MARDUK
„La Grande Danse Macabre“ 8
Regain Records/Blooddawn
Prod., 2001
„Azrael“
Alles beim
Alten im Hause MARDUK. Und wer hat wirklich auch nur eine Sekunde gehofft,
MARDUK würden sich verändern? In Zeiten, die uns in ihrer Schnellebigkeit
fast im Minuten-Takt neue Trends servieren, ist es schön, wenn es
Ruhepole gibt, auf die man sich verlassen kann. Na ja, das mit dem Ruhepol
ist sicher nicht das treffendste Synonym für die schwedischen Black
Metaller, denn in Sachen Aggression, Soundwand und Tempo gehen MARDUK ans
Werk wie eh und jeh. Und doch gibt es an der ein oder anderen Stelle Momente,
die überraschen. Zum Beispiel der Einstiegssong „Ars Moriendi“ oder
das Titelstück, das gar als 8-Minüter daherkommt.
Meist machen
MARDUK jedoch ihrem Ruf, die Band mit den schnellsten und härtesten
Abzählreimen zu sein, alle Ehre.
„Death
Sex Ejaculation“
JUB
MORTAL
DECAY "Incarnated Souls Rebirth" 7
Wolf Musik,
1999
Bei MORTAL
DECAY handelt es sich um ein Nebenprojekt einiger Eminenz-Musiker. Die
acht Songs auf "Incarnated Souls Rebirth" (plus In-und Outro) sind eine
Verneigung vor dem guten alten Death Metal der frühen Neunziger (Richtung
Morbid Angel), der darüberhinaus mit einigen Keyboardpassagen in den
langsamen Stellen aufgelockert wird. Die Stücke sind solider Durchschnitt
mit leichter Tendenz nach oben. Wäre "Incarnated Souls Rebirth" 1993/1994
erschienen, wäre die CD nur eine von vielen, die die kurz vor dem
Overkill stehende Death Metal-Szene noch mehr aufgebläht hätte,
ohne Akzente zu setzen. Heutzutage macht solche Musik ob der Nostalgie,
welche mitschwingt, wieder Spaß. Ein weiterer Pluspunkt ist die Tatsache,
daß einige technische Unzulänglichkeiten belassen wurden. Dadurch
klingt die CD nicht so steril wie eine Tägtgren-Produktion. So klingen
MORTAL DECAY recht undergroundig. Und das ist gut so.
"Suffocation"
THOMAS
THE
DISMAL "Make Your Mind Up" 3
Division House
Nein, wenn
die Spanier THE DISMAL als Entschuldigung, um auch mal, ganz wie Uncle
Sam gebietet, "Fuck You,Fuck You" singen zu dürfen, ihre Platte "Make
Your Mind Up" nennen, bin ich nicht bereit, mein Hirn zu öffnen. Darüber
hinaus wissen die Senores mit ziemlich mittelprächtigem Crossover,
der von Viva II, oder wie immer das Tor zu kulturellen Gleichschaltung
da unten heißt, beeinflußt ist, abzunerven. Nein, ohne mich.
"The Devil
In You"
THOMAS
DARK
TRANQUILLITY „Haven“ 5
Century Media/Magic
Arts Publishing, 2000
„The Same“
Als ich diese
CD ausgepackt habe, war mein erster Gedanke: „Huch, ein Tonträger
für Blinde?“ Denn DARK TRANQUILLITY haben die kleine Scheibe mit jenen
erhabenen Punkten versehen, die Blinden die Deutung von Worten ermöglicht.
Sehr sozialer Gedanke, denn bei Heavy Metal hatten bisher ja auch Taube
etwas davon (bei entsprechender Lautstärke grummelts im Bauch). Und
die Schweden tun auch etwas für Arbeitslose: Vor den Aufnahmen zu
„Haven“ stellten sie Martin Brändström als festen Elektroniker
an. An dieser Stelle wars der sozialen Ader allerdings zu fett, denn plötzlich
ist die Musik der Melodic-Deather mit Gezirpe und Gefiepe angereichert,
daß man meinen möchte, im Studio war ein Computer im Arsch.
Darüberhinaus wurde aus dem einst bollernden und boxensprengenden
Sound DARK TRANQUILLITYS zum Teil ein nettes Gothic-Geplänkel. Die
Melodie-Orgien vom Vorgänger „Projector“ wurden nicht wiederholt,
die Arrangements scheinbar vereinfacht. Und dieser Eindruck entsteht nicht
nur, weil der cleane Gesang von einst fast völlig fehlt.
Mikael Stanne
sagte in einem Interview mit INTERREGNUM, er möchte auf keiner Platte
klingen wie auf der jeweils vorangegangenen, strebe nach Veränderung.
Dies ist ihm mit „Haven“ sicher gelungen, ob aber der richtige Weg eingeschlagen
wurde, darf an dieser Stelle bezweifelt werden.
„At Loss
For Words“
JUB
CUSTARD
"For My King" 8
B.O.Rec./Grind
Media Syndicate/Connected, 2000
Schnellen Heavy
Metal, absichtlich mit allen musikalischen Klischees versehen, bieten uns
CUSTARD auf ihrer kultig peinlich "For My King" betitelten CD. Innerhalb
seiner von vornherein gesteckten Grenzen ist der Tonträger aber unterhaltsam.
Gerade weil man merkt, daß CUSTARD hier mit einem Augenzwinkern,
aber ohne Verarsche und mit Herz und Seele auf der einen Seite, aber ohne
verbissene Verkrampftheit ob ihrer True Metal Credebillity auf der anderen,
alle Register der Metal-Klischees ziehen. Das reicht vom flotten Opener
mit Kai Hansen-mäßigen Kreischvocals über Heavy Metal-Fanclubstammtischmännerchöre
hinweg zu Texten der Marke "Stahl an Stahl kämfen wir für unseren
König".
Auch darf
auf so einer Scheibe die obligatorische Pflichtballade nicht fehlen. In
diesem Fall heißt sie "Deliver Me". Geht man also in einen Plattenladen,
um sich eine Heavy Metal-Scheibe im klassischen Sinne zu kaufen und um
bei der nächsten Fanclubsitzung auftrumpfen zu können, ist man
mit "For My King" bestens bedient. Sollte man am besten in geselliger Runde
hören. Kult.
"Rise"
THOMAS
STORMHAMMER
„Fire Ball“ 1
Century Media/Magic
Arts Publishing, 2000
Wenn man vielleicht
gerade in der Phase ist, sich die 70er Jahre musikalisch zu erschließen,
könnten einem auch schon die hervorragende Deep Purple-Scheibe „Fireball“
zu Gehör gekommen sein. Und wenn ausgerechnet dann das STORMHAMMER-Teil
„Fire Ball“ auf dem Tisch landet, läuft man Gefahr, das neue „Feuer
Ei“ an dem einstigen „Feuerball“ zu messen. Bereits an dieser Stelle zeigt
sich der fatale Fehler der Band, die eigene Scheibe wie den Klassiker von
1971 zu nennen. Aber der CD-Titel ist nicht das eigentliche Problem.
Vielmehr wurden STORMHAMMER mit vielen Vorschußlorbeeren bedacht,
die sich in jedem Buchstaben als ungerechtfertigt erweisen. Andreas Schöwe
vom „Hammer“ schrieb für das Platten-Label einen Werbetext, in dem
er der STORMHAMMER-Musik Ingredienzen aus dem NWOBHM und US-Metal (was
immer das auch bezeichnet) zugesteht, „Painkiller“ von Judas Priest als
Vergleich heranzieht und gar Gitarrenharmonien á la Iron Maiden
verspricht. Der Gag an der Sache? Von alledem stimmt nix.
Man nehme
nur als Beispiel das Stück „Prisoner“: ein kraftloser 08/15-Strampler
mit einem Ruf-Chor auf Schüler-Combo-Niveau. Da stehen einem die Nackenhaare
zu Berge.
„Prisoner“
„Fire Ball“
ist eine der stumpfsinnigsten CDs, die 2000 unters Volk gebracht wurden.
Es ist sogar fast unmöglich, den dämlichsten Song herauszufiltern,
weil sich eigentlich jeder als Soundtrack für eine Freak-Show eignet.
Und wer wissen möchte, wie ein Kalb im Todeskampf schreit, während
es abgeschlachtet wird, der sollte sich - laut Schöwe - „die erstklassige
Halbballade, 'Possibillities'" antun.
JUB
EVOKE
"The Fury Written" 8
System Shock,
1999
Ein amtliches
Death Metal-Brett haben die fünf Herren aus dem vereinten Königreich
da abgeliefert. Druckvoll und wuchtig walzen die neun Vertonungen von Vernichtung
und Haß aus den Verstärkern der Band direkt (digitaler Studiotechnik
sei Dank) in die heimischen Höhlen der Anhängerschaft. Langweilig
wird die Platte nicht, dafür sind die Riffs zu knackig, die Breaks
zu cool und der Sound zu gnadenlos. Nur eine Sache finde ich, läßt
die Scheibe in einem etwas anderem Licht dastehen. Die ganze Chose klingt
durch und durch amerikanisch. Im Death Metal-Sektor sicher eine Ehrenauszeichnung,
nur dann nicht, wenn man den Fakt bedenkt, daß gerade britische Bands
immer einzigartig und wie keine zweite klangen. Ja stets Innovatoren waren.
Oder kennt ihr eine Band, die solchen Institutionen wie etwa Carcass, Bolt
Thrower oder Benediction - ganz zu schweigen von Napalm Death - das Wasser
in ihrem jeweiligen Stil reichen kann? Wohl kaum.
Aus dieser
lieb gewordenen Tradition brechen EVOKE natürlich aus oben genanntem
Grund aus. Wen das nicht stört und wer auf brutalen Ami-Death Metal
abfährt, soll sich "The Fury Written" besorgen und zu Geschossen wie"Twisted
Into Chaos" die Rübe abmontieren.
"Twisted
Into Chaos"
THOMAS
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