ABGEHÖRT
vom 03. Januar 2006



FRANK ZANDER
“Rabenschwarz #2“
Erschienen: 2005
Label: Zett-Records/da-music
Homepage: www.frank-zander.de
FRANK ZANDER On Air: „Liebeskummer lohnt sich nicht“ / ”Im Keller … von Michael Meyer”

FRANK ZANDER legt nach. Auf “Rabenschwarz #2” geht es genauso zu wie auf Teil I (siehe Abgehört vom 22. November 2005): Der deutsche Schlager trifft auf Rammstein-Geballer. Diesmal ist das Ganze sogar noch einen Zacken schärfer, morbider und abwechslungsreicher. Die absoluten Übernummern auf dieser CD sind „Liebeskummer lohnt sich nicht“ mit Nina Hagen im Duett und „Ganz in weiß“, ein Stück, das eigentlich Roy Black (er schmore in der Hölle, denn dort steppt der Bär) zum Hit trällerte.
Allerdings ist der Anteil der deutschen Schlager-Versionen merklich zurückgegangen. FRANK ZANDER legt jetzt mehr Wert auf den eigenen Fundus. So toppt zum Beispiel „Im Keller … von Michael Meyer“ den schon grandiosen „Nachbar“ um einiges. „Willkommen in meiner Welt“ ist herrlich fies: „Du weißt, Lieben heißt geben/Also gib mir, was Du hast/Dein Leben!!!!“ Auch den Nostalgie-Schrank hat Zander wieder geplündert und eine Brachial-Heavy-Version des „Ur Ur Enkel von Frankenstein“ abgeliefert. Der „Nachbar“ kommt noch einmal in einer „lang und laut“-Version zu Ehren. Auf die Spitze getrieben wird die Nachbar-Furcht schließlich mit einem Video, das den Inhalt des Songs ziemlich gut umsetzt. Absolut Heavy-Metal-kompatibel. Der Clip zu „Komm unter meine Decke“, bei dem FRANK ZANDER lediglich ein bißchen auf einem Friedhof herumsteigt, ist weniger gelungen, aber zumindest okay.
Die absolute Überraschung auf der „Rabenschwarz #2“ ist das Stück „Das war’n Zeiten“, eine Cover-Version des Dire-Straits-Hits „Sultans Of Swing“, die großartig geworden ist und einen warmherzigen Text hat.
Junge, Junge – hätte wirklich nicht gedacht, daß FRANK ZANDER noch einmal so ausholen würde. Je oller, desto doller.

10 von 10

JUB



JAMES CHRISTIAN
„Meet The Man“
Erschienen: 2004
Label: Frontiers/Soulfood
Homepage:
JAMES CHRISTIAN On Air: „Know You In The Dark”

Wenn es mit der Band nicht klappt, muß eine Solo-Karriere her. Das wurde in der Rock-Geschichte schon hundertfach praktiziert. JAMES CHRISTIAN könnte man eine ähnliche Vorgehensweise unterstellen. Sein erstes Solo-Werk veröffentlichte er 1994, nachdem sich seine Stammformation, House Of Lords, aufgelöst und wohl auch keine Ambitionen hatte auf dem alternativen Grunge-Markt mit Glitzermänteln und Spray im Haar durch Bier-Pubs zu tingeln. Die Zeiten für große Melodic-Welten waren vorerst vorbei.
Wie erfolgreich Christian mit „Rude Awakening“ gewesen ist, kann ich nicht sagen.
Jedenfalls gibt es House Of Lords jetzt wieder. Die lieferten allerdings mit „The Power And The Myth“ ein schlappes Altherren-Rock-Werk ab, das mit den krachig-frischen Nummern der drei Alben aus den Spät-80ern/Früh-90ern gar nichts mehr zu tun hatte (siehe Abgehört vom 20. Juli 2004).
Also muß eine Solo-Scheibe her. Und wenn sich das weiter so entwickeln würde, wie sich der direkte Vergleich von House Of Lords mit JAMES CHRISTIANs Alleingang ausmacht, werde ich den Sänger seiner Band künftig vorziehen. Denn das was wir auf „Meet The Man“ zu hören bekommen, kommt dem Stoff von einst sehr nahe: eingängige Melodic-Metal-Songs, die sofort ins Ohr gehen, Balladen, die funktionieren (nur leider ein bißchen an Aerosmith der 90er erinnern) und einen Sänger in Bestform. „Meet The Man“ macht Spaß, man kann die Scheibe x-mal hören, ohne belästigt zu werden. Und das sich solch ein Zeug bestens für sommerliche Autofahrten eignet, braucht vermutlich nicht noch extra betont zu werden. .

9 von 10

JUB



SILENCER
“Death Of Awe“
Erschienen: 2005
Label: Soulfood/Mausoleum Rec.
Homepage: www.silencer.ce
SILENCER On Air: „Transport“

SILENCER aus Denver offerieren uns, daß man wunderschön Aggressionen durch Erschaffung eines Albums kompensieren kann. So klingt „Death Of Awe“ laut, schnell, brutal, krank und leider auch verdammt nach Fear Factory, Meshuggah und The Haunted. Aber egal, denn Chad Armstrong keift wie ein Derwisch ins Mikro und der Rest der Band spielt wie vom Teufel besessen. Und diese Mischung aus Modern Thrash/Speed Metal gefällt und ist auch durchaus mit einigen bangkompatiblen Passagen ausgestattet.

7 von 10

MANDY



WHITE WILLOW
“Storm Season”
Erschienen: 2004
Label: The Laser’s Edge
Homepage: www.whitewillow.net
WHITE WILLOW On Air: „Insomnia“

Norweger und alte Junghasen. WHITE WILLOW existieren mittlerweile 13 Jahre und haben mit „Storm Season“ ihr viertes Album vorgelegt. Tja, und denen gießt man mal nicht so ohne weiteres ein Glas Bier ein, denn bei WHITE WILLOW wird Progressive Rock gelehrt. Die Strukturen der Songs sind bis ins letzte Eckchen perfekt abgestimmt, ausgefeilt und durchkomponiert. Dabei ist die Grundstimmung eine eher düstere. Prog-Gothic sozusagen. Und vermutlich liegt da der Hund begraben, denn über weite Strecken ist die Musik nur schwer zu ertragen. Nicht daß sie so unglaublich runterziehen würde, vielmehr benötigt vieles eine derartige Konzentration, daß man sich als Hörer gegängelt fühlt. Probiert nur mal den Titelsong aus.
Das künstlerische Potential der Band ist beileibe nicht zu unterschätzen. Und wenn die mal ihre Depri-Phase verlassen sollten, kann da mächtig was ausbrechen. Derzeit agiert die Band aber einfach zu angestrengt.

5 von 10

JUB



DUSKMACHINE
„The Final Fall“
Erschienen: 2005
Label: Twilight
Homepage: www.duskmachine.com
DUSKMACHINE On Air: „The Maker’s Death“

Die Jungs von DUSKMACHINE schmeißen mit „The Final Fall“ ein Konzeptalbum auf den Markt mit einer bewegenden Story in Anlehnung an die Werke von E.T.A. Hoffmann. Es fällt schwer, dieses Werk zu charakterisieren, da jeder einzelne der insgesamt zehn Songs eine bestimmte Stimmung einzufangen versucht und für sich allein steht. So sind „The Final Fall“, „Antepartum“, „Sandman“ und „The Maker`s Death” eher thrashlastig. Hingegen erinnert “Consolation” mehr an eine düstere Halbballade der Marke Metallica. „Stolen Love“ ist an wieder eher ein Metal/Hardcore Song. Alles in allem ist dieses Werk sehr gewöhnungsbedürftig, da keine einheitliche Linie existiert. Auch wird die beabsichtigte Stimmung nicht wirklich erzeugt, und der Funke springt leider nicht über.

6 von 10

MANDY



DAMNATION
“Destructo Evangelia“
Erschienen: 2004
Label: Threeman Recordings/PHD
Homepage:
DAMNATION On Air: „Armageddon“/“Insulter Of Jesus Christ“

1989 gegründet und jetzt das Debüt veröffentlicht. Das nenn ich Durchhaltevermögen. Aber in der Black-Metal-Szene ist so etwas möglich, da hier vielen Bands der kommerzielle Erfolg völlig Banane ist. DAMNATION, die zwischenzeitlich ein paar Demos unters Volk mischten, ist darüber hinaus auch jeglicher Trend total Brust. Denn auf „Destructo Evangelio“ klingt die Band wie man als Black/Thrash-Act halt Mitte der 80er Jahre klang. Da wird mal geknüppelt, mal schleppend gespielt, hin und wieder bang-kompatibles Zeug eingestreut – aber immer schön räudig bleiben, war die Devise.
DAMNATION haben auf ihrer ersten CD Material aus 14 Jahren gebannt. Also kann man „Destructo Evangelia“ durchaus als „Best Of …“ durchgehen lassen.
Gecovert haben die Schweden quasi Songs von Ex-Kollegen: „Bloody Vengeance“ von Volcano und „Armageddon“ von Bathory. Die haben das Zeug auch nicht besser gemacht, nur anders.
Also Ihr Ewiggestrigen, Ihr Guten, ran ans Portemonnaie und DAMNATION gekauft..

8 von 10

JUB



VADER
„The Art Of War“
Erschienen: 2005
Label: Regain Rec./Soulfood
Homepage: www.vader.pl
VADER On Air: „What Colour Is Your Blood“

Diese Mini-CD der Urgesteine des europäischen Death Metals haut wieder wie eine Bombe rein. Technisch schnell, perfekt und musikalisch virtuos gespielter Death Metal. Vader eben wie man es schon von allen Vorgängeralben gewohnt ist. Vier neue Songs, inklusive zwei Intros und ein Video für den Track „This Is The War“ beinhaltet dieser Silberling. Geile Growls von Peter, schnell wie eh und je und für alle Headbanger unter euch garantiert der Nackenbrecher schlechthin.

9 von 10

MANDY



ANTI-DEPRESSIVE DELIVERY
„Feel. Melt. Release. Escape.”
Erschienen: 2004
Label: The Laser’s Edge

Homepage: www.snotpope.com
ANTI-DEPRESSIVE DELIVERY On Air: „Coward“

Entweder bin ich zur Zeit für progressives Material nicht empfänglich oder ANTI-DEPRESSIVE DELIVERY sind tatsächlich so kraß, wie sie erscheinen. Auf deren Debüt, „Feel. Melt. Release. Escape.“ Gibt es nicht einen normalen Rocksong. Alles ist der Maßgabe unterworfen, so kompliziert wie möglich zu agieren. Seien es die manchmal schon fast gemeinen Melodien, die Rhythmus-Ausgeflipptheiten, die merkwürdigen Instrumentaleinschübe, das ausufernde Schlagzeugspiel oder einfach die unberechenbare Verwendung untypischer Klangfarben. Da fällt zum Beispiel unbedingt der Einsatz der Hammond-Orgel auf.
Die fünf Norweger können auch heftig zur Sache gehen – wie in „Voyage Of No Brain Discovery“ – rocken dann aber nie. Weil auch die harten Gitarren-Riffs werden gnadenlos zerpflückt.
Diese Scheibe ist ganz gewiß keine schlechte. Allerdings verlangt sie eine häufige und intensive Anteilnahme. Dafür braucht man Zeit, und die habe ich im Moment nicht in diesem Maße.

6 von 10

JUB



GOJIRA
„From Mars To Sirius“
Erschienen: 2005
Label: Listenable Rec.
Homepage: www.gojira-music.com
GOJIRA On Air: „In The Wilderness“

Das Quartett GOJIRA aus Frankreich verblüfft einerseits und überzeugt dabei andererseits auf der ganzen Linie. So beschäftigen sich die Jungs nicht etwa mit bösen, schwarzen, nebelverhangenen Wäldern oder dem Erbe unserer Ahnen. Auch nicht mit dem Zerstückeln irgendwelcher Körperteile, nein bei ihnen geht es um unseren blauen Planeten. Wer jetzt an Power-Metal-Gedusel denkt, dem sei gesagt, daß er falsch liegt. Die Herren verbinden mal gekonnt tiefe Growls mit cleanem Gesang, Todesblei-Geballer mit tighten Thrash-Metal-Riffing und erzeugen somit eine unglaubliche Magie, die durchaus in der Lage ist, den Zuhörer zu fesseln.
Ein Werk mit viel Potential, nachdenklich und doch nackenbrecherisch zugleich..

7 von 10

MANDY



LUNATICA
„Fables & Dreams“
Erschienen: 2004
Label: Frontiers/Soulfood
Homepage: www.lunatica.ch
LUNATICA On Air: „The Spell“

Die Schweizer von LUNATICA sind extreme fasziniert vom Mythos um das versunkene Atlantis, denn mit der Scheibe “Fables & Dreams” haben sie nun schon ihr zweites Album zum Thema veröffentlicht. Und ungeklärte Phänomene scheinen zu verkaufen. In der Schweiz ist diese Melodic-Bombast-Metal-Band ziemlich erfolgreich.
Nachvollziehbar ist das schon, denn die Songs von LUNATICA sind außerordentlich eingängig. Die Refrain-Melodien sind nach ein-, zweimal Hören im Kopf. Erleichtert wird der Merkprozeß durch die wirklich angenehme Stimme von Sängerin Andrea Dätwyler. Sie singt sehr sanft. Und sie sieht eigentlich recht hübsch aus. Nur wird sie momentan auf den Fotos der Band sehr unvorteilhaft in Szene gesetzt. Das wird sich aber mit den Verkaufszahlen geben. Erinnert sei da nur an Lacuna Coil. Deren Sängerin sah auf der ersten Scheibe aus wie eine Austauschstudentin, mutierte danach zum Sex-Käfer um jetzt immer divenhafter aufzutreten.
LUNATICA arbeiten darüber hinaus im Stile von Rhapsody mit viel Orchester-Pomp. Das kommt hier aber besser als bei den Italienern, da der Schweizer Band der Kitsch-Faktor abgeht. Die Nummern sind durch die Bank recht griffig, streckenweise wird richtig satt gerockt – trotz Gefiedel und Keyboard-Einsatz en masse.

7 von 10

JUB



GRAAF
„Frozen“
Erschienen: 2004
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.graaf-music.de
GRAAF On Air: „Frozen“

Die vier Berliner Jungs von GRAAF zelebrierten anno 1987 laut eigenen Angaben einmal druckvollen Speed Metal. Hm, ich frage Euch, wo ist dieser nur hin? Anstelle von geilem schnellen Metal gibt es hingegen nun wenig ausdrucksintensiver Power Metal zu hören.
Leider ist hier wenig Eigenkreativität spürbar, da sich die Herren an den gängigen stilistischen Mitteln entlanghangeln. Klassische Keyboards und ein säuselnd, schnulziger Gesang überzeugen leider nicht. Noch dazu klingen einige der Synthi-Passagen wie aus bekannten Horrorfilmen abgekupfert. Um dem ganzen dann noch die eigene Note zu verpassen, versuchen GRAAF leider Power Metal mit Hip-Hop-Elementen zu kombinieren, klingt echt gruselig, wie auch der bei den letzten drei Songs verwendete deutsche Gesang.
Echt nur was für die Fangemeinde, so es diese denn gibt.

3 von 10

MANDY



SLAPSTIX
„Promo“
Erschienen: 2004
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.slapstix.net
SLAPSTIX On Air: „Never“

Nett gemachter, ruhiger Punkrock. Mal etwas energischer, dann mal wieder melancholischer. Dies erzeugt durch die Hinzunahme einer zart und zerbrechlich wirkenden Frauenstimme. Musikalisch am älteren Punk der 70er Jahre orientiert. Tja, mehr gibt es auch nicht zu sagen, da dies Scheibchen nur ganze drei Songs beinhaltet.

5 von 10

MANDY



LIFEND
„Innerscars”
Erschienen: 2004
Label: Cruz del sur
Homepage: www.lifend.org
LIFEND On Air: „Open Wound“

Man müsse sich die Kompositionen LIFENDS erarbeiten, heißt es im Beipackzettel zu der CD “Innerscars”. – Schön und gut, allerdings ist das nicht jedermanns Sache. Erst recht nicht, wenn man sich bis zu den Melodien durch einen Berg von Stilen, Rhythmusbrüchen, Gesangsvarianten und Stimmungswechseln graben muß. LIFENDs Identität besteht darin, nicht greifbar zu sein. Death Metal, Gothic, Prog Metal, Electronics, Kreisch- und Grunzgesang, weibliches Sanftmut-Geträller, Saxophon, Synthesizer … Inwieweit das eine ansprechende Verknüpfung gefunden hat, ist nicht immer positiv zu beantworten.
Das Selbstbewußtsein der Italiener, sich über so viele konventionelle musikalische Richtlinien hinwegzusetzen, nötig Respekt ab. Hinzu kommen Songs auf einem hohen musiktheoretischen Level, die manchmal sogar erreichen, daß man gewillt ist, sich die „Komposition zu erarbeiten“.

6 von 10

JUB

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