Abgehört vom 5. April 2005

MALEFACTOR
"Death Falls Silent"
Erschienen: 2002
Label: Metal Age Productions
Homepage: www.geocities.com/xmalefactorx
MALEFACTOR - Death Falls Silent On Air: "Masticate"
"Bloodshed"
Ha, ein Spätzünder. Aber trotzdem vom slowakischen Label Metal Age Productions erst kürzlich noch einmal in der Original-Pressung von 2002 unters Volk geworfen. Das könnte ein Indiz dafür sein, daß sich die Amis MALEFACTOR mit ihrer Scheibe "Death Falls Silent" nicht gerade eine vor Freude ausgeflippte Fanschar erspielt haben. Und das wundert keineswegs, denn die Songs auf diesem Album sind wirklich nichts für Silberhochzeiten.
Ryan Stewart ergeht sich in Gummizellen-verdächtigen Schreikrämpfen, Basser Jason Vansickle steht unter Valium und muß vermutlich immer wieder geohrfeigt werden, damit er wach bleibt und das Gitarren-Duo Garret Spell und Chris Durrance läßt sich bei seinem Spiel ganz von den in ihrem Kopf existierenden Wahnvorstellungen leiten, mal ticken sie völlig aus, dann wieder klimpern sie uninspiriert total apathisch vor sich hin. Drummer Shannon Marchman scheint der Betreuer zu sein, denn er trommelt diszipliniert auf jenes Zeug, was die anderen vier Bekloppten fabrizieren.
Party in der Klapper. Und ist man dazu eingeladen, ringt man sich ein Lächeln ab, weil einen die ausdruckslosen Gesichter ringsumher mit solch großen Augen anschauen. Die Musik allerdings geht einem von Minute zu Minute mehr auf den Sack.
In Fan-Kreisen könnte das Material durchaus als eine Mischung aus Hardcore und Grindcore durchgehen. Im Falle von MALEFACTOR dargeboten von einer Horde Christen. Kein Wunder, daß die in einer Anstalt sitzen. 4 von 10
JUB

ENTER CHAOS
"Aura Sense"
Erschienen: 2004
Label: Metal Mind Records
Homepage: www.enterchaos.tk
ENTER CHAOS - Aura Sense On Air: "Aura Sense"
Die Maiden treibt es auf die Bühne. Ist sicher toll: Im Rücken eine Männertruppe, die wie ein startender Düsen-Jet lärmt, und im Saal wilde Ritual-Tänze aufführende Jung-Krieger, die der Frontfrau womöglich noch huldvolle Blicke zuwerfen. Das kann schon anturnen.
Natürlich setzen solche Reaktionen voraus, daß die Holde am Gesangsmikrophon diverse stimmliche Verrenkungen beherrscht, die selbst den meisten männlichen Kollegen nicht gelingen werden. Und im Falle von Marta, die für die polnische Band ENTER CHAOS ihre Stimmbänder strapaziert, haben wir auf jeden Fall ein weibliches Geschöpf, das sich hinter ihren großen Kolleginnen Sabina Claasen (Holy Moses, Temple Of The Absurd) oder Angela Gossow (Arch Enemy) nicht verstecken muß. Und wo wir gerade bei Arch Enemy sind: Wenn ENTER CHAOS straight zu Werke gehen ("Aura Sense"), klingt ihr Melodic Death Metal etwas nach jenen Schweden um die Amott-Brüder, die mittlerweile schon zu den Speerspitzen dieses Genres gehören. Nicht selten erlauben sich ENTER CHAOS aber auch Schrägheiten, die nicht nur die Fähigkeiten der Musiker belegen, sondern vor allem das Material durchaus interessant machen. Auch haben sich die Polen ein paar elektronische Spielereien erlaubt (zum Beispiel "d.Evil Inside"), die dann in der Industrial-Version von "Baby The Handgun" am Schluß der Scheibe zum Stilmittel erhoben werden. Mit mal so nebenbei hören, ist das Ding nicht getan. Mit dem Album "Aura Sense" kann man mehr anfangen.
Kommen wir zurück zu Marta. Sie beeindruckt im ersten Moment, allerdings setzt sie ihre Stimme bisher nur in einem Growl- und Kreisch-Stil ein wie es ein Mann vermutlich nicht anders gemacht hätte. Eine spezielle weibliche Note fehlt. Dabei sollte man mit den Gegensätzen der naturgemäßen Zartheit und der brtaul-maskulinen Singerei wuchern. 8 von 10
JUB

EWIGKEIT
"Land Of Fog"
Erschienen: 2002
Label: Metal Age Productions
Homepage: http://homepage...
EWIGKEIT - Land Of Fog On Air: "Super-Sonic Blue Thunder"
Noch so ein Spätzünder, der den Weg ins INTERREGNUM-Programm geschafft hat. In diesem Fall ist es aber ein großes Glück, daß "Land Of Fog" noch einmal die Chance erhält, auch von jenen registriert zu werden, die bisher noch nichts von dieser Scheibe gehört haben. Denn der Projekt-Träger von EWIGKEIT weiß nicht nur mit wunderschönen volltönenden Melodien aufzuwarten, sondern die Musik so besonders zu gestalten, daß man aufhorcht.
EWIGKEIT ist das Kind des britischen Musikers James Fogarty (nicht John Fogerty, denn der wäre von CCR und würde Country Rock machen). Fogarty ist auch bekannt als Mr. Fog und hat in der europäischen Pagan-Szene durchaus die ein oder andere Spur hinterlassen. Mindestens seit 1994 veröffentlicht er Tonträger und unter EWIGKEIT ist "Land Of Fog" bereits Album Nummer drei. Und es ist das bis dato beste. Wenn auch maßgeblich als Pagan-Metal-Scheibe zu werten, vereint es die besten Elemente schwermütigen Gothics mit der finnischen Melancholie. Manchmal begegnen sich gar Lake Of Tears und Falkenbach. Und Mr. Fog schreckt auch vor experimentell-spacigen Klängen nicht zurück ("Interlude", "The Doomsday Machine", "Escapologies"), die man einem Metal-Musiker nicht zutrauen würde. "Land Of Fog" stehen diese Momente aber ausgezeichnet, da es in seiner Gesamtheit eh ziemlich hypnotisierend wirkt. Eine echte Entdeckung, diese EWIGKEIT. 9 von 10
JUB 

TOC
"Loss Angeles"
Erschienen: 2004
Label: Inside Out/SPV
Homepage: www.tocrocks.com
TOC - Loss Angeles On Air: "Night Crawler"
"Smoke On The Water"
"Blue Lady"
Die guten Seiten: "The Widow" ist ein schmissiges, hochmelodiöses Power-Metal-Stück, das verdammt viel Verweise in die Children-Of-Bodom-Fraktion aufzuweisen weiß, "Break-A-Neck" gefällt gar mit rauhem Kreischgesang, eindeutig Schweden-Thrash/Death, "Night Crawler" ist das bessere "Turbo Lover" von Judas Priest und die "Smoke On The Water"-Version ist nicht nur schneller und aggressiver als das Original, sondern auch eine Cover-Sache, der eine Idee zugrunde liegt.
Die schlechten Seiten: "Gothamburg", "Blue Lady" und "Wait" sind Songs, die vor Pathos triefen und wunderbar in einem Schwulen-Klub funktionieren würden, wo sich eingeölte, verschwitze Männerleiber am Bühnenrand drängen. "Bite The Bullet" beginnt als swingender Bar-Musik-Unsinn, wird dann experimenteller, begleitet von einem kranken Spechgesang.
Bei TOC und dem Album "Loss Angeles" treffen zwei Welten aufeinander. Die finnische Band - einst unter Throne Of Chaos firmierend - will Grenzen sprengen, aufzeigen, wozu sie in der Lage ist, sich auch ausprobieren. Aber nicht alles muß einem gefallen, was Musiker-Köpfe so gebähren. Im Falle von TOC gibt es wirklich ein paar sehr geile Sachen zu hören, im Gegensatz dazu stehen aber Stücke, die unter aller Kanone sind. So etwas dürfte sich wahrlich schwer verkaufen, denn wer gibt schon einen ganzen 20er für eine halbe CD aus. 5 von 10
JUB

MOR DAGOR
"Bloodstream"
Erschienen: 2000
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.mor-dagor.de
MOR DAGOR - Bloodstream On Air: "Pure War"
"Rotten Hate"
Als das Trio von MOR DAGOR noch keine Leichen schändete, Kinder vögelte und christlich orientierte Menschen peinigte (siehe Abgehört vom 29. März), gingen sie durch die Hölle eines infernalischen Krieges. Nachzuhören ist das auf ihrer 2000er Scheibe "Bloodstream". Und damals war Black Metal das einzig mögliche Werkzeug, das den Ausbrüchen der Band Nachdruck verleihen konnte. Die Songs wurden rasant bis hektisch heruntergespielt, die Gitarren waren kratzend spitz und Schlagzeuger Torturer empfahl sich mit seinem übermenschlichen Gekloppe vermutlich hier bereits für einen Job bei Belphegor.
Wir haben es mit "Bloodstream" ohne Frage mit einer sehr guten Black-Metal-Scheibe zu tun, die zwar nicht gerade vor außergewöhnlichen Einfällen zu bersten droht und mit knapp 20 Minuten viel zu kurz ist, allerdings ein sehr solides Kanonenfutter zu kredenzen weiß. 7 von 10
JUB

THE MORE I SEE
"The Wolves Are Hungry"
Erschienen: 2004
Label: Steamhammer/SPV
Homepage: www.themoreisee.com
THE MORE I SEE - The Wolves Are Hungry On Air: "Near Extinction"
Einst das Mutterland aller harten Gitarren, ja man kann sagen, der modernen Rock Musik, ist Großbritannien heutzutage eher ein brach liegendes Gebiet, das zwar einen vor Kraft strotzenden Boden besitzt, auf dem jedoch niemand etwas anbaut. Allerdings kämpfen sich hier und da kleine Pflänzchen auch ohne fremde Hilfe an die Oberfläche und leuchten weit ins Land. Vor allem im Pagan- und Black-Metal-Genre gibt es da immer mal wieder Überraschendes zu erlauschen. Mit THE MORE I SEE ist die Ausrichtung etwas populärer, wenn man das so nennen kann. Das Debüt dieser 2002 in England gegründeten Band mit dem Titel "The Wolves Are Hungry" bringt es nicht nur mit dem Namen auf den Punkt: Hier sind fünf Typen auf die Menschheit losgelassen worden, die sich einen kaputten Mädchen-Schlüpfer um scharf umrissene Schubladen scheren. Thrash Metal, Alternative, Hardcore, Melodic Metal - Unvereinbares wird kraftvoll angepackt und sensibel zusammengebracht. Die Songs funktionieren wunderbar, da sie alle von starken Melodien umhüllt werden, die keine Second-Hand-Ware darstellen. Hier klingt alles so frisch, daß man die CD immer wieder hören kann, ohne genug zu bekommen. Selbst progressive Momente (zum Beispiel "Friend Turned Enemy") gleiten einem unvermeintlich ins Ohr und Anflüge moderner Crossover-Verfehlungen ("Smile") scheinen nahtlos in das Konzept zu passen.
Herauszuheben sei bei dieser Band noch der großartige Gesang. Ob Gizz Butt im Alleingang röhrt (klingt ein bißchen nach John Bush von Anthrax und Armored Saint) oder die Jungs zu einem gemeinsamen Singen ansetzen, klingt wirklich klasse. 9 von 10
JUB

CLOSTERKELLER
"Nero"
Erschienen: 2004
Label: Metal Mind Records
Homepage: www.closterkeller.com
CLOSTERKELLER - Nero On Air: "Queen"
Hach, wie reizvoll muß die deutsche Sprache doch für die Ausländer sein. Eben nannte ein Brite seine Band noch Ewigkeit, da kommen uns unsere polnischen Nachbarn mit einer Truppe namens CLOSTERKELLER. Und hey, wie originell eigentlich. Für eine Gothic-Band ist solch ein Name doch nahezu ideal.
Und diese Leute können obendrein für sich in Anspruch nehmen, auf eine gewisse Art eine Vorreiterrolle eingenommen zu haben, denn CLOSTERKELLER gibt es schon seit 1988. Und sie nahmen in dieser Zeit sage und schreibe zwölf Scheiben auf, Mini-CDs mitgerechnet. Zwei davon, nämlich "Graphite" und jetzt "Nero" gibt es auch in englischsprachigen Versionen.
Vielleicht ist es ja die konsequente Umsetzung der Texte in polnischer Sprache gewesen, die uns CLOSTERKELLER bisher weniger ins Licht rückte. Denn die Musik kann es nicht sein, die einen Sturmlauf durch Westeuropa verhinderte. "Nero" zeugt nämlich von einer unglaublichen Qualität der Band.
Der Opener, "Watching As You Drown", dürfte Gothic-Fans schon mal zu Tränen rühren, denn hier bersten Kraft und Atmosphäre, während "Fight Club" schon mehr in die EBM-Richtung geht. "As I Glide" ist schwermütig bis tragisch und bringt den äußerst markanten Gesang von Anja Orthodox wunderbar zur Geltung. Die Vokalistin hat eine klare aber kraftvolle Stimme, die schwere, warme Töne ebenso beherrscht, wie das Cranberries-Gejodel. Industrial-Melancholie gibt es bei "Oueen" zu hören und "He Comes When The Night Falls" erinnert gar an die späten Werke der New-Wave-Legende Siouxie & The Banshees. Ha, und der Titelsong "Nero" hat dann gar einen Drum'n'Bass-Touch. Und herzzereißende Melancholie wird dann bei "Amber" groß geschrieben.
"Nero" hat viele Facetten und ist dabei doch beinahe rund wie ein architektonisches Wunder. 9 von 10
JUB

JACK FROST
"Wannadie Songs"
Erschienen: 2005
Label: Massacre/Soulfood
Homepage: www.jackfrost.at
JACK FROST - Wannadie Songs On Air: "Forever And Never"

Wer die Tonträger-Karriere von JACK FROST verfolgt hat, wird festgestellt haben, daß die Österreicher immer ein wenig zwischen tonnenschwerem Doom Metal und schwermütigem Gothic Metal hin und her pendelten. Eigentlich hätten sie schon gern die Einheit beider Genres vollzogen, aber irgend etwas wollte da dann doch nicht passen.
Jetzt ist es vollbracht. JACK FROST haben ihre filigrane Handschrift gefunden. Schwerpunkt bleiben nach wie vor die Panzer-Doom-Songs, die bei aller Langsamkeit nie öde wirken. Wenn allerdings mehr Tempo in die Musik der nunmehr sechsten Scheibe der Band kommt, halten sie das Niveau. Absolut. Und das vor allem wegen betörender Melodien, die ebenso schön wie melancholisch klingen (zum Beispiel "Me And Dark And You" und "Forlorn"). Dynamik und die sonore Stimme von Phred Phinster haben daran einen wesentlichen Anteil. 9 von 10
JUB

INSOMNIUM
"Since The Day It All Came Down"
Erschienen: 2004
Label: Candlelight/PHD
Homepage: www.insomnium.net
INSOMNIUM - Since The Day It All Came Down On Air: "Death Walked The Earth"
Ich weiß schon gar nicht mehr, wie ich Rezensionen zu CDs finnischer Bands beginnen soll, denn die Suomi-Schwemme hält an. Im Fall von INSOMNIUM haben wir es aber mit einer Band zu tun, die INTERREGNUM-intern nicht mehr überrascht, da wir bereits 2002 das Debüt der Band vorgestellt haben (siehe Abgehört vom 19. November 2002). Zu jener Zeit wurden INSOMNIUM zwar registriert, konnten aber nicht gerade wer weiß wie tiefe Krater hinterlassen. Bei Album Nummer zwei entwickelt sich da schon mehr Zuneigung beim Zuhörer, denn platte Vergleiche mit Landsleuten oder schwedischen Melodic-Death-Ikonen fallen nicht mehr ganz so leicht. Die Stärken INSOMNIUMs liegen mittlerweile eindeutig in der sehr einfühlsamen Gestaltung der Songs, die mit sanften Akustik-Passagen und wuchtigen Brachialriffs eindrucksvolle Momente aufzuweisen haben ("Daughter Of The Moon", "Disengagement", "Song Of The Forlorn Son"). Und das ist nicht etwa konstruiert, sondern hat ganz viel Feeling. Gänsehäute sind da schon bestellt.
Bei aller Melancholie, die den Songs definitiv zugrunde liegt, haben INSOMNIUM auch eine Menge Holz im Ofen, so daß es mächtig knistert in den Boxen. Trotzdem bleibt die Grundstimmung, die die growlig-heisere Gesangsdarbietung noch unterstützt.
Bei INSOMNIUM lohnt das Hinhören. Potential hat die Band ohne Ende. Da darf man auf den dritten Streich gespannt sein. 8 von 10
JUB

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