An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 03. April 2001


NECROMICON „Peccata Mundi“ 4
Hammerheart/Connected, 2000

Necromicon - Peccata Mundi

Kann sich jemand vorstellen, daß es einer Band gelingt, Death-Riffing, Thrash-Mosh-Parts, Black Metal-Gekeife, Bombast und schließlich schwule Orgelpassagen in einem einzigen Song unterzubringen? Nein? Dann habt Ihr noch nicht „The Find Of Alone“ von NECROMICON gehört.
„The Find Of Alone“
Die einzelnen Metal-Spielarten polarisieren ihre Fanscharen derzeit so stark, daß manch eine Band glaubt, nur noch mit völlig abgefahrenen Stilmixen auffallen zu können. NECROMICON ist solch eine Band und schlug dabei völlig über die Stränge.
Dabei fing alles einmal viel geradliniger an. Als Leprechaun startete Gitarrist Nicklas Sundkvist mit ein paar Kumpels 1993 und nahm ein Jahr später das erste Demo auf. 1996 reichte der Band-Zusammenhalt gerade noch, um ein Album namens „Realm Of Silence“ einzuspielen. Was folgte, waren ein Deal mit Hammerheart, das Album „Sightveiler“ und endlose Bandquerelen. Der konnte nicht mit dem, dieser widerum war zu schlecht für das vertrackte Material, der andere schließlich hatte keinen Bock mehr. Übrig blieb Nicklas. Der scharte neue Leute um sich. Und da Skandinavier zusammenhalten, gesellte sich zu dem schwedischen Haufen ein finnischer Sänger, Kai Jaakkola.
Der Vierer, unterstützt von Schlagzeuger Alzazmon und Keyboarderin Ann-Zofie Elert, spielte „Peccata Mundi“ ein und lieferte damit gar nicht mal unbedingt ein schlechtes Produkt ab. Allerdings ist der bereits genannte Stilmix so bemüht, daß die CD auf Dauer äußerst streßig wirkt. Obwohl hier einiges passiert, hören sich NECROMICON nach der Hälfte der Spielzeit nur noch wie Black Metal-Bombast-Affen an. Will sagen, man neigt dazu, sich während des Abspielens der CD mit anderen Dingen zu beschäftigen.
Weniger ist manchmal mehr. NECROMICON sehen das völlig anders und lassen am Ende sogar noch Gast-Keyboarderin Ann-Zofie ans Mikrophon.
"Lost Equilibrium"

JUB

MOTÖRHEAD „The Best Of“ 9
Metal-Is/Sanctuary Records, 2000

Motörhead - The Best Of

Es ist merkwürdig, daß die meisten Fanzines Best-Of-Kompilationen oder Live-Scheiben nicht bewerten. Dabei können sowohl Hit-Sammlungen als auch Konzert-Mitschnitte qualitativ differieren. Gerade MOTÖRHEAD-Zusammenstellungen sind dafür ein beredtes Beispiel.
Im Falle dieser Best-Of-Doppel-CD können selbst Fans, die garantiert alles von Lemmy & Co haben, getrost zuschlagen. Abgesehen davon, daß hier wirklich alle relevanten MOTÖRHEAD-Bringer enthalten sind, gibt es  die Original-Version des Titels „Motörhead“ von Hawkwind mit Lemmy an Baß und Mikrophon sowie vier bisher unveröffentlichte Live-Aufnahmen („Fire Fire“, „Bite The Bullet/The Chase Is Better Than The Catch“, „Shoot You In The Back“, „The Hammer“). Das Booklet ist informativ, umfangreich und enthält Fotos aller wichtigen Band-Besetzunge.

JUB

STUCK MOJO "Declaration Of A Headhunter" 7
Century Media/Magic Arts Publ., 2000

Stuck Mojo - Declaration Of A Headhunter

Vor einigen Jahren noch galt bei meinen Kumpanen und mir nur alles, was sich klar als Metal definieren ließ, als gute Musik und alles und jeder, der sich die Haare schneiden ließ oder wer seine Musik veränderte und das Trendfähnchen Richtung Hardcore oder - noch schlimmer - Rap wehen ließ, als Verräter der gesamten Szene und wurde geächtet. Noch schlimmer waren aber solche Bands, die wie ein Bastard aus Metal und Hardcore daherkamen und verkündeten, daß man in den 90ern keinen reinen Metal mehr spielen könne, da es sich um ein vergessenswürdiges Relikt aus den 80ern handle und man jetzt openminded sein müsse. Biohazard, Machine Head, Sepultura und eben auch STUCK MOJO waren ausgesprochene Feindbilder. Allerdings waren STUCK MOJO auch die einzige Band, bei der schon allein die Fotos abschreckende Wirkung hatten, ohne die Musik jemals gehört zu haben. Jetzt, sechs Jahre später sitze ich hier und muß zugeben, daß die neue STUCK MOJO-Scheibe "Declaration Of A Headhunter" gar nicht mal so verkehrt ist. Zwar ist das Cover ein Brüller: Die Band posiert mit gestählten Körpern und Maschinenpistolen vor der Ami-Flagge. Und solche Leute verlachen Manowar. Unglaublich. Doch statt prolligem "Yo! Motherfucker"-Gebrülle und permanenter Stakkatolangeweile bietet "Declaration Of A Headhunter" eine abwechslungsreiche Mischung aus Groove, Heavy Metal-Gitarrensoli, heftigen Druckpassagen, ohrwurmartigen Melodien und geilen Licks.
"Set The Tone"
Das Gerappe ist zwar vorhanden aber es ist erträglich. Mit dieser Scheibe haben sich STUCK MOJO bei mir rehabilitiert und versorgen mich jetzt mit Ohrwürmern der Marke "Raise The Deadman" oder "Set The Tone". Dennoch können mich Biohazard, Machine Head und Co. weiterhin am Arsch lecken.
"Drawing Blood"

THOMAS

METALIUM „State Of Triumph - Chapter Two“ 5
Massacre Rec/Armageddon/Connected/Tornado International/Warner Chappell, 2000

Metalium - State Of Triumph - Chapter Two

„Stygian Flames“
Double-Bass-Attacken, „Uuuuuuh“-Chöre, übers Griffbrett flitzende Finger, „Fight-Strong-Power“-Refrains .... 1000mal gehört? Genau. Das, was METALIUM schon bei ihrem Debüt „Millennium-Metal - Chapter One“ 1999 waren - nämlich eine durchschnittliche Power- oder True- oder Was-auch-immer-Metal-Band - wird jetzt um so deutlicher, wo die großen Namen Chris Caffery (Savatage) und Mike Terrana (Hans Dampf in allen Gassen) fehlen. Über dieses Mittelmaß täuscht auch das aufgeblasene Textkonzept nicht hinweg. Eher im Gegenteil. Die Story von dem Metalian-Krieger, der gegen den Metal-God kämpft und am Ende selbst einer wird ist eher auf Computer-Spiel-Niveau. Und schließlich bringt auch die Mitwirkung von Jutta Weinhold (Zed Yago, Velvet Viper) nichts. Zum einen: Welche Rolle spielt heute noch Jutta Weinhold und auf der CD von METALIUM kommt sie eh nur als Sprecherin zum Zuge.
Aber - wie so oft eignet sich auch dieses mittelmäßige Metal-Album zum mitwippen, ist der ein oder andere gute Song zu finden. Und auf einer Party macht sich ein METALIUM-Album immer noch besser als Probenraum-Gerumpel von Darkthrone. Denn auf Partys will man ja eigentlich ausgelassenen Spaß haben. Das Evil-Face kann man sich fürs Konzert oder die eigene Kammer aufheben.
„Inner Sight“

JUB

POSTMORTEM "Storm Force" 6
Morbid Rec./SPV, 2000

Postmortem - Storm Force

Fünf Songs beinhaltet diese Mini-CD der Berliner Band. Zwei davon, nämlich "Over The Line" und "Der Totmacher" wurden von Ron Thiele (Dreadful Shadows) remixed und kommen mit einem dementsprechenden Industrial-Touch daher. Die Songs werden dadurch nicht schlechter aber auch nicht besser. Die elektronische Aufstockung wirkt nicht überladen und das Experiment ging zumindest nicht in die Hose. Als dritten Song gibt es eine remasterte Version von "Evil Breaks The Law", welche seinerzeit nur auf dem "Morbid One Sampler" zu hören war. Nummer vier und fünf sind "Create To Fear" sowie "Lethal Devil", zwei unveröffentlichte Demosongs, die leider nicht ganz den Level der letzten POSTMORTEM-Scheibe "Repulsion" halten können. Unterm Strich bleibt ein EP mit Elektronik-Experimenten, die zwar unterhaltsam ist, jedoch nicht ohne die unvermeidbaren Füller auskommt. 
"Electrocute (Over The Line)"/"Create To Fear"

THOMAS

NO NOT NOW! "Riding The  Wild Things" 6
Der Verlag, 1999/2000

No Not Now! - Riding The Wild Things

"Final Year In Hell"
Brettharter Rock'n'Roll kommt von den NO NOT NOW!-Rabauken. Beim Hören der acht Songs schießen mir Namen wie Ramones, Ministry ("Jesus Build My Hotrod"), aber auch Motörhead und jüngere Entombed durch den Kopf, ohne der Sache jedoch voll und ganz gerecht zu werden. Auf jeden Fall Musik zum Trinken am Steuer, dabei massig rote Ampeln mißachten und den ein oder anderen Passanten zu einer unfreiwillige Spritztour bei 110 Klamotten auf der Motorhaube einzuladen. Nicht unbedingt mein Fall aber gut gemacht ist es allemal.
"Suck City"

THOMAS

IRON MAIDEN „Brave New World“ 8
EMI/Iron Maiden Holding Ltd, 2000

Iron Maiden - Brave New World

„The Wicker Man“
Jaja, das Album ist schon ein paar Wochen auf dem Markt und sicher eines der am aufmerksamsten gehörten gewesen. Nicht zuletzt haben wir mit unserer Rezension auch deshalb etwas länger gewartet. Viel zu schnell waren einige mit Verissen zur Hand. Denn - und das sollte man als Rezensent auch bei vielen anderen Scheiben bedenken - oftmals wirken gut gemachte Tonträger erst nach Wochen. Das ist auch auf jeden Fall bei dem MAIDEN-Comback-Album „Brave New World“ so.
„Blood Brothers“
Natürlich ist es kein „Number Of The Beast“ geworden, ja nicht einmal ein „Fear Of The Dark“, jedoch wird man in Zukunft diese Scheibe garantiert als eine der besonderen von IRON MAIDEN mit aufzählen. Denn wenn auch nicht mit Klassikern vollgestopft, so hat „Brave New World“ doch einen ganz eigenen Charakter. Und der zeigt sich vor allem in jenen Songs, die nicht die typischen Rocker sind, sondern schon mit ihrer Struktur Geschichten zu erzählen scheinen (zum Beispiel „Ghost Of The Navigator“, „The Thin Line Between Love And Hate“ oder „Dream Of Mirrors“). 
Soundtechnisch ganz MAIDEN  findet die Musik durch die Stimme von Bruce Dickinson wieder viel stärker Zugang zur Hörerschaft. Man muß nicht die Zeit damit verschwenden, sich darüber Gedanken zu machen, wie diese oder jene Stelle wohl geklungen hätte, wenn nicht olle Blaze ....
Aber das ist ja Vergangenheit. Jeder kann ganz in die Musik der neuen MAIDEN eintauchen und entdecken, entdecken, entdecken ...
Auch wenn es viele noch nicht wahr haben wollen. Das ist genau das Album, das wir nach der Rückkehr von Bruce von IRON MAIDEN haben wollten.
„The Fallen Angel“

JUB

UNCOMMONMENFROMMARS "Come To Jamaica" 4
Wagram/Headworx/Cascade Prod, 2000

Uncommonmenfrommars

Zweisongsingle mit ca. vier Minuten Spielzeit.
Es gibt ein partytaugliches Gemisch aus Ska, Reggae und Punk zu hören. Für den normalen Metal-Fan absolut ungenießbar. Und für Ska-Fans lohnt sich das Einlegen der CD nur, wenn er über einen Wechsler verfügt. Wer möchte auf Partys schon alle vier Minuten zum Player rennen und die CDs wechseln? Eben. Keiner.
"Come To Jamaica"

THOMAS
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