RHAPSODY „The Power Of The
Dragonfly“
9
LMP/SPV, 2002
Wenn es auch wie die blanke Verarschung
klingt: Aber enttäuschte Manowar-Fans sollten sich die aktuelle RHAPSODY
zulegen. Denn die einst so verspielten Italiener bieten größtenteils
genau das, was dem neuen Machwerk der Amis fehlt: Rhythmus-Gitarren-Rasereien
á la „Black Wind, Fire And Steel“, machtvolle epische Refrain-Melodien,
einen nahezu knarzenden Metal-Sound und eine Hymne, die locker neben Sachen
wie „Crown And The Ring“ bestehen kann. „Lamento Eroico“ heißt das
Werk und wird Euch garantiert eine Gänsehaut nach der anderen über
den Rücken jagen. Und habt Ihr schon einmal Fabio Lione keifen hören?
Bei „When Demons Awake“ habt Ihr Gelegenheit dazu. Und es funktioniert
blendend.
„Power Of The Dragonflame“ ist eine
logische Fortsetzung des nicht minder brillanten „Rain Of A Thousand Flames“,
das RHAPSODY bereits in düsteren Gefilden zeigte, als es auf den Vorgängern
die Regel war. Natürlich werden die alten Fans nicht vor den Kopf
gestoßen, denn grundsätzlich haben die Italiener ihren bombastischen
Stil mit den orchestralen und folkigen Einschüben beibehalten. Wohl
aber sind die Melodien durch die Bank weit weg von irgendwelchen Kinderliedweisen,
servieren sie uns Heavy Metal-Härte, wie es der Begriff eigentlich
verlangt.
„Lamento Eroico“/“The March Of
The Swordmaster“/“Power Of The Dragonflame“
JUB
HARDLINE "II"
8
Frontiers/Now&Then/XIII Bis/Point,
2002
Die Band HARDLINE dürfte in
Europa nur halb so bekannt sein wie die Band um Axel Rudi Pell. Genau umgekehrt
dürfte es in den Staaten, der Heimat HARDLINEs, aussehen, und dennoch
haben beide Bands eine Gemeinsamkeit. Nämlich den Sänger Johnny
Gioeli. Er und sein Bruder Joey veröffentlichten nun das zweite HARDLINE-Album,
sinnigerweise mit "II" betitelt, und machen dabei eine ausgezeichnete Figur.
Im Gegensatz zu A.R.P. setzen die Gioelis auf schnellere, gradlinigere
Musik, die im rockigen Heavy Metal anzusiedeln ist. Gioeli lotet sein Stimmvolumen
in diesem Sammelsurium an starken Melodien auf beeindruckende Art und Weise
aus, und es macht allein schon deswegen Spaß, diese CD zu hören.
Dabei gibt es satten Groove und treibende Rocker ohne einen richtigen Ausfall
um die Ohren. Kurzum, Daumen hoch für HARDLINE.
"Weight"
THOMAS
COMPOS MENTIS „Quadrology
Of Sorrow“ 7
Eigenprod., 2000
Ganz im Zeichen ihrer Nachbarn haben
sich die Dänen COMPOS MENTIS auf ihrer Vier-Track-CD „Quadrology Of
Sorrow“ der melodischen Form des Schweden-Death Metal verschrieben. Vor
allem bei den Stücken „Divine Wrath“ und „Beyond Salvation“ läßt
der Fünfer kein Stilmittel aus, um in die Riege der In Flames-Jünger
aufgenommen zu werden: Fette Death/Black-Gitarrenwände, der kreischende
Sänger, sich rasch festsetzende Melodien. Bei „Visions Of Tragedy“
wird das Ganze schon um einiges schwermütiger. Tragisch halt. Schön
hier die solierenden Twin-Guitars. Nummer vier ist ein reines Klavier-Stück
mit einer ganz bezaubernden Melodie, die die Atmosphäre von „Visions
...“ fortsetzt.
Ein sehr hübscher Appetitmacher
diese Mini-CD.
„Divine Wrath“
JUB
SEX MUSEUM "Speedkings" 8
Locomotive Musik, 2002
Nach einem musikalischen Ausflug
in die 70er Jahre klingt die CD "Speedkings" der spanischen Bands SEX MUSEUM.
Tiefe, voluminöse Baßläufe und Hammond-Orgeln, ein Haufen
Gitarren-Effekte und die nötige Coolness in der Stimme des Sängers
Miguel treffen auf subtile und ausufernde Melodien, die für die Ewigkeit
bestimmt sind.
Diese Band ist Retro bis auf die
Knochen, denn auf "Speedkings" kommt kein einziges modernes Songelement
mit Absicht in den Liedern vor, so daß zu keiner Zeit eine Brücke
zur Moderne geschlagen wird. Inwieweit sich die Spanier allerdings mit
den Größen der damaligen Zeit messen können, kann ich nur
schwer beurteilen. Aber eins weiß ich gewiß, "Speedkings" macht
verdammt viel Spaß.
"Huxley"
THOMAS
VALLEY’S EVE „Deception Of
Pain“ 7
LMP/Bmind Rec/SPV, 2002
Heavy Metal der urwüchsigen
Sorte bekommen wir bei VALLEY’S EVE. Fast jeder Song beginnt mit einem
knackigen Riff, die Strophe nimmt sich dann wieder etwas zurück, damit
eine kurze kräftigere Bridge in einem melodiösen, einprägsamen
Refrain kulminieren kann, der obendrein fette Gitarren-Unterstützung
erhält. Und schließlich, das Klampfen-Solo nicht zu vergessen.
Das ist alles auf äußerst hohem Niveau, und obendrein sind dabei
sogar ein paar kleine Hits entstanden („The Fire Burn“, „Point Of No Return“
- fällt etwas aus dem Muster raus - „In Your Head“). Die erste Hälfte
der CD ist das auch alles richtig mitreißend, allerdings scheinen
die Songs ab der Halbzeit qualitativ abzufallen. Programmiert man sich
die Stücke der CD allerdings von hinten nach vorn ein, hat man komischerweise
den gleichen Effekt. Wieder kommt die erste Hälfte (die ja vorher
die zweite war) besser als Teil zwei. Also kann es an der Qualität
der Songs nicht liegen, denn die schwankt zu keiner Zeit. Vielmehr ist
das Strickmuster VALLEY’S EVEs nach sechs, sieben Songs halt derart abgenutzt,
daß das wache Interesse an der Musik etwas nachläßt. Sicher
hat da auch die markante, immer etwas belegt wirkende Stimme von Roberto
Dimitri Liapakis ihren Anteil daran, die Songs etwas gleichförmig
wirken zu lassen.
„In Your Head“
JUB
RAGING FORCE "Fantasy" 7
Eigenproduktion, 1999
Eine interessante Debüt-EP veröffentlichten
die Soltauer von RAGING FORCE. Die Songs kommen den Fünf locker aus
dem Handgelenk, wirken unverkrampft und spontan und wissen mit einfachen
und guten Melodien zu überzeugen. Hervorheben möchte ich Sänger
Marc, der ähnlich wie Brian Soulard, dem ehemaligen Eidolon-Frontman,
über eine wenig variable, dafür aber einprägsame Stimme
verfügt und diese einzusetzen weiß. Nach diesem Drei-Song-Demo
bekommt man Lust auf mehr. info@ragingforce.de/www.ragingforce.de
"Tomato Kings"
THOMAS
PENTAGRAM „Turn To Stone“
9
Peaceville, 2002
Kult genannt wird eine ganze Menge,
nur wenig davon ist es wirklich. Bei PENTAGRAM kann man den Begriff Kult
allerdings verwenden, ohne befürchten zu müssen, zu einer abgedroschenen
Preisungs-Orgie anzusetzen.
Diese Doom Metal-Band entstand 1978,
veröffentlichte allerdings erst 1985 ein extrem von Black Sabbath
beeinflußtes Debüt-Album. Damals selbstbetitelt, 1993 als „Relentless“
wiederveröffentlicht. Der kreative Höhepunkt kam 1987 mit „Day
Of Reckoning“, was die Band allerdings nicht aus dem Underground heraushob.
Der Split 1990 war die Folge. Nichtsdestotrotz wurde die Band 1993 reformiert,
um 1994 Album Nummer drei, „Be Forwarned“ zu veröffentlichen. Und
das war es dann schon mit PENTAGRAM. Vorerst. Denn der Sampler „Turn To
Stone“ kündet unmißverständlich davon, daß das Interesse
an diesen Doom-Pionieren ungebrochen scheint. Die Scheibe enthält
Auszüge aus allen drei genannten Alben. Neben dem erwähnten extremen
Hang zu Black Sabbath - das gilt sowohl für Gesang als auch Gitarren-Arbeit
- gibt es streckenweise noch eine gehörige Portion St. Vitus zu hören
(z.B. „Sinister“)
„Frustration“
JUB
OPERATION COUNTERSTRIKE "Surveillance"
3
Eigenproduktion, 2001
OPERATION COUNTERSTRIKEs Musik ist
eine Mischung aus Death Metal und modernem Hardcore Thrash, was vor allem
in den Brüllvocals zum Tragen kommt. Und an eben dieser Stimme werden
sich die Geister scheiden. Mir ist es zu hardcorig. Auch werde ich aus
den Songstrukturen nicht schlau. Ohne nennenswerte Höhepunkte und
sehr gleichförmig rödelt die Musik vor sich hin, ohne daß
man auch nur einmal einen Aha-Effekt erlebt. Melodien werden weiträumig
umfahren und der Groove versteckt sich meisterhaft. Aus OPERATION COUNTERSTRIKE
- ich sag es noch einmal - werde ich einfach nicht schlau. OC@asses4masses.de/www.asses4masses.de
"To Fucking Ass To Suffer"
THOMAS
BELMEZ "Wundgrind" 8
Christhunt Prod./Connected, 2002
Daß der normale Heilungsprozeß
einer Wunde eine dermaßen starke Faszination auf den Zwerg, seines
Zeichens Kopf von BELMEZ, ausübt, ist interessant. Vor allem, wenn
man den dazu verfaßten Text liest. Es scheint, als würde der
Zwerg mit dieser Schutzfunktion des Körpers so sein Problem haben
und lieber verbluten wollen. Oder bei "Herrlichkeit der Knochen" etwa heißt
es: "Tod, Tod, Tod- lösche mich aus... Sarg, Sarg oh Sarg, Nimm mich
schützend auf - Grab, Grab oh Grab - Bring mir nagendes Getier" Der
Zwerg hat also nicht mehr alle Latten am Zaun und bekommt dafür schonmal
einen Pluspunkt. BELMEZ' Musik pendelt dabei zwischen wütend und ungestüm
sowie faulig kriechendem Black Metal mit starkem Old School-Anstrich. Dieser
kommt vor allem bei den jammernden Gitarrensoli zum Tragen, die mich nicht
selten an jene von Bathory erinnern. Stimmlich legte sich der Zwerg besonders
ins Zeug und klingt verdammt haßerfüllt. "Wundgrind" versprüht
einen eigenartigen morbiden Charme, auf den ich mich jederzeit wieder einlassen
würde.
"Explosionen"
THOMAS
BEHOLDER „Wish For Destruction“
8
Dragonheart/SPV, 2002
Diese Italiener aber auch. Gerade
in letzter Zeit haben wir bei sogenannten Power Metal-Acts aus Italien
abwinken müssen, da belehren uns nicht nur Rhapsody eines besseren,
sondern wird aus dem häßlichen Entlein namens BEHOLDER plötzlich
ein Schwan. War das Debüt dieser Band doch gelinde gesagt bescheiden
(siehe Abgehört vom 25. Dezember
2001), legt das Septett mit „Wish For Destruction“ nicht nur eine Kohle
nach. Eigentlich hat die Band locker sämtliche Kritik-Punkte aus der
Vergangenheit ausgemerzt oder auf ein minimales Maß verringert. Ganz
oben an steht, daß sämtliche Songs auf „Wish For Destruction“
rund klingen, Ideen besitzen und einem gewievten Muster unterliegen. Während
Sänger Patrick Wire mit seiner gepreßten Art zu singen für
die ruppigen Momente sorgt, löst der herrlich harmonische Gesang von
Shouterin Leanan Sidhe in den Refrains die konstruierte Spannung auf. Und
die Melodien stimmen. Anders als auf dem Vorgänger, wo einem Klischees
und kompositorisches Unvermögen (oder doch eher Unerfahrenheit) förmlich
ins Gesicht sprangen, ist diesmal für Hinhörer gesorgt. Plakativer
Kitsch, wie das krampfhafte Helloween-Gemalle, die debilen Phantasie-Texte
und das peinliche Kinderbuch-Cover von „The Legend Begins“ gehören
der Vergangenheit an. Der Plattentitel und auch das hintersinnige Front-Cover
sprechen bereits Bände. Mit Power Metal italienischer Färbung
haben wir es zwar immer noch irgendwie zu tun, der kann aber bekanntlicher
Weise auch ziemlich geil sein.
„Here Comes The Fire“
JUB
BLACKEND "Mental. Game. Messiah."
6
Massacre/Connected/MDD, 1999
Ähnlich wie ihre Kollegen von
Delirious und Perzonal War haben sich auch BLACKEND dem Bay Area-beeinflußten
Thrash Metal verschrieben. Wäre diese Art von Musik eine Religion,
hieße ihr Gott eindeutig James Hetfield. Denn nicht nur die Songs
atmen den Geist der ehemaligen Thrash-Ikonen Metallica. Sänger Michael
Goldschmidts Stimme weist zudem eine stark an Hetfield erinnernde Färbung
auf, was mir aber gut gefällt. Das Riffing stimmt, der Sound ist sehr
ansprechend und trotzdem findet sich noch ein Haar in der Suppe. Denn bis
heute haben mich die Melodien der Thrasher einfach nicht so richtig gepackt.
Deshalb eine Sechs.
"Liquid Surroundings"
THOMAS
EMPYRIUM „Weiland“ 8
Prophecy Prod., 2002
Wenn eine Band mit ihrem Debüt
wirklich etwas besonderes abliefert, an dem sich danach eine Reihe anderer
Musiker orientiert, hat diese Kapelle es durchaus schwer, sich ausbreitende
Erwartungshaltungen zu erfüllen. EMPYRIUM standen 1996 nach „A Wintersunset“
vor genau diesen Problem, das sie von Anfang an versuchten, zu bewältigen.
Heute, bei Scheibe Nummer vier namens „Weiland“ angekommen, können
sich die beiden Protagonisten Schwadorf und Helm entspannt zurücklehnen
mit der Gewißheit, zu jener Gruppe von Bands zu gehören, deren
Schaffen nicht von heute auf morgen vergessen wird. Denn „Weiland“ - soweit
diese Scheibe auch von „A Wintersunset“ entfernt sein mag - zeigt im sechsten
Jahr der EMPYRIUM-Veröffentlichungen, mit welcher Konsequenz das Musiker-Duo
an ihrem Konzept gearbeitet hat.
„Weiland“ ist in der Quintessenz
ein reines Akustik-Album, das allen Strom-Gitarren-Geschädigten zeigen
kann, welch betörendes Instrument die gemeine Konzert-Gitarre ist.
Auch wenn Helm den Tenor raushängen
läßt, fügt sich diese Art Gesang sehr gut in die Art der
Musik ein, die mal neo-folkig, mal fast klassisch, mal mystisch entrückt
daherkommt.
Textlich dreht sich das Album um
Erscheinungen in der Natur. Allerdings werden die nicht aus der Sicht des
nüchternen Beobachters beschrieben, sondern mit einem nahezu religiös
verklärten Blick, der sich die Dinge mit Wesen und Mythen erklärt.
Die Atmosphäre unterstützend werden Querflöte, Cello, Geige,
Klavier, Bratsche und Fagott eingesetzt.
Die Scheibe ist absolut Heavy Metal-frei,
rockt nicht eine Sekunde und ist trotzdem ein Volltreffer.
„Waldpoesie“
JUB
DARK MAN SHADOW „Tears Of
Hate“ 3
Eknaton/SPV/Warner Chappell/Eisenberg,
2001
Was für eine merkwürdige
Scheibe, diese „Tears Of Hate“ von DARK MAN SHADOW. Das beginnt bei dem
eigentümlichen Cover, das durchaus neugierig macht, setzt sich fort
beim kommerziellen Aspekt, denn laut Infos auf der Rückseite des „Einbandes“
will eine ganze Armada an Studios, Verlagen, Agenturen und Labels ein paar
Mark mit dieser CD verdienen. Macht auch neugierig, denn aus Geikel lassen
sich Geschäftsleute ja nicht auf die Produktion und den Vertrieb eines
Tonträgers ein. Schlägt man hingegen das Booklet auf, legt man
das erste Mal die Stirn in Falten. Was ist das denn? Jede zweite Undergroundband,
die halbwegs etwas auf sich hält, legt mehr Wert auf die Gestaltung
ihres Booklets als DARK MAN SHADOW. Ein paar Bilder, ein paar geschriebene
Sprüche... Dominiert wird das Ganze in der Mitte von einem Bandfoto
wie es nicht einmal drittklassige Tanzkapellen von sich auf einem Werbe-Prospekt
unterbringen würden. Daß die Gesichter wie Speckschwarten glänzen,
ist noch das kleinere Übel. Vor allem Sängerin und Keyboarderin
Adriane hätte ihr Veto einlegen müssen.
Zur Musik. Die ist ein wirrer Stilmix
aus Gothic, Death Metal, Rock, Power Metal und Musical. Eine Linie ist
weder zu erkennen, noch scheint die Band wirklich zu wissen, wie man unterschiedliche
stilistische Elemente miteinander verbindet. Wenn sich DARK MAN SHADOW
wie in „Falling Hero“ zum Beispiel auf ein Tempo festlegen und bemüht
sind, konsequent die Potenzen ihrer Songs auszureizen, können sie
durchaus gefallen. Allerdings will die Band meist immer weitaus mehr, als
nötig wäre und wozu sie fähig ist. Und schließlich
ist die Scheibe mit fast 55 Minuten viel zu lang.
„Schizophrenia“
JUB
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