EDENBRIDGE "Aphelion" 8
Massacre Rec/Soulfood, 2003
Album Nummer drei der Linzer Band
um Sabine Edelsbacher und Gitarrist Lanvall. Mit "Aphelion" konnten die
Österreicher ihren mit der Vorgängerscheibe auferlegten Qualitätsstandard
aufrechterhalten und so gibt es auch im Jahre 2003 Melodien an allen Ecken
und Enden. Und das Gute daran ist, daß diese nicht nach tausendmal
gehört klingen und sich deswegen konkurrenzfrei entfalten können.
Das Spiel Lanvalls ist wahrlich traumhaft. Mit mal schwermütigen,
mal leichtfüßigen oder heavy Läufen versehen, verkommt
die Musik nie zu einem nebensächlichen Fundament unter der Stimme,
sondern bietet Fräulein Edelsbacher stets die Stirn. "Aphelion" ist
wahrlich keine Alltagsmusik. Eher ein hochwertiger Soundtrack zur Kopulation.
Jetzt aber Licht aus!
"Where Silence Has Lease"
THOMAS
ELEGY „Principles Of Pain“
9
Locomotive, 2002
Die Progressiv-Szene in Europa ist
beachtlicher, als der Laie zu vermuten wagt. Fans dieser Musik werden ihren
CD-Schrank natürlich voll haben mit den Protagonisten aus Skandinavien,
mit britischen Bands wie Threshold, Arena, Pallas oder Marillion. Aber
auch das Festland hat einiges zu bieten. In Deutschland gibt es da eine
Menge zu entdecken, aber auch unsere holländischen Nachbarn haben
unter anderem mit ELEGY ein echtes Flaggschiff am Start. Diese Band existiert
schon seit 1986. Und ich weiß nicht, ob es diese langjährige
Erfahrung ist, die diese Band Songs auf solch extrem hohen Niveau fabrizieren
läßt.
Das aktuelle Album „Principles Of
Pain“ ist in jeder Note Heavy Metal. Es drückt an allen Ecken und
Enden und meist machen ELEGY richtig Alarm. So ist „No Code No Honour“
eine echte Speed Power Metal-Nummer. Auch die anderen Stücke sind
zuallererst eingängige Songs mit zum Teil einzigartigen Refrain-Melodien.
Und doch ist der Progressiv-Anteil enorm. ELEGY sind wahre Meister der
bizarren Rhythmen, die bei aller Verschachtelung immer nahezu elegant in
das Song-Konzept eingegliedert werden.
Gewöhnungsbedürftig ist
unter Umständen die Stimme von Sänger Ian Parry, die aber schon
nach zwei, drei Songs ihren Zauber entfaltet und zur ELEGY-Musik paßt
wie der Arsch auf den Eimer.
Und schließlich: Wenn Ihr
Euch die „Principle Of Pain“ zulegt, dann rechnet mit einer Achterbahnfahrt.
Abwechslung wird bei den Holländern nämlich ganz groß geschrieben.
Das Progressiv-Herz wird hier genauso hüpfen wie die Matte des Die
Hard-Metallers wedeln wird.
„The Inner Room“
JUB
DRECKSAU "Winter" 3
Eigenproduktion, 2001
Ein neues Lebenszeichen aus dem Hause
DRECKSAU ist deren CD "Winter". Wie gewohnt ist die Musik sehr doomig und
schwer. Der Gitarrensound wiegt mindestens eine Tonne. Sänger und
Gitarrist Scherer versucht seiner Klampfe in punkto Schwere mit der Stimme
zu folgen. Doch bleibt er auf der Hälfte des Weges stehen und klingt
wie ein versoffener Bauarbeiter, dem der Stoff ausgeht. Will heißen,
rüpelhaft aber kraftlos. Und das ist der Punkt der auch auf den Rest
der Scheibe zutrifft. DRECKSAU verfügen über einen Haufen Energie,
die, wohleingesetzt, die Boxen bersten lassen könnte, machen daraus
im Endeffekt aber sehr wenig, denn die bewußt primitive Ausrichtung
der sechs Titel wirkt eher nachteilig auf die Brutalität der Songs.
So brummelt es vor sich hin, ohne Schädel zu spalten. Dabei meine
ich nicht, daß eine progressivere Ausrichtung im DRECKSAU-Sound von
Nöten wäre. Nein, aber packendere Riffs und prägnantere
Refrains würden bei den Nürnbergern nicht von Nachteil sein.
Zumindest bei mir walzen DRECKSAU zum einen Ohr rein und zum anderen wieder
raus. www.drecksau.net
"General Slocum"
THOMAS
STRINGFACE „Soultrash“ 10
(Bands Battle-Band 2003)
Eigenproduktion, 2002
Als deutsche Soldaten im Ersten Weltkrieg
zum ersten Mal britische Tanks auf sich zu rollen sahen, den Motoren-Lärm
vernahmen und obendrein aus den Stahl-Kolossen unter Beschuß genommen
wurden, dürften sie sich einer Wucht gegenüber gesehen haben,
der sie nichts entgegensetzen zu können glaubten. Benötigte man
für diese Situation einen Soundtrack, wären „Right Or Wrong“
und „King Of Lies“ von STRINGFACE die passende Musik dazu. Die Gitarren-Attacken
von Ralf Langer walzen alles nieder, seine Stimme donnert einem entgegen,
daß man glaubt, sich ducken zu müssen. Markus Lutz erschafft
mit seinem Baß einen zwingenden Groove, der von Markus Mayers Schlagzeugspiel
zu einem Gewitter inmitten eines Infernos gemacht wird. Selbst die Ballade
„Depression“ haut immer noch voll in die Fresse, nachdem uns erst einmal
der wohlige Schauer auf eine falsche Fährte gelockt hat.
STRINGFACE sind eine außergewöhnliche
Band. Ihre Musik entzieht sich einem strikten Schubladen-Denken, irrt dabei
aber nicht ziellos zwischen den Genres umher. Vielmehr sind Elemente aus
Thrash, Death und New Metal so miteinander verwoben, daß ungelogen
irgendwie etwas Neues entstand, das vor allem unendlich brutal und aggressiv
ist. Diese Band, die mit ihrem zweiten Album „Soultrash“ immer noch ohne
Plattendeal ist, ist der beste Beweis dafür, daß diese so heiß
begehrten Deals weder Glückssache sind, noch vom Sachverstand der
Label-Leute abhängen.
Solange es aber Bands wie STRINGFACE
gibt, muß es uns um die Zukunft des deutschen Heavy Metals nicht
bange sein. Auch wenn die goldenen Zeiten der harten Zunft allmählich
schwinden und wir uns mal wieder ein Jahrzehnt lang im absoluten Underground
herumschlagen müssen. www.stringface.de
"Right Or Wrong"/"Blood Of Suicide"/"Depression"
JUB
ICED EARTH "Tribute To The
Gods" 7
Century Media/Magic Arts Publ.,
2002
So langsam fehlen mir die Worte,
was die Veröffentlichungspolitik der Band/des Labels anbelangt. 2001
der letzte reguläre Longplayer "Horrorshow", im selben Jahr dann das
5-CD-Boxset "Dark Genesis", welches die ersten fünf Scheiben der Amis
enthält. Natürlich in einer remasterten Form. 2002 kamen dann
die ersten drei Alben remixed und remastert nochmal seperat heraus. Das
sind fünf verschiedene Artikel in zwei Jahren. Dazu gesellt sich auch
noch die mit "Tribute To The Gods" betitelte CD, auf der ausschließlich
Coverversionen zu hören sind. Naja, Ihr werdet schon wissen, was Ihr
davon wirklich braucht. Nun aber zu "Tribute To The Gods".
Erstens, der Name ist Programm.
Es sind wahrlich Gottbands, denen gehuldigt wird: Kiss ("Creatures Of The
Night", "God Of Thunder"), Iron Maiden ("The Number Of The Beast", "Hallowed
Be Thy Name"), AC/DC ("Highway To Hell", "It's A Long Way To The Top"),
Blue Oyster Cult ("Burnin' For You", "Cities On Flame"), Judas Priest ("Screaming
For Vengeance"), Alice Cooper ("Dead Babies") und Black Sabbath ("Black
Sabbath"). Zweitens, nahezu alle Versionen sind 1:1 ans Original angelehnt.
Doch Matthew Barlow schafft es, mit seiner Stimme den Coverversionen den
Spirit der Originale sorgsam zu entziehen und mit seiner eigenen Identität
aufzufüllen. Paradebeispiel "Dead Babies". Nachteil bei der ganzen
Sache aber ist die Tatsache, daß einige Titel schon unerträglich
oft zu Cover-Ehren gelangten und neue Versionen einfach nur noch nerven
("Black Sabbath", "Highway To Hell"). Wer noch nicht genug ICED EARTH-Scheiben
zu Hause im Schrank zu stehen hat, kann sich "Tribute To The Gods" ruhig
zulegen, denn Spaß macht die CD allemale.
"Creatures Of The Night"/"Burnin'
For You"
THOMAS
LAST TRIBE „Witch Dance“ 7
Frontiers/Now&Then/XIII BIS/Point,
2002
LAST TRIBE sind hochmotiviert, gestandene
Musiker, die ihr Metier vollends verstehen. Obendrein dürfte diese
schwedische Band im Power Metal-Genre in der oberen Qualitäts-Liga
mitspielen. Und doch - es gibt aus dieser CD einfach zu viele Momente,
die an meinem Ohr vorbeiplätschern. Nun gut. Da gibt es hin und wieder
echt gute Riff-Ideen, macht Magnus Karlsson uns immer wieder mal den von
einer Tarantel gestochenen Yngwie Malmsteen, sind durchaus Melodien zu
entdecken, die sich ins Ohr zu schmeicheln scheinen. Im Großen und
Ganzen sind die Essenzen der LAST TRIBE-Musik allerdings zu berechenbar.
Überrascht wird man eigentlich nirgends. Auch die Songs könnte
man gut und gerne auf eine Reihe von Scheiben anderer großer Power
Metal-Acts verteilen. Im Kosmos der Power Metal-Szene (wenn es die im Speziellen
überhaupt gibt) wird LAST TRIBE - wie eingangs erwähnt - durchaus
hell leuchten. Im genreübergreifenden Heavy Metal könnte man
diese Band trotz toller Referenz-Kapellen (Flower Kings, Arch Enemy, In
Flames, Midnight Sun) schon mal überhören.
„Wake Up The World“
JUB
ZONATA "Buried Alive" 6
Century Media/Magic Arts Publ.,
2002
Das dritte Album der Schweden ZONATA
bietet während der gesamten Spielzeit wieder ein Sammelsurium an Galoppelriffs,
Doublebassdrumrhythmus und Kopfstimmen. Jawoll, True Metal heißt
der Marschbefehl, den Sänger und Keyboarder Johannes Nyberg ausgab.
Dieser sei unbedingt einzuhalten, auch wenn ein paar gute unschuldige Ideen
dabei zu Tode kommen. So sprachs der Kommandant und legte gleich ein paar
Kai Hansen zur Ehre reichende Gesangsmelodien vor, die seine, immerhin
schon durch zwei Studioplatten ausgebildeten, Soldaten solide untermauern.
Doch obwohl der Einsatz erfolgreich war, werden ZONATA die Kabinettstückchen
der großen Generäle Gamma Ray oder Rhapsody (noch) nicht erreichen.
"Unleashed"
THOMAS
OSH „Red Universe“ 8
(Bands Battle-Band 2003)
Eigenproduktion, 2002
Das Prinzip von OSH ist Respektlosigkeit.
Denn verbohrte Heavy Metal-Fans, die nur eine Spielart akzeptieren (vor
allem im Death Metal und bei der True Metal-Fraktion soll es da ein paar
ganz sture Exemplare geben), sind bei OSH in der Hölle. Was die vier
Verrückten aus Reher auf ihrer zweiten CD „Red Universe“ zusammengetragen
haben, läßt sämtliche Korsetts platzen. Natürlich
ist Heavy Metal das Grundgerüst, das alles verbindet. Mal klingt die
Band poltrig wie die ganz frühen Venom („Schreispiegel“), hat mal
etwas von Motörhead oder bietet uns (vielleicht ungewollt) eine völlig
kaputte Savatage-Parodie („For Me“). Dazu erlaubt sich OSH ein Perkussions-Gemalle,
als würde die Trommel-Gruppe des Hottentotten Historical National
Ensemble aufgefahren („Wilderness“). Schließlich ist es dann fast
logisch, daß auf „Red Universe“ auch immer wieder ein paar jazzige
Momente in die einzelnen Songs springen. Wenn das die Band selbst alles
zusammen progressiv nennt, liegt sie damit durchaus richtig, denn ein Ausbruch
aus konventioneller Musizierweise ist das hier allemal. Auch der selbstgewählte
Begriff Grind Rock liegt nicht daneben, denn die Herangehensweise der Bandmitglieder
an ihre Musik, dieses unbekümmerte drauflos Hämmern, das immer
irgendwo zwischen Nonsens und künstlerisch motivierter Disharmonie
liegt, ist im Grindcore längst Gang und Gäbe. Bei OSH bekommt
das Ganze einen Pop Appeal-Anstrich, verstecken sich auf „Red Universe“
doch jede Menge Melodien, die einem wie Werbespot-Jingles zu den
unmöglichsten Gelegenheiten einfallen.
„Schreispiegel“
JUB
BEINHAUS "Das Wort muß
eine Waffe sein" 2
Die letzte Konsequenz/ Endzeit Prod.,
2000
Sequenzer, Samples, Schlagwerke aus
Altmetall und eine mit Effekten unterlegte Stimme sind die Zutaten, die
BEINHAUS benötigen, um ihre eigenwillige Musik zu spielen.
Klingt wie ein vertonter Hilfeschrei
eines im Maschinenraum eingesperrten Anlagenbauers, als er dabei war, das
Scheißding zu reparieren. Doch irgendwie rumpelt die Maschine noch
komischer als vorher. Das fand sein Polier gar nicht komisch und läßt
ihn nun solange schmoren, bis der Schaden behoben ist. Zähneknirschend
macht er sich ans Werk. Es dauert noch 38 Minuten, bis der Kasten völlig
den Arsch hochreißt und der Hörer erlöst ist. BEINHAUS
ist also eine Mischung aus Betonverdichtungsmaschine, Handhebelschere,
den Pro7-Spätnachichten, alter Schmiedehandwerkskunst und Besteckputzen.
Entweder man liebt es oder man haßt es. Tja lieben kann ich dieses
Kauderwelsch nicht.
"Kein Verlust"
THOMAS
RED HARVEST „Sick Transit
Gloria Mundi“ 4
Nocturnal Art Prod./Eclipse, 2002
Man kann alt werden wie ein Elefant
und wird trotzdem nicht schlauer. Für die Norweger RED HARVEST dürfte
dies definitiv zutreffen. Seit 1989 existiert die Band, veröffentlichte
eine Reihe von CDs und MCDs, hatte mit „Cold Dark Matter“ 2000 ein durchaus
brutales und interessantes Industrial-Machwerk am Start. Jetzt, zwei Jahre
später, sieht es mit „Sick Transit Gloria Mundi“ nicht mehr so rosig
aus. Denn diese Scheibe klingt wie das Machwerk einer Death Metal-Band,
die ihren Ideen-Mangel mit einem Industrial-Tarnmantel zu verbergen sucht.
Da werden in monotonster Art und Weise Death-Riffs heruntergeschrubbt,
die ganz ganz selten Abwechslung erfahren. Immer wieder flüsterschreit
Ofu Kahn seine Botschaften in die Songs, denen man meist nach den ersten
Klängen kaum noch folgt, weil sie wie zum Beispiel „Dead“ tödlich
langweilig sind. Mit „Dead Men Don’t Rape“ und „WeltSchmertz“ am Ende der
CD versuchen RED HARVEST der ganzen Sache noch einen Farbtupfer zu verleihen,
an dieser Stelle interessiert das aber kaum noch jemanden.
„Dead“
JUB
WEYLAND "The Path Of Universal
Speech" 7 (Bands Battle-Band 2003)
Eigenproduktion
Hat man sich erst einmal an den etwas
eigenartigen Sound der Scheibe gewöhnt, merkt man schnell, daß
die Nordlichter von WEYLAND schon länger in der Musikszene aktiv sind.
Zumindest läßt der versierte Umgang der Musiker mit ihren Instrumenten
diesen Schluß zu. So zünden die Riffs sehr schnell, und auch
die Leadgitarren klingen sehr harmonisch zum Rest der Musik, die sich im
Großraum Thrash/Death Metal ansiedelt. Sänger Jörn klingt
streckenweise wie ein junger Mikael Stanne und hat viel Wut im Bauch. Geil.
Auch Drummer Lars hat seine Hausaufgaben gemacht und spielt wie ein Profi,
mal kreativ, mal garstigsten Blast. Mir gefällt die Viertrack-CD auf
jeden Fall, und ich bin schon auf WEYLANDs Darbietung auf dem BANDS BATTLE
2003 gespannt. www.weylandweb.de.vu
weyland-yutani@web.de
"I Am"
THOMAS
EVENFALL „Cumbersome“ 7
Century Media, 2002
Tom Angelripper von Sodom hat es
einmal auf den Punkt gebracht: Die klassische Heavy Metal-Besetzung ist
für ihn das Trio, denn was braucht es mehr als Schlagzeug, Baß
und Gitarre. Und einer von den Dreien wird schon brüllen können.
Schließlich ist da noch der Fakt, daß man sich am Ende die
Gage nur durch drei teilen muß.
EVENFALL haben es da schon schwerer.
Bei denen geht alles durch sieben, weil man alles auffährt, was heutzutage
im metallischen Bereich so benutzt wird. Und das zweimal gleich im Doppelpack.
Zwei Gitarren, Baß, Schlagzeug, Keyboard sowie Sänger und Sängerin.
Das klingt verdammt nach Gothic, auch wenn sich der ein oder andere fragt,
wozu braucht man da zwei Gitarren?
Nun, und Gothic scheint es im ersten
Moment auch zu sein. Die ersten drei Songs der CD „Cumbersome“, in denen
der gesangliche Hauptanteil eindeutig an Neuzugang Roberta Staccuneddu
geht, sind unbestritten gothische Durchschnittskost. Allerdings wird durch
„Entre dos tierras“, den Heroes Del Silencio-Hit, eine Wende markiert.
Die CD wird außerordentlich abwechslungsreich. Und das nicht nur,
weil Ansgar Zöschg mehr Gesangsparts übernimmt bzw. auch mal
Davon Graves (Ex-Psychotic Waltz) mitröhrt. Allein „In Absentia Christi“
ist mit seinem Hang zum Melodic Death ein beredtes Beispiel für die
musikalische Bandbreite der Band. Nun, und wenn es schon Ausflüge
ins Death Metal-Genre gibt, kann man auch gleich den Black Metal streifen,
was EVENFALL natürlich tun.
Laßt Euch also von dem Opener-Trio
nicht beirren. Bei „Cumbersome“ macht es Sinn, vor dem Kauf mal durch die
ganze CD zu zappen. Es kommt tatsächlich noch einiges Überraschendes
auf Euch zu.
Interessant ist übrigens das
Herkunftsland von EVENFALL. Die sind nämlich aus Italien. Nicht, daß
das jetzt was Exotisches wäre, denn Italien hat sich zu einem der
Länder mit einem der größten Bands-Aufkommen gemausert.
Vielmehr erscheinen mir die Namen der Band-Mitglieder doch eher anderen
Regionen entsprungen. Sängerin Roberta Staccuneddu würde ich
in Rumänien ansiedeln, Ansgar Zöschg könnt' ein Tiroler
sein, also noch gerade so Italien. Ivan D’Alia (g)? Okay, auch Italien.
Max Boi (key) ist ein Allerweltsname. Aber Boban Milunovic (g), Melis Cakic
(bg) und Viktor Ivanovic (dr) sind doch wohl Jugoslawen oder was?
„Vangelis Mundi“
JUB
FINAL BREATH "Mind Explosion"
7
Nuclear Blast, 2002
Mit ihrer dritten Veröffentlichung
"Mind Explosion" schafften es die deutschen Thrasher nun beim Branchenriesen
Nuclear Blast zu landen. Hut ab! Doch nicht nur business-technisch hat
sich bei FINAL BREATH viel getan. Auch musikalisch ist die Band gewachsen.
Die noch auf der Debüt-Mini-CD vorhandenen Unstimmigkeiten und Rhythmusproblemchen
gehören der Vergangenheit an, und auch in songschreiberischer Hinsicht
hat sich einiges getan. So haben sich in die treibenden Thrash-Songs neckische
Tempiwechsel eingeschlichen, und das ein oder andere Überraschungsmoment
in Form von pfeilschnellen Leadgitarren ist zu vernehmen. Nicht selten
erinnern FINAL BREATH an ihre Labelkollegen Raise Hell oder die wiedererstarkten
Destruction, ohne die Bands allerdings auf dieselbe Stufe stellen zu wollen.
Einzig die stakkattoartig zusammengesetzten Parts der Lieder, die einen
stetigen Fluß der Scheibe Abbruch tun, wirken etwas deplatziert.
Dennoch taten FINAL BREATH mit "Mind Explosion" mit Sicherheit einen Schritt
nach vorn. Mal sehen wie die Jungs sich live gemausert haben. www.finalbreath.de
"Killed By Lust"
THOMAS
BEYOND THE EMBRACE „Against
The Elements“ 6
Metal Blade, 2002
Ich möchte nicht wissen, wieviele
Bands in Europa herumkrepeln, die genau die gleiche Musik wie BEYOND THE
EMBRACE fabrizieren, von den Platten-Labels allerdings nicht einmal registriert
werden würden, wenn sie bei „Wetten daß?“ aufträten. Da
möchte man schon aus Amiland kommen, dann klappt’s sogar mit dem Debüt.
Selbst wenn es eine Blaupause von Soilwork ist – übrigens, eine schwedische
Band – und nicht der Hauch von Eigenständigkeit vernommen werden kann.
Auch die In Flames (Schweden!)-Elemente und das bißchen Shadows Fall
(ausnahmsweise aus den Staaten, aber extrem von den skandinavischen Melodic
Death-Bands beeinflußt) retten die Platte nicht in Regionen der eigenen
Identität.
Nichtsdestotrotz ist „Against The
Elements“ eine gute CD, sind die Songs doch wirklich perfekt kopiert. Soilwork
könnten das ein oder andere Stück nicht besser machen.
„The Bending Sea“
JUB
HOMO IRATUS "Knowledge...
Their Enemy" 5
Arctic Music Group, 2002
HOMO IRATUS sind die neuen Shooting
Stars an Griechenlands Death Metal-Himmel. Mit ihrem groovigen, an eine
Mischung aus Sepultura und Napalm Death erinnernden Metal haben sie den
Vizepräsi und A&R Phil Fasciana der Legende nach so sehr beeindruckt,
daß er sie umgehend unter Vertrag nahm, nachdem sie eine Show für
des Präsis Band, Malevolent Creation, eröffneten. Soweit so gut.
Fein aufgemacht ist die EP in jedem Fall: Klischeefreies, ausdrucksstarkes
Cover, drei eigene Stücke, eine Coverversion von Sepulturas "Roots
Bloody Roots" und gleich zwei Videoclips. Nur sind die Eigengewächse
noch irgendwie recht identitätslos. "Protection Through Surveillance"
klingt stark nach der mittneunziger Experimentierphase von Napalm Death.
Bei "Tomahawk Cruise Messiah" sticht zwar der etwas kauzige Rhythmus hervor,
ist ansonsten aber nur nett. Lediglich bei "Homo Sapiens?" wird die Abrißbirne
gekonnt mit dem vielgepriesenen Groove gekreuzt. Mal sehen was eine vollständige
Platte der Griechen bringt. Bis dahin gibts ersteinmal fünf Punkte.
"Homo Sapiens?"
THOMAS
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