An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 02. April 2002


NEGATE "The Dead Guy Palace" 4
Voices Of Life Rec., 2001

Negate - The Dead Guy Palace

NEGATE ist eine von den Bands, wo man selbst nach dem fünften Durchlauf noch nicht weiß, was die Band eigentlich von einem will. Die Belgier machen einen auf "Wir stellen Euch die gesamte Extrem-Metalszene in einer CD vor.". Das heißt, sie thrashen in den ersten Akkorden nach dem New Metal-Intro recht amtlich und man glaubt eine gute CD im Player zu haben. Auch wenn sie auf einmal in den Death Metal umschwenken. Doch kaum, daß man den Bruch verarbeitet hat, tönen schlecht geklaute Cradle Of Filth-Riffs aus den Boxen. Es ist aber noch dieselbe CD. Dann kommt Hardcore-Gebrülle, aber auch nur kurz und schon wenden sie sich dem nächsten Genre zu. Was in der Theorie vielleicht noch ganz spannend klingt, geht einem aber nach ein paar Songs richtig auf die Nerven. NEGATE experimentieren plakativ ohne Gefühl für die Lieder. Die einzelnen Versatzstücke haben durchaus etwas, aber immer nach demselben Strickmuster: Ideenlos aneinander gereiht macht das einfach keinen Sinn, und man hört schon wieder weg. "The Dead Guy Palace" könnte auch "The Wastet Ideas Palace" heißen.
"The Dead Guy Palace"

THOMAS

ORPHEÉ "Orpheé" 5
Eigenproduktion, 1999

Orpheé

Einen etwas herben Gegensatz zu den eher im metallischen Sektor angesiedelten Bands in unserer Sendung stehen die Neu Kalißer von ORPHEÉ. Ihre Musik ist zum Teil im New Metal angesiedelt, wird dieser Bezeichnung aber nicht vollends gerecht, da sie darüber hinaus Einflüsse aus verschiedenen Spielarten einbringen. Sänger Leo macht von Zeit zu Zeit gar Depeche Mode Konkurrenz, was er aber drauf hat. Es gibt fies zwirbelnde Gitarrenriffs und Samples und im nächsten Moment theatralische Keyboardmelodien mit starken Gesangslinien. Man merkt deutlich, daß sich ORPHEÉ um Abwechslung bemühen, was ihnen auch größtenteils gelingt. Dennoch kann ich persönlich nicht allzuviel mit der Scheibe anfangen, da mir Metalklischees mehr liegen. Aber dennoch kann man bei ORPHEÉ mal ein Ohr riskieren. orphee@web.de, www.orphee-web.de
"Plague"

THOMAS

CRIMINAL „Cancer“ 8
Metal Blade, 2001

Criminal - Cancer

Wenn es um Heavy Metal aus Südamerika geht, wird immer zuerst Brasilien genannt. Kein Wunder: Sepultura, Ratos de Parao, Tuatha de Danann, Krisiun ... um nur einige zu nennen. Allerdings tut sich auch in den anderen Staaten dieses Schmelztiegel-Kontinents etwas. Siehe CRIMINAL. Die stammen nämlich aus Chile. Und mit ihrer aktuellen Scheibe „Cancer“ stecken sie manchen der großen brasilianischen Acts voll in den Sack. Sepultura sowieso.
„Play God“
Abgesehen davon, daß bei CRIMINAL der Kopf der 80er-Jahre-Legende Pentagram, Anton Reisenegger, singt und Gitarre spielt, glänzen die Chilenen mit astreinem Thrash Metal, den man nicht ohne Weiteres mit irgend welchen anderen Bands dieses Genres vergleichen kann. Vielleicht liegt es auch ein wenig an dieser kaum merklichen Prise Hardcore, die den Songs beigemischt wurde, das Ganze aber nur bereichert. Auch eine Messerspitze Death Metal durfte es sein. CRIMINAL machen nicht nur Alarm um des Alarms Willen, sondern gehen songdienlich zu Werke, lassen Melodien wirken und haben an manchen Stellen richtig hübsche Gitarren-Soli integriert.
„Above And Beyond“

JUB

LOGAR'S DIARY "Book 1: Iostros" 8 (BANDS-BATTLE-BAND)
Eigenproduktion, 2001

Logar's Diary - Book 1: Iostros

Alles oder Nichts scheint das Motto der Band LOGAR'S DIARY zu sein. Mit einer Konzept-CD warten sie auf, und mit was für einer. Der Magier Logar, der Titelheld, erlebt die tollsten Abenteuer und schreibt sie in sein Tagebuch, welches die textliche Grundlage für "Book 1: Iostros" liefert. Musikalisch machen LOGAR'S DIARY dort weiter, wo Blind Guardian mit "Tales From The Twilight World" aufhörten, nur eben auf ihre Art und Weise. Will heißen: Stimmiger, melodischer Metal, nicht zu lasch,
mit folkigen Einsprenkseln wird geboten. Dazu kommt eine kleine Armada von Gastsängern, die die Chöre lebendiger machen. Mit Hagen Hirschmann haben LOGAR'S DIARY einen Sänger in ihren Reihen, welcher den großen seines Fachs in nichts nachsteht. Das Booklet ist interressant gestaltet und es sollte mit dem Teufel zugehen, wenn LOGAR'S DIARY nicht bald ein kompetentes Label hinter sich wissen. Bis dahin solltet Ihr "Book 1: Iostros" aber noch bei der Band selbst beziehen. Shaddowfox@t-online.de, www.logar.org
"Travelling To The Blood Woods"/"Ti' An - A Troubadour's Ballad"

THOMAS

THE PROJECT HATE „When We Are Done ... Your Flesh Will Be Ours“ 7
Massacre Rec/Connected, 2001

The Project Hate - When We Are Done ... Your Flesh Will Be Ours

Kenth Philipson und Jörgen Sandström sind THE PROJECT HATE. Ein Duo also, bei dem obendrein die eine Hälfte lediglich für den Gesang zuständig ist. Also doch nur das Ein-Mann-Projekt von Kenth Philipson? Im Falle von THE PROJECT HATE spielt diese Frage gar nicht mal unbedingt so die ausschlaggebende Rolle. Denn mit der CD „When We Are Done ... Your Flesh Will Be Ours“ hat die „Band“ ein kleines Highlight geschaffen, das so gar nicht nach dem Ego-Trip eines exaltierten Einzelkünstlers klingt.
So wie Peter Tägtgren mit Pain einen beinahe pop-musikalischen Ausbruch aus seiner Hypocrisy-Umklammerung praktizierte, kommt uns Kenth Philipson mit einer Mischung aus Death Metal, Gothic, EBM und Industrial, die zu keiner Zeit aufgesetzt wirkt, sondern immer eine gehörige Portion Eingängigkeit und Drive zu bieten hat. Auch wenn die letzten vier Songs der Scheibe sowohl an Druck, als auch an Tempo einbüßen. Der Atmosphäre der Stücke kommen sicher auch die heftigen Growls von Sandström und die Alt-Stimme von Sängerin Mia Stahl zugute. Auch wenn die Zutaten üblich scheinen, hat diese CD durch außerordentlich ausgeklügelte Arrangements immer Außergewöhnliches zu bieten. Das verhindert ja bekanntlich eine schnelle Abnutzung.
“Can`t Wait“

JUB

dogma IVS "Dunkelheit und Licht" 7 (BANDS-BATTLE-BAND)
Eigenproduktion, 2000

dogma IVS - Dunkelheit und Licht

Ein mächtiges Pfund präsentieren uns die Jungs von dogma IVS. Zu mörderischem Hardcore-Getrümmer gesellen sich die wohl neben Disinfect brachialsten Metalklampfen, die ich je auf einer Eigenproduktion hörte. Kein Wunder, mit Andy Classen saß auch ein echter Könner an den Reglern.
Die Goslaer Band macht keinen Hehl daraus, nicht gerade die größten Menschenfreunde zu sein. Die in deutsch verfaßten Texte der Band und die Filmsamples sprechen diesbezüglich eine deutliche Sprache. "Die Menschen, sie sind wie Vieh..." Sehr sympathisch. Besonders der Text zu "Europas Sturz" verdient Beachtung. Auch wenn Hardcore nicht so Euer Ding ist, könnt Ihr ruhig mal reinhören. Es lohnt sich! sebastian@dogmaivs.com, www.dogmaivs.com
"Europas Sturz"
"Jetzt erlöschen die Lichter über Europa, und niemand, der noch lebt, wird sie wieder leuchten sehen..."(Sir E. Grey)
"Haßcontainer"

THOMAS

SQUEALER „Under The Cross“ 9
AFM, 2002

Squealer - Under The Cross

„Down And Out“
Daß auch die gestandenen deutschen Metal-Musiker absolut auf der Höhe der Zeit sind, haben wir bei INTERREGNUM schon so manches Mal unter Beweis gestellt. Mit SQUEALERs „Under The Cross“ kommt ein erneutes Argument für die herausragende Qualität der deutschen Szene.
„Facing The Death“
Eigentlich konnten SQUEALER schon mit den Vorgängern „The Prophecy“ und „Made For Eternity“ überzeugen: Heftiges Riffing paarte sich mit Hammer-Refrain-Melodien, wenn Power Metal, dann war es die Power des Heavy Metal der 80-er Jahre.
Mit der neuen Scheibe haben sich die Rezepte keineswegs geändert. Allerdings ist man durchaus etwas krachiger geworden. Vergleiche zu Angel Dusts „Bleed“ und „Enlighten The Darkness“ sind unverkennbar. Die Thematik - Religion, Fanatismus usw. - ist wirklich Klasse umgesetzt. Man höre nur den Titelsong. Auch die Geschichte über den wichsenden Mönch („Painful Lust“) ist eine hübsche Idee.
Damit aber nicht genug. SQUEALER kommen uns bei „Fade Away“ überraschender Weise leicht gotisch und zaubern mit „In Zaire“ ein wirklich intelligentes und amüsantes Johnny Wakelin-Cover hervor, das die Bimbo-Musik-Einflüsse im Metal hopp nimmt.
Und schließlich hat die Band nach zwei doch recht affigen Bildchen auf ihren Vorgänger-CDs endlich ein Cover-Artwork, das reinhaut. 
„In Zaire“

JUB

MISERY SPEAKS "Psycho-Trauma-Phobia" 8 (BANDS-BATTLE-BAND)
Eigenproduktion, 2001

Misery Speaks - Psycho-Trauma-Phobia

MISERY SPEAKS aus Hamm rocken das Haus. Nach einem verträumten Klavier-Intro steigert sich die Band in einen Spielrausch, der zu hören Spaß macht. Weil die Band erstens auf übermäßiges Gefrickel verzichtet und zweitens die Stimme rauh klingt, ohne an Death Metal zu erinnern, und sie somit besser zur Musik paßt. Außerdem übernehmen sie zwar die Melodieführung der Gitarren von den sogenannten Melodic Death Metal Bands, sind aber ansonsten eher im klassischen Heavy Metal zu Hause. Weniger ist manchmal eben mehr. MISERY SPEAKS haben das begriffen und machen das Beste daraus. "Psycho-Trauma-Phobia" brät ordentlich, ich bin zufrieden und das wird mit acht Punkten belohnt. olaf@miseryspeaks.de, www.miseryspeaks.de
"The Falling Masquerade"

THOMAS

ARCH ENEMY „A Collection Of Rare & Unreleased Songs From The Arch Enemy Vault“ 8
Century Media, 2002

Arch Enemy

Die Labels haben sich derzeit tatsächlich darauf verlegt, von jenen Bands, die eh gut gehen, spezielle Tonträger mit unveröffentlichten und raren Sachen herauszubringen. Meist wird das als Geschenk an die Fans deklariert, ist aber doch vor allem eine zusätzliche Mark für die Plattenfirmen. Ein Zeichen für knappe Kassen? Wer weiß, wir werden sehen, wieviele der kleinen und mittelgroßen Label-Namen es in ein oder zwei Jahren noch gibt.
Aber darum geht’s nicht. Vielmehr waren wir bei diesen sogenannten Fan-Geschenken: Stratovarius, Royal Hunt, Meshuggah, Hypocrisy, Virgin Steele - um nur einige zu nennen - waren zu Raritäten- und The-Best-Of-Ehren gekommen. Und die meisten davon - das sei hier mit Nachdruck herausgestellt - waren wirklich hervorragende Veröffentlichungen. In die Liste der Kracher reiht sich jetzt auch die „A Collection Of Rare & Unreleased Songs From The Arch Enemy Vault“ ein.
„Scream Of Anger“
Passend zum Frontmann-Wechsel - bei Arch Enemy singt jetzt bekanntlich Sängerin Angela Gossow - wird mit der Collection parallel zur eben erschienenen „Wages Of Sin“ eine Rückschau gehalten, die es wirklich in sich hat. „Starbreaker“, „Scream Of Anger“ und „Diva Satanica“ sind echte Hits. Das Iron Maiden-Cover „Aces High“ eine Riesen-Überraschung. Natürlich ist dieses Niveau auf der Scheibe nicht ganz zu halten, handelt es sich doch eben zum Teil um bisher aussortiertes Material. Das kann nun mal nicht immer an die Glanztaten einer Band heranreichen.
Trotzdem: Absolut empfehlenswerte CD voll Abwechslung und Heavy Metal-Perlen.
„Aces High“

JUB

TED NUGENT „Full Bluntal Nugity“ 8
Spitfire, 2001

Ted Nugent - Full Bluntal Nugity

Gestandenen Heavy Metal-Fans braucht man über TED NUGENT eigentlich überhaupt nichts zu erzählen. Dafür ist dieser Mann vor allem für die US-amerikanische Metal-Szene viel zu bedeutend gewesen, malträtiert der Hüne doch schon seit fast 35 Jahren seine Gitarre öffentlich auf Bühnen, in Proberäumen und in Aufnahmestudios. Diesmal hat Nugent sich Schlagzeuger Tommy Aldridge (Gary Moore, Whitesnake, Ozzy Osbourne und und und) sowie Basser Marco Mendoza (Blue Murder, Thin Lizzy) als Verstärkung geholt und am 31. Dezember 2000 im Palace Of Auburn Hill eine Live-Show aufgenommen, die genauso rüberkommt, wie sie aufgezeichnet wurde. Overdubs gibt es an keiner Stelle. Dieser Hang zum Unverfälschten paßt zu Nugent wie zu kaum einem anderen. Er ist nämlich der Mann der Prinzipien: Kein Alkohol, keine Drogen, viel Sport, gejagt wird mit Pfeil und Bogen, Amerika ist für ihn der Mittelpunkt des Universums, Mohren minderwertig, das Ausland dazu da, um darin Krieg zu führen und mit Frauen sollte man vögeln, nicht reden.
TED NUGENT vereint auf diesem Album eine Reihe seiner großartigen Solo-Klassiker, läßt Material aus seiner Zeit bei den Damn Yankees aber außen vor.
„Stranglehold“

JUB
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