teile von typischer Musik. Es gibt immer noch Harmonien.
Vielleicht sind sie chaotisch, aber sie machen immer noch Musik. Mein Weg
des Noise ist total abstrakt. Also nicht nur das Radio anmachen und die
Sender rauf und runter suchen, sondern verschiedene Sounds zu finden. Vielleicht
auch auf Gitarren, aber die Gitarre muß dabei mindestens zerstört
werden. Denn meines Erachtens nach kannst Du auf einer Gitarre keinen Noise
spielen oder Sounds finden.
Wie reagieren
die normalen Leute auf Dich, wenn sie erfahren, daß Du diesen Krach
hörst, machst und sogar vertreibst? Läufst Du Gefahr ins Gefängniss
gesperrt zu werden oder gar ins Irrenhaus?
Bis jetzt
noch nicht.
Sie akzeptieren
es?
Ich denke
sie kaufen einige Platten von mir und lernen den Industrial Noise mehr
und mehr kennen. Sie hören es sich an und finden vielleicht heraus,
was ich fühle, wenn ich mir soetwas anhöre.
Ich meine
nicht den normalen Metalfan, sondern die Menschen auf der Straße.
Den Arbeiter, die alten Leute, die Mütter ... Otto Normalverbraucher
halt.
Wie reagieren
sie, wenn Du mit Deinem Auto die Straßen lang fährst und Du
Dir bei geöffnetem Fenster und aufgerissener Lautstärke die volle
Noisecore-Breitseite gibst? Drehen sie sich um und sagen:"Der Typ ist doch
wahnsinnig!"?
Die meisten
Musiker und Menschen, nach denen Du fragtest,
glauben,
daß ich verrückt bin. Das ist kein
Problem für mich. Ich mag den Sound und ich mag die Musik, wenn ich
sie so nennen kann. Ich mag den Noise. Es ist alles für mich. Ich
mag die abstrakte Kunst, Bilder und Kollagen, und es ist für mich
kein Problem, daß auch in der Musik zu genießen.
Wenn Du
Dir die Grindcore-Szene ansiehst, gibt es dort zwei Lager. Zum einen das
Splatterlager mit abgeschlagenen Köpfen und rausgerissenen Eingeweiden
und zum anderen das Pornolager, das sich mit Sex mit Tieren oder Sex mit
Möbelstücken beschäftigt. Oder mit Kindern, Vögeln,
Gemüse was weiß ich. Welches Lager bevorzugst Du?
Als erstes
mag ich die Musik. Ich habe einen breitgefächerten Musikgeschmack
- wie ich bereits sagte: Rock, klassische Musik, Jazz. Als erstes zählt
für mich nicht die Botschaft oder etwas in der Art, ich brauche Klänge
und Musik. Ich höre die Stimmen als seien sie Instrumente. Die Texte
und ihre Botschaft sind nicht wichtig für mich. Aber ich denke, es
ist gut, wenn sich das Ganze um Serienmörder und solche Sachen dreht.
Wird man
in der Tschechei gesignt, wenn man Noisecore spielt?
Nein, es
ist hauptsächlich die Metal- und ein bißchen auch die Grindcore-Szene.
Aber ich versuche, die Leute etwas von unserer
Existenz mitbekommen zu lassen. Das ist mein
Hauptanliegen.