An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

WACKEN-Vorbereitung/OBSCENE-Feature vom 6. Juli 2004


FEINSTEIN "Third Wish" 6
Steamhammer/SPV, 2004

FEINSTEIN - Third Wish

Prädikat: Solide. Fette Gitarren, eingängige Riffs, klarer aber unaufdringlicher Gesang, benutzte (Saxon, Whitesnake, Black Sabbath), jedoch nicht verbrauchte, harmonische Melodien, zur Perfektion neigende Arrangements, songdienliche Soli - FEINSTEIN bieten eine kraftvolle Variante des US-Melodic-Metals, die sowohl beim Genießen als auch Nebenbeihören zu gefallen weiß. Dabei bestechen vor allem jene Riff-Passagen, die einen Metal-Fan vor 20 Jahren hätten im Kreis springen lassen.
Und genau da liegt der Hund begraben. Man will ja nicht immer Spektakuläres hören, um allerdings aus der Masse melodischer Metal-Produktionen hervorzuschauen, bedarf es doch noch etwas mehr als auf dem Debüt "Third Wish" zu hören. Allerdings ist nicht klar, ob David Feinstein mehr wollte, als lediglich Erwartungshaltungen zu erfüllen. Denn das ist dem Elf- und The Rods-Gitarristen hervorragend gelungen. Und so ist "Third Wish" kein Melodic Metal-Meisterwerk, doch zumindest eine sehr angenehme Scheibe für alle Tage.
"Streaming Star"
www.rockfeinstein.com

JUB

MOTÖRHEAD "Inferno" 9
Steamhammer/SPV, 2004

MOTÖRHEAD - Inferno

Würde man eine Kompilation aus den stärksten und beeindruckendsten MOTÖRHEAD-Songs herausbringen, gäbe es darauf sicher nur wenige der gängigen Hits zu hören. Natürlich sind Sachen wie "Ace Of Spades", "Bomber" oder "Motörhead" unbestritten starke Songs und nicht umsonst zum Teil echte Klassiker, die Sternstunden von Lemmy manifestieren sich allerdings eher in Stücken vom Schlage wie "Organsmatron", "1916" oder das halbe "Another Perfect Day"-Album.
Und so hat auch die neue MOTÖRHEAD-Rille einen Song für die Ewigkeit jenseits der selbstgewählten Schublade: "In The Year Of The Wolf". Diese Nummer besticht schon allein durch ihre rhythmische Gestaltung.
Logisch, daß "Inferno" in der Masse völlig typisches MOTÖRHEAD-Material bietet, das zum größten Teil zu den besseren Lemmy-Songs gehört ("In The Name OF Tragedy", "In The Black", "Fight" sowie "Terminal Show" und "Down On Me", beide mit Steve Vai an der Gitarre). Mit "Keys To Kingdom" und "Whorehouse Blues" wird Lemmy von selbigem gepackt, was für den Ex-Hawkwind-Basser fast unvermeintlich ist.
Zu "Inferno" kann man dem alten Mann nur gratulieren: absolut starkes Album abgeliefert, Lemmy.
"Killer"/In The Black/"Down On Me"/"In The Year Of The Wolf"
www.imotorhead.com

JUB

DIONYSUS "Anima Mundi" 7
AFM Records, 2004

DIONYSUS - Anima Mundi

Mit ihrer ersten Scheibe "Sign Of Truth" war dieses "All Star Projekt" (in ihren Reihen befinden sich Luca Turillis Sänger Olaf Hayer und der ex-Sinergy-Drummer Ronny Milianowicz) noch von mitreißenden Großtaten weit entfernt. Ihr zweites Album "Anima Mundi" weiß da schon eher zu gefallen. Da hätten wir zum Beispiel das Stück "March For Freedom", eine erhabene Hymne im Breitwandformat mit geiler Melodie und ausdrucksstarkem Gesang. Oder aber den von Zählzeitenzaubereien stark geprägten Opener, der in bester Helloween/Stratovarius-Manier über einen hereinbricht. In dieselbe Kerbe schlägt auch der Titelsong: leichtfüßige Melodie, zackiges Schlagzeug, Refrain mit Keyboard, ab geht sie, die Luzie. DIONYSUS haben mit "Anima Mundi" zwar kein unverzichtbares Referenzwerk in Sachen Melodic/Prog/Neoclassic-Heavy Metal abgeliefert, konnten sich gegenüber ihrem Debüt aber ansehnlich steigern, das sollte es Euch wert sein, mal beim Plattenhändler in die CD reinzuhören.
"March For Freedom"
www.dionysus-metal.com

THOMAS

VOODOMA "From Glory And Shade" 8
Eigenproduktion, 2003

VOODOMA - From Glory And Shade

Wer bereits an das 2004er Album "Dimension V" (siehe Sendung vom 11. Mai 2004) gekommen ist und Gefallen an diesem schwermütigen Melodic Metal gefunden hat, der kommt um diese Mini-CD (fünf Songs, rund 23 Minuten) nicht herum. Denn "From Glory And Shade" ist eine Quasi-Bonus-Scheibe, da sich VOODOMA hiermit zu "Dimension V" nicht unterscheiden. Allerdings sind die Qualitäten der Band auf "From Glory ..." kompakter zusammengefaßt, da die Spielzeit keine Nachlässigkeiten erlaubte. Und so sind den Musikern einmal mehr melancholische Songs gelungen, die als mittelschwerer Rocksong ("The Master Passes By") ebenso funktionieren wie als Ballade ("Stronger (Far Away)").
"High Again"
www.voodoma.com

Jub

AFTER FOREVER "Invisible Circles" 5
Transmission Rec., 2004

AFTER FOREVER - Invisible Circles

Da ist sie wieder, die anstrengende Melodic/Gothic/Musical/Progressive/Hörspiel Metal-Combo aus Holland. AFTER FOREVER legen nach ihrer EP+DVD "Exordium" (siehe Abgehört vom 4. Mai 2004) jetzt das Full-Length-Album "Invisible Circles" vor. Und natürlich wird fortgesetzt, was auf dem kürzeren Silberling begann. Obendrein wird ein thematisches Konzept mitgeliefert: Es geht um die Einsamkeit und die "auftretenden Probleme von in dieser Welt aufwachsenden Kindern". Jawoll! Genau das ist es, womit ich mich schon immer intensiv beschäftigen wollte. Endlich befaßt sich mal jemand mit den Problemen unserer kleinen Nervensägen, die unwissend permanent klugscheißen, im Plastemüll ihrer Kinderzimmer ersticken, begeistert für Irrenanstalten produzierte Trickfime glotzen, ihren Alten in jedem Supermarkt plärend die Kohle aus der Tasche ziehen, in Handy und Computer die Mächte der Welt vermuten, Schule für ein krankes Relikt der Elterngeneration halten, Models und Superstars werden wollen ... Kinder fetzen. Und darum kann es gar nicht genug Leute geben, die sich mit der Psyche dieser seltenen menschlichen Spezies auseinandersetzen.
Musikalisch klingt das alles viel dramatischer. Man könnte meinen die Bälger, müßten unter Tage schuften, schon mit sechs Jahren für den Lebensunterhalt der Familie sorgen und heimlich unter der Bettdecke lesen. Das kommt dabei raus, wenn man eine Frau in der Band hat. Sängerin Floor Jansen dürfte jetzt in das Alter kommen, wo die Mutter im Inneren mit aller Gewalt ihre Rechte einfordert. Dumm nur, wenn der Rest der Band das mitmacht.
Nochmal zur Musik. Die ist natürlich extrem abwechslungsreich. Mal quäkt Floor in Nightwish-Sopran-Höhen, was meist unangenehm klingt. Dann wieder kommt sie enorm kraftvoll, was ihr am besten steht. Gitarrist Sander Gommans streut seine Grunts dazwischen und holt die Songs häufig aus sphärischen Höhen auf den Teppich zurück. Ansonsten wird um jede Passage der einzelnen Lieder ein enormes Gewese gemacht. Ununterbrochen passieren aufwendige Dinge. Ob da nun ein opernhafter Chor schmettert, ein Orchester anklingt, ein Song schlagartig aus den Gipfeln donnernder Metal-Wucht in die Niederungen sanften Geklimpers fällt, der Rhythmus-Kasper seinen Anfall bekommt oder die Kompositionslehre zur Hand genommen wird - zur Ruhe kommt der Hörer eigentlich nie.
Lange hält man das eigentlich nicht aus, wenn "Invisible Circles" auch runder klingt als "Exordium". Und für die Probleme der Kinder dieser Welt habe ich eine Lösung: Abtreiben!
"Through Square Eyes"
www.afterforever.com

JUB

BLAZE "Blood & Belief" 6
Steamhammer/SPV, 2004

BLAZE - Blood & Belief

Irgendwie scheinen BLAZE die zündenden Ideen zu verlassen. Denn "Blood & Belief" klingt wie ein lauer Aufguß seiner ersten beiden Scheiben, nach dem Maiden-Abgang. Zwei, drei Hits, in diesem Falle "Ten Seconds", "Will To Win" und vielleicht noch "Blood & Belief", ansonsten herrscht die Gleichförmigkeit. Dabei sind die Songs ja nicht schlecht. Die Rhythmussektion spielt fantastisch, die Klampfer ziehen vernünftig vom Leder und BLAZE, na ja, er ist halt BLAZE und macht, was er am besten kann. Er holt aus seinem begrenzten Stimmvolumen das Letzte raus. Doch bleibt trotz alledem die Spannung auf der Strecke. Wahre Aha-Effekte muß man mit der Lupe suchen, die Melodien packen nicht an den Eiern, sondern streifen sie nur kurz. Live mag der Brite ja die Massen zum Kochen bringen, doch ob er sich deshalb noch lange studioscheibentechnisch auf diesem Level ausruhen kann, wage ich zu bezweifeln. Ein echter Knaller muß her. "Blood & Belief" ist eigentlich zu gut um verrissen zu werden, um die CD abzufeiern, fehlt ihr aber auch wieder das gewisse Etwas.
Für BLAZE-Fans: Alles ist beim alten geblieben. 
"Ten Seconds"
www.planetblaze.com

THOMAS

SQUASH BOWELS "For Dead God ... International Devastation" 5
Obscene Productions, 2003

SQUASH BOWELS - For Dead God ... International Devastation

Die Jungs von SQUASH BOWELS hatten einst weder das Timing noch das Rhythmusgefühl erfunden. Nachzuhören ist das auf der CD "For Dead God... International Devastation", die die drei ersten Demos der polnischen Band enthält. Mit "Fürgott" war 1994 die Marschrichtung klar: Übler Gore Grind, der noch vornehmlich in recht schleppendem Tempo vorgetragen wurde. Und wenn's zu schnell ging und man durcheinander kam, wurde schon mal mitten im Lied die Geschwindigkeit gedrosselt. Allerdings passierte das ohne Abstimmung untereinander. Sehr authentisch das Ganze. 1995 wurde es mit "Dead?" nicht wirklich besser. Drei Akorde schlagen und rülpsen: Fertig ist das Grind-Gepolter. Und 1996 kompensierte man auf "International Devastation" die eigenen Unzulänglichkeiten mit einem totalen Geräusch-Chaos, durch das hin und wieder die typischen Grindcore-Säue getrieben wurden. Zusätzlich gibt es auf dieser CD unveröffentlichtes Material und seltene Bonus-Tracks.
Für junge Grindcore-Fans sind diese Wiederveröffentlichungen von Obscene allererste Sahne, da man die Originaltapes gar nicht mehr oder nur mit viel Glück erstehen kann. Für Curbys (Obscene-Macher) Idee die Daumen hoch.
"Greetings From Poland"/"Noise Product"/"Face In Cowpox"
http://members.tripod.com/sqbs/index2.html

JUB

SQUASH BOWELS "No Mercy" 7
Obscene Productions, 2004

SQUASH BOWELS - No Mercy

Vom Gründungs-Line up ist heutzutage niemand mehr dabei. Warum, weiß ich nicht. Aber möglicherweise hatten Rogal, Mariösh, Paluch und Lucas nicht wirklich Bock, ihre Instrumente zu erlernen. Da sind Pierscien, Artur und Psychoradek von einem anderen Kaliber. "No Mercy" ist eine ultrabrutale Grindscheibe im Schweden-Sound-Gewand. Überhaupt dürften auch Death Metal-Fans mit diesem Teil etwas anzufangen wissen, wird hier doch nicht wie auf den frühen Demos lediglich auf Lärm gesetzt. Das Tempo ist durchweg hoch und Drummer Psychoradek läßt die Stöcke gehörig vibrieren. Sicher gibt es Besseres. Auch hört man solche Musik im Grind-Lager häufig. Trotzdem sind SQUASH BOWELS eine gut hörbare Band geworden, die man nicht nur zum Ablachen einlegt.
"Dead Stumble"
http://members.tripod.com/sqbs/index2.html

JUB

THE QUIREBOYS "Well Oiled" 7
Steamhammer/SPV, 2004

THE QUIREBOYS - Well Oiled

Nachdem die Herren von der Insel mit ihrer Livescheibe bei uns punkten konnten, geht es heuer ans Eingemachte. Die neue Studioplatte steht ins Haus. "Well Oiled" bietet leichte Rock'n'Roll-Unterhaltung, die vor allem nebenher gut genossen werden kann. Denn die Songs bedürfen nicht einer hochkonzentrierten, ungeteilten Aufmerksamkeit, um ins Gehör zu gehen. Hier wird nicht lang gefackelt und um den heißen Brei herummusiziert. Simpel und eingängig wird in den neun Songs gespielt, mit dem Bestreben, Euch das Biertrinken so angenehm wie möglich zu gestalten. Für diese Zwecke ist "Well Oiled" bestens geeignet. Doch wenn man sich die CD aufmerksam anhört, stellt man leicht fest, daß die Songs, so leichtfüßig sie auch gespielt sind, hier und da ein wenig unspektakulär vor sich hinrocken und den Kopfhörer-Musikliebhaber leicht unterfordern. Denn manchmal wünscht man sich hier und da eine etwas schlüssigere Komposition. Doch das passiert nicht allzu oft. Der Opener "Good To See You" ist etwas sperrig, "Lorraine, Lorraine" hat seine Längen, ist aber ein guter Song mit einer klasse Melodie. Wenn man auf dererlei Makel einen stinkenden Haufen gibt und eben nur ordentliche Partybeschallung haben möchte, spricht nichts dagegen, sich die CD zuzulegen.
"You've Got A Nerve"
www.quireboys.com

THOMAS

ASTRAL DOORS "Of The Son And The Father" 7
Locomotive, 2004

ASTRAL DOORS - Of The Son And The Father

Warum macht man sowas? Da haben sich ein paar Skandinavier zusammengefunden um Songs zu schreiben, die genauso klingen wie ihre Lieblingsbands. Und nicht etwa zufällig. Nein, man wollte das so. Ist das nicht eigentlich eine Cover-Band?
Im Falle von ASTRAL DOORS, die mit "Of The Son And The Father" ihr Debüt vorlegen, kommt es zu einem Zusammenschluß des frühen Ronnie James Dio und den Black Sabbath mit Tony Martin, speziell der "Tyr"- und "Headless Cross"-Phase. Aber punktgenau. Das liegt nicht nur an Patrik Johanssons Stimme, sondern tatsächlich an der gesamten Art, die Melodien und Arrangements anzulegen. Von daher wird diese Band für Black Sabbath- und Dio-Fans zumindest gehörigen Witz haben. Auch Rainbow-Anhänger könnten zufrieden sein, da zum Ende hin ("Man On The Rock" zum Beispiel) auch dieser "Man On The Silver Mountain"-Touch durchbricht. Da die Songs an sich aber absolut in Ordnung gehen, zum Teil sogar dem Schaffen der Originale das Wasser reichen können, ist diese Scheibe sogar richtig gut geworden.
"Hungry People"
www.astraldoors.com

JUB
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