An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

Abgehört vom 03. September 2002


DIMENSION ZERO „Silent Night Fever“ 9
Regain Records, 2002

Dimension Zero - Silent Night Fever

Je mehr Bands einer gewissen Stilistik frönen, um so mehr läuft man als Rezensent Gefahr, wegen Übersättigung nicht mehr richtig hinzuhören. Bei DIMENSION ZERO, einer Band aus dem Dunstkreis von In Flames, wäre dies aber fatal. Denn der Schweden-Vierer, dessen Melodien auf „Silent Night Fever“ durchaus mit denen von In Flames konkurrieren können, ist nicht nur ein weiteres Musiker-Projekt unter vielen, sondern wartet mit einer ganz expliziten Mischung aus Death und Thrash Metal auf, wie sie zum Beispiel Soilwork praktizieren. Auch in Sachen Härtegrad kann man durchaus mit den schwedischen Jung-Kollegen in einer Mannschaft antreten. 
DIMENSION ZERO ist die Band von Jesper Strömblad (Immer-noch-In Flames) und Glenn Ljungström (Ex-In Flames). Verstärkt wurden sie durch Jocke Göthberg (Ex-Marduk) und Hasse Nilsson. Und obwohl die Band nur knapp seit 1996 existiert, stellt dieses Debüt-Album bereits das erste Comeback dar, hatte man sich doch bereits 1998 schon wieder getrennt. Seit 2000 ist man aber wieder dabei, da es offenbar eine Menge an kreativen Outputs und überschüssiger Energie abzuladen gibt. Und so wurde „Silent Night Fever“ ein exzellentes Stück Schweden-Holz, wie es gegenwärtig nicht unbedingt mehr üblich ist. Denn dieses Album enthält nicht einen Füller. „Slow Silent“ mag der ein oder andere so sehen, mit seiner Kürze und völlig dem Charkter der Scheibe konträren Gothic-Pop-Appeal stellt der Song aber eher ein witziges Outro dar.
„Silent Night Fever“

JUB

BLUDGEON „Crucify The Priest“ 5
Metal Blade/Magic Circle Music, 2002

Bludgeon - Crucify The Priest

Joey DeMaio, Bassist bei Manowar, ist schon ein komischer Kauz. Während er mit seiner Band den Schnulzen-Overkill übt, produziert er mal so ganz nebenbei eine us-amerikanische Band namens BLUDGEON. Und die haben mit sanftmütigen Tönen absolut nichts am Hut. Hier gibt es fast kompromißlose Thrash und Death Metal-Kost. Warum fast? Dazu komme ich an anderer Stelle.
Die vier Typen, die sich im Booklet als die ultra-harten Wir-leben-den-Metal-in-jeder-Sekunde-Kerle präsentieren, servieren mit „Crucify The Priest“ ihr CD-Debüt. Dabei könnte man nach dem Hören der Scheibe meinen, BLUDGEON gäbe es schon weit aus länger, dominiert doch der Old School-Stil. Die Songs sind ganz Rhythmus, selten haben die Gitarristen mehr zu tun, als hackende und Dampframmen-ähnliche Riffs zu spielen. Obendrein ist mit Chewy ein exzellenter Schlagzeuger am Start, der es versteht, mit seinem Spiel die Stücke noch fetter wirken zu lassen, als sie ohnehin schon sind. Auch bei Geschwindigkeits-Orgien á la Slayer wie bei „Abandoned“ macht Chewy eine gute Figur.
Und jetzt kommen wir auf das „fast kompromißlos“ zu sprechen. Hin und wieder beschleicht einen das Gefühl, die ein oder andere Passage auch einer New Metal-Kapelle zugestehen zu wollen. Solche Gedanken verscheucht man ob der fetten Produktion aber immer wieder, bis einem dann in „Bound“ Scratching entgegentönt und Sänger/Gitarrist Marc Duca nur noch im Stakkato-Gestammel durch den Song holpert. Aber damit nicht genug. Auch scheinen die Jungs nicht gerade die Abwechslung erfunden zu haben. Vielmehr bleibt nach dem Hören der CD irgendwie nichts weiter im Hirn, als die Erinnerung an bleischwere Gitarren. Und auch diese Gedanken verblassen schnell. 
„Inner Hell“ 

JUB

THE QUILL „Voodoo Caravan“ 7
Steamhammer/SPV, 2002

The Quill - Voodoo Caravan

Au watt, mit den Szenegrößen aus den Staaten können die schwedischen Stoner Rocker THE QUILL allemal mithalten. Die Stücke auf ihrer nunmehr dritten CD „Voodoo Caravan“ klingen absolut professionell und hätten unter Umständen zum Teil auch auf einem Monster Magnet-Album stehen können - zum Beispiel.
Neben dem typischen schwerfälligen Gitarren-Gedröhn lassen THE QUILL auch eine psychedelische Komponente in ihre Musik einfließen, die besonders bei „Shapes Of Afterlife“ und der Acht-Minuten-Nummer „Virgo“ zum Tragen kommt. Einen Aha-Effekt erzeugen die Schweden in „Until Earth Is Bitter Gone“, wenn ein Moog-Synthesizer anklingt, wie er uns noch aus „Nights In White Satin“ von Moody Blues bestens in den Ohren hallt. Und Led Zeppelin im Stile von „Hats Off To (Roy) Harper“ kommt in „(Wade Across) The Mighty River“ zu Ehren. 
Und trotz dieser Hinwendungen bleibt das Manko, das „Voodoo Caravan“ etwas an Eintönigkeit krankt. Offenbar wurden die Songs immer unter Einfluß ein und derselben Droge geschrieben - - - hätte man in den 70ern in einer Review gelesen. Heutzutage darf bezweifelt werden, daß Bands wie THE QUILL tatsächlich bewußtseinserweiternde Kräuter oder Pharmaka zu sich nehmen, um Musik zu kreieren. Und schon ist es am Ende doch alles nur etwas, das immer klingt wie Dinge, die alle schon einmal da waren.
„Shapes Of Afterlife“

JUB

WHITE SKULL „Public Glory, Secret Agony“ 9
Breaker Rec./Radiation, 2000

White Skull - Public Glory, Secret Agony

„The Roman Empire“
Die Rhythmus-Gitarre, die die Songs wie ein gut geschmierter Motor vorantreibt, unterstützt von einem fast durchgehenden Double-Bass-Spiel und alles in einer Geschwindigkeit, die landläufig mit Speed bezeichnet wird, sind mittlerweile das Markenzeichen von WHITE SKULL. Natürlich ist da noch Sängerin Frederica De Boni zu nennen, die dieser Art des Power Metal durch ihre rauhe und doch weibliche Stimme das gewisse Etwas verleiht. Mit diesen Zutaten ist „Public Glory, Secret Agony“ wie Teil 2 des vorangegangenen Erfolgs-Albums „Tales From The North“ geworden. Lediglich die Thematik variierte: Sang man auf „Tales ...“ über Wikinger und die Nibelungen, steht auf „Public ...“ die Geschichte des römischen Imperiums im Mittelpunkt. Das paßt natürlich besser zu Italienern, wie es WHITE SKULL bekanntlich welche sind.
Bereits der Opener (nach einem Intro) „High Treason“ macht unmißverständlich deutlich, daß bei WHITE SKULL alles beim Alten geblieben ist. Jedoch Frederica zeigt, daß sie nicht nur knurren und brüllen kann, sondern daß ihr auch pathetisches Trällern liegt.
Die Songs sind recht simpel gestrickt, warten aber durchgehend mit trefflichen Melodien auf. Auch eine breiter angelegte epische Nummer ist vertreten: „In Ceasar We Trust“.
Sicher ist die Veröffentlichung dieses Albums schon ein paar Tage her, da es bisher bei INTERREGNUM jedoch nicht zu Ehren kam, soll es im Zusammenhang mit der neuen WHITE SKULL-CD doch noch eine entsprechende Würdigung erhalten.

JUB

WHITE SKULL „The Dark Age“ 7
Frontiers/Now&Then/XIII BIS/Point, 2002

White Skull - The Dark Age

Nun, und zwei Jahre später ist plötzlich alles anders. Es beginnt beim Sängerwechsel. Frederica De Boni ging mit ihrem Freund in die Staaten und WHITE SKULL verstärkten sich am Mikrofon mit einem männlichen Band-Mitglied. Der Neue heißt Gustavo Adrian Gabano und stammt aus Argentinien. Seine Aufgabe ist keine leichte, war Frederica doch nicht nur Markenzeichen der WHITE SKULL-Musik, sondern auch auf ihre Weise ein gewisses Aushängeschild. Das könnte Gustavo auch werden, fällt er doch auf der Bühne durch sein Äußeres als eine Mischung aus Metal Warrior und Glam-Rocker auf. Allerdings agiert er ähnlich wie Frederica noch etwas zu zurückhaltend. Sein Stimmlage ist der von Frederica nicht unähnlich. Auch singt er ähnlich gepreßt wie die einstige Frontfrau. Allerdings hatte die Sängerin doch noch etwas mehr Rauheit in der Kehle und klang vielleicht gerade deshalb wärmer.
Trotzdem geht ein dickes Lob an WHITE SKULL, die sich nicht etwa - wie derzeit schwer in Mode bei italienischen Power Metal Bands - einen hodenlosen Vokalakrobaten in die Mannschaft holten.
Leider unterscheidet sich die neue Scheibe „The Dark Age“ - inhaltlich geht es um Mittelalter und Inquisition - doch erheblich im Songwriting von ihren Vorgängern. Abgesehen davon, daß die Band jetzt mehr mit orchestralen Keyboard-Klängen arbeitet, sind die Stücke zum einen tempomäßig gedrosselt und zum anderen erheblich vielschichtiger. „Maid Of Orleans“ und „New Crusade“ sind zum Beispiel Nummern, die geschickt durcharrangiert sind, mit reichlich Dynamik aufwarten. Hier mal ein Gitarren-Solo, dort eine Keyboard-Kurve, an der nächsten Stelle überraschen Rhythmus-Gimmicks. In „The Edict“ setzt sich das fort und Gustavo deutet an, welch Stimmvolumen er besitzt. Aber nicht nur in diesem Lied erreicht die Refrain-Melodie längst nicht die Tiefe wie in den Glanztaten auf „Tales ...“ und „Public ...“
Mit „Voice From Heaven“ gibt es dann eine Ballade, die Gustavo zum Teil etwas theatralisch interpretiert, die aber gar nicht so übel ist.
Wie schon eingangs angedeutet, bieten WHITE SKULL auf „The Dark Age“ ein wirklich hochwertiges Songwriting an. Allerdings hätte es nicht Not getan, zum Zweck der Gestaltung eines abwechslungsreichen Arrangements ständig gute straighte Riff-Ideen zu verlassen. Die Scheibe hätte definitiv mehr Songs vom Schlage „Sentence Of Death“ vertragen können.
Manch einer mag die alten WHITE SKULL zu primitiv gefunden haben. Ich fand es sehr geil. Das neue Zeug ist mir trotz der komplizierteren Strukturen zu austauschbar. Auch setzt sich kein Song beim ersten Hören wirklich fest. Schade eigentlich.
„A New Handbook“

JUB

SEVEN WITCHES „Xiled To Infinity And One“ 8
Sanctuary/Noise, 2002

Seven Witches - Xiled To Infinity And One

Melodischer Up-Tempo-Thrash Metal ist das Metier von Gitarrist Jack Frost mit seiner Band SEVEN WITCHES. Logisch, daß auch diese Musik wie aus den 80ern ins neue Jahrtausend transferiert klingt. Grim Reaper wäre da ein Anhaltspunkt, denn von dieser Band covern SEVEN WITCHES das Stück „See You In Hell“ und es paßt zu den Eigenkompositionen wie die Mutter auf die Schraube. Sänger Wade Black wird hier von Joe Comeau (Annihilator) unterstützt.
Vollständig interpretieren darf Savatage-Boß Jon Oliva einen Song. Aus dem straighten Kracher „The Burning“ macht er dann beinahe auch einen Savatage-Song. Aber bei dieser markanten Stimme auch kein Wunder.
Wunderlich wird es allerdings bei „Warmth Of Winter“. Hier machen SEVEN WITCHES volles Rohr auf New Metal und gehen dabei völlig baden. Und als würde ein Ausrutscher nicht genügen, gibt es mit „Anger’s Door“ gleich noch eine Zugabe. Diesmal kein New Metal aber trotzdem in den Sand gesetzt.
Und da alle guten Dinge drei sind, schieben SEVEN WITCHES „Eyes Of An Angel“ nach. Aber an dieser Stelle muß betont werden, daß sich weniger um einen qualitativ abfallenden Song handelt, als vielmehr um einen für die Platte ungewöhnlichen. Manch einer wird „Eyes ...“ ablehnen, andere wiederum könnten ausgerechnet dieses Stück zu ihrem Lieblingslied auf „Xiled To Infinty And One“ erheben.
„Metal Tyrant“

JUB

NERTHUS „Scattered To The Four Wainds“ 5
CCP Records, 2001

Nerthus - Scattered To The Four Wainds

Auch wenn die Label- und Promo-Schreiber meist beim Preisen einer Neuveröffentlichung keine leichte Aufgabe zu bewältigen haben, sollten CCP aus Österreich darüber nachdenken, ob sie nicht unter Umständen einem anderen die Arbeit überlassen wollen. Denn die Beipack-Zettel des Labels sind fast immer unfreiwillig komische Lobhudeleien. Kraß ist es einmal mehr bei der Gruppe NERTHUS. Da ist von einem „prachtvollen und feierlichen Debüt“ die Rede, mit dem die Band die „Fachwelt in anhaltendes Staunen versetzen“ konnte. Dem war nicht so. Die Reaktionen auf „Escape From Suction“ waren durchwachsen. Euphorisch oder gar begeistert war kaum jemand. Auch bei uns rangierte das Debüt mehr unter ferner liefen. Und daß die auf dem Erstling enthaltenen Songs „nur so vor mittelalterlicher Authentizität“ strotzten, ist schließlich völliger Unfug. Zum einen ist eine „mittelalterliche Authentizität“ absolut unmöglich (siehe Subway To Sally-Interview), zum anderen - wenn schon angestrebt - kann dies doch wohl kaum mit Drum-Computer und Keyboard geschehen. Eigentlich müßte der Beipack-Zettel-Schreiber doch wissen, daß das Debüt unter Umständen auch durch jene Hände ging, die jetzt dieses Geschreibsel halten. Von daher ...
Aber genug davon. Es geht ja schließlich um die Band, und um das, was sie auf Album Nummer zwei, „Scattered To The Four Wainds“ zustande brachte. Und da kann schon mal vorangestellt werden, daß der Zweitling besser ist, als das Debüt. Das liegt unter anderem daran, daß Komponist sowie Schlagzeug- und Perkussions-Programmierer Alexander K. Hiebaum die Stücke nicht wie einst mit nicht trommelbaren Rhythmus-Konstrukten überfrachtete. Zwar klingt das Ganze - das nur mit Vorsicht als Black Metal bezeichnet werden kann - immer noch sehr künstlich und patschen vor allem die Becken, paßt es doch besser zu den Strukturen der Songs. Diese wiederum sind auf „Scattered ...“ nicht mehr nur elendig durchschnittlich. Mit „Inanimated Frames“ ist der Band zum Beispiel ein durchaus dramatisches und mit interessanten Wendungen aufwartendes Stück gelungen. Auch „Flashing Turmoil“ weiß in seiner tragenden Art zu gefallen. Hier macht allerdings der bereits erwähnte miese Becken-Klang vieles kaputt. Auch kann Alexander K. Hiebaum an dieser Stelle ein übermotiviertes Programming nicht ganz abgesprochen werden.
Offenbar ist man sich in der Band noch nicht im Klaren, wie die angedachte Stilistik optimal umgesetzt werden kann, denn im Ansatz ist ja einiges vorhanden. Diese Unentschlossenheit kommt auch im Cover-Artwork zum Tragen. Während das gesamte Booklet mit herrlichen Landschaftsmalereien in Wasserfarben ausgestattet ist, ziert das Frontcover wie schon auf dem Debüt ein Landschafts-Foto. Warum? Weil man nun mal damit angefangen hat und es durchziehen will? Unsinn. Musik, Texte und Cover sollten doch stimmig sein. Und da hätte eine dieser Malereien weit mehr hergemacht, als dieses Reise-Prospekt-Foto.
Fazit: NERTHUS probieren immer noch, fangen aber langsam an, interessant zu werden. 
„Inanimated Frames“

JUB

MESSIAH’S KISS „Prayer For The Dying“ 8
Steamhammer/SPV, 2002

Messiah's Kiss - Prayer For The Dying

Die armen alten Herren, könnte man meinen, wenn man weiß, daß die Musiker von MESSIAH’S KISS es bereits seit 1986 mit einer Band namens Repression versuchten, bis 1998 vier Alben aufnahmen aber nie etwas rissen. Da ist es nur allzu verständlich, wenn sie sagen: „Wir machen das, was wir lieben und ohne Zweifel auch am besten können: klassischen Heavy Metal.“ Noch so eine Nichtkönner-Truppe, die versucht, auf der noch anhaltenden Metal-Welle mitzureiten?
Oh, weit gefehlt. Wenn die Repression-Sachen nur halb so gut sind wie das MESSIAH’S KISS-Zeug, lohnt es sich, ein Ohr zu riskieren. Denn „Prayer For The Dying“ bietet Heavy Metal im 80er-Jahre-Stil auf höchstem Niveau. Obendrein kaschten sich die vier Deutschen einen us-amerikanischen Sänger namens Mike Tirelli (Holy Mother, Burning Star), der manchmal wie ein zorniger Ronnie James Dio klingt, dabei aber stimmlich weitaus variabler zu Werke geht.
Und MESSIAH’S KISS offenbaren in jeder Note, wodurch sie geprägt wurden. Nehmen wie nur das Riff in „Blood, Sweat & Tears“, das in bester Saxon-Manier endlos wiederholt wird. Kann es auch ruhig, denn an solchen Banging-Drogen kann man sich gar nicht satt hören. 
Leider erleidet die Scheibe ab „Night Comes Down“ eine kleine Reifen-Panne. „Mortal Sin“, „Final Warning“ und „Pride & Glory“ sind sicher immer noch besser als das, was die meisten Retro-Metal-Kapellen heutzutage bieten, kommt aber längst nicht mehr so leichtfüßig daher, wie das andere Material. 
Das Finale mit „Blood Of The Kings“ stimmt dann wieder versöhnlich. Das Stück ist eine echte Hymne. Hoffentlich war dies keine Eintagsfliege und MESSIAH’S KISS bleibt uns erhalten.
„Blood, Sweat & Tears“

JUB

SENTENCED „The Cold White Light“ 10
Century Media/Magic Arts Publ., 2002

Sentenced - The Cold White Light

Willkommen zum Friedhof-Spaziergang. SENTENCED laden ein. Mit „Down“ (1996) taten sie einst alles, damit wir uns so richtig mies fühlten. „Frozen“ (1998) ließ uns das Blut in den Adern gefrieren. Und wer sich nicht spätestens bei „Crimson“ (2000) die Kugel gegeben hat, der bekommt jetzt mit „The Cold White Light“ eine letzte Chance, dem profanen Dasein zu entsagen.
Schon bei „Cross My Heart And Hope To Die“ mit seiner zu Tränen rührenden Melodie und den Brachial-Gitarren ist man hoffnungslos in den Bann der Musik gezogen. „Brief Is The Light“ läßt da nicht locker. Beinahe unglaublich, wie eine herzzerreißende Akustik-Gitarre trotz Metal-Bollwerk diesem Lied wohlige Wärme einhaucht. So fühlt es sich an, wenn Blut über Deinen Leib fließt.
„Brief Is The Light“
Und da soll es doch ein Tuscheln zwischen den Gräbern geben, SENTENCED hätten etwas von den Pseudo-Zombies HIM. Abgesehen davon, daß es definitiv die Band der beiden Gitarristen Miika Tenkula und Sami Lopakka war, die diese schaurig schöne Musik populär machte, trennen die beiden Finnen-Exporte Welten. Während Ville Vallo zu liebreizendem Keyboard-Schwulst ein Rose bricht und Tränen ob der gegangenen Liebe vergießt, geben sich die SENTENCED-Burschen mit dem irdenen Diesseits nur gezwungenermaßen ab, um die Schwelle zum ewigen Schlaf um so deutlicher herauszuheben.  Dabei sind sie laut und rüde. „Ruhe sanft“ wird hier zu einer Wort-Karrikatur.
„Neverlasting“
Und gäbe es auf „The Cold White Light“ keine Ballade, wäre die CD unfertig. So steht „Everything Is Nothing“ nach der Hälfte des Gangs durch das Gräberfeld an genau der richtigen Stelle. Doch selbst der in ein Korsett zwingende Begriff „Ballade“ bringt die Gitarren nicht zum Schweigen. Nicht einmal leiser werden sie. Mit einer unsäglichen Schwere machen sie den Song zu einem Trauermarsch, der mit dem Herabsenken des Sargs in das endlos tiefe Grab endet.
Und daß sogar die Selbsttötung ein Thema voller Facetten ist und vermutlich auch noch auf den nächsten zehn (in stiller Hoffnung, daß es noch so viele werden mögen) Alben abwechslungsreich behandelt werden kann, zeigt das Stück „Excuse Me While I Kill Myself“. Humor ist, wenn man trotzdem lacht.
„Excuse Me While I Kill Myself“
Die tödliche Einsamkeit des Individuums wird schließlich in „You Are The One“ und „The Luxury Of A Grave“ perfektioniert, um bei „No One There“ geradezu schmerzlich empfunden zu werden. Und für das Ende dieses Songs ist die schauerlichste Gänsehaut seit Friedkins „Exorcist“ garantiert.
Dieses Album macht jeden Tag zu einem guten Tag zum Sterben. 

JUB

DEAD EMOTIONS „Gates To The Unseen“ 5
Eigenprod, 2000

Dead Emotions - Gates To The Unseen

Bei „Gates To The Unseen“ von DEAD EMOTIONS liegen Licht und Schatten dermaßen dicht beieinander, daß sogar Dinge, die für die Band sprechen, im nächsten Moment schon wieder ein Problem nach sich ziehen. Dabei ist speziell die Tatsache gemeint, daß es sich bei der Musik von DEAD EMOTIONS offenbar um ein Kopfprodukt handelt. Deutlich ist zu vernehmen, daß sich die Musiker redliche Mühe gegeben haben, bei den Kompositionen und den Arrangements nichts dem Zufall zu überlassen. Jede einzelne Passage wirkt bedeutungsschwanger. Allerdings passen nicht in jedem Fall die einzeln aneinander gefügten Elemente auch wirklich zusammen. Manchmal – wie in „Dark Desire“ - stehen sich die unterschiedlichen Ideen gegenseitig im Weg.
DEAD EMOTIONS frönen einer äußerst düsteren Form des Death Metal. Die Stücke passieren meist im Midtempo- oder Doom-Bereich, haben ganz dezente Schweden-Anleihen. Jedoch offenbaren die Songs durchaus ein Manko beim Erfinden von Gesangsmelodien. Auf „Gates Of Unseen“ wird in erster Linie gesprochen, und wenn die Grunts von Manuel Selmer erklingen, bleiben sie häufig auf einer Ebene oder klettern banal die Tonleiter hinab („Zu Asche mein Haupt“). Bedenklich wird es, wenn die Münchener im Refrain von „Leidenschaft in Rot“ keinen besseren Einfall hatten, als die Zeilen „Schwarz die Nacht, Schwarz der Mond, Schwarz der Tod, Leidenschaft in Rot“ rhythmisch wie „Du bist Skinhead, Du bist stolz, Du bist Skinhead, schrei’s heraus“ (Böhse Onkelz) zu singen. Wobei es hier nicht um den Inhalt geht. Vielmehr gehen die zum Teil äußerst primitiven Gesangslinien mit der um Abwechslung bemühten Instrumentalmusik nicht einher.
Gelungener sind da „The Gates To The Unseen“, wo es aber wieder beim cleanen Gesang hapert, und „Silence Of My Damned Soul“.
Nun, diese CD ist laut Bandinfo gut zwei Jahre alt. Interessant wäre hier gewiß mal zu hören, was sich bei DEAD EMOTIONS getan hat. Den Jungs täte es garantiert gut, würden sie ihr Zeug etwas mehr Spontaneität zugestehen, quasi bißchen mehr aus dem Bauch heraus.
„Dark Desire“

JUB

FREEDOM CALL „Eternity“ 8
Steamhammer/SPV/CBH, 2002

Freedom Call - Eternity

FREEDOM CALL bleiben sich auf ihrem dritten Longplayer treu. „Eternity“ bietet genau wie seine Vorgänger helloweensche „Keeper“-Refrain-Melodien, Chor-Bombast, Hymnisches, speedige Melodic-Kracher und Romantisches. Der schon auf „Crystal Empire“ voll ausgereizte Bombast wurde nicht ins Unermeßliche getrieben. Eher hat man den Eindruck, daß das ein oder andere doch wieder urwüchsiger klingt. Das Songwriting ist erneut perfekt. Allerdings haben sich FREEDOM CALL mit „Ages Of Power“ die Meßlatte selbst dermaßen hoch gelegt, daß einige der anderen Stücke dagegen einfach nur abfallen können, ohne dabei aber wirklich schlecht zu sein. Allerdings ist zum Beispiel „The Eye Of The World“ einfach zu simpel gestrickt. „Flying High“ und „Warriors“ hingegen machen mächtig Alarm. Der Balladen-Versuch „Bleeding Heart“ ist nicht schlecht gelungen und „Turn Back Time“ steht trotz seines folkigen Anflugs den Melodic Speed Metallern nicht schlecht zu Gesicht.
FREEDOM CALL-Fans werden begeistert sein. Auch Anhänger des Rhapsody/Stratovarius/Edguy-Lagers können sich in „Eternity“ genüßlich aalen.
„Ages Of Power“

JUB

ONWARD „Reawaken“ 8
Century Media/Magic Arts Publ., 2002

Onward - Reawaken

Old School-Metaller - und hier meine ich besonders jene, die auf die 80er schwören - werden vor Verzückung quietschen, wenn ihnen die zweite ONWARD-Scheibe „Reawaken“ in die Hände fällt. Jung-Metal-Freaks hingegen dürften in der Masse über die Songs dieser CD die Nase rümpfen oder zumindest einige Durchläufe benötigen, bevor ihnen ein Licht aufgeht.
ONWARD kommen uns nämlich mit jener Mischung, wie sie in den Staaten zu einer Zeit in Mode war, als die großen Thrash Metal-Bands langsam dem Underground entschlüpften. Eine Zeit, als eine Reihe Heavy Metal-Bands dem Zeitgeist vertrauten, ihre Gitarren schärften, das Tempo erhöhten. ONWARD verpassen dem Ganzen noch einen Schuß Progressive Metal und klingen dadurch hin und wieder wie Omen, offenbaren Song-Strukturen, wie sie Sanctuary entwickelten. Und Sänger Michael Grant gibt mit seiner Stimme eine Prise October 31 hinzu. Und zuguterletzt erahnt man bei dem Stück „Clockwork Toy“ gar noch die guten alten Raven als Paten-Onkels.
Bei all diesen Referenzen sei darauf aufmerksam gemacht, daß ONWARD trotz allem die Band eines Gitarren-Helden ist. Toby Knapp heißt der Gute. Allerdings ist er keiner von den spleenigen Musikern, die ihre Kunst eigentlich nur Musikern darbieten. Seine Fähigkeiten kommen zwar auch in exzellenten Soli zur Geltung, werden aber vor allen Dingen durch Rhythmus-Gitarren-Raffinessen deutlich. 
Am Ende der CD gibt es dann mit dem Stück „The Next Triumph“ einen fast zehnminütigen Zweiteiler, der tatsächlich zum Höhepunkt des Albums wird. Eingeleitet durch die Ballade „I. Rememberance“ entwickelt sich mit „II. Reawakening“ ein Midtempo-Kracher mit herrlichen Melodie-Linien und Synchron-Gitarren-Soli. Und schließlich bemerkt man bei diesem Stück, was einem unter Umständen auf der CD hier und da nicht behagte: Toby Knapp hätte manchmal durchaus gefälliger, weniger angestrengt zu Werke gehen können. Die Songs hätten es auf jeden Fall hergegeben.
„Where Evil Follows“

JUB
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