An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 02. September 2003


KRUX „Krux“ 9
Mascot Records, 2002

KRUX - Krux

Sie fallen nicht gerade wie überreife Äpfel vom Himmel, die Doom Metal-Bands. Entweder ist diese schwerfällige Musizierweise bei Gitarristen nicht gerade die Beliebteste, oder es gibt hier einfach noch ein riesiges, bisher unentdecktes Underground-Feld. Mit der Entdeckung von KRUX dringt man in dieses Feld allerdings nicht ein, denn hier handelt es sich einmal mehr um ein Side-Project gestandener Musiker der schwedischen Szene. Basser Leif Edling - Ideengeber für KRUX - stammt von Candlemass. Und Jörgen Sandström (g) und Peter Stjärnvind (dr) sind von Entombed. Kein Wunder, daß diese "Band" bereits im zweiten Jahr ihrer Existenz ein Album auf den Markt werfen kann. Das Gute an der Sache ist allerdings, daß der Band ein großartiges Werk gelungen ist. Langatmigkeit tritt trotz der 50 Spielminuten von "Krux" keine Sekunde auf. Die Gitarren sind unendlich fett, die Melodien erinnern ständig an Größen der 70er Jahre, die Arrangements sind clever durchgestylt und halten jeden Song in unermüdlicher Bewegung (außer "Sibiria", denn das Stück klingt völlig bekifft). Das zwölfminütige "Lunochod" - unterteilt in sieben Passagen - nimmt uns endgültig mit auf eine Zeitreise in die 60er. Zum einen ist es das Thema "Eroberung des Weltraums durch die Russen", wovon Titelzeilen wie "Sputnik", "Ural", "Space Nation Mother Russia" oder auch das skurile "Bring Me The Head Of Nikita Chrusjtjov" zeugen, zum anderen werden wir Ohrenzeuge der Wiederbelebung des Space Rock der frühen 70er (Ufo, Omega, Hawkwind). KRUX beweisen, daß es einfach besser kommt, mit einer Gitarre sphärische oder spacige Klänge zu erzeugen, als mit einem Keyboard. Aber auch ein Tasteninstrument fehlt nicht. Doch selbst das klingt wie aus der Mottenkiste nach Moog-Synthesizer wie ihn die Bands in der zweiten Hälfte der 60er Jahre verwandten.
Spitzendoom mit hohem Nostalgiefaktor und moderner Soundgewalt.
„Omfalos“

JUB

PAGAN'S MIND "Celestial Entrance" 7
LMP/SPV, 2002

PAGAN'S MIND - Celestial Entrance

Der Kreislauf war einst bizarr. Wer Black Metal machte, mußte aus Norwegen kommen, um von den Fans sofort als gut eingestuft zu werden. Und wer aus Norwegen kam, mußte Black Metal machen. Da hatten es Black Metal-Bands außerhalb Skandinaviens (Schweden und Finnen wurden auch noch akzeptiert) ziemlich schwer. Ähnlich erging es norwegischen Bands, die keinen Black Metal spielten. Das alles ereignete sich vor sieben, acht Jahren. Jetzt haben sich die Gewichte allmählich wieder anders verteilt, was auch das Album "Celestial Entrance" von PAGAN'S MIND belegt. Denn diese Band kommt aus Norwegen und macht lupenreinen Progressiv Metal. Mit dem Gründungsjahr 2000 gehört der Sechser natürlich zur neuen Generation der Progressiven. Allerdings verändert sich ausgerechnet in dieser Szene nicht allzuviel. Allein der Härtegrad und die enorme Sound-Qualität sind beachtlich. Alles andere orientiert sich an den Vorbildern der zurückliegenden 15 Jahre. Wir haben schlaue Wendungen in den Songs, eingängige oder auch um die Ecke gespielte Melodien, voluminöse Keyboard-Einsätze, die hier nicht stören, einen Sänger mit einer klaren, zum Teil hohen Stimme, Songs um die sechs bis sieben Minuten, musikalische und textliche Konzepte. Klingt vielleicht ein bißchen lieblos aufgezählt, soll es aber gar nicht sein, denn die Norweger gehen sehr solide zu Werke und ärgern uns weder mit überkandidelten Spinnereien noch banalen Langweilern. Ein wirklich gutes Album.
"Entrance: Stargate"

JUB

POISONBLACK „Escapextasy“ 8
Century Media/Magic Arts Publishing, 2003

POISONBLACK - Escapextasy

Oft genug haben wir hier über den Sinn und Unsinn von Nebenprojekten debattiert. Und bei aller Kreativität haben solche Dinger vor allem immer ein Ziel: Mit den Namen gestandener Musiker aus gut verkaufenden Bands eine zusätzliche Mark zu machen. Und Ville Laihiala ist nun wirklich kein unbeschriebenes Blatt. Als Sänger von Sentenced gehört er obendrein einer Gothic-Truppe an, die dem Genre voranstürmt, regelmäßig Megaseller veröffentlicht und sowohl bei den Harmoniebedürftigen als auch bei den Hartgesottenen gleichermaßen Anerkennung genießt. In solch einer Situation kann man die Scheine schon zählen, während die Band noch im Studio steht.
POISONBLACK ist aber nicht nur Ville Laihiala (der hier übrigens ausschließlich seiner Leidenschaft des Gitarrespielens frönt). Da haben wir auch noch den Charon-Sänger J.P. Leppäluoto. Und diese Band ist bekanntlich die Weichspülversion von Sentenced. Das sind doch Voraussetzungen für einen Überhit.
Der ist es nicht ganz geworden, aber eingängig ist dieses POISONBLACK-Debüt allemal. Was stört, sind die zum Teil recht plakativ auf "hübsch" getrimmten Melodien. Weisen, die garantiert nicht den Hauch einer Geschichte haben, sondern mit der Maßgabe, irgendwie nach Charon und Sentenced zu klingen, rasch im Studio komponiert wurden. Zumindest erhielten sie dort ihren Hauptschliff. Daß Profis vom Schlage Laihiala und Basser Janne Kukkonen dabei absolut hittaugliche Nummern kreieren können, ist nur logisch.
„In Lust“

JUB

BLOOD "Dysangelium" 5
Morbid Records, 2003

BLOOD - Dysangelium

"Shizophrenic Wisdom" ist BLOOD. Will sagen, wenn Ihr diese Scheibe antestet, weil Ihr BLOOD in ihrer 17jährigen Geschichte bisher nicht registriert habt, dann zeigt Euch diese Nummer - die dritte auf dem Album - was Ihr auf "Dysangelium" erwarten könnt: einen gurgelnden Sänger inmitten eines brachialen Geknüppels, das weder schön noch besonders ideenreich ist. Das müssen beim Grind Death Metal allerdings keine negativen Bewertungen sein. Denn hier geht es ja weder darum, mit filigraner Instrumenten-Artistik zu beeindrucken, noch einen Charts-Hit zu landen. Dabei übertreiben es BLOOD für meine Begriffe etwas und haben auch aus keinem Einfall ein Lied gemacht. Hauptsache, es war zum Lärmen gut genug. So prügeln sich die Deutschen schließlich durch 20 Grind Death-Unmenschlichkeiten, die nicht immer Spaß machen.
"Randy Mary"

THOMAS

TAPE „#1“ 3
east west, 2003

TAPE - Band

"Hi, ich bin Harry Heip. Ich betreue die ,Harte Gitarren-Abteilung' bei einer großen Platten-Firma - und verdiene gutes Geld. Zumindest bekomme ich es. Und trotzdem frage ich mich manchmal, warum ich nicht Caster in der Porno-Branche geworden bin. So wie bei dieser Band, die sich nach einem Tonträger benannt hat ... wie war das gleich? Record? Compact Disc? - Nein, TAPE. Unsere Scouts gaben mir da so ein Demo rein, auf dem ein paar Halbgewalkte diesen Crossover oder New Metal herunterspielten. Ich finde das Zeug ja auch Scheiße, aber ist nun mal mein Job. Und die beschissenen Kids kaufen den Dreck, hähä. Na jedenfalls hörte ich die Musik und wußte, daß da mit dem entsprechenden fetten Sound und ein paar Schönheitskorrekturen ein paar Scheine zu machen sein werden. Klingt nämlich wie all die anderen Goldesel aus diesen Genre. Nur braucht man jemanden, den man als Werbeträger für das Zeug benutzen kann. Eine Art Identifikationsfigur. - Und dann kamen sie zur Tür rein. Oder nein, sie kam zu Tür rein: Endlos lange Beine, ein Arsch, daß einem die Nille unwillkürlich zu suppen anfängt und ein Gesicht, wie es eigentlich auf die Titelseiten von Hochglanz-Magazinen gehört. Da wußte ich: Die Band wird ein Hit. Mit dieser Sängerin, kein Problem. Und ich werde sie hacken. Wenn die Säcke erst Blut geleckt haben, die ersten Scheine gebündelt ausgeteilt werden, dann sagt der liebe Harry Heip: Entweder weiter nach oben oder zurück zu den Kumpels in den Proberaum. Und dann werde ich diese Sau durchknallen, daß mir das Gehirn platzt. Wenn  ich daran denke, zwischen Deinen Beinen zu arbeiten, fange ich an, Eure Musik zu lieben. Die Guano Apes sind 100mal besser. Selbst Die Happy haben mehr Futt - und bessere Titten, hähä - aber bei dem Körper ist eine Top 10-Nummer drin. Dafür tu ich einiges. Hähä."
"Hate Me"

JUB

BITTERNESS "Dawn Of Golden Blood" 4
Eigenproduktion, 2002

BITTERNESS - Dawn Of Golden Blood

Thrash Metal aus deutschen Landen - viele Jahre ein Garant für höchste Qualität. Und auch BITTERNESS sind sich der Tradition bewußt, denn Frank Urschler klingt gewiß nicht zufällig nach Kreator-Mille. Auch findet der Hörer eine Vielzahl  Riffs oder Arrangement-Ideen wieder, die ihm schon von bekannteren Namen aus den 80ern in den Ohren klingen dürften. Und schließlich ist der Sound dieser Eigenproduktion zwar rauh aber druckvoll. Ganz wie man es von Produktionen aus der Zeit von vor 15 bis 20 Jahren kennt.
Nur fehlt BITTERNESS zu einer wirklich guten Thrash-Formation einiges. Denn sowohl musikalische als auch textliche Zitate (wenn auch eine gute Idee in "T.H.R.A.S.H.") genügen bei weitem nicht, um gewissen Ansprüchen zu genügen. Denn noch klingt die Konstanzer Band vor allem sehr unbeholfen, wirken die einzelnen Songs mehr zusammengeschustert als flüssig. Dann kommen Längen hinzu, die Lieder, die eh nicht vor Einfallsreichtum zu bersten scheinen, leicht nervig machen. Nicht selten sind prägnante Dreieinhalb-Minuten-Songs weitaus wirkungsvoller, da sie den Mangel an kompositorischem Geschick manchmal durchaus zu verbergen wissen. Schließlich ist die Gitarren-Arbeit auf "Dawn Of Golden Blood" in der Quintessenz als steif zu bezeichnen. Urschler klingt an den sechs Saiten streckenweise so, als würde er mit zusammengepreßten Lippen im Studio stehen, auf das Griffbrett starren und sich schwitzend durch seine Riffs quälen.
BITTERNESS gibt es seit 2001 und erwuchs aus der Band Steel Tormentor. Eine Demo-CD existiert bereits: "... And Death Marches On". Dies hier ist Nummer zwei. Für das dritte Teil sollten sich die Jungs nicht unbedingt mehr Zeit im Studio nehmen (eine Woche waren sie drin). Aber vielleicht im Vorfeld intensiv die Songs auf Effektivität abklopfen. Packendere Riffs, zwingende Abfolgen und hin und wieder ein mutiger Tritt aufs Gaspedal würden der Musik von BITTERNESS sicher einen gehörigen Kick verpassen. www.Bitterness.de, info@Bitterness.de
"T.H.R.A.S.H."

JUB

MOONSPELL „The Antidote“ 9
Century Media/Magic Arts Publ., 2003

MOONSPELL - The Antidote

Da habe ich mir doch tatsächlich noch einmal die "Wolfheart" und die "Darkness And Hope" reingezogen, um sicher zu gehen, daß mich meine Ohren nicht täuschen. Und sie taten es nicht: "The Antidote" kann getrost als eines der härtesten Werke im MOONSPELLschen Schaffen gewertet werden. Selbst die "Wolfheart" wirkt in ihrer Gesamtheit noch einen Tick zurückhaltender. Was die Portugiesen mit "In And Above Men", "From Lowering Skies" oder "The Southern Deathstyle" abgeliefert haben, hätten ihnen garantiert die Wenigsten zugetraut. Auch nach "Darkness And Hope" nicht. Somit ist einmal mehr der Beweis erbracht, daß die Europäer verdammt konservative Musik-Fans sind, denn die experimentellen Ausflüge MOONSPELLs mit "Sin" und "The Butterfly Effect" haben der Band gar nicht gut getan. Und vorangebracht schon gar nicht. Denn dort, wo die Band heute steht - auch was die Gunst der Fans betrifft - hätten MOONSPELL schon 1998 landen können. Erwartet also ein wegweisendes Gothic-Album, das viel mehr Heavy Metal ist, als 90 Prozent aller gotischen Querschießer der Neuzeit. Trotzdem bleibt die typische Düsternis der Band in jedem Song erhalten. Auch geht die Hinzunahme der Härte nicht auf Kosten der Melodien.
„The Southern Deathstyle“

JUB

EERINESS "A Life Beyond The Shades Of Time" 9
Shark Records, 2003

EERINESS - A Life Beyond The Shades Of Time

Sehr mutig, was die Schweizer da fabrizieren. Denn ausgerechnet der Opener, "November - Thy Weakness" ist ein aus mehreren Teilen bestehendes Werk, das - zwar nur 4 Minuten und 40 Sekunden lang - mit einem romatischem Akustik-Part, brachialem Gitarrengemörtel und Brüchen aufzuwarten weiß, die einen auf Schlag in einem anderen Song wähnen. Der Rest der Scheibe ist dann eingängiger, wobei sich zwei Eckpfeiler der EERINESS-Musik herauskristallisieren: Das sind zum einen die enorm harte Gitarre, die ganz entgegen gängiger Gothic-Klischees agiert, und der weibliche Soprangesang. Vielleicht sollte man auch Philipp Gnos' Stimme solch eine Eckpfeiler-Rolle zugestehen, denn scheinbar facettenlos, trägt sein Gesang einen wesentlichen Teil der unter die Haut gehenden, lebensverneinenden Stimmung mit. Zu den Gitarren: Die haben soviel Kraft, daß manch Thrash oder Death Metal-Fan durchaus zufrieden sein könnte. Diese Zusammenstellung von Härte und gotisch anmutender Musik erinnert mich an Daylight Torn-Material.
Ich bin mir nicht sicher, ob es immer die richtige Entscheidung ist, den weiblichen Gesang in Gothic-Bands von semi-professionellen Sopranistinnen - in diesem Fall Katarina Krcmarova - übernehmen zu lassen. Das ist zu austauschbar. Zwar hatte Keyboarderin Talia Schneider stimmliche Grenzen, allerdings mehr Charackter (siehe Abgehört vom 12. März 2002). Was nicht heißen soll, die schwarzhaarige Tastenfrau hätte die wirklich schwierigen Frauen-Gesangs-Parts übernehmen sollen. Allerdings hätte es der EERINESS-Scheibe "A Life Beyond The Shades Of Time" den letzten Kick gegeben, wenn ausgerechnet auch an dieser Stelle die Außergewöhnlichkeit den Ton angegeben hätte (wieder fällt mir da Mia von Daylight Torn ein).
Freuen kann sich die Gothic-Gemeinde über diese Album hier aber auf jeden Fall. Denn es zeigt, daß in dem düsteren Genre noch längst nicht alles ausgereizt war. Mit EERINESS gibt es nämlich reichlich Neues zu entdecken.
"Grotesque Misery"

JUB

SKID ROW "Thickskin"
Steamhammer/SPV, 2003

SKID ROW - Thickskin

SKID ROW ohne Sebastian Bach? Das kann doch nur in die Hose gehen. "Thickskin" belehrt uns da eines Besseren und läßt die Vermutung aufkommen, daß Alben wie das selbstbetitelte Debüt (1989) und der "Slave To The Grind"-Nachfolger (1992) vor allem die Handschrift von Rachel Bolan und Snake trugen. Sicher hat Seb sein Schärflein dazu beigetragen, was seine jüngste Solo-Veröffentlichung gezeigt hat, den Löwenanteil am Songwriting hatten in Wirklichkeit aber die Instrumentalisten inne. Und was für die Bach-Jünger vermutlich am schlimmsten sein wird: Der Neue läßt uns den blonden Engel nicht einmal vermissen, denn stimmlich ist Johnny Solinger tadellos. 
Und es kommt noch fetter: "Thickskin" steht den beiden genannten Klassikern in nichts nach. Vielmehr wirkt diese Scheibe wie ein Bindeglied zwischen dem Melodic-Debüt und dem angethrashten Nachfolger. "Ghost", "One Light" oder "See You Around" sind herrliche Gassenhauer im Schlepptau von "18 And Life", die Sachen wie "New Generation", "Thick Is The Skin", "Mouth Of Voodoo" oder "Hittin' A Wall" gegenüberstehen, denen das "Monkey Business"-Flair anhaftet. Der Schachzug schlechthin ist die Idee, aus der Ballade "I Remeber You" über zehn Jahre nach ihrer Veröffentlichung einen straighten Rocker zu machen. SKID ROW are back! 
"Ghost"/"I Remember You Two"

JUB

OSI "Office Of Strategic Influence" 8
Inside Out, 2003

OSI - Office Of Strategic Influence

Manchmal können Menschen über ihren Schatten springen. Auch wenn sie sich bei dem Sprung an einem Geländer festhalten, es kann gelingen. Wie im Falle von Kevin Moore und Mike Portnoy (Ex- und aktuelles Dream Theater-Mitglied) sowie Jim Matheos (Ex-Fates Warning). Wenn drei Musiker mit diesem Background eine Band gründen, stellt man sich progressive Strukturen in der Musik vor, wie sie selbst die Stamm-Formationen nicht mehr hinbekommen hätten. Allerdings hatte dieses Trio ganz andere Ambitionen. 
Schon das Intro zu "The New Math" gibt die Richtung vor, erinnert es doch verdammt an "On The Run" von Pink Floyd. Und Floyd wird bei OSI immer wieder zu Rate gezogen, "Memory Daydreams Lapses" zum Beispiel, oder "When You're Ready". Und von Pink Floyd ist die Brücke zu psychedelischen Sounds schnell beschritten: "Horseshoes And B-52's", "Head". Es klingen die Doors an, Emerson, Lake & Palmer oder Iron Butterfly. Zwischen Metal-Groover und schüchternem Gothic-Gesang dominieren elektronische Spielchen, die am Ende alles wie einen monumentalen Sience Fiction-Soundtrack erscheinen lassen. Dieses Album braucht große Ohren, die die Noten zu einem großen Hirn leiten. Dann wird alles ganz anders. 
"Head“"

JUB

KREATOR "Live Kreation" 10
Steamhammer/SPV, 2003

KREATOR - Live Kreation

Das wurde aber auch Zeit, daß die Ruhrpott Legende ein Livedokument vorlegt. Die "Konkurrenz" von Sodom bringt es mittlerweile auf drei. Doch das Warten hat sich gelohnt. "Live Kreation" beinhaltet vierundzwanzig Titel auf zwei CDs verteilt. Dabei werden alle Schaffensperioden der Band berücksichtigt. Egal ob vom Debut "Endless Pain", der Durchbruchsplatte "Extreme Agression", der experimentellen "Renewal", "Outcast"- und "Endorama"-Phase oder Klassikern wie "Coma Of Souls" und "Pleasure To Kill".
Es werden die stärksten Tracks gespielt, wobei das Hauptgewicht natürlich auf dem neuen "Violent Revolution"-Album liegt. Die Songauswahl ist zwar keine Überraschung, aber die ausgesuchten Stücke sind nunmal die besten Livekracher der Altenessener. "People Of The Lie", "Riot Of Violence", "Betrayer", "Flag Of Hate", "Pleasure To Kill", "Reconquering The Throne" oder "Coma Of Souls", welchem KREATOR-Fan läuft bei der bloßen Erwähnung dieser Songs nicht das Wasser im Munde zusammen? Eben. Die Aufnahmen fanden in Brasilien, Korea und Wacken statt. Also wird kein Konzert am Stück geboten. Das ist aber nicht weiter tragisch, wenn es ums Feeling geht. Beim Opener "The Patriarch" singen die Fans sogar das Gitarrenintro mit, daß einem eine Mordsgänsehaut schwillt. Das spornt die Band an, und so erlebt man einen Mille in absoluter Hochform. Der Mann schimpft, schreit und singt in aggressivster Manier. Das hätte ich ihm noch vor ein paar Jahren ("Endorama") gar nicht mehr zugetraut. Es scheint, als erlebe die Band ihren zweiten Frühling. Der Sound läßt keine Wünsche offen, und man hört eine hochprofessionelle Band arschtight zusammenspielen. So mancher brutalen Gruselcombo würde bei dieser Darbietung Angst und Bange. Parrallel zu der CD erscheint noch eine DVD mit dem Titel "Live Kreation-Revisioned Glory", welche ich Euch noch wärmstens ans Herz legen möchte, da sie praktisch mit der CD identisch ist und zu dem Soundtrack die passenden Bilder liefert. Für welche Variante Ihr Euch entscheidet, ist natürlich Eure Sache. Für die unentschlossenen und die Sammler gibt es noch eine "Deluxe"-Ausgabe mit DVD und CD zusammen. Zwanzig Jahre KREATOR, wo ist die Zeit nur geblieben? Auf die nächsten, mindestens zehn Jahre.
"People Of The Lie"/"Tormentor"

THOMAS
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