VIRGIN STEELE
Interregnum im Gespräch mit David DeFeis (voc)
gesendet am 8. Mai 2001

David DeFeis

Labels verkaufen nicht nur die Musik, sondern auch das Image einer Band. Welches Image besitzt Ihr?

Wir haben kein richtiges Image, das kalkulierbar ist wie zum Beispiel bei einer Band wie Poison. Was ich auf der Bühne trage – also meine Kleidung – das trage ich auch privat zu Hause. Ich denke, wenn es ein Image für Virgin Steel gibt, dann basiert das auf unserer Musik. Das ist unser Lifestyle, unsere Art zu leben. Wir kosten es jede Minute des Tages aus, nicht nur in den Stunden, in denen wir auf der Bühne stehen.
Wenn wir ein Image haben, dann hat es – so schätze ich – etwas edles, etwas von dem Glauben an sich selbst, von dem Triumph des menschlichen Geistes, hängt damit zusammen, dass wir uns um die Menschen in der Welt kümmern, die wir lieb gewonnen haben.

In Eurer 20jährigen Bandgeschichte seid Ihr vor allem durch überdurchschnittlich gute Musik aufgefallen. Nun, das ist auch Sinn und Zweck einer Band. Ihr legtet aber nie Rockstar-Attitüden an den Tag, wie zum Beispiel das Zerstören von Hotelzimmern, Orgien mit Frauen oder Zankereien mit anderen Bands. Seid Ihr eine skandalfreie Gruppe?

Ja sicher gab es bei uns über die Jahre viele Skandale. Speziell mit Frauen. Virgin Steel ist eine Band, die Frauen liebt. Wir hatten immer wieder Probleme mit Leuten, die hin und wieder herum erzählten, dass das ein oder andere passiert sei, was in Wirklichkeit so allerdings gar nicht geschehen war. Oder ich habe mal jemandem etwas erzählt, was eigentlich geheim bleiben sollte. Da erwuchsen dann einige Skandale aus Dingen, die eigentlich privat bleiben sollten. Wir haben auf jeden Fall einige Leichen im Keller.

Wie würdest Du denn einen Rockstar definieren?

Ich weiß nicht. Ich sehe uns mehr als Musiker, denn als Rockstars. Ein Rockstar ist mehr so ein Publicity-Ding. Und für uns ist das Ganze wirklich mehr eine Lebenseinstellung. Wenn uns die Leute trotzdem als Rockstars bezeichnen, habe ich immer ein Problem damit. Ich sehe mich selbst nämlich mehr als ein Komponist. Jedenfalls mehr als meinetwegen nur als einfachen Instrumentalisten. Ich lebe nämlich mehr fürs komponieren.

Was hatte es denn eigentlich mit der Exorcist-Platte "Nightmare Theatre" auf sich? Sie war definitiv härter als die Musik von Virgin Steele. Man erzählt sich, daß Du stets geleugnet hast, an der Platte mitgearbeitet zu haben. Jedoch wurde sie auf demselben Label wie Virgin Steele veröffentlicht, sie wurde von Dir produziert und darüberhinaus hatte der Sänger durchaus Deine Stimme. Warum all diese Geheimnisse um diese Platte und wozu der ganze Ärger?

Es gab keinen Ärger. Ich habe nie geleugnet, an dieser Scheibe mitgearbeitet zu haben, denn ich war daran sehr intensiv beteiligt. Es war allerdings nur ein Projekt und die Band brach noch im Studio komplett auseinander. So bekam ich die komplette Kontrolle über die ganze Angelegenheit und habe etwas daraus gemacht. Etwas, was eben ganz besonders meine Arbeit repräsentiert, statt die eines der anderen beteiligten Musiker. Und damit ist mein Einfluß auf diese Platte natürlich enorm. Dabei waren wir zu Anfang wirklich eine Band, die da anfangs begann, eine Platte aufzunehmen. Die Aufnahmen entstanden in drei Tagen, allerdings nahmen die Vorbereitungen ungefähr zwei Wochen in Anspruch. Aber leider waren da Typen in der Band, die komplett durchdrehten, so daß ich schließlich das Ruder an mich riß.

Musik und speziell Heavy Metal wird mehr und mehr in eine Vielzahl von Kategorien aufgeteilt, so zum Beispiel True Metal, Death Metal, Thrash Metal, was auch immer ... Ist es mehr ein Fluch oder ein Segen für eine Band, einer Kategorie anzugehören?

Ich mag Kategorien nicht, egal welcher Art. Wirklich, ich kann diese Abgrenzungen nicht haben. Sie bedeuten nämlich nicht viel. Wenn ich sage, wir machen barbarische, romantische Musik, nennen es die Leute True Metal oder Power Metal oder was auch immer. Mir ist so etwas aber egal. Das ist ihr eigener Trip. Es hat nichts mit mir oder mit Virgin Steele zu tun oder mit dem, was wir sind. Wir fühlen einfach, dass wir diese Musik spielen wollen. Es ist in unseren Köpfen, Herzen und Seelen. Nenn es wie Du willst, ich hoffe nur, Du magst es.

Man kann Virgin Steele mit Manowar vergleichen. Es gibt eine Ähnlichkeit zwischen Deiner und Eric Adams Stimme. Außerdem gibt es Parallelen bei der Lautstärke auf den Konzerten beider Bands. In einigen Heavy Metal-Magazinen hier in Deutschland war vor kurzem auf den Leserbriefseiten eine Diskussion darüber entbrannt, wie laut denn nun ein Heavy Metal-Konzert zu sein hat. Du scheinst darüber Deine eigene Meinung zu haben.

Nun, dass hat nichts mit dem zu tun, was wir auf der Bühne machen, sondern mit dem Typen vorne am Mischpult. Es hängt davon ab, wie er mixt. Wahrscheinlich haben wir auf anderen Touren lauter gespielt, als auf dieser mit Hammerfall. Das hatte früher mit einigen Band-Mitgliedern zu tun. Wir hatten zum Beispiel einen Bassisten, der ziemlich laut spielte. Und damit wir anderen auf der Bühne auch etwas hören konnten, mussten wir halt unsere Anlage lauter drehen. Und somit wird es auch für das Publikum um einiges lauter.
Jetzt haben wir Leute in der Band, die mehr Teamspieler sind. Und der Bühnenlärm ist ein wenig geringer als sonst. Dadurch lässt sich der Klang vor der Bühne besser kontrollieren.
Ich denke die Sache mit der Lautstärke hat auch etwas mit dem wachsenden Verstand zu tun. In der Vergangenheit war es manchmal schon reichlich verrückt. Da bin ich sogar schon mit blutenden Ohren von der Bühne gegangen. Wirklich. Aber darüber bin ich nicht besonders glücklich. Die Musik sollte laut und kraftvoll sein aber auch sauber und klar. Es sollte nie so lärmen, dass Du Schäden davonträgst.

In Euren Texten wimmelt es nur so vor düsteren Charakteren. Woher kommt Eure Faszination für die dunkle Seite des Lebens?

Die dunkle Seite des Lebens? Ich denke, jeder hat gute und schlechte Tage. Ich habe eine Menge schlechter Tage, also schreibe ich vor allem in solchen Momenten. Im Moment bin ich ziemlich glücklich, denn heute ist ein richtig guter Tag. Hätten wir dieses Interview gestern geführt, hättet Ihr mich in schlechter Laune angetroffen, denn gestern war ich richtig Scheiße drauf. So etwas schlägt sich auch im Songwriting nieder. Ich schreibe meistens über die Dinge, die mir widerfahren oder darüber, wie ich die Welt sehe. Aber nicht jeder Tag ist schwarz in meinem Leben. Trotzdem, denke ich, zeigen wir mit Virgin Steel die dunkle Nacht. Jedoch nehme ich Dich an die Hand, führe Dich durch das Dunkle und zeige Dir am Ende den Morgen. Wir lassen Dich nicht allein im Dunkeln zurück. Es gibt immer ein positives Ende. Darum machen wir Virgin Steel. Es sollte nichts über dem Triumph des menschlichen Geistes stehen, die Stärke Deiner Seele.
Das ist die Botschaft der Band. Es ist meine Freiheit, meine ganz persönliche Freiheit und die Stärke des menschlichen Geistes. Du kannst in einer geschlossenen Zelle sitzen, Deine Gedanken aber sind frei.
Es ist wie auf Tour. Touren ist manchmal eine ganz schöne Plackerei. Das Spielen ist wundervoll, doch der Rest des Tages nervt. Und um mich von diesem Streß abzulenken, lese ich. Ich fliehe sozusagen. Und für einige Stunden bin ich an einem anderen Ort. Und wenn ich zurück komme, gibt es wieder etwas zu tun. Auf der Bühne ist es wirklich großartig, aber alles andere ist meist nicht so toll. Ja, ich muß manchmal flüchten, meinen Körper verlassen.

Eine Menge amerikanischer Bands bauen ihre Texte und Images auf das europäische Mittelalter auf, zum Beispiel October 31, die neue Platte von Jag Panzer, Manowar und eine alte Fates Warning-Platte hieß "Night On Bröken". Auch Eure Texte lassen den Leser und Hörer Vergleiche damit anstellen. Woher kommt die Begeisterung für diese Thematik?

Ich bin nicht nur speziell vom Mittelalter fasziniert. Aber ich mag diese Zeitepoche. Ich denke, jeder mag diese Zeit des Schauderns, des Edelmuts und all diese Sachen ... und natürlich gibt es da diese Verbundenheit zu Rüstungen, den Schwertern, zu den geheimnisvollen Wesen, den Rittern bzw. den Ritterorden. Aber eigentlich bevorzuge ich die früheren Zeiten, in denen das Heidentum verbreitet war, das alte Rom, das antike Griechenland und solche Dinge. All das, was vor der organisierten Religion existierte. Ich mag Fantasy aber auch die Realität. Am stärksten beeindrucken mich aber die Mythen an sich. Egal ob römisch, griechisch oder nordisch oder was auch immer. Es ist immer ein Fünkchen Wahrheit dabei, speziell in den griechischen Mythen. All die Götter und Göttinnen hatten sehr menschliche Züge. Und das ist es auch, was ich an „The House Of Atreus“ so mag, die Geschichten sind durch und durch menschlich und zeitlos. Ich denke nur an Shakespeare, der viel später kam und sich bei den antiken Griechen bediente, um es in seine Geschichten einzubauen.

Wenn man sich heutzutage die ganzen modernen Musik-Kanäle anschaut, bekommt man den Eindruck, daß schwarze Musik speziell Hip Hop, Soul oder Pop im Allgemeinen die neue dominierende Musik-Kultur darstellt. Auch in Deutschland findest Du einen Haufen weißer und schwarzer Nachäffer. Beherrscht das Szenario schon vollständig die amerikanische Musiklandschaft? Was hälst Du von dieser Geschichte?

Die schwarze Musik genießt zur Zeit einen ziemlich großen Zuspruch. Und sie hat die weiße Kultur unterwandert. Sieh Dir doch diese ganzen weißen Kinder an, die versuchen zu rappen und schwarz zu sein. Aber es ist vergleichbar mit dem, was in England und Amerika passierte. Es gab Bands wie Led Zeppelin oder Eric Clapton und sie versuchten wie Robert Johnson und diese ganzen Blues-Typen zu klingen. Sie aber wiederum lehrten mir das Singen und brachten mich dazu, mein Ding durchzuziehen. Diese Musik hat ein großes Erbe hinterlassen und sie ist schön. Rap-Musik hingegen interessiert mich eigentlich nicht. Aber ich denke, sie spricht zu jenen, von denen diese Musik kam. Sie spricht zu den Schwarzen auf den Straßen. Denn die können solche Musik machen. Das ist ja auch die eigentliche Faszination daran. Hingegen finde ich es äußerst befremdlich, wenn man manchmal weiße Kinder sieht, die versuchen schwarz zu sein.
Ich erinnere mich noch genau daran, als diese Sachen hoch kamen ... Es ist verrückt, wie Robert Plant damals versuchte, eine Stimme wie James Brown hinzubekommen. Jedenfalls, das Gerappe von heute ist nicht mein Fall. Das Singen mit der ganzen Stimme gefällt mir um Einiges besser. Aber Du kannst den Schwarzen nicht ihre Kultur wegnehmen. Es ist ihr Antrieb und der ist sehr stark. Aber ich bin auch kein Freund davon, wie diese Musik in den Metal eingebracht wird. Die einzige Band, die das gut macht, ist vielleicht Rage Against The Machine, für die Korn- oder Limp Bizkit-Version davon, interessiere ich mich überhaupt nicht. Das sind nur Nachäffer. Ein paar Collegejungs auf einem Bierfest.

Amerika ist einer der größten Märkte für Pornos jeglicher Art. Bist Du auch ein Fan von Pornofilmen?

Pornofilme? Ich habe keine Probleme mit Pornos. Ich genieße Pornos. Wenn ich die Chance dazu hätte, würde ich selbst mitspielen.

Was denkst Du darüber, daß Amerika zwar einer der größten Pornomärkte ist, die Zensur gleichzeitig aber so kraß zuschlägt, daß aus normalen Spielfilmen fast alles herausgeschnitten wird, was mit nackter Haut zu tun hat?

Das ist seltsam. Ich weiß nicht, was die Zensur soll. Wenn  Du bei uns die volle Version willst, mußt Du Dir den Film nur ausleihen. Du mußt nur in die Videothek gehen. Es ist überhaupt kein Problem, an so etwas heranzukommen. Aber Du mußt bedenken, daß die Staaten von sittenstrengen Puritanern gegründet wurden. Ein Haufen Engländer flüchtete aus ihrem Land zu uns und jetzt sagen sie uns, daß wir uns nicht zu entblößen haben. Das ist schon ziemlich schwachsinnig. Aber wie soll ich sagen. Das Leben ist schon manchmal beschissen. In vielen Ländern.

Ende letzten Jahres wurde in den Staaten wieder gewählt. Warst Du wählen?

Ob ich wählen war? Ja, ich gehe jedes Mal wählen.

Wen hast Du gewählt?

Ich habe diesmal für Gore gestimmt. Ich hoffte, er würde dort weitermachen, wo Clinton aufgehört hat. Ich denke, Clinton hat für uns einen hervorragenden Job getan. Wenn ich an die Reagan-Jahre zurückdenke, muß ich sagen, daß es eine Menge Probleme gab. Ich mochte den alten Bill und das, was er getan hat. Und ich würde sagen, daß es dem Land unter ihm wirklich besser ging.

Ist das Wahlsystem der USA denn eigentlich noch demokratisch?

Ja, es ist eine merkwürdige Sache, die da in dieser Wahl passierte. Und es macht einen schon stutzig, wenn man an all die anderen Wahlen zurückdenkt. Ich glaube, dieses Wahlsystem ist antiquiert und müßte mal ein wenig erneuert werden. Ja sicher.

Bill Clinton begründete sein Bombardement auf Serbien damit, daß es galt, einen Völkermord an den Albanern zu verhindern. Ist jedoch das, was Deine Regierung mit den Indianern macht nicht auch Völkermord?

Oh ja. Daran war aber niemand von den heute lebenden Leuten beteiligt.
Aber sicher ...
Auch ich bin zum Teil amerikanischer Ureinwohner ...
Als die Europäer übersetzten – unsere Gründungsväter waren ja bekanntlich Europäer – kamen sie um zu vernichten. Wie war der Name gleich? Der Typ, der Amerika entdeckte? Columbus – er und seine Leute töteten 240 000 Ureinwohner. Das war totale Scheiße. Bevor der weiße Mann kam, waren die Staaten der Garten Eden.

Du hast Blut der amerikanischen Ureinwohner in Dir?

Ja. In mir fließt italienisches, französisches und indianisches Blut.

Zu welchem Stamm gehörst Du?

Zu den Mantoket. Das ist ein kleiner Stamm. Jetzt gibt es ihn nicht mehr. Es existieren hier und da vielleicht noch ein, zwei Leute, nicht viele. Es ist kaum noch jemand übrig.

Mit der Veröffentlichung von "House Of Atreus I & II" konnten wir darüber lesen, daß es über Opern, Theaterstücke und griechische Mythologien ging. Fürchtest Du nicht manchmal, daß es zuviel sein könnte für den normalen Heavy Metal-Fan?

Nein, ich fürchte nichts, wenn ich Musik veröffentliche. Denn sie ist nicht für jedermann gemacht. Diese Art von Musik benötigt aufmerksame Zuhörer und eine gewisse Reife. Einige Leute, die sich nur auf typischen Metal versteifen und keinerlei Klassik oder andere Einflüsse mögen, haben vielleicht ein Problem damit. Aber in fünf bis zehn Jahren ist ihr Musikgeschmack vielleicht breiter und sie entdecken mehr Sachen für sich.
Du möchtest Platten verkaufen, sicher. Du willst so viele Platten wie möglich verkaufen, denn Du musst Rechnungen bezahlen. Du machst das ja, um zu leben und nicht als Hobby. Aber Du kannst bei Dingen, die Deiner Vision entsprechen, keine Kompromisse eingehen. Und ich versuche es auch gar nicht erst. Wenn ich ein paar klassische Sachen rausbringen will, die harmonischer sind und aufmerksames Zuhören verlangen, dann mache ich es einfach. Manche Leute mögen es und manche beschweren sich darüber. Und wenn sich welche beklagen, dann weiß ich, daß sie nicht etwa meckern, weil die Musik schlecht ist, sondern weil sie für diesen Anspruch noch nicht reif genug sind.

Manchmal scheint Deine Musik von frühen Savatage-Opern beeinflußt zu sein. Was hat Dich denn nun tatsächlich inspiriert?

Ich traf die Jungs von Savatage einige Male, sie sind sehr nett. Ich kenne mich aber nicht so gut aus mit ihrer Musik. Ich ziehe mein eigenes Ding durch. Beeinflußt wurde ich vor allem durch die Umstände, unter denen ich aufwuchs, denn ich bin in einer Theaterfamilie groß geworden. Mein Vater führte Stücke auf und so wurde ich an die griechischen Tragödien und Dramen herangeführt. In einem sehr jungen Alter begann ich zu lesen und meine Schwester ist noch immer Opern-Sängerin. Daher meine klassische Schlagseite, klassisches Piano zu spielen. Als ich zur Schule ging, studierte ich Harmonielehre und solche Sachen. Ich stieg in meine erste Rockband ein, als ich elf Jahre alt war. So stand ich mit einem Fuß in der Gosse und mit dem anderen im Opernhaus. Ich war ein Straßen-Punk, der auf die Uni ging. Das sind meine Einflüsse und alles, was ich gelernt habe.

In einem Song vom "Invictus"-Album singst Du: "Ich kämpfe für meine Leute, mein Heim und mein Land". Ist das jetzt nur eine Art martialischer Standpunkt oder warst Du jemals in der Armee?

Ich war nie in der Armee. Ich denke aber auch nicht, daß dies ein martialischer Standpunkt ist. Ich glaube, daß es stimmt. Wenn Du in mein Haus eindringst, wenn Du als Einbrecher kommst und beabsichtigst, mir, meinen Tieren und meiner Familie Schaden zuzufügen, dann habe ich kein Problem damit, Dich umzubringen. Es wird mir ein Vergnügen sein, es zu tun. Ich muß es einfach tun, um meine Leute, meine Heimat und mein Land zu schützen, die Leute, die ich liebe und die mir wichtig sind. Eigentlich bin ich ein friedfertiger Typ. Aber wenn jemand mit feindlicher Gewalt daherkommt und mir schaden oder mich töten will, was auch immer, dann werde ich Dich zuerst umlegen und es erst später bereuen.

Wie kann es angehen, daß eine Legende wie Virgin Steele als Support-Act für eine Newcomer-Truppe wie Hammerfall auf Tour geht? Ihr seid immerhin 16 Jahre länger in der Szene präsent. Versteht Euer Label nicht Euren Wert?

Unser Label glaubt sehr stark an Virgin Steele und das, was wir tun. Sie kennen unseren Wert. Wir sind jetzt hier, um auch auf Märkten zu spielen, auf denen wir bisher nicht präsent waren, zum Beispiel Skandinavien und so. Wir haben kein Problem damit, mit Hammerfall zu spielen, denn sie sind nette Typen. Die Stimmung auf dieser Tour ist sehr gut, alle drei Bands (Freedom Call gehören noch mit dazu d.A.) verstehen sich ausgezeichnet. Ich wußte nicht sehr viel über Hammerfall, außer, daß sie viele Platten verkaufen. Weißt Du, das Business ist eine merkwürdige Sache. Es basiert nicht auf dem Fakt, wie lange Du in der Szene oder wie gut Du bist. Da gibt es viele andere Dinge, die zählen. Nicht etwa, daß Hammerfall schlecht wären, nein, sie sind sogar sehr gut. Es passieren aber die komischsten Sachen, im Metal, in der Musik und in der populären Kultur überhaupt. Meine Ansicht und auch die vieler anderer Musiker über Erfolg ist folgende: Wenn ich meine Rechnungen bezahlen kann, von dem was ich mache, und meinen Lebensstandard aufrecht erhalten kann, dann bin ich glücklich. Ich kann meine Rechnungen bezahlen. Es hat zwar eine Weile gedauert, denn es gab einige Hochs und auch einige Tiefpunkte bei Virgin Steele. Nun ist der Weg geebnet. Ich muß nicht mehr in einer Fabrik arbeiten, so iwe ich es vorher getan habe.Und so bin ich glücklich. So spiele ich halt mit jedem, scheißegal, wer es ist. Jetzt bin ich hier, weil sie mich fragten, ob ich nicht eine Co-Headliner-Tour mit eineinhalb Stunden pro Abend spielen will. Zuerst war ich ein bißchen skeptisch ob der knappen Spielzeit. Aber schließlich ist für mich kein Problem mit Hammerfall und Freedom Call auf Tour zu sein.

Deinen Worten nach scheinst Du ein Nationalist zu sein. Warum singen Virgin Steele nicht zum Beispiel über den amerikanischen Bürgerkrieg?

Ich möchte verhindern, mit der Musik zu politisch zu werden. Wir sind mehr eine Band wie zum Beispiel Led Zeppelin oder Queen. Die Musik ist mehr emotional. Die Texte sind so aufgebaut, daß sie zwar persönlich sind, doch vage genug, daß andere ihr Leben darin wiederfinden können. Du kannst sie auf verschiedene Art und Weise interpretieren. Und ich denke, das ist der Punkt - Fragen aufzuwerfen, anstatt Antworten zu geben. Und genau das machen meine Texte, sie werfen mehr Fragen auf.
Der Bürgerkrieg war eine krasse Zeit in der amerikanischen Geschichte und an manchen Orten geht er heute noch weiter. Aber noch haben wir nicht aufgehört Platten aufzunehmen und wer weiß, was in Zukunft noch kommen wird. Wer weiß? All die Mythen und was ich sonst noch in die Musik mit einbeziehe, das ist nur eine Plattform. Ich bin nicht daran interessiert, ein Pädagoge zu sein, ein Lehrer oder soetwas. Ich nutze die Musik als Forum, um all das zu erzählen, was einem im Leben so passieren kann. Das ist mein Antrieb. Das Grundlegendste erwähnte ich vorhin bereits: Es geht um Freiheit, persönliche Freiheit. Es geht um den Triumph des menschlichen Geistes, weißt Du? Es geht darum, Dich durch die dunkle Nacht in den Morgen zu führen. Das ist es. Und wenn ich das geschafft habe, dann habe ich meine Arbeit getan.

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