An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 04. Juni 2002


MOTÖRHEAD „Hammered“ 8
Steamhammer/SPV, 2002

Motörhead - Hammered

Wenn auch eine feste Größe, die die Metal-Gemeinde in den zurückliegenden 20 Jahre nicht mehr wirklich überraschen konnte und wollte („1916“ war da eine Ausnahme), wird ein neues Motörhead-Album immer wieder mit Spannung erwartet. Vielleicht ist in dieser Erwartungshaltung auch ein wenig die Sorge verborgen, Lemmy & Co. könnten irgendwann schwächeln und ein absolut plattes Teil abliefern. Nun, und auch anno 2002 ist das Warzengesicht auf der Höhe seiner Zeit. „Hammered“ bietet Motörhead wie wir sie kennen und lieben. Zwar versuchen uns die beiden ersten Songs der Scheibe „Walk A Crooked Mile“ und „Down The Line“ mit ihren übertriebenen Melodien und dem Pop-Apeal auf eine falsche Fährte zu führen, „Voices Of War“, „Shut Your Mouth“, „No Remorse“ und „Red Raw“ machen aber deutlich, daß bei dem Heavy Metal-Urgestein immer noch erst zur Axt gegriffen wird, bevor jemand auf die Idee kommt, „darüber reden“ zu wollen.
Und ganz dem Zeigeist verpflichtet, gibt es auch auf der „Hammered“ ein Song im Sprechgesang. Nur klingt das bei MOTÖRHEAD irgendwie anders als gewöhnlich und nennt sich „Serial Killer“
„Red Raw“

JUB

PAIN CONTROL "Subvert" 5
Demolition Rec, 2002 

Pain Control - Subvert

Die Briten von PAIN CONTROL haben es sich zur Aufgabe gemacht, Thrash, New Metal, Proll-Hardcore und Gothic zu einem hörbaren Mix zu vereinen. Stellt Euch die maschinelle Kälte von Fear Factory vor, ihr Zusammenspiel von Stakkatoriffs und Doublebass, dazu Hardcoregebrülle und Gitarrensoli wie von Sepultura (nervig, uninspiriert, noisig, Hauptsache vorhanden). Mit diesem Mix kann man sich, sofern man nicht das richtige Feeling mitbringt, ganz doll auf die Schnauze packen. Machen PAIN CONTROL nicht, sie fallen ganz normal, ohne sich sehr weh zu tun. Aber sie fallen. Denn wenn sie richtig Druck machen wollen, klingt es wie auf Teufel-komm-raus, wie eine Kopfentscheidung. Oder anders herum, die Verquickung der verschiedenen Stile gelingt nicht, da PAIN CONTROL in den wenigsten Stilen überzeugend klingen. Die Stilistiken werden auf die einzelnen Songs verteilt, was nicht sehr originel ist. Ein ungewöhnlicher Mix innerhalb eines Liedes wäre weitaus spannender. Aber macht Euch am besten selbst ein Bild davon mit ...
"5:12am"

THOMAS

HATE FOREST „The Most Ancient Ones“ 8
Supernal Music, 2002

Hate Forest - The Most Ancient Ones

Ein paar Wochen fanden es irgendwie alle hip, als schwarzgewandete, nietenbewehrte, grell geschminkte Finsterlinge Schwerter schwangen, Feuer und Blut spuckten, Haustiere auf der Bühne schlachteten, durch verschneite Wälder stapften und ständig der Christenheit den alles entscheidenden Krieg erklärten. Selbst Analtunnel-Arbeiter einer großen Heavy Metal-Musikzeitschrift holten mehr und mehr dieser Burschen ins Blatt. Verkaufte sich halt gut.
Jetzt ist auch für diese ach so knallharten Szene-Wächter die Welt wieder heil, hat sich das Black Metal-Ding doch entweder erneut in den Underground zurückgezogen oder wurde ihm durch diesen ganzen Bombast-Kitsch und die Crossover-Bemühungen zahlreicher Protagonisten mit Gothic, Thrash oder klassischen Elementen ein Zuckerguß verpaßt.
Auch wenn das jetzt wie eine Klage klingt, ist es eigentlich von jeher Banane gewesen, welchen Status Black Metal gerade hatte: Es existierten über all die Jahre hinweg geniale Bands, die sich nicht daran störten, pro Veröffentlichung immer nur 500 bis 1000 Tapes zu verkaufen (oder weniger). Man griff sich die Instrumente, machte das Licht aus und sägte drauflos. Jedes Abstoppen auf der Gitarre kam Blasphemy gleich. Es mußte halt so aussehen, als rubbele man gerade die Klampfen-Saiten sauber. Der Sangeskünstler sollte zwar als solcher erkennbar sein, fielen ihm aber gar zu viele Sympathien zu, war es Zeit, sich nach einem anderen Stimmbänder-Malträtierer umzusehen.
„To The Thickets And Swamps“
Und genau dieser Methode frönen immer noch HATE FOREST aus der Ukraine. Von dieser Band wird mit „The Most Ancient Ones“ eine CD veröffentlicht, die neu eingespieltes Material  vom „The Curse“-Demo enthält. Damit hat das Zeug locker vier, fünf Jahre auf dem Buckel. Aber da sich der urtypische Black Metal eigentlich seit 15 Jahren  nicht mehr verändert hat, klingt das HATE FOREST-Zeug genauso neu, wie es 1987 oder 1993 geklungen hätte.
Wir haben die sirrende Gitarrenwand, die zu keiner Zeit auch nur von der Andeutung eines Gitarren-Solos unterbrochen wird. Da sind die ausufernden Melodien, die zwischen hymnisch und einschmeichelnd klingen. Das Schlagzeug ist in einer Breite von hysterischem Geklopfe und „Blashyrkh“-Marsch angesiedelt und der Sänger gibt mal den fiesen keifenden Giftzwerg und mal das schwerfällige nimmersatte Monster.
Die Slawen haben für meine Begriffe seit zwei drei Jahren die bessere Black Metal-Szene, da sich bei den östlichen Nachbarn kommerziell agierende Kapellen einfach nicht durchsetzen. Liegt sicher auch daran, daß sich die großen Label nicht gerade auf die Polen, Litauer, Ukrainer oder Slowaken stürzen. Mit Supernal Music könnte es unter Umständen aber auch mit HATE FOREST aufwärts gehen. Das musikalische Zeug dazu haben sie allemal.
„Inmost Winter“

JUB

HEAVENLY "Sign Of The Winner" 8
Sanctuary/Noise/T&T, 2001

Heavenly - Sign Of The Winner

Bei HEAVENLY bin ich dummerweise voreilig der Meinung gewesen, daß es sich hierbei um eine weitere lahmarschige Helloween/Stratovarius-Kopie handelt. Doch bei öfterem Hören entpuppten sich die Lieder der Franzosen doch als recht brauchbar. Vordergründig nimmt man ersteinmal die in höhsten Tonlagen zwitschernde Stimme und die vermeintlich sinnlos umherfiedelnden Klampfen wahr. Doch bei genauem Hinhören entdeckt man, daß unter der Oberfläche recht sorgfältig gearbeitet wurde. Zwar blickt die Handschrift eines Kai Hansen unverkennbar aus den Kompositionen hervor (dieser gab pikanterweise ein Gastspiel zusammen mit Piet von Iron Saviour auf HEAVENLYs Debut CD "Coming From The Sky"), aber mit technischer Versiertheit, Feeling für diese Art von Musik sowie Spielwitz halten sie die Waage im Gleichgewicht, so daß sie nicht zu einem Helloween/Gamma Ray-Plagiat verkommen.
Interessant ist auch, daß eine lebhafte Dynamik im Gitarrenspiel aber auch im Sound herrscht. Wenn es semmeln soll, tut es das. Wenn das Hauptaugenmerk auf die Chöre und Melodien gerichtet ist, halten sie sich eher im Hintergrund und sorgen dort für ein solides Fundament.
Sänger Ben quietscht nicht nur, sondern hat eine gute Bandbreite an verschiedenen Tonlagen auf Lager, die ihn als Sänger glaubwürdig machen. 
1:0 für HEAVENLY.
"The Angel"

THOMAS

MOURNING CARESS "Imbalance" 10
Arise Rec./SPV, 2002

Mourning Caress - Imbalance

ACHTUNG! Suchtgefahr.
Habt Ihr mitunter auch den Eindruck gewonnen, daß so manche Melodic Death Metal-Band aus Schweden bei sich selbst klaut? Daß sich so manche Innovatoren auf diesem Gebiet im kreativen Kreis drehen? Also in der Richtung alles irgendwie krampfiger wird? Dann haben MOURNING CARESS was für Euch: Nämlich ihre offizielle Debut CD namens "Imbalance". Das Ding geht dermaßen ab, daß sich das Stimmungsbarometer in ungeahnte Höhen schraubt.
Schuld daran sind Songs wie "Towards The Decline Of Existence", "Dead Rose Romance" und vor allem das überragende "Creating A Hell". Leute, die Melodien sind unfaßbar. Nicht etwa ausufernd pompös oder arg verschachtelt, sondern einfach, einprägsam, effektiv und vor allem locker und unverkrampft. Sänger Gerrit klang in der Vergangenheit wie eine Mischung aus den Stimmen von Rotting Christ und Scheitan. Das stand ihm zwar gut zu Gesicht, aber er hat doch hörbar an sich gearbeitet und klingt auf "Imbalance" viel eigenständiger. MOURNING CARESS haben auf "Imbalance" fast alle Songs von ihrer selbstvertriebenen Scheibe "Perspectives" übernommen, konnten den Liedern aber dennoch neues Leben einhauchen und klingen trotz derselben Songs gereifter. Mit dieser Band braut sich was zusammen am deutschen Metal-Himmel.
"Creating A Hell"

THOMAS

MASTERS OF REALITY „Deep In The Hole“ 6
Brownhouse/Mascot Music, 2001

Masters Of Reality - Deep In The Hole

Ihren Popularitätshöhepunkt dürften MASTERS OF REALITY 1994 erlebt haben, als sie mit ihrem zweiten Album „Sunrise On The Sufferbus“ Schlagzeug-Gott Ginger Baker  (Cream, Blind Faith) präsentieren konnten. Allerdings genügt es bei weitem nicht, mit großen Namen zu hausieren, wenn man mit den Songs nicht in der gleichen Liga kickt. Und genau dies ist auf der neuen Masters-Scheibe „Deep In The Hole“ der Fall. Irgendwie scheinen sich 60er-Jahre Harmonien, Stoner-Rock-Gitarren und Grunge-Gruppen-Gesänge zu begegnen. Das ist dann mal verträumt, mal schwermütig, mal düster groovend - den Lauten macht Band-Boss Chris Goss nie. 
Das ist alles recht nett, versprochen. „Deep In The Hole“ gehört auch zu jenen Scheiben, die man sich von Zeit zu Zeit immer mal wieder antun kann. Aber Herz hat das Ganze kaum.
„Third Man On The Moon“

JUB

BURNING POINT "Salvation By Fire" 8
Limb Music/SPV, 2002

Burning Point - Salvation By Fire

BURNIG POINT kommen aus Finnland, und im Gegensatz zu ihren Kollegen von Sentenced, Unholy, Impaled Nazarene, Legenda ect. klingen sie alles andere als depressiv oder nihilistisch. Ganz im Gegenteil, "Salvation By Fire" verbreitet gute Laune und macht Bock auf die Einnahme stimmungsverändernder Getränke in medizinisch bedenklichen Ma(ss)ßen. Trotzdem haben BURNING POINT auch nichts mit der Kaputtnik/Spaßfraktion vom Schlage J.B.O. zu tun. Nein. Eher spielen BURNING POINT diese Art von Heavy Metal wie ihn heute viele Bands spielen möchten aber nicht können, da die meisten leider zu vorbildfixiert sind. BURNING POINT scheißen auf sowas, schrauben einen "Absolut"-Wodka auf und greifen zu den Instrumenten, um sich in einen Rausch aus griffigen Riffs zu spielen und sich gutartige Melodien aus den Ärmeln zu schütteln. 
Unverkrampfter und packender Heavy Metal wie er im Buche steht. Finnland ist um eine gute Band reicher.
"Under The Dying Sun"

THOMAS

HORAKANE „Eternal Infinity“ 9
Frontiers/Now&Then/XIII BIS/Point, 2001

Horakane - Eternal Infinity

Während Poley und Pichler (siehe Melodica am 28. Mai 2002) von sich glauben, jeweils ein Sänger und ein Gitarrist zu sein und gute Songs zu schreiben, können Shouter Tony O’Hora und Klampfer Jamie Kane dies tatsächlich von sich behaupten. Und eigenartigerweise verzichten die beiden im Booklet vollständig darauf, sich in Pose zu stellen oder hervorzuheben und sind nur auf einem Foto inmitten ihrer beiden Mitmusiker Steve McKenna (Ten) und Brian Dickinson (Cathedral) zu sehen. Offenbar ist es ein Markenzeichen der meisten wirklich hervorragenden Musiker, um ihre Person nicht solch ein Tam Tam zu machen. Denn da die Musik für sich spricht, ist man auf diese Typen neugierig, ohne daß sie sich einem mit peinlichen Bildchen oder Statements aufdrängen.
Es geht hier um das Projekt HORAKANE eben jener beiden britischen Musiker, die jüngst das Album „Eternal Infinity“ veröffentlichten. O’Hora singt hauptberuflich bei Praying Mantis, und deren Erfolg ist es zu verdanken, daß nach einer Japan-Veröffentlichung HORAKANEs Album jetzt auch in Europa erschien. Welch Glück, denn sonst wäre den Melodic und True Metal-Fans ein echter Leckerbissen entgangen.
„Over The Edge“
Wenn man bei dem Song „Over The Edge“ unüberhörbar Anleihen bei den alten Judas Priest vernimmt, entwickelt sich das Rest-Material zu einem absolut eigenständigen Mix aus NWOBHM-Riffing und US-Melodic-Metal-Melodien. Wer aufgepaßt hat, könnte jetzt dazwischen rufen und meinen: „Typisch Glam“ und läge gar nicht mal so falsch. An diese Ära Anfang und Mitte der 80er Jahre erinnert dieses Zeug schon. Und HORAKANE haben genau wie meinetwegen einst W.A.S.P. mit „L.O.V.E. Machine“ oder Cinderella mit „Somebody Save Me“ in dem Stück „Don’t Wait Until Tomorrow“ einen Überhit, dessen Refrain-Melodie praktisch jeden aus der Lethargie reißt.
Leider, leider ist nicht jeder Song der CD solch ein musikalisches Wunder. Während zum Beispiel Ballade Nummer zwei, „Remember My Name“, wirklich etwas Besonderes ist, funktioniert Nummer 1, „Never Meant To Make You Cry“, kaum. Allerdings: einen echten Ausfall gibt es auf dieser CD nicht.

JUB

MONTANY "New Born Day" 4
Limb Music/SPV, 2002

Montany - New Born Day

Ordentlich ihre Helloween-Hausaufgaben haben die fünf Musiker der Band MONTANY gemacht. So gibt es technisch einwandfreien speedigen Melodic Metal zu hören, der nur selten ohne den Einsatz der Doublebass auskommt. Die dazu gereichten Strophenriffs sind aber nur in den wenigsten Fällen spektakulär. Stärker sind da die Leads und Einsprenksel, die das recht eintönige Songmaterial aufwerten. Retten können sie die Platte aber nicht, denn starke Leads hin und her, wenn die griffigen, einprägsamen Melodien, die diese Art von Musik dringend braucht, fehlen, b.z.w. nicht überzeugen können, dann kann auch ein sehr um die Stimmlage eines Michael Kiske bemühten Sänger nichts mehr retten.
"Pyramid Of Cheops"

THOMAS

SCENT „Period“ 4
Masterrox/Sure Shot/Connected, 2001

Scent - Period

Ein Wort genügt, um bei dem Großteil der Interregnum-Hörer das Interesse an dieser CD abzutöten: modern. Das wird meist mit New Metal, Crossover, elektronischem Schnickschnack, Alternative und einer Menge Popapeal in Verbindung gebracht. Und so ist es auch. Die Finnen SCENT sind eine absolut hippe Band, die durchaus zu TV-Rotations-„Ehren“ kommen könnte. Nur hat sie dafür vermutlich kein Label hinter sich, das für solch einen Einsatz finanziell stark genug wäre.
Allerdings können SCENT für sich in Anspruch nehmen, nicht zu den Kennt-man-eine-kennt-man-alle-Bands zu gehören. Zum einen passiert durchaus eine ganze Mange auf dieser CD, zum anderen haben die Finnen jene schwermütigen Melodien einfließen lassen, wie man sie von anderen Bands aus diesen Breitengraden kennt (HIM, To Die For). Daher bleibt diese Scheibe immer noch gut genug, um sie nicht als Frisbee-Scheibe zu benutzen.
Das wirklich witzige an der SCENT-Veröffentlichung ist der CD-Titel „Period“ im Zusammenhang mit einem Cover, das offenbar einen Strom von Blut zeigt. Vielleicht ist diese merkwürdige Flüssigkeit doch ein bißchen zu hell, aber gewisse Deutungen seien einem da schon gestattet.
„The Tumor Circus“

JUB
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