An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 04. September 2001


PRIMAL FEAR „Nuclear Fire“ 7
Nuclear Blast, 2001

Primal Fear - Nuclear Fire

„Fight The Fire“
Während „Jaws Of Death“ nach dem überragenden selbstbetitelten PRIMAL FEAR-Debüt doch gehörig schwächelte und mit einer ganzen Batterie hausbackener Riff-Gebilde aufwartete, scheinen Mat Sinner und Ralf Scheepers wieder - wenn auch noch nicht so lichterloh wie auf dem Erstling - zu brennen. Vielleicht deswegen der vielsagende Album-Titel „Nuclear Fire“. Heiß wird es aber nicht nur bei dem Titelsong, sondern auch bei „Fight The Fire“ und „Fire On The Horizon“. Aber wen wunderts, daß diese Typen immer dann, wenn es heißt, jetzt muß es klappen, auch tatsächlich funktionieren. Immerhin sind sie praktisch zur deutschen Heavy Metal-Ehrenabteilung zu zählen. PRIMAL FEAR sind auch mit „Nuclear Fire“ für Judas Priest-, Accept- und Sinner-Fans ein Muß.
„Fire On The Horizon“

JUB

VANITAS „Das Leben ein Traum“ 4
CCP, 2001

Vanitas - Das Leben ein Traum

Diese Scheibe von VANITAS ist ein zweischneidiges Schwert. Beginnen wir bei der Musik, die heavy rüberkommen soll aber doch eigentlich meist nur nett bleibt. Die Death-Growls klingen zurückhaltend, als würde hier eine Einkaufsliste aufgezählt. Aber trotz einiger langer Passagen bemühen sich die Österreicher in ihren Strukturen nachvollziehbar zu bleiben. Und genau dieser Vorteil wird dann wenig später schon wieder zum Killer, wenn die Band versucht, einfach zuviel Text in zu wenig Musik unterzubringen.
Die Texte haben den Tod zum Thema und funktionieren überwiegend sogar. Allerdings bleiben aufgesetzte Momente nicht aus. Wer die CD sein Eigen nennt, wird diese Passagen sicher selbst herausfinden.
„Der kurze Hoffnungsschimmer“

JUB

RHAPSODY „Dawn Of Victory“ 6
LMP/Inside Out/SPV, 2001

Rhapsody - Dawn Of Victory

Husch husch, da geht es wieder mit Flitzefingern über die Griffbretter, werden die Arrangements aufgeblasen, als gelte es einen Luftballon zum Platzen zu bringen und überbietet man sich im Erfinden von Kinderliedern. Die 97er „Lengendary Tales“ wird auch nach der „Dawn Of Victory“ weiterhin RHAPSODYs Geniestreich bleiben.
Das nur vorweg, denn das dritte Album der Italiener ist keineswegs schlecht. Sicher übertreiben sie es diesmal ein wenig mit ihren eingestreuten Pseudo-Klassik-Spritzern, sorgen aber mit abwechslungsreich gestalteten Songs für allerlei Kurzweil. Daß dabei manchmal der Pfiff auf der Stecke bleibt, wurde hier billigend in Kauf genommen.
„Village Of The Dwarves“
Das Gute an RHAPSODY ist auf jeden Fall die Tatsache, daß diese Band niemals anders klingen wird, als man sie auf dem ersten Album erlebte. Auch kann man bei diesem Fünfer von einem Song immer schon auf die anderen schließen. Eine sichere Bank also. Der nächsten Scheibe würde ich aber auf jeden Fall eine andere Atmosphäre wünschen, sonst wird es doch zu öde.
„Dargor, Shaddowlord Of The Black Mountain“

JUB

DRAGONLORD „Rapture“ 7
Spitfire, 2001

Dragonlord - Rapture

So kann’s gehen. Da hat sich Eric Peterson, Testament-Gitarrist, einen Haufen europäischer Metal Bands in einem Underground-Mailorder seines Vertrauens bestellt und erstaunt festgestellt, daß da hinter dem großen Wasser eine Menge guter Musik fabriziert wird, die sich Black Metal oder Gothic nennt. „Boah“, dachte sich Eric. „Das will ich auch machen.“ Und so formierte er das Projekt DRAGONLORD.
„Born To Darkness“
Und da haben wir all die uns bekannten Attitüden: Kreischgesang (hier ziemlich rauh übrigens und von Eric himself vorgetragen), Keybord-Bombast, rasende Gitarren, Rhythmus-Firlefanz ... und so pendelt diese Black/Gothic/Thrash-Mischung zwischen Kurzweil und Klischees, die aber nie peinlich sind. Aufgepeppt wird das Ganze noch durch das Einstreuen nahezu erstaunlicher Gitarren-Soli, wie von Peterson eigentlich nicht anders zu erwarten. Und daß Eric Peterson nicht nur abgelauscht hat, sondern auch etwas von dem versteht, was er da macht, zeigt besonders deutlich jenes Songdreigestirn, das mit „Born To Darkness“ beginnt und mit „Judgement Failed“ und „Wolfhunt“ das hohe Niveau hält.
„Judgement Failed“/“Wolfhunt“

JUB

OF THE WAND AND THE MOON „Emptiness:Emptiness:Emptiness“ 4
Prophecy Prod., 2001

Of The Wand And The Moon - Emptiness:Emptiness:Emptiness

Hier liegt ein neues Singer/Songwriter-Album vor. Es steht ohrenscheinlich in der Tradition von Leonard Cohen und Donovan. Nun gut, man weiß ja mittlerweile, daß in der Gothic-Szene die merkwürdigsten Auswüchse ihr Dasein fristen: Düsternis, Melancholie und depressive Atmosphäre werden groß geschrieben. Wie man diesen Zustand erreicht, scheint da keine Rolle mehr zu spielen. Im Falle von Kim Larsen - der ist nämlich OF THE WAND AND THE MOON - tut es die Akustik-Gitarre. Die ist zwar mit Orgelsounds unterlegt, könnte aber ob der simplen Struktur der Stücke auch gut und gerne zur Unterhaltung am Lagerfeuer herhalten. Dort scheinen die Songs auch entstanden zu sein. Allerdings sollte sich Larsen dann kein Publikum suchen, das noch in Party-Laune ist. Mit den Stücken seiner CD „Emptiness:Emptiness:Emptiness“ kann er nämlich jegliche Stimmung den Bach runter singen. Und genau das ist das Problem dieser Scheibe. Der ein oder andere Song (z.B. „Lost In Emptiness“) ist für sich allein ein sehr hübsches Lied. Für eine ganze CD sind die Ideen Larsens allerdings einfach zu spärlich. Sachen wie „In A Robe Of Fire“ sind mit ihrer Monotonie einfach nur stinklangweilig.
„Here's To Misery“

JUB

STONE TO FLESH „Some Wounds Bleed Forever“ 8
CCP, 2001

Stone To Flesh - Some Wounds Bleed Forever

Ausgerechnet in die Zeit der Gründung der Band STONE TO FLESH, 1996, fiel der Anfang vom Ende des Hyperblast-Black Metals. Nicht, daß es diese Art der Musik bald nicht mehr geben sollte, die Label fingen allerdings an, satt zu werden. Den Jugoslawen war das aber scheißegal und so wird auch anno 2001 noch gebrettert und gekreischt, was Gitarren und Stimmbänder hergeben.
„Razor Speed“
STONE TO FLESH machen das auf eine ganz beeindruckende Art und Weise, denn sie verstehen es - trotz des sagenhaften Tempos - ihren Melodien Raum zu geben. Das gelingt nicht zuletzt auch durch den vortrefflichen Sound, der die Musik zum einen transparent macht, den Druck aber in keinster Weise schmälert. „Some Wounds Bleed Forever“, manche musikalischen Vorlieben sind offenbar auch nie tot zu kriegen.
„Some Wounds Bleed Forever“

JUB


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