FINNTROLL-Interview vom
2. August 2005




REVEREND BIZARRE
"Harbringer Of Metal"
Erschienen: 2004
Label: Spikefarm Records
Homepage: www.reverend.shows.it
REVEREND BIZARRE - Harbringer Of Metal On Air: "Dunkelheit“/"The Wandering Jew"

Waren Euch REVEREND BIZARRE auf deren 99er Debüt "In The Rectory Of The Bizarre Reverend" einen Tick zu ausgelassen? Dann wird Euch "Harbringer Of Metal" zu Begeisterungsschreien hinreißen. Denn auf diesem Teil der Finnen gibt es nur ein Tempo, und das ist nicht etwa langsam. Zääääh, bleischweeeeer werden die Riffs ge..., ja was denn eigentlich? Geschlagen werden sie jedenfalls nicht. Vielleicht gerieben. Wenn eine Band der Neuzeit Doom Metal definiert, dann REVEREND BIZARRE mit "Harbringer Of Metal".
Nehmen wir zum Beispiel "From The Void", das 20 Minuten lang eigentlich nur aus einer einzigen Riff-Folge besteht. Unterbrochen lediglich von einem bizarren Schlagzeugsolo. Der Baß wird zum dominanten Instrument in dem Stück "The Wandering Jew", das zu keinem Zeitpunkt einen Höhepunkt zu erreichen scheint. Und wenn er nicht gestorben ist, dann wandert der Jude heute noch.
Und am Ende beglücken uns REVEREND BIZARRE mit einer eigenen zwölfminütigen Version des Burzum-Songs "Dunkelheit", bei dem sie ziemlich am Original bleiben, nur - na was schon - langsamer natürlich.
Bei aller niederdrückenden Depressivität beweisen REVEREND BIZARRE einen nahezu skurilen Humor, ist "Harbringer Of Metal" doch tatsächlich als EP erschienen. Eine EP, die mal schlappe 74 Minuten geht. Das ist ein Fall für das Guinness-Buch der Rekorde.
10 von 10

JUB



KIUAS
"The Spirit Of Ukko"
Erschienen: 2005
Label: Spikefarm Records/Ranka Publishing
Homepage: www.kiuas.net
KIUAS - The Spirit Of Ukko On Air: "On Winds Of Death We Ride"

Nein, ich werde nicht von einer finnischen Tonträger-Organisation geschmiert. Ich habe auch keine Freundin in Finnland und umsonst Urlaub dort machen, ist auch nicht. Die verdammten Finnen sind einfach unglaublich, was einmal mehr durch KIUAS belegt wird.
Diese neue Band klingt natürlich wieder völlig anders als all jene finnischen Bands, die in den letzten zwei Jahren unseren Geldbeutel strapazierten. Und trotzdem hat das Quartett eine musikalische Nische besetzt, die so in dieser Form noch nie beackert worden ist. Da werden auf "The Spirit Of Ukko" vor allem Elemente aus dem klassischen Heavy Metal verwendet, diese mit Black, Pagan und Thrash Metal angereichert und in einen für Finnen typischen Melodien-Kosmos geworfen, daß einem Hören und Sehen vergehen. Violine, Orchester, Folk, Blast, Prog und und und - KIUAS scheinen alles zu können. Selbst auf der Gesangsschiene wird uns alles mögliche geboten. Ilja Jalkanan, der an sich schon ein vor Kraft strotzendes aber klares Organ besitzt, growlt, brüllt, kreischt und macht es machmal auch ganz ganz sanft.
Thematisiert wird finnisches Lebensgefühl und finnische Mythologie, was die Verwendung des Namens Ukko zeigt, bei dem es sich um einen alten - wie es heißt vergessenen - Gott der Finnen handelt. Also auch hier sind KIUAS ganz finnisch korrekt und das ist ja bekanntlich kein Weicheier-Gesabbel.
10 von 10

JUB



CARVED IN STONE
"Hear The Voice"
Erschienen: 2004
Label: Schwarzdorn/Twilight
Homepage: www.schwarzdorn.de/carved1
CARVED IN STONE - Hear The Voice On Air: "Ungehorsam"

Von Swawa, einer ganz bezaubernden Sängerin, gab es bisher erst eine Mini-CD unter dem Titel "The Forgotten Belief". Ob sie dabei ihre Gabe, gänsehauterzeugende Weisen zu intonieren, entdeckt hat oder diese schon früher in ihr schlummerte, als sie diversen Bands ihre Stimme schenkte oder dort die Tasten drückte, sei dahingestellt. Jedenfalls ist Swawa etwas ganz besonderes, denn wie oft begegnet Euch eine CD, die lediglich von der Stimme einer Frau dominiert wird und auf der die Instrumente nur begleitende Untermalung darstellen? Ich denke, angesichts des Gothic-Lerchen-Booms eine grausige Vorstellung.
Swawa läuft als Solo-Künstlerin unter CARVED IN STONE und bietet uns mit "Hear The Voice" ihre erste volle CD feil. Und obwohl die folkigen Stücke durch die Bank besinnlich und lediglich spartanisch mit akustischen Instrumenten (außer das Keyboard) ausgestattet sind, stellt sich kein Überdruß ein. Manchmal möchte man einfach verträumte und vor allem schöne Musik hören. Und das ist das Material auf "Hear The Voice" unbestritten.
Zauberhaft auch die Texte, die sagenhafte oder mythische Geschichten erzählen. Wenn sich einem Bilder eröffnen, sind diese Morgennebel-verhangen. Man scheint diese Musik in Form von weichem Regen auf der Haut zu spüren oder sie wie herzhaften Waldduft einzuatmen.
Und doch - es gibt auch bei CARVED IN STONE Dinge, die nicht passen wollen. Zum einen ist es der manchmal zu arge Hall auf Swawas Stimme, was nicht Atmosphäre erzeugt, sondern eher auf technische Möglichkeiten hinweist. Zum anderen ist es die billige Gitarre, die - offensichtlich mit Stahlseiten bestückt - dann ein bißchen nach Lagerfeuermusik klingen würde, wenn die Melodien nicht so schön wären. Und: Warum Mädchen singst Du nicht ausschließlich in Deutsch? Denn diese Lieder gehen fast schon beißend unter die Haut.
8 von 10

JUB



ISENBURG
"Erzgebirge"
Erschienen: 2004
Label: Black Attack/Soulfood
Homepage:
ISENBURG - Erzgebirge On Air: "Hymn To The Son"

Als ich die CD erhielt, wurde sie begleitet mit ein paar "wichtigen" Hinweisen einiger Metal-Magazin-Studierer, ISENBURG seien echt Kacke. Bedauernswerte Kreaturen, die scheinbar keine Ohren zum Hören, sondern zum Konsumieren haben. Denn jene Heavy-Metal-"Fans", die sich ihren CD-Schrank nach der unmaßgeblichen Meinung diverser Schreiberlinge großer Musik-Zeitschriften einrichten, existieren zu Hauf. Zum Glück gibt es INTERREGNUM, jene Sendung, in der wir Euch über diverse Tonträger im Endeffekt erzählen können, was wir wollen - durch den Höreindruck werdet Ihr Euch immer Eure eigene Meinung bilden.
Schön, wenn sich unsere Geschmäcker treffen. Bei ISENBURG hoffe ich zum Beispiel, daß die Black-Metal/Pagan-Gemeinde ebenso betört vor der Anlage gesessen hat wie ich. Denn ich halte "Erzgebirge" für eine fast tadellose Scheibe. Das hat mich überrascht, denn mit ISENBURG hat der Sänger von Andras seine musikalischen Vorstellungen verwirklicht. Und ausgerechnet Andras fand ich noch nie so überwältigend.
ISENBURGs "Erzgebirge" hingegen ist eine äußerst starke Platte. Hymnisch vor allem. Erzgebirgler dürften bei den Klängen von "Wave Of Weakness", "Hymn To The Son" und natürlich "Erzgebirge" unwilkürlich den Kopf ein wenig höher halten, denn Erhabenheit ist eine Grundnuance der Songs von ISENBURG. Die Melodien zwischen Doom und Black-Metal-Blast sind ganz herrlich. Als Stilelement vergreift sich ISENBURG an Bathorys Kriegerchöre (zum Beispiel "The Return") und ist mit seinen Pagan-Einflüssen überhaupt hart am Wind des Zeitgeistes. Witz haben die erzgebirgischen Volksliedeinsprenksel im Titelsong. Die machen überdeutlich, auf welch unterschiedliche Art und Weise man seiner Heimat zugetan sein kann.
9 von 10

JUB



GOAT OF MENDES
"A Book Of Shadows"
Erschienen: 2004
Label: Source Of Deluge
Homepage: www.goatofmendes.de
GOAT OF MENDES - A Book Of Shadows On Air: "My Book Of Shadows"

Im Pagan-Bereich sind GOAT OF MENDES definitiv eine Ausnahme. Man kann auf diese deutsche Band nicht die typischen Vergleiche aus dem skandinavischen Viking-Metal-Bereich anwenden. Das macht es manchem Rezensenten zwar schwerer, die Musik dieser Gruppe zu schildern, der Fan wird es dem Sextett aber danken, denn ein bißchen Abwechslung tut ja bekanntlich ganz gut.
Zwei Elemente sind bei GOAT OF MENDES auf jeden Fall charakteristisch. Da hätten wir zum einen den unterschwelligen Folk-Touch, der die Band hin und wieder wie Skyklad mit Martin Walkyier klingen läßt. Zum anderen fallen die Verschachtelungen auf, die sich GOAT OF MENDES in ihren Songs erlauben. Manch eine Prog-Band wäre froh, würde sie Arrangement-Vielfalt und Songdienlichkeit so sauber hinbekommen wie diese Band. Da ist fast logisch, daß die Metalspielarten fast mit den Rhythmusänderungen wechseln.
Im Gesangsbereich erlaubt sich Surtur alle möglichen Ausflüge. Mal growlt er, probiert sich mit Bandkollegen im trunkenen Chorgesang, klingt wahlweise nach genanntem Martin Walkyier und häufig keift er fies wie Dani von Cradle Of Filth. Für eine weitere Note sorgt Maia mit ihrer recht kraftvollen Stimme.
Damit aber nicht genug. Gastmusiker komplettieren die Mannschaft, der die lebendigen Songstrukturen in die Notenblätter geschrieben wurden. Da hätten wir Ingeborg Anna Seide von Adorned Brood, die die Flöte bläst, Zagan von Black Messiah, der die Violine streicht und Abraxasnoir an den Tasten.
9 von 10

JUB



CLANROCK
"Out Of Ashes"
Erschienen: 2004
Label: Nibelung Records
Homepage: www.clanrock.lu
CLANROCK - Out Of Ashes On Air: "Essegkrou"

Ha, jetzt fehlt nur noch eine Heavy-Metal-Band aus Grönland. Mit CLANROCK beteiligt sich jetzt erst einmal Luxemburg am großen Schwermetall-Reigen. Und obendrein steht diese seit 1992 existierende Band für einen außergewöhnlichen Mix aus Folk und Mittelalter-Mucke. Die ersten vier Nummern und Song neun, "Rommelpott", lassen theoretisch keinen Zweifel daran, womit man es hier zu tun hat: Dudelsack, Tröten, Pogues-Feeling. Alles perfekt und alles klar.
Aber weit gefehlt. Ab "Stop The Feeling", einer großartigen Ballade, glaubt man es eher mit Retro-Rockern zu tun zu haben, die die 70er Jahre mit der Muttermilch aufgesogen haben. Während genanntes Stück ganz leicht an Fish erinnert, steuert "Point Of No Return" gänzlich auf die 80er-Jahre-Marillion zu, was ja automatisch Bezüge zu den Genesis aus den 70ern erlaubt. "Empty Spaces" ist ein echter Rocker, wie er im Stall von Deep Purple, Black Sabbath oder Atomic Rooster hätte entstehen können. "Priest" bringt dann ein bißchen Jethro-Tull-Feeling, wenn das Stück auch bei weitem nicht so progressiv gehalten wurde, wie Ian Anderson und Mannen es getan hätten. Und dann dieser Übersong "Time Seller" mit über 11 Minuten. So müssen echte Heavy-Balladen klingen.
Die stilistische Mischung bei CLANROCK ist merkwürdig. Allerdings ist das ganze Zeug so sauber und eingängig gemacht, daß ich überzeugt davon bin, daß sich diese Band eine fanatische Fan-Schar erspielen wird. Denn so klingen Gruppen, die in Stadien gehören.
9 von 10

JUB



ELVENKING
"Wyrd"
Erschienen: 2004
Label: AFM
Homepage: www.elvenking.net
ELVENKING - Wyrd On Air: "The Perpetual Knot"

Hopsassa fiderallala, die Fidel ausgepackt und losgetanzt. ELVENKING sind fröhliche Zeitgenossen. Zwar spielen sie bösen Heavy Metal, tun das aber so optimistisch, daß man ihnen am liebsten raten möchte, doch diese verdammten harten Gitarren wegzulassen. - Nein, natürlich nicht. Trotzdem wirkt dieses deutsch-italienische Bündnis wie eine etwas nacktere Rhapsody-Variante. Die Melodien sind manchmal ebenso einfältig wie die der italienischen Pomp-Rocker. Auch diese Dorffest-Chöre erinnern an das Schaffen Rhapsodys, ebenso die simplen Folk-Anleihen, die wie für Märchenfilme geschrieben zu sein scheinen; eben so, daß auch Kinder sie mögen. 
ELVENKING würde man aber unrecht tun, wär die Band hier nur Gegenstand spitzer Verulkungen, denn einige Songs auf "Wyrd" sind ziemlich gut gelungen, haben satte Riffs, annehmbare Arrangements, recht nette Melodien. Und unterhaltsam ist diese CD allemal, denn auch der musikalische Kinderkram bleibt durchweg insoweit hörbar, daß er zu keiner Zeit auf den Sack geht. Vor allem haben ELVENKING es vermieden, ihr Material wie eben jene Rhapsody mit einer monströsen Soundwand zuzukleistern. 6 von 10

JUB
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