NECROMICON
„Peccata Mundi“ 4
Hammerheart/Connected,
2000
Kann sich jemand
vorstellen, daß es einer Band gelingt, Death-Riffing, Thrash-Mosh-Parts,
Black Metal-Gekeife, Bombast und schließlich schwule Orgelpassagen
in einem einzigen Song unterzubringen? Nein? Dann habt Ihr noch nicht „The
Find Of Alone“ von NECROMICON gehört.
„The Find
Of Alone“
Die einzelnen
Metal-Spielarten polarisieren ihre Fanscharen derzeit so stark, daß
manch eine Band glaubt, nur noch mit völlig abgefahrenen Stilmixen
auffallen zu können. NECROMICON ist solch eine Band und schlug dabei
völlig über die Stränge.
Dabei fing
alles einmal viel geradliniger an. Als Leprechaun startete Gitarrist Nicklas
Sundkvist mit ein paar Kumpels 1993 und nahm ein Jahr später das erste
Demo auf. 1996 reichte der Band-Zusammenhalt gerade noch, um ein Album
namens „Realm Of Silence“ einzuspielen. Was folgte, waren ein Deal mit
Hammerheart, das Album „Sightveiler“ und endlose Bandquerelen. Der konnte
nicht mit dem, dieser widerum war zu schlecht für das vertrackte Material,
der andere schließlich hatte keinen Bock mehr. Übrig blieb Nicklas.
Der scharte neue Leute um sich. Und da Skandinavier zusammenhalten, gesellte
sich zu dem schwedischen Haufen ein finnischer Sänger, Kai Jaakkola.
Der Vierer,
unterstützt von Schlagzeuger Alzazmon und Keyboarderin Ann-Zofie Elert,
spielte „Peccata Mundi“ ein und lieferte damit gar nicht mal unbedingt
ein schlechtes Produkt ab. Allerdings ist der bereits genannte Stilmix
so bemüht, daß die CD auf Dauer äußerst streßig
wirkt. Obwohl hier einiges passiert, hören sich NECROMICON nach der
Hälfte der Spielzeit nur noch wie Black Metal-Bombast-Affen an. Will
sagen, man neigt dazu, sich während des Abspielens der CD mit anderen
Dingen zu beschäftigen.
Weniger ist
manchmal mehr. NECROMICON sehen das völlig anders und lassen am Ende
sogar noch Gast-Keyboarderin Ann-Zofie ans Mikrophon.
"Lost Equilibrium"
JUB
MOTÖRHEAD
„The Best Of“ 9
Metal-Is/Sanctuary
Records, 2000
Es ist merkwürdig,
daß die meisten Fanzines Best-Of-Kompilationen oder Live-Scheiben
nicht bewerten. Dabei können sowohl Hit-Sammlungen als auch Konzert-Mitschnitte
qualitativ differieren. Gerade MOTÖRHEAD-Zusammenstellungen sind dafür
ein beredtes Beispiel.
Im Falle dieser
Best-Of-Doppel-CD können selbst Fans, die garantiert alles von Lemmy
& Co haben, getrost zuschlagen. Abgesehen davon, daß hier wirklich
alle relevanten MOTÖRHEAD-Bringer enthalten sind, gibt es die
Original-Version des Titels „Motörhead“ von Hawkwind mit Lemmy an
Baß und Mikrophon sowie vier bisher unveröffentlichte Live-Aufnahmen
(„Fire Fire“, „Bite The Bullet/The Chase Is Better Than The Catch“, „Shoot
You In The Back“, „The Hammer“). Das Booklet ist informativ, umfangreich
und enthält Fotos aller wichtigen Band-Besetzunge.
JUB
STUCK
MOJO "Declaration Of A Headhunter" 7
Century Media/Magic
Arts Publ., 2000
Vor einigen
Jahren noch galt bei meinen Kumpanen und mir nur alles, was sich klar als
Metal definieren ließ, als gute Musik und alles und jeder, der sich
die Haare schneiden ließ oder wer seine Musik veränderte und
das Trendfähnchen Richtung Hardcore oder - noch schlimmer - Rap wehen
ließ, als Verräter der gesamten Szene und wurde geächtet.
Noch schlimmer waren aber solche Bands, die wie ein Bastard aus Metal und
Hardcore daherkamen und verkündeten, daß man in den 90ern keinen
reinen Metal mehr spielen könne, da es sich um ein vergessenswürdiges
Relikt aus den 80ern handle und man jetzt openminded sein müsse. Biohazard,
Machine Head, Sepultura und eben auch STUCK MOJO waren ausgesprochene Feindbilder.
Allerdings waren STUCK MOJO auch die einzige Band, bei der schon allein
die Fotos abschreckende Wirkung hatten, ohne die Musik jemals gehört
zu haben. Jetzt, sechs Jahre später sitze ich hier und muß zugeben,
daß die neue STUCK MOJO-Scheibe "Declaration Of A Headhunter" gar
nicht mal so verkehrt ist. Zwar ist das Cover ein Brüller: Die Band
posiert mit gestählten Körpern und Maschinenpistolen vor der
Ami-Flagge. Und solche Leute verlachen Manowar. Unglaublich. Doch statt
prolligem "Yo! Motherfucker"-Gebrülle und permanenter Stakkatolangeweile
bietet "Declaration Of A Headhunter" eine abwechslungsreiche Mischung aus
Groove, Heavy Metal-Gitarrensoli, heftigen Druckpassagen, ohrwurmartigen
Melodien und geilen Licks.
"Set The
Tone"
Das Gerappe
ist zwar vorhanden aber es ist erträglich. Mit dieser Scheibe haben
sich STUCK MOJO bei mir rehabilitiert und versorgen mich jetzt mit Ohrwürmern
der Marke "Raise The Deadman" oder "Set The Tone". Dennoch können
mich Biohazard, Machine Head und Co. weiterhin am Arsch lecken.
"Drawing
Blood"
THOMAS
METALIUM
„State Of Triumph - Chapter Two“ 5
Massacre Rec/Armageddon/Connected/Tornado
International/Warner Chappell, 2000
„Stygian
Flames“
Double-Bass-Attacken,
„Uuuuuuh“-Chöre, übers Griffbrett flitzende Finger, „Fight-Strong-Power“-Refrains
.... 1000mal gehört? Genau. Das, was METALIUM schon bei ihrem Debüt
„Millennium-Metal - Chapter One“ 1999 waren - nämlich eine durchschnittliche
Power- oder True- oder Was-auch-immer-Metal-Band - wird jetzt um so deutlicher,
wo die großen Namen Chris Caffery (Savatage) und Mike Terrana (Hans
Dampf in allen Gassen) fehlen. Über dieses Mittelmaß täuscht
auch das aufgeblasene Textkonzept nicht hinweg. Eher im Gegenteil. Die
Story von dem Metalian-Krieger, der gegen den Metal-God kämpft und
am Ende selbst einer wird ist eher auf Computer-Spiel-Niveau. Und schließlich
bringt auch die Mitwirkung von Jutta Weinhold (Zed Yago, Velvet Viper)
nichts. Zum einen: Welche Rolle spielt heute noch Jutta Weinhold und auf
der CD von METALIUM kommt sie eh nur als Sprecherin zum Zuge.
Aber - wie
so oft eignet sich auch dieses mittelmäßige Metal-Album zum
mitwippen, ist der ein oder andere gute Song zu finden. Und auf einer Party
macht sich ein METALIUM-Album immer noch besser als Probenraum-Gerumpel
von Darkthrone. Denn auf Partys will man ja eigentlich ausgelassenen Spaß
haben. Das Evil-Face kann man sich fürs Konzert oder die eigene Kammer
aufheben.
„Inner
Sight“
JUB
POSTMORTEM
"Storm Force" 6
Morbid Rec./SPV,
2000
Fünf Songs
beinhaltet diese Mini-CD der Berliner Band. Zwei davon, nämlich "Over
The Line" und "Der Totmacher" wurden von Ron Thiele (Dreadful Shadows)
remixed und kommen mit einem dementsprechenden Industrial-Touch daher.
Die Songs werden dadurch nicht schlechter aber auch nicht besser. Die elektronische
Aufstockung wirkt nicht überladen und das Experiment ging zumindest
nicht in die Hose. Als dritten Song gibt es eine remasterte Version von
"Evil Breaks The Law", welche seinerzeit nur auf dem "Morbid One Sampler"
zu hören war. Nummer vier und fünf sind "Create To Fear" sowie
"Lethal Devil", zwei unveröffentlichte Demosongs, die leider nicht
ganz den Level der letzten POSTMORTEM-Scheibe "Repulsion" halten können.
Unterm Strich bleibt ein EP mit Elektronik-Experimenten, die zwar unterhaltsam
ist, jedoch nicht ohne die unvermeidbaren Füller auskommt.
"Electrocute
(Over The Line)"/"Create To Fear"
THOMAS
NO NOT
NOW! "Riding The Wild Things" 6
Der Verlag,
1999/2000
"Final Year
In Hell"
Brettharter
Rock'n'Roll kommt von den NO NOT NOW!-Rabauken. Beim Hören der acht
Songs schießen mir Namen wie Ramones, Ministry ("Jesus Build My Hotrod"),
aber auch Motörhead und jüngere Entombed durch den Kopf, ohne
der Sache jedoch voll und ganz gerecht zu werden. Auf jeden Fall Musik
zum Trinken am Steuer, dabei massig rote Ampeln mißachten und den
ein oder anderen Passanten zu einer unfreiwillige Spritztour bei 110 Klamotten
auf der Motorhaube einzuladen. Nicht unbedingt mein Fall aber gut gemacht
ist es allemal.
"Suck City"
THOMAS
IRON
MAIDEN „Brave New World“ 8
EMI/Iron Maiden
Holding Ltd, 2000
„The Wicker
Man“
Jaja, das
Album ist schon ein paar Wochen auf dem Markt und sicher eines der am aufmerksamsten
gehörten gewesen. Nicht zuletzt haben wir mit unserer Rezension auch
deshalb etwas länger gewartet. Viel zu schnell waren einige mit Verissen
zur Hand. Denn - und das sollte man als Rezensent auch bei vielen anderen
Scheiben bedenken - oftmals wirken gut gemachte Tonträger erst nach
Wochen. Das ist auch auf jeden Fall bei dem MAIDEN-Comback-Album „Brave
New World“ so.
„Blood
Brothers“
Natürlich
ist es kein „Number Of The Beast“ geworden, ja nicht einmal ein „Fear Of
The Dark“, jedoch wird man in Zukunft diese Scheibe garantiert als eine
der besonderen von IRON MAIDEN mit aufzählen. Denn wenn auch nicht
mit Klassikern vollgestopft, so hat „Brave New World“ doch einen ganz eigenen
Charakter. Und der zeigt sich vor allem in jenen Songs, die nicht die typischen
Rocker sind, sondern schon mit ihrer Struktur Geschichten zu erzählen
scheinen (zum Beispiel „Ghost Of The Navigator“, „The Thin Line Between
Love And Hate“ oder „Dream Of Mirrors“).
Soundtechnisch
ganz MAIDEN findet die Musik durch die Stimme von Bruce Dickinson
wieder viel stärker Zugang zur Hörerschaft. Man muß nicht
die Zeit damit verschwenden, sich darüber Gedanken zu machen, wie
diese oder jene Stelle wohl geklungen hätte, wenn nicht olle Blaze
....
Aber das ist
ja Vergangenheit. Jeder kann ganz in die Musik der neuen MAIDEN eintauchen
und entdecken, entdecken, entdecken ...
Auch wenn
es viele noch nicht wahr haben wollen. Das ist genau das Album, das wir
nach der Rückkehr von Bruce von IRON MAIDEN haben wollten.
„The Fallen
Angel“
JUB
UNCOMMONMENFROMMARS "Come
To Jamaica"
4
Wagram/Headworx/Cascade Prod, 2000
Zweisongsingle mit ca. vier Minuten
Spielzeit.
Es gibt ein partytaugliches Gemisch
aus Ska, Reggae und Punk zu hören. Für den normalen Metal-Fan
absolut ungenießbar. Und für Ska-Fans lohnt sich das Einlegen
der CD nur, wenn er über einen Wechsler verfügt. Wer möchte
auf Partys schon alle vier Minuten zum Player rennen und die CDs wechseln?
Eben. Keiner.
"Come To Jamaica"
THOMAS
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