An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 05. Juni 2001

 

EXTREME NOISE TERROR „Being And Nothin“ 8
Candlelight/Tanglade/Abstract, 2001

Extrem Noise Terror - Being And Nothing

15 Jahre im Geschäft und kein bißchen leiser. EXTREME NOISE TERROR - schon immer bekannt für Geschrote, daß die Birne platzt - demolieren mit ihrem neuen Werk „Being And Nothing“ jede Box, die nicht sicherheitshalber vorher in einen Stahlmantel eingeschweißt wurde. 
„No Longer As Slaves“
Was krachte, war für die Lärm-Terroristen gerade mal gut genug. Grindcore, Crustcore, Death Metal - immer auf den Hinterkopf. Vom Original-Line up ist nur noch Sänger Dean Jones dabei. Sein gesanglicher Dualpartner nennt sich Adam Catchpole. Ansonsten haben wir noch Ali Firouzbahkt (Ex-Raw Noise), Gian Pyers (ldg, Cradle Of Filth), Butcher (g) und Zac O’ Neil. Und dieses Team hat anno 2001 wieder heftigste Death Metal-Schlagseite.
„When Gods Burn“

JUB

HELHEIM „Blood & Ild“ 9
Ars Metalli/Zomba, 2000

Helheim - Blood & Ild

Beim Opener und Titelsong der aktuellen HELHEIM „Blood & Ild“ hätte ich am liebsten den totalen Verriß ausgepackt. Dieses Ansinnen änderte sich auch bei den nächsten Stücken nicht. Denn was sollten diese Laibach-Versatzstücke?
„Helheim (Part II)/Jernskogen“
Dann genügte schon ein zweiter Durchlauf, um mich zumindest dahingehend umzustimmen, daß ich Geschmack an den schwermütigen Melodien fand, den Gitarrensound lieb gewann und mich herrlich über die intelligenten christenfeindlichen Texte freute.
„Blood & Ild“
Und schließlich, was soll ich sagen? Durchlauf Nummer drei ließ mich in völliger Begeisterung zurück. Welch Vielfalt, welch grandiosen Arrangements, welch eingängigen Weisen. Auch wenn HELHEIM meilenweit von ihrem unerreichten Debüt „Jormundgand“ entfernt sind, mit „Blood & Ild“ haben sie ihrer Veröffentlichungsgeschichte ein weiteres Meisterwerk hinzugefügt, das den Vorgänger „Av Noerren Aet“ bei Weitem übertrifft. Aber nehmt Euch wenigsten drei Durchläufe Zeit. Denn diese verdammten Erwartungshaltungen können einem manchmal die beste Musik vermiesen.
„Evig“

JUB

AMON AMARTH „The Crusher“ 10
Metal Blade, 2001

Amon Amarth - The Crusher

„Masters Of War“
„Schnell und hart, zeige kein Mitleid für diese Männer/Gewürm des Christs, Propheten der Lüge .../Reite sie nieder, wenn sie vor unserem Stahl fliehen/... brenne ihre Häuser und Felder nieder/... Verbrennt sie alle, verbrennt sie am lebendigen Leibe“ („Masters Of War“) - „Als sein Atem ihn verläßt, öffnen sich seine Augen weit/Vom Himmel herab kommt ein helles Licht/Er begrüßt es mit einem Lächeln/Und denkt: Da ist Gott/Der Klang von acht Hufen erreicht seine Ohren/Er kommt von dem himmlischen Licht/Das Heulen zweier Wölfe erfüllt sein Herz mit Furcht/Und er sieht zwei Raben fliegen/Herab vom Himmel reitet ein Kriegsgott/Wie Feuer glüht sein eines Auge/Und noch bevor der Priester stirbt/Weiß er, sein Gott war eine Lüge“ („The Sound Of Eight Hooves“)
AMON AMARTH machen die amtlichsten Texte, wenn es um das Preisen der alten Religionen geht. Ihre Christenfeindlichkeit wirkt bedrohlich, und das läßt vermuten, daß die Jungs von AMON AMARTH nicht nur tolle Geschichten-Erzähler sind, sondern mit Moral- und Ethik-Begriffen der christlich geprägten Demokratien kaum zurecht kommen dürften. Und damit sie nicht Banken in die Luft jagen, Leute zusammenschlagen oder Tiere schlachten, haben sie sich zu einer Band zusammengetan, möchte man meinen. Denn die Wut, die die Texte transportieren, wird ebenso konsequent in der Musik umgesetzt, die wie immer mit einigen der genialsten Melodien im Viking Metal-Bereich aufwartet. Die Gitarren sind bei AMON AMARTH eine Wand. Trotzdem bleibt Raum für herrliche Riff-Arbeit. Selbst der Sound ist transparent. Mit „The Crusher“ hat der Vorgänger „The Avenger“ einen legitimen Nachfolger, auch wenn es diesmal den ein oder anderen Füller gibt. Dafür hat die CD aber auch ihre rund 50 Minuten Spielzeit.
„The Sound Of Eight Hooves“

JUB

ANCIENT RITES „Dim Carcosa“ 7
Hammerheart, 2001

Ancient Rites - Dim Carcosa

Und wieder ein Album, das sich erst seinen Weg durch die überschwengliche Erwartungshaltung kämpfen mußte. Nehmen wir nur „Blasfemia Eternal“, dieses herrliche Thrash/Black Metal-Teil, da darf man sich aufgeregt über ein neues Lebenszeichen von ANCIENT RITES hermachen. Nun, und das ist mit „Dim Carcosa“ doch eher durchwachsen ausgefallen. Denn Keyboard-Teppiche und ein unglaublich unsägliches Computer-Schlagzeug haben den Gesamtsound der CD dermaßen verwässert, daß Songs wie „Victory Or Valhalla (Last Man Standing)“ erst nach mehrmaligem Hören ihre Kraft entfalten.
„Victory Or Valhalla (Last Man Standing)“
So kanns gehen. Da kredenzen uns die Belgier einige ihrer besten Songs, und dem Ganzen wird durch zuviel Technik das Blut entzogen. Dabei sind ergreifende Melodien dabei, ist Gunther Theys Knurren ebenso effektiv wie der cleane, fast schöne Gesang, sind wirklich erstaunliche Gitarrenläufe auszumachen. Und die Texte, die in Einheit mit den hymnischen, fast folkigen Weisen ANCIENT RITES endgültig den Viking oder Pagan Metal-Stempel verpassen, sind ebenfalls äußerst passabel, da eine tiefe Verbeugung vor unseren germanischen Vorfahren.
„Lindifarne (Anno 793)“

JUB

IAIN ASHLEY HERSEY „Fallen Angel“ 7
Frontiers/Now&Then/XIII BIS/Point, 2001

Iain Ashley Hersey - Fallen Angel

„License To Kill“
Für einen Gitarren-Helden geht IAIN ASHLEY HERSEY vergleichsweise bescheiden zu Werke. Soll heißen, die Schwerpunkte liegen nicht auf Griffbrett-Alleingängen, denen man beim dritten Mal nicht mehr zuhört, sondern die Scheibe „Fallen Angel“ ist konsequent songorientiert gestaltet. Und gute Songs hat HERSEY einige zu bieten. „License To Kill“ zum Beispiel, eine gelungene Homage an die James-Bond-Filme. Und das musikalische Thema dieser Kino-Streifen taucht beim „No Stranger“-Intro glatt noch einmal auf. Das verrät uns, daß HERSEY ein Bond-Fan sein dürfte. Aber auch Ritchie Blackmore mag er, denn seine Gitarrenarbeit klingt nicht nur einmal nach dem Meister in Schwarz und die Stücke haben so manches Mal einen gehörigen Rainbow-Drall.
„Steeple Chase“

JUB


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