PRIMAL FEAR „Nuclear Fire“
7
Nuclear Blast, 2001
„Fight The Fire“
Während „Jaws Of Death“ nach
dem überragenden selbstbetitelten PRIMAL FEAR-Debüt doch gehörig
schwächelte und mit einer ganzen Batterie hausbackener Riff-Gebilde
aufwartete, scheinen Mat Sinner und Ralf Scheepers wieder - wenn auch noch
nicht so lichterloh wie auf dem Erstling - zu brennen. Vielleicht deswegen
der vielsagende Album-Titel „Nuclear Fire“. Heiß wird es aber nicht
nur bei dem Titelsong, sondern auch bei „Fight The Fire“ und „Fire On The
Horizon“. Aber wen wunderts, daß diese Typen immer dann, wenn es
heißt, jetzt muß es klappen, auch tatsächlich funktionieren.
Immerhin sind sie praktisch zur deutschen Heavy Metal-Ehrenabteilung zu
zählen. PRIMAL FEAR sind auch mit „Nuclear Fire“ für Judas Priest-,
Accept- und Sinner-Fans ein Muß.
„Fire On The Horizon“
JUB
VANITAS
„Das Leben ein Traum“ 4
CCP, 2001
Diese Scheibe
von VANITAS ist ein zweischneidiges Schwert. Beginnen wir bei der Musik,
die heavy rüberkommen soll aber doch eigentlich meist nur nett bleibt.
Die Death-Growls klingen zurückhaltend, als würde hier eine Einkaufsliste
aufgezählt. Aber trotz einiger langer Passagen bemühen sich die
Österreicher
in ihren Strukturen nachvollziehbar zu bleiben. Und genau dieser Vorteil
wird dann wenig später schon wieder zum Killer, wenn die Band versucht,
einfach zuviel Text in zu wenig Musik unterzubringen.
Die Texte
haben den Tod zum Thema und funktionieren überwiegend sogar. Allerdings
bleiben aufgesetzte Momente nicht aus. Wer die CD sein Eigen nennt, wird
diese Passagen sicher selbst herausfinden.
„Der kurze
Hoffnungsschimmer“
JUB
RHAPSODY
„Dawn Of Victory“ 6
LMP/Inside
Out/SPV, 2001
Husch husch,
da geht es wieder mit Flitzefingern über die Griffbretter, werden
die Arrangements aufgeblasen, als gelte es einen Luftballon zum Platzen
zu bringen und überbietet man sich im Erfinden von Kinderliedern.
Die 97er „Lengendary Tales“ wird auch nach der „Dawn Of Victory“ weiterhin
RHAPSODYs Geniestreich bleiben.
Das nur vorweg,
denn das dritte Album der Italiener ist keineswegs schlecht. Sicher übertreiben
sie es diesmal ein wenig mit ihren eingestreuten Pseudo-Klassik-Spritzern,
sorgen aber mit abwechslungsreich gestalteten Songs für allerlei Kurzweil.
Daß dabei manchmal der Pfiff auf der Stecke bleibt, wurde hier billigend
in Kauf genommen.
„Village
Of The Dwarves“
Das Gute an
RHAPSODY ist auf jeden Fall die Tatsache, daß diese Band niemals
anders klingen wird, als man sie auf dem ersten Album erlebte. Auch kann
man bei diesem Fünfer von einem Song immer schon auf die anderen schließen.
Eine sichere Bank also. Der nächsten Scheibe würde ich aber auf
jeden Fall eine andere Atmosphäre wünschen, sonst wird es doch
zu öde.
„Dargor, Shaddowlord
Of The Black Mountain“
JUB
DRAGONLORD
„Rapture“ 7
Spitfire,
2001
So kann’s gehen.
Da hat sich Eric Peterson, Testament-Gitarrist, einen Haufen europäischer
Metal Bands in einem Underground-Mailorder seines Vertrauens bestellt und
erstaunt festgestellt, daß da hinter dem großen Wasser eine
Menge guter Musik fabriziert wird, die sich Black Metal oder Gothic nennt.
„Boah“, dachte sich Eric. „Das will ich auch machen.“ Und so formierte
er das Projekt DRAGONLORD.
„Born To
Darkness“
Und da haben
wir all die uns bekannten Attitüden: Kreischgesang (hier ziemlich
rauh übrigens und von Eric himself vorgetragen), Keybord-Bombast,
rasende Gitarren, Rhythmus-Firlefanz ... und so pendelt diese Black/Gothic/Thrash-Mischung
zwischen Kurzweil und Klischees, die aber nie peinlich sind. Aufgepeppt
wird das Ganze noch durch das Einstreuen nahezu erstaunlicher Gitarren-Soli,
wie von Peterson eigentlich nicht anders zu erwarten. Und daß Eric
Peterson nicht nur abgelauscht hat, sondern auch etwas von dem versteht,
was er da macht, zeigt besonders deutlich jenes Songdreigestirn, das mit
„Born To Darkness“ beginnt und mit „Judgement Failed“ und „Wolfhunt“ das
hohe Niveau hält.
„Judgement
Failed“/“Wolfhunt“
JUB
OF THE
WAND AND THE MOON „Emptiness:Emptiness:Emptiness“ 4
Prophecy Prod.,
2001
Hier liegt
ein neues Singer/Songwriter-Album vor. Es steht ohrenscheinlich in der
Tradition von Leonard Cohen und Donovan. Nun gut, man weiß ja mittlerweile,
daß in der Gothic-Szene die merkwürdigsten Auswüchse ihr
Dasein fristen: Düsternis, Melancholie und depressive Atmosphäre
werden groß geschrieben. Wie man diesen Zustand erreicht, scheint
da keine Rolle mehr zu spielen. Im Falle von Kim Larsen - der ist nämlich
OF THE WAND AND THE MOON - tut es die Akustik-Gitarre. Die ist zwar mit
Orgelsounds unterlegt, könnte aber ob der simplen Struktur der Stücke
auch gut und gerne zur Unterhaltung am Lagerfeuer herhalten. Dort scheinen
die Songs auch entstanden zu sein. Allerdings sollte sich Larsen dann kein
Publikum suchen, das noch in Party-Laune ist. Mit den Stücken seiner
CD „Emptiness:Emptiness:Emptiness“ kann er nämlich jegliche Stimmung
den Bach runter singen. Und genau das ist das Problem dieser Scheibe. Der
ein oder andere Song (z.B. „Lost In Emptiness“) ist für sich allein
ein sehr hübsches Lied. Für eine ganze CD sind die Ideen Larsens
allerdings einfach zu spärlich. Sachen wie „In A Robe Of Fire“ sind
mit ihrer Monotonie einfach nur stinklangweilig.
„Here's
To Misery“
JUB
STONE TO FLESH „Some Wounds
Bleed Forever“ 8
CCP, 2001
Ausgerechnet in die Zeit der Gründung
der Band STONE TO FLESH, 1996, fiel der Anfang vom Ende des Hyperblast-Black
Metals. Nicht, daß es diese Art der Musik bald nicht mehr geben sollte,
die Label fingen allerdings an, satt zu werden. Den Jugoslawen war das
aber scheißegal und so wird auch anno 2001 noch gebrettert und gekreischt,
was Gitarren und Stimmbänder hergeben.
„Razor Speed“
STONE TO FLESH machen das auf eine
ganz beeindruckende Art und Weise, denn sie verstehen es - trotz des sagenhaften
Tempos - ihren Melodien Raum zu geben. Das gelingt nicht zuletzt auch durch
den vortrefflichen Sound, der die Musik zum einen transparent macht, den
Druck aber in keinster Weise schmälert. „Some Wounds Bleed Forever“,
manche musikalischen Vorlieben sind offenbar auch nie tot zu kriegen.
„Some Wounds Bleed Forever“
JUB
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