"Geschenke" vom 04. Januar 2005

PAIN OF SALVATION
"Be"
Erschienen: 2004
Label: Inside Out
Homepage: www.painofsalvation.com
PAIN OF SALVATION - Be On Air: "Pluvius Aestivus"/"Lilium Cruentus"
"Ich betrachte die Geschichte von ,Be' als ein modernes Märchen über die Entstehungsgeschichte des Lebens. Es geht dabei um die Menschheit, um Gott und um unser Verhältnis zu Glauben und Wissenschaft. Die wichtigste aller Fragen ist: Wie hängt eigentlich alles miteinander zusammen? Die Wissenschaft gibt uns diesbezüglich zwar einige Hinweise, unterschiedliche Religionen ebenso, aber trotzdem sind wir nicht dazu in der Lage, das gesamte System von Leben und Gefühlen wirklich zu verstehen. Als Teil des Systems sind wir unfähig, es in seiner Gesamtheit von außen zu überblicken." Da hat PAIN-OF-SALVATION-Boß Daniel Gildenlöw aber ausgeholt. Über dieses Thema kann man sicher eine Doktorarbeit schreiben. Ist das aber etwas für eine Platte? Wem diese Erläuterungen des Sängers zu hochgestochen sind, dem sei von dem Album "Be" dringendst abgeraten. Denn PAIN OF SALVATION wollten eigentlich eine wissenschaftliche Studie erarbeiten, haben dann aber doch lieber Musik gemacht. Und somit ist "Be" eine Kopftgeburt geworden, wo sich die Brut aus Augen, Ohren und Nasen zwängte, daß man bei der bloßen Vorstellung schreien möchte. Prog Rock muß vielleicht manchmal so sein, ist im Falle von PAIN OF SALVATION aber sowas von Geschmacksache ...
Wem es aber gar nicht abwechslungsreich genug sein kann, dem sei dieses Album mit klassischen Parts, Weltmusikanklängen, Heavy Rock, Jazz, Pop und und und wärmstens ans Herz gelegt. Hier möchte man garantiert nicht mitwippen, sondern nur hören. Und wenn schon kunterbunter Stilmix, dann haben sich PAIN OF SALVATION wenigstens keinen Brei angerührt, der die Songs unerträglich macht, sondern jedes Lied für sich ist auch ein solches. 6 von 10
JUB

TYRAX
"War In Heaven"
Erschienen: 2002
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.tyrax.de.cx
TYRAX - War In Heaven On Air: "War In Heaven"
Nicht mehr ganz so taufrisch ist der Longplayer der süddeutschen Band TYRAX, doch klasse ist er alle Male. TYRAX fabrizieren einen Bastard aus Thrash Metal und Death Metal mit Schwergewicht auf ersterer Kategorie. Da die Band nicht nur an ihren Instrumenten äußerst fit ist, sondern auch in kompositorischer Hinsicht einiges zu bieten hat, tummeln sich auf "War In Heaven" ohrwurmverdächtige Songs wie etwa "Vampires Destiny". Das Stück erfährt über die Spielzeit hinweg eine permanente Geschwindigkeitssteigerung. Dadurch kommt der Refrain immer besser zur Geltung und setzt sich unabwendbar im Kopf fest. Auch der Kontrast zwischen dem Hammer "Fit Of Rage" und der akustischen Zupferei "Infinite" ist clever gewählt. Der Titelsong sowie "Hate Angel (The Final Conflict)" knallen mit Stil zwischen die Augen, so daß ich "War In Heaven" von Durchlauf zu Durchlauf immer besser finde. Leiht der Band ruhig mal ein Ohr, es lohnt sich. 8 von 10
THOMAS

KRISIUN
"Bloodshed"
Erschienen: 2004
Label: Century Media/Edition Drakkar BMG
Homepage: www.krisiun.com.br
KRISIUN - Bloodshed On Air: "Ominous"
Als Vorwand, mal wieder auf Tour gehen zu können, veröffentlicht das brasilianische Abrißkommando KRISIUN eine "Special Price-CD" mit acht neuen Songs sowie vier Stücken von der mittlerweile sehr raren "Unmerciful Order"-EP aus dem Jahr 1993. Die alten Songs sind in ihrer Originalfassung belassen worden und zeigen KRISIUN wie man sie kennt. Maschinengewehr-ähnliches Schlagzeug, bei dem die Snare alles an kompositorischer Struktur in Grund und Boden hackt. Sowie kreischende, flirrende Lead-Gitarren, in mörderischer Geschwindigkeit gespielt. Was für ein Massaker. Die neuen Stücke sind nicht minder brutal, doch hier wird nicht auf Geschwindigkeit als einzigen Trumpf gesetzt. Denn hier kann man, kurioserweise, die Stücke von einander unterscheiden. KRISIUN sind schon vor einiger Zeit an der Grenze des physisch Machbaren angekommen und mußten sich musikalisch umorientieren. So hat auch hier Gevatter Groove seinen Einzug gehalten. Klar, KRISIUN sind noch immer ein Garant für halsbrecherische Geschwindigkeitsattacken, doch wissen die Brüder diese besser und effektiver einzusetzen. Auch wenn das Songwriting hier und da noch immer einige Rätsel aufgibt, als KRISIUN-Fan bekommt man auf "Bloodshed" für wenig Geld viel geboten.7 von 10
THOMAS

EISREGEN
"Wundwasser"
Erschienen: 2004
Label: Massacre Rec.
Homepage: www.fleischhaus.de
EISREGEN - Wundwasser On Air: "Ripper von Rostow"
Heute schon das "R" gerrrollt? Die Thüringer Rammstein-Fans kommen mit "Wurstwasser" ;-), ihrer neuen Scheibe daher und wollen allen "selbsternannten Moralaposteln" (Presseinfo zur Scheibe) ans Bein pinkeln. Na fein. Sagen wir mal so: Wer EISREGEN mag, wird auch die neue Scheibe lieben. Wer die Band aber schon immer nicht leiden konnte, dem wird auch hier wieder genug Angriffsfläche geboten. Die Texte erinnern einmal mehr an morbide Kinderabzählreime, die mitunter vor Infantilität nur so strotzen, daß man, von Peinlichkeit berührt, zusammenzuckt. Vor allem, wenn dabei das "R" so schön gerollt wird. Doch es ist manchmal auch die Musik, die einem das Schmunzeln ins Gesicht treibt. Durchschnittlicher Thrash/Death Metal wird hier und da von absolut unpassenden oder gar lächerlichen Geräuschen durchzogen, wie etwa im schnellen Teil von "Blutgeil". Was ist denn nun das Besondere an EISREGEN? Daß sie besonders kranke Texte schreiben? Nun, beinahe jede Death-Metal-Band schreibt mindestens genauso geartete Lyrik, nur daß diese in englisch vorgetragen wird. Sind EISREGEN deswegen provokanter, weil sie, genau wie alle anderen Bands, Texte über Serienmörder, Lebensüberdruß und Tod im Allgemeinen schreiben und man diese nur nicht übersetzen muß? Ich finde nicht. Denn hier zeigt sich, daß gewollte Geschmacklosigkeit und unfreiwillige Peinlichkeit dicht beieinander liegen. 2 von 10
THOMAS

DRITTE WAHL
"Tooth For Tooth"
Erschienen: 2004
Label: Dritte Wahl Rec./Soulfood
Homepage: www.dritte-wahl.de
DRITTE WAHL - Tooth For Tooth On Air: "Hold Me Tight"
Das aktuelle DRITTE-WAHL-Album ist für den Fan eher die Kür als die Pflicht. Hierbei handelt es sich um Neueinspielungen alter Gassenhauer der Rostocker Punks, sowie einen Haufen Songs der "Halt Mich Fest"-LP aus dem Jahr 2001. Auf dieser Scheibe haben die Drei ihre Texte gänzlich in englisch vorgetragen. Über Sinn und Unsinn ließe sich hier trefflich streiten. Denn unter den zwölf Liedern ist kein einziges Neues. Der Sound ist etwas roher als auf den Original-Scheiben, doch das steht den Punks gut zu Gesicht. "Tooth For Tooth" läßt sich gut am Stück weghören, ist aber dennoch im Grunde überflüssig. Zumindest für den, der schon alle Scheiben der Band im Schrank hat. Wie gesagt, mehr Kür als Pflicht. 5 von 10
THOMAS

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