SPECTRAL „Barbaric Assault“
10
(BANDS BATTLE-Band 2003)
Gernhart Records, 2001
Der Panzer wird angelassen und setzt
sich schwerfällig in Bewegung. Schon nach wenigen Metern sucht der
Richtschütze das Ziel: Laden und Schräng! – Der Fünfer namens
SPECTRAL hat voll auf Deine Fresse gezielt. Und der erste Schuß hat
gesessen. Granatenhart und hochmelodiös tönen die Gitarren aus
den Boxen, servieren Dir eine Melodie, die aus dem Hause Amon Amarth stammen
könnte. „Barbaric Assault“ ist die programmatische Einstiegs-Nummer
für das gleichnamige Black Metal/Viking Metal-Album, das eigentlich
ein Produkt aus der ersten Liga der deutschen Bands sein müßte.
Die Gitarren-Melodien sind vollendet, die Arrangements mit den Twin-Leads,
den erhabenen Chören, den folkigen Elementen verschaffen Dir eine
Gänsehaut, als würde Dir eine Frau Deiner Wahl den Rücken
ablecken.
Mit „Sound Of A 1000 Swords“ haben
SPECTRAL ihr bewundernswertestes Werk ins Zentrum dieser CD gestellt. Quorthonsches
Melodie-Verständis trägt uns in dieses Lied, das plötzlich
mit Satzgesang á la Blind Guardian aufwartet und über eine
kurze Folk-Passage in herrlichstes Viking Metal-Gebretter ausbricht, um
nach kurzer Zeit von Bathory-Chorälen gebremst zu werden.
Allerdings – wenn „Sounds ...“ auch
den musikalischen Gipfel markiert, funktioniert die CD „Barbaric Assault“
nicht etwa wie eine Sinus-Kurve, die nach ihrer höchsten Erhebung
systematisch abfällt. Vielmehr bieten SPECTRAL mit den sich anschließenden
Stücken „Violent Victory“, „Master Of Disaster“ und „Black Winged
Angel“ höchstwertige Black Metal-Kost, bei der die Band nicht mehr
ganz so feinfühlig zu Werke geht, wie auf der ersten Hälfte der
CD. Das wühlt auf und bereitet den Boden für Deine Kapitulation.
Denn „Valgrind“ ist nur noch ein Überhit. Gäbe es Extrem-Metal-Charts,
dann führte diese Nummer diese Hitliste sicher ein paar Wochen an.
So simpel das Stück auch ist, ist die Wirkung schon wegen der herrlichen
Gitarren-Melodie unbeschreiblich.
Dies ist eine CD, wie es derzeit
im Black/Viking-Genre nur noch ganz wenige gibt. Blind kaufen!
„The Beginning ...“/“Barbaric
Assault“/“Sound Of A 1000 Swords“/“Valgrind“
JUB
MOLLY HATCHET „Locked And
Loaded“
10
SPV, 2003
Eine Band wie MOLLY HATCHET mit anderen
Größen des Southern Rock zu vergleichen, kommt dem Versuch nahe,
die ägyptischen Pyramiden ins Verhältnis zu den verlassenen Städten
der Mayas zu bringen. Und trotzdem: Diese Band spielte nicht nur in einer
Liga mit Lynyrd Skynyrd, den Allman Brothers oder Blackfoot und Foghat
- sie sind am Ende jene Band, die nach 25 Jahren immer noch ungebrochene
Popularität genießt und in den 90er Jahren einen Karriere-Höhepunkt
verbuchen kann: „Devil’s Canyon“ (1996) und „Silent Reign Of Heroes“ (1998)
gehören definitiv zu den besten MOLLY HATCHET-Alben seit Bestehen
der Band. Wen wundert es dann, daß die Musiker ihr Live-Album „Locked
And Loaded“ vor allem mit Songs dieser beiden Scheiben bestückten.
Und da bleibt kein Auge trocken: Ob straighte Blues Rock-Nummer, ob Country
Rock-Ballade oder Heavy Metal-Gewuchte - MOLLY HATCHET sind in jeder Note
perfekt. Und im Kontext mit der unbeschreiblichen Live-Performance, die
phantastisch von dem enthusiastischen deutschen (!) Publikum mitgetragen
wird, liegt hier am Ende eine der besten Southern Rock-Veröffentlichungen
der letzten 20 Jahre vor. Und wenn sich Heavy Metal-Fans immer noch von
dem Begriff Southern Rock irritieren lassen oder über Bezeichnungen
wie Biker Rock stolpern, dann sei hier mit Nachdruck darauf hingewiesen,
daß MOLLY HATCHET in Sachen Härtegrad so manche Blech-Kapelle,
die sich mit Patronengurten und Corpsepainting schmückt, gnadenlos
an die Wand treten.
„Tatanka“
JUB
HEARSE „Dominion Reptilian“
7
Remedy Rec/True Music, 2003
Wieder eine melodische Death Metal-Band
aus Schweden mehr. Und wieder sind natürlich keine unbeschriebenen
Blätter am Werk, denn am Mikrofon von HEARSE steht kein Geringerer
als Johan Liiva, der die ersten drei Arch Enemy-Alben einsang.
Mit seiner neuen Band hat er sich
logischerweise aus dem Dunstkreis seiner einstigen Arbeitgeber nicht völlig
entfernt. Die Songs weisen immer wieder sehr harmonische, zwingende Gitarren-Leads
auf, die einen Querverweis zur Arch Enemy darstellen. Allerdings erlauben
sich HEARSE auf ihrem Debüt „Dominion Reptilian“ mehr Rückbesinnung.
Motörhead, vor allem beim immer wiederkehrenden „Orgasmatron“-Timbre
in Johans Stimme, sind nicht die einzigen Bezüge zu den klassischen
Heavy Metal-Bands. Auch sollte niemand eine Scheibe erwarten, die einen
permanent in die Sitze drückt. Das Trio geht durchaus differenziert
zu Werke. Schwerfälliges steht neben wuchtigen Tempo-Attacken, Beinahe-Gothic
muß sich mit straightem Rock vertragen. Und eine Nummer wie „The
Unknown“ (LP- und Digipack-Bonustrack) hat für HEARSE-Verhältnisse
schon etwas Experimentelles. Da ist es fast unvermeidlich, auch mal den
ein oder anderen Durchhänger zu verzapfen. Allerdings werden die schwächeren
Momente von jedem garantiert an einer anderen Stelle gefunden, je nach
musikalischer Vorliebe.
„Torch“
JUB
HOLY MOSES „Disorder Of The
Order“
4
Century Media, 2002
Ich entsinne mich, daß HOLY
MOSES einst in der Szene wie Kult-Stars gefeiert wurden. Das kam nicht
von ungefähr. Zum einen lieferte die Band einen nahezu räudig-brutalen
Thrash Metal ab und hatte obendrein eine Sängerin in ihren Reihen,
die die Texte förmlich herauskotzte. Das hatte es bis dahin so noch
nicht gegeben. Diese Euphorie hielt aber nur vier Jahre und drei Alben
(„Queen Of Siam“-1986, „Finished With The Dogs“-1987, „The New Machine
Of Liechtenstein“-1989). Mit dem Erscheinen von Album Nummer vier, „World
Chaos“, wurden die murrenden Stimmen schon lauter. Und ein Jahr später
konnte die Band keiner mehr hören. Ein Grund für diese Abkehr
war unter anderem auch die ohrenscheinliche Einfallslosigkeit, die mit
immer wieder bemühten Song-Strickmustern einherging. Und aus durchschnittlichen
Songwritern – im Falle von HOLY MOSES ist das Produzent Andy Classen –
wird über Nacht kein Lennon/McCartney-Wunder. Und so ist die neue
HOLY MOSES „Disorder Of The Order“ das erneute Aufkochen alter Rezepte,
die schon damals nicht mehr wirklich schmeckten.
Natürlich hat die deutsche
Band auch anno 2002 ein paar nette Sachen anzubieten. So sind zum Beispiel
„We Are At War“ und „Princess Of Hell“ zwei echte Kracher geworden, die
sich der besten Elemente des 80er-Jahre-Thrash-Metals bedienen. Auch „Deeper“
weiß mit seinem monotonen Groove zu gefallen. Demgegenüber stehen
allerdings so hausbackene Dumpf-Rocker wie der Titelsong, „Hell On Earth“,
„Blood Bond“ oder „1000 Lies“. Auch die von Ärzte-Basser Rod Gonzalez
mitgeschriebenen Stücke „Verfolgungswahn“ und „Heaven Vs. Hell“ provozieren
lediglich ein müdes Achselzucken. Erst recht, wenn ein Text so saublöd
ist, wie der von „Verfolgungswahn“.
Dat wiad nix mit dat Kambäck.
„Verfolgungswahn“/“Break The
Evil“
JUB
THE CAGE „The Cage 2“ 10
Frontiers/Point, 2002
Was macht eine Scheibe aus, die ohne
Abstriche die volle Punktzahl erreicht? Vermutlich denkt man bei jedem
einzelnen Song: „Man, geil.“ Zumindest ging es mir so bei „The Cage 2“,
einem Konglomerat aus dem Zauber-Gitarristen Dario Mollo und dem einstigen
Black Sabbath-Sänger Tony Martin. Die beiden haben ein Album zusammengezimmert,
das sich in jeder Note peinlichen neumodischen Einflüssen versperrt.
Die Songs auf diesem Album sind purer Heavy Rock mit einer enormen 70er-Jahre-Schlagseite.
Das kommt vor allem in den starken Led Zeppelin-Zügen zum Tragen.
Nicht nur, daß Mollo und Martin sich am Zeppelin-Klassiker „Dazed
And Confused“ versuchten (erfolgreich übrigens), nein, auch eigenes
Material hat Stil-Elemente, wie sie eins Plant, Page, Bonham und Jones
verwandten („Terra Toria“, „Amore Silenzioso“, „Poison Roses“). Und auch,
wenn vor allem gekonnte Melodien im Mittelpunkt des Geschehens stehen,
wird einer enormen Stilvielfalt Raum gegeben. Auf der einen Seite werden
wie bei „Guardian Angel“ die Noten ordentlich zügig heruntergespielt,
auf der anderen wiederum legen THE CAGE Halbballen und Balladen vor, die
vom Feinsten sind („Theatre Of Dreams“, „Wind Of Change“).
Na und dann noch die Einzelleistungen.
Tony Martin dürfte den meisten durch seine Arbeit bei Black Sabbath
bekannt sein. Dort sang er mit „Headless Cross“ und „Tyr“ zwei der besten
Sabbath-Alben ein und konnte sie mit seiner Stimme obendrein veredeln.
Dario Mollo, den Heavy Metal-Fans nicht unbedingt in einem Atemzug mit
den ganz großen Klampfern der Szene im Munde führen, ist etwas
ganz besonderes. Seine Gitarren-Kunst beschränkt sich nicht etwa auf
das wilde Griffbrett putzen. Vielmehr hat jedes seiner Soli eine eigene
Note und besticht mit spielerischen Ideen, ungewöhnlichen Sounds.
Jeder Song gewinnt durch Soli von Mollo. Und daß es sich bei dieser
Form des Spielens nicht etwa um eine zufällige Eintagsfliege handelt,
bewies Dario Mollo bereits bei seiner Band Voodoo Hill, für die er
sich Glenn Hughes ans Mikro holte. Manchmal ist es wirklich erstaunlich,
was da in Italien alles so herumkrepelt.
„Theatre Of Dreams“
JUB
DOOMSWORD „Resound The Horn“
8
Dragonheart/SPV, 2002
Bei dem Opener „Shores Of Vinland“
geht ihr langsam in die Knie, das verspreche ich Euch. Bei „Onward Into
Battle (On The March Again)“ fallt Ihr huldvoll zu Boden, weil Ihr schon
solange drauf gewartet habt, solche Musik erleben zu dürfen. Diese
Erhabenheit. Ist das Doom Metal, sind das Warlord? Egal. Nur Geil. Und
während Ihr darüber nachdenkt, ob Ihr vor Glück in Tränen
ausbrechen möchtet, löscht „Doomsword“ langsam Eure Euphorie.
Bei dem etwas verspielten „MCXIX“ erhebt Ihr Euch gar wieder, um dann bei
den 08/15-Rock-Klängen von „For Those Who Die With Sword In Hand“
darüber nachzusinnieren, warum DOOMSWORD es nicht gepackt haben, ergreifend
wie bei den ersten beiden Songs zu bleiben. Dabei ertappt Ihr Euch gar,
wie Ihr mal für kurze Zeit die Aufmerksamkeit anderen Dingen zuwendet.
„The Youth Of Finn MacCool“ zieht Euch mit seinem folkigen Touch dann wieder
in die Scheibe und das Werk „Resound The Horn: Odin’s Hall“, das zwischen
Heavy Rocker und Bathory pendelt, nehmt Ihr dann schon wieder wohlwollender
auf.
Tja, DOOMSWORDs „Resound The Horn“
hätte so schön werden können. Allerdings halten die Mannen
das vorgegebene Niveau nicht durch. Meinetwegen hätten sie aus „Shores
...“ und „Onward ...“ zwei 15-Minuten-Songs machen können. Zusammen
mit „Resound ...“ wäre dies hier eine fette 10-Punkte-Scheibe geworden.
„Onward Into Battle (On The March
Again)“
JUB
CHILDREN OF BODOM „Hate Crew
Deathroll“
9
Spinfarm Rec/Ranka Publ, 2003
Das sei schon mal vorweg festgestellt:
„Hate Crew Deathroll“ ist das bisher beste CHILDREN OF BODOM-Album. Und
angesichts der altbewährten Zutaten liegt der enorme Qualitätssprung
in den äußerst songdienlichen Arrangements, die vor allem Abwechslung
und Atmosphäre erzeugen und nicht darauf ausgerichtet sind, das letzte
aus den Instrumenten herauszuholen. So hören wir diesmal eher selten
die auf Dauer nervigen Finger-Übungen von Keyboarder Janne Warman.
Zwar wird im Hause CHILDREN OF BODOM weiter ordentlich Gas gemacht, doch
auch hier gerät nichts zum Selbstzweck. Selbst in einem rasanten Death/Thrash-Kracher
wie „You’re Better Off Dead“ bleibt Zeit für partytaugliche „Ooooh
Ooooh“-Chöre.
Allerdings sind einige Elemente
auf der CD durchaus Geschmackssache. Das gilt für die Ballade „Angels
Don’t Kill“ ebenso wie für das recht neumodische „Needled 24/7“. Und
bei aller Härte, Aggressivität bleibt da immer noch das Keyboard,
das trotz aller bemühter solistischer Zurückhaltung durchaus
eine dominante Rolle im Gesamtgefüge der CHILDREN OF BODOM-Musik einnimmt.
Aber daß die Zeiten „Tasten-Instrument gleich Weichheit“ vorbei sind,
wird von „Hate Crew Deathroll“ mehr als deutlich unter Beweis gestellt.
Ich kann mich erinnern, daß
von den Rezensenten CHILDREN OF BODOM schon mit der „Hatebreeder“ als einzigartig
und genial gefeiert wurden. Dieses Urteil suggerierte eine 100-prozentige
Potential-Ausschöpfung. Daß dem nicht so war, zeigt „Hate Crew
...“. Und ich "fürchte", die Finnen sind mit ihrem Latein noch lange
nicht am Ende.
„You’re Better Off Dead“
JUB
ANTIMATTER „Saviour“ 10
Prophecy Prod., 2002
Wenn ein Markt zu bersten droht,
hat das den Vorteil, daß Leute mit Überblick sich eine Vielzahl
vortrefflicher Veröffentlichungen herauspicken können. Im CD-Regal
wird es nie langweilig. Der Nachteil – und der wiegt für meine Begriffe
schwerer – liegt in der Schnellebigkeit, die den meisten Tonträgern
gar nicht die Zeit läßt, die sie benötigen würden,
um das potentielle Publikum zu erreichen. Ähnlich sehe ich das nämlich
bei ANTIMATTERs "Saviour". Nicht nur, daß die Band verdient hätte,
von dieser Scheibe Hunderttausende abzusetzen, nein, auch unzählige
Musikfans wären selig, diese CD ihr Eigen nennen zu können, wenn
sie nur wüßten, daß es sie gibt.
ANTIMATTER sind die neue Band des
ehemaligen Bassisten und Songwriters von Anathema, Duncan Patterson. Und
der hat auf jeden Fall schon mal die Melancholie seiner Ex-Band zu ANTIMATTER
gerettet. Heavy-Gitarren könnt Ihr allerdings vergessen. Lediglich
bei „Saviour“ wird im potenzierten Gitarren-Rock-Stil geschraddelt. Ansonsten
ganz Cocteau Twins- und This Mortal Coil-Sanftheit. Die Songs zeichnen
Schwarz-Weiß-Bilder, denen man bestenfalls Zeitlupen-Tempo zugestehen
würde. Alles andere würde die Atmosphäre zerstören.
Oft werden vor allem Gothic-Bands mit der Attitüde geadelt, Songs
zu komponieren, die einen „davontragen“. Im Falle von ANTIMATTER träfe
dies allerdings wirklich zu. Die Musik ist – ganz simpel gesagt – so schön,
daß man nur schwer davon wieder loskommt. Nicht zuletzt trägt
dazu auch die bezaubernde Stimme von Michelle Richfield bei, die in einem
den Beschützer-Instinkt weckt. Manch einer wird sich dabei erwischen,
wie er der Gestaltung der Rhythmen folgt, den verschiedenen Hall-Varianten
nachlauscht. Und schließlich gibt es zu allem Überfluß
noch zwei Gänsehaut-Songs, die einfach nur großartig sind: „Over
Your Shoulder“ und „Angelic“. Mit einer Akustik-Version des erst genannten
wird obendrein bewiesen, daß die Wirkung des Stückes allein
aus seiner wunderbaren Melodie kommt und keiner Arrangement-Raffinesse
bedarf.
„Angelic“
JUB
SKINLAB „reVoltingRoom“ 2
Century Media/Magic Arts Publ.,
2002
Eigentlich gehörten SKINLAB
für mich bisher zu den recht wenigen Hardcore-Bands, die ihre musikalische
Brutalität mit Intelligenz, Abwechslung und Talent aufzupeppen wußten.
„Bound, Gagged And Blindfolded“ (1997) und „Disembody: The New Flesh“ (1999)
waren sicher keine Offenbarungen aber Scheiben, die tatsächlich noch
zu überraschen wußten. Mit „reVoltingRoom“ sind SKINLAB im hippen
Hier und Heute angekommen und klingen mit Songs wie „Disturbing The Art
Of Expression“, „Take As Needed“ und „Jesus Cells“ wie jede andere x-beliebige
New Metal-Band auf den Musik-TV-Kanälen, nur nicht so eingängig.
Dieser nasale Clean-Gesang, der klingt, als würde man eine LP per
Hand abspielen, gepaart mit den Brüllattacken auf 08/15-Riffs nerven
ohne Ende. Selbst tolerantere Zeitgenossen, die eine Reihe Crossover-Material
im Schrank zu stehen haben, werden hier vermutlich das Handtuch werfen.
Und schließlich endet die CD mit sogenannten Audio Tracks, die Statements
von Fans wiedergeben, die sich auf einer kostenlosen „reVolting Hotline“
auskotzen konnten. Mich interessieren schon nicht die stumpfsinnigen Ansichten
vieler Leute aus meinem sozialen Umfeld, warum sollte ich dann diesen us-amerikanischen
Idioten zuhören. Völlig daneben.
„Take As Needed“
JUB
BESATT „Hail Lucifer“ 7
Undercover Rec, 2002
Nicht immer macht es Sinn, beim Hören
einer bisher unbekannten Band, ständig Vergleichs-Kapellen heranzuziehen.
Wie oft hat man sich durch solche Gegenüberstellungen den eigentlichen
Musik-Genuß schon verleidet. Deshalb sollte man zum Beispiel auch
an BESATT völlig unbefangen herangehen. Natürlich müßte
man Black Metal in seiner urwüchsigsten Form mögen. Auch sollten
einem ständige Satans-Beschwörungen nicht allmählich auf
den Sack gehen und ein Faible für Klischees kann auch nicht schaden.
Und schon fühlt man sich inmitten des wilden und rasanten, bösartigen
und kompromißlosen BESATT-Kosmos‘ pudelwohl. Obendrein erwartet Euch
hier nicht einmal 08/15-Ware, die lediglich solide gemacht ist. Vielmehr
hat das polnische Trio mit „Mad Minds“ und „Black Banner“ zwei echte Ohrwürmer
im Gepäck. „War“ ist trotz des bis zum Erbrechen bemühten Klischees
des eingesampelten Schlachten-Lärms als Fast-Instrumental-Song außergewöhnlich,
übernehmen die mit Schwertern, Lanzen und Äxten übereinander
herfallenden Krieger doch gar den Part einer musikalischen Arrangement-Idee.
Für echte Black Metal-Fans
ist hier auf jeden Fall eine Bereicherung der Sammlung am Start.
„Antichrist“/“Hail Lucifer“
JUB
BATTLESWORD „Failing In Triumph“
8
Neon Knights, 2003
BATTLESWORD eignen sich hervorragend,
um bei Partys einen überschlauen Kumpel ins Boxhorn zu jagen, der
in Sachen Heavy Metal ständig klugscheißt, sein Wissen aber
lediglich aus dem aktuellen "Rock Zart" oder irgendwelchen Szene-Bibeln
entnimmt. Bei „Baptized In Fire“ oder auch „This Silent Night“ wird er
auf die Frage, welche Band hier zu hören ist, vermutlich ohne Zögern
„Amon Amarth!“ herausplatzen. Dann kann man ihm süffisant lächelnd
das Cover der BATTLESWORD-Debüt-Scheibe „Failing In Triumph“ rüber
reichen und über seine Unwissenheit lästern.
Dabei hat der Ärmste doch gar
nicht so falsch gelegen. Denn die Band aus Deutschland hat alles, was Amon
Amarth auszeichnet: Berstende Death Metal-Riffs, beeindruckende Gitarren-Melodien,
einen Sänger aus der Abteilung der Stimmbänder-Restverwertung
und offenbar ein Text-Konzept, das sich durchaus in die Viking/Pagan-Richtung
einordnen läßt (Texte liegen leider nicht bei).
Und doch ist einiges anders. So
bleiben Amon Amarth natürlich unerreicht, haben die Schweden in jedem
Moment die besseren Songs, die ergreifenderen Melodien. Auch schaffen es
BATTLESWORD mit ihren Instrumenten nicht annähernd, jene Sound-Lawine
zu erzeugen, wie die Vorbilder. Nichtsdestotrotz ist „Failing In
Triumph“ ein wirklich bemerkenswertes Album, das eine Menge songwriterisches
Potential offenbart und äußerst kurzweilig daherkommt. Nicht
jedes Stück kann überzeugen („Fatal Dreaming“ zum Beispiel),
in der Quintessenz ist die CD allerdings voll von guten Einfällen.
„Baptized In Fire“
JUB
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