TEMPLE OF BAAL
Interregnum im Gespräch mit  Amduscias (voc/git)
Gesendet am 27. und 31. Januar 2004
Amduscias


Mit TEMPLE OF BAAL ist ein neues Höllenfeuer entfacht, das aus dem schöngeistigen Frankreich zu uns herüberleuchtet. Mit ihrem Album "Servants Of The Beast" haben die drei Musiker ein satanisches Statement vorgelegt, daß nicht nur thematisch altbewährte Gleise befährt, sondern auch musikalisch in allerbester Black Metal-Tradition jegliche Trends der zurückliegenden zehn Jahre ignoriert. Und da es obendrein auch immer noch interessantes von der französischen Szene zu erfahren gibt, haben wir uns mit Sänger und Gitarrist Amduscias unterhalten..
 

Mit Euch erleben wir eine echte Premiere in der Metal-Radio-Show INTERREGNUM: Dies ist das erste Interview mit einer französischen Band. Allerdings hatten wir auch noch nicht so viel Anlaß, uns eingehender mit französischen Bands zu befassen, da es meist solche kopflastigen Bands waren, die das Klischee von den pseudo-künstlerischen Franzosen geprägt haben. Wie sieht es tatsächlich in Frankreich in Sachen Heavy Metal aus?

Es ist schon seltsam, daß Du denkst, französische Bands seien Pseudo-Künstler. Naja, vielleicht trifft das ja auf einige zu, aber ich denke, wir haben eine sehr gute Metal-Szene. Allerdings kann ich nur über die Black Metal-Szene sprechen. Wir haben viele großartige Bands, ich muß mich über Deine Ansichten zu französischen Bands doch ziemlich wundern, ehrlich.

Nun, dieser Eindruck rührt nicht zuletzt her aus Veröffentlichungen solcher Bands wie Mercyless, die sehr seltsam klangen, oder Bands wie Aneurexia Nervosa und Konsorten.

Oh ja, ich weiß, was Du meinst. Diese Bands versuchen vielleicht, etwas anderes zu machen. Deswegen mögen einige Leute die Musik nicht. Aber hier gibt es viele Bands, die fest in dem verwurzelt sind, was den Black Metal ausmacht. Wenn Du Dir Bands wie zum Beispiel Neema anhörst oder auch die Bands aus der Pagan Metal-Szene, wirst Du merken, daß diese Musiker nicht versuchen, ihren Sound krampfhaft in eine experimentelle Richtung zu drücken. Um das nochmal klar zu stellen: Es spielt eigentlich keine Rolle, ob jemand experimentell ist oder nicht. Es gab Bands in der Vergangenheit, die ihrer Zeit weit voraus waren; Voivod zum Beispiel, heutzutage sind sie den Leuten als großartige Band in Erinnerung. Um ehrlich zu sein, ich stehe nicht so sehr auf die Bands, die Du nanntest, aber sie haben das Recht, die Musik zu spielen, die sie spielen wollen. Ich habe damit kein Problem.

Eure CD "Servants Of The Beast" ist bei aller Aggressivität und Wucht ein hochmelodiöses Werk. Und genau das ist die Einheit, die den Black Metal immer so besonders gemacht hat. In dieser Musik hat es aber die unterschiedlichsten Entwicklungen gegeben: Klassik-Einflüsse, Gothic-Mix, Kreuzung mit Death Metal, Synthi-Hinzunahme, progressive Strukturen und anderes mehr. Was ist für Dich im Black Metal noch machbar und was würdest Du völlig ablehnen?

Als wir 1998 mit der Band anfingen, gab es eine Menge Bands, die von sich behaupteten, Black Metal zu spielen. Sie spielten ihn aber auf eine sehr melodische und weiche Art. Wir mögen das nicht. Und wollen soetwas auch nicht spielen. Wir wollten zu dem zurückgehen, was den Black Metal ausmachte. Frühe Bathory, Darkthrone und dergleichen. Wenn die Sprache auf Black/Death Metal kommt - nun, einige Bands sind okay. Aber wenn ich Black Metal spielen möchte - und vielleicht ist das eine etwas engstirnige Sichtweise - dann sollte er nicht zu sehr weiterentwickelt werden. Du kannst in dem Black Metal, den wir mit TEMPLE OF BAAL spielen, auch Einflüsse aus dem Thrash Metal wiederfinden. Dennoch stehen wir auf die simple Art und Weise Black Metal zu spielen. Hauptsächlich deshalb, weil wir nur drei Leute in der Band sind und deswegen absolut kein Platz für Arrangements ist. 1998 war uns eine Sache am wichtigsten: klarzustellen, wie wir uns Black Metal vorstellten und wie er in unseren Ohren zu klingen hat.
Der echte Black Metal lag 1998 ziemlich am Boden. Viele Bands hatten vergessen, was den Black Metal letztendlich ausmachte. Wie ich vorhin schon sagte, es ist okay wenn die Leute experimentieren wollen, aber um behaupten zu können, puren Black Metal zu spielen - ich möchte eigentlich nicht pur sagen, denn pur ist ein positives Wort - mußt Du etwas spielen, was nahe am Original ist. Auch das Konzept ist sehr wichtig. Viele Bands begannen Konzepte zu entwerfen, die sich um Sterne, Liebe und poetische Bullenscheiße drehten. Das ist für uns kein Black Metal. Wir drücken einfach unsere Version des Black Metals aus. 

Eure Texte sind herrlich satanisch. Das ist ein Stilmittel, wie es zum Black Metal gehört aber immer seltener Verwendung findet. Warum seid ihr diesem Thema immernoch verhaftet? 

Weil ich glaube, daß es unweigerlich zum Black Metal gehört. Black Metal muß satanisch sein! Es gibt keine andere konzeptionelle Möglichkeit im Black Metal. Auch ist das meine persönliche Vision vom Leben. Manchmal schreibe ich Dinge, die mir gerade so einfallen, aber für mich muß Black Metal satanisch sein, ich würde nie andere Texte für TEMPLE OF BAAL schreiben. 

Satan ist ein Wesen aus der christlichen Religion. Wie stehst Du zum Christentum und wie real ist Satan in unserer heutigen Welt?

Satan und Christentum... Viele Menschen glauben, daß er nicht nur im Christentum anzufinden ist. Satan ist tiefer in der Geschichte verwurzelt. Ich habe nichts mit dem Christentum am Hut. Ich mag diesen Scheiß nicht. Ich habe sehr persönliche Ansichten darüber, wie es sein sollte, und ich möchte nicht so viel über meinen persönlichen Glauben reden. Die Leute können unsere Texte lesen und selbst herausfinden, wie und was ich denke und sich ihren eigenen Reim darauf machen, was davon Fantasie ist und was nicht. Christentum in unserer heutigen Welt? In Frankreich ist es nicht so stark wie man glauben möchte.

Es geht um Satan in der heutigen Welt.

Okay, Satan in der heutigen Welt. Das ist etwas, was Du jeden Tag erleben kannst. Die ganzen Kriege, die ganzen Leute die sich gegenseitig umlegen... Das ist etwas, was tief in der Menschheit verwurzelt ist.

Was hälts Du von der Entwicklung, daß es viele Black Metal-Fans gibt, die sich dem Viking Metal zuwandten, um dort nach Identifikation in den Religionen ihrer alten Völker zu suchen?

Ich denke nicht, daß das Black Metal ist, aber warum nicht? Die Nord-Europäer spielen eine Art von Metal, die mir sehr gefällt. Aber ich kann sie nicht als Black Metal identifizieren. Viele Bands dieses Genres sind interessant. Die alten Enslaved waren sehr gut, aber auch ihr neues Zeug. Oder dieser Folklore Metal wie etwa Otyg oder einige französische Bands aus dem Genre sind sehr gut. Eins steht fest, sie alle kommen vom Black Metal. Enslaved waren schon lange in der norwegischen Black/Pagan Metal-Szene. Es entwickelte sich in eine parallele Richtung, denke ich. Es ist eine gute Szene, aber es ist für mich kein Black Metal. 

Der deutsche Black Metal durchläuft derzeit einen Kampf ums Überleben. Weil es national gesinnte Black Metal-Bands gibt und sich immer wieder in Texten explizite Gewaltdarstellungen wiederfinden, wird die Szene politisiert. Rechtsradikal ist das Zauberwort, das in zahlreichen Städten das Verbot von Black Metal-Konzerten ermöglicht hat. Kennst Du diese Entwicklung? Und welche Meinung hast Du dazu?

Ich wußte nicht, daß es in Deutschland so viele politisch motivierte Bands gibt. Politik hat rein gar nichts mit Black Metal zu tun. Black Metal ist mehr eine religiöse Musik, es sollte dabei nicht um Politik gehen. Politik sollte eher den Hardcore-Bands überlassen werden. Ich weiß, daß es ein großer Trend geworden ist, Politik im Black Metal zu verarbeiten und es kotz mich an. Die Leute können gerne ihre eigenen politischen Ansichten haben, aber sie bei jeder Gelegenheit anzubringen, ist bescheuert. Ich mag das überhaupt nicht.

Woher kommt die Wut der Black Metal-Musiker und -Fans ? Ich erinnere mich an das Kirchen-Brennen in Skandinavien, Morden innerhalb der Szene, Grab- und Kirchen-Schändungen in Deutschland, Shows, die vor Blut und Gedärmen strotzen. Was ist los?

Wo das herkommt? Zu den Zeiten, als in Skandinavien die Kirchen brannten, waren die Musiker sehr wütend auf das Christentum. Ich denke, daß in ihren Ländern die Kirchen noch sehr viel Macht und Einfluß haben. Außerdem denke ich, daß sie religiöse Leute in ihren Regierungen haben. Auf die waren sie wütend. Vielleicht ist das Leben in diesen nordeuropäischen Ländern immernoch beherrscht von christlich geprägten Ansichten. Aber ich weiß es nicht wirklich und es kümmert mich auch nicht wirklich. Ich bin meistens wütend auf mich. Ich gebe einen Dreck auf diesen ganzen christlichen Scheiß. Mich kotzen die ganzen Menschen an, die ich täglich auf der Straße sehe.Darüber handeln auch die meisten unserer Texte. Wir leben in der Nähe von Paris und diese Gegend ist geradezu übervölkert. Es ist total langweilig dort. Die Menschen dort sind so dermaßen dumm, daß ist es was mich am meisten wütend macht.

Wo stehen TEMPLE OF BAAL in diesem Gebilde, dass da Black Metal heißt?

Wir stecken tief im Old School Black Metal. Und wir wollen ihn in unsere aktuelle Zeit transportieren.
Wir möchten zeigen, daß es noch immer möglich ist Old School Black Metal zu spielen, ohne ihn mit weichlichen, melodischen oder Industrial-Kram zu verwässern. Ich habe nichts gegen Industrial, aber das ist eine andere Geschichte. Wir sind eine reine Old School Black Metal-Band und wir wollen der Welt zeigen, daß es noch immer eine verdammt ernstzunehmende Bewegung ist. Denn wir sind nicht die Einzigen. Viele Bands begannen 1998 als Reaktion auf diesen symphonischen Black Metal-Trend. Old School Black Metal ist noch immer da und wird noch eine lange Zeit erhalten bleiben. 

Franzosen und Deutsche waren einst Erzfeinde. Was ist davon bei Dir übrig und gibt es noch diese Abneigung in Teilen Eures Volkes?

In einigen Teilen der Bevölkerung vielleicht. Nicht viel. Was mich angeht, ich habe absolut nichts gegen die Deutschen. Das war früher, das ist alles vorbei. Das liegt jetzt 50, 60 Jahre zurück. Wir kommen aus einer anderen Generation. Ich besuche Deutschland manchmal, fahre nach Wacken und ich denke niemals an das was einst war.

Es gibt tausende Webzines, Fanzines, Mini-Labels, Distros - jeder glaubt der Kopf einer weltweiten Bewegung zu sein und scheißt dementsprechend klug. Wie kann ein junger Fan der die Wahrheit sucht, diese finden?

Das ist vielleicht sehr hart, das stimmt. Es ist hart wenn jeder glaubt, ein Führer zu sein. Ich selbst habe glücklicherweise nicht diese Erfahrungen machen müssen. Wir haben enge Verbindungen zu einigen Labels. Wir haben unser Label Oakenshield/Adipocere, wir arbeiten auch mit Battlescares aus Frankreich zusammen. Und mit einem französischem Demo-Label. Sie arbeiten immer gut. Ich beobachte das immer mehr Distros und Labels auftauchen, das stimmt schon. Einige arbeiten gut, manche sind einfach nur Phantom-Labels. Von denen einige wieder verschwinden. Ich denke, daß es immer gut ist, irgendetwas anzufangen, aber die Leute sollten vorher wirklich abwägen, was sie riskieren wollen. Welchem Risiko sie sich aussetzen wenn sie ein Label gründen. Es ist nichts, was man von heute auf morgen anfangen kann, so nach dem Motto: "Lasst uns jetzt ein Label starten!" So funktioniert das nicht. Ich würde den Fans empfehlen, nur bei Labels zu bestellen, die mindestens schon seit einem Jahr existieren. Die Chance dort verarscht zu werden ist geringer.

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