KRUX
„Krux“ 9
Mascot Records,
2002
Sie fallen
nicht gerade wie überreife Äpfel vom Himmel, die Doom Metal-Bands.
Entweder ist diese schwerfällige Musizierweise bei Gitarristen nicht
gerade die Beliebteste, oder es gibt hier einfach noch ein riesiges, bisher
unentdecktes Underground-Feld. Mit der Entdeckung von KRUX dringt man in
dieses Feld allerdings nicht ein, denn hier handelt es sich einmal mehr
um ein Side-Project gestandener Musiker der schwedischen Szene. Basser
Leif Edling - Ideengeber für KRUX - stammt von Candlemass. Und Jörgen
Sandström (g) und Peter Stjärnvind (dr) sind von Entombed. Kein
Wunder, daß diese "Band" bereits im zweiten Jahr ihrer Existenz ein
Album auf den Markt werfen kann. Das Gute an der Sache ist allerdings,
daß der Band ein großartiges Werk gelungen ist. Langatmigkeit
tritt trotz der 50 Spielminuten von "Krux" keine Sekunde auf. Die Gitarren
sind unendlich fett, die Melodien erinnern ständig an Größen
der 70er Jahre, die Arrangements sind clever durchgestylt und halten jeden
Song in unermüdlicher Bewegung (außer "Sibiria", denn das Stück
klingt völlig bekifft). Das zwölfminütige "Lunochod" - unterteilt
in sieben Passagen - nimmt uns endgültig mit auf eine Zeitreise in
die 60er. Zum einen ist es das Thema "Eroberung des Weltraums durch die
Russen", wovon Titelzeilen wie "Sputnik", "Ural", "Space Nation Mother
Russia" oder auch das skurile "Bring Me The Head Of Nikita Chrusjtjov"
zeugen, zum anderen werden wir Ohrenzeuge der Wiederbelebung des Space
Rock der frühen 70er (Ufo, Omega, Hawkwind). KRUX beweisen, daß
es einfach besser kommt, mit einer Gitarre sphärische oder spacige
Klänge zu erzeugen, als mit einem Keyboard. Aber auch ein Tasteninstrument
fehlt nicht. Doch selbst das klingt wie aus der Mottenkiste nach Moog-Synthesizer
wie ihn die Bands in der zweiten Hälfte der 60er Jahre verwandten.
Spitzendoom
mit hohem Nostalgiefaktor und moderner Soundgewalt.
„Omfalos“
JUB
PAGAN'S
MIND "Celestial Entrance" 7
LMP/SPV, 2002
Der Kreislauf
war einst bizarr. Wer Black Metal machte, mußte aus Norwegen kommen,
um von den Fans sofort als gut eingestuft zu werden. Und wer aus Norwegen
kam, mußte Black Metal machen. Da hatten es Black Metal-Bands außerhalb
Skandinaviens (Schweden und Finnen wurden auch noch akzeptiert) ziemlich
schwer. Ähnlich erging es norwegischen Bands, die keinen Black Metal
spielten. Das alles ereignete sich vor sieben, acht Jahren. Jetzt haben
sich die Gewichte allmählich wieder anders verteilt, was auch das
Album "Celestial Entrance" von PAGAN'S MIND belegt. Denn diese Band kommt
aus Norwegen und macht lupenreinen Progressiv Metal. Mit dem Gründungsjahr
2000 gehört der Sechser natürlich zur neuen Generation der Progressiven.
Allerdings verändert sich ausgerechnet in dieser Szene nicht allzuviel.
Allein der Härtegrad und die enorme Sound-Qualität sind beachtlich.
Alles andere orientiert sich an den Vorbildern der zurückliegenden
15 Jahre. Wir haben schlaue Wendungen in den Songs, eingängige oder
auch um die Ecke gespielte Melodien, voluminöse Keyboard-Einsätze,
die hier nicht stören, einen Sänger mit einer klaren, zum Teil
hohen Stimme, Songs um die sechs bis sieben Minuten, musikalische und textliche
Konzepte. Klingt vielleicht ein bißchen lieblos aufgezählt,
soll es aber gar nicht sein, denn die Norweger gehen sehr solide zu Werke
und ärgern uns weder mit überkandidelten Spinnereien noch banalen
Langweilern. Ein wirklich gutes Album.
"Entrance:
Stargate"
JUB
POISONBLACK
„Escapextasy“ 8
Century Media/Magic
Arts Publishing, 2003
Oft genug haben
wir hier über den Sinn und Unsinn von Nebenprojekten debattiert. Und
bei aller Kreativität haben solche Dinger vor allem immer ein Ziel:
Mit den Namen gestandener Musiker aus gut verkaufenden Bands eine zusätzliche
Mark zu machen. Und Ville Laihiala ist nun wirklich kein unbeschriebenes
Blatt. Als Sänger von Sentenced gehört er obendrein einer Gothic-Truppe
an, die dem Genre voranstürmt, regelmäßig Megaseller veröffentlicht
und sowohl bei den Harmoniebedürftigen als auch bei den Hartgesottenen
gleichermaßen Anerkennung genießt. In solch einer Situation
kann man die Scheine schon zählen, während die Band noch im Studio
steht.
POISONBLACK
ist aber nicht nur Ville Laihiala (der hier übrigens ausschließlich
seiner Leidenschaft des Gitarrespielens frönt). Da haben wir auch
noch den Charon-Sänger J.P. Leppäluoto. Und diese Band ist bekanntlich
die Weichspülversion von Sentenced. Das sind doch Voraussetzungen
für einen Überhit.
Der ist es
nicht ganz geworden, aber eingängig ist dieses POISONBLACK-Debüt
allemal. Was stört, sind die zum Teil recht plakativ auf "hübsch"
getrimmten Melodien. Weisen, die garantiert nicht den Hauch einer Geschichte
haben, sondern mit der Maßgabe, irgendwie nach Charon und Sentenced
zu klingen, rasch im Studio komponiert wurden. Zumindest erhielten sie
dort ihren Hauptschliff. Daß Profis vom Schlage Laihiala und Basser
Janne Kukkonen dabei absolut hittaugliche Nummern kreieren können,
ist nur logisch.
„In Lust“
JUB
BLOOD
"Dysangelium"
5
Morbid Records,
2003
"Shizophrenic
Wisdom" ist BLOOD. Will sagen, wenn Ihr diese Scheibe antestet, weil Ihr
BLOOD in ihrer 17jährigen Geschichte bisher nicht registriert habt,
dann zeigt Euch diese Nummer - die dritte auf dem Album - was Ihr auf "Dysangelium"
erwarten könnt: einen gurgelnden Sänger inmitten eines brachialen
Geknüppels, das weder schön noch besonders ideenreich ist. Das
müssen beim Grind Death Metal allerdings keine negativen Bewertungen
sein. Denn hier geht es ja weder darum, mit filigraner Instrumenten-Artistik
zu beeindrucken, noch einen Charts-Hit zu landen. Dabei übertreiben
es BLOOD für meine Begriffe etwas und haben auch aus keinem Einfall
ein Lied gemacht. Hauptsache, es war zum Lärmen gut genug. So prügeln
sich die Deutschen schließlich durch 20 Grind Death-Unmenschlichkeiten,
die nicht immer Spaß machen.
"Randy
Mary"
THOMAS
TAPE
„#1“
3
east west,
2003
"Hi, ich bin
Harry Heip. Ich betreue die ,Harte Gitarren-Abteilung' bei einer großen
Platten-Firma - und verdiene gutes Geld. Zumindest bekomme ich es. Und
trotzdem frage ich mich manchmal, warum ich nicht Caster in der Porno-Branche
geworden bin. So wie bei dieser Band, die sich nach einem Tonträger
benannt hat ... wie war das gleich? Record? Compact Disc? - Nein, TAPE.
Unsere Scouts gaben mir da so ein Demo rein, auf dem ein paar Halbgewalkte
diesen Crossover oder New Metal herunterspielten. Ich finde das Zeug ja
auch Scheiße, aber ist nun mal mein Job. Und die beschissenen Kids
kaufen den Dreck, hähä. Na jedenfalls hörte ich die Musik
und wußte, daß da mit dem entsprechenden fetten Sound und ein
paar Schönheitskorrekturen ein paar Scheine zu machen sein werden.
Klingt nämlich wie all die anderen Goldesel aus diesen Genre. Nur
braucht man jemanden, den man als Werbeträger für das Zeug benutzen
kann. Eine Art Identifikationsfigur. - Und dann kamen sie zur Tür
rein. Oder nein, sie kam zu Tür rein: Endlos lange Beine, ein
Arsch, daß einem die Nille unwillkürlich zu suppen anfängt
und ein Gesicht, wie es eigentlich auf die Titelseiten von Hochglanz-Magazinen
gehört. Da wußte ich: Die Band wird ein Hit. Mit dieser Sängerin,
kein Problem. Und ich werde sie hacken. Wenn die Säcke erst Blut geleckt
haben, die ersten Scheine gebündelt ausgeteilt werden, dann sagt der
liebe Harry Heip: Entweder weiter nach oben oder zurück zu den Kumpels
in den Proberaum. Und dann werde ich diese Sau durchknallen, daß
mir das Gehirn platzt. Wenn ich daran denke, zwischen Deinen Beinen
zu arbeiten, fange ich an, Eure Musik zu lieben. Die Guano Apes sind 100mal
besser. Selbst Die Happy haben mehr Futt - und bessere Titten, hähä
- aber bei dem Körper ist eine Top 10-Nummer drin. Dafür tu ich
einiges. Hähä."
"Hate Me"
JUB
BITTERNESS
"Dawn Of Golden Blood" 4
Eigenproduktion,
2002
Thrash Metal
aus deutschen Landen - viele Jahre ein Garant für höchste Qualität.
Und auch BITTERNESS sind sich der Tradition bewußt, denn Frank Urschler
klingt gewiß nicht zufällig nach Kreator-Mille. Auch findet
der Hörer eine Vielzahl Riffs oder Arrangement-Ideen wieder,
die ihm schon von bekannteren Namen aus den 80ern in den Ohren klingen
dürften. Und schließlich ist der Sound dieser Eigenproduktion
zwar rauh aber druckvoll. Ganz wie man es von Produktionen aus der Zeit
von vor 15 bis 20 Jahren kennt.
Nur fehlt
BITTERNESS zu einer wirklich guten Thrash-Formation einiges. Denn sowohl
musikalische als auch textliche Zitate (wenn auch eine gute Idee in "T.H.R.A.S.H.")
genügen bei weitem nicht, um gewissen Ansprüchen zu genügen.
Denn noch klingt die Konstanzer Band vor allem sehr unbeholfen, wirken
die einzelnen Songs mehr zusammengeschustert als flüssig. Dann kommen
Längen hinzu, die Lieder, die eh nicht vor Einfallsreichtum zu bersten
scheinen, leicht nervig machen. Nicht selten sind prägnante Dreieinhalb-Minuten-Songs
weitaus wirkungsvoller, da sie den Mangel an kompositorischem Geschick
manchmal durchaus zu verbergen wissen. Schließlich ist die Gitarren-Arbeit
auf "Dawn Of Golden Blood" in der Quintessenz als steif zu bezeichnen.
Urschler klingt an den sechs Saiten streckenweise so, als würde er
mit zusammengepreßten Lippen im Studio stehen, auf das Griffbrett
starren und sich schwitzend durch seine Riffs quälen.
BITTERNESS
gibt es seit 2001 und erwuchs aus der Band Steel Tormentor. Eine Demo-CD
existiert bereits: "... And Death Marches On". Dies hier ist Nummer zwei.
Für das dritte Teil sollten sich die Jungs nicht unbedingt mehr Zeit
im Studio nehmen (eine Woche waren sie drin). Aber vielleicht im Vorfeld
intensiv die Songs auf Effektivität abklopfen. Packendere Riffs, zwingende
Abfolgen
und hin und wieder ein mutiger Tritt aufs Gaspedal würden der Musik
von BITTERNESS sicher einen gehörigen Kick verpassen. www.Bitterness.de,
info@Bitterness.de
"T.H.R.A.S.H."
JUB
MOONSPELL
„The Antidote“ 9
Century Media/Magic
Arts Publ., 2003
Da habe ich
mir doch tatsächlich noch einmal die "Wolfheart" und die "Darkness
And Hope" reingezogen, um sicher zu gehen, daß mich meine Ohren nicht
täuschen. Und sie taten es nicht: "The Antidote" kann getrost als
eines der härtesten Werke im MOONSPELLschen Schaffen gewertet werden.
Selbst die "Wolfheart" wirkt in ihrer Gesamtheit noch einen Tick zurückhaltender.
Was die Portugiesen mit "In And Above Men", "From Lowering Skies" oder
"The Southern Deathstyle" abgeliefert haben, hätten ihnen garantiert
die Wenigsten zugetraut. Auch nach "Darkness And Hope" nicht. Somit ist
einmal mehr der Beweis erbracht, daß die Europäer verdammt konservative
Musik-Fans sind, denn die experimentellen Ausflüge MOONSPELLs mit
"Sin" und "The Butterfly Effect" haben der Band gar nicht gut getan. Und
vorangebracht schon gar nicht. Denn dort, wo die Band heute steht - auch
was die Gunst der Fans betrifft - hätten MOONSPELL schon 1998 landen
können. Erwartet also ein wegweisendes Gothic-Album, das viel mehr
Heavy Metal ist, als 90 Prozent aller gotischen Querschießer der
Neuzeit. Trotzdem bleibt die typische Düsternis der Band in jedem
Song erhalten. Auch geht die Hinzunahme der Härte nicht auf Kosten
der Melodien.
„The Southern
Deathstyle“
JUB
EERINESS
"A Life Beyond The Shades Of Time" 9
Shark Records,
2003
Sehr mutig,
was die Schweizer da fabrizieren. Denn ausgerechnet der Opener, "November
- Thy Weakness" ist ein aus mehreren Teilen bestehendes Werk, das - zwar
nur 4 Minuten und 40 Sekunden lang - mit einem romatischem Akustik-Part,
brachialem Gitarrengemörtel und Brüchen aufzuwarten weiß,
die einen auf Schlag in einem anderen Song wähnen. Der Rest der Scheibe
ist dann eingängiger, wobei sich zwei Eckpfeiler der EERINESS-Musik
herauskristallisieren: Das sind zum einen die enorm harte Gitarre, die
ganz entgegen gängiger Gothic-Klischees agiert, und der weibliche
Soprangesang. Vielleicht sollte man auch Philipp Gnos' Stimme solch eine
Eckpfeiler-Rolle zugestehen, denn scheinbar facettenlos, trägt sein
Gesang einen wesentlichen Teil der unter die Haut gehenden, lebensverneinenden
Stimmung mit. Zu den Gitarren: Die haben soviel Kraft, daß manch
Thrash oder Death Metal-Fan durchaus zufrieden sein könnte. Diese
Zusammenstellung von Härte und gotisch anmutender Musik erinnert mich
an Daylight Torn-Material.
Ich bin mir
nicht sicher, ob es immer die richtige Entscheidung ist, den weiblichen
Gesang in Gothic-Bands von semi-professionellen Sopranistinnen - in diesem
Fall Katarina Krcmarova - übernehmen zu lassen. Das ist zu austauschbar.
Zwar hatte Keyboarderin Talia Schneider stimmliche Grenzen, allerdings
mehr Charackter (siehe Abgehört
vom 12. März 2002). Was nicht heißen soll, die schwarzhaarige
Tastenfrau hätte die wirklich schwierigen Frauen-Gesangs-Parts übernehmen
sollen. Allerdings hätte es der EERINESS-Scheibe "A Life Beyond The
Shades Of Time" den letzten Kick gegeben, wenn ausgerechnet auch an dieser
Stelle die Außergewöhnlichkeit den Ton angegeben hätte
(wieder fällt mir da Mia von Daylight Torn ein).
Freuen kann
sich die Gothic-Gemeinde über diese Album hier aber auf jeden Fall.
Denn es zeigt, daß in dem düsteren Genre noch längst nicht
alles ausgereizt war. Mit EERINESS gibt es nämlich reichlich Neues
zu entdecken.
"Grotesque
Misery"
JUB
SKID
ROW "Thickskin" 9
Steamhammer/SPV,
2003
SKID ROW ohne
Sebastian Bach? Das kann doch nur in die Hose gehen. "Thickskin" belehrt
uns da eines Besseren und läßt die Vermutung aufkommen, daß
Alben wie das selbstbetitelte Debüt (1989) und der "Slave To The Grind"-Nachfolger
(1992) vor allem die Handschrift von Rachel Bolan und Snake trugen. Sicher
hat Seb sein Schärflein dazu beigetragen, was seine jüngste Solo-Veröffentlichung
gezeigt hat, den Löwenanteil am Songwriting hatten in Wirklichkeit
aber die Instrumentalisten inne. Und was für die Bach-Jünger
vermutlich am schlimmsten sein wird: Der Neue läßt uns den blonden
Engel nicht einmal vermissen, denn stimmlich ist Johnny Solinger tadellos.
Und es kommt
noch fetter: "Thickskin" steht den beiden genannten Klassikern in nichts
nach. Vielmehr wirkt diese Scheibe wie ein Bindeglied zwischen dem Melodic-Debüt
und dem angethrashten Nachfolger. "Ghost", "One Light" oder "See You Around"
sind herrliche Gassenhauer im Schlepptau von "18 And Life", die Sachen
wie "New Generation", "Thick Is The Skin", "Mouth Of Voodoo" oder "Hittin'
A Wall" gegenüberstehen, denen das "Monkey Business"-Flair anhaftet.
Der Schachzug schlechthin ist die Idee, aus der Ballade "I Remeber You"
über zehn Jahre nach ihrer Veröffentlichung einen straighten
Rocker zu machen. SKID ROW are back!
"Ghost"/"I
Remember You Two"
JUB
OSI
"Office Of Strategic Influence" 8
Inside Out,
2003
Manchmal können
Menschen über ihren Schatten springen. Auch wenn sie sich bei dem
Sprung an einem Geländer festhalten, es kann gelingen. Wie im Falle
von Kevin Moore und Mike Portnoy (Ex- und aktuelles Dream Theater-Mitglied)
sowie Jim Matheos (Ex-Fates Warning). Wenn drei Musiker mit diesem Background
eine Band gründen, stellt man sich progressive Strukturen in der Musik
vor, wie sie selbst die Stamm-Formationen nicht mehr hinbekommen hätten.
Allerdings hatte dieses Trio ganz andere Ambitionen.
Schon das
Intro zu "The New Math" gibt die Richtung vor, erinnert es doch verdammt
an "On The Run" von Pink Floyd. Und Floyd wird bei OSI immer wieder zu
Rate gezogen, "Memory Daydreams Lapses" zum Beispiel, oder "When You're
Ready". Und von Pink Floyd ist die Brücke zu psychedelischen Sounds
schnell beschritten: "Horseshoes And B-52's", "Head". Es klingen die Doors
an, Emerson, Lake & Palmer oder Iron Butterfly. Zwischen Metal-Groover
und schüchternem Gothic-Gesang dominieren elektronische Spielchen,
die am Ende alles wie einen monumentalen Sience Fiction-Soundtrack erscheinen
lassen. Dieses Album braucht große Ohren, die die Noten zu einem
großen Hirn leiten. Dann wird alles ganz anders.
"Head“"
JUB
KREATOR
"Live Kreation" 10
Steamhammer/SPV,
2003
Das wurde aber
auch Zeit, daß die Ruhrpott Legende ein Livedokument vorlegt. Die
"Konkurrenz" von Sodom bringt es mittlerweile auf drei. Doch das Warten
hat sich gelohnt. "Live Kreation" beinhaltet vierundzwanzig Titel auf zwei
CDs verteilt. Dabei werden alle Schaffensperioden der Band berücksichtigt.
Egal ob vom Debut "Endless Pain", der Durchbruchsplatte "Extreme Agression",
der experimentellen "Renewal", "Outcast"- und "Endorama"-Phase oder Klassikern
wie "Coma Of Souls" und "Pleasure To Kill".
Es werden
die stärksten Tracks gespielt, wobei das Hauptgewicht natürlich
auf dem neuen "Violent Revolution"-Album liegt. Die Songauswahl ist zwar
keine Überraschung, aber die ausgesuchten Stücke sind nunmal
die besten Livekracher der Altenessener. "People Of The Lie", "Riot Of
Violence", "Betrayer", "Flag Of Hate", "Pleasure To Kill", "Reconquering
The Throne" oder "Coma Of Souls", welchem KREATOR-Fan läuft bei der
bloßen Erwähnung dieser Songs nicht das Wasser im Munde zusammen?
Eben. Die Aufnahmen fanden in Brasilien, Korea und Wacken statt. Also wird
kein Konzert am Stück geboten. Das ist aber nicht weiter tragisch,
wenn es ums Feeling geht. Beim Opener "The Patriarch" singen die Fans sogar
das Gitarrenintro mit, daß einem eine Mordsgänsehaut schwillt.
Das spornt die Band an, und so erlebt man einen Mille in absoluter Hochform.
Der Mann schimpft, schreit und singt in aggressivster Manier. Das hätte
ich ihm noch vor ein paar Jahren ("Endorama") gar nicht mehr zugetraut.
Es scheint, als erlebe die Band ihren zweiten Frühling. Der Sound
läßt keine Wünsche offen, und man hört eine hochprofessionelle
Band arschtight zusammenspielen. So mancher brutalen Gruselcombo würde
bei dieser Darbietung Angst und Bange. Parrallel zu der CD erscheint noch
eine DVD mit dem Titel "Live Kreation-Revisioned Glory", welche ich Euch
noch wärmstens ans Herz legen möchte, da sie praktisch mit der
CD identisch ist und zu dem Soundtrack die passenden Bilder liefert. Für
welche Variante Ihr Euch entscheidet, ist natürlich Eure Sache. Für
die unentschlossenen und die Sammler gibt es noch eine "Deluxe"-Ausgabe
mit DVD und CD zusammen. Zwanzig Jahre KREATOR, wo ist die Zeit nur geblieben?
Auf die nächsten, mindestens zehn Jahre.
"People
Of The Lie"/"Tormentor"
THOMAS