An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

Abgehört vom 5. November 2002


RHAPSODY „The Power Of The Dragonfly“ 9
LMP/SPV, 2002

Rhapsody - The Power Of The Dragonfly

Wenn es auch wie die blanke Verarschung klingt: Aber enttäuschte Manowar-Fans sollten sich die aktuelle RHAPSODY zulegen. Denn die einst so verspielten Italiener bieten größtenteils genau das, was dem neuen Machwerk der Amis fehlt: Rhythmus-Gitarren-Rasereien á la „Black Wind, Fire And Steel“, machtvolle epische Refrain-Melodien, einen nahezu knarzenden Metal-Sound und eine Hymne, die locker neben Sachen wie „Crown And The Ring“ bestehen kann. „Lamento Eroico“ heißt das Werk und wird Euch garantiert eine Gänsehaut nach der anderen über den Rücken jagen. Und habt Ihr schon einmal Fabio Lione keifen hören? Bei „When Demons Awake“ habt Ihr Gelegenheit dazu. Und es funktioniert blendend.
„Power Of The Dragonflame“ ist eine logische Fortsetzung des nicht minder brillanten „Rain Of A Thousand Flames“, das RHAPSODY bereits in düsteren Gefilden zeigte, als es auf den Vorgängern die Regel war. Natürlich werden die alten Fans nicht vor den Kopf gestoßen, denn grundsätzlich haben die Italiener ihren bombastischen Stil mit den orchestralen und folkigen Einschüben beibehalten. Wohl aber sind die Melodien durch die Bank weit weg von irgendwelchen Kinderliedweisen, servieren sie uns Heavy Metal-Härte, wie es der Begriff eigentlich verlangt.
„Lamento Eroico“/“The March Of The Swordmaster“/“Power Of The Dragonflame“

JUB

HARDLINE "II" 8
Frontiers/Now&Then/XIII Bis/Point, 2002

Hardline - II

Die Band HARDLINE dürfte in Europa nur halb so bekannt sein wie die Band um Axel Rudi Pell. Genau umgekehrt dürfte es in den Staaten, der Heimat HARDLINEs, aussehen, und dennoch haben beide Bands eine Gemeinsamkeit. Nämlich den Sänger Johnny Gioeli. Er und sein Bruder Joey veröffentlichten nun das zweite HARDLINE-Album, sinnigerweise mit "II" betitelt, und machen dabei eine ausgezeichnete Figur. Im Gegensatz zu A.R.P. setzen die Gioelis auf schnellere, gradlinigere Musik, die im rockigen Heavy Metal anzusiedeln ist. Gioeli lotet sein Stimmvolumen in diesem Sammelsurium an starken Melodien auf beeindruckende Art und Weise aus, und es macht allein schon deswegen Spaß, diese CD zu hören. Dabei gibt es satten Groove und treibende Rocker ohne einen richtigen Ausfall um die Ohren. Kurzum, Daumen hoch für HARDLINE.
"Weight"

THOMAS

COMPOS MENTIS „Quadrology Of Sorrow“ 7
Eigenprod., 2000

Compos Mentis - Quadrology Of Sorrow

Ganz im Zeichen ihrer Nachbarn haben sich die Dänen COMPOS MENTIS auf ihrer Vier-Track-CD „Quadrology Of Sorrow“ der melodischen Form des Schweden-Death Metal verschrieben. Vor allem bei den Stücken „Divine Wrath“ und „Beyond Salvation“ läßt der Fünfer kein Stilmittel aus, um in die Riege der In Flames-Jünger aufgenommen zu werden: Fette Death/Black-Gitarrenwände, der kreischende Sänger, sich rasch festsetzende Melodien. Bei „Visions Of Tragedy“ wird das Ganze schon um einiges schwermütiger. Tragisch halt. Schön hier die solierenden Twin-Guitars.  Nummer vier ist ein reines Klavier-Stück mit einer ganz bezaubernden Melodie, die die Atmosphäre von „Visions ...“ fortsetzt.
Ein sehr hübscher Appetitmacher diese Mini-CD.
„Divine Wrath“

JUB

SEX MUSEUM "Speedkings" 8
Locomotive Musik, 2002

Sex Museum - Speedkings

Nach einem musikalischen Ausflug in die 70er Jahre klingt die CD "Speedkings" der spanischen Bands SEX MUSEUM. Tiefe, voluminöse Baßläufe und Hammond-Orgeln, ein Haufen Gitarren-Effekte und die nötige Coolness in der Stimme des Sängers Miguel treffen auf subtile und ausufernde Melodien, die für die Ewigkeit bestimmt sind.
Diese Band ist Retro bis auf die Knochen, denn auf "Speedkings" kommt kein einziges modernes Songelement mit Absicht in den Liedern vor, so daß zu keiner Zeit eine Brücke zur Moderne geschlagen wird. Inwieweit sich die Spanier allerdings mit den Größen der damaligen Zeit messen können, kann ich nur schwer beurteilen. Aber eins weiß ich gewiß, "Speedkings" macht verdammt viel Spaß.
"Huxley"

THOMAS

VALLEY’S EVE „Deception Of Pain“ 7
LMP/Bmind Rec/SPV, 2002

Valley's Eve - Deception Of Pain

Heavy Metal der urwüchsigen Sorte bekommen wir bei VALLEY’S EVE. Fast jeder Song beginnt mit einem knackigen Riff, die Strophe nimmt sich dann wieder etwas zurück, damit eine kurze kräftigere Bridge in einem melodiösen, einprägsamen Refrain kulminieren kann, der obendrein fette Gitarren-Unterstützung erhält. Und schließlich, das Klampfen-Solo nicht zu vergessen. Das ist alles auf äußerst hohem Niveau, und obendrein sind dabei sogar ein paar kleine Hits entstanden („The Fire Burn“, „Point Of No Return“ - fällt etwas aus dem Muster raus - „In Your Head“). Die erste Hälfte der CD ist das auch alles richtig mitreißend, allerdings scheinen die Songs ab der Halbzeit qualitativ abzufallen. Programmiert man sich die Stücke der CD allerdings von hinten nach vorn ein, hat man komischerweise den gleichen Effekt. Wieder kommt die erste Hälfte (die ja vorher die zweite war) besser als Teil zwei. Also kann es an der Qualität der Songs nicht liegen, denn die schwankt zu keiner Zeit. Vielmehr ist das Strickmuster VALLEY’S EVEs nach sechs, sieben Songs halt derart abgenutzt, daß das wache Interesse an der Musik etwas nachläßt. Sicher hat da auch die markante, immer etwas belegt wirkende Stimme von Roberto Dimitri Liapakis ihren Anteil daran, die Songs etwas gleichförmig wirken zu lassen.
„In Your Head“

JUB

RAGING FORCE "Fantasy" 7
Eigenproduktion, 1999

Raging Force - Fantasy

Eine interessante Debüt-EP veröffentlichten die Soltauer von RAGING FORCE. Die Songs kommen den Fünf locker aus dem Handgelenk, wirken unverkrampft und spontan und wissen mit einfachen und guten Melodien zu überzeugen. Hervorheben möchte ich Sänger Marc, der ähnlich wie Brian Soulard, dem ehemaligen Eidolon-Frontman, über eine wenig variable, dafür aber einprägsame Stimme verfügt und diese einzusetzen weiß. Nach diesem Drei-Song-Demo bekommt man Lust auf mehr. info@ragingforce.de/www.ragingforce.de
"Tomato Kings"

THOMAS

PENTAGRAM „Turn To Stone“ 9
Peaceville, 2002

Pentagram - Turn To Stone

Kult genannt wird eine ganze Menge, nur wenig davon ist es wirklich. Bei PENTAGRAM kann man den Begriff Kult allerdings verwenden, ohne befürchten zu müssen, zu einer abgedroschenen Preisungs-Orgie anzusetzen.
Diese Doom Metal-Band entstand 1978, veröffentlichte allerdings erst 1985 ein extrem von Black Sabbath beeinflußtes Debüt-Album. Damals selbstbetitelt, 1993 als „Relentless“ wiederveröffentlicht. Der kreative Höhepunkt kam 1987 mit „Day Of Reckoning“, was die Band allerdings nicht aus dem Underground heraushob. Der Split 1990 war die Folge. Nichtsdestotrotz wurde die Band 1993 reformiert, um 1994 Album Nummer drei, „Be Forwarned“ zu veröffentlichen. Und das war es dann schon mit PENTAGRAM. Vorerst. Denn der Sampler „Turn To Stone“ kündet unmißverständlich davon, daß das Interesse an diesen Doom-Pionieren ungebrochen scheint. Die Scheibe enthält Auszüge aus allen drei genannten Alben. Neben dem erwähnten extremen Hang zu Black Sabbath - das gilt sowohl für Gesang als auch Gitarren-Arbeit - gibt es streckenweise noch eine gehörige Portion St. Vitus zu hören (z.B. „Sinister“)
„Frustration“

JUB

OPERATION COUNTERSTRIKE "Surveillance" 3
Eigenproduktion, 2001

Operation Counterstrike - Surveillance

OPERATION COUNTERSTRIKEs Musik ist eine Mischung aus Death Metal und modernem Hardcore Thrash, was vor allem in den Brüllvocals zum Tragen kommt. Und an eben dieser Stimme werden sich die Geister scheiden. Mir ist es zu hardcorig. Auch werde ich aus den Songstrukturen nicht schlau. Ohne nennenswerte Höhepunkte und sehr gleichförmig rödelt die Musik vor sich hin, ohne daß man auch nur einmal einen Aha-Effekt erlebt. Melodien werden weiträumig umfahren und der Groove versteckt sich meisterhaft. Aus OPERATION COUNTERSTRIKE - ich sag es noch einmal - werde ich einfach nicht schlau. OC@asses4masses.de/www.asses4masses.de
"To Fucking Ass To Suffer"

THOMAS

BELMEZ "Wundgrind" 8
Christhunt Prod./Connected, 2002

Belmez - Wundgrind

Daß der normale Heilungsprozeß einer Wunde eine dermaßen starke Faszination auf den Zwerg, seines Zeichens Kopf von BELMEZ, ausübt, ist interessant. Vor allem, wenn man den dazu verfaßten Text liest. Es scheint, als würde der Zwerg mit dieser Schutzfunktion des Körpers so sein Problem haben und lieber verbluten wollen. Oder bei "Herrlichkeit der Knochen" etwa heißt es: "Tod, Tod, Tod- lösche mich aus... Sarg, Sarg oh Sarg, Nimm mich schützend auf - Grab, Grab oh Grab - Bring mir nagendes Getier" Der Zwerg hat also nicht mehr alle Latten am Zaun und bekommt dafür schonmal einen Pluspunkt. BELMEZ' Musik pendelt dabei zwischen wütend und ungestüm sowie faulig kriechendem Black Metal mit starkem Old School-Anstrich. Dieser kommt vor allem bei den jammernden Gitarrensoli zum Tragen, die mich nicht selten an jene von Bathory erinnern. Stimmlich legte sich der Zwerg besonders ins Zeug und klingt verdammt haßerfüllt. "Wundgrind" versprüht einen eigenartigen morbiden Charme, auf den ich mich jederzeit wieder einlassen würde.
"Explosionen"

THOMAS

BEHOLDER „Wish For Destruction“ 8
Dragonheart/SPV, 2002

Beholder - Wish For Destruction

Diese Italiener aber auch. Gerade in letzter Zeit haben wir bei sogenannten Power Metal-Acts aus Italien abwinken müssen, da belehren uns nicht nur Rhapsody eines besseren, sondern wird aus dem häßlichen Entlein namens BEHOLDER plötzlich ein Schwan. War das Debüt dieser Band doch gelinde gesagt bescheiden (siehe Abgehört vom 25. Dezember 2001), legt das Septett mit „Wish For Destruction“ nicht nur eine Kohle nach. Eigentlich hat die Band locker sämtliche Kritik-Punkte aus der Vergangenheit ausgemerzt oder auf ein minimales Maß verringert. Ganz oben an steht, daß sämtliche Songs auf „Wish For Destruction“ rund klingen, Ideen besitzen und einem gewievten Muster unterliegen. Während Sänger Patrick Wire mit seiner gepreßten Art zu singen für die ruppigen Momente sorgt, löst der herrlich harmonische Gesang von Shouterin Leanan Sidhe in den Refrains die konstruierte Spannung auf. Und die Melodien stimmen. Anders als auf dem Vorgänger, wo einem Klischees und kompositorisches Unvermögen (oder doch eher Unerfahrenheit) förmlich ins Gesicht sprangen, ist diesmal für Hinhörer gesorgt. Plakativer Kitsch, wie das krampfhafte Helloween-Gemalle, die debilen Phantasie-Texte und das peinliche Kinderbuch-Cover von „The Legend Begins“ gehören der Vergangenheit an. Der Plattentitel und auch das hintersinnige Front-Cover sprechen bereits Bände. Mit Power Metal italienischer Färbung haben wir es zwar immer noch irgendwie zu tun, der kann aber bekanntlicher Weise auch ziemlich geil sein.
„Here Comes The Fire“

JUB

BLACKEND "Mental. Game. Messiah." 6
Massacre/Connected/MDD, 1999

Blackend - Mental. Game. Messiah.

Ähnlich wie ihre Kollegen von Delirious und Perzonal War haben sich auch BLACKEND dem Bay Area-beeinflußten Thrash Metal verschrieben. Wäre diese Art von Musik eine Religion, hieße ihr Gott eindeutig James Hetfield. Denn nicht nur die Songs atmen den Geist der ehemaligen Thrash-Ikonen Metallica. Sänger Michael Goldschmidts Stimme weist zudem eine stark an Hetfield erinnernde Färbung auf, was mir aber gut gefällt. Das Riffing stimmt, der Sound ist sehr ansprechend und trotzdem findet sich noch ein Haar in der Suppe. Denn bis heute haben mich die Melodien der Thrasher einfach nicht so richtig gepackt. Deshalb eine Sechs.
"Liquid Surroundings"

THOMAS



EMPYRIUM „Weiland“ 8
Prophecy Prod., 2002

Empyrium - Weiland

Wenn eine Band mit ihrem Debüt wirklich etwas besonderes abliefert, an dem sich danach eine Reihe anderer Musiker orientiert, hat diese Kapelle es durchaus schwer, sich ausbreitende Erwartungshaltungen zu erfüllen. EMPYRIUM standen 1996 nach „A Wintersunset“ vor genau diesen Problem, das sie von Anfang an versuchten, zu bewältigen. Heute, bei Scheibe Nummer vier namens „Weiland“ angekommen, können sich die beiden Protagonisten Schwadorf und Helm entspannt zurücklehnen mit der Gewißheit, zu jener Gruppe von Bands zu gehören, deren Schaffen nicht von heute auf morgen vergessen wird. Denn „Weiland“ - soweit diese Scheibe auch von „A Wintersunset“ entfernt sein mag - zeigt im sechsten Jahr der EMPYRIUM-Veröffentlichungen, mit welcher Konsequenz das Musiker-Duo an ihrem Konzept gearbeitet hat.
„Weiland“ ist in der Quintessenz ein reines Akustik-Album, das allen Strom-Gitarren-Geschädigten zeigen kann, welch betörendes Instrument die gemeine Konzert-Gitarre ist.
Auch wenn Helm den Tenor raushängen läßt, fügt sich diese Art Gesang sehr gut in die Art der Musik ein, die mal neo-folkig, mal fast klassisch, mal mystisch entrückt daherkommt. 
Textlich dreht sich das Album um Erscheinungen in der Natur. Allerdings werden die nicht aus der Sicht des nüchternen Beobachters beschrieben, sondern mit einem nahezu religiös verklärten Blick, der sich die Dinge mit Wesen und Mythen erklärt. Die Atmosphäre unterstützend werden Querflöte, Cello, Geige, Klavier, Bratsche und Fagott eingesetzt.
Die Scheibe ist absolut Heavy Metal-frei, rockt nicht eine Sekunde und ist trotzdem ein Volltreffer.
„Waldpoesie“

JUB

DARK MAN SHADOW „Tears Of Hate“ 3
Eknaton/SPV/Warner Chappell/Eisenberg, 2001

Dark Man Shadow - Tears Of Hate

Was für eine merkwürdige Scheibe, diese „Tears Of Hate“ von DARK MAN SHADOW. Das beginnt bei dem eigentümlichen Cover, das durchaus neugierig macht, setzt sich fort beim kommerziellen Aspekt, denn laut Infos auf der Rückseite des „Einbandes“ will eine ganze Armada an Studios, Verlagen, Agenturen und Labels ein paar Mark mit dieser CD verdienen. Macht auch neugierig, denn aus Geikel lassen sich Geschäftsleute ja nicht auf die Produktion und den Vertrieb eines Tonträgers ein. Schlägt man hingegen das Booklet auf, legt man das erste Mal die Stirn in Falten. Was ist das denn? Jede zweite Undergroundband, die halbwegs etwas auf sich hält, legt mehr Wert auf die Gestaltung ihres Booklets als DARK MAN SHADOW. Ein paar Bilder, ein paar geschriebene Sprüche... Dominiert wird das Ganze in der Mitte von einem Bandfoto wie es nicht einmal drittklassige Tanzkapellen von sich auf einem Werbe-Prospekt unterbringen würden. Daß die Gesichter wie Speckschwarten glänzen, ist noch das kleinere Übel. Vor allem Sängerin und Keyboarderin Adriane hätte ihr Veto einlegen müssen.
Zur Musik. Die ist ein wirrer Stilmix aus Gothic, Death Metal, Rock, Power Metal und Musical. Eine Linie ist weder zu erkennen, noch scheint die Band wirklich zu wissen, wie man unterschiedliche stilistische Elemente miteinander verbindet. Wenn sich DARK MAN SHADOW wie in „Falling Hero“ zum Beispiel auf ein Tempo festlegen und bemüht sind, konsequent die Potenzen ihrer Songs auszureizen, können sie durchaus gefallen. Allerdings will die Band meist immer weitaus mehr, als nötig wäre und wozu sie fähig ist. Und schließlich ist die Scheibe mit fast 55 Minuten viel zu lang.
„Schizophrenia“

JUB
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