An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 01. April 2003

 

SPECTRAL „Barbaric Assault“ 10 (BANDS BATTLE-Band 2003)
Gernhart Records, 2001

Spectral - Barbaric Assault

Der Panzer wird angelassen und setzt sich schwerfällig in Bewegung. Schon nach wenigen Metern sucht der Richtschütze das Ziel: Laden und Schräng! – Der Fünfer namens SPECTRAL hat voll auf Deine Fresse gezielt. Und der erste Schuß hat gesessen. Granatenhart und hochmelodiös tönen die Gitarren aus den Boxen, servieren Dir eine Melodie, die aus dem Hause Amon Amarth stammen könnte. „Barbaric Assault“ ist die programmatische Einstiegs-Nummer für das gleichnamige Black Metal/Viking Metal-Album, das eigentlich ein Produkt aus der ersten Liga der deutschen Bands sein müßte. Die Gitarren-Melodien sind vollendet, die Arrangements mit den Twin-Leads, den erhabenen Chören, den folkigen Elementen verschaffen Dir eine Gänsehaut, als würde Dir eine Frau Deiner Wahl den Rücken ablecken.
Mit „Sound Of A 1000 Swords“ haben SPECTRAL ihr bewundernswertestes Werk ins Zentrum dieser CD gestellt. Quorthonsches Melodie-Verständis trägt uns in dieses Lied, das plötzlich mit Satzgesang á la Blind Guardian aufwartet und über eine kurze Folk-Passage in herrlichstes Viking Metal-Gebretter ausbricht, um nach kurzer Zeit von Bathory-Chorälen gebremst zu werden.
Allerdings – wenn „Sounds ...“ auch den musikalischen Gipfel markiert, funktioniert die CD „Barbaric Assault“ nicht etwa wie eine Sinus-Kurve, die nach ihrer höchsten Erhebung systematisch abfällt. Vielmehr bieten SPECTRAL mit den sich anschließenden Stücken „Violent Victory“, „Master Of Disaster“ und „Black Winged Angel“ höchstwertige Black Metal-Kost, bei der die Band nicht mehr ganz so feinfühlig zu Werke geht, wie auf der ersten Hälfte der CD. Das wühlt auf und bereitet den Boden für Deine Kapitulation. Denn „Valgrind“ ist nur noch ein Überhit. Gäbe es Extrem-Metal-Charts, dann führte diese Nummer diese Hitliste sicher ein paar Wochen an. So simpel das Stück auch ist, ist die Wirkung schon wegen der herrlichen Gitarren-Melodie unbeschreiblich.
Dies ist eine CD, wie es derzeit im Black/Viking-Genre nur noch ganz wenige gibt. Blind kaufen!
„The Beginning ...“/“Barbaric Assault“/“Sound Of A 1000 Swords“/“Valgrind“

JUB

MOLLY HATCHET „Locked And Loaded“ 10
SPV, 2003

Molly Hatchet - Locked And Loaded

Eine Band wie MOLLY HATCHET mit anderen Größen des Southern Rock zu vergleichen, kommt dem Versuch nahe, die ägyptischen Pyramiden ins Verhältnis zu den verlassenen Städten der Mayas zu bringen. Und trotzdem: Diese Band spielte nicht nur in einer Liga mit Lynyrd Skynyrd, den Allman Brothers oder Blackfoot und Foghat - sie sind am Ende jene Band, die nach 25 Jahren immer noch ungebrochene Popularität genießt und in den 90er Jahren einen Karriere-Höhepunkt verbuchen kann: „Devil’s Canyon“ (1996) und „Silent Reign Of Heroes“ (1998) gehören definitiv zu den besten MOLLY HATCHET-Alben seit Bestehen der Band. Wen wundert es dann, daß die Musiker ihr Live-Album „Locked And Loaded“ vor allem mit Songs dieser beiden Scheiben bestückten. Und da bleibt kein Auge trocken: Ob straighte Blues Rock-Nummer, ob Country Rock-Ballade oder Heavy Metal-Gewuchte - MOLLY HATCHET sind in jeder Note perfekt. Und im Kontext mit der unbeschreiblichen Live-Performance, die phantastisch von dem enthusiastischen deutschen (!) Publikum mitgetragen wird, liegt hier am Ende eine der besten Southern Rock-Veröffentlichungen der letzten 20 Jahre vor. Und wenn sich Heavy Metal-Fans immer noch von dem Begriff Southern Rock irritieren lassen oder über Bezeichnungen wie Biker Rock stolpern, dann sei hier mit Nachdruck darauf hingewiesen, daß MOLLY HATCHET in Sachen Härtegrad so manche Blech-Kapelle, die sich mit Patronengurten und Corpsepainting schmückt, gnadenlos an die Wand treten.
„Tatanka“

JUB

HEARSE „Dominion Reptilian“ 7
Remedy Rec/True Music, 2003

Hearse - Dominion Reptilian

Wieder eine melodische Death Metal-Band aus Schweden mehr. Und wieder sind natürlich keine unbeschriebenen Blätter am Werk, denn am Mikrofon von HEARSE steht kein Geringerer als Johan Liiva, der die ersten drei Arch Enemy-Alben einsang.
Mit seiner neuen Band hat er sich logischerweise aus dem Dunstkreis seiner einstigen Arbeitgeber nicht völlig entfernt. Die Songs weisen immer wieder sehr harmonische, zwingende Gitarren-Leads auf, die einen Querverweis zur Arch Enemy darstellen. Allerdings erlauben sich HEARSE auf ihrem Debüt „Dominion Reptilian“ mehr Rückbesinnung. Motörhead, vor allem beim immer wiederkehrenden „Orgasmatron“-Timbre in Johans Stimme, sind nicht die einzigen Bezüge zu den klassischen Heavy Metal-Bands. Auch sollte niemand eine Scheibe erwarten, die einen permanent in die Sitze drückt. Das Trio geht durchaus differenziert zu Werke. Schwerfälliges steht neben wuchtigen Tempo-Attacken, Beinahe-Gothic muß sich mit straightem Rock vertragen. Und eine Nummer wie „The Unknown“ (LP- und Digipack-Bonustrack) hat für HEARSE-Verhältnisse schon etwas Experimentelles. Da ist es fast unvermeidlich, auch mal den ein oder anderen Durchhänger zu verzapfen. Allerdings werden die schwächeren Momente von jedem garantiert an einer anderen Stelle gefunden, je nach musikalischer Vorliebe.
„Torch“ 

JUB

HOLY MOSES „Disorder Of The Order“ 4
Century Media, 2002

Holy Moses - Disorder Of The Order

Ich entsinne mich, daß HOLY MOSES einst in der Szene wie Kult-Stars gefeiert wurden. Das kam nicht von ungefähr. Zum einen lieferte die Band einen nahezu räudig-brutalen Thrash Metal ab und hatte obendrein eine Sängerin in ihren Reihen, die die Texte förmlich herauskotzte. Das hatte es bis dahin so noch nicht gegeben. Diese Euphorie hielt aber nur vier Jahre und drei Alben („Queen Of Siam“-1986, „Finished With The Dogs“-1987, „The New Machine Of Liechtenstein“-1989). Mit dem Erscheinen von Album Nummer vier, „World Chaos“, wurden die murrenden Stimmen schon lauter. Und ein Jahr später konnte die Band keiner mehr hören. Ein Grund für diese Abkehr war unter anderem auch die ohrenscheinliche Einfallslosigkeit, die mit immer wieder bemühten Song-Strickmustern einherging. Und aus durchschnittlichen Songwritern – im Falle von HOLY MOSES ist das Produzent Andy Classen – wird über Nacht kein Lennon/McCartney-Wunder. Und so ist die neue HOLY MOSES „Disorder Of The Order“ das erneute Aufkochen alter Rezepte, die schon damals nicht mehr wirklich schmeckten. 
Natürlich hat die deutsche Band auch anno 2002 ein paar nette Sachen anzubieten. So sind zum Beispiel „We Are At War“ und „Princess Of Hell“ zwei echte Kracher geworden, die sich der besten Elemente des 80er-Jahre-Thrash-Metals bedienen. Auch „Deeper“ weiß mit seinem monotonen Groove zu gefallen. Demgegenüber stehen allerdings so hausbackene Dumpf-Rocker wie der Titelsong, „Hell On Earth“, „Blood Bond“ oder „1000 Lies“. Auch die von Ärzte-Basser Rod Gonzalez mitgeschriebenen Stücke „Verfolgungswahn“ und „Heaven Vs. Hell“ provozieren lediglich ein müdes Achselzucken. Erst recht, wenn ein Text so saublöd ist, wie der von „Verfolgungswahn“.
Dat wiad nix mit dat Kambäck.
„Verfolgungswahn“/“Break The Evil“

JUB

THE CAGE „The Cage 2“ 10
Frontiers/Point, 2002

The Cage - The Cage 2

Was macht eine Scheibe aus, die ohne Abstriche die volle Punktzahl erreicht? Vermutlich denkt man bei jedem einzelnen Song: „Man, geil.“ Zumindest ging es mir so bei „The Cage 2“, einem Konglomerat aus dem Zauber-Gitarristen Dario Mollo und dem einstigen Black Sabbath-Sänger Tony Martin. Die beiden haben ein Album zusammengezimmert, das sich in jeder Note peinlichen neumodischen Einflüssen versperrt. Die Songs auf diesem Album sind purer Heavy Rock mit einer enormen 70er-Jahre-Schlagseite. Das kommt vor allem in den starken Led Zeppelin-Zügen zum Tragen. Nicht nur, daß Mollo und Martin sich am Zeppelin-Klassiker „Dazed And Confused“ versuchten (erfolgreich übrigens), nein, auch eigenes Material hat Stil-Elemente, wie sie eins Plant, Page, Bonham und Jones verwandten („Terra Toria“, „Amore Silenzioso“, „Poison Roses“). Und auch, wenn vor allem gekonnte Melodien im Mittelpunkt des Geschehens stehen, wird einer enormen Stilvielfalt Raum gegeben. Auf der einen Seite werden wie bei „Guardian Angel“ die Noten ordentlich zügig heruntergespielt, auf der anderen wiederum legen THE CAGE Halbballen und Balladen vor, die vom Feinsten sind („Theatre Of Dreams“, „Wind Of Change“).
Na und dann noch die Einzelleistungen. Tony Martin dürfte den meisten durch seine Arbeit bei Black Sabbath bekannt sein. Dort sang er mit „Headless Cross“ und „Tyr“ zwei der besten Sabbath-Alben ein und konnte sie mit seiner Stimme obendrein veredeln. Dario Mollo, den Heavy Metal-Fans nicht unbedingt in einem Atemzug mit den ganz großen Klampfern der Szene im Munde führen, ist etwas ganz besonderes. Seine Gitarren-Kunst beschränkt sich nicht etwa auf das wilde Griffbrett putzen. Vielmehr hat jedes seiner Soli eine eigene Note und besticht mit spielerischen Ideen, ungewöhnlichen Sounds. Jeder Song gewinnt durch Soli von Mollo. Und daß es sich bei dieser Form des Spielens nicht etwa um eine zufällige Eintagsfliege handelt, bewies Dario Mollo bereits bei seiner Band Voodoo Hill, für die er sich Glenn Hughes ans Mikro holte. Manchmal ist es wirklich erstaunlich, was da in Italien alles so herumkrepelt.
„Theatre Of Dreams“

JUB

DOOMSWORD „Resound The Horn“ 8
Dragonheart/SPV, 2002

Doomsword - Resound The Horn

Bei dem Opener „Shores Of Vinland“ geht ihr langsam in die Knie, das verspreche ich Euch. Bei „Onward Into Battle (On The March Again)“ fallt Ihr huldvoll zu Boden, weil Ihr schon solange drauf gewartet habt, solche Musik erleben zu dürfen. Diese Erhabenheit. Ist das Doom Metal, sind das Warlord? Egal. Nur Geil. Und während Ihr darüber nachdenkt, ob Ihr vor Glück in Tränen ausbrechen möchtet, löscht „Doomsword“ langsam Eure Euphorie. Bei dem etwas verspielten „MCXIX“ erhebt Ihr Euch gar wieder, um dann bei den 08/15-Rock-Klängen von „For Those Who Die With Sword In Hand“ darüber nachzusinnieren, warum DOOMSWORD es nicht gepackt haben, ergreifend wie bei den ersten beiden Songs zu bleiben. Dabei ertappt Ihr Euch gar, wie Ihr mal für kurze Zeit die Aufmerksamkeit anderen Dingen zuwendet. „The Youth Of Finn MacCool“ zieht Euch mit seinem folkigen Touch dann wieder in die Scheibe und das Werk „Resound The Horn: Odin’s Hall“, das zwischen Heavy Rocker und Bathory pendelt, nehmt Ihr dann schon wieder wohlwollender auf.
Tja, DOOMSWORDs „Resound The Horn“ hätte so schön werden können. Allerdings halten die Mannen das vorgegebene Niveau nicht durch. Meinetwegen hätten sie aus „Shores ...“ und „Onward ...“ zwei 15-Minuten-Songs machen können. Zusammen mit „Resound ...“ wäre dies hier eine fette 10-Punkte-Scheibe geworden.
„Onward Into Battle (On The March Again)“

JUB

CHILDREN OF BODOM „Hate Crew Deathroll“ 9
Spinfarm Rec/Ranka Publ, 2003

Children Of Bodom - Hate Crew Deathroll

Das sei schon mal vorweg festgestellt: „Hate Crew Deathroll“ ist das bisher beste CHILDREN OF BODOM-Album. Und angesichts der altbewährten Zutaten liegt der enorme Qualitätssprung in den äußerst songdienlichen Arrangements, die vor allem Abwechslung und Atmosphäre erzeugen und nicht darauf ausgerichtet sind, das letzte aus den Instrumenten herauszuholen. So hören wir diesmal eher selten die auf Dauer nervigen Finger-Übungen von Keyboarder Janne Warman. Zwar wird im Hause CHILDREN OF BODOM weiter ordentlich Gas gemacht, doch auch hier gerät nichts zum Selbstzweck. Selbst in einem rasanten Death/Thrash-Kracher wie „You’re Better Off Dead“ bleibt Zeit für partytaugliche „Ooooh Ooooh“-Chöre.
Allerdings sind einige Elemente auf der CD durchaus Geschmackssache. Das gilt für die Ballade „Angels Don’t Kill“ ebenso wie für das recht neumodische „Needled 24/7“. Und bei aller Härte, Aggressivität bleibt da immer noch das Keyboard, das trotz aller bemühter solistischer Zurückhaltung durchaus eine dominante Rolle im Gesamtgefüge der CHILDREN OF BODOM-Musik einnimmt. Aber daß die Zeiten „Tasten-Instrument gleich Weichheit“ vorbei sind, wird von „Hate Crew Deathroll“ mehr als deutlich unter Beweis gestellt.
Ich kann mich erinnern, daß von den Rezensenten CHILDREN OF BODOM schon mit der „Hatebreeder“ als einzigartig und genial gefeiert wurden. Dieses Urteil suggerierte eine 100-prozentige Potential-Ausschöpfung. Daß dem nicht so war, zeigt „Hate Crew ...“. Und ich "fürchte", die Finnen sind mit ihrem Latein noch lange nicht am Ende.
„You’re Better Off Dead“

JUB

ANTIMATTER „Saviour“ 10
Prophecy Prod., 2002

Antimatter - Saviour

Wenn ein Markt zu bersten droht, hat das den Vorteil, daß Leute mit Überblick sich eine Vielzahl vortrefflicher Veröffentlichungen herauspicken können. Im CD-Regal wird es nie langweilig. Der Nachteil – und der wiegt für meine Begriffe schwerer – liegt in der Schnellebigkeit, die den meisten Tonträgern gar nicht die Zeit läßt, die sie benötigen würden, um das potentielle Publikum zu erreichen. Ähnlich sehe ich das nämlich bei ANTIMATTERs "Saviour". Nicht nur, daß die Band verdient hätte, von dieser Scheibe Hunderttausende abzusetzen, nein, auch unzählige Musikfans wären selig, diese CD ihr Eigen nennen zu können, wenn sie nur wüßten, daß es sie gibt.
ANTIMATTER sind die neue Band des ehemaligen Bassisten und Songwriters von Anathema, Duncan Patterson. Und der hat auf jeden Fall schon mal die Melancholie seiner Ex-Band zu ANTIMATTER gerettet. Heavy-Gitarren könnt Ihr allerdings vergessen. Lediglich bei „Saviour“ wird im potenzierten Gitarren-Rock-Stil geschraddelt. Ansonsten ganz Cocteau Twins- und This Mortal Coil-Sanftheit. Die Songs zeichnen Schwarz-Weiß-Bilder, denen man bestenfalls Zeitlupen-Tempo zugestehen würde. Alles andere würde die Atmosphäre zerstören. Oft werden vor allem Gothic-Bands mit der Attitüde geadelt, Songs zu komponieren, die einen „davontragen“. Im Falle von ANTIMATTER träfe dies allerdings wirklich zu. Die Musik ist – ganz simpel gesagt – so schön, daß man nur schwer davon wieder loskommt. Nicht zuletzt trägt dazu auch die bezaubernde Stimme von Michelle Richfield bei, die in einem den Beschützer-Instinkt weckt. Manch einer wird sich dabei erwischen, wie er der Gestaltung der Rhythmen folgt, den verschiedenen Hall-Varianten nachlauscht. Und schließlich gibt es zu allem Überfluß noch zwei Gänsehaut-Songs, die einfach nur großartig sind: „Over Your Shoulder“ und „Angelic“. Mit einer Akustik-Version des erst genannten wird obendrein bewiesen, daß die Wirkung des Stückes allein aus seiner wunderbaren Melodie kommt und keiner Arrangement-Raffinesse bedarf.
„Angelic“

JUB

SKINLAB „reVoltingRoom“ 2
Century Media/Magic Arts Publ., 2002

Skinlab - reVoltingRoom

Eigentlich gehörten SKINLAB für mich bisher zu den recht wenigen Hardcore-Bands, die ihre musikalische Brutalität mit Intelligenz, Abwechslung und Talent aufzupeppen wußten. „Bound, Gagged And Blindfolded“ (1997) und „Disembody: The New Flesh“ (1999) waren sicher keine Offenbarungen aber Scheiben, die tatsächlich noch zu überraschen wußten. Mit „reVoltingRoom“ sind SKINLAB im hippen Hier und Heute angekommen und klingen mit Songs wie „Disturbing The Art Of Expression“, „Take As Needed“ und „Jesus Cells“ wie jede andere x-beliebige New Metal-Band auf den Musik-TV-Kanälen, nur nicht so eingängig. Dieser nasale Clean-Gesang, der klingt, als würde man eine LP per Hand abspielen, gepaart mit den Brüllattacken auf 08/15-Riffs nerven ohne Ende. Selbst tolerantere Zeitgenossen, die eine Reihe Crossover-Material im Schrank zu stehen haben, werden hier vermutlich das Handtuch werfen. Und schließlich endet die CD mit sogenannten Audio Tracks, die Statements von Fans wiedergeben, die sich auf einer kostenlosen „reVolting Hotline“ auskotzen konnten. Mich interessieren schon nicht die stumpfsinnigen Ansichten vieler Leute aus meinem sozialen Umfeld, warum sollte ich dann diesen us-amerikanischen Idioten zuhören. Völlig daneben.
„Take As Needed“

JUB

BESATT „Hail Lucifer“ 7
Undercover Rec, 2002

Besatt - Hail Lucifer

Nicht immer macht es Sinn, beim Hören einer bisher unbekannten Band, ständig Vergleichs-Kapellen heranzuziehen. Wie oft hat man sich durch solche Gegenüberstellungen den eigentlichen Musik-Genuß schon verleidet. Deshalb sollte man zum Beispiel auch an BESATT völlig unbefangen herangehen. Natürlich müßte man Black Metal in seiner urwüchsigsten Form mögen. Auch sollten einem ständige Satans-Beschwörungen nicht allmählich auf den Sack gehen und ein Faible für Klischees kann auch nicht schaden. Und schon fühlt man sich inmitten des wilden und rasanten, bösartigen und kompromißlosen BESATT-Kosmos‘ pudelwohl. Obendrein erwartet Euch hier nicht einmal 08/15-Ware, die lediglich solide gemacht ist. Vielmehr hat das polnische Trio mit „Mad Minds“ und „Black Banner“ zwei echte Ohrwürmer im Gepäck. „War“ ist trotz des bis zum Erbrechen bemühten Klischees des eingesampelten Schlachten-Lärms als Fast-Instrumental-Song außergewöhnlich, übernehmen die mit Schwertern, Lanzen und Äxten übereinander herfallenden Krieger doch gar den Part einer musikalischen Arrangement-Idee.
Für echte Black Metal-Fans ist hier auf jeden Fall eine Bereicherung der Sammlung am Start.
„Antichrist“/“Hail Lucifer“

JUB

BATTLESWORD „Failing In Triumph“ 8
Neon Knights, 2003

Battlesword - Failing In Triumph

BATTLESWORD eignen sich hervorragend, um bei Partys einen überschlauen Kumpel ins Boxhorn zu jagen, der in Sachen Heavy Metal ständig klugscheißt, sein Wissen aber lediglich aus dem aktuellen "Rock Zart" oder irgendwelchen Szene-Bibeln entnimmt. Bei „Baptized In Fire“ oder auch „This Silent Night“ wird er auf die Frage, welche Band hier zu hören ist, vermutlich ohne Zögern „Amon Amarth!“ herausplatzen. Dann kann man ihm süffisant lächelnd das Cover der BATTLESWORD-Debüt-Scheibe „Failing In Triumph“ rüber reichen und über seine Unwissenheit lästern.
Dabei hat der Ärmste doch gar nicht so falsch gelegen. Denn die Band aus Deutschland hat alles, was Amon Amarth auszeichnet: Berstende Death Metal-Riffs, beeindruckende Gitarren-Melodien, einen Sänger aus der Abteilung der Stimmbänder-Restverwertung und offenbar ein Text-Konzept, das sich durchaus in die Viking/Pagan-Richtung einordnen läßt (Texte liegen leider nicht bei).
Und doch ist einiges anders. So bleiben Amon Amarth natürlich unerreicht, haben die Schweden in jedem Moment die besseren Songs, die ergreifenderen Melodien. Auch schaffen es BATTLESWORD mit ihren Instrumenten nicht annähernd, jene Sound-Lawine zu  erzeugen, wie die Vorbilder. Nichtsdestotrotz ist „Failing In Triumph“ ein wirklich bemerkenswertes Album, das eine Menge songwriterisches Potential offenbart und äußerst kurzweilig daherkommt. Nicht jedes Stück kann überzeugen („Fatal Dreaming“ zum Beispiel), in der Quintessenz ist die CD allerdings voll von guten Einfällen.
„Baptized In Fire“

JUB
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