Abgehört vom 5. Juli
2005
RESURRECTURIS
„The Cuckoo Clocks Of Hell“ |
Erschienen: 2003
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.resurrecturis.com |
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On Air: „The Hate" |
Die Veröffentlichungsliste
dieser Band ist opulent. 1995 begannen RESURRECTURIS mit selbstproduzierten
Demos, durchliefen mit diversen Splits und LPs insgesamt vier internationale
Underground-Labels um jetzt wieder mit selbstproduziertem Material an den
Start zu gehen. Und daß hinter "The Cuckoo Clocks Of Hell" kein Label
steht, ist bedauerlich. Denn die Qualität der Musik, die vor allem
eine brutale Mischung aus Death und Thrash Metal darstellt, ist sehr hoch:
Die Gitarrenriffs animieren zum Bangen, die Gesangsleistung ist meisterlich
im Growl und im Clean- oder Kreischbereich, die eingestreuten Lead-Melodien
fallen sofort auf und dringen ins Gehörzentrum ein. Hinzu kommen bei
RESURRECTURIS sehr ausgefeilte Arrangements, die eine erfahrene Musikergemeinschaft
verraten.
Vielleicht stört es Label-Leute,
daß die Italiener vom Old-School-Stoff ("Living Reification") über
fast grindigen Verrücktheiten ("Inversion-Perversion", "I Corpi Privi
di Vita") und Experimentellem ("Sleeping Reason") bis zu Nu-Metal-Anflügen
("Helmet Logic") unheimlich viel abdecken. Eine Einordnung fällt damit
schon mal extrem schwer. Der Band selbst stehen diese selbstbewußten
Variationen allerdings trefflich zu Gesicht. Ein Besuch auf der Homepage
dieser Band kann Euch bereichern. 8 von 10
JUB
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CHAOS BREED
„Brutal“ |
Erschienen: 2004
Label: Century Media/Copyright
Control
Homepage: www.chaosbreed.net |
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On Air: „Faces Of Death“ |
Old-School-Death-Metal, der sowas
von "old" ist, daß er auch Thrash Metal und Doom beinhaltet. Sowas
können sich meist nur richtig alte Hasen leisten oder Musiker, die
sich darüber hinaus in anderen bekannten Bands vergnügen. Letzteres
ist bei den Finnen CHAOS BREED der Fall. Esa Holopainen spielt Gitarre
bei Amorphis, Nalle Österman war bei Gandalf, Oppu Laine war ebenfalls
bei Amorphis und ist jetzt Mitglied von Mannhai, Marko Tarvonen ist als
Moonsorrow-Mitglied mittlerweile ein Ministar und über den ehemaligen
Sentenced- und heutigen The-Black-League-Sänger Taneli Jarva brauchen
wir keine Worte verlieren.
Die Songs auf "Brutal" sind mit
viel Aggressivität und Spielfreude dargeboten. Der Sound ist ebenfalls
aus alter Schule und die Songs gut. Nicht weltbewegend, aber immer sehr
hörbar. Diese CD geht allerdings bei dieser Besetzung im Selbstlauf.
7
von 10
JUB
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PREJUDICE
„Dominion Of Chaos“ |
Erschienen: 2005
Label: Hardebaran/Two Fat
Men
Homepage: www.prejudice.be |
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On Air: „Undecided“ |
Ja, ich weiß - sechs Punkte
für diese Band sind absolut inkonsequent. Eigentlich gehen hier nur
zehn oder einer. Denn PREJUDICE gehören zur absoluten Speerspitze
der technischen Death-Metal-Bands. Was sich auf "Dominion Of Chaos" die
Finger gebrochen, Nacken verrenkt und Arme ausgekugelt werden, kann eine
chirurgische Abteilung allein gar nicht behandeln. Erstaunlich nur, daß
die Belgier wirklich wissen, was sie da zusammenkloppen. Ein Normalsterblicher
wird sich dieses "Durcheinander" nicht eine Minute lang merken können.
Bemerkenswert ist aber, daß die Band trotz der ständigen Bremsattacken
den Härtegrad auf ein beachtliches Level hochgeschraubt hat.
Zum Spaß-an-der-Musik-haben
ist dieses PREJUDICE-Album völlig ungeeignet. Dann schon eher, um
Metal-unkundigen zu zeigen, was es alles für Verrücktheiten gibt.
Oder man ergötze sich an all den 1000 Dingen, die auf diesem Album
passieren. Ich höre soetwas ganz gern mal. Dieses Bedürfnis ist
aber äußerst selten. 6 von 10
JUB
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NAGLFAR
„Pariah“ |
Erschienen: 2005
Label: Century Media/Edition
Musik-Kontor Verlag
Homepage: www.naglfar.net |
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On Air: „None Shall Be
Spared" |
Einen gewissen Unsicherheitsfaktor
stellten NAGLFAR schon immer dar. Auch wenn man sich eigentlich über
jede ihrer bisherigen Veröffentlichungen freuen konnte, war das Besetzungskarussell
doch ziemlich nervig. Und man konnte nie mit Bestimmtheit voraussagen,
daß das, was da als Tonträger die Presswerke verließ,
auch wirklich NAGLFAR sein würde. Und jetzt hat ausgerechnet Sänger
und Band-Gründer Jens Rydén seinen Hut genommen. Verdammt!
Aber keine Panik. Wer "Pariah" hört,
wird Steine vom Herzen rollen hören, denn NAGLFAR sind weiterhin beinharter
Black Metal norwegischer Prägung mit eben jener schwedischen Note,
die zu einer schwedischen Band gehört. Und diese Note heißt
im Falle von "Pariah" Melodien, Melodien, Melodien. Was sie bei ihrer dritten
Veröffentlichung, "Sheol" noch ein klein wenig mit Pomp zuklebten
(siehe Abgehört vom 25. März
2003), ist hier ganz deutlich herausgearbeitet. Bei allem Anspruch,
den die NAGLFAR-Mannen ihren filigran durchstrukturierten Songs zugrunde
legen - sie bleiben auf dem Teppich und liefern durch die Bank runde Sachen
ab. Hart, rasant, mit zum Teil hohem Wiedererkennungswert (testet zum Beispiel
mal "None Shall Be Spared" an) werden die Stücke betörend heruntergehämmert,
hin und wieder kann gar gebangt werden. Und Basser Kristoffer W. Olivius
macht seine Sache als Kreischer hervorragend. Das hat er ja schon bei Setherial
bewiesen, warum sollte es dann bei NAGLFAR nicht auch gelingen. Weiterhin
eine geile Band, diese schwedischen Piraten.
9
von 10
JUB
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(THE LORD WEIRD) SLOUGH FEG
„Atavism“ |
Erschienen: 2005
Label: Cruz Del Sur Music/Alive
Homepage: www.slough-feg.com |
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On Air: "High Season V"
"Starport Blues" |
Diese Amis sind eisern. Ihre Alben
sind eine wahre Retrospektive des NWOBHM. Diese Musik haben sie inhalliert
und können vermutlich gar nicht anders, als das Aufgenommene neu aufbereitet
wiederzugeben. Auch "Atavism" kommt nicht umhin, Helden zu zitieren oder
zumindest anklingen zu lassen, die vor 20 bis 25 Jahren die Heavy-Metal-Musik
rekultivierten. Diesmal mördert uns die hippelige Art Ravens um die
Ohren ("I Will Kill You/You Will Die", "Climax Of A Generation") oder fallen
einem auch schon mal die straighten Hits von Blitzkrieg ein ("Portcullis",
"High Season V").
Was diesem fünften Album SLOUGH
FEGs unbedingt anhaftet, ist eine enorme Abwechslung. Von der trunkenden
Ballade ("Atavism") über Bierzeltschunkler ("Agony Slalom") und Bluesrock
("Starport Blues") bis hin zu straighten Rockern ist eine enorme Bandbreite
abgedeckt. Trotzdem klingt alles wie aus einem Guß, was nicht zuletzt
an der markanten Stimme von Mike Scalzi liegt. Aber auch musikalisch haben
SLOUGH FEG bei aller Zitiererei doch eine beachtliche Eigenständigkeit
entwickelt, die auch in ihrer unkonventionellen Art, Melodien zu konstruieren,
besteht. So ist mit "Atavism" das wohl bisher beste SLOUGH-FEG-Album entstanden,
das der Band eine gute Grundlage für kommende Großtaten legen
könnte. Wichtig ist nur, daß es genügend Leute gibt, die
Freude an dieser Art der Musik haben und das Album kaufen. 8
von 10
JUB
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HELANGAR
„Evening In Valhalla“ |
Erschienen: 2003
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.helangar.de.vu |
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On Air: „Farewell Valhalla“ |
HELANGAR gerecht zu werden, ohne
das vergossene Herzblut bei dem Erstellen von "Evening In Valhalla" zu
ignorieren, aber das Ganze ob seiner Opulenz auch nicht überzubewerten,
ist nicht einfach.
Beginnen wir mit dem Positiven:
"Evening In Valhalla" ist ein bis ins letzte Detail durchdachtes Konzeptwerk
aus dem Pagan-Metal-Sektor, dessen Songs mit stimmigen Zwischenspielen
zusammengehalten werden. Musikalisch werden Grenzen gesprengt, indem die
einzelnen Stücke häufig einen progressiven Anstrich erhalten.
Stimmungswechsel innerhalb der Songs sind nicht selten, Rhythmusbrüche
ein Stilmittel. Langweilig kann dieses Album wahrhaftig nicht werden. Thomas
Melchert singt mit unheimlich viel Engagement und macht das häufig
auch sehr gut. Die Spielzeit der CD ist mit 71 Minuten geradezu bewundernswert
ausgereizt und das Booklet ist für eine Eigenproduktion beispielgebend.
Jetzt das weniger Schöne: Die
Songs sind völlig überladen. Weniger wäre hier fast immer
mehr gewesen. Rote Fäden gibt es in den Stücken natürlich,
die sind aber so verknotet, daß man beim Nebenher hören fast
ein musikalisches Touwabou vermutet. Hin und wieder verlieren sich HELANGAR
in Spielereien, bei denen man der Band zurufen möchte: "Hallo, Ihr
seid nicht Pink Floyd."
Bei längeren Tönen hat
der ansonsten gut agierende Thomas Melchert Probleme, liegt recht deutlich
daneben ("Baldrs Draumar"), auch der eingestreute weibliche Gesang hat
vor allem Schwächen ("Nida Mountains"). An den Instrumenten sind die
HELANGAR-Leute auch keine Filigrankünstler, so daß manches auf
"Evening ..." sehr gestelzt klingt und uns wieder in die Wirklichkeit der
Eigenproduktion zurückholt.
Das Manko mit den Fähigkeiten
ist rasch ausgebügelt. Live-Präsenz hat da gewiß eine große
Wirkung. Ansonsten sollten sich HELANGAR künftig mehr auf das Wesentliche
in Liedern konzentrieren. Denn gute Musik wirkt durch schöne Melodien
und effiziente Arrangements. Musikalische Mini-Theaterstücke hört
man sich nur selten ein zweites Mal an. Die haben den gleichen Effekt wie
Hörspiele. 5 von 10
JUB
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POWDER
„Powder“ |
Erschienen: 2004
Label: Continental/Goldielocks
& Xmas Music/Soulfood
Homepage: www.powdermusic.com |
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On Air: „Adore Me“ |
Erinnert sich noch jemand an die
unsäglichen Tape (Abgehört vom
2. September 2003)? Ein Hype gegen jegliche Qualität. Geile Sängerin,
Scheiß-Musik. Hier haben wir das nächste Ding, das bereits untergegangen
ist. Oder besser gesagt, gar nicht erst aufgetaucht. Wie bei den deutsch/chilenischen
Tape ist die Sängerin von POWDER ein geiles Luder. Die Jungs machen
obendrein einen auf durchgeknallt (siehe Frisuren). Die Musik ist allerdings
erneut nur belangloser Kack-New-Metal mit Pop-Appeal. Vielleicht sogar
mehr Pop als Metal.
Die Stücke sind häufig
sehr gefällig und laufen Gefahr, sich im Ohr festzusetzen. Natürlich
nur in jenen Ohren, die eh noch nie qualitativ hochwertige Musik erlauschten.
Bei POWDER kann man hüpfen, Tepp tanzen oder in der Techno-Clique
einen auf hart machen. 2 von 10
JUB
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NOCTE OBDUCTA
„Nektar Teil 2: Seen, Flüsse, Tagebücher“ |
Erschienen: 2005
Label: Supreme Chaos Records/Twilight
Homepage: www.nocte-obducta.de |
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On Air: „Nektar“ |
Als Guns N' Roses es machten und
"Use Your Illusion" in zwei Teilen veröffentlichten, war das Geschrei
groß: Abzocke, hieß es da. Mittlerweile ist diese Methode Gang
und Gäbe. Kurz vor seinem Ableben hat zum Beispiel Quorthon sich mit
den beiden "Nordland"-Folgen ein Denkmal gesetzt. Natürlich könnte
man solche Sachen grundsätzlich als Doppel-CD unters Volk bringen.
Das rechnet sich zum einen aber nicht und würde die jeweilige Band
zwingen, nach dem enormen Kreativausstoß gleich wieder an einem neuen
Werk arbeiten zu müssen. Nun, und dann gibt es da die psychologische
Wirkung, daß der Konsument, so er etwas erwirbt, dies dann auch vollständig
besitzen möchte. Das ist wie mit den Serien-Guckern.
Und so haben NOCTE OBDUCTA ihre
"Nektar"-Idee auch in zwei Teile aufgesplittet, deren erste Folge bereits
im August des vergangenen Jahres erschien. Wer "Nektar I" hat, weiß
ungefähr, was ihn erwartet: unkonventioneller Black Metal mit Gothic-
und Doom-Anleihen tiefschürfende Poesie umrankend. Stellt man NOCTE
OBDUCTA in eine Reihe mit Dornenreich und Grabnebelfürsten, begegnen
sich diese Bands in Augenhöhe. Es wird von allen Kapellen intellektuell
vorllgepackte Kost geboten, allerdings äußerst unterschiedlich
aufbereitet. Während Dornenreich extrem theatralisch agieren, Grabnebelfürsten
streckenweise sehr hysterisch zu Werke gehen, sind NOCTE OBDUCTA die zugänglichsten.
Die Melodien sind eingängig, gute Themen werden liedhaft wiederholt,
die Songs nicht durch übertriebene Rhythmus- oder Atmosphäre-Wechsel
überfrachtet.
Die Grundstimmung von "Nektar II"
ist melancholisch, auch wenn die Band hin und wieder kräftig zulangt.
Fazit: Der "Nektar"-Zwilling ist ein gelungenes Werk über Natur, Seele
und Träume, das Black-Metal-Fans mit einem offenen Geist nicht an
sich vorüberstreifen lassen sollten. 8
von 10
JUB
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VISION DIVINE
„Stream Of Consciousness“ |
Erschienen: 2004
Label: Metal Blade
Homepage: www.visiondivine.com/ |
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On Air: „Through The Eyes
Of God“ |
Oha, VISION DIVINE entwickeln sich.
Rhapsody-Sirene Fabio Lione ist raus und durch den sehr starken Michele
Luppi ersetzt. Abgesehen von solchen Kunststücken wie am Ende von
"La Vita Fugge", wo er den Ton hält, als würde man eine Keyboardtaste
drücken, ist seine Stimmlage einfach angenehmer als die Liones. Auch
die anderen Wechsel - Oleg Smirnoff von Death SS und Matteo Amoroso (Ex-Athena)
kamen - haben der Band einen gehörigen Schub verliehen. Jetzt ist
es einfach nicht mehr möglich, dem Baby von Ex-Labyrinth-Gitarristen
Olaf Thörsen das Power-Metal-Mützchen aufzusetzen, hier haben
wir es mit einer wirklich reifen Band zu tun, die sich in Gefilden zwischen
Pop ("Versions Of The Same") und Prog Metal ("Colours Of My Word") mit
einer bemerkenswerten Sicherheit bewegt. Die Kompositionen sind zum Teil
wirklich wundervoll (zum Beispiel "Through The Eyes Of God"). Da könnten
vielleicht hin und wieder mal die dicken Keyboard-Passagen stören.
Wer allerdings mit diesem Instrument nicht auf Kriegsfuß steht, wird
gar Gefallen an den Einschüben finden, sind sie doch für diese
Art von Musik sehr songdienlich. Ja, verdammt, ich muß es gestehen:
Über diese CD habe ich mich wirklich gefreut. 8
von 10
JUB
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VEHEMENCE
"Helping The World To See" |
Erschienen: 2004
Label: Metal Blade
Homepage: www.vehemence.com |
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On Air: "We Are All Dying" |
Die werden Euch garantiert auffallen,
wenn sie auf einer Party aus den Boxen hämmern. Je nach Hinwendung
- sei es nun das hymnische Melodieren von Amon Amarth ("Kill For God"),
die vorwärtstreibende Unruhe von Bolt Thrower ("To The Taste"), das
schwedische Melodie-Gerüst einer Dismember & Co. ("Spirit Of The
Soldier") oder hochtechnisierter Ami-Brutalo-Death ("What Could Go Wrong")
- beinahe jede Fanbase kann auf dem Zweitling von VEHEMENCE, "Helping The
World To See", etwas entdecken. Es ist ja mittlerweile eine typisch amerikanische
Eigenschaft, sich alles mögliche anzueignen, daraus einen kunterbunten
Mix zu machen und ihn dann als eigenes Konstrukt zu verkaufen. VEHEMENCE
gehen da allerdings nicht zu weit, denn ihre Art des Crossover wird nicht
innerhalb der Stücke, sondern von Song zu Song angerührt. Zusammengehalten
wird das Ganze durch wahre Brutalitätsorgien, die ganz stark durch
den wilden Gesang getragen werden.
"Helping The World To See" ist wirklich
eine gute Scheibe. Mich persönlich stören die technischen Ami-Death-Sachen,
ohne die wäre vielleicht sogar die Höchstnote drin gewesen. Allerdings
ist das gerade in diesem Fall hier eine extreme Geschmackssache. 8
von 10
JUB
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JOE LYNN TURNER
„The Usual Suspects“ |
Erschienen: 2005
Label: Frontiers Records
Homepage: www.joelynnturner.com |
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On Air: "Jack Knife" |
JOE LYNN TURNER hat mit „The Usual
Suspects“ bereits sein neuntes Solo-Album herausgebracht. Dennoch kennt
man vermutlich eher seine Aufenthalte als Sänger bei Deep Purple,
Rainbow und Yngwie Malmsteen sowie sein Projekt mit Glenn Hughes. Und JLT
steht zu dem, was er bisher in seiner fast 30jährigen Laufbahn gemacht
hat. Das hört man seinen Songs an.
„Devil’s Door“ ist in typischer
Deep-Purple-Manier geschrieben, sogar das Gitarrensolo erinnert daran.
„Jack Knife“ hätte ebensogut auf einem Album der eben genannten Band
stehen können. Auch anderen Songs merkt man die Vorlieben der Komponisten
an. Wen stört’s, wenn die Songs gut rüberkommen. Und sie kommen
rüber. Allein seine Stimme reißt einen vom Hocker. Die Songs
rocken, wenn man diesen Begriff erlaubt, aber metaln klingt einfach blöd.
Die Melodien von „Power Of Love“ und „Live And Love Again“ sind genial,
da summt sogar die eigene Frau am Herd mit.
Nicht nur die Referenzen von JLT
lassen sich sehen, auch sein Gitarrist Al Pitrelli hat mit Megadeth, Asia,
Savatage usw. einiges vorzuweisen. JOE LYNN TURNER hat sich mit ihm und
anderen Leuten die kompositorische Arbeit geteilt. Mit “The Usual Suspects“
hat JLT sich eine weitere Referenz geschrieben. 9
von 10
DEDDY
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COERCION
"Lifework" |
Erschienen: 2003
Label: Antimate Records
Homepage: www.coercion.tk |
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On Air: "Man vs Logic" |
Mai, Juni 2002 die Songs aufgenommen,
im Juli 2003 kamen die Gesangspassagen hinzu und Dezember 2003 wurde das
Teil veröffentlicht. Und dann war's nur eine Mini-CD. Da sollten sich
all die Undergrounder, bei denen sich die Veröffentlichungen mangels
Zeit und Finanzen hinziehen, vielleicht gar nicht so einen Kopf machen.
Es läuft eben nicht immer alles so, wie es soll.
Na, und obendrein ist es nicht gerade
die Offenbarung, was die Schweden da auf ihrer 5-Lieder-CD einkloppten.
Old School, ja, aber unspektakulär bis durchschnittlich. Schnelle
Passagen lösen langsame ab, der Sänger klingt tief, aber nicht
beeindruckend, die Gitarrenläufe sind gut aber hundertmal gehört.
Nette Death-Metal-Veröffentlichung, mehr auf gar keinen Fall. 5
von 10
JUB
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LEAVES' EYES
"Elegy" |
Erschienen: 2005
Label: Napalm Records/Warner
Chappell
Homepage: www.leaveseyes.com |
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On Air: "Elegy" |
Angesichts des Lerchen-Booms vor
allem aus Holland, fürchtet man sich ja schon förmlich vor CDs,
auf denen holde - den Sangespart inne habende - Weiblichkeiten in gotischem
Ambiente abgelichtet sind. Bei LEAVES' EYES war die Furcht allerdings nicht
ganz so groß, da Liv Kristine einst mit Theatre Of Tragedy gezeigt
hat, zu welchen Gesangsleistungen sie fähig ist. Und hört man
die alten Alben der Norweger, stellt man Within Temptation und Konsorten
kichernd in den Schrank zurück.
Natürlich hat Liv als Solo-Künstlerin
auch schon Unsinn fabriziert. Mit ihrer neuen Band, die mit der Mini-CD
"Elegy" das zweite Album "Into Your Light" ankündigte, hat sie erneut
ein ganz heißes Eisen im Feuer.
Floskeln zu verwenden, ist immer
wieder erbaulich. Und deshalb sei an dieser Stelle gesagt: Ein gutes Lied
ist immer gut, egal welche Stilistik es bedient. Und so kann über
den Song "Elegy" nur gesagt werden, daß wir hier ein ganz zauberhaftes
Lied bekommen haben, das wir gleich zweimal auf dieser CD finden (Album-
und Single-Version). Die Melodie ist traumhaft, trotzdem schaffen die Gitarren
eine nicht zu überhörende Heavy-Wand. "Senses Capture" (nicht
auf dem regulären Album) ist noch einen Tick versonnener und hat gar
eine Passage im Mittelteil, die nach Weihnachtslied klingt. "Winter's Poem"
(ebenfalls nicht auf dem Album) ist die Ballade dieser kleinen akustischen
Perle (wenn man nicht die anderen Songs auch schon so bezeichnen
will) und "Solemn Sea" (Demo-Version) wartet im Theatre-Of Tragedy-Stil
mit Wechselgesang auf, wobei die männlichen Parts recht räudig
klingen und Liv in den extremsten Sopranhöhen fast klassisch trällert.
Und "Mot fjerne Land" (auch nicht auf dem Album) ist fast Ambient.
Alles in allem ist "Elegy" eine
wundervolle Mini-CD, die zeigt, daß Gothic-Bands mit Frauengesang
sehr anspruchsvoll klingen können und daß die Leitkühe
immer noch das Sagen haben. 9 von 10
JUB
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ARMAGGEDON
"Possessed By Satan" |
Erschienen: 2004
Label: Christhunt Productions
Homepage: |
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On Air: "Anti You (Untermenschen
Genocide)" |
Man kann es mit der Untergründigkeit
aber auch übertreiben. Bei dem Duo ARMAGGEDON fehlt am Ende nur noch,
daß sich die CD nach einmaligem Hören selbst zerstört.
Das ist aber nicht der Fall, und man weiß nicht genau, ob man sich
darüber freuen oder ärgern soll. Denn "Possessed By Satan" ist
keine gute Scheibe. Die Musiker mühen sich irgendwo zwischen ultra-räudigem
Keller-Black-Metal und Oi-Punk ab ("Anti You (Untermenschen Genocide)",
"Human Holocaust") und haben dabei nur selten Einfälle, die zu Gefallen
wissen. Die beiden Musiker reizen Song für Song die ihnen bekannten
Riff-Konstruktionen aus und wechseln danach in raschere Parts, denen das
Uffta-uffta-Schema folgt. Dabei entstehen dann schon mal typische Black-Metal-Nummern
wie sie vor 20 Jahren die Herzen rührten ("Sado Terrorism (Or The
Nuclear Sodomy)"). Und um ja nicht zu den "Weicheier"-Schwarzmetallern
gezählt zu werden, die sich bloß mit dem "schwulen Teufel" beschäftigen
oder durch den Schnee stapfen, packen ARMAGGEDON in "Conquerors Of Imperial
Hell" den Ausschnitt aus einer Rede Adolf Hitlers und meinen, damit ganz
doll provokant zu sein.
Das Faltblatt - schwarz, ohne jegliche
Information - beinhaltet lediglich die bedeutungsschwangeren Worte "Armaggedon
plays True Elitist Black Metal! No Contact! Fuck You All!" Mmh, ein bißchen
aufgesetzt das Ganze. Wenn einem nach solch einem Statement ob der unglaublichen
Musik die Ohren von Stamm gewedelt wären, hätte dieser Satz durchaus
geheimnisvoll oder imagepflegend wirken können. So ist das allerdings
nur albern, denn wer will schon Kontakt zu einer "Elite" von Amateuren.
4
von 10
JUB
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REVEREND BIZARRE
"In The Rectory Of The Bizarre Reverend" |
Erschienen: 1999/2004
Label: Nibelungen Records/Low-Frequency
Records
Homepage: www.revernd.shows.it |
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On Air: "Sodoma Sunrise"
"Doomsower" |
Alles Gute kommt derzeit aus Finnland.
Daß die jetzt zu allem Überfluß auch noch das Doom-Genre
okupieren, war nicht unbedingt zu erwarten. Jetzt ist es passiert. (Eigentlich
schon seit 1999, da habe ich das aber leider noch nicht registriert.)
"In The Rectory Of The Bizarre Reverend"
ist das Debüt-Album von REVEREND BIZARRE und erschien bereits 1999.
Kürzlich kam es jetzt zu Wiederveröffentlichungs-Ehren, was offensichtlich
zu einem Popularitätsschub führte. Und das zurecht, denn REVEREND
BIZARRE sind derzeit so ziemlich das Vollkommenste, was der Doom-Sektor
zu bieten hat. Sowohl im Ausreizen der Langsamkeit ("The Hour Of Death")
als auch im Erfinden von herzzerreißenden Riff-Gebirgen ("Sodoma
Sunrise"). Sänger (ein ganz großer übrigens) und Baßist
Albert Witchfinder gibt mit seinem Pseudonym die Marschrichtung schon recht
deutlich vor, und Witchfinder General sind definitiv ein REVEREND-BIZARRE-Einfluß.
Und natürlich die seligen Black Sabbath wie sie in ihren ersten Jahren
klangen.
Die Finnen hüten sich vor irgend
welchen Kaspereien, die dem Frohsinn entspringen könnten und sind
rein wie Gold. Kein zusätzliches Instrument, keine Sound-Spielereien,
kein Stilmix - hier stimmt wirklich alles.
Bei der Gemütsverfassung der
finnischen Menschen war es doch eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis
sie in dieser dunkelsten Form des Heavy Metal den Ton angeben würden.
REVEREND BIZARRE werden schwer zu toppen sein. 10
von 10
JUB
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