An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 6. April 2004


NIGHTRAGE "Sweet Vengance" 10
Century Media/Magic Arts Publishing, 2003

NIGHTRAGE - Sweet Vengance

Dieses Album erschien im Juni vergangenen Jahres und wurde vom Label als "vielleicht d i e Melodic Death Metal-Sensation des Jahres" gefeiert. Nun, von einer allgemeinen Euphorie habe ich nichts mitbekommen. Das muß aber definitiv daran gelegen haben, daß all jene, die dem Album nicht die gebührende Wertschätzung entgegenbrachten, besser Transportfacharbeiter bei der Deutschen Bahn geworden wären und daß die anderen, die "Sweet Vengance" lobten, einfach nicht die richtigen Worte fanden. Denn dieses NIGHTRAGE-Debüt hätte durchaus das Zeug zum Überhit. Allein "Elusive Emotion", "Gloomy Daydreams", "In My Heart" und "Ethereal" haben seit In Flames das Zeug zum MTV-Rotations-Banger. Apropos Banger: Wer sich von diesen Songs zum rhythmischen Bewegen animieren läßt, muß seinen Tanz in den meisten Fällen nicht choreographieren, denn hier geht es ohne Firlefanz durch. Wie der Song beginnt, so endet er auch. Und zwischendurch gibt es häufig lediglich die Strophen und Refrains. Allerdings ist das alles ein dermaßen starkes Zeug, daß man nie auf die Idee kommt, sich zu langweilen. Obendrein haut auch dieses schwedisch-griechisches Mischprojekt von Zeit zu Zeit alle Bremsklötze kurz und klein.
Und überhaupt sind NIGHTRAGE ein beredtes Beispiel dafür, daß es zwar schön ist, einen talentierten Gitarristen in der Band zu haben, aber nichts nutzt, wenn dessen Saitenarbeit nur aus den Fingern kommt. NIHGTRAGE haben mit Gus G. (Dream Evil, Firewind, Mystic Prophecy) nämlich einen Kopfklampfer in ihren Reihen, was zu ganz ausgezeichneten Soli führt. Die sind so gut, daß sie Euch sogar auffallen, wenn Ihr diese CD nur nebenbei hört. Naja, und wenn wir mal ganz ehrlich sind, bürgen doch auch Sänger Tomas Lindberg (ex-At The Gates), der cleane Sänger Tom S. Englund (Evergrey), Schlagzeuger Per M. Jensen (The Haunted) für Qualität. Die Typen hätten schon stockbesoffen sein müssen, um Quatsch abzuliefern.
"Elusive Emotion"

JUB

THIRTYONE DIES "Filthy Taste" 5
Eigenproduktion, 2002

THIRTYONE DIES - Filthy Taste

Entgegen meinen Befürchtungen beim ersten flüchtigen Blick auf das Cover der CD, haben wir es hier nicht mit garstigem Nu Metal oder Hip Hop zu tun. Kommt THIRTYONE DIES' Debut doch in verschärfter Graffity-Sprayer-Optik daher. Ist der erste Eindruck überwunden, ist es Zeit für Death Metal, der qualitativ doch ziemlich schwankt. Die Stuttgarter wildern bevorzugt in für Death Metal mittelschnellen Gefilden. Dabei gelingt es ihnen nicht immer, den dafür nötigen Drive in ihre Kompositionen zu bringen. Vieles klingt streckenweise noch ziemlich bemüht. So zum Beispiel die wechselnden Verknüpfungen von schleppenden und schnellen Passagen. Da hätte ein wenig Unvorhersehbarkeit den Liedern mehr Eigenständigkeit verliehen. Andererseits haben die noch recht jungen Musiker sich hörbar ins Zeug gelegt, keine Standardware abzuliefern. Der Schlagzeuger etwa hat mehr zu bieten als nur Geknüppel. Der eine oder andere Hardcore-, oder gar Rockgroove ist hörbar. Und auch die Klampfe müht sich, nicht zu der x-ten Florida- oder Schweden-Riffkopie zu verkommen. Alles in allem eine CD mit guten Ansätzen und einigen frischen Ideen, nur eben noch sehr ausbaufähig bis ausbaubedürftig. www.31dies.de
"Born Again"

THOMAS

RIVAL "State Of Mind" 5
Metal Blade, 2004

RIVAL - State Of Mind

Welch Stehvermögen muß man besitzen, als Heavy Metal-Band in den USA 14 Jahre zu existieren, um in dieser Zeit lediglich zwei Alben aufzunehmen, von denen obendrein eines erst im Mai diesen Jahres erscheint? Das Quartett RIVAL jedenfalls hat durchgehalten. Und "State Of Mind" ist letztlich so geworden, wie man es von einer Band, die die Grunge/Alternative-Welle der frühen 90er unbeschadet überstand, erwartet: Heavy Metal ohne Pimpeleien. Der Albumstart kann auch durchaus beeindrucken, denn der Titelsong und "Extreme Aggression" (nicht von Kreator) sind zwei bolzende Metal-Maschinen, die dem US-Power Metal sehr nahe stehen. Auch "Reach" kommt noch ganz gut. Allerdings ist mit Titel Nummer vier die Luft raus: "Insane" klingt wie ein enormer Kraftakt, dessen Bewältigung die doppelte Zeit der Erarbeitung der drei Anfangsnummern in Anspruch genommen hat. In der Folge wird es auf der CD auch nicht viel lockerer. Da vernimmt man eher immer deutlicher die äußerst schwachen Gitarren-Soli und wird das Gefühl nicht los, daß der Sänger ständig auf den gleichen Melodien herumtanzt. Am Ende bäumen sich RIVAL mit "Hell Train" noch einmal spürbar auf und spendieren uns eine speedige Nummer, die das Album davor rettet, völlig unter dem Durchschnitt zu landen.
„Hell Train“

JUB

UNBOUND "Revenge For The Innocent" 3
Premium Records, 2004

UNBOUND - Revenge For The Innocent

Ihr kennt das. Ihr steht in der dunklen Konzerthalle Eures Vertrauens und wartet auf den Headliner, während die Roadies Equipment in Windeseile von A nach B wuchten. Es ist stickig und riecht nach der unverwechselbaren Mischung aus Kunstnebel, Zigarettenqualm, schalem Bier und Schweiß. Die Unterhaltung mit den Kumpels findet nur statt, indem man jeden gesagten Satz seines Gegenübers mit „Hä?“ oder „Was?“ quittiert, da die Umbaupausenmusik eine normale Unterhaltung zu verhindern versucht. In den meisten Fällen gelingt es ihr auch sehr gut. Und wie oft kommt es vor, daß der Soundmann gerade eine zu der Stimmung des Abends passende CD einlegt? Na? Wohl doch eher selten. Meistens läuft Musik, die härtetechnisch dem Konzert angeglichen ist, ein wenig zu grooven versucht aber doch dem größten Teil der Anwesenden egal ist. Was hat das nun mit „Revenge For The Innocent“ zu tun? Nun, ganz einfach: UNBOUND haben mit ihrer zweiten Scheibe eine typische Umbaupausen-CD veröffentlicht. Sie ist dem Crowbar-Erfolgsrezept nachempfunden, doomige Gitarrenwände, gedrosselte Geschwindigkeit und heiserer Brüllgesang. Nur, daß UNBOUND im Gegensatz zu ihren fetteren Kollegen mit ihrer Musik nur wenig überzeugen können. Denn es stellt sich selbst nach mehrmaligem Hören einfach keine spezielle Stimmung ein, die verdeutlicht, daß es sich bei dem Gehörtem um Musik mit viel Leidenschaft handelt. Die Grooves haben kein Leben, die Refrains wirken schludrig aus dem Ärmel geschüttelt und die Instrumentierung ist alles andere als fesselnd. Das liegt nicht daran, daß mir Doom/Doomcore prinzipiell nicht gefällt, im Gegenteil, es ist nur so, daß „Revenge For The Innocent“ ein absolut unspannendes Album ist, welches sich, wie gesagt, am ehesten als Hintergrundbeschallung bei Konzerten eignet, wenn die eigentliche Attraktion erst noch kommt. 

THOMAS

FLESHLESS "Sensual Death Immitation" 7
Obscene Productions, 2004

FLESHLESS - Sensual Death Immitation

Wer schon lange nichts mehr von FLESHLESS auf seine Tonträger-Bestell-Liste geschrieben hat und es demnächst mit "Sensual Death Immitation" probieren will, der wird feststellen, daß die Tschechen mit Grindcore nur noch wenig zu tun haben. Hier wird mittlerweile technisch durchaus anspruchsvoller Death Metal geboten, der immer wieder mit genretypischen Melodien aufwartet. Auch machen FLESHLESS es sich keineswegs einfach, indem sie vielleicht die derbe Art wählten. Vielmehr haben die Musiker den Spaß an überraschenden Wendungen entdeckt und spicken ihre Songs mit allerlei Stolpersteinen. Die liegen nicht immer richtig, machen die Platte aber zu einem Höralbum, dem man seine Aufmerksamkeit gern etwas intensiver schenkt. Die Schlagzeugarbeit tritt ein bißchen auf das Geduldsrelais, da das Snare-Maschinengewehr überstrapaziert wird. Der Gesang von Vladimir Prokos ist nach wie vor grindig gegrowlt und hat auch weiter diese "schweinischen" Oink-Höhen. Könnte sein, daß sich die Stimmen-Spiele mit den nächsten Alben ändern, da bereits jetzt schon einige Songs mehr Nuancierungen verdient hätten.
"Parasites"

JUB

GOMORRHA "Sexual Perversity By Autopsy" 8
Nice To Eat You Rec./Mutilated Rec., 2003

GOMORRHA - Sexual Perversity By Autopsy

Wehe, wenn sie losgelassen. GOMORRHA sind zurück! Und wie nicht anders zu erwarten, einmal mehr mit völlig geilem Death Metal, der sich an den Bands der frühen 90er messen lassen kann. Cannibal Corpses „Butchered At Birth“ hat hier ebenso seine Spuren hinterlassen wie auch Suffocation und Brutal Truth zu ihren Glanzzeiten. Wahnwitzige Geschwindigkeit trifft auf simple aber wirksame Arrangements. Für die Fans komlizierter  Todes-Tonkunst der Marke Yattering, Cryptopsy und Co. könnte „Sexual Perverstiy By Autopsy“ durchaus etwas eintönig wirken. Nichtsdestotrotz handelt es sich bei dieser Scheibe um ein Werk mit hoher Qualität. So ist der Sound den früheren Top-Produktionen aus dem Genre absolut ebenbürtig. Wer seinen Death Metal also roh, unverfälscht, und brutal mag, kann bei GOMORRHA nichts verkehrt machen. www.gomorrha666.de.vu
„Perverse Bakerman“

THOMAS

JOHN ARCH "A Twist Of Fate" 4
Metal Blade, 2003

JOHN ARCH - A Twist Of Fate

Es gibt Musiker und Band-Konstellationen, bei deren Nennung man vor Ehrfurcht kurz zusammenzuckt. JOHN ARCH zum Beispiel. Boah, das ist die ehemalige Fates Warning-Stimme. Und wen er sich da ins Studio holte - meine Herren: Gitarrist Jimi Matheos, auch von Fates Warning, Joey Vera am Baß - den kennt man mindestens von Amored Saint. Und bei Mike Portnoy ist alles klar: Drummer bei Dream Theatre.
Wenn man das Produkt dieser Leute hört und schon nach den ersten fünf Minuten das Gefühl hat, damit überhaupt nichts anfangen zu können, gibt man noch der eigenen Blödheit die Schuld. Was aber, wenn es auch nach zehn oder 20 Minuten nicht anders ist? Da helfen nur immer und immer wieder Durchläufe. Und siehe da, es quängeln sich ein paar kleine aber feine Melodien aus dem Progressiv-Gefolter der EP "A Twist Of Fate" in den Vordergrund. Die machen das Hören der zwei Songs "Relentless" (12.23) und "Cheyenne" (15.36) leichter, jedoch nicht angenehmer. Denn diese beiden Stücke sind aufs Äußerste verkompliziert worden und dienen einzig und allein der Zurschaustellung des eigenen musiktheoretischen Vermögens und der Fähigkeit, dieses umsetzen zu können. Kenner werden sich manchmal vielleicht an die ärgsten Momente in Songs von Kansas erinnert sehen. Das wird für viele ein Ritterschlag sein, Leute, die im Prog Metal aber eher Symphony X, Threshold, Flower Kings oder Evergrey bevorzugen, sollten an die Anschaffung dieser CD nicht einmal denken.
"Relentless"

JUB

DOG FASHION DISCO "Committed To A Bright Future" 5
Spitfire, 2003

DOG FASHION DISCO - Committed To A Bright Future

Im Heavy Metal ist eigentlich schon alles passiert. Keine Musikrichtung war zu artfremd, als daß sie nicht Einzug in die schwermetallischen Gitarrengewalten gefunden hätte, keine Abgedrehtheit zu verrückt, um nicht ausprobiert zu werden. Von daher sind Bands wie DOG FASHION DISCO immer mal wieder ganz witzig, sollten sich allerdings nicht so wichtig nehmen, denn auch sie machen Dinge, die viele vor ihnen schon taten.
So ist der Opener von "Committed To A Bright Future", das Stück "Love Song For A Witch", mit seinem Ska-Rhythmus und den zackigen Bläsern auf jeden Fall schon mal ein guter Start, der auf eine abgefahrene Scheibe hindeutet. Und abgefahren ist das Ganze ohne Frage, allerdings wirken die folgenden Nummern dann meist eher wie zwanghaft aus dem Hardcore-, Heavy oder Nu Metal-Korsett herausgerissen. Die Brüche zwischen aggressiver Gitarrenwucht und Zirkusgeorgel, Walzer-"Spinet", Jazzereien und ähnlichem Firlefanz sind so gewollt, daß man deutlich die Schweißnaht sieht. Dabei sind DOG FASHION DISCO in ihren besten Momenten ein bißchen wie Faith No More und können auch Gelungenes aufweisen. "Pogo The Clown", ein cooler Swing, zum Beispiel oder "Nude In The Wilderness", wo der neo-punkige Song im Vordergrund steht und nicht eine unpassende Verspieltheit. Der ist ein kleiner Hit. Ebenso "Dejy Vu". Wieder eine jazzende Nummer, die sogar Mädchenherzen im Sturm nehmen könnte. Von daher sollten sich die Typen einem MTV-Einsatz nicht ganz verschließen - wie sie behaupten - um Geld zu verdienen.
"Pogo The Clown"

JUB

DARK REFLECTIONS "Surfaces" 2
Eigenproduktion, 2000

DARK REFLECTIONS - Surfaces

Für die nicht ganz so lebenslustigen unter Euch, die neben dem ganzen Gothic-Geschluchtze auch ein Faible für handzahmen, kitschtriefenden Heavy Metal haben, könnte „Surfaces“ von DARK REFLECTIONS ein gefundenes Fressen sein. Verträumt fiedeln hier die Sologitarren, die Drums wurden in einem Streichelzoo eingespielt, und die Verzerrer wurden auf „rauchig-zart“ eingestellt. Dabei erzeugen DARK REFLECTIONS sowenig wirkliche Stimmung wie möglich. Flach und dünn sind nicht nur der Sound und der Gesang (was zu verzeihen gewesen wäre), sondern auch die Lieder als solche. Der Einfallsreichtum, die herzergreifende Atmosphäre und die Charakter versprühende Eigenständigkeit, die solch eine Musik benötigt, haben allesamt etwas von einem klammen, muffigen Badehandtuch. Denn nur zu oft erinnert die Scheibe an solche hoffnungslosen Fälle wie die Möchtegern-Trauerweiden von Dark oder frühe Dreams Of Sanity. Bands, die - ob ihrer aufgesetzten Depri-Stimmung und ihrer banalen Musik - zum Glück in der Versenkung verschwunden sind. www.dark-reflections.de
 „She“

THOMAS

SUIDAKRA "Signs For The Fallen" 8
Century Media, 2003

SUIDAKRA - Signs For The Fallen

Fetter, bombastischer, härter, größer muß nicht automatisch besser heißen. Genau das ist es, was mir immer wieder bei der aktuellen SUIDAKRA-Scheibe durch den Kopf ging. Man erinnere sich an "Lays From Afar" (1999). Ein kleines aber feines Album, das nur so zu bersten schien vor Melodien und Ideen. Viele mochten damals gar nicht glauben, daß es sich bei dieser Band um eine deutsche handelte.
Diese Ungläubigkeit wird es jetzt nicht mehr geben. Zum einen sind SUIDAKRA einem weitaus größeren Hörerkreis bekannt (nicht zuletzt auch durch den Deal bei Century Media), zum anderen haben die Musiker Anschluß an Deutschlands Speerspitzen gesucht. Im Falle von SUIDAKRA sind das Blind Guardian.
Natürlich sind die Einflüsse von Death und Thrash Metal immer noch da. Allerdings dominieren heutzutage vor allem speedige Doublebass-Nummern, die immer wieder von sehr melodiösen Rhythmus-Eskapaden unterbrochen werden, dazu gehören unverkennbar folkige Weisen.
Natürlich trennen SUIDAKRA und Blind Guardian immernoch stilistische Welten (spielerisch befinden sich beide Bands vermutlich längst in einer Liga), trotzdem sind die Songstrukturen auf "Signs For The Fallen" ähnlich aufgebaut, wie bei der Band um Sänger Hansi Kürsch. Man erwartet ständig die fetten Bombast-Chöre, die jedoch nicht kommen. Bestenfalls hin und wieder cleaner Gesang. So wirkt das Ganze wie die weitaus rauhere Version Blind Guardians.
Um jetzt noch einmal auf den eingangs erwähnten Satz zurückzukommen. Die aktuelle SUIDAKRA-CD ist eine sehr gute, der Charme von vor fünf Jahren fehlt. Das neue Teil ist perfekter, dafür aber auch kälter und nicht mehr so unverwechselbar wie einst.
"Trails Of Gore"

JUB
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