An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 02. Oktober 2001


IRON SAVIOR „Dark Assault“ 7
Modern Music/Noise Records, 2001

Iron Savior - Dark Assault

Das müßt ihr lesen: „Eine eigene Spezies der IRON SAVIOR-Dimension saugt Planeten aus, um sich zu nähren ... Da in der Gegend schon beinahe alles abgegrast ist, erfindet man kurzerhand einen Dimensionsriß, um durch die Galaxis zu reisen. Auf der Suche nach neuen Planeten stößt man auch auf die Erde, die von Außerirdischen angegriffen wird. Der verschollene Iron Savior taucht jedoch in letzter Minute auf, um die Welt zu retten.“ Puuuh, immer diese doofen Geschichten bei den deutschen (und italienischen) Heavy Metal-Truppen. Manchmal möchte man meinen, der ein oder andere Musiker wäre besser Comic-Autor geworden.
Aber Piet Sielck hats zum Heavy Metal getrieben. Und da ist er auch genau richtig. Erst als Produzent, seit 1997 mittlerweile auch als Musiker und Kopf von IRON SAVIOR.
„I’ve Been To Hell“
Bei seinem neuen Wirken als Rocker kam Piet Sielck durchaus seine Arbeit mit Grave Digger, Saxon, Gamma Ray und Blind Guardian zugute, denn irgendwie haben seine Songs von jeder Band etwas. Schließlich eröffnete ihm das Produzieren die innigsten Kontakte zu den unterschiedlichsten Musikern, so daß es sicher kein Zufall ist, daß Kai Hansen auf der aktuellen Scheibe „Dark Assault“ mitklampft und mitsingt.
Aber warum sollen nicht auch bisher verklemmte Regler-Schieber vors Mikro treten. Ein Stück wie „Made In Metal“ legitimiert dies in jedem Fall.
„Made In Metal“

JUB

GRINISTER "Unleashed" 3
SFG Rec./ Connected, 2001

Grinister - Unleashed

Arrgh! Glatze, Rasta-Locken, blondierte Haare, Tribal-Tattoos, Ziegenbart und ähnliche Trademarks der Mode-Hardcore-Szene werden im Cover der CD "Unleashed" von den Finnen GRINISTER zur Schau gestellt. Die Vorfreude sinkt ins bodenlose. Erinnerungen an ähnliche Bands aus den Neunzigern werden wach. Sie alle gingen mir auf den Sack. Mit ihren beschissenen Refrains, die nur aus einem möglichst lang geschrieenen Wort bestanden, unter dem das ein und dasselbe Riff immer und immer wiederholt wurde.
Schräng  schräng  schräng  aaaarrr! schräng  schräng schräng  aaarrr! Fürchterlich. Und alle waren sie so unheimlich alternativ und so weltoffen. Und jedesmal, wenn sie von der Probe kamen, mußten sie sich durch rivalisierende Straßengangs prügeln. Sie gewannen natürlich immer, so tough waren sie. So tough, daß Metal selbstverständlich eine lächerliche Randerscheinung aus den Achtzigern war. Na, die sollten mir mal kommen, die Finnen von GRINISTER. Und siehe da, meine Befürchtungen waren nicht unberechtigt. Schon im ersten Song "Complete" setzt der bereits oben beschriebene Effekt, bezüglich des Refrains, ein. Hölle hilf!
"Complete"
Zwar versuchen GRINISTER im Gegensatz zu ihren Kollegen aus der Bronx ein wenig Abwechslung in ihre Kompositionen zu bringen, zum Beispiel arbeiten sie verstärkt mit Dynamik, und mal sind auch ein akustisches Zwischensprenksel und andere diverse Auflockerungen zu vernehmen, dennoch geht mir diese Scheibe ziemlich auf den Geist. Wobei ein kleines bißchen Voreingenommenheit zugegebenermaßen nicht ganz unschuldig sein dürfte. Hört nochmal rein und entscheidet selbst.
"Feel me"

THOMAS

HYPNOS „The Revenge Ride“ 9
Morbid Records/SPV, 2001

Hypnos - The Revenge Ride

„Lost“
Schon mit „In Blood We Trust“ hatten HYPNOS auf Schlag dafür gesorgt, daß sie vom Großteil der Death Metal-Gemeinde und darüberhinaus durchaus wohlwollend wahrgenommen wurden. Was nicht zuletzt an der nicht zu unterschätzenden Abwechslung auf dem Debüt-Album lag. Auf „The Revenge Ride“ geht es allerdings erst einmal kompromißlos zur Sache: Blast-Brett, Gitarrenwand, Keller-Gesang.
„Evil Awaken“
Allerdings beginnt auch auf „The Revenge Ride“ nach nur einer knappen Viertelstunde Vollgas die Ausgewogenheit. Mit „Journey Into Doom“ wird es zum Beispiel (na, was schon?) doomig, „Endorsed By Satan“ zeigt, daß HYPNOS auch als Black Metal-Band eine gute Figur machen würden, und mit „I Am The Wind“ schaffen sich die drei Musiker ihr ganz eigenes „Orgasmatron“.
„I Am The Wind“
Aber nicht nur die unterschiedlichen Stimmungen der Stücke sorgen für ein rundes musikalisches Werk. Auch das hohe songwriterische Niveau tut sein Übriges. Alte Schule eben die Jungs. Immerhin stammen Frontmann Bruno und Schlagzeuger Pegas von den tschechischen Thrash/Death-Königen Krabathor. Auch auf die Gefahr hin, einen Sturm der Entrüstung zu ernten: Irgendwie gefallen mir HYPNOS mittlerweile besser.
„Endorsed By Satan“

JUB

KREATOR "Violent Revolution" 9
Steamhammer/SPV, 2001

Kreator - Violent Revolution

"Eine Revolution kann nicht friedlich von statten gehen."
Dieser Satz hat Mille anscheinend so beeindruckt, daß er den Text von "Violent Revolution" danach ausrichtete.
Doch das ist nicht die einzige Bedeutung des Albumtitels. Der Name ist Programm. Verstrickte sich die Band in den Neunzigern doch zunehmend in Experimenten und drohte langsam aber sicher - angesichts der Bedeutung die die Gruppe um Mille Petrozza in den Achtzigern für den europäischen Thrash Metal hatte - in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Das Ganze gipfelte dann darin, daß sich die einstige Thrash-Ikone ein Gesangsduett mit Lacrimosa-Heulsuse Thilo Wolff auf dem glattgebügelten "Endorama", der letzten LP der Altenessener Band, leistete. Damit konnten die vielen Kuttenträger aus der KREATOR-Gefolgschaft wahrlich nichts mehr anfangen. Doch Mille hat den Weg zur Aggression zurückgefunden, den ganzen Gothic- Elektronik-Loop und Sample-Ballast über Bord geworfen und somit die "Gewalttätige Revolution" eingeleitet. Will heißen, es wird wieder gethrasht im Hause KREATOR - und das mit Stil.
"Reconquering The Throne" 
Auch hat sich das Besetzungskarussell wieder einmal gedreht. So besteht die Band mittlerweile aus natürlich Mille (git., voc.), dem mal wieder eingestiegenen Ventor am Schlagzeug, Christian Giesler am Baß und dem ebenso milchgesichtigen wie technisch versierten Finnen Sami Yli Sirniö, der am ehesten durch seine Arbeit bei Waltari bekannt sein dürfte. Letzterer schließt die Lücke, welche Tommi Vitrelli nach seinem Ausstieg hinterlassen hat, nahezu perfekt. So daß Yli Sirniö die feingliedrigen Finessen im KREATOR-Gitarrensound, die am besten bei "Outcast" (97) zum Tragen kommen, mit rüber in die neue Dekade nimmt, ohne daß sie wie Fremdkörper wirken.
"Servant In Heaven - King In Hell" 
Auch optisch schlägt man eine Brücke zu den seligen "Coma Of Souls"-Zeiten, ziert doch wieder der allseits bekannte Lederkopf - diesmal mit fast geschlossener Schädeldecke und zwei abgezogenen Gesichtshäuten als Ummantelung - das in feuerrot gehaltene Cover. Wenn Sodom mit ihrer neuen Veröffentlichung denen von Destruction und KREATOR in Nichts nachstehen, dann können wir uns auf etwas gefaßt machen. Wenn alle drei Bands im Winter die deutschen Konzerthallen in Abbruchhäuser verwandeln. 
Bis dahin: thash `til death!
"Violent Revolution"

THOMAS

DISMAL EUPHONY „Python Zero“ 6
Nuclear Blast, 2001

Dismal Euphony - Python Zero

Gruppen gibt’s. Ich bin überzeugt davon, daß es eine ganze Reihe von Heavy Metal-Fans geben wird, die mit DISMAL EUPHONY herzlich wenig anzufangen wissen. Ging mir beim ersten Mal hören ihrer vierten CD „Python Zero“ genauso. Als ich danach allerdings erneut auf die tausendste Variante von Cradle Of Borgir stieß, wieder Helloween-Fans über mich ergehen lassen mußte und mit Hüpfeburg-Neumetallern gequält wurde, griff ich fast sehnsüchtig nach DISMAL EUPHONY. Und siehe da, die Musik bahnte sich vehement ihren Weg in mein Gehör.
„Plasma Pool“
Das Problem mit den Norwegern, die in der ersten Hälfte der 90er Jahre ihre Karriere begannen, liegt in der scheinbar willkürlichen Verknüpfung von sämtlichen Stilmitteln, die den Protagonisten dieser Band - Ole K. Helgesen und Kristoffer Void - jemals zu Ohren gekommen sind. Hört Euch nur „Birth Reverse“, „Plasma Pool“ und „Flyineye“ in einem Ritt an: Black Metal, Techno, Gothic, Country - diese Richtungen passen genauso zusammen wie Fuchs und Huhn. Möchte man meinen. DISMAL EUPHONY kriegen die ganze Sache jedoch irgendwie geknackt und zimmern ein durchaus festes Gerüst daraus.
Birth Reverse“/“Flyineye“
Man sollte sich auf jeden Fall Zeit nehmen für diese Scheibe. Wer allerdings elektronische Elemente, Frauengesang und Akustikgitarren im Metal verabscheut, kann seine Abende gleich ohne diese Band verbringen.

JUB

THERAPY? "Shameless" 4
ARK 21/ Universal / Motor, 2001

Therapy? - Shameless

Oh nein, THERAPY? sind zurück. Diese Band war mir immer so angenehm wie ein Zahnarztbohrer, der während der Behandlung ohne Betäubung abbricht. Nun ja, "Shameless" heißt ihre neue CD, der große Hype um die Band ist vorbei, und es wird sich zeigen, ob THERAPY? im Zeitalter von Limp Bizkit und Slipknot noch was reißen können. Ha, so gesehen sind THERAPY? auch schon wieder Underground. So schnell kann´s gehen. Also CD in den Schacht und siehe da, der erste Song " Gimme Back My Brain" ist so verkehrt gar nicht.
"Gimme back my brain"
Songs dieses Schlages mischen sich auf "Shameless" mit typischen THERAPY?-Nervensägen und einer gehörigen Portion Abgedrehtheit. Oder wie soll ich es mir erklären, daß in einigen Titeln gar Helge Schneider-mäßige Orgeltöne zu vernehmen sind? Nun, Freunde werden THERAPY? und ich auch heute nicht, dennoch kann man "Shameless" als Betäubung für die oben beschriebene Zahnarztprozedur verwenden.

THOMAS

BELPHEGOR „Necrodeamon Terrorsathan“ 7
Last Episode/Connected, 2000

Belphegor - Necrodeamon Terrorsathan

BELPHEGOR? Das sind doch die ... Genau. Bösartig, brutal und scheinbar ohne Tabus, wenn es um die Preisung des Gehörnten geht. Und ebenso wie das Cover, auf dem der Deibel als Bock auf einem Opferaltar eine breitbeinige Schöne stachelt, spielt Satan in den Texten der österreichischen Band wilde Sau. Verpackt ist das Ganze in einer beachtenswerten Black/Death Metal-Mischung, die in erster Linie als Walze aus den Boxen kommt. Logisch, daß das Spaß macht. Allerdings ist dieser wahnwitzige Ritt nicht ohne Mühen zu meistern, denn es gibt nun mal keine Verschnaufpausen. Das ist nicht immer durchzustehen. Aber welche Art von Musik kann man sich schon in jeder Stimmung oder zu jeder Tageszeit anhören.
BELPHEGOR sind nichts für die Party und auch nichts zur Untermalung für ein erstes Date. Den eigenen Frust aus dem Hirn zu bangen, mit ein paar Freunden dem Bösen zu huldigen oder bierselig "Satan“ brüllen - dafür sind BELPHEGOR der ideale Soundtrack.
„Diabolical Possession“

JUB

PAIN IN THE ASS "Spain" 2
Surge Music/Island Rec/Scoop, 2001

Pain In The Ass - Spain

Sehr punkig und hardcorelastig geht es auf der EP des Such a Surge- Nebenprojekts PAIN IN THE ASS zu. "p.i.t.a." hätte von den Rykers stammen können, "You Must Be Joking" klingt nach Bronxx, "Spit Fire Beauty" ist eine Hardcore-Ballade (prollig und peinlich zugleich, fast schon lustig). Und "Punk 2001" ist HipHop. PAIN IN THE ASS sind überflüssig wie ein Kropf.
"Spit Fire Beauty"

THOMAS
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