IRON
SAVIOR „Dark Assault“ 7
Modern Music/Noise
Records, 2001
Das müßt
ihr lesen: „Eine eigene Spezies der IRON SAVIOR-Dimension saugt Planeten
aus, um sich zu nähren ... Da in der Gegend schon beinahe alles abgegrast
ist, erfindet man kurzerhand einen Dimensionsriß, um durch die Galaxis
zu reisen. Auf der Suche nach neuen Planeten stößt man auch
auf die Erde, die von Außerirdischen angegriffen wird. Der verschollene
Iron Savior taucht jedoch in letzter Minute auf, um die Welt zu retten.“
Puuuh, immer diese doofen Geschichten bei den deutschen (und italienischen)
Heavy Metal-Truppen. Manchmal möchte man meinen, der ein oder andere
Musiker wäre besser Comic-Autor geworden.
Aber Piet
Sielck hats zum Heavy Metal getrieben. Und da ist er auch genau richtig.
Erst als Produzent, seit 1997 mittlerweile auch als Musiker und Kopf von
IRON SAVIOR.
„I’ve Been
To Hell“
Bei seinem
neuen Wirken als Rocker kam Piet Sielck durchaus seine Arbeit mit Grave
Digger, Saxon, Gamma Ray und Blind Guardian zugute, denn irgendwie haben
seine Songs von jeder Band etwas. Schließlich eröffnete ihm
das Produzieren die innigsten Kontakte zu den unterschiedlichsten Musikern,
so daß es sicher kein Zufall ist, daß Kai Hansen auf der aktuellen
Scheibe „Dark Assault“ mitklampft und mitsingt.
Aber warum
sollen nicht auch bisher verklemmte Regler-Schieber vors Mikro treten.
Ein Stück wie „Made In Metal“ legitimiert dies in jedem Fall.
„Made In
Metal“
JUB
GRINISTER
"Unleashed" 3
SFG Rec./
Connected, 2001
Arrgh! Glatze,
Rasta-Locken, blondierte Haare, Tribal-Tattoos, Ziegenbart und ähnliche
Trademarks der Mode-Hardcore-Szene werden im Cover der CD "Unleashed" von
den Finnen GRINISTER zur Schau gestellt. Die Vorfreude sinkt ins bodenlose.
Erinnerungen an ähnliche Bands aus den Neunzigern werden wach. Sie
alle gingen mir auf den Sack. Mit ihren beschissenen Refrains, die nur
aus einem möglichst lang geschrieenen Wort bestanden, unter dem das
ein und dasselbe Riff immer und immer wiederholt wurde.
Schräng
schräng schräng aaaarrr! schräng schräng
schräng aaarrr! Fürchterlich. Und alle waren sie so unheimlich
alternativ und so weltoffen. Und jedesmal, wenn sie von der Probe kamen,
mußten sie sich durch rivalisierende Straßengangs prügeln.
Sie gewannen natürlich immer, so tough waren sie. So tough, daß
Metal selbstverständlich eine lächerliche Randerscheinung aus
den Achtzigern war. Na, die sollten mir mal kommen, die Finnen von GRINISTER.
Und siehe da, meine Befürchtungen waren nicht unberechtigt. Schon
im ersten Song "Complete" setzt der bereits oben beschriebene Effekt, bezüglich
des Refrains, ein. Hölle hilf!
"Complete"
Zwar versuchen
GRINISTER im Gegensatz zu ihren Kollegen aus der Bronx ein wenig Abwechslung
in ihre Kompositionen zu bringen, zum Beispiel arbeiten sie verstärkt
mit Dynamik, und mal sind auch ein akustisches Zwischensprenksel und andere
diverse Auflockerungen zu vernehmen, dennoch geht mir diese Scheibe ziemlich
auf den Geist. Wobei ein kleines bißchen Voreingenommenheit zugegebenermaßen
nicht ganz unschuldig sein dürfte. Hört nochmal rein und entscheidet
selbst.
"Feel me"
THOMAS
HYPNOS
„The Revenge Ride“ 9
Morbid Records/SPV,
2001
„Lost“
Schon mit
„In Blood We Trust“ hatten HYPNOS auf Schlag dafür gesorgt, daß
sie vom Großteil der Death Metal-Gemeinde und darüberhinaus
durchaus wohlwollend wahrgenommen wurden. Was nicht zuletzt an der nicht
zu unterschätzenden Abwechslung auf dem Debüt-Album lag. Auf
„The Revenge Ride“ geht es allerdings erst einmal kompromißlos zur
Sache: Blast-Brett, Gitarrenwand, Keller-Gesang.
„Evil Awaken“
Allerdings
beginnt auch auf „The Revenge Ride“ nach nur einer knappen Viertelstunde
Vollgas die Ausgewogenheit. Mit „Journey Into Doom“ wird es zum Beispiel
(na, was schon?) doomig, „Endorsed By Satan“ zeigt, daß HYPNOS auch
als Black Metal-Band eine gute Figur machen würden, und mit „I Am
The Wind“ schaffen sich die drei Musiker ihr ganz eigenes „Orgasmatron“.
„I Am The
Wind“
Aber nicht
nur die unterschiedlichen Stimmungen der Stücke sorgen für ein
rundes musikalisches Werk. Auch das hohe songwriterische Niveau tut sein
Übriges. Alte Schule eben die Jungs. Immerhin stammen Frontmann Bruno
und Schlagzeuger Pegas von den tschechischen Thrash/Death-Königen
Krabathor. Auch auf die Gefahr hin, einen Sturm der Entrüstung zu
ernten: Irgendwie gefallen mir HYPNOS mittlerweile besser.
„Endorsed
By Satan“
JUB
KREATOR
"Violent Revolution" 9
Steamhammer/SPV,
2001
"Eine Revolution
kann nicht friedlich von statten gehen."
Dieser Satz
hat Mille anscheinend so beeindruckt, daß er den Text von "Violent
Revolution" danach ausrichtete.
Doch das ist
nicht die einzige Bedeutung des Albumtitels. Der Name ist Programm. Verstrickte
sich die Band in den Neunzigern doch zunehmend in Experimenten und drohte
langsam aber sicher - angesichts der Bedeutung die die Gruppe um Mille
Petrozza in den Achtzigern für den europäischen Thrash Metal
hatte - in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Das Ganze gipfelte
dann darin, daß sich die einstige Thrash-Ikone ein Gesangsduett mit
Lacrimosa-Heulsuse Thilo Wolff auf dem glattgebügelten "Endorama",
der letzten LP der Altenessener Band, leistete. Damit konnten die vielen
Kuttenträger aus der KREATOR-Gefolgschaft wahrlich nichts mehr anfangen.
Doch Mille hat den Weg zur Aggression zurückgefunden, den ganzen Gothic-
Elektronik-Loop und Sample-Ballast über Bord geworfen und somit die
"Gewalttätige Revolution" eingeleitet. Will heißen, es wird
wieder gethrasht im Hause KREATOR - und das mit Stil.
"Reconquering
The Throne"
Auch hat sich
das Besetzungskarussell wieder einmal gedreht. So besteht die Band mittlerweile
aus natürlich Mille (git., voc.), dem mal wieder eingestiegenen Ventor
am Schlagzeug, Christian Giesler am Baß und dem ebenso milchgesichtigen
wie technisch versierten Finnen Sami Yli Sirniö, der am ehesten durch
seine Arbeit bei Waltari bekannt sein dürfte. Letzterer schließt
die Lücke, welche Tommi Vitrelli nach seinem Ausstieg hinterlassen
hat, nahezu perfekt. So daß Yli Sirniö die feingliedrigen Finessen
im KREATOR-Gitarrensound, die am besten bei "Outcast" (97) zum Tragen kommen,
mit rüber in die neue Dekade nimmt, ohne daß sie wie Fremdkörper
wirken.
"Servant
In Heaven - King In Hell"
Auch optisch
schlägt man eine Brücke zu den seligen "Coma Of Souls"-Zeiten,
ziert doch wieder der allseits bekannte Lederkopf - diesmal mit fast geschlossener
Schädeldecke und zwei abgezogenen Gesichtshäuten als Ummantelung
- das in feuerrot gehaltene Cover. Wenn Sodom mit ihrer neuen Veröffentlichung
denen von Destruction und KREATOR in Nichts nachstehen, dann können
wir uns auf etwas gefaßt machen. Wenn alle drei Bands im Winter die
deutschen Konzerthallen in Abbruchhäuser verwandeln.
Bis dahin:
thash `til death!
"Violent
Revolution"
THOMAS
DISMAL
EUPHONY „Python Zero“ 6
Nuclear Blast,
2001
Gruppen gibt’s.
Ich bin überzeugt davon, daß es eine ganze Reihe von Heavy Metal-Fans
geben wird, die mit DISMAL EUPHONY herzlich wenig anzufangen wissen. Ging
mir beim ersten Mal hören ihrer vierten CD „Python Zero“ genauso.
Als ich danach allerdings erneut auf die tausendste Variante von Cradle
Of Borgir stieß, wieder Helloween-Fans über mich ergehen lassen
mußte und mit Hüpfeburg-Neumetallern gequält wurde, griff
ich fast sehnsüchtig nach DISMAL EUPHONY. Und siehe da, die Musik
bahnte sich vehement ihren Weg in mein Gehör.
„Plasma
Pool“
Das Problem
mit den Norwegern, die in der ersten Hälfte der 90er Jahre ihre Karriere
begannen, liegt in der scheinbar willkürlichen Verknüpfung von
sämtlichen Stilmitteln, die den Protagonisten dieser Band - Ole K.
Helgesen und Kristoffer Void - jemals zu Ohren gekommen sind. Hört
Euch nur „Birth Reverse“, „Plasma Pool“ und „Flyineye“ in einem Ritt an:
Black Metal, Techno, Gothic, Country - diese Richtungen passen genauso
zusammen wie Fuchs und Huhn. Möchte man meinen. DISMAL EUPHONY kriegen
die ganze Sache jedoch irgendwie geknackt und zimmern ein durchaus festes
Gerüst daraus.
„Birth
Reverse“/“Flyineye“
Man sollte
sich auf jeden Fall Zeit nehmen für diese Scheibe. Wer allerdings
elektronische Elemente, Frauengesang und Akustikgitarren im Metal verabscheut,
kann seine Abende gleich ohne diese Band verbringen.
JUB
THERAPY?
"Shameless" 4
ARK 21/ Universal
/ Motor, 2001
Oh nein, THERAPY?
sind zurück. Diese Band war mir immer so angenehm wie ein Zahnarztbohrer,
der während der Behandlung ohne Betäubung abbricht. Nun ja, "Shameless"
heißt ihre neue CD, der große Hype um die Band ist vorbei,
und es wird sich zeigen, ob THERAPY? im Zeitalter von Limp Bizkit und Slipknot
noch was reißen können. Ha, so gesehen sind THERAPY? auch schon
wieder Underground. So schnell kann´s gehen. Also CD in den Schacht
und siehe da, der erste Song " Gimme Back My Brain" ist so verkehrt gar
nicht.
"Gimme
back my brain"
Songs dieses
Schlages mischen sich auf "Shameless" mit typischen THERAPY?-Nervensägen
und einer gehörigen Portion Abgedrehtheit. Oder wie soll ich es mir
erklären, daß in einigen Titeln gar Helge Schneider-mäßige
Orgeltöne zu vernehmen sind? Nun, Freunde werden THERAPY? und ich
auch heute nicht, dennoch kann man "Shameless" als Betäubung für
die oben beschriebene Zahnarztprozedur verwenden.
THOMAS
BELPHEGOR
„Necrodeamon Terrorsathan“ 7
Last Episode/Connected,
2000
BELPHEGOR?
Das sind doch die ... Genau. Bösartig, brutal und scheinbar ohne Tabus,
wenn es um die Preisung des Gehörnten geht. Und ebenso wie das Cover,
auf dem der Deibel als Bock auf einem Opferaltar eine breitbeinige Schöne
stachelt, spielt Satan in den Texten der österreichischen Band wilde
Sau. Verpackt ist das Ganze in einer beachtenswerten Black/Death Metal-Mischung,
die in erster Linie als Walze aus den Boxen kommt. Logisch, daß das
Spaß macht. Allerdings ist dieser wahnwitzige Ritt nicht ohne Mühen
zu meistern, denn es gibt nun mal keine Verschnaufpausen. Das ist nicht
immer durchzustehen. Aber welche Art von Musik kann man sich schon in jeder
Stimmung oder zu jeder Tageszeit anhören.
BELPHEGOR
sind nichts für die Party und auch nichts zur Untermalung für
ein erstes Date. Den eigenen Frust aus dem Hirn zu bangen, mit ein paar
Freunden dem Bösen zu huldigen oder bierselig "Satan“ brüllen
- dafür sind BELPHEGOR der ideale Soundtrack.
„Diabolical
Possession“
JUB
PAIN
IN THE ASS "Spain" 2
Surge Music/Island
Rec/Scoop, 2001
Sehr punkig
und hardcorelastig geht es auf der EP des Such a Surge- Nebenprojekts PAIN
IN THE ASS zu. "p.i.t.a." hätte von den Rykers stammen können,
"You Must Be Joking" klingt nach Bronxx, "Spit Fire Beauty" ist eine Hardcore-Ballade
(prollig und peinlich zugleich, fast schon lustig). Und "Punk 2001" ist
HipHop. PAIN IN THE ASS sind überflüssig wie ein Kropf.
"Spit Fire
Beauty"
THOMAS
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