SIX FEET UNDER "Bringer Of
Blood" 9
Metal Blade/SPV,2003
Nachdem die letzte CD der Death Metal-Szenegröße
bis auf ein paar Hits nichts an Spannung hergab, mußten sich die
Herren Barnes, Gall, Butler und Swanson etwas besonderes einfallen lassen,
um die weltweiten Fan-Scharen wieder zu versöhnen. Regierte auf "True
Carnage" noch das Bestreben nach einem speziellen, äußerst tiefen
Sound, welcher für siebensaitige Gitarren, fünfsaitige Bässe
und eine tiefergelegte Barnes-Stimme zugeschnitten wurde, verzettelten
sich die Musiker beim Songschreiben. Das sollte sich jetzt ändern.
Soundmäßig ist wieder alles im Lot, und auch die Hitquote ist
wieder angestiegen. Allen voran das treibende "Murdered In The Basement",
das auch auf dem Überalbum "Warpath" hätte stehen können.
Bei "Bringer Of Blood" und "Sick In The Head" dürfte sogar der Gehörnte
höchstpersönlich im Fünfeck springen. Und der Videoauskopplungssong
"Amerika The Brutal" ist mit seiner punkigen Ausrichtung ein äußerst
hartnäckiger Ohrwurm. Alles im Lack? Naja, im Gegensatz zu "Warpath"
und "Maximum Violence" muß man sich in "Bringer Of Blood" länger
reinhören, um mit den Songs warm zu werden. Alles in Allem ist das
neue Geschoß aus dem Hause SFU wesentlich durchschlagssicherer als
es "True Carnage" war. "Bringer Of Blood" wird es in mindestens drei verschiedenen
Versionen geben: Als Digipack mit DVD, als Digipack mit dem Song "Bringer
Of Blood" in einer deutschen Version, "Bringer des Blutes", und natürlich
die normale Jewelcase-Version. Der Rubel muß rollen, da beißt
die Maus keinen Faden ab.
"Murdered In The Basement"
THOMAS
CHARON „The Dying Daylights“
6
Spineform Rec, 2003
Auto gestartet, CD in den Schacht.
"Verdammt, es hat wieder gegossen über Nacht. Das Laub ist wie ein
schmieriger Film. Und ich habe doch auf den Vorder-Rädern fast Glatze.
- CHARON laufen, nettes Lied. Das sind doch diese weichgespülten Sentenced.
- Paß doch auf, Du Heini. Muß man schon am frühen Morgen
wie besengt durch die Gegend heizen? Was liegt heute eigentlich an? Jene
Absprache hier, das nächste Treffen dort. Kann langwierig werden.
Mist, muß mich beeilen, sonst komme ich schon zum ersten Meeting
15 Minuten zu spät. - Wer läuft da eigentlich? Ach so, CHARON.
Ist deren Neue. Irgendwie wie eine Poisonblack-Kopie. Dabei waren CHARON
doch eher da. Mmmmh. - Oh Mann, hier haben se schon wieder einen Fuchs
platt gefahren. Ist mir noch nie passiert. Vielleicht sollte man auch nicht
unbedingt voll drauf halten, wenn ein Tier über die Straße läuft,
so nach dem Motto: Dich kriege ich auch noch, wenn ich meinem Chef schon
nicht die Fresse polieren darf. - Huch, CD zu Ende. Hab ich nicht soviel
von mitbekommen. Also noch einmal das Ganze." --- Zwei Stunden später.
--- "Sag mal, hab ich immer noch CHARON zu laufen? Vielleicht sollte ich
langsam mal zuhören. Ist aber auch verdammt noch mal gar nicht so
einfach bei dem Teil. Aber als Berieselung immer noch besser als einer
dieser beknackten Privat-Radio-Sender, wo geistig minder bemittelte Teenager
ihren Dünnpfiff in die Atmosphäre kacken. Bei CHARON wird man
wenigstens nicht wütend."
„Guilt On Skin“
JUB
NUCLEAR ASSAULT "Alive Again"
7
Steamhammer/SPV,2003
Die Reunionwelle macht auch vor NUCLEAR
ASSAULT nicht halt. Die New Yorker galten schon seit neun Jahren als aufgelöst.
Einzig Bandgründer Danny Lilker machte hier und da noch Schlagzeilen
durch seine Engangements bei Bands wie S.O.D., Holy Moses, Brutal Truth
etc. Der baumlange, stets zugekiffte Bassist machte sich unter anderem
als Szene-Kultfigur einen Namen. Achtet bei einem NUCLEAR ASSAULT-Konzert
mal darauf, welcher Musiker beim Betreten der Bühne den meisten Applaus
bekommt.
Da sich auch andere alte Thrash-Recken
noch einmal zusammenrauften und die Konzertbühnen unsicher machten
- siehe Agent Steel, Exodus, Death Angel oder Destruction - und einen bisher
noch kleinen zweiten Frühling erlebten, hielt es auch NUCLEAR ASSAULT
nicht länger in der Versenkung. Die Amis gehörten in den alten
Tagen zu jenen Bands, die zwar jeder Thrasher kannte und mindestens einen
Aufnäher von ihnen auf der Kutte hatte, ohne daß die Band jedoch
einen herausragenden Meilenstein in der Metalgeschichte veröffentlichte.
Verantwortlich für ihre Popularität waren viel eher die hysterische
Keifstimme von John Connelly, an der sich die Geister schieden, die kurzen
Fun-Grind-Nummern wie "Butt Fuck" oder "Hang The Pope" (von dem die Band
sogar ein Exemplar der Scheibe in den Vatikan geschickt haben will) sowie
zuguterletzt die formidablen Coverzeichnungen von Ed Repka, die nahezu
jede Scheibe der Combo schmückten. Die Scheiben "Out Of Order" und
"Something Wicked", deren Bilder von anderen Künstlern angefertigt
wurden, waren sicherlich nicht auch deshalb die schlechtverkauftesten der
Band. Doch hier soll es ja um die Musik gehen, und die war trotz alledem
nicht von schlechten Eltern. Zum headbangen zwingende Riffs und ein treibendes
Schlagzeug sowie ein mörderischer Baßsound waren und sind ein
nicht wegzudenkender Teil von NUCLEAR ASSAULT. Wenn man dazu noch auf Connellys
Stimme stand, konnte man sich Songs wie "Sin", "The New Song", "Radiation
Sickness" oder "Rise From The Ashes" schmecken lassen. Für Leute,
die die Band bisher nur vom Hörensagen kannten oder zum ersten Mal
bei den kürzlich absolvierten Deutschlandtouren kennen lernten, ist
"Alive Again" empfehlenswert, da sie einen guten Querschnitt aus dem gesamten
Schaffen der Band vorliegen haben. Soundtechnisch muß man ein paar
Abstriche machen, da die CD etwas kraftlos klingt. Deshalb die Empfehlung
an die, welche eh schon alles der Amis zu Hause im Schrank haben: Hört
Euch weiterhin die alten Platten an, geht zu den Konzerten der Band und
wartet auf die neue Studioscheibe. Denn "Alive Again" ist zwar nicht schlecht
aber auch keine zwingend notwendige Anschaffung.
"Sin"
THOMAS
GRABAK „The Serpent Within
Paradise“ 7
CCP, 2003
Wer es deftig mag, sollte GRABAK
probieren. Die Sachsen sind dermaßen verläßlich, daß
Fans dieser Band eigentlich die jeweilige neue CD schon vorbestellen können,
bevor die Jungs überhaupt ins Studio gehen. Der Black Metal GRABAKS
ist von sympathischer Direktheit und vermeidet jeglichen Anflug von Ausflug.
Auch hat sich die Band nicht gerade den Kopf darüber zerbrochen, gänsehäutende
Melodien zu erfinden, sondern vielmehr vor allem erzürnt drauflosgespielt.
Das klingt vielleicht hier und da ein wenig simpel, was allerdings der
Intention des Black Metal an sich nicht widerspricht. Und Sänger Jan
keift, daß die Halsschlagader zu platzen droht.
Getextet wurde bei GRABAK zum Teil
auch wieder in deutsch. Am stärksten kommt dabei "Saxonia (743-807)"
rüber, der eine Geschichte aus der grauenvollen Epoche der Christianisierung
der Sachsen erzählt. "Inferno" und "Antichrist" wirken auf mich ein
wenig unentschlossen, was auch positiv ausgelegt werden kann, da es bei
GRABAK nicht um Bekenntnisse sondern um Zustandbeschreibungen geht. Diese
wiederum können ebenso als lustvolle Darstellung, als auch als Warnung
aufgefaßt werden.
Auf jeden Fall ist zum Vorgänger
"Encyclopaedia Infernalis" eine Steigerung festzustellen, wenn dies hier
auch noch nicht der Weisheit letzter Schluß ist.
„Saxonia (743-807)“
JUB
SYMBIONTIC "Promo 2001" 7
Eigenproduktion, 2001
Einen recht abwechslungsreichen Death
Metal spielen die im berühmt-berüchtigten Ruhrpott beheimateten
SYMBIONTIC.
Im Jahr 2000 fiel der Startschuß
für die erfahrenen Musiker, und kaum ein Jahr später standen
sie auch schon mit einem Demo auf der Matte, welches aufhorchen läßt.
Der Sound ist zwar ziemlich leise und der Drummer ein Computer, aber hey,
wir sprechen ja hier auch nicht von einer Morrissound-Produktion. Auffallend
ist, daß SYMIONTIC versuchen, die Waage zwischen molligem Geboller
und ungesunden Melodien im Gleichgewicht zu halten. Der Tatsache bewußt,
daß der erste Eindruck meist immer der bleibende ist, haben die Jungs
ihren besten Song "Concrete Skies" an erster Stelle positioniert. Durch
seinen geschickten Aufbau und die klasse Melodie dürfte dieser live
abgehen wie Schmitts Katz. "Infesting" baut da eher auf Groove und Härte.
Gepaart mit teils schwedisch angehauchten Leads und Chuck Schuldiner-Gedächtnis-
Leadbreaks ist auch dieser Song hörenswert. Nummer drei, "Decompensated",
hat eine, sagen wir mal, Pflichtmelodie. Wirkt etwas vertrackt und fällt
im Gegensatz zu den ersten Songs ein wenig ab. Der Rausschmeißer
"Predator" beginnt wie ein Prog/Melodic Metal-Song mit Keyboardchorden
und Stakatoklampfen, um dann erwartungsgemäß in ein Death Metal-Brett
überzugehen. Der Uptempoklopfer ist der gradlinigste Song der CD und
hat einen entspannteren Mittelteil, der beim Bangen noch mal kurz eine
Verschnaufpause einlegt, um danach in den Endspurt zu rasen. Den Abschluß
bildet dann wieder das Keyboard, und eine hörenswerte Demo-CD ist
zu Ende. Bestellen könnt ihr das Teil unter: www.symbiontic.de
"Concrete Skies"
THOMAS
MEGALITH „Soldaten des Geistes“
9
Stonehenge Records, 2003
Die deutsche Sprache. Geliebt und
gescholten und von teutonischen Möchtegern-Lyrikern, die die beschwerliche
Arbeit des Textens inne haben, meist lediglich zum Transport sinnleerer
Phrasen verwandt. Die Gruppe MEGALITH hingegen bringt ans Tageslicht, was
einige noch hüten, ein paar sicher erahnten, die Herde jedoch gar
nicht wissen möchte - den Deutschen ist eine Sprache gegeben, die
es vermag zu beschreiben, wo andere Volksangehörige nur resigniert
mit den Schultern zucken müssen. Auf "Soldaten des Geistes" tut sich
da vor allem Basser Abraxas hervor, der mit "Rede des toten Christus" (inspiriert
durch "Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, daß kein
Gott sei" von Jean Paul) und "Wenn die Haifische Menschen wären" (inspiriert
durch Bertolt Brechts Essay gleichen Namens) Wortkunst offenbart, die unter
den Texteschreibern im deutschen Heavy Metal, ja in der deutschen Rockmusik
seinesgleichen sucht.
MEGALITH sind aber nicht nur beispielgebend,
was den Gebrauch der deutschen Sprache betrifft, sondern auch im Finden
deutlicher Worte. Blätter vor dem Mund gibt es nicht. Was gesagt werden
muß, wird gesagt. Ungeachtet möglicher Mißverständnisse
oder überzogener Reaktionen. Nur einmal weicht die Band von ihrer
Kompromißlosigkeit ab, wenn es gilt, den "Spendenaufruf" vor der
drohenden "Nazi-Keule" zu bewahren. "Dies ist ein ironischer Text", heißt
es da in einem Vorwort. "Selbstverständlich fordere ich für niemanden
'Armbinden und braune Hemden'. Das gilt auch für jene, die anderen
in faschistischer Manier das Recht auf freie Meinungsäußerung
nehmen wollen." Hochgradig peinlich, einen Text als "ironisch" ankündigen
zu müssen. Nur für wen? Für den Dichter oder den deutschen
Depp? Ich denke, es ist bezeichnend für dieses Land, das soetwas nötig
ist. Denn in Teutonien wimmelt es vor Bewahrern des Sprachgebrauchs, die
hinter Worten und Wortgruppen Dämonen-Heere vermuten und bei jeder
Aussage, die sie nicht verstehen, einen Feldzug beginnen, der mit der moralischen
Vernichtung des Feindes enden muß. Und wo wir schon beim "Spendenaufruf"
sind: Obwohl lediglich in den Reigen der Bonus-Titel aufgenommen, ist hier
das vielleicht beste Stück des Albums verborgen. Der militant-martialische
Marsch-Rhythmus transportiert den Text auf idealste Weise, die metallische
Härte und der rauhe Thrash-Gesang unterstützen die Wut und den
Menschen-Haß.
"Wenn die Haifische Menschen wären"
ist als doomiger Stampfer ähnlich beeindruckend. Vor allem der Refrain,
bei dem Worte und Melodie nahezu miteinander verschweißt scheinen,
fräst sich ins Gehirn. Doom - begleitet von klarem Gesang - ist auch
das Grundgerüst von "Die Rede des toten Christus", wobei sich hier
der Song im Mittelteil zu einem scharfen Midtempo-Stück entwickelt,
das von deathigen Gitarren-Leads und keifigen Vocals gelenkt wird.
Death Metal-Anleihen ziehen sich
durch das ganze Album. Dabei geht es aber nicht um dieses berühmte
infernalische Gepolter, sondern vielmehr sind es die energischen Klampfen-Melodien,
die diese Charakterisierung heraufbeschwören und an die frühen
Paradise Lost erinnern. Dominiernd auch stakatohaftes Gehacke, was einigen
der Songs ein totalitäres Antlitz verleiht ("Politically Incorrect",
"The Revolutionary").
Ein sich mehrfach wiederholendes
Thema auf "Soldaten des Geistes" ist der Nahe Osten: Israel/Palästinenser-Konflikt
("Politically ..."), Irak-Krieg ("In Deckung!"), einhergehend mit einer
George-Busch-Kloppe ("Der Herdenlenker"). MEGALITH zeigen nicht nur hier,
daß sie aufmerksame Beobachter dessen sind, was um sie herum täglich
so passiert.
Und so ist es am Ende programmatisch,
wenn es in "Der Revolutionär" (deutsche Bonustrack-Version zu "The
Revolutionary") im Zusammenhang mit einem hingerichteten Rebellen, der
vor Gott steht, heißt: "Du mußt wieder auf die Erde, tu' in
Deutschland Deine Pflicht/Dort brauchst man Provokateure, hier im Himmel
aber nicht!"
„Spendenaufruf“/"Wenn die Haifische
Menschen wären"
JUB
RAGE "Soundchaser" 9
Steamhammer/SPV, 2003
Es gibt nicht viele deutsche Metalbands,
die im gleichen Maße Veränderungen durchlebten und sich dabei
soweit es geht treu geblieben sind wie RAGE. Sei es das Leder- und Nieten-Outfit
der frühen 80er, die hohe Kopfstimme, welcher sich Peavy Anfang der
90er entledigte, das Erreichen von beinahe Thrash Metal-Härte mit
der Hinzunahme eines zweiten Gitarristen Mitte der 90er, das Klassikprojekt
"Lingua Mortis" und nun das Streifen von progressiven Gefilden mit den
letzten drei Platten. Dennoch war stets glasklar zu erkennen, um welche
Band es sich handelte, wenn RAGE irgendwo gespielt wurden. Denn die Herner
Band konnte jederzeit mit dem markanten Gesang Peavys auftrumpfen. Im gleichen
Maße konnte Meister Wagner seinen ganz eigenen Stil des Melodien
Schreibens entwickeln, der immer durch kam, egal in welcher musikalischen
Phase die Band gerade steckte. So ist es auch auf ihrer 16. Scheibe, "Soundchaser".
Zum dritten Mal in Folge mit der internationalen Triobesetzung Smolski,
Terrana, Wagner eingespielt, trägt die Scheibe wieder die progressive
Handschrift Smolskis, der mit seinem Gitarrespiel einmal mehr die Gradwanderung
zwischen hart und zart vollführt. Neoklassische Melodiebögen
reihen sich an typische RAGE-Banger. Peavy schrieb wieder einen ganzen
Sack voll großartiger Gesangsmelodien. Ebenso liegt der CD ein textliches
Konzept zu Grunde. Erzählt wird die Geschichte des Soundchasers, dem
Bandmaskottchen vieler RAGE-Plattencover. Peavy und seine Mitstreiter können
sich angesichts der starken CD einmal mehr das Verdienstkreuz an die Brust
heften, auch wenn ich persönlich nach wie vor auf einen Geniestreich
wie "Missing Link" warte. Das schmälert die Klasse von "Soundchaser"
jedoch in keinster Weise.
"War Of Worlds"
THOMAS
M.O.D. "The Rebel You Love
To Hate"
6
Nuclear Blast, 2003
Bei den ersten Tönen von "Wigga"
habe ich doch echt geglaubt, Großmaul Billy Milano wird zum Arschkriecher.
Denn platter kann man heutzutage Crossover nicht mehr machen. Allerdings
hätte ich wissen müssen, daß der Dicke eigentlich nichts
ohne Grund tut, denn er verpackte einen äußerst wichtigen Text
in dieses musikalische Geschenkpapier. Hier bekommen nämlich all jene
weißen Schwachmaten ihr Fett weg, die sich wie Schwarze aus den Vorstadt-Ghettos
kleiden, deren spastische Bewegungen imitieren und einen auf Gangsta-Rapper
machen. In Deutschland gibt es davon mittlerweile eine ganze Generation.
Wenn das nicht so unendlich peinlich wäre, müßte man eigentlich
täglich Tränen lachend durch die Straßen stolpern. Auch
der Titelsong - erinnert schon stärker an Milanos Hardcore-Vergangenheit
mit M.O.D. - geht mit Möchtegerns ins Gericht. Diesmal sind es die
Pseudo-Rebellen in der Musikszene, im Speziellen Rage Against The Machine.
Die kriegen mit "Rage Against The Mac Machine" dann noch einmal persönlich
eins auf die Birne. Verdammt, diese Verballhornung hätte direkt ein
Auftragswerk von uns INTERREGNUM-Machern sein können. Denn, wenn es
eine politisch motivierte Band gegeben hat, die einfach nur doof war, dann
Rage Against The Machine. Da waren unsere ganzen substanzlosen Deutsch-Punk-Bands
noch witziger.
Nahezu spitzenmäßig ist
Milanos "Get Ready", das quasi ein Kiss-Song ist, der nicht von Kiss geschrieben
wurde. Inklusive einer Gene Simmons verdammt ähnlichen Stimme, einem
Ace Frehley-Solo ohne den geringsten Schwierigkeitsgrad. Witzig auch die
"Almost Live Kinda-Version" mit der berühmten Kiss-Live-Konzert-Ansage
"You Want The Best, You Got The Best ..." und einem Schluß, den die
M.O.D.-Männer garantiert gern noch weitere sieben Minuten ausgedehnt
hätten. Ebenso stilvoll ist der verulkte Michael Schenker Group-Schriftzug
auf dem Cover.
So, das war es dann erst einmal
mit dem Schulter-Geklopfe, denn ein paar Sachen, die Milano so abläßt,
sind Stuß. Zum Beispiel "Ass-Ghanistan". Aber auch Milanos zum Faschismus
neigender Patriotismus ist bekannt. Umso lächerlicher ist es, daß
sich der einstige S.O.D.-Frontmann in dem musikalisch Rammstein nachempfundenen
"De Men Of Stein" über einen sogenannten Neofaschismus in einer sogenannten
Techno-Szene brüskiert. Keine Ahnung, was er da entdeckt haben will.
Außerdem bringt er in seiner typisch amerikanischen Halbbildung wieder
einmal alles durcheinander.
Musikalisch ist die Scheibe abwechslungsreich,
pendelt zwischen Party-Metal, Hardcore, Crossover und Thrash-Anleihen.
"Rebel" gibt es gleich dreimal auf dem Album (eine 808- und eine Radio
Edit-Version) und auch "Wigga" und "Rage" kommen im Edit. Eigentlich unnötiger
Füllstoff, die Pseudo-Live-Version von "Get Ready hätte genügt.
"Wigga"/"Get Ready"/"De Men Of
Stein"
JUB
DEFLESHED "Royal Straight
Flesh"
10
Regain Records, 2003
"Battle Hymns In Eleven Acts..."
ist der inoffizielle Untertitel der neuen DEFLESHED-CD und paßt hier
so gut wie nur bei wenigen Bands. Einen Weltklassetrommler in Form von
Matte Modin, einen Riffteufel mit dem Namen Lars Löfven und einen
keifenden Dämon, getarnt als der Schwede Gustav Jorde an den dicken
Saiten, mehr braucht es nicht um gestandene Metalfans wie trockenes Gras
reihenweise umzumähen.
Die Waffen des Trios sind primitiv,
barbarisch und effektiv. Wie Dreschflegel, Sense und Heugabel geführt
von einem aufgebrachten Mob in Rage. Wer ihm in den Weg kommt, bekommt
die Tracht Prügel seines Lebens und wird im selben nicht mehr froh.
Es gibt ohne viel Brimborium eiskalt was auf die Schnauze. Platzwunden,
innere Blutungen und Knochenbrüche sind da noch das kleinere Übel.
Zieht man als Vergleich die Musik anderer Todesschwadrone heran, ist das,
als wenn man aus weiter Ferne mit einem schallgedämpften Hochpräzisionsgewehr
erlegt würde. Irgendwo im Hinterhalt sitzt der anonyme Schütze
und knippst Dir das Licht auf die Art und Weise aus, bei der Du nichts
mitbekommst. Schnell, schmerzlos und sauber. DEFLESHED jedoch lachen über
internationale Abkommen und Gitarrensolos, Hightechkriege und verfrickelte
Songstrukturen, Diplomatie und Dynamik. Wer stört, wird umgelegt.
Mit dem Besten aus Thrash und Death Metal, vorgetragen in höllischer
Geschwindigkeit und wahnsinnig machenden Riffs. Verschnaufpausen gibt es
selbstredend keine. Aber auch kein Entkommen. Ist man den schwedischen
Rüpeln einmal verfallen, gibt es keinen Weg zurück, denn ihre
kompromißlose Musik verströmt Suchtgefahr hoch zehn.
"Brakefailure"
THOMAS
RUNNING WILD „20 Years In
History“
10
Sanctuary/Noise, 2003
Wie bitte? Viel zu subjektiv geurteilt?
Ha, leckt mich am Arsch. Seit "Gates To Purgatory" (1984) gehören
RUNNING WILD zur deutschen Heavy Metal-Elite: unverkennbar im Sound, einzigartig
im Stil, durchgehend bei gleichbleibend hoher Qualität. Oder will
tatsächlich jemand behaupten, Rock'n Rolf hätte
sich irgendwann ein schwaches Album geleistet?
Um so zwingender war diese Doppel-CD
mit dem Titel "20 Years In History" nötig. Endlich ein fetter Sampler
mit einem Bruchteil der RUNNING WILD-Hohelieder, denen durchweg ein Charme
anhaftet, der einen unverzüglich für diese Band einnimmt. Oder
wie anders könnte man Songs wie "Branded & Exiled", "Under Jolly
Roger", "Port Royal", "Conquistadores", "Bad To The Bone", "Black Hand
Inn", "Victory" oder "Tsar" beschreiben? Sind es etwa Hits? Für diese
offizielle Titel-Verleihung fehlen die entsprechenden Chart-Notierungen,
könnten hippe Zeitgenossen dagegenhalten. Aber Blabla - denn was diese
Songs auf Heavy Metal-Partys weltweit hoch und runter gedudelt wurden,
macht keine Hitparaden-Plazierung wett.
Heavy Metal-Fans, die es bereits
eben jene beschriebenen 20 Jahre in der Szene hält, benötigen
zu RUNNING WILD kein Statement mehr. Den Nachrückern sei gesagt: Kaufen.
Wer diskutiert, muß Björk vögeln.
„Whirlwind“
JUB
HATE FACTOR "Mind Forged Killings"
6
Eigenproduktion, 2002
Aus dem Raum Krefeld kommt nicht
nur Tolkienscher Bombast Metal, sondern auch oldschooliger Death Metal.
Die Band HATE FACTOR existiert seit dem Jahr 2000 und legt mit "Mind Forged
Killings" ihre zweite Eigenproduktion vor. Die ansprechend aufgemachte
CD enthält fünf Stücke, die allesamt nicht zu verspielt
sind. Was hier zählt, ist, daß der Death Metal brutal nach vorne
schiebt. Ziel erreicht. Man kann, wenn man Vergleiche sucht, als Inspirationsquellen
Unleashed und diverse Hardcorekapellen heranziehen. Letzteres auf jeden
Fall, was die Rhythmik betrifft. Das Manko der CD liegt allerdings im Songwriting.
Manchmal rumpeln die fünf zwar druckvoll aber etwas einfallslos umher.
An diesem Punkt sind sie qualitativ eher durchschnittlich. Aber wo Schatten
ist, da ist auch Licht. Der Rausschmeißer "Extinct" fönt wieder
mit dem bereits angesprochenen Unleashed-Touch durch die Boxen, daß
es nur so kracht. www.hatefactor.de
"Extinct"
THOMAS
IRON MAIDEN "Dance Of Death"
9
Iron Maiden Holdings Ltd/cmm, 2003
Es gibt Dinge, die funktionieren
im Selbstlauf. Das gilt zum Beispiel für den Absatz von IRON MAIDEN-Alben.
Selbst als die Band mit Blaze Bailey als Frontmann ständig im Feuer
der Kritik stand, war sie bei jedem neuen Album ständig in aller Munde,
wurden die Songs auseinandergepflückt, wollte der eine die furchtbarsten
Ergüsse der Band seit ihrer Existenz wahrgenommen haben und hatten
andere wiederum das Gefühl, das zum Teil beste Material IRON MAIDENs
geboten bekommen zu haben. Seit Bruce Dickinsons Rückkehr ist die
Welt wieder in Ordnung. Hatte man zumindest gehofft. Doch da wurde schon
wieder an dem Comeback-Album "Brave New World" herumgekrittelt, paßte
dem einen dies, dem anderen das nicht. Und so geht es auch "Dance Of Death".
Was gab es da nicht schon alles zu lesen: Maiden würden sich wiederholen
zum Beispiel. - Epochale Erkenntnis, denn das tun sie schon seit "Number
Of The Beast". Nichts Neues, hieß es an anderer Stelle. - Auch geniales
Wortspiel, da wirklich Neues heutzutage von 1000 Platten nicht einmal drei
bieten. Oder, Dickinson würde lustlos singen. - Das schrieb garantiert
jemand, der nicht singen kann. Solche Leute maßen sich schnell mal
an, fachmännisch über Gesangsleistungen wirklich guter Sänger
urteilen zu wollen.
Doch genug damit. Was stimmt eigentlich
im Zusammenhang mit "Dance Of Death"? Die Frage ist leicht zu beantworten:
IRON MAIDEN haben all ihre Trademarks und Fähigkeiten gebündelt
und auf diesem Album kulminieren lassen. Die ballernden, raschen Rocker
sind da ("Wildest Dreams", "Rainmaker", "New Frontier"), die dynamischen
"Hallowed Be Thy Name"-Nummern ebenso ("No More Lies"), es gibt typische
Mitsing-Schunkler ("Dance Of Death", "Face In The Sand") und Überraschungen
("Paschendale", "Journeyman"), der Baß tackert, wie er es nur bei
Maiden tut, die Gitarren röhren und Dickinson scheint wie immer der
Dramaturg der Stücke zu sein.
Wenn man etwas ankreiden möchte,
dann ist es vielleicht die Einfältigkeit von "Wildest Dreams", ausgerechnet
der ersten Single-Auskopplung. Das ist aber vermutlich Absicht, denn das
Stück war überaus erfolgreich.
"No More Lies"/"Rainmaker"/"Paschendale"
JUB