NEGATE
"The Dead Guy Palace" 4
Voices Of
Life Rec., 2001
NEGATE ist
eine von den Bands, wo man selbst nach dem fünften Durchlauf noch
nicht weiß, was die Band eigentlich von einem will. Die Belgier machen
einen auf "Wir stellen Euch die gesamte Extrem-Metalszene in einer CD vor.".
Das heißt, sie thrashen in den ersten Akkorden nach dem New Metal-Intro
recht amtlich und man glaubt eine gute CD im Player zu haben. Auch wenn
sie auf einmal in den Death Metal umschwenken. Doch kaum, daß man
den Bruch verarbeitet hat, tönen schlecht geklaute Cradle Of Filth-Riffs
aus den Boxen. Es ist aber noch dieselbe CD. Dann kommt Hardcore-Gebrülle,
aber auch nur kurz und schon wenden sie sich dem nächsten Genre zu.
Was in der Theorie vielleicht noch ganz spannend klingt, geht einem aber
nach ein paar Songs richtig auf die Nerven. NEGATE experimentieren plakativ
ohne Gefühl für die Lieder. Die einzelnen Versatzstücke
haben durchaus etwas, aber immer nach demselben Strickmuster: Ideenlos
aneinander gereiht macht das einfach keinen Sinn, und man hört schon
wieder weg. "The Dead Guy Palace" könnte auch "The Wastet Ideas Palace"
heißen.
"The Dead
Guy Palace"
THOMAS
ORPHEÉ
"Orpheé" 5
Eigenproduktion,
1999
Einen etwas
herben Gegensatz zu den eher im metallischen Sektor angesiedelten Bands
in unserer Sendung stehen die Neu Kalißer von ORPHEÉ. Ihre
Musik ist zum Teil im New Metal angesiedelt, wird dieser Bezeichnung aber
nicht vollends gerecht, da sie darüber hinaus Einflüsse aus verschiedenen
Spielarten einbringen. Sänger Leo macht von Zeit zu Zeit gar Depeche
Mode Konkurrenz, was er aber drauf hat. Es gibt fies zwirbelnde Gitarrenriffs
und Samples und im nächsten Moment theatralische Keyboardmelodien
mit starken Gesangslinien. Man merkt deutlich, daß sich ORPHEÉ
um Abwechslung bemühen, was ihnen auch größtenteils gelingt.
Dennoch kann ich persönlich nicht allzuviel mit der Scheibe anfangen,
da mir Metalklischees mehr liegen. Aber dennoch kann man bei ORPHEÉ
mal ein Ohr riskieren. orphee@web.de,
www.orphee-web.de
"Plague"
THOMAS
CRIMINAL „Cancer“ 8
Metal Blade, 2001
Wenn es um Heavy Metal aus Südamerika
geht, wird immer zuerst Brasilien genannt. Kein Wunder: Sepultura, Ratos
de Parao, Tuatha de Danann, Krisiun ... um nur einige zu nennen. Allerdings
tut sich auch in den anderen Staaten dieses Schmelztiegel-Kontinents etwas.
Siehe CRIMINAL. Die stammen nämlich aus Chile. Und mit ihrer aktuellen
Scheibe „Cancer“ stecken sie manchen der großen brasilianischen Acts
voll in den Sack. Sepultura sowieso.
„Play God“
Abgesehen davon, daß bei CRIMINAL
der Kopf der 80er-Jahre-Legende Pentagram, Anton Reisenegger, singt und
Gitarre spielt, glänzen die Chilenen mit astreinem Thrash Metal, den
man nicht ohne Weiteres mit irgend welchen anderen Bands dieses Genres
vergleichen kann. Vielleicht liegt es auch ein wenig an dieser kaum merklichen
Prise Hardcore, die den Songs beigemischt wurde, das Ganze aber nur bereichert.
Auch eine Messerspitze Death Metal durfte es sein. CRIMINAL machen nicht
nur Alarm um des Alarms Willen, sondern gehen songdienlich zu Werke, lassen
Melodien wirken und haben an manchen Stellen richtig hübsche Gitarren-Soli
integriert.
„Above And Beyond“
JUB
LOGAR'S
DIARY "Book 1: Iostros" 8 (BANDS-BATTLE-BAND)
Eigenproduktion,
2001
Alles oder
Nichts scheint das Motto der Band LOGAR'S DIARY zu sein. Mit einer Konzept-CD
warten sie auf, und mit was für einer. Der Magier Logar, der Titelheld,
erlebt die tollsten Abenteuer und schreibt sie in sein Tagebuch, welches
die textliche Grundlage für "Book 1: Iostros" liefert. Musikalisch
machen LOGAR'S DIARY dort weiter, wo Blind Guardian mit "Tales From The
Twilight World" aufhörten, nur eben auf ihre Art und Weise. Will heißen:
Stimmiger, melodischer Metal, nicht zu lasch,
mit folkigen
Einsprenkseln wird geboten. Dazu kommt eine kleine Armada von Gastsängern,
die die Chöre lebendiger machen. Mit Hagen Hirschmann haben LOGAR'S
DIARY einen Sänger in ihren Reihen, welcher den großen seines
Fachs in nichts nachsteht. Das Booklet ist interressant gestaltet und es
sollte mit dem Teufel zugehen, wenn LOGAR'S DIARY nicht bald ein kompetentes
Label hinter sich wissen. Bis dahin solltet Ihr "Book 1: Iostros" aber
noch bei der Band selbst beziehen. Shaddowfox@t-online.de,
www.logar.org
"Travelling
To The Blood Woods"/"Ti' An - A Troubadour's Ballad"
THOMAS
THE
PROJECT HATE „When We Are Done ... Your Flesh Will Be Ours“ 7
Massacre Rec/Connected,
2001
Kenth Philipson
und Jörgen Sandström sind THE PROJECT HATE. Ein Duo also, bei
dem obendrein die eine Hälfte lediglich für den Gesang zuständig
ist. Also doch nur das Ein-Mann-Projekt von Kenth Philipson? Im Falle von
THE PROJECT HATE spielt diese Frage gar nicht mal unbedingt so die ausschlaggebende
Rolle. Denn mit der CD „When We Are Done ... Your Flesh Will Be Ours“ hat
die „Band“ ein kleines Highlight geschaffen, das so gar nicht nach dem
Ego-Trip eines exaltierten Einzelkünstlers klingt.
So wie Peter
Tägtgren mit Pain einen beinahe pop-musikalischen Ausbruch aus seiner
Hypocrisy-Umklammerung praktizierte, kommt uns Kenth Philipson mit einer
Mischung aus Death Metal, Gothic, EBM und Industrial, die zu keiner Zeit
aufgesetzt wirkt, sondern immer eine gehörige Portion Eingängigkeit
und Drive zu bieten hat. Auch wenn die letzten vier Songs der Scheibe sowohl
an Druck, als auch an Tempo einbüßen. Der Atmosphäre der
Stücke kommen sicher auch die heftigen Growls von Sandström und
die Alt-Stimme von Sängerin Mia Stahl zugute. Auch wenn die Zutaten
üblich scheinen, hat diese CD durch außerordentlich ausgeklügelte
Arrangements immer Außergewöhnliches zu bieten. Das verhindert
ja bekanntlich eine schnelle Abnutzung.
“Can`t
Wait“
JUB
dogma
IVS "Dunkelheit und Licht" 7 (BANDS-BATTLE-BAND)
Eigenproduktion,
2000
Ein mächtiges
Pfund präsentieren uns die Jungs von dogma IVS. Zu mörderischem
Hardcore-Getrümmer gesellen sich die wohl neben Disinfect brachialsten
Metalklampfen, die ich je auf einer Eigenproduktion hörte. Kein Wunder,
mit Andy Classen saß auch ein echter Könner an den Reglern.
Die Goslaer
Band macht keinen Hehl daraus, nicht gerade die größten Menschenfreunde
zu sein. Die in deutsch verfaßten Texte der Band und die Filmsamples
sprechen
diesbezüglich eine deutliche Sprache. "Die Menschen, sie sind wie
Vieh..." Sehr sympathisch. Besonders der Text zu "Europas Sturz" verdient
Beachtung. Auch wenn Hardcore nicht so Euer Ding ist, könnt Ihr ruhig
mal reinhören. Es lohnt sich! sebastian@dogmaivs.com,
www.dogmaivs.com
"Europas
Sturz"
"Jetzt erlöschen
die Lichter über Europa, und niemand, der noch lebt, wird sie wieder
leuchten sehen..."(Sir E. Grey)
"Haßcontainer"
THOMAS
SQUEALER
„Under The Cross“ 9
AFM, 2002
„Down And
Out“
Daß
auch die gestandenen deutschen Metal-Musiker absolut auf der Höhe
der Zeit sind, haben wir bei INTERREGNUM schon so manches Mal unter Beweis
gestellt. Mit SQUEALERs „Under The Cross“ kommt ein erneutes Argument für
die herausragende Qualität der deutschen Szene.
„Facing The
Death“
Eigentlich
konnten SQUEALER schon mit den Vorgängern „The Prophecy“ und „Made
For Eternity“ überzeugen: Heftiges Riffing paarte sich mit Hammer-Refrain-Melodien,
wenn Power Metal, dann war es die Power des Heavy Metal der 80-er Jahre.
Mit der neuen
Scheibe haben sich die Rezepte keineswegs geändert. Allerdings ist
man durchaus etwas krachiger geworden. Vergleiche zu Angel Dusts „Bleed“
und „Enlighten The Darkness“ sind unverkennbar. Die Thematik - Religion,
Fanatismus usw. - ist wirklich Klasse umgesetzt. Man höre nur den
Titelsong. Auch die Geschichte über den wichsenden Mönch („Painful
Lust“) ist eine hübsche Idee.
Damit aber
nicht genug. SQUEALER kommen uns bei „Fade Away“ überraschender Weise
leicht gotisch und zaubern mit „In Zaire“ ein wirklich intelligentes und
amüsantes Johnny Wakelin-Cover hervor, das die Bimbo-Musik-Einflüsse
im Metal hopp nimmt.
Und schließlich
hat die Band nach zwei doch recht affigen Bildchen auf ihren Vorgänger-CDs
endlich ein Cover-Artwork, das reinhaut.
„In Zaire“
JUB
MISERY
SPEAKS "Psycho-Trauma-Phobia" 8 (BANDS-BATTLE-BAND)
Eigenproduktion,
2001
MISERY SPEAKS
aus Hamm rocken das Haus. Nach einem verträumten Klavier-Intro steigert
sich die Band in einen Spielrausch, der zu hören Spaß macht.
Weil die Band erstens auf übermäßiges Gefrickel verzichtet
und zweitens die Stimme rauh klingt, ohne an Death Metal zu erinnern, und
sie somit besser zur Musik paßt. Außerdem übernehmen sie
zwar die Melodieführung der Gitarren von den sogenannten Melodic Death
Metal Bands, sind aber ansonsten eher im klassischen Heavy Metal zu Hause.
Weniger ist manchmal eben mehr. MISERY SPEAKS haben das begriffen und machen
das Beste daraus. "Psycho-Trauma-Phobia" brät ordentlich, ich bin
zufrieden und das wird mit acht Punkten belohnt. olaf@miseryspeaks.de,
www.miseryspeaks.de
"The Falling
Masquerade"
THOMAS
ARCH
ENEMY „A Collection Of Rare & Unreleased Songs From The Arch Enemy
Vault“
8
Century Media,
2002
Die Labels
haben sich derzeit tatsächlich darauf verlegt, von jenen Bands, die
eh gut gehen, spezielle Tonträger mit unveröffentlichten und
raren Sachen herauszubringen. Meist wird das als Geschenk an die Fans deklariert,
ist aber doch vor allem eine zusätzliche Mark für die Plattenfirmen.
Ein Zeichen für knappe Kassen? Wer weiß, wir werden sehen, wieviele
der kleinen und mittelgroßen Label-Namen es in ein oder zwei Jahren
noch gibt.
Aber darum
geht’s nicht. Vielmehr waren wir bei diesen sogenannten Fan-Geschenken:
Stratovarius, Royal Hunt, Meshuggah, Hypocrisy, Virgin Steele - um nur
einige zu nennen - waren zu Raritäten- und The-Best-Of-Ehren gekommen.
Und die meisten davon - das sei hier mit Nachdruck herausgestellt - waren
wirklich hervorragende Veröffentlichungen. In die Liste der Kracher
reiht sich jetzt auch die „A Collection Of Rare & Unreleased Songs
From The Arch Enemy Vault“ ein.
„Scream
Of Anger“
Passend zum
Frontmann-Wechsel - bei Arch Enemy singt jetzt bekanntlich Sängerin
Angela Gossow - wird mit der Collection parallel zur eben erschienenen
„Wages Of Sin“ eine Rückschau gehalten, die es wirklich in sich hat.
„Starbreaker“, „Scream Of Anger“ und „Diva Satanica“ sind echte Hits. Das
Iron Maiden-Cover „Aces High“ eine Riesen-Überraschung. Natürlich
ist dieses Niveau auf der Scheibe nicht ganz zu halten, handelt es sich
doch eben zum Teil um bisher aussortiertes Material. Das kann nun mal nicht
immer an die Glanztaten einer Band heranreichen.
Trotzdem:
Absolut empfehlenswerte CD voll Abwechslung und Heavy Metal-Perlen.
„Aces High“
JUB
TED
NUGENT „Full Bluntal Nugity“ 8
Spitfire,
2001
Gestandenen
Heavy Metal-Fans braucht man über TED NUGENT eigentlich überhaupt
nichts zu erzählen. Dafür ist dieser Mann vor allem für
die US-amerikanische Metal-Szene viel zu bedeutend gewesen, malträtiert
der Hüne doch schon seit fast 35 Jahren seine Gitarre öffentlich
auf Bühnen, in Proberäumen und in Aufnahmestudios. Diesmal hat
Nugent sich Schlagzeuger Tommy Aldridge (Gary Moore, Whitesnake, Ozzy Osbourne
und und und) sowie Basser Marco Mendoza (Blue Murder, Thin Lizzy) als Verstärkung
geholt und am 31. Dezember 2000 im Palace Of Auburn Hill eine Live-Show
aufgenommen, die genauso rüberkommt, wie sie aufgezeichnet wurde.
Overdubs gibt es an keiner Stelle. Dieser Hang zum Unverfälschten
paßt zu Nugent wie zu kaum einem anderen. Er ist nämlich der
Mann der Prinzipien: Kein Alkohol, keine Drogen, viel Sport, gejagt wird
mit Pfeil und Bogen, Amerika ist für ihn der Mittelpunkt des Universums,
Mohren minderwertig, das Ausland dazu da, um darin Krieg zu führen
und mit Frauen sollte man vögeln, nicht reden.
TED NUGENT
vereint auf diesem Album eine Reihe seiner großartigen Solo-Klassiker,
läßt Material aus seiner Zeit bei den Damn Yankees aber außen
vor.
„Stranglehold“
JUB
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