An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.


ABGEHÖRT vom 02. März 2004

DAVID SHANKLE GROUP „Ashes to Ashes“ 7
Nuclear Blast, Magic Circle Music, 2003

DAVID SHANKLE GROUP - Ashes to Ashes

Nach Ross the Boss kommt jetzt auch mit David Shankle ein alter Manowar-Mitstreiter mit einer neuen Veröffentlichung aus der Versenkung zurück. Shankle hat nach seinem Ausstieg bei Manowar nochmals die Gitarristen-Schulbank gedrückt, um seinen bisherigen Fähigkeiten noch ein wenig Jazz- und Klassik-Erfahrung draufsetzen zu können. Shankle, der nun seine Brötchen als Gitarrenlehrer verdient, tat sich mit seinem alten Sandkastenkumpel und Sänger Trace Edward Zaber zusammen, um die DSG auf die Beine zu stellen. Ihnen zur Seite stehen Brian Gordon am Baß, Eddie Betishou an den Tasten sowie Schlagzeuger Eddie Foltz.
Wenn man DSG nach den sich aufdrängenden Manowar-Maßstäben mißt, fällt erst einmal das permanent eingesetzte Keyboard auf, an das man sich schon gewöhnen muß. Auch ist der Gesang von Zaber, der sicherlich in Sachen Technik ein Meister ist, erst einmal schwierig zu verdauen. Denn von der Ausstrahlung und dem Feeling eines Eric Adams ist er weit entfernt. Zu glatt und artig kommen die Worte aus Zabers Kehle. Gitarre und Schlagzeug bieten jedoch ein solides Klanggerüst. Songschreiberisch sind David und seine Leute jedoch weit von solchen Großtaten, wie sie seine alten Arbeitgeber vollbrachten, entfernt. Zu gradlinig und mit wenig A-ha-Effekten spielt sich der Ami-Fünfer durch die Songs, von denen lediglich „Widow's Peak“ überzeugen kann.
Betrachtet man das Treiben von DSG nicht durch die Manowar-Brille, bietet Shankle treibenden Heavy Metal mit Tastenuntermalung, die Melodic Metal-Fans ansprechen könnte. Diese sollten aber auf der Hut sein, denn die Gitarrenwand, die sich auf „Ashes to Ashes“ aufbaut, könnte sie erst einmal umreißen. Hier knallt und bollert es an nahezu jeder Ecke und Kante. Die Songs fetzen mit einer beachtlichen Geschwindigkeit durch die Gehörgänge und Zaber ist für Fans von klaren, hohen Stimmen ein gefundenes Fressen. Man darf DSG eben nur nicht nach Manowar-Maßstäben messen.
„Widow´s Peak“

THOMAS

INFRONT versus ANTICOPS „D-Fense“/“At War With Eden“ 8/8
Berlin Street Rock, 2000

INFRONT versus ANTICOPS - D-Fense / At War With Eden

So kann man es auch machen: Anstelle zweier separater CDs werden zwei Alben auf eine gepackt. Da sparen alle Seiten. Die Fans, die Bands und das Label. Was die Hardcore-Bands hier praktizierten, könnte meiner Meinung nach ruhig Schule machen. INFRONT sind mit acht Songs vertreten, die allesamt ohne lang zu fackeln auf den Punkt kommen. Uptempo, zackige Beats und garstiges Gebrüll. Komplett ohne nervige Rap-Einlagen, Scratch-Gekasper oder Nu Metal-Einflüsse. Auch schleppende Passagen sind den harten Jungs ein Graus, und so gibt es ein kurzweiliges Hardcore-Hörvergnügen von INFRONT geboten.
Die ANTICOPS hingegen sind zwar auch keine Kinder von Traurigkeit, was die Härte ihrer Musik anbelangt, wissen aber ihre Songs mit einigen Feinheiten aufzulockern. Da kann hier schon mal eine kleine Melodie vernommen werden oder da ein paar langsam groovende Anfänge auftauchen. Auch legt die Klampfe mal ein spartanisches Lead hin, bevor es was aufs Maul gibt. Nicht, daß das großartig ins Gewicht fiele oder den Sound der ANTICOPS verwässern würde, aber es ist der Punkt, in dem sich die Bands am deutlichsten voneinander unterscheiden. Wer auf kompromißlosen In-die-Fresse-Hardcore steht, kann mit INFRONT versus ANTICOPS nichts verkehrt machen, wenn er sich die CD unter folgender Adresse ordert: www.infront-berlin.de
"3rd World Order" (INFRONT)
"Down And Out!!" (ANTICOPS)

THOMAS

ODIUM „A New Beginning...“ 7
Eigenproduktion, 2001

ODIUM - A New Beginning...

Wer auf Metal ohne Eunuchengesang, Drachentöter-Texte und Tacker-Bassdrums steht und sich dafür an eigenständigen Bands erfreuen kann, der ist bei ODIUM bestens aufgehoben. Die deutsche Band wartet mit Riffs und Läufen auf, die nicht nach Band X, Y klingen und einem doch vertraut sind. Das Schlagzeug wartet hier und da mit wohlüberlegten und eigenständigen Rhythmiken auf und die Songs nehmen mitunter geschickte Wendungen. ODIUM fühlen sich durchaus im Midtempo wohl und so manches Mal kommt eine melancholische Stimmung nicht von ungefähr. Das können ODIUM durchaus auf ihrer Habenseite verbuchen.
Nicht ganz so prall finde ich hingegen den Gesang von Fronter Reinhard Runkel, der mit seiner Stimme schnell an seine Grenzen stößt, wenn es darum geht, aus seiner heimischen Tonlage auszubrechen. Darin bewegt er sich hingegen recht sicher. Ein für die CD ungewöhnliches Stück ist ODIUM mit „Beast By Society“ gelungen. Der Refrain hebt sich mit seinem Mitgröl-Charakter deutlich vom Rest der eher nachdenklich klingenden Platte ab. Keine CD, die ich immer hören könnte, hat aber durchaus ihre Reize. www.odium-metal.de
„Beast By Society“ 

THOMAS

HAUNTED GORGE „Demo 2002“ 8
Eigenproduktion, 2002

HAUNTED GORGE - Demo 2002

Auch, wenn das groß herbeigeredete Thrash-Revival in der breiten Öffentlichkeit der Metal-Szene eher schleppend verläuft, im Underground tut sich in der Hinsicht seit längerer Zeit schon einiges. Neben den schon ziemlich bekannten Dew-Scented, Delirious oder Blackened, haben sich mit Armistice, Personal War oder Blood Red Angel schon so einige hoffnungsvolle Bands formiert, die dem guten alten Sound frönen.
In die selbe Kerbe haut nun eine weitere vielversprechende Band. HAUNTED GORGE ist ihr Name und ihr Demo hat die 1999 gegründete Kapelle mit drei Stücken versehen. Der Sound ist einem Demo entsprechend, aber dennoch zeigt sich, daß die Schordorfer Thrasher ihr Handwerk verstehen. Im Stile der alten deutschen Thrashbands ist die Musik eher rauer, was nicht zuletzt am Gesang von Fronter Hebbe liegt. Dagegen klingen James Hetfield oder Dave Mustaine doch noch recht brav. Auch gehen die Baden-Württemberger etwas ungestümer zur Sache als etwa Testament in ihrer Hochphase. Was daran liegt, daß anstelle ausgefeilter Melodielinien lieber die Thrash-Axt geschwungen wird. Was nicht heißen soll, daß die Stücke nicht eingängig wären. Es läßt sich hervorragend der Schädel dazu bangen, und die Faust ballt sich von ganz allein. Für meinen Geschmack hätte die CD ruhig ein bißchen länger sein können. So bleibt nur der „Repeat“-Knopf. Daumen hoch.
„Tranquilizer“

THOMAS

U.D.O. „Nailed To Metal-The Missing Tracks“ 9
AFM Rec./cmm, 2003

U.D.O. - Nailed To Metal-The Missing Tracks

Udo Dirkschneider, einer der Gottväter des deutschen Heavy Metal, ist trotz seiner überschrittenen 50 Lebensjahre immer noch dicke im Geschäft. Ein eindeutiger Beleg dafür ist die Veröffentlichungsfrequenz von U.D.O.-Alben. Und im Zeitalter der DVD will auch der ehemalige Accept-Chef nichts anbrennen lassen. So hat sich der rege Sänger mit seinen Kollegen auf gemacht, um ein neues Live-Album zu veröffentlichen.
„Nailed To Metal - The Missing Tracks” stellt quasi die Fortführung zum 2001er “Live From Russia”-Live-Album dar. Auf die anhaltenden Nachfragen der Fans nach den alten Accept–Klassikern reagierte die Band, indem sie die Bänder der Rußland-Tour nochmals sichtete und nun Nägel mit Köpfen machte. So erscheint „Nailed To Metal...“ als Audio-CD, als DVD und als Kombi-Pack mit beiden Formaten. Letzteres bringt es dann auf eine Gesamtspielzeit von 315 Minuten! Value for money also. Doch zurück zum Album.
Dieses ist mit knapp 60 Minuten auch nicht schlecht bestückt. Für Accept/U.D.O.-Fans lohnt sich die Anschaffung allemal. Denn es gibt einen Haufen Klassiker der älteren sowie der jüngeren Bandgeschichte in ergreifenden Liveversionen zu hören. Die alten Accept-Gassenhauer  „Fast As A Shark“, „Restless And Wild“, „Metal Heart“ oder das mit der simpel-genialen Melodie bestückte „Princess Of The Dawn“ allein sind schon eine Überlegung der Anschaffung wert. Stücke wie „Holy“, „Thunder In The Tower“ oder „Raiders From Beyond“ aus der U.D.O.-Ära werden mit spürbarer Spielfreude intoniert. Kein Wunder, in Rußland kamen zu den Shows insgesamt etwa 100 000 Fans. Selbst für gestandene Profis ist das mit Sicherheit noch ein Adrenalin-Garant. Was auffällt, ist, daß die bei Musikern allseits beliebten Mitsingspielchen, welche bei vielen Bands eher peinlich wirken, bei U.D.O. allesamt geil klingen und den Hörer ahnen lassen, was an diesem Abend für eine Stimmung geherrscht haben muß. Sogar beim Schlagzeugsolo ist die Stimmung grandios, und wenn die Fans selbst die Leadgitarren mitsingen, kann kein Fan ohne Gänsehaut vor der Anlage sitzen. Keine Frage, dieses Album ist alles andere als eine halbherzige Angelegenheit. Mit Udo Dirkschneider kann man sicher noch eine ganze Weile rechnen. 
„Fast As A Shark“

THOMAS

KABBAL „Synthetically Revived“ 8
Diamond Prod./Adipocere Rec., 2002

KABBAL - Synthetically Revived

Es tut sich doch noch so einiges im französischen Underground neben den ganzen rotweintrinkenden, mit Rüschenhemden bekleideten Philosophie-Studenten und ihren Ach-so-innovativen Bands und den sich zu Tode experimentierenden Alt-Stars. Da kommen nun nach und nach einige kleine aber feine Perlen zum Vorschein, die ich den Tricolore-Brüdern gar nicht mehr zugetraut hätte. Neben Temple Of Baal, welche sich voll und ganz dem Black Metal verschrieben haben, kommen nun KABBAL daher und zelebrieren technischen Death Metal fast schon in Vollendung. „Synthetically Revived“ ist ein brutaler Bastard aus der technischen Finesse solcher Acts wie Morbid Angel und Monstrosity, der songschreiberischen Überraschungen wie sie Death einst lieferten und dem ungestümen Riffing, welches es braucht, um nicht als bloße Kopfmusiker dazustehen. Die Musik marschiert dunkel und bedrohlich aus den Boxen wie ein Kommando unerbittlicher Dämonen mit dem Auftrag des Höllenfürsten, Dich gefügig zu machen. Und bitte mit Gewalt. Hin und wieder schlüpfen ein paar Melodien mit durch, die Dich vor Deinem höchstwahrscheinlichen Ableben noch einmal salben und die anstehende Pein zu lindern versuchen. Netter Versuch, doch vergeblich. KABBAL machen Dich glatt. Daran besteht kein Zweifel.
„The Great Massacre (Verset 666)“

THOMAS

CONTRAGGRESSIVE „Shellfire“ 5
Eigenproduktion

CONTRAGGRESSIVE - Shellfire

Deathcore nennen die Jungs von CONTRAGGRESSIVE ihre Musik. Also eine Mischung aus Death Metal und Hardcore. Der Death Metal hat bei den Braunschweigern aber so ziemlich die Oberhand. Dieser ist frei von übermäßigen Geschwindigkeitsattacken und bewegt sich eher im walzenden Midtempobereich. Der Hardcore-Anteil beschränkt sich auf vereinzelte Grooves und den kehligen Gesang. Dieser ist schön tief und wirkt nicht bemüht. Im Gegensatz zu einigen Riffs, die sich ganz auf den Rhythmus verlassen und somit oft alles andere als spannend sind.
Das genaue Gegenteil dieser Beschreibung ist der Song „Mindless“. Hier kommt der Rhythmus der Klampfen richtig gut zum Tragen und groovt wie Sau. Dafür ist der Gesang, sofern er die dumpfen Tonlagen verläßt, um klarer zu wirken, die Schwachstelle. So richtig begeistern kann mich die Musik von CONTRAGGRESSIVE nicht, da der nötige Kick fehlt und die Jungs nicht so richtig aus den Puschen kommen. Mag sein, daß das live ganz anders ist. Doch auf CD hat „Shellfire“ so seine Längen. www.contraggressive.de
„Mindless“

THOMAS

ICED EARTH „The Glorious Burden“ 9
Steamhammer/SPV/cmm, 2004

ICED EARTH - The Glorious Burden

Womit antwortet ein echter Amerikaner darauf, daß ihm wegen seinem Patriotismus jemand ans Bein pißt? Richtig, mit noch mehr Patriotismus. So geschehen bei ICED EARTH. Der langjährige Sänger Matthew Barlow verließ laut John Schaffer die Band, um nach dem 11. September sein Land zu verteidigen und schnitt sich die Haare ab. Bandboß Schaffer hingegen schrieb mit „The Glorious Burden“ die wohl patriotischste Metal-CD der Geschichte. Hätte dies ein Deutscher in dem Maße getan wie es Schaffer tat, hätte er sicherlich schon den Staatsschutz am Hals. „The Glorious Burden“ wird stilecht mit der Ami-Nationalhymne eingeleitet. Der nachfolgende Song „Declaration Day“ behandelt logischerweise gleich ersteinmal die Unabhängigkeitserklärung. Danach kommt es, wie es kommen mußte: „When The Eagle Cries“ ist die Ballade zum Hochhauscrash in New York. Damit die Scheibe nicht zur reinen Pathos-Platte verkommt, werden noch ein paar andere geschichtliche Themen verarbeitet. Attila der Hunne, der rote Baron und die Schlacht um Waterloo sind Themen, die das ansonsten rein amerikanische Geschichtskonzept der Platte auflockern sollen.
Doch es gibt auch Musik zu hören. Und die hat es mitunter recht heftig in sich. Während „Declaration Day“ eine eher durchschnittlich gute ICED EARTH-Hymne ist, wartet etwa „The Reckoning (Don’t Treat On Me)“ mit starken Chören und den typischen Stakkato-Riffs auf. Eines der Highlights. „Waterloo“ kommt mit einer starken Melodie daher und hat auch durchaus Hymnencharakter. „Attila“ startet mit einem Bathory-artigen „Hohoho“-Part, entwickelt sich jedoch recht schnell zu einem Doublebassklopfer mit getragenem Refrain. Die Ballade „When The Eagle Cries“ hingegen ist schon ziemlich kitschig.
Doch den eigentlichen Hammer liefert  Schaffer mit seiner Glanzleistung „Gettysburg (1863)“ ab. Das ca. 30minütige Epos ist das wohl ergreifendste, was ICED EARTH in ihrer gesamten Karriere aufgenommen haben. Erhabenheit, Kraft, Dramatik und Gefühl sind die Worte, mit denen man das in drei Teile aufgeteilte Werk am besten umreißen kann. An dieser Stelle soll endlich der neue Mann am Mikro mal lobend erwähnt werden. Tim Owens, wie jedes Kind weiß, vormals im Dienste von Judas Priest, kann hier endlich mal zeigen, was er so drauf hat. War er bei Priest noch im Halford-Schema gefangen, dreht er bei ICED EARTH richtig auf. „Gettysburg (1863)“ ist ein Befreiungsschlag für den Sänger, denn hier leistet er Unglaubliches. Seine Stimme umfaßt Nuancen, die bei Priest nie zum Vorschein kamen. Wer weiß, wie dieses Mammut-Werk mit Matthew Barlow geklungen hätte, ich für meinen Teil finde es mit Owens Gesang perfekt. Die balladesken Teile werden mit einer ergreifenden Inbrunst intoniert, bis Kanonenschläge sie durchbrechen. Orchestrale Einschübe bauen epische Spannungen auf, die sich in gewohnt heftigen Rifferuptionen entladen. Kriegstrommeln und Schlachtengeschrei sorgen für die nötige Intensität und die schier unglaublichen Melodien für fast schon schmerzende Gänsehäute. Stellte man Manowars, beileibe nicht schlechtes, „Achilles, Agony And Ecstasy In Eight Parts“ dem Stück „Gettysburg (1862)“ gegenüber, müßte selbst Joey DeMaio einsehen, diese Schlacht verloren zu haben. Nicht die Euphorie des Moments veranlaßte mich zu dieser Behauptung, sondern ein direkter Vergleich. Dieses Stück hat allein schon zehn Punkte verdient. Leider kann der Rest der Platte mit diesem Epos nicht ganz mithalten. Doch allein wegen „Gettysburg (1862)“ lohnt die Anschaffung von „The Glorious Burden“. Ich bin beeindruckt.
„Gettysburg (1862)“

THOMAS

BETRAYED „The Purity Of Pain“ 8
Eigenproduktion, 2002

BETRAYED - The Purity Of Pain

Äußerst roh und simpel gehen BETRAYED aus Hessen beim Musizieren zu Werke. Die seit 1996 existierende Band hat sich ganz dem Death Metal mit Thrash- und leichten Black Metal-Zitaten verschrieben und bringt dieses recht überzeugend rüber. Hier wird nicht lang gefackelt, sondern gleich gemeuchelt. Der Einstieg mit „War Of Ages“ reicht aus, um die Band auf Anhieb sympathisch zu machen. Das Teil ist ein Headbanger vor dem finsteren Herrn, hat einen eingängigen Refrain und ist bitterböse nach vorn peitschend. Der Sound läßt Erinnerungen an erste Sodom-Platten wach werden und kann somit als Kompliment verstanden werden. Was dem Quartett an handwerklichen Finessen abgeht, kompensieren sie mit dem richtigen Gefühl für erbarmungslosen Thrash/Death, und darauf kommt es an. Wer auf simplen Metal steht, bei dem man Schweiß, Bier, Leder und Blut förmlich riechen kann, der besorge sich „The Purity Of Pain“ und drehe den Lautstärkeregler ganz nach rechts. flo.hessen@t-online.de
„War Of Ages“

THOMAS

FIREBIRD „No.3“ 8
SPV/Steamhammer/cmm, 2003

FIREBIRD - No.3

Der Name FIREBIRD ist in der Metal-Szene sicherlich nicht ansatzweise so geläufig wie der Name des Mannes, der die Band ins Leben rief. Bill Steer war jahrelang Mitglied bei den britischen Grindcore-Pionieren von Napalm Death, bevor er mit Jeff Walker und Ken Owen jene Band gründete, welche die Grindcore- und Death Metal-Szene genauso inspirierte wie Bathory den Black Metal: Carcass. Als diese sich wegen nebulöser Business-Geschichten und dem daraus resultierenden persönlichen Zwist trennten, war die Zeit für Steer gekommen, seiner Leidenschaft für 60er-, und 70er-Jahre-Rock und Metal zu frönen und eine dementsprechende Band zu gründen. FIREBIRD waren geboren.
Das war 1999 und mittlerweile liegt das sinnigerweise „No.3“ betitelte, dritte Werk der Band vor. Gleich der Opener „Cross The Line“ wartet mit den für Steer typischen Hooklines auf und bleibt bis zur letzten Sekunde spannend. Gitarrentechnisch zieht Steer auf der Platte alle Register seines Könnens. Von vertrackten Grooves des bereits angesprochenen Openers über  die entspannte Coolness von „Off The Leash“ bis zu verträumten Licks und Läufen in „Long Gone“, einer gefühlvollen Ballade ohne Kitsch oder Klischee, ist es eine Wonne, Steer beim Spielen zuzuhören. Dazu kommt ein furztrocken produziertes Schlagzeugspiel und die vielgepriesene Hammondorgel, die ihren Teil zum Gelingen der Platte beitragen. Einziger Wehrmutstropfen: Steer ist zwar mit einem außerordentlichen Können auf der Klampfe gesegnet, jedoch wurde im eine nicht gerade ausdrucksstarke Stimme in die Wiege gelegt. So ist der Gesang die Achillesferse der CD. Doch der Mensch ist ein Gewohnheitstier. In diesem Falle umso mehr, wenn er sich über das Wiedersehen mit einem alten musikalischen Bekannten freut, und so kann man Steer verzeihen, daß er nicht gerade ein Ian Gillan ist. FIREBIRD ist sicher nicht das Lebenszeichen, was die meisten Carcass-Fans sich gewünscht haben, mir gefällt es jedoch allemal.
„Cross The Line“

THOMAS

BEFORE THE DAWN „My Darkness“ 8
Locomotive Music, 2003 

BEFORE THE DAWN - My Darkness

Melancholische, breite Gitarrenwände, wuchtige Drumbeats, klagender Gesang und wehmütige Melodien. Die Finnen melden sich zurück. Und wie! BEFORE THE DAWN spielen eine Musik, daß den Gothic-Metallern die Herzen krampfen und der Normalo-Metaller die CD hören kann, ohne sich vor seinen Kumpels rausreden zu müssen. Das heißt, BEFORE THE DAWN sind zwar Grufti-Girlie-Shirt-Trägerinnen-kompatibel, was die Melodien und die Keyboards anbelangt, im selben Maße aber auch Metal, daß Anhänger solcher Bands wie Sentenced, Samael oder Rotting Christ durchaus auf ihre Kosten kommen.
Die Band um Tuomas Saukkonen, der den Gitarristen und Sänger in rauen Tonlagen gibt, legt mit ihrer Debüt-CD „My Darkness“ einen Einstand nach Maß vor. Der Wechselgesang zwischen klarer Stimme (Panu Willman, Gitarre) und Gekeife gibt den Kompositionen an den entscheidenden Stellen die nötige Wirkung. Mit dem Gothic-Schmalz wird es nicht übertrieben, dennoch sind die Lieder nie zu lebensbejahend, wenn sie den nötigen Druck verbreiten. Zwar bewegen sich die Suomis größtenteils im Midtempo, doch können sie auch dort genügend Arsch treten. Wem Sentenced zum Sterben zu sarkastisch sind, HIM zu schwul, und Crematory zu poppig, der kann sich bei BEFORE THE DAWN vorzüglich die Pulsadern öffnen.
„Unbreakable“

THOMAS

HUMAN NATURE „Maximum Humane“ 6
Eigenproduktion, 2002

HUMAN NATURE - Maximum Humane

Einmal mehr meldet sich eine Hardcore-Band mit einer eigenproduzierten CD zu Wort und schneidet dabei nicht schlecht ab. Die Deutschen sparen sich im Großen und Ganzen 1000mal gehörte Standards und vereinen das Beste von Soulfly minus Tribal-Gemalle, also die Grooves, dezent mit der Abgedrehtheit von System Of A Down. Wobei die genannten Namen nur grobe Orientierungshilfen sein sollen. Das Gute daran ist, daß HUMAN NATURE das Ganze mit einer ordentlichen Portion Crustcore-Elementen versehen. Das gibt der Musik die nötige Aggression, um aus dem Einheitsbrei der Cavalera-Clones herauszuragen. Der Sound ist druckvoll aber nicht zu glatt poliert. Die Klampfen sägen schön im Mittenbereich. Einzig die Tatsache, daß sie es nicht immer schaffen, auf gängige Shout-Rhythmen zu verzichten, schmälert den Gesamteindruck etwas. Auch wenn die Metalriffs im Titelsong recht satt klingen. www.humannature-kyf.net
„O*bey“

THOMAS
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