CREMATORY
„Believe“ 2
Nuclear Blast, 2000
War da nicht von einer groß
angelegten Jubiläumstour die Rede, als die neue CREMATORY „Believe“
erschien? Passiert ist nichts, denn so recht wollte niemand den dicken
Markus und seine Truppe sehen. Offenbar haben sich die Jungs in jeder Hinsicht
überschätzt und so manches falsch verstanden. Zum Beispiel sahen
sie immer wieder nackte Frauen auf den Covern diverser Gothic-Bands und
zogen deshalb für eigene Band-Fotos Keyboarderin Katrin aus. Die ist
zum einen nicht unbedingt so die Mörderperle. Was aber viel wichtiger
ist - dieses Entblößen schreit förmlich nach „Ausziehn-Ausziehn“-Rufen
bei Konzerten. Eine Band wie CREMATORY sollte eigentlich wissen, daß
man weibliche Combo-Mitglieder vom Mob abschirmt und nicht mangels Kohle
für Models in die vorderste Linie der Front wirft.
Zur Musik. Da haben sich Felix,
Markus, Harald, Katrin und Neuzugang Matthias unverständlicherweise
an vorherrschende Gothic-Klischees orientiert. Die Musik wurde seichter,
die Keyboard-Elemente verspielter und der Gesang - durch Matthias - an
vielen Stellen clean. Das macht CREMATORYs neues Material beliebig austauschbar.
„The Fallen“
Nun, und wenn dann obendrein noch
etwas die kompositorischen Ideen ausgehen, muß man schon damit rechnen,
daß die Fans nicht gerade Purzelbäume machen. Und ausgerechnet
auf diesem doch sehr schwachen Album servieren uns CREMATORY ihr bis dato
witzigstes Stück: „Time For Tears“. Als Seitenhieb für jene Fans
gedacht, die in den Konzerten immer wieder nach dem Hit der Band „Tears
Of Time“ verlangen, wurden hier die Noten markanter Passagen des Gassenhauers
von hinten eingespielt, so daß ein ähnliches Stück entstand.
Eigenartigerweise hat es aber kein Hitpotential.
„Time For Tears“
JUB
SUIDAKRA "The Arcanum"
9
Last Episode/Connected 2000
"Rise Of Taliesin"
Das SUIDAKRA eine geile Band sind,
wußte ich ja schon spätestens seit ihrer "Layrs From Afar"-Scheibe.
Doch was die Herren und die Dame auf "The Arcanum" fabrizieren, ist wirklich
der Hammer. Breite melodische Gitarrenwände, wie sie selbst die Schweden
nicht besser hinbekommen könnten, die Melodien kommen nie in den Verdacht
des Selbstzwecks, sondern passen hervorragend zum Gesamtsound in dem Akustikgitarren
ebenso ihre Daseinsberechtigung haben.
Das Keyboard ordnet sich den Klampfen
unter und kleistert die Lieder nicht zu, sehr schön. Dazu kommt der
ausdrucksstarke Gesang von Frontmann Arkadius Antonik, welcher auch bei
den ruhigen Stücken mit klarem Gesang zu überzeugen weiß.
Einzig die Coverversion von Skyclads "The One Piece Puzzle" ist am Anfang
gewöhnungsbedürftig, zündet aber spätestens nach fünfmaligem
Hören. "The Arcanum" wurde von Andy Classen
in ein hammerhartes Soundgewand
gepackt und sollte jedem qualitätsbewußten Headbanger ein Begriff
sein.
"Wartunes"/"The One Piece Puzzle"
THOMAS
DOKKEN „Live From The Sun“
8
Steamhammer/SPV
Als ich diese DOKKEN-Scheibe hörte,
habe ich einmal mehr bedauert, daß sich im Heavy Metal die einzelnen
Szenen so sehr stark polarisieren. Denn es ist zu vermuten, daß dieses
Teil am allgemeinen Metal-Underground spurlos vorüberzieht. Das hat
zur Folge, daß unheimlich vielen Metalheads eine Menge außerordentlich
guter Musik verloren geht. Und Dokken - aus der Melodic-Metal-Szene der
80er kommend - haben einen ganzen Sack voll musikalischer Kleinode im Gepäck.
„Breaking The Chains“
Logisch, daß es auf der Live-Scheibe
eine Reihe ihrer echten Hits zu hören gibt, was das Teil aber nicht
zu einer untergeschummelten "Best Of" macht, da DOKKEN auf „Live From The
Sun“ offenbar ganz ohne Overdubs agierten. Deutlich wird das am Gesang,
der an der ein oder anderen Stelle auch mal ein wenig schräg klingt.
Ihren Ursprung hat die Ami-Band
interessanterweise in Deutschland. 1978 gegründet, setzte Don Dokken
mit zwei Musiker-Kollegen auf Einladung eines Hamburger Club-Besitzers
nach Deutschland über. Hier wurde ein Demo eingespielt, das aber erst
1989 als „Back On The Streets“ auf LP erschien. Derweil scharrte Don den
Gitarristen George Lynch und Schlagzeuger Mick Brown um sich. Beide hatten
gerade als Instrumentalisten auf Udo Lindenbergs „Keule“ ausgeholfen. Den
Baß besorgte bei DOKKEN vorerst Peter Baltes, der später bei
Accept berühmt wurde. Und bevor dann 1983 das Debüt „Breaking
The Chains“ erschien, war Don Dokken als Background-Sänger auf dem
„Black Out“-Album der Scorpions zu hören.
Bis 1988 schwamm man auf einer riesigen
Erfolgswelle. Dann ebte das Interesse an dieser Art von Musik ab, Platten
von DOKKEN gab es aber - wenn auch nicht regelmäßig - weiterhin.
Das große Comeback startete die Band 1999 mit „Erase The Slate“.
Dieses Hammer-Album wurde betourt und Eregbnis ist das vorliegende „Live
From The Sun“
„Kiss Of Death“
Um die Melodic-Bands habe ich in
den 80ern meist einen großen Bogen gemacht, da man eh nur die ganz
Großen registrierte und dadurch eine völlig falsche Sicht auf
diese Szene bekam. Und wer wollte als echter Metal-Fan schon mit den weichgespülten
Bon Jovi oder Nelson und Warrant in Verbindung gebracht werden. Gut, daß
von den echten Helden dieser Szene noch ein paar übrig sind und die
Zeit wieder reif für solche Musik ist. Und was diese ausmacht, könnt
ihr bei DOKKEN nachhören. Da gibt es nicht nur knackige Melodien und
wird ordentlich Gas gemacht, selbst Freunde groovender Bässe und atmosphärischer
Gitarrensoli kommen auf ihre Kosten. Und das in einem Stück das „To
High To Fly“ heißt und satte 14 Minuten dauert.
„Tooth And Nails“
JUB
STAMPIN`GROUND "Carved From
Empty Words" 8
Century Media/Magic Arts, 2000
STAMPIN`GROUND stammen aus der britischen
Hardcore-Szene und haben sich bereits durch zahlreiche Touren mit Core-Kollegen
einen guten Ruf in dieser Szene erspielen können. Nun möchten
sie auch beim Metalvolk Gehör finden und richten ihren Sound dementsprechend
danach aus. In den meisten Fällen war es in der Vergangenheit ja anders
herum, da spielte so manche Metalband auf einmal irgendeine Metal/Hardcore-Grütze
und ging damit bei den Altfans mächtig baden. Bei STAMPIN`GROUND funktioniert
das aber, heißt der Sound ist extrem bissig und die Kompositionen
erreichen mitunter schon Thrash-Qualität. Die ein oder andere Länge
schleicht sich bei "Carved From Empty Words" zwar noch ein, aber dafür
ballern die Fans des geschnittenen Haupthaares im nächsten Augenblick
wieder los als gäbe es keinen Morgen. Wenn der Lautstärkeknopf
auf 10 steht, ist diese CD effektiver als ein Vorschlaghammer und das ist
mir acht Punkte wert. Einziger fader Beigeschmack ist der Fakt, daß
im Labelinfo steht: "Slayer watch out!" und STAMPIN`GROUND gleich im ersten
Song der Platte rotzfrech ein Riff der Thrash-Legende klauen. Dumm gelaufen,
nicht wahr.
THOMAS
DIMMU BORGIR „Puritanical
Euphoric Misanthropia“ 8
Nuclear Blast, 2001
Das Problem der Nachahmer gegenüber
den Trendsettern ist, das sie ihren Vorbildern immer mindestens eine Tonträger-Veröffentlichung
hinterherhängen. Da zwischen den Platten der Vorreiter jedoch durchaus
auch mal mehrere Jahre liegen können, kann es passieren , daß
die Nachahmer über längere Zeit mit dem Abklatsch ihrer Idole
den Musik-Markt verstopfen. Nun, und DIMMU BORGIR, die Beinahe-Erfinder
des Bombast-Kleister-Sounds blieben ihrem Stil gar über drei Alben
treu („Enthrone ...“, „Godless ...“, „Spiritual ...“). Zeit genug für
die Trittbrettfahrer, sich so ordentlich auf dieses Zeug einzuschießen.
Zeit genug auch, daß sich sämtliche Underground- und Major-Labels
mit wenigstens einem DIMMU BORGIR-Klon versorgen konnten.
Die sind jetzt alle gekniffen. Denn
ihre Vorbilder sind ihnen einfach davon galoppiert.
„Absolute Sole Right“
Natürlich setzen DIMMU BORGIR
immer noch auf Bombast, Tempi- und Rhythmuswechsel, haben sich aber stilistischen
Elementen geöffnet, die an einigen Stellen gar Erinnerungen an Pink
Floyd wach rufen. Darüberhinaus wurde der Einsatz des Keyboards aufs
Minimalste heruntergefahren, um mehr Platz für Orchester-Passagen
zu schaffen, die der Musik ein Vielfaches an Dramatik verleihen.
Und trotz alledem wirken die Arrangements nicht mehr so willkürlich,
wie manchmal auf den Vorgänger-Alben. Und zuguterletzt ist wieder
mehr Geradlinigkeit zu vernehmen.
„Puritania“
Mit der neuen Scheibe haben DIMMU
BORGIR ihre Prüfung als kreative Musiker bestanden. Es wird sicher
interessant, die weitere Entwicklung der Band zu verfolgen. Das im Zusammenhang
mit DIMMU BORGIR zu sagen, ist allein schon sensationell.
„Devil’s Path“
JUB
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