An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 04. März 2003


EDENBRIDGE "Aphelion" 8
Massacre Rec/Soulfood, 2003

Edenbridge - Aphelion

Album Nummer drei der Linzer Band um Sabine Edelsbacher und Gitarrist Lanvall. Mit "Aphelion" konnten die Österreicher ihren mit der Vorgängerscheibe auferlegten Qualitätsstandard aufrechterhalten und so gibt es auch im Jahre 2003 Melodien an allen Ecken und Enden. Und das Gute daran ist, daß diese nicht nach tausendmal gehört klingen und sich deswegen konkurrenzfrei entfalten können. Das Spiel Lanvalls ist wahrlich traumhaft. Mit mal schwermütigen, mal leichtfüßigen oder heavy Läufen versehen, verkommt die Musik nie zu einem nebensächlichen Fundament unter der Stimme, sondern bietet Fräulein Edelsbacher stets die Stirn. "Aphelion" ist wahrlich keine Alltagsmusik. Eher ein hochwertiger Soundtrack zur Kopulation. Jetzt aber Licht aus!
"Where Silence Has Lease"

THOMAS

ELEGY „Principles Of Pain“ 9
Locomotive, 2002

Elegy - Principles Of Pain

Die Progressiv-Szene in Europa ist beachtlicher, als der Laie zu vermuten wagt. Fans dieser Musik werden ihren CD-Schrank natürlich voll haben mit den Protagonisten aus Skandinavien, mit britischen Bands wie Threshold, Arena, Pallas oder Marillion. Aber auch das Festland hat einiges zu bieten. In Deutschland gibt es da eine Menge zu entdecken, aber auch unsere holländischen Nachbarn haben unter anderem mit ELEGY ein echtes Flaggschiff am Start. Diese Band existiert schon seit 1986. Und ich weiß nicht, ob es diese langjährige Erfahrung ist, die diese Band Songs auf solch extrem hohen Niveau fabrizieren läßt.
Das aktuelle Album „Principles Of Pain“ ist in jeder Note Heavy Metal. Es drückt an allen Ecken und Enden und meist machen ELEGY richtig Alarm. So ist „No Code No Honour“ eine echte Speed Power Metal-Nummer. Auch die anderen Stücke sind zuallererst eingängige Songs mit zum Teil einzigartigen Refrain-Melodien. Und doch ist der Progressiv-Anteil enorm. ELEGY sind wahre Meister der bizarren Rhythmen, die bei aller Verschachtelung immer nahezu elegant in das Song-Konzept eingegliedert werden.
Gewöhnungsbedürftig ist unter Umständen die Stimme von Sänger Ian Parry, die aber schon nach zwei, drei Songs ihren Zauber entfaltet und zur ELEGY-Musik paßt wie der Arsch auf den Eimer.
Und schließlich: Wenn Ihr Euch die „Principle Of Pain“ zulegt, dann rechnet mit einer Achterbahnfahrt. Abwechslung wird bei den Holländern nämlich ganz groß geschrieben. Das Progressiv-Herz wird hier genauso hüpfen wie die Matte des Die Hard-Metallers wedeln wird.
„The Inner Room“

JUB

DRECKSAU "Winter" 3
Eigenproduktion, 2001

Drecksau - Winter

Ein neues Lebenszeichen aus dem Hause DRECKSAU ist deren CD "Winter". Wie gewohnt ist die Musik sehr doomig und schwer. Der Gitarrensound wiegt mindestens eine Tonne. Sänger und Gitarrist Scherer versucht seiner Klampfe in punkto Schwere mit der Stimme zu folgen. Doch bleibt er auf der Hälfte des Weges stehen und klingt wie ein versoffener Bauarbeiter, dem der Stoff ausgeht. Will heißen, rüpelhaft aber kraftlos. Und das ist der Punkt der auch auf den Rest der Scheibe zutrifft. DRECKSAU verfügen über einen Haufen Energie, die, wohleingesetzt, die Boxen bersten lassen könnte, machen daraus im Endeffekt aber sehr wenig, denn die bewußt primitive Ausrichtung der sechs Titel wirkt eher nachteilig auf die Brutalität der Songs. So brummelt es vor sich hin, ohne Schädel zu spalten. Dabei meine ich nicht, daß eine progressivere Ausrichtung im DRECKSAU-Sound von Nöten wäre. Nein, aber packendere Riffs und prägnantere Refrains würden bei den Nürnbergern nicht von Nachteil sein. Zumindest bei mir walzen DRECKSAU zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus. www.drecksau.net
"General Slocum"

THOMAS

STRINGFACE „Soultrash“ 10 (Bands Battle-Band 2003)
Eigenproduktion, 2002

Stringface - Soultrash

Als deutsche Soldaten im Ersten Weltkrieg zum ersten Mal britische Tanks auf sich zu rollen sahen, den Motoren-Lärm vernahmen und obendrein aus den Stahl-Kolossen unter Beschuß genommen wurden, dürften sie sich einer Wucht gegenüber gesehen haben, der sie nichts entgegensetzen zu können glaubten. Benötigte man für diese Situation einen Soundtrack, wären „Right Or Wrong“ und „King Of Lies“ von STRINGFACE die passende Musik dazu. Die Gitarren-Attacken von Ralf Langer walzen alles nieder, seine Stimme donnert einem entgegen, daß man glaubt, sich ducken zu müssen. Markus Lutz erschafft mit seinem Baß einen zwingenden Groove, der von Markus Mayers Schlagzeugspiel zu einem Gewitter inmitten eines Infernos gemacht wird. Selbst die Ballade „Depression“ haut immer noch voll in die Fresse, nachdem uns erst einmal der wohlige Schauer auf eine falsche Fährte gelockt hat.
STRINGFACE sind eine außergewöhnliche Band. Ihre Musik entzieht sich einem strikten Schubladen-Denken, irrt dabei aber nicht ziellos zwischen den Genres umher. Vielmehr sind Elemente aus Thrash, Death und New Metal so miteinander verwoben, daß ungelogen irgendwie etwas Neues entstand, das vor allem unendlich brutal und aggressiv ist. Diese Band, die mit ihrem zweiten Album „Soultrash“ immer noch ohne Plattendeal ist, ist der beste Beweis dafür, daß diese so heiß begehrten Deals weder Glückssache sind, noch vom Sachverstand der Label-Leute abhängen.
Solange es aber Bands wie STRINGFACE gibt, muß es uns um die Zukunft des deutschen Heavy Metals nicht bange sein. Auch wenn die goldenen Zeiten der harten Zunft allmählich schwinden und wir uns mal wieder ein Jahrzehnt lang im absoluten Underground herumschlagen müssen.  www.stringface.de
"Right Or Wrong"/"Blood Of Suicide"/"Depression"

JUB

ICED EARTH "Tribute To The Gods" 7
Century Media/Magic Arts Publ., 2002

Iced Earth - Tribute To The Gods

So langsam fehlen mir die Worte, was die Veröffentlichungspolitik der Band/des Labels anbelangt. 2001 der letzte reguläre Longplayer "Horrorshow", im selben Jahr dann das 5-CD-Boxset "Dark Genesis", welches die ersten fünf Scheiben der Amis enthält. Natürlich in einer remasterten Form. 2002 kamen dann die ersten drei Alben remixed und remastert nochmal seperat heraus. Das sind fünf verschiedene Artikel in zwei Jahren. Dazu gesellt sich auch noch die mit "Tribute To The Gods" betitelte CD, auf der ausschließlich Coverversionen zu hören sind. Naja, Ihr werdet schon wissen, was Ihr davon wirklich braucht. Nun aber zu "Tribute To The Gods".
Erstens, der Name ist Programm. Es sind wahrlich Gottbands, denen gehuldigt wird: Kiss ("Creatures Of The Night", "God Of Thunder"), Iron Maiden ("The Number Of The Beast", "Hallowed Be Thy Name"), AC/DC ("Highway To Hell", "It's A Long Way To The Top"), Blue Oyster Cult ("Burnin' For You", "Cities On Flame"), Judas Priest ("Screaming For Vengeance"), Alice Cooper ("Dead Babies") und Black Sabbath ("Black Sabbath"). Zweitens, nahezu alle Versionen sind 1:1 ans Original angelehnt. Doch Matthew Barlow schafft es, mit seiner Stimme den Coverversionen den Spirit der Originale sorgsam zu entziehen und mit seiner eigenen Identität aufzufüllen. Paradebeispiel "Dead Babies". Nachteil bei der ganzen Sache aber ist die Tatsache, daß einige Titel schon unerträglich oft zu Cover-Ehren gelangten und neue Versionen einfach nur noch nerven ("Black Sabbath", "Highway To Hell"). Wer noch nicht genug ICED EARTH-Scheiben zu Hause im Schrank zu stehen hat, kann sich "Tribute To The Gods" ruhig zulegen, denn Spaß macht die CD allemale.
"Creatures Of The Night"/"Burnin' For You"

THOMAS

LAST TRIBE „Witch Dance“ 7
Frontiers/Now&Then/XIII BIS/Point, 2002

Last Tribe - Witch Dance

LAST TRIBE sind hochmotiviert, gestandene Musiker, die ihr Metier vollends verstehen. Obendrein dürfte diese schwedische Band im Power Metal-Genre in der oberen Qualitäts-Liga mitspielen. Und doch - es gibt aus dieser CD einfach zu viele Momente, die an meinem Ohr vorbeiplätschern. Nun gut. Da gibt es hin und wieder echt gute Riff-Ideen, macht Magnus Karlsson uns immer wieder mal den von einer Tarantel gestochenen Yngwie Malmsteen, sind durchaus Melodien zu entdecken, die sich ins Ohr zu schmeicheln scheinen. Im Großen und Ganzen sind die Essenzen der LAST TRIBE-Musik allerdings zu berechenbar. Überrascht wird man eigentlich nirgends. Auch die Songs könnte man gut und gerne auf eine Reihe von Scheiben anderer großer Power Metal-Acts verteilen. Im Kosmos der Power Metal-Szene (wenn es die im Speziellen überhaupt gibt) wird LAST TRIBE - wie eingangs erwähnt - durchaus hell leuchten. Im genreübergreifenden Heavy Metal könnte man diese Band trotz toller Referenz-Kapellen (Flower Kings, Arch Enemy, In Flames, Midnight Sun) schon mal überhören. 
„Wake Up The World“

JUB

ZONATA "Buried Alive" 6
Century Media/Magic Arts Publ., 2002

Zonata - Buried Alive

Das dritte Album der Schweden ZONATA bietet während der gesamten Spielzeit wieder ein Sammelsurium an Galoppelriffs, Doublebassdrumrhythmus und Kopfstimmen. Jawoll, True Metal heißt der Marschbefehl, den Sänger und Keyboarder Johannes Nyberg ausgab. Dieser sei unbedingt einzuhalten, auch wenn ein paar gute unschuldige Ideen dabei zu Tode kommen. So sprachs der Kommandant und legte gleich ein paar Kai Hansen zur Ehre reichende Gesangsmelodien vor, die seine, immerhin schon durch zwei Studioplatten ausgebildeten, Soldaten solide untermauern. Doch obwohl der Einsatz erfolgreich war, werden ZONATA die Kabinettstückchen der großen Generäle Gamma Ray oder Rhapsody (noch) nicht erreichen.
"Unleashed"

THOMAS

OSH „Red Universe“ 8 (Bands Battle-Band 2003)
Eigenproduktion, 2002

Osh - Red Universe

Das Prinzip von OSH ist Respektlosigkeit. Denn verbohrte Heavy Metal-Fans, die nur eine Spielart akzeptieren (vor allem im Death Metal und bei der True Metal-Fraktion soll es da ein paar ganz sture Exemplare geben), sind bei OSH in der Hölle. Was die vier Verrückten aus Reher auf ihrer zweiten CD „Red Universe“ zusammengetragen haben, läßt sämtliche Korsetts platzen. Natürlich ist Heavy Metal das Grundgerüst, das alles verbindet. Mal klingt die Band poltrig wie die ganz frühen Venom („Schreispiegel“), hat mal etwas von Motörhead oder bietet uns (vielleicht ungewollt) eine völlig kaputte Savatage-Parodie („For Me“). Dazu erlaubt sich OSH ein Perkussions-Gemalle, als würde die Trommel-Gruppe des Hottentotten Historical National Ensemble aufgefahren („Wilderness“). Schließlich ist es dann fast logisch, daß auf „Red Universe“ auch immer wieder ein paar jazzige Momente in die einzelnen Songs springen. Wenn das die Band selbst alles zusammen progressiv nennt, liegt sie damit durchaus richtig, denn ein Ausbruch aus konventioneller Musizierweise ist das hier allemal. Auch der selbstgewählte Begriff Grind Rock liegt nicht daneben, denn die Herangehensweise der Bandmitglieder an ihre Musik, dieses unbekümmerte drauflos Hämmern, das immer irgendwo zwischen Nonsens und künstlerisch motivierter Disharmonie liegt, ist im Grindcore längst Gang und Gäbe. Bei OSH bekommt das Ganze einen Pop Appeal-Anstrich, verstecken sich auf „Red Universe“ doch jede Menge Melodien, die einem wie Werbespot-Jingles  zu den unmöglichsten Gelegenheiten einfallen.
„Schreispiegel“

JUB

BEINHAUS "Das Wort muß eine Waffe sein" 2
Die letzte Konsequenz/ Endzeit Prod., 2000

Beinhaus - Das Wort muß eine Waffe sein

Sequenzer, Samples, Schlagwerke aus Altmetall und eine mit Effekten unterlegte Stimme sind die Zutaten, die BEINHAUS benötigen, um ihre eigenwillige Musik zu spielen.
Klingt wie ein vertonter Hilfeschrei eines im Maschinenraum eingesperrten Anlagenbauers, als er dabei war, das Scheißding zu reparieren. Doch irgendwie rumpelt die Maschine noch komischer als vorher. Das fand sein Polier gar nicht komisch und läßt ihn nun solange schmoren, bis der Schaden behoben ist. Zähneknirschend macht er sich ans Werk. Es dauert noch 38 Minuten, bis der Kasten völlig den Arsch hochreißt und der Hörer erlöst ist. BEINHAUS ist also eine Mischung aus Betonverdichtungsmaschine, Handhebelschere, den Pro7-Spätnachichten, alter Schmiedehandwerkskunst und Besteckputzen. Entweder man liebt es oder man haßt es. Tja lieben kann ich dieses Kauderwelsch nicht.
"Kein Verlust"

THOMAS

RED HARVEST „Sick Transit Gloria Mundi“ 4
Nocturnal Art Prod./Eclipse, 2002

Red Harvest - Sick Transit Gloria Mundi

Man kann alt werden wie ein Elefant und wird trotzdem nicht schlauer. Für die Norweger RED HARVEST dürfte dies definitiv zutreffen. Seit 1989 existiert die Band, veröffentlichte eine Reihe von CDs und MCDs, hatte mit „Cold Dark Matter“ 2000 ein durchaus brutales und interessantes Industrial-Machwerk am Start. Jetzt, zwei Jahre später, sieht es mit „Sick Transit Gloria Mundi“ nicht mehr so rosig aus. Denn diese Scheibe klingt wie das Machwerk einer Death Metal-Band, die ihren Ideen-Mangel mit einem Industrial-Tarnmantel zu verbergen sucht. Da werden in monotonster Art und Weise Death-Riffs heruntergeschrubbt, die ganz ganz selten Abwechslung erfahren. Immer wieder flüsterschreit Ofu Kahn seine Botschaften in die Songs, denen man meist nach den ersten Klängen kaum noch folgt, weil sie wie zum Beispiel „Dead“ tödlich langweilig sind. Mit „Dead Men Don’t Rape“ und „WeltSchmertz“ am Ende der CD versuchen RED HARVEST der ganzen Sache noch einen Farbtupfer zu verleihen, an dieser Stelle interessiert das aber kaum noch jemanden.
„Dead“

JUB

WEYLAND "The Path Of Universal Speech" 7 (Bands Battle-Band 2003)
Eigenproduktion

Weyland - The Path Of Universal Speech

Hat man sich erst einmal an den etwas eigenartigen Sound der Scheibe gewöhnt, merkt man schnell, daß die Nordlichter von WEYLAND schon länger in der Musikszene aktiv sind. Zumindest läßt der versierte Umgang der Musiker mit ihren Instrumenten diesen Schluß zu. So zünden die Riffs sehr schnell, und auch die Leadgitarren klingen sehr harmonisch zum Rest der Musik, die sich im Großraum Thrash/Death Metal ansiedelt. Sänger Jörn klingt streckenweise wie ein junger Mikael Stanne und hat viel Wut im Bauch. Geil. Auch Drummer Lars hat seine Hausaufgaben gemacht und spielt wie ein Profi, mal kreativ, mal garstigsten Blast. Mir gefällt die Viertrack-CD auf jeden Fall, und ich bin schon auf WEYLANDs Darbietung auf dem BANDS BATTLE 2003 gespannt. www.weylandweb.de.vu weyland-yutani@web.de
"I Am"

THOMAS

EVENFALL „Cumbersome“ 7
Century Media, 2002

Evenfall - Cumbersome

Tom Angelripper von Sodom hat es einmal auf den Punkt gebracht: Die klassische Heavy Metal-Besetzung ist für ihn das Trio, denn was braucht es mehr als Schlagzeug, Baß und Gitarre. Und einer von den Dreien wird schon brüllen können. Schließlich ist da noch der Fakt, daß man sich am Ende die Gage nur durch drei teilen muß.
EVENFALL haben es da schon schwerer. Bei denen geht alles durch sieben, weil man alles auffährt, was heutzutage im metallischen Bereich so benutzt wird. Und das zweimal gleich im Doppelpack. Zwei Gitarren, Baß, Schlagzeug, Keyboard sowie Sänger und Sängerin. Das klingt verdammt nach Gothic, auch wenn sich der ein oder andere fragt, wozu braucht man da zwei Gitarren?
Nun, und Gothic scheint es im ersten Moment auch zu sein. Die ersten drei Songs der CD „Cumbersome“, in denen der gesangliche Hauptanteil eindeutig an Neuzugang Roberta Staccuneddu geht, sind unbestritten gothische Durchschnittskost. Allerdings wird durch „Entre dos tierras“, den Heroes Del Silencio-Hit, eine Wende markiert. Die CD wird außerordentlich abwechslungsreich. Und das nicht nur, weil Ansgar Zöschg mehr Gesangsparts übernimmt bzw. auch mal Davon Graves (Ex-Psychotic Waltz) mitröhrt. Allein „In Absentia Christi“ ist mit seinem Hang zum Melodic Death ein beredtes Beispiel für die musikalische Bandbreite der Band. Nun, und wenn es schon Ausflüge ins Death Metal-Genre gibt, kann man auch gleich den Black Metal streifen, was EVENFALL natürlich tun.
Laßt Euch also von dem Opener-Trio nicht beirren. Bei „Cumbersome“ macht es Sinn, vor dem Kauf mal durch die ganze CD zu zappen. Es kommt tatsächlich noch einiges Überraschendes auf Euch zu.
Interessant ist übrigens das Herkunftsland von EVENFALL. Die sind nämlich aus Italien. Nicht, daß das jetzt was Exotisches wäre, denn Italien hat sich zu einem der Länder mit einem der größten Bands-Aufkommen gemausert. Vielmehr erscheinen mir die Namen der Band-Mitglieder doch eher anderen Regionen entsprungen. Sängerin Roberta Staccuneddu würde ich in Rumänien ansiedeln, Ansgar Zöschg könnt' ein Tiroler sein, also noch gerade so Italien. Ivan D’Alia (g)? Okay, auch Italien. Max Boi (key) ist ein Allerweltsname. Aber Boban Milunovic (g), Melis Cakic (bg) und Viktor Ivanovic (dr) sind doch wohl Jugoslawen oder was? 
„Vangelis Mundi“ 

JUB

FINAL BREATH "Mind Explosion" 7
Nuclear Blast, 2002

Final Breath - Mind Explosion

Mit ihrer dritten Veröffentlichung "Mind Explosion" schafften es die deutschen Thrasher nun beim Branchenriesen Nuclear Blast zu landen. Hut ab! Doch nicht nur business-technisch hat sich bei FINAL BREATH viel getan. Auch musikalisch ist die Band gewachsen. Die noch auf der Debüt-Mini-CD vorhandenen Unstimmigkeiten und Rhythmusproblemchen gehören der Vergangenheit an, und auch in songschreiberischer Hinsicht hat sich einiges getan. So haben sich in die treibenden Thrash-Songs neckische Tempiwechsel eingeschlichen, und das ein oder andere Überraschungsmoment in Form von pfeilschnellen Leadgitarren ist zu vernehmen. Nicht selten erinnern FINAL BREATH an ihre Labelkollegen Raise Hell oder die wiedererstarkten Destruction, ohne die Bands allerdings auf dieselbe Stufe stellen zu wollen. Einzig die stakkattoartig zusammengesetzten Parts der Lieder, die einen stetigen Fluß der Scheibe Abbruch tun, wirken etwas deplatziert. Dennoch taten FINAL BREATH mit "Mind Explosion" mit Sicherheit einen Schritt nach vorn. Mal sehen wie die Jungs sich live gemausert haben. www.finalbreath.de
"Killed By Lust"

THOMAS

BEYOND THE EMBRACE „Against The Elements“ 6
Metal Blade, 2002

Beyond The Embrace

Ich möchte nicht wissen, wieviele Bands in Europa herumkrepeln, die genau die gleiche Musik wie BEYOND THE EMBRACE fabrizieren, von den Platten-Labels allerdings nicht einmal registriert werden würden, wenn sie bei „Wetten daß?“ aufträten. Da möchte man schon aus Amiland kommen, dann klappt’s sogar mit dem Debüt. Selbst wenn es eine Blaupause von Soilwork ist – übrigens, eine schwedische Band – und nicht der Hauch von Eigenständigkeit vernommen werden kann. Auch die In Flames (Schweden!)-Elemente und das bißchen Shadows Fall (ausnahmsweise aus den Staaten, aber extrem von den skandinavischen Melodic Death-Bands beeinflußt) retten die Platte nicht in Regionen der eigenen Identität.
Nichtsdestotrotz ist „Against The Elements“ eine gute CD, sind die Songs doch wirklich perfekt kopiert. Soilwork könnten das ein oder andere Stück nicht besser machen.
„The Bending Sea“ 

JUB

HOMO IRATUS "Knowledge... Their Enemy" 5
Arctic Music Group, 2002

Homo Iratus - Knowledge... Their Enemy

HOMO IRATUS sind die neuen Shooting Stars an Griechenlands Death Metal-Himmel. Mit ihrem groovigen, an eine Mischung aus Sepultura und Napalm Death erinnernden Metal haben sie den Vizepräsi und A&R Phil Fasciana der Legende nach so sehr beeindruckt, daß er sie umgehend unter Vertrag nahm, nachdem sie eine Show für des Präsis Band, Malevolent Creation, eröffneten. Soweit so gut. Fein aufgemacht ist die EP in jedem Fall: Klischeefreies, ausdrucksstarkes Cover, drei eigene Stücke, eine Coverversion von Sepulturas "Roots Bloody Roots" und gleich zwei Videoclips. Nur sind die Eigengewächse noch irgendwie recht identitätslos. "Protection Through Surveillance" klingt stark nach der mittneunziger Experimentierphase von Napalm Death. Bei "Tomahawk Cruise Messiah" sticht zwar der etwas kauzige Rhythmus hervor, ist ansonsten aber nur nett. Lediglich bei "Homo Sapiens?" wird die Abrißbirne gekonnt mit dem vielgepriesenen Groove gekreuzt. Mal sehen was eine vollständige Platte der Griechen bringt. Bis dahin gibts ersteinmal fünf Punkte. 
"Homo Sapiens?"

THOMAS
[vor][zurück]