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- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" - des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung. Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten. ABGEHÖRT vom 04. Mai 2004 T.T. ENDLESS/GOBLIN SPELL "The Forest Like Us/On The Path In The Night" 8 E.O.L.P., 2003
GOBLIN SPELL
sind immer für Überraschungen gut. Mit ihrem Tape "... Long Forgotten
Woods" (siehe Temple Of Baal-Special vom 27.
Januar 2004) verwunderte die Band mit einem scheinbar völlig verstolperten
Titelsong. Auf dieser Split hier sind sie zwar keinen Deut professioneller,
allerdings ist ihnen mit "On The Path In The Night" ein absolut starker,
abgrundtief böser Black Metal-Song gelungen. So müssen jene Bands
in Norwegen geklungen haben, als sie Anfang der 90er nach ihren Kirchenbrandschatzungen
berauscht in den Probenkeller polterten und räudige Gitarrenwut an
die Wände kotzten.
JUB MYSTIC PROPHECY "Regressus" 9 Nuclear Blast, 2003
Ziemlich satten
Heavy Metal spielen die Leute von MYSTIC PROPHECY, die ihr Album “Regressus”
mit einer wahren Gitarrenwand ausstaffierten. Das spricht zum einen für
einen fähigen Produzenten und zum anderen für die Klampfer, die
den hochmelodischen Kompositionen genügend Arschtritt verpassen. Denn
angenommen, „Regressus“ wäre nicht mit dermaßen viel Brett gesegnet,
könnte die Scheibe zwar als geile, aber eben nur als Melodic Metal-CD
durchgehen. Doch Songs wie zum Beispiel „Night Of The Storm“, „In Your
Sins“, „The Land Of The Dead“ oder „Lords Of Pain“ drücken Dich mit
aller Gewalt in die Polster. Somit kann man ohne Übertreibung behaupten,
daß auf dieser CD nahezu alles stimmt. Die Lieder haben Power ohne
Ende, die Melodien sind weder kitschig, noch aufgesetzt, sondern absolut
gefällig. Der Gesang nicht in schwindelerregender Kastratenhöhe,
sondern hat genügend Eier, um etwa mit einem John Bush (Anthrax) mitziehen
zu können. Und der Sound schiebt Dich an die Wand. MYSTIC PROPHECY
sollte man unbedingt angetestet haben.
THOMAS NEWMAN "Sign Of The Modern Times" 7 Escape Music/GerMusica, 2003
Bei Steve Newman
(g, leadvoc, key) ist AOR angesagt. Das ist ja schon seit Jahren bei den
Briten nichts Ungewöhnliches mehr. Und die Band NEWMAN gehört
definitiv zu den besseren des Melodic Metal-Genres. Sie bewegen sich stilsicher
in einem weiten Radius, der sowohl Survivor, Night Ranger oder auch Magnum
mit einschließt. Die Songs sind auf den Punkt komponiert (ausschließlich
von Namensgeber Steve Newman), warten fast ausschließlich mit Refrains
auf, die sich unbedingt sofort im Hirn festsetzen wollen.
JUB MORS PRINCIPIUM EST "Inhumanity" 5 Listenable Rec., 2003
Der Promoschriebs
zu diesem Album vergleicht die Band MORS PRINCIPIUM EST vollmundig mit
Children Of Bodom, dabei bestehen die Gemeinsamkeiten dieser beiden Bands
nur in der finnischen Herkunft und mit Abstrichen in den vorhandenen Keyboard/Gitarren-Duellen.
Die treibenden Stakkato-Riffs werden unterschwellig mit Tastenuntermalung
verdickt. Das kommt besonders gut beim Opener „Another Creation“.
THOMAS ARISE "Kings Of The Cloned Generation" 7 Demolition Rec, 2002
Schweden-Melodic-Göteborg-Trallala-Hast-du-nicht-gesehen-Death-Metal.
ARISE sind schwedische Kinder der ganz typischen schwedischen Schule, hacken
mit ihrer wütenden Death/Thrash-Mischung voll in die (nicht nur schwedische)
Fresse und starten in ihr Album "Kings Of The Cloned Generation" mit "Strangled
Love" und "Stains In Blood" geradezu fulminant. Diese Stücke sind
Ohrwürmer, trotz ihres unaufhaltsamen Tempos. Mit dem Hang zur Abwechslung
werden die Song-Elemente allerdings immer austauschbarer und es schleichen
sich auch hier und da recht bemühte Nummern ein ("Way Above Life").
JUB ALYSON AVENUE "Omega" 3 GerMusica/AOR Heaven/Soulfood, 2004
Wie schon ihre
altehrwürdigen Kollegen von Treat und Europe widmen sich nun auch
ALYSON AVENUE aus Schweden der Verbreitung von radiokompatibler Rock Musik.
Wobei das Schwergewicht wohl eher auf radiokompatibel liegt. Die Melodien
klingen mal eingängig, mal einfältig. Aber immer so, daß
man sie locker mitpfeifen kann. Frontfrau Anette Blyckert würde auch
zu diversen Pop-Klonen eine gute stimmliche Figur abgeben. Absolut ohne
Ecken und Kanten und somit ohne eigene Identität säuselt sie
sich durch die lauwarmen Stücke der CD. Echte Ohrwürmer gibt
es nicht. Nur ohrenschmeichelnde Durchschnittsware aus dem AOR-Bereich.
„Omega“ ist weder gut noch besonders schlecht. Nur eben sehr langweilig.
THOMAS DUNGEON "A Rise To Power" 5 LMP/SPV, 2003
Als hoffnungsloser
Idealist könnte man sich jetzt verwundert fragen, warum die Plattenindustrie
nicht endlich einmal dazulernt und den gnadenlosen Ausverkauf von Musiksparten
vermeidet. Als Realist spart man sich solche Fragen. Und geht über
zur Tagesordnung.
JUB VIU DRAKH "Death Riff Society" 8 EFA/NSM/Moonstorm, 2001
Was die einst
aus Tin Pan Alley hervorgegangene Formation auf ihrem “Death Riff Society”
betitelten Album so vom Stapel läßt, ist wahrlich nicht von
schlechten Eltern. Ziemlich angecrusteter Death Metal läßt einem
die Frisur steil nach hinten weg ragen. Dabei macht der Albumtitel seinem
Namen alle Ehre. Die Riffs sind zu einem großen Teil sehr szeneklassisch.
Man glaubt, sie schon mehrfach woanders gehört zu haben, und doch
kann man es nicht belegen, da sie sicher nicht geklaut aber eben sehr typisch
sind. Das mag den Filigranmusikhörer und die Originalitätspreisverleiher
vielleicht stören. Doch wer ordentlich was auf die Mütze will,
kann es bei VIU DRAKH bekommen. Wer auf der Suche nach flockigen Ohrwürmern
ist, wird von VIU DRAKH kräftig in den Arsch gefickt. Meiner Meinung
nach gibt es an „Death Riff Society“ kaum etwas auszusetzen. Sogar die
Motörhead-Coverversion von - natürlich - „Ace Of Spades“ ist
gelungen. Coole Band.
THOMAS OLC SINNSIR "The Throne Of Dead Emotions" 9 Oaken Shield Records, 2003
Wie jetzt?
Kommen die neuen grandiosen Black Metal-Bands plötzlich aus Frankreich?
Wie Temple Of Baal (siehe Spezial vom 27. Januar
2004) treffen OLC SINNSIR mit "The Throne Of Dead Emotions" mitten
ins verrußte Herz. Wie herrlich sägend sind die Gitarren, wie
irrwitzig selbstzerstörerisch kreischt der Sänger. Ob sich voll
Hysterie überschlagend oder protzig pompös auftrumpfend - die
Franzosen zimmern einen wutschnaubenden Black Metal, der in diesem Fall
trotz des rauhen Sounds übelst fett aus den Boxen ballert. Ihr werdet
immer wieder an die schönsten Momente skandinavischer Höchstleistungen
aus den Mitt-90ern erinnert und bekommt bei "Under The Throne Of Dead Emotions"
sogar ein wenig Novembre-Verschrobenheit zu hören. Auch wenn dieses
Stück Farbe in das Album bringt, wirkt es in diesem infernalischen
Getobe auf meine Ohren ein wenig störend.
JUB DRAGONFORCE "Sonic Firestorm" 10 Sanctuary/Noise/cmm, 2004
DRAGONFORCE
sind zurück mit einem neuen Album. Und mit was für einem! Der
multikulturelle Haufen, bestehend aus dem Asiaten Herman (was für
einen solchen schon ein ziemlich passender Name ist. So in etwa wie Xi-Chon-Lei
für einen Deutschen...), dem Quasi-Neuseeländer Sam Totman an
den Klampfen, dem Südafrikaner ZP Theart am Mikro, Keyboarder Vadim
Pruzhanow aus der Ukraine, sowie den Briten Adrian Lambert und David Mackintosh
an Baß und Schlagzeug. Diese aus völlig unterschiedlichen Kulturkreisen
zusammengewürfelte Vereinigung spielt mit ihrem zweiten, „Sonic Firestorm“
betitelten Album locker 80 Prozent aller Melodic Metal-Bands der Neuzeit
in die Bedeutungslosigkeit. Wahrhaft großartige Melodiebögen
spannen sich ausladend über die vor Spielwitz nur so strotzenden Kompositionen,
die zu keiner Sekunde auch nur annähernd so etwas wie Langeweile aufkommen
lassen. Dafür sorgt neben dem filigranen Gitarrenspiel mit den herzzerreißenden
Leadgitarren und dem famosen, sich nie aufdrängenden Keyboard vor
allem die Geschwindigkeit mit der hier gezockt wird. Das Ganze wird mal
locker in Blastbeat-Bereiche getrieben. Ich verspreche Euch, da fällt
nicht nur mir die Kinnlade runter.
THOMAS AFTER FOREVER "Exordium" 4 Transmission Rec, 2003
Manche mögen
diese Musik ja progressiv nennen. Ich nenne das einfach nur Heavy Metal-Theater.
Einst waren jene Bands progressiv, die ausschließlich Alben und keine
Singles produzierten. Danach wurden die Kapellen so bezeichnet, die musikalische
Grenzbereiche überschritten. Heute bist Du progressiv, wenn Du Dein
Instrument und die Kompositionslehre musikschulvorbildlich beherrscht und
dies auch zeigst. Genau das tun die Holländer von AFTER FOREVER. Vorbei
die Zeiten, wo man sie (auch wegen des Gesangs von Floor Jansen) als The
Gathering-Fahrtwind-Mitläufer abtat (wenn The Gathering auch manchmal
in den Songs noch anklingen). Dafür präsentiert sich die Band
verstärkt mit komplizierten Songstrukturen und dem Verbinden unterschiedlicher
Stilmittel: Chöre, Nightwish-Melodien, Streichern, Deathgrowls, Elfengezwitscher.
Das wirkt am Ende alles wie eine Musical-Riesen-Produktion. Man kann sich
die verkitschten Glitzerkulissen förmlich vorstellen, die bei dem
Background-"Haaaa" hochgezogen werden.
JUB HOLY MOTHER "Agoraphobia" 4 Steamhammer/SPV, 2003
Daß Mister
Mike Tirelli über eine bemerkenswerte Stimme verfügt, hat er
bereits mit seinen vorherigen Alben unter Beweis gestellt. Auch, daß
er normalerweise recht klassischen Heavy Metal komponieren kann. Auf „Agoraphobia“
sieht die Sachlage schon etwas anders aus. Tirellis Stimme ist nach wie
vor ein geiler Bastard aus Rob Halford und seinem Nachfolger Tim Owens
und kann wie immer auf voller Linie überzeugen. Nur, was die Musik
anbelangt, liegt hier doch einiges im Argen. Denn Tirelli versucht zu krampfhaft
einen Spagat zwischen Tradition und Moderne schaffen zu wollen. Klassische
Heavy Metal-Refrains stehen Nu Metal-Riffs gegenüber. Nicht permanent,
aber diese Kombination macht sich bemerkbar. Und zwar so, daß man
zu den Stücken, welche unter der stilistischen Schizophrenie zu leiden
haben, absolut schwer Zugang findet. Das hat nichts mit Scheuklappendenken
in Bezug auf moderne Sounds zu tun. Nur klingt das zu überlegt, zu
geplant und somit alles andere als originell. Wenn der Barde hingegen den
alten Black Sabbath-Gassenhauer intoniert, ist das eine willkommene Abwechslung.
Dieses Stück macht klar, was auf dieser Platte fehlt: der Drive, treibende,
nach vorn knallende Songs mit griffigen Melodien. So wie auf dem 1998er
HOLY MOTHER Album „Toxic Rain“. Nur noch der Rausschmeißer „Sheer
Erotica“ kann mir ein leichtes Schmunzeln auf die verkrusteten Lippen zaubern.
Zu wenig für eine gute Heavy Metal-Platte.
THOMAS MESSIAH'S KISS "Metal" 8 Steamhammer/SPV, 2004
"The pure fucking
Heavy Metal" wird vermutlich niemals aussterben. Da können sich die
Extrem-Musiker noch so extrem gebärden, die Nu Metaller noch so sehr
gegen die "old boaring farts" wettern - Heavy Metal, wie er in seinem zweiten
Frühling Anfang der 80er in Großbritannien und in Deutschland
geprägt wurde, ist eine Macht. Natürlich setzt das voraus, daß
immer wieder Bands vom Schlage MESSIAH'S KISS für die weitere Überlieferung
sorgen.
JUB JACK BLADES "Jack Blades" 9 Frontiers/Soulfood, 2004
Wat hab ich mich auf den Bengel gefreut.
JACK BLADES hatte seinerzeit mit Night Ranger bereits großartige
Melodic-Kost abgeliefert und es im Schulterschluß mit Ted Nugent
und Tommy Shaw bei den Damn Yankees noch besser gemacht. Jetzt steht er
mit seinem selbstbetitetelten Album solo auf der Matte und erfüllt
sämtliche Erwartungen. Natürlich kann er seine Vergangenheiten
nicht leugnen und so klingt nicht nur "To Touch The Sky" nach den Yankees.
Viel interessanter sind allerdings diese 60er- und 70er-Jahre-Reminiszensen.
Da hat Jack sich zum Beispiel für "Who You Want To Be" und "On Top
Of The World" ganz frech bei Led Zeppelin bedient, gibt er uns in "Someday"
dezent den Bob Dylan, kommt Jack uns immer wieder mit bezaubernden Gesangharmonien,
die in den 60ern Pflicht waren. Hier gibt es alles, was das Melodic Metal-Herz
begehrt: kräftige Rocker und sanfte Gefühlsharmonien.
JUB |