OVERKILL
Interregnum im Gespräch mit  Bobby Blitz (voc)
gesendet am 18. März 2003 (Wiederholung am 22. März 2003)

Bobby Blitz

Erzähl uns bitte ein wenig aus der Gründungszeit OVERKILLS. Vor allem auf welches Jahr sich Eure Gründung beläuft. Auf Euren Livescheiben sind Sticker die unterschiedliche Angaben dazu machen. Demnach hättet Ihr Euch mal 1985, mal 1982 gegründet. Ein Magazin behauptete einst, Ihr hättet Euch sogar schon 1979 zusammengetan. Bring bitte etwas Licht ins Dunkel.

Ich traf D.D. Verni 1981. Von da an begannen OVERKILL als Coverband und gaben die ersten Shows 1982. Wir spielten Iron Maiden, Judas Priest und Motörhead-Songs. Der Beginn von OVERKILL war also als ich D.D. traf. 1983, als wir Bobby Gustaffson begegneten, begannen wir eigenes Material zu schreiben. 1984 veröffentlichten wir dann unsere erste EP, die einfach nur "Overkill" hieß. Also ich denke, daß der Beginn unserer Karriere auf das Jahr 1983 fällt. Aber als ich auf D.D. traf und wir OVERKILL gründeten, das war schon 1981.

Auf den Bildern zur ersten Platte "Feel The Fire" trägst du noch Leder und Nieten. Bei "Taking Over", dem Nachfolger, posiert Ihr mit Patronengurt und Gewehren. Also Heavy Metal pur. Damals hast Du ja noch gesoffen wie ein Loch. Wie erlebtest Du diese Sturm und Drang-Zeit zwischen Alkohol, Nieten und den ersten sich einstellenden Erfolgen?

Fürchterlich, nicht wahr? Nun wir waren sicherlich ein Teil der Szene zu "Feel The Fire"- und "Taking Over"-Zeiten. Und wir sind es auch heute noch. Nur mit dem Unterschied, daß wir einer natürlichen Entwicklung unterlagen. Wir veränderten uns seit der Zeit als wir noch Leder und Nieten trugen, bei uns steht die Musik mehr im Vordergrund als es das Image je sein könnte. Was das Bier anbelangt, ist das meine persönliche Entscheidung. Ich bin jetzt weg von Bier, Drogen und Alkohol im Allgemeinen seit 1995. Ich bin nicht dagegen, aber es ist nichts mehr für mich. Es ist eine persönliche Entscheidung mit dem weiter zu machen, was ich tun möchte.

Es gibt hier Gerüchte, daß während der Produktion zu "Under The Influence", Eurer dritten Platte, der Produzent Alex Perialas die Arbeit niederlegte, da Euer Sound ihm entschieden zu hart war. Legende oder Wahrheit?

Legende, absolut, wir hatten nie ein Problem mit Alexander in der ganzen Sache. Wir produzierten die Platte und Michael Wagner mixte sie in Los Angeles. Alex kam, um beim Mix zu helfen, damit alles reibungslos über die Bühne ging und die Tracks unseren Vorstellungen entsprachen. Es ist also wirklich nur ein Gerücht, an dem nichts dran ist. Das höre ich zum ersten Mal.

Najak, nur das Gerücht ist noch lebendig.

Es ist, was es ist, ein Gerücht. Aber es ist amüsant, das zu hören.

Euer viertes Album "The Years Of Decay" stellt für mich in Eurer und in der Thrash-Geschichte generell noch immer einen Meilenstein dar. Es war Euer bis dato düsterstes Werk. Beschreibe bitte Eure damalige mentale Verfassung.

Die Platte ist jetzt vierzehn Jahre alt. An unsere mentale Verfassung kann ich mich nicht mehr so recht erinnern. Aber ich erinnere mich daran, daß wir zu dieser Zeit etwas Spezielles hatten. Markant klingende Riffs wie in "Elimination" oder "Skullcrusher". Zu der Zeit waren wir eine Band, die genau wußte, was sie mit dieser Platte erreichen wollte. Das war das Entscheidende, wir wußten es alle. Bei "Feel The Fire", "Taking Over" und "Under The Influence" war es ähnlich aber wir alle waren viel aktiver, was die Vision, als auch deren Umsetzung zum Endergebniss anbelangt. Dasselbe Prinzip übernahmen wir dann auch für die darauf folgende Platte "Horrorscope".

Im selben Jahr wie "The Years Of Decay", 1989, erschien auch Testaments "Practice What You Preach". Dabei fiel mir auf, daß Euer Song "Birth Of Tension" und Testaments "Greenhouse Effekt" über eine nahezu 100protentige identische  Bridge verfügen. Zufall? Wie hoch war seinerzeit in der Hochphase des Thrash Metal der Konkurrenzkampf unter den Bands?

Ich denke das dieser Bridgepart der Musik entsprang, die damals üblich war. Es passierte lustigerweise zufällig, wir schrieben ähnliche Musik aber an verschiedenen Küsten. Es ist also schwer möglich, von den anderen zur selben Zeit beeinflußt worden zu sein. Was daraus resultierte war also der absolute Zufall. Und der zweite Teil der Frage war noch gleich?

Wie hoch seinerzeit der Konkurrenzkampf unter den Thrash-Bands in deren Hochphasen war.

Ich denke, da gab es nicht viel Konkurrenzkampf, sie kamen aus Oakland, San Franzisco, und wir aus New York. Wir kamen nur bei Konzerten zusammen, die das Label Megaforce organisierte. Ich erinnere mich noch an das Jahr als wir ein Konzert mit ihnen zusammen auf der Megaforce-Reunionsshow spielten. Wir kennen die Jungs, spielten ein paar Shows zusammen in dieser Zeit. Ich weiß nicht, wie weit Konkurrenzkampf geht oder wo er beginnt, ich weiß aber, daß es ihn zwischen uns nicht gab. Wir waren Bands, die zusammen Bier tranken und bei dem was sie taten, mit Freude dabei waren. So einfach war das.

Also einfach nur zusammen Metal spielen.

Unkompliziertheit, das ist das Schlüsselwort. Metal ist, was es ist. Es mit anderen Dingen zu verkomplizieren, ist unnötig.

Nach "The Years Of Decay" verließ Euch Gitarrist Bobby Gustaffson. Besser gesagt, er mußte gehen auf Grund von Streitigkeiten zwischen ihm und D.D. Verni (b). Mit ihm ging ein großer Teil Eures damaligen Spirits verloren. Wie glücklich bist Du aus heutiger Sicht mit Deiner damaligen Entscheidung, ihn statt D.D. zu feuern?

Ich denke, das ist eine Frage der Sichtweise. Bobby war der Typ, der sich nicht weiterentwickeln wollte. Er war für Kontinuität. Das, was D.D. in die Band einbrachte, war Entwicklung. Ob Du das magst oder nicht, das ist eine andere Frage. Ich mag Fortschritt, es muß sich bewegen, ich mag es nicht, auf der Stelle zu treten. Diese Band hat, unabhängig davon, ob Du es magst oder nicht, diesen Test bestanden. Denn diese Band hat sich entwickelt. Ich bin also glücklich mit meiner Entscheidung, die ich damals traf. Denn jeder Schritt war wichtig, ihn zu gehen, um das zu werden, was wir heute sind. Denn so kam es zu unserem neuen Album "Killbox 13".

Man kann also sagen, nach "The Years Of Decay" wurde Euer erstes Kapitel geschlossen und nun Kapitel zwei in OVERKILLS Karriere begonnen?

Da stimme ich mit Dir überein, denn ich denke, das die "Horrorscope"-LP unsere revolutionärste war. Denn wir verstanden, daß der Groove das war, worauf es ankam. Wir stockten unsere Musik damit auf. Songs wie "Thanx For Nothing" oder auch "Horrorscope" hatten große, kranke Riffs und es war notwendig in unserer Entwicklung. Das Ding, was an Overkill am meisten mißverstanden wird, ist, daß wir nicht die Band sind, die hauptsächlich ein paar Konzerte in Deutschland spielt, einige in Belgien und dann vielleicht noch zwei in Italien. Wir touren jährlich und spielen bis zu einhundertundfünfzig Konzerte im Jahr. Vierzig davon in Deutschland. In den Staaten spielen wir einhundertundzehn. Dadurch haben wir uns eine starke Anhängerschaft auf beiden Seiten des Atlantik erspielt. Doch unsere Entwicklung half uns in allen anderen Dingen. Ich sehe nicht zurück und sage mir, daß die "The Years Of Decay"-Zeiten unsere glorreichen waren. Wenn Du das so sehen möchtest, dann kannst Du das natürlich tun. Aber ich interressiere mich in erster Linie für den Fortschritt, für Evolution. Wir möchten uns immer neu ausprobieren, das ist besser für die Band. Wir betrachten unsere Arbeit nicht als Tagesjob. Wir finden uns nicht nur dann zusammen, wenn wir mal wieder eine neue Platte machen und um danach mal wieder auf Tour zu gehen. Wir arbeiten als eine Band und das vollkommen. Und deswegen denke ich, daß es so wichtig ist sich zu entwickeln, um nicht stehen zu bleiben. Es war wichtig, diese Veränderungen vorgenommen zu haben und Kapitel zwei zu öffnen.

Eure Konzerte sind in punkto Lautstärke stets ein Abenteuer der Extreme. In einem Interview zur "W.F.O."-Scheibe sagtet Ihr, daß Ihr Manowar den Lautstärkerekord streitig machen wollt. Euren Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde wolltet Ihr auf ein T-Shirt drucken, um es Joey DeMaio zu schenken. Nette Idee. Wie weit seid Ihr Eurem Ziel mittlerweile und wie ist Euer Verhältniss zu Manowar?

Ich hänge nicht mit Manowar rum. Ich erinnere mich noch daran, dieses Statement gemacht zu haben. Aber Du mußt wissen, daß allem, was ich sage, auch viel Humor innewohnt. Diese Sachen sollten nicht als Gesetz genommen werden. Aber wenn jemand so weit geht und versucht, eine Eintragung ins Guinness-Buch der Rekorde als lauteste Band der Welt zu bekommen, dann fühle ich mich genötigt, was dazu zu sagen. So kam es eben zu dieser Aussage.

OVERKILL sind eine verdammt tourfreudige Band. Fast jedes Jahr spielt Ihr allein in Deutschland für ein paar Wochen Konzerte. Außerdem veröffentlicht Ihr in schöner Regelmäßigkeit Platten. Von Promotiontouren will ich gar nicht erst reden. Kurzum, Dein Terminkalender ist prall gefüllt. Wie kannst Du Beruf und Deine Familie zeitlich unter einen Hut bringen? 

Ich denke, daß passiert auf ganz natürlichen Wegen und stellt kein Problem dar. Es gibt ja keine Norm, die Dir vorschreibt, wie Du zu leben hast, somit ist alles Normalität. Das mag zwar eine Menge Arbeit sein, aber ich genieße es. Es gibt mir die Möglichkeit, zu reisen. Letztes Jahr hatte ich meinen Sohn während der ganzen Deutschlandtour dabei. Das ist eine großartige Sache, ihm die Möglichkeit bieten zu können, die Shows anzusehen und auch noch Europa kennen zu lernen. Das wiederum verschafft mir viel Freude. Natürlich macht das alles viel Arbeit und kostet eine Menge Zeit. Aber auf der anderen Seite sind die Möglichkeiten, die sich mir bieten, viel größer, als wenn ich nicht reisen und touren würde.
Oder wenn ich meine Frau mit auf Tour nehme, es ist unglaublich, das möchte ich nie ändern.

Letztes Jahr dürfte Dir noch gut in Erinnerung sein. Bei einem Gig hier in Deutschland bist Du ohnmächtig zusammengebrochen und unglücklich gestürzt. Woraufhin das Konzert abgesagt werden mußte. Gerüchte einer Querschnittslähmung machten alsbald die Runde. Zum Glück geht es Dir offensichtlich wieder gut. Was war los?

Nochmal zu den Gerüchten, es ist unglaublich. Es gibt da noch ein Gerücht auf einer südamerikanischen Webseite, das besagt, ich hätte mit einer Pistole Selbstmord begangen während der "Necroshine"-Zeit. Am nächsten Tag wurde es gedruckt. Wenn irgend etwas passiert, überschlagen sich die Gerüchte. Ich erlitt einfach nur einen Schlag. Nicht wegen meines Lebensstils, nicht wegen irgend etwas anderem. Es war einfach ein innerliches Problem. In meinem Körper bildete sich ein Blutklumpen über die Jahre hinweg. Er wollte einfach nicht verschwinden. Von Zeit zu Zeit lösen sich ein paar Stückchen davon, so daß ich in der Vergangenheit keine Probleme mit dieser Sache hatte. Nur dieses Mal war es ein größeres Stück, welches sich löste, und es blockierte mein Gehirn. Es fühlte sich an als würde es explodieren. Das hat mich ganz einfach umgehauen. Soetwas haben nicht viele Menschen, und es hat auch nichts mit dem Lebenswandel zu tun oder mit der Gesundheit. Es ist irgend was anderes. Jedenfalls konnte ich am nächsten Tag laufen, nicht sehr gut, aber ich lief. Ich bin aus dem Krankenhaus um sechs Uhr morgens abgehauen, um Zigaretten zu kaufen. Ich hatte all diese Schläuche unter meinem T-Shirt, nur den Schlafanzug darüber und Motorradstiefel an, als ich in die nächste Tankstelle marschierte, um morgens viertel Sieben zwei Schachteln Marlboro zu verlangen. Die Frau an der Kasse bekam einen regelrechten Schock, als sie die ganzen Schläuche an mir bemerkte. Das Ganze war natürlich erschreckend, aber die andere Seite daran ist, daß das Leben nicht weiter geht, wenn Du am Boden liegst, sondern es geht weiter, wenn Du vom Boden wieder aufstehst. Es war für mich ein einfacher Prozeß, nach ein paar Wochen hatte ich alles überstanden. Ich kam zurück in die Staaten und sprang auf mein Motorrad. Die Sache war zwar recht schmerzhaft, aber dannach tat ich dasselbe, was ich vorher auch machte. Ganz einfach. Es brachte mich nicht um, es war etwas, wo ich durch mußte. Es veränderte mein Leben nicht.

Wird dieser Zwischenfall Auswirkungen auf Deine zukünftigen Liveshows haben?

Meinst Du Einschränkungen in meiner Performence?
Nein, ich denke nicht. Aber frag mich ruhig nochmal, wenn wir uns wieder unterhalten. Ich werde die Sache natürlich im Auge behalten. Aber OVERKILL ist für mich was es ist. Da gibt es nichts zu regulieren. Soetwas Physisches, wie einen Schlag zu erleben, ist in der Zeit unvermeidbar gewesen. Aber sich davon zu erholen, ist etwas, was ich kontrollieren kann, und es ist mir möglich, alles zu tun was ich vorher auch getan habe. Wenn Du es überprüfen willst, höre Dir einfach "Killbox 13" an. 

Stichwort Amerika. Die USA sind dafür bekannt, recht lockere Waffengesetze zu haben. Jeder hat das Recht eine Knarre zu besitzen. Hast Du auch welche? 

Das ist nicht war.

Das ist nicht wahr?

Nein, das ist nur ein Gerücht, daß es jedermann in den Staaten erlaubt ist, Waffen zu tragen. Das ist nicht wahr.

Ähh ...

Nagut, es gibt von Staat zu Staat verschiedene Gesetze, die den Leuten - ähnlich wie den Jägern in Deutschland oder in anderen Teilen Europas - erlauben, Waffen zu besitzen. Nicht aber Handfeuerwaffen und nur, weil sie sie besitzen wollen. Sie müssen sich einer sehr lang andauernden Prozedur unterziehen, wenn sie Waffen besitzen oder mit ihnen umgehen wollen. Ich persönlich habe keinerlei Waffen, nicht zum Jagen und auch keine Faustwaffen. Aber es ist nicht wahr, das jeder Waffen haben darf.
Ein Freund von mir zum Beispiel wollte eine Waffe haben, und er mußte durch eine jahrelange Warteschlange, bevor er ein O.K. bekam. Er bekam Briefe von den Behörden, die seine Vergangenheit prüften. Sie vergeben die Erlaubnis nicht an jeden. Wenn Du Dir die Verbrechen in den Staaten ansiehst, die mit Waffen begangen wurden, mußt Du wissen, daß sie mit illegalen Waffen begangen wurden. Diese Leute sind nicht befugt, diese Waffen zu haben. Eine hohe Prozentzahl von ihnen ist nicht dazu befug,t diese Waffen zu haben. Es sind krimminelle Aktivitäten, keine vom Gesetz erlaubten. Es ist also mit Sicherheit ein Gerücht, daß die Leute in den Staaten Waffen wie ein Werkzeug besitzen dürfen. Manche haben sie vielleicht zu ihrem Schutz, aber die haben sie legal.
Aber das mit dem Alkohol in der Öffentlichkeit, das ist wahr.

Wahr aber bescheuert.

Das stimmt.

Du selbst lebst in New Jersey nahe NewYork, hast also die 11.-September-Geschichte quasi hautnah miterlebt. In wieweit fühltest Du Dich als Amerikaner durch die Anschläge persönlich angegriffen?

Nun ich sah es. Am nächsten Tag überquerte ich den Fluß von New Jersey und sah die Trümmer brennen. Ich roch das Feuer, und ich schätze, ich roch auch die brennenden Menschen. Das ist nicht nur New Jerseys oder New Yorks Problem. Das ist ein Problem, was die Welt angeht. Ich denke, daß keiner ernsthaft behaupten kann, daß dem nicht so ist. Es passierte nur eben hier. Es hätte auch in Frankfurt passieren können oder in Berlin. Möglich ist es. Ich denke jedem, der hier wohnt, hat sich dieses Geschehnis ins Gedächtnis gefräst, jedem, der die Möglichkeit hatte, es direkt zu sehen und zu riechen. Jedem, der es hautnah miterlebte und es nicht nur aus dem Fernsehen kannte. Sie alle hatten eine persönliche Beziehung zu den Geschehnissen, denn die Türme waren so groß und es waren so viele Menschen dort angestellt. Du konntest, wenn Du zu einer Gruppe New Yorkern oder Leuten aus New Jersey gingst, niemanden treffen, der keine Freunde oder Angehörige dort in den Türmen verloren hat. Ich selbst hatte dort drei Leute, die ich persönlich kannte, enge Freunde. Es war eine unvergeßliche Zeit, die Veränderung brachte. Es ist einfach unvergeßlich. Das Fernsehen oder die Politik können diesen Anschlag beim besten Willen nicht rechtfertigen. Man muß es einfach gesehen haben.

Mit welchen Gefühlen siehst Du dem bevorstehenden Militärschlag der US-Armee gegen den Irak entgegen?

Ich möchte nicht über Politik reden. Ich denke, wenn wir über Musik reden, ist das etwas, was uns zusammenbringt, das ist das, was uns glücklicherweise verbindet, unabhängig davon, wie die Meinung der meisten Deutschen im Moment ist oder die Meinung der meisten Amerikaner. Wir haben hier die Möglichkeit, diesen Spalt zu überbrücken, indem wir über das reden, was Du liebst und was ich liebe. Wir können über unsere Ansichten zu "The Years Of Decay" oder "Killbox 13" reden, und wenn sie von einander abweichen, ist das etwas ganz anderes, als wenn wir über die aktuelle Politik reden. Ich habe darüber meine Meinung, und ich bin mir sicher, daß Du auch Deine dazu hast. Aber ich denke, daß es nicht notwendig ist, diese in einem Interview wie diesem rauszulassen. Denn das würde nur dazu dienen, eine Kluft zwischen dem zu reißen, was wir hier erreichen wollen, und das ist doch das Miteinander.

Das ist sicher richtig, doch ich dachte, daß es interressant wäre, die Meinung eines Amerikaners aus dem normalen Volk zu hören. Denn wir sehen hier nur die amerikanischen Politiker im Fernsehen geschlossen ihre Meinung vertreten. Nie aber eine Stimme aus dem Volk.

Es ist eindeutig, daß die meißten Amerikaner diese Ansichten unterstützen. Das weiß die Welt auch, aber es ist auch bekannt, daß jedes kleine Arschloch, das mal in seinem Leben einen Film gedreht hat und nun entschieden hat, ein politisches Genie zu sein, der Meinung ist, daß das falsch ist. Jeder, von Sean Penn bis zu den Komödianten, sagt, daß das falsch ist. Wenn sie meinen, daß es falsch ist, dann sollen sie es doch glauben. Aber ich denke, auf Grund dessen, was passiert ist, sollten wir an die Grenzen der Rücksichtslosigkeit gehen und die Truppen unterstützen, die die Möglichkeit haben, das zu tun, was ich liebend gern tun würde: Bomben werfen wie damals in Kuweit. Und die Muslime zu befreien, die dort nicht mehr unter einer Diktatur leben wollen. Die aber eine starke Wirtschaft haben wie zum Beispiel die Saudies. Deswegen bin ich für den Einsatz der amerikanischen Truppen. Der Unterschied in den Meinungen darüber ist offensichtlich, Du kennst ihn. Wenn Du mir Fragen wie diese stellst, mußt Du Dir nur die Nachichten ansehen. Dort siehst Du, daß in Amerika eine große Einigkeit herrscht, wenn es um diesen Krieg geht. Aber meine persönliche Meinung ist nicht notwendig in einem Interview wie diesem. Das würde nur zu Streitigkeiten führen, und das ist nicht das, worauf wir aus sind. 

Nun gut, laß uns zurück auf die Musik kommen. Wenn Ihr in Deutschland tourt, fällt auf, daß Ihr stets starke Vorbands im Gepäck habt. Seien es Accusser, Annihilator, Dew-Scented oder Anvil. Welches war in Deinen Augen die beste Support-Band, mit der Ihr je auf Tour wart?

Anvil sind großartig. Wir sind riesige Anvil-Fans seit "Forged In Fire" oder "Metal On Metal". Wir bekamen übrigens unseren Plattendeal in der Nacht, als wir in New York eine Show für Anvil eröffneten. Das war 1984 in einem Klub in Brooklyn. Wir waren ihre Vorband und Megaforce Records waren gekommen, um Anvil zu sehen, doch sie nahmen uns unter Vertrag. Seit dem stehen wir in Kontakt zueinander. Ich kenne Lips und Rob also schon seit langer Zeit. Sie sind echt nette Kerle, die voll und ganz in ihrer Musik aufgehen. Als sie mich wegen der Europatour kontaktierten, war ich sofort begeistert von der Idee, sie mit uns auf Tour zu nehmen. Denn wir sind "Anvilheads". Ich kann also sagen, daß sie die beste Band waren, die je für uns eröffnete. Im Juni letzten Jahres spielten wir übrigens mit Blaze und seiner Band. Ich bin begeistert von diesem Kerl. Der Typ will spielen. Das ist es, was ich sehen will, wenn eine Band für uns eröffnet. Daß sie dort sein wollen. Sie wollen die Show durchziehen, und sie wollen ihr bestes geben. Solche Bands steigern in uns das Verlangen, da noch einen drauf zu setzen. OVERKILL ist nicht die Band, die sich fürchtet, nach starken Bands auf die Bühne zu gehen. Aber bei solchen Bands wie der von Blaze müssen wir sagen:" O.k., der Typ weiß, wie man es macht".

Wo Du gerade von Blaze sprichst: Es ist interressant zu sehen, daß, als er noch bei Iron Maiden war, ihn niemand mochte. Nachdem er weg war und eine eigene Karriere begann, wurde er für die Leute interressant und mauserte sich zu einem beliebten Musiker. Eine recht bemerkenswerte Entwicklung wie ich finde.

Das ist ganz einfach. Der Grund dafür, daß das Blaze-Projekt an Popularität gewinnt, ist die Tatsache, daß es sein eigenes Projekt ist. Es sind seine eigenen Ideen und nicht die eines anderen. Und es gibt niemanden, der ihm vorschreibt, wie er die Dinge handhaben soll. Es war inspirierend mit ihm zu touren. Er hat einen starken Charackter, und er ist ein echter Komiker. Und es ist sehr inspirierend, ihn auf der Bühne zu sehen. Ob Du ihn magst oder nicht, hängt natürlich von Dir ab. Aber ich sah jede Nacht einen Typen, der für das, was er machte, 100 Prozent gab, und das inspirierte mich sehr.

Wann werdet Ihr nach Deutschland zurück kommen?

Wir sind für das Bang Your Head-Festival bestätigt, ebendso für das With Full Force. Das sind die ersten Deutschland-Konzerte in diesem Jahr. Und im September 2003 kommen wir wieder für eine Headlinertour.

OVERKILLs Pläne für die Zukunft?

Mein Plan für die Zukunft ist, mit dem weiter zu machen, was ich am meisten liebe. Mit meiner Frau zusammen sein, mein Motorrad zu fahren und Overkill fortzuführen.
 
 

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