An dieser
Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der
14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres
2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv
geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen
und gelten
gleichzeitig als Anspiel-Tip.
Bewertet wird
auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom
02. März 2004
DAVID
SHANKLE GROUP „Ashes to Ashes“ 7
Nuclear Blast,
Magic Circle Music, 2003
Nach Ross the
Boss kommt jetzt auch mit David Shankle ein alter Manowar-Mitstreiter mit
einer neuen Veröffentlichung aus der Versenkung zurück. Shankle
hat nach seinem Ausstieg bei Manowar nochmals die Gitarristen-Schulbank
gedrückt, um seinen bisherigen Fähigkeiten noch ein wenig Jazz-
und Klassik-Erfahrung draufsetzen zu können. Shankle, der nun seine
Brötchen als Gitarrenlehrer verdient, tat sich mit seinem alten Sandkastenkumpel
und Sänger Trace Edward Zaber zusammen, um die DSG auf die Beine zu
stellen. Ihnen zur Seite stehen Brian Gordon am Baß, Eddie Betishou
an den Tasten sowie Schlagzeuger Eddie Foltz.
Wenn man DSG
nach den sich aufdrängenden Manowar-Maßstäben mißt,
fällt erst einmal das permanent eingesetzte Keyboard auf, an das man
sich schon gewöhnen muß. Auch ist der Gesang von Zaber, der
sicherlich in Sachen Technik ein Meister ist, erst einmal schwierig zu
verdauen. Denn von der Ausstrahlung und dem Feeling eines Eric Adams ist
er weit entfernt. Zu glatt und artig kommen die Worte aus Zabers Kehle.
Gitarre und Schlagzeug bieten jedoch ein solides Klanggerüst. Songschreiberisch
sind David und seine Leute jedoch weit von solchen Großtaten, wie
sie seine alten Arbeitgeber vollbrachten, entfernt. Zu gradlinig und mit
wenig A-ha-Effekten spielt sich der Ami-Fünfer durch die Songs, von
denen lediglich „Widow's Peak“ überzeugen kann.
Betrachtet
man das Treiben von DSG nicht durch die Manowar-Brille, bietet Shankle
treibenden Heavy Metal mit Tastenuntermalung, die Melodic Metal-Fans ansprechen
könnte. Diese sollten aber auf der Hut sein, denn die Gitarrenwand,
die sich auf „Ashes to Ashes“ aufbaut, könnte sie erst einmal umreißen.
Hier knallt und bollert es an nahezu jeder Ecke und Kante. Die Songs fetzen
mit einer beachtlichen Geschwindigkeit durch die Gehörgänge und
Zaber ist für Fans von klaren, hohen Stimmen ein gefundenes Fressen.
Man darf DSG eben nur nicht nach Manowar-Maßstäben messen.
„Widow´s
Peak“
THOMAS
INFRONT
versus ANTICOPS „D-Fense“/“At War With Eden“ 8/8
Berlin Street
Rock, 2000
So kann man
es auch machen: Anstelle zweier separater CDs werden zwei Alben auf eine
gepackt. Da sparen alle Seiten. Die Fans, die Bands und das Label. Was
die Hardcore-Bands hier praktizierten, könnte meiner Meinung nach
ruhig Schule machen. INFRONT sind mit acht Songs vertreten, die allesamt
ohne lang zu fackeln auf den Punkt kommen. Uptempo, zackige Beats und garstiges
Gebrüll. Komplett ohne nervige Rap-Einlagen, Scratch-Gekasper oder
Nu Metal-Einflüsse. Auch schleppende Passagen sind den harten Jungs
ein Graus, und so gibt es ein kurzweiliges Hardcore-Hörvergnügen
von INFRONT geboten.
Die ANTICOPS
hingegen sind zwar auch keine Kinder von Traurigkeit, was die Härte
ihrer Musik anbelangt, wissen aber ihre Songs mit einigen Feinheiten aufzulockern.
Da kann hier schon mal eine kleine Melodie vernommen werden oder da ein
paar langsam groovende Anfänge auftauchen. Auch legt die Klampfe mal
ein spartanisches Lead hin, bevor es was aufs Maul gibt. Nicht, daß
das großartig ins Gewicht fiele oder den Sound der ANTICOPS verwässern
würde, aber es ist der Punkt, in dem sich die Bands am deutlichsten
voneinander unterscheiden. Wer auf kompromißlosen In-die-Fresse-Hardcore
steht, kann mit INFRONT versus ANTICOPS nichts verkehrt machen, wenn er
sich die CD unter folgender Adresse ordert: www.infront-berlin.de
"3rd World
Order" (INFRONT)
"Down And
Out!!" (ANTICOPS)
THOMAS
ODIUM
„A New Beginning...“ 7
Eigenproduktion,
2001
Wer auf Metal
ohne Eunuchengesang, Drachentöter-Texte und Tacker-Bassdrums steht
und sich dafür an eigenständigen Bands erfreuen kann, der ist
bei ODIUM bestens aufgehoben. Die deutsche Band wartet mit Riffs und Läufen
auf, die nicht nach Band X, Y klingen und einem doch vertraut sind. Das
Schlagzeug wartet hier und da mit wohlüberlegten und eigenständigen
Rhythmiken auf und die Songs nehmen mitunter geschickte Wendungen. ODIUM
fühlen sich durchaus im Midtempo wohl und so manches Mal kommt eine
melancholische Stimmung nicht von ungefähr. Das können ODIUM
durchaus auf ihrer Habenseite verbuchen.
Nicht ganz
so prall finde ich hingegen den Gesang von Fronter Reinhard Runkel, der
mit seiner Stimme schnell an seine Grenzen stößt, wenn es darum
geht, aus seiner heimischen Tonlage auszubrechen. Darin bewegt er sich
hingegen recht sicher. Ein für die CD ungewöhnliches Stück
ist ODIUM mit „Beast By Society“ gelungen. Der Refrain hebt sich mit seinem
Mitgröl-Charakter deutlich vom Rest der eher nachdenklich klingenden
Platte ab. Keine CD, die ich immer hören könnte, hat aber durchaus
ihre Reize. www.odium-metal.de
„Beast
By Society“
THOMAS
HAUNTED
GORGE „Demo 2002“ 8
Eigenproduktion,
2002
Auch, wenn
das groß herbeigeredete Thrash-Revival in der breiten Öffentlichkeit
der Metal-Szene eher schleppend verläuft, im Underground tut sich
in der Hinsicht seit längerer Zeit schon einiges. Neben den schon
ziemlich bekannten Dew-Scented, Delirious oder Blackened, haben sich mit
Armistice, Personal War oder Blood Red Angel schon so einige hoffnungsvolle
Bands formiert, die dem guten alten Sound frönen.
In die selbe
Kerbe haut nun eine weitere vielversprechende Band. HAUNTED GORGE ist ihr
Name und ihr Demo hat die 1999 gegründete Kapelle mit drei Stücken
versehen. Der Sound ist einem Demo entsprechend, aber dennoch zeigt sich,
daß die Schordorfer Thrasher ihr Handwerk verstehen. Im Stile der
alten deutschen Thrashbands ist die Musik eher rauer, was nicht zuletzt
am Gesang von Fronter Hebbe liegt. Dagegen klingen James Hetfield oder
Dave Mustaine doch noch recht brav. Auch gehen die Baden-Württemberger
etwas ungestümer zur Sache als etwa Testament in ihrer Hochphase.
Was daran liegt, daß anstelle ausgefeilter Melodielinien lieber die
Thrash-Axt geschwungen wird. Was nicht heißen soll, daß die
Stücke nicht eingängig wären. Es läßt sich hervorragend
der Schädel dazu bangen, und die Faust ballt sich von ganz allein.
Für meinen Geschmack hätte die CD ruhig ein bißchen länger
sein können. So bleibt nur der „Repeat“-Knopf. Daumen hoch.
„Tranquilizer“
THOMAS
U.D.O.
„Nailed To Metal-The Missing Tracks“ 9
AFM Rec./cmm,
2003
Udo Dirkschneider,
einer der Gottväter des deutschen Heavy Metal, ist trotz seiner überschrittenen
50 Lebensjahre immer noch dicke im Geschäft. Ein eindeutiger Beleg
dafür ist die Veröffentlichungsfrequenz von U.D.O.-Alben. Und
im Zeitalter der DVD will auch der ehemalige Accept-Chef nichts anbrennen
lassen. So hat sich der rege Sänger mit seinen Kollegen auf gemacht,
um ein neues Live-Album zu veröffentlichen.
„Nailed To
Metal - The Missing Tracks” stellt quasi die Fortführung zum 2001er
“Live From Russia”-Live-Album dar. Auf die anhaltenden Nachfragen der Fans
nach den alten Accept–Klassikern reagierte die Band, indem sie die Bänder
der Rußland-Tour nochmals sichtete und nun Nägel mit Köpfen
machte. So erscheint „Nailed To Metal...“ als Audio-CD, als DVD und als
Kombi-Pack mit beiden Formaten. Letzteres bringt es dann auf eine Gesamtspielzeit
von 315 Minuten! Value for money also. Doch zurück zum Album.
Dieses ist
mit knapp 60 Minuten auch nicht schlecht bestückt. Für Accept/U.D.O.-Fans
lohnt sich die Anschaffung allemal. Denn es gibt einen Haufen Klassiker
der älteren sowie der jüngeren Bandgeschichte in ergreifenden
Liveversionen zu hören. Die alten Accept-Gassenhauer „Fast As
A Shark“, „Restless And Wild“, „Metal Heart“ oder das mit der simpel-genialen
Melodie bestückte „Princess Of The Dawn“ allein sind schon eine Überlegung
der Anschaffung wert. Stücke wie „Holy“, „Thunder In The Tower“ oder
„Raiders From Beyond“ aus der U.D.O.-Ära werden mit spürbarer
Spielfreude intoniert. Kein Wunder, in Rußland kamen zu den Shows
insgesamt etwa 100 000 Fans. Selbst für gestandene Profis ist das
mit Sicherheit noch ein Adrenalin-Garant. Was auffällt, ist, daß
die bei Musikern allseits beliebten Mitsingspielchen, welche bei vielen
Bands eher peinlich wirken, bei U.D.O. allesamt geil klingen und den Hörer
ahnen lassen, was an diesem Abend für eine Stimmung geherrscht haben
muß. Sogar beim Schlagzeugsolo ist die Stimmung grandios, und wenn
die Fans selbst die Leadgitarren mitsingen, kann kein Fan ohne Gänsehaut
vor der Anlage sitzen. Keine Frage, dieses Album ist alles andere als eine
halbherzige Angelegenheit. Mit Udo Dirkschneider kann man sicher noch eine
ganze Weile rechnen.
„Fast As
A Shark“
THOMAS
KABBAL
„Synthetically Revived“ 8
Diamond Prod./Adipocere
Rec., 2002
Es tut sich
doch noch so einiges im französischen Underground neben den ganzen
rotweintrinkenden, mit Rüschenhemden bekleideten Philosophie-Studenten
und ihren Ach-so-innovativen Bands und den sich zu Tode experimentierenden
Alt-Stars. Da kommen nun nach und nach einige kleine aber feine Perlen
zum Vorschein, die ich den Tricolore-Brüdern gar nicht mehr zugetraut
hätte. Neben Temple Of Baal, welche sich voll und ganz dem Black Metal
verschrieben haben, kommen nun KABBAL daher und zelebrieren technischen
Death Metal fast schon in Vollendung. „Synthetically Revived“ ist ein brutaler
Bastard aus der technischen Finesse solcher Acts wie Morbid Angel und Monstrosity,
der songschreiberischen Überraschungen wie sie Death einst lieferten
und dem ungestümen Riffing, welches es braucht, um nicht als bloße
Kopfmusiker dazustehen. Die Musik marschiert dunkel und bedrohlich aus
den Boxen wie ein Kommando unerbittlicher Dämonen mit dem Auftrag
des Höllenfürsten, Dich gefügig zu machen. Und bitte mit
Gewalt. Hin und wieder schlüpfen ein paar Melodien mit durch, die
Dich vor Deinem höchstwahrscheinlichen Ableben noch einmal salben
und die anstehende Pein zu lindern versuchen. Netter Versuch, doch vergeblich.
KABBAL machen Dich glatt. Daran besteht kein Zweifel.
„The Great
Massacre (Verset 666)“
THOMAS
CONTRAGGRESSIVE
„Shellfire“ 5
Eigenproduktion
Deathcore nennen
die Jungs von CONTRAGGRESSIVE ihre Musik. Also eine Mischung aus Death
Metal und Hardcore. Der Death Metal hat bei den Braunschweigern aber so
ziemlich die Oberhand. Dieser ist frei von übermäßigen
Geschwindigkeitsattacken und bewegt sich eher im walzenden Midtempobereich.
Der Hardcore-Anteil beschränkt sich auf vereinzelte Grooves und den
kehligen Gesang. Dieser ist schön tief und wirkt nicht bemüht.
Im Gegensatz zu einigen Riffs, die sich ganz auf den Rhythmus verlassen
und somit oft alles andere als spannend sind.
Das genaue
Gegenteil dieser Beschreibung ist der Song „Mindless“. Hier kommt der Rhythmus
der Klampfen richtig gut zum Tragen und groovt wie Sau. Dafür ist
der Gesang, sofern er die dumpfen Tonlagen verläßt, um klarer
zu wirken, die Schwachstelle. So richtig begeistern kann mich die Musik
von CONTRAGGRESSIVE nicht, da der nötige Kick fehlt und die Jungs
nicht so richtig aus den Puschen kommen. Mag sein, daß das live ganz
anders ist. Doch auf CD hat „Shellfire“ so seine Längen. www.contraggressive.de
„Mindless“
THOMAS
ICED
EARTH „The Glorious Burden“ 9
Steamhammer/SPV/cmm,
2004
Womit antwortet
ein echter Amerikaner darauf, daß ihm wegen seinem Patriotismus jemand
ans Bein pißt? Richtig, mit noch mehr Patriotismus. So geschehen
bei ICED EARTH. Der langjährige Sänger Matthew Barlow verließ
laut John Schaffer die Band, um nach dem 11. September sein Land zu verteidigen
und schnitt sich die Haare ab. Bandboß Schaffer hingegen schrieb
mit „The Glorious Burden“ die wohl patriotischste Metal-CD der Geschichte.
Hätte dies ein Deutscher in dem Maße getan wie es Schaffer tat,
hätte er sicherlich schon den Staatsschutz am Hals. „The Glorious
Burden“ wird stilecht mit der Ami-Nationalhymne eingeleitet. Der nachfolgende
Song „Declaration Day“ behandelt logischerweise gleich ersteinmal die Unabhängigkeitserklärung.
Danach kommt es, wie es kommen mußte: „When The Eagle Cries“ ist
die Ballade zum Hochhauscrash in New York. Damit die Scheibe nicht zur
reinen Pathos-Platte verkommt, werden noch ein paar andere geschichtliche
Themen verarbeitet. Attila der Hunne, der rote Baron und die Schlacht um
Waterloo sind Themen, die das ansonsten rein amerikanische Geschichtskonzept
der Platte auflockern sollen.
Doch es gibt
auch Musik zu hören. Und die hat es mitunter recht heftig in sich.
Während „Declaration Day“ eine eher durchschnittlich gute ICED EARTH-Hymne
ist, wartet etwa „The Reckoning (Don’t Treat On Me)“ mit starken Chören
und den typischen Stakkato-Riffs auf. Eines der Highlights. „Waterloo“
kommt mit einer starken Melodie daher und hat auch durchaus Hymnencharakter.
„Attila“ startet mit einem Bathory-artigen „Hohoho“-Part, entwickelt sich
jedoch recht schnell zu einem Doublebassklopfer mit getragenem Refrain.
Die Ballade „When The Eagle Cries“ hingegen ist schon ziemlich kitschig.
Doch den eigentlichen
Hammer liefert Schaffer mit seiner Glanzleistung „Gettysburg (1863)“
ab. Das ca. 30minütige Epos ist das wohl ergreifendste, was ICED EARTH
in ihrer gesamten Karriere aufgenommen haben. Erhabenheit, Kraft, Dramatik
und Gefühl sind die Worte, mit denen man das in drei Teile aufgeteilte
Werk am besten umreißen kann. An dieser Stelle soll endlich der neue
Mann am Mikro mal lobend erwähnt werden. Tim Owens, wie jedes Kind
weiß, vormals im Dienste von Judas Priest, kann hier endlich mal
zeigen, was er so drauf hat. War er bei Priest noch im Halford-Schema gefangen,
dreht er bei ICED EARTH richtig auf. „Gettysburg (1863)“ ist ein Befreiungsschlag
für den Sänger, denn hier leistet er Unglaubliches. Seine Stimme
umfaßt Nuancen, die bei Priest nie zum Vorschein kamen. Wer weiß,
wie dieses Mammut-Werk mit Matthew Barlow geklungen hätte, ich für
meinen Teil finde es mit Owens Gesang perfekt. Die balladesken Teile werden
mit einer ergreifenden Inbrunst intoniert, bis Kanonenschläge sie
durchbrechen. Orchestrale Einschübe bauen epische Spannungen auf,
die sich in gewohnt heftigen Rifferuptionen entladen. Kriegstrommeln und
Schlachtengeschrei sorgen für die nötige Intensität und
die schier unglaublichen Melodien für fast schon schmerzende Gänsehäute.
Stellte man Manowars, beileibe nicht schlechtes, „Achilles, Agony And Ecstasy
In Eight Parts“ dem Stück „Gettysburg (1862)“ gegenüber, müßte
selbst Joey DeMaio einsehen, diese Schlacht verloren zu haben. Nicht die
Euphorie des Moments veranlaßte mich zu dieser Behauptung, sondern
ein direkter Vergleich. Dieses Stück hat allein schon zehn Punkte
verdient. Leider kann der Rest der Platte mit diesem Epos nicht ganz mithalten.
Doch allein wegen „Gettysburg (1862)“ lohnt die Anschaffung von „The Glorious
Burden“. Ich bin beeindruckt.
„Gettysburg
(1862)“
THOMAS
BETRAYED
„The Purity Of Pain“ 8
Eigenproduktion,
2002
Äußerst
roh und simpel gehen BETRAYED aus Hessen beim Musizieren zu Werke. Die
seit 1996 existierende Band hat sich ganz dem Death Metal mit Thrash- und
leichten Black Metal-Zitaten verschrieben und bringt dieses recht überzeugend
rüber. Hier wird nicht lang gefackelt, sondern gleich gemeuchelt.
Der Einstieg mit „War Of Ages“ reicht aus, um die Band auf Anhieb sympathisch
zu machen. Das Teil ist ein Headbanger vor dem finsteren Herrn, hat einen
eingängigen Refrain und ist bitterböse nach vorn peitschend.
Der Sound läßt Erinnerungen an erste Sodom-Platten wach werden
und kann somit als Kompliment verstanden werden. Was dem Quartett an handwerklichen
Finessen abgeht, kompensieren sie mit dem richtigen Gefühl für
erbarmungslosen Thrash/Death, und darauf kommt es an. Wer auf simplen Metal
steht, bei dem man Schweiß, Bier, Leder und Blut förmlich riechen
kann, der besorge sich „The Purity Of Pain“ und drehe den Lautstärkeregler
ganz nach rechts. flo.hessen@t-online.de
„War Of
Ages“
THOMAS
FIREBIRD
„No.3“ 8
SPV/Steamhammer/cmm,
2003
Der Name FIREBIRD
ist in der Metal-Szene sicherlich nicht ansatzweise so geläufig wie
der Name des Mannes, der die Band ins Leben rief. Bill Steer war jahrelang
Mitglied bei den britischen Grindcore-Pionieren von Napalm Death, bevor
er mit Jeff Walker und Ken Owen jene Band gründete, welche die Grindcore-
und Death Metal-Szene genauso inspirierte wie Bathory den Black Metal:
Carcass. Als diese sich wegen nebulöser Business-Geschichten und dem
daraus resultierenden persönlichen Zwist trennten, war die Zeit für
Steer gekommen, seiner Leidenschaft für 60er-, und 70er-Jahre-Rock
und Metal zu frönen und eine dementsprechende Band zu gründen.
FIREBIRD waren geboren.
Das war 1999
und mittlerweile liegt das sinnigerweise „No.3“ betitelte, dritte Werk
der Band vor. Gleich der Opener „Cross The Line“ wartet mit den für
Steer typischen Hooklines auf und bleibt bis zur letzten Sekunde spannend.
Gitarrentechnisch zieht Steer auf der Platte alle Register seines Könnens.
Von vertrackten Grooves des bereits angesprochenen Openers über
die entspannte Coolness von „Off The Leash“ bis zu verträumten Licks
und Läufen in „Long Gone“, einer gefühlvollen Ballade ohne Kitsch
oder Klischee, ist es eine Wonne, Steer beim Spielen zuzuhören. Dazu
kommt ein furztrocken produziertes Schlagzeugspiel und die vielgepriesene
Hammondorgel, die ihren Teil zum Gelingen der Platte beitragen. Einziger
Wehrmutstropfen: Steer ist zwar mit einem außerordentlichen Können
auf der Klampfe gesegnet, jedoch wurde im eine nicht gerade ausdrucksstarke
Stimme in die Wiege gelegt. So ist der Gesang die Achillesferse der CD.
Doch der Mensch ist ein Gewohnheitstier. In diesem Falle umso mehr, wenn
er sich über das Wiedersehen mit einem alten musikalischen Bekannten
freut, und so kann man Steer verzeihen, daß er nicht gerade ein Ian
Gillan ist. FIREBIRD ist sicher nicht das Lebenszeichen, was die meisten
Carcass-Fans sich gewünscht haben, mir gefällt es jedoch allemal.
„Cross
The Line“
THOMAS
BEFORE
THE DAWN „My Darkness“ 8
Locomotive
Music, 2003
Melancholische,
breite Gitarrenwände, wuchtige Drumbeats, klagender Gesang und wehmütige
Melodien. Die Finnen melden sich zurück. Und wie! BEFORE THE DAWN
spielen eine Musik, daß den Gothic-Metallern die Herzen krampfen
und der Normalo-Metaller die CD hören kann, ohne sich vor seinen Kumpels
rausreden zu müssen. Das heißt, BEFORE THE DAWN sind zwar Grufti-Girlie-Shirt-Trägerinnen-kompatibel,
was die Melodien und die Keyboards anbelangt, im selben Maße aber
auch Metal, daß Anhänger solcher Bands wie Sentenced, Samael
oder Rotting Christ durchaus auf ihre Kosten kommen.
Die Band um
Tuomas Saukkonen, der den Gitarristen und Sänger in rauen Tonlagen
gibt, legt mit ihrer Debüt-CD „My Darkness“ einen Einstand nach Maß
vor. Der Wechselgesang zwischen klarer Stimme (Panu Willman, Gitarre) und
Gekeife gibt den Kompositionen an den entscheidenden Stellen die nötige
Wirkung. Mit dem Gothic-Schmalz wird es nicht übertrieben, dennoch
sind die Lieder nie zu lebensbejahend, wenn sie den nötigen Druck
verbreiten. Zwar bewegen sich die Suomis größtenteils im Midtempo,
doch können sie auch dort genügend Arsch treten. Wem Sentenced
zum Sterben zu sarkastisch sind, HIM zu schwul, und Crematory zu poppig,
der kann sich bei BEFORE THE DAWN vorzüglich die Pulsadern öffnen.
„Unbreakable“
THOMAS
HUMAN
NATURE „Maximum Humane“ 6
Eigenproduktion,
2002
Einmal mehr
meldet sich eine Hardcore-Band mit einer eigenproduzierten CD zu Wort und
schneidet dabei nicht schlecht ab. Die Deutschen sparen sich im Großen
und Ganzen 1000mal gehörte Standards und vereinen das Beste von Soulfly
minus Tribal-Gemalle, also die Grooves, dezent mit der Abgedrehtheit von
System Of A Down. Wobei die genannten Namen nur grobe Orientierungshilfen
sein sollen. Das Gute daran ist, daß HUMAN NATURE das Ganze mit einer
ordentlichen Portion Crustcore-Elementen versehen. Das gibt der Musik die
nötige Aggression, um aus dem Einheitsbrei der Cavalera-Clones herauszuragen.
Der Sound ist druckvoll aber nicht zu glatt poliert. Die Klampfen sägen
schön im Mittenbereich. Einzig die Tatsache, daß sie es nicht
immer schaffen, auf gängige Shout-Rhythmen zu verzichten, schmälert
den Gesamteindruck etwas. Auch wenn die Metalriffs im Titelsong recht satt
klingen. www.humannature-kyf.net
„O*bey“
THOMAS
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