An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 03. Februar 2004

VARIOUS ARTISTS „Blackmore's Castle - A Tribute To Deep Purple And Rainbow“ 8
Lion Music/Alive Music/GerMusica, 2003

VARIOUS ARTISTS - Blackmore's Castle - A Tribute To Deep Purple And Rainbow

Hätte es dieses Tribut-Album nicht gegeben, wäre mir vielleicht nie aufgefallen, was "The Battles Rages On" doch für ein geiler Song ist. Denn viel zu schnell hat man die 90er-Jahre-Veröffentlichungen von DEEP PURPLE wieder beiseite gelegt, da anderes neues Material nachrückte. Vor 30 Jahren war das noch eine andere Situation. Da waren Alben wie "In Rock" oder "Fireball" so sensationell, daß sie hunderte Male auf dem Plattenteller routierten.
Aber darum geht es gar nicht: Vielmehr liegt mit "Blackmores's Castle" ein DEEP PURPLE/RAINBOW-Tribut-Album vor, wie es jedes Fan-Herz betören sollte. Zum einen gibt es ein Wiederhören mit einigen der stärksten DEEP PURPLE- und RAINBOW-Songs, zum anderen sind die Interpretationen auf diesem Album - die zwischen traditionell und modern (elektronische Industrial-Elemente) pendeln - durchweg hörenswert. Das Rennen machen für meine Begriffe Mister Kite mit "Bloodsucker", Transcendence mit "Perfect Stranger", Headline mit "The Battles Rages On", Condition Red mit "Black Night", Eric Zimmermann mit "Man On The Silver Mountain" und Winterlong mit "Highway Star". Soundtechnische Probleme bereiten "Sixteenth Century Greensleeves" von Reign Of Terror, "Lazy" von Jason Richardson und die Condition Red-Version von "Still I'm Sad". Diese Songs knistern in den Höhen. Wobei "Still I'm Sad" auf diesem Album deplaziert ist, da es sich um einen Song der Yardbirds handelt. Nur weil er von RAINBOW in einer Instrumental-Version Popularität erlangte, gehört er noch lange nicht zu einem "Blackmore's Castle".
"Highway Star"/"Man On The Silver Mountain"

JUB

ANKHARA "Sombras Del Pasado" 8
Locomotive Music, 2003 

ANKHARA - Sombras Del Pasado

Einmal mehr ein Lebenszeichen aus Spanien: ANKHARA veröffentlichen ihren dritten Rundling und präsentieren sich weitaus gereifter als noch auf ihrer, schlicht "II" betitelten, zweiten CD. Die Songs sind weitaus zugänglicher, was aber nicht heißt, daß die Spanier hier nun in poppigen Gewässern fischen. 
Eher sind die Lieder mehr auf den Punkt gespielt. Guter alter Heavy Metal stellt das Grundgerüst dar, auf dem sich hin und wieder ein Keyboardsound wiederfindet, der auch in neoklassischen Sounds häufig verwendet wird. Das zündende Element in den Kompositionen sind zweifelsohne die eingängigen Refrains, an denen auch so mancher AOR-Act seine wahre Freude gehabt hätte. Eine weitere Sache die auffällt, sind die häufig eingesetzten Thin Lizzy/Iron Maiden-Twin-Gitarren. Der größte Pluspunkt hingegen sind die weiträumigen Melodien, die so manches Mal schon beim ersten Hören zündeten. "Sombras Del Pasado" wirkt wie lässig aus der Hüfte geschossen, ohne leichtfertig hingeschludert zu sein. 
"Busca Un Motivo"

THOMAS

DEATH OF MILLIONS „Statistics And Tragedy“ 9
Blackened/PHD, 2003

DEATH OF MILLIONS - Statistics And Tragedy

Die Armeen zweier bis aufs Blut verfeindeter Völker liegen sich seit Wochen in Schützengräben gegenüber. Die große Schlacht ist vorbereitet. Der Zeitpunkt des Angriffs bestimmt. Und urplötzlich bricht das Inferno los. Artillerie hämmert ununterbrochen auf die gegnerischen Stellungen ein, Fliegerkräfte unterstützen die Attacke. Zwischendurch tackern schwere Machinengewehre, Panzerwaffen steigern den Lärm pausenlos ins Unermeßliche. Und am Ende sind Millionen tot.
Meine Fresse, haben wir es hier wirklich noch mit Musik zu tun? Die texanische Death Metal-Band DEATH OF MILLIONS bringt uns den Krieg in die gute Stube. Nur mit dem Unterschied, daß man weggehen kann, wenn es einem zu brenzlig wird. Nun, und nach der CD ist nicht wirklich jemand tot. Bestenfalls gehörgeschädigt oder leicht beduselt von dem Getöse, das doch wirklich von Instrumenten erzeugt scheint, die meisterlich bedient werden. Diese Amis verstehen ihr Handwerk. Und nicht nur, was die Brutalität betrifft. Auch im spieltechnischen Sinne sind diese Typen irgendwie nicht von dieser Welt.
Hervorzuheben seien an dieser Stelle noch das Agony Column-Cover "Fiendish Plots", das mit seiner teuflischen Atmosphäre aus diesem Schlachtgetümmel herausbricht und der letzte Song, "Keazyr' Anar", dem ein paar doomige Gitarrenriffs zu eigen sind, die nicht nur die Boxen wackeln lassen, sondern Euch unter Umständen eine beißende Gänsehaut verschaffen.
"Before Sculpted Stone"

JUB

ATROX "Orgasm" 7
Audioglobe/Code 666/SPV, 2003

ATROX - Orgasm

Starker Tobak, den die Norweger da vorlegen. Sie selbst bezeichnen sich als Progressive Schizo-Metal.
Das kann man getrost so stehen lassen, denn bei der Musik lassen sich so manche bizarren Momente ausmachen. Zuerst wird man jedoch von aggressiven Riffs überrollt und ein bissiges Schlagzeug tackert einen ersteinmal an die Wand. Das hätte ich sicherlich nicht als erstes von einer Band mit Frontfrau erwartet.
Vergleiche mit Tristania und Theatre Of Tragedy sind hier allerorts fehl am Platze. Vielmehr steigern sich ATROX in einen Wahn, in welchem sie jazzige Versatzstücke mit Meshuggah-Stakkato verbinden. Dann scheint ab und an der Einfluß von The 3th And The Mortal durch, wenn ATROX sich in psychedelischen Gefilden bewegen. Frontfrau Monika wechselt von lieblichem Sirenengesang über ausdrucksstarke Annecke van Giersbergen-Zitaten hin zu absolut beklopptem Gekreische. Schwer nachzuvollziehen ist die Musik allemal. Ob das nun Kunst ist oder Krach von Schwachsinnigen, weiß ich auch nicht so recht. Neige aber zu ersterem. Einmalig sind ATROX zweifelsohne.
"Burning Bridges"

THOMAS

IN DISGRACE "... Before After" 9 (BANDS BATTLE-Band 2004)
Eigenproduktion, 2002

IN DISGRACE - .. Before After

Heavy Metal-Undergrounder, die bisher in einem professionellen Tonstudio auf sich allein gestellt waren, und lange Songs gehören meist zusammen wie Zahnspangen und Teenager. Selten paßt es, oft macht es keinen Sinn. Und auch IN DISGRACE aus Nordhorn kommen uns auf ihrem Debüt "... Before After" mit Stücken, die sieben Minuten und länger dauern. Obendrein springt die Band ständig von Idee zu Idee. Normalerweise geht soetwas mächtig ins Auge. - Jetzt kommt das große Aber ... Denn manchmal ist alles anders.
IN DISGRACE limitieren sich von vornherein selbst, wenn sie ihre Musik dem Death Metal zurechnen. Selbst der Begriff "atmosphärisch" reißt da nicht viel raus. Denn das Quartett, das eigentlich schon seit 1996 existiert, verbindet Gothic, Black, Heavy und Death Metal so geschickt miteinander, daß man sich spätestens nach dem zweiten Song auf "... Before After" keine Gedanken mehr über die Stilrichtung macht, sondern einfach nur noch hingerissen den Einfällen der Band folgt. Und da mögen die Brüche noch so abrupt kommen - es paßt. Höhepunkt ist in diesem Falle "To Rock". Das Ding rockt nicht nur, sondern umschmeichelt, regt auf und beeindruckt. Dem Bang-Rhythmus folgen sich verselbständige Black Metal-Melodien, die von Death-Gitarren zerrissen werden, um schließlich in einer gotischen Schwermut zu versinken. Die rauhe Growl-Stimme von Sänger Miro tut ihr Übriges. Schließlich ist der Gesang von Vera, der zum Beispiel in "Abyss Of Time" zum Einsatz kommt, ein weiteres Element, um der IN DISGRACE-Musik einen hypnotischen Charkter zu verleihen. Und trotz der Eigenproduktion: Der Sound stimmt in jeder Sekunde.
"To Rock"/"Banished To Chaos"

JUB

ROUGH SILK "End Of Infinity" 9
Point Music/Common Ground Media, 2003

ROUGH SILK - End Of Infinity

Es geschehen doch noch Zeichen und Wunder. Die Jahre, in denen die Musiker um Ferdy Doernberg 
irgendwie nur selbstgefälligen Quatsch auf CD preßten, scheinen vorerst vorbei zu sein. Der Grund: "End Of Infinity". Hier zeigen sich die Deutschen von ihrer humorvollen Seite. Nicht, daß sie jetzt in platte J.B.O.-Gefilde abdriften würden. Nein, eher steckt der Humor zwischen den Zeilen. Schon das Intro "Who Killed Vinyl?" läßt schmunzeln. Fängt die CD doch mit stilechtem Geknister an, unter das ein sinfonisches Intro gelegt wurde. "Lucifer's Hotel (Hang Over City)" beginnt mit Straßenlärm und Slidegitarre, bevor ein Midtemporocker daraus wird. Bei "Ambrosia" wird den Helden von Queen einmal mehr die Ehre erwiesen. Allerdings ohne peinlich zu wirken. Wahre Breitwandmusik erzeugt "The Fiddler On The Skeleton Horse"
Stakkatoriffs, Doublebass-Getacker, Chöre, geile Melodien, vereinzelte Death-Grunts und eine Udo-Dirkschneider-Gedächtnis-Stimme machen den Song zu einem Highlight auf der CD. Sicherlich auch nicht aus den ernstesten Beweggründen heraus ist der Song "Dolly The Sheep Meets Frank The Stein" entstanden. Kurzum, welchen Song auch immer man anspielt, stets erwarten einen gut geschriebene Melodien, frische Ideen und Spielfreude. "End Of Infinity" ist definitiv ROUGH SILKs bisher stärkstes Werk. 
"The Fiddler On The Skeleton Horse"

THOMAS

JADIS „Fanatic“ 8
Inside Out/SPV, 2003

JADIS - Fanatic

Wer es schwer hat mit progressiver Musik, ist bei Bands, die den klassischen britischen Stil fahren, immer am besten aufgehoben. Denn hier dominieren bestechende Melodien, die Gitarrenleads sind eine schmeichelhafte Geste an unser Harmonie-Zentrum. Und die Haken und Ösen, die mit bloßem Rhythmusgefühl nicht zu absolvieren sind, passieren hier heimlich. Bedarf es noch einer kleinen Aufzählung? Bitteschön: Marillion, Pallas, Pink Floyd, Genesis, Yes, Threshold, IQ usw. JADIS reihen sich da nahtlos ein. Zumeist starke Songs, getragen von der klaren unaufdringlichen Stimme und dem dahinschwebenden Gitarrenspiel Gary Chandlers, sind das Pfund, mit dem JADIS wuchern kann. Denn für spannende Arrangements benötigt die Band, die fast zur Hälfte aus IQ-Mitgliedern besteht (John Jowitt - bg, Martin Orford - key), keine überlangen Werke. Hier passiert alles - bis auf eine Ausnahme - in höchstens sechs Minuten. Höhepunkt der Scheibe "Fanatic" - die fünfte übrigens schon - bilden "Fanatic" und "Yourself Alone" als Doppelpack. "Yourself Alone" ist eine unter die Haut gehende Prog-Streicheleinheit, die mit dem instrumentalen "Fanatic" gigantisch eingeleitet wird. Da haben wir einen spacigen Tangerine Dream-Keyboard-Teppich, der von Floyd-Gitarren angereichert wird. Ebenso großartig ist der einzige Achtminüter "What Kind Of Reason", der die Qualitäten der Band bündelt.
"Each & Everyday" und "I Never Noticed" sind zwei Nummern, die leider ein wenig bemüht klingen. Denen zumindest die Unbeschwertheit der restlichen Stücke der Scheibe abgeht.
„Yourself Alone“

JUB

FALLEN YGGDRASIL "In No Sense Innocence" 7
Eigenproduktion/Tomorrowsreality, 2002

FALLEN YGGDRASIL - In No Sense Innocence

Die Death Metaller von FALLEN YGGDRASIL fanden sich erstmals 1997 zusammen, um gemeinsame Sache zu machen. Nach einem Demo ("Odysee In Sorrow" 1998) und einer Split 7" (mit Dementia, 2000) veröffentlichten die fünf Musiker nun ihre Debut-CD in Form von "In No Sense Innocense".
Darauf befinden sich sechs Stücke, die auf mehr als solides handwerkliches Können schließen lassen.
Die Musik bewegt sich zwischen Up -und Midtempo, wobei FALLEN YGGDRASILs Stärke eher bei den schnellen Sachen liegt. Die Midtempoparts könnten noch etwas mehr Spannung vertragen ("Nightflower"). Die doppelläufigen Leadgitarren fanden auch großen Anklang bei den Tübingern, das steht ihnen gut zu Gesicht ("NewAgeMephisto"). Interressanterweise vermischen sich die Sprachen deutsch und englisch in den Texten. So ist es leichter, Licht und Schatten in den lyrischen Ergüssen auseinanderzuhalten. "NewAgeMephisto" ist dabei das Licht und der Titelsong eher der Schatten. www.fallen-yggdrasil.de 
"NewAgeMephisto"

THOMAS

ORKRIST "Reginae Mysterium" 9
KRV Records/Forensick, 2002

ORKRIST - Reginae Mysterium

Nein, so lange hat diese CD nicht bei uns herumgelegen. Aber das Thema hatten wir schon einmal, ich denke, das letzte Mal bei Root, unserem Top-20-Gewinner für 2003: Die Tschechen und Slowaken erobern den Rest Europas immer etwas später, und so taucht ORKRISTs "Reginae Mysterium" mit fast zwei Jahren Verzögerung bei uns auf.
Wenn sich diese Musik eine deutsche oder skandinavische Band erlauben würde, wäre die Schelte erst einmal groß. Denn Theatre Of Tragedy-Wechselgesang steht doch mittlerweile unter Strafe. Auch sind mittelalterliche Elemente in einigen Kreisen das Brechmittel schlechthin. Hier haben wir es aber mit einer jungen, unverbrauchten Band zu tun, die sich einen Dreck um große Vorbilder schert und all das miteinander verbindet, was den Musikern in den Sinn kommt. Die Rhythmusfiguren sind klassischer Heavy Metal, die schwermütigen Melodien Gothic, der röchelnde Gesang hat was Black Metal-typisches, die Fanfaren, die Keyboard-Flöte, Harfen-Klang und Perkussion bringen den Mittelalter-Bezug, Bagpipes-Sounds und Lenkas Gesang gehen manchmal ins Folkige. Und Leute, das paßt alles zusammen, als hätte es in der Metal-Geschichte all die verqueren Fehlversuche unzählicher anderer Bands nicht gegeben. Man spürt bei ORKRIST, daß die Musiker sich mit Inbrunst an ihren Klangwelten erfreuten, als sie sie aufnahmen. Und so achteten sie nicht auf Wirkung oder Machbarkeiten. Sie taten es und das mitten ins Herz.
"Nocturnal Rite"

JUB

MONSTROSITY "Rise To Power" 10
Metal Blade, 2003

MONSTROSITY - Rise To Power

Satte zwölf Jahre ist es nun her, daß die Amis von MONSTROSITY ihr Debut "Imperial Doom" veröffentlichten. Dennoch war es ihnen nie vergönnt, zu einer echten Szenegröße aufzusteigen. 
Daß es mit Sicherheit nicht an der Musik gelegen haben kann, bewiesen die Herren auf jeder ihrer Platten.
Die größte Berühmtheit wurde MONSTROSITY zuteil, als George Fisher Mitte der 90er sein Mikrokabel im MONSTROSITY-Proberaum zusammenrollte, um in das Lager von Cannibal Corpse zu wechseln, um den in Ungnade gefallenen Chris Barnes mehr als würdig zu ersetzen. Dabei hatten und haben die Death Metaller mehr zu bieten. Die neue CD "Rise To Power" stellt erneut die Qualitäten der Mannschaft um Schlagzeuger Lee Harrison unter Beweis. Die Songs strotzen nur so vor Spielwitz. Die Riffs sind clever gespielt und verpuffen nie wirkungslos. Dazu kommen die wahnsinnigen Leads, welche so manche traditionelle Heavy Metal-Band wie Amateure dastehen lassen. Kein Standardgefiedel von der Stange, sondern bizarre Melodien, die sich stets der Stimmung des Songs unterordnen. Gefühlvoll, ohne jemals schwul zu klingen. Geil. Auch die Breaks klingen überaschend und sind somit selten vorhersehbar.
Klingt nach schweren Kopfgeburten, die Umsetzung hingegen ist absolut flüssig. Über Harrisons Getrommel große Worte zu verlieren, hieße Eulen nach Athen tragen. Nur soviel, der Typ steht in einer Reihe mit Leuten wie Pete Sandoval, Doc, Hellhammer und Sean Reinert. Absolut geil auch das Outro der CD, hier gibt es minutenlang nur Jammerhaken-Akrobatik auf den Sechssaitigen. Keine Leads, kein Schlagzeug, nur gewürgte Saiten. Nervenzerfetzend.
"A Casket For The Soul"

THOMAS

BLOOD RED ANGEL "The State Of Insanity"/"The Language Of Hate" 8/8
Gutter Rec., 2001/2000

BLOOD RED ANGEL - The Language Of Hate/The State Of Insanity

Im Gegensatz zum einst wiedererstarkten Black Metal, welcher heutzutage leider nicht mehr so gefragt ist, oder zum derzeit wieder boomenden Death Metal, scheint der gute alte Thrash Metal irgendwie nicht mehr so recht den Arsch hochzukriegen. Das noch vor einigen Jahren orakelte Thrash-Revival ist eher eine Randerscheinung, und die meisten Neu-Thrasher spielen diese Musik in den seltensten Fällen nach dem Bay Area-Reinheitsgebot. Um so erfreulicher ist es, wenn hier und da doch noch ein paar vernünftige Thrash-Bands auftauchen, um dem gereiften Alt-Fan ein Freudegrinsen ins Gesicht zu zaubern. Das dürfte zeigen, daß diese Art von Musik eben nicht so einfach zu kopieren ist. Geschweige denn, den Geist der Musik frisch weiter zu transportieren. BLOOD RED ANGEL aus der "Rhine Area" kommen der Sache aber schon verdammt nahe. Die nötigen Breaks, Riffs und Songmuster haben sie allemale auf der Pfanne. Besonders gut gefallen mir die Rhythmuswechsel am Schlagzeug, während das Grundriff weiterläuft. Sehr headbang-kompatibel. Auffällig ist, daß BLOOD RED ANGEL samt und sonders auf Machine Head/Pantera/Sepultura-Moderne in Form von HC-Grooves verzichten und wirklich nur Old-School sind. Daher unterscheiden sich die beiden Scheiben absolut nicht von einander. Qualitativ stehen sie auf ein und demselben Level. Also alles im Spitzenbereich? Naja, nicht ganz. Man kann zu den Scheiben zwar hervorragend headbangen, aber es fehlen noch die Überriffs, der Hit, das Tüpfelchen auf dem i. Aber wir wollen nicht meckern, BLOOD RED ANGEL haben starke Scheiben im Gepäck, die wehmütige Erinnerungen an die Hochphase des Thrash zu wecken wissen. Das soll ihnen erst einmal einer nachmachen.
"The Antagonist"

THOMAS

SUPPOSITORY "Punching Out Reality" 6
Forensick Music, 2002

SUPPOSITORY - Punching Out Reality

Grindcore-Bands haben oft den Hang dazu, in irgend einer Form ein Extrem auszureizen, das sie von den anderen Prügel-Combos abhebt. Selten will man nur solide Arbeit abliefern. Daß es aber auch möglich ist, einfach nur zu unterhalten, beweisen SUPPOSITORY aus Holland. Sie spielen einen Death/Grind ohne Ecken und Kanten zwischen Motörhead-Geradlinigkeit und gesunder Abgedrehtheit. Trotz grummelnder Gitarren hat es manchmal sogar etwas Hardcoriges. Gesanglich schunkeln ein Growler und ein Kreischhals durch die Gassen. Und die Songs sind kurz und kompakt. Absolut hörbar dieses Teil.
"Man Made Machine"

JUB
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