ABGEHÖRT vom 6. September



ALLEN-LANDE
"The Battle"
Erschienen: 2005
Label: Frontiers/Soulfood
Homepage: www.jornlande.com
 www.symphonyx.com
ALLEN-LANDE - The Battle On Air: "Another Battle"

Daß sich hin und wieder zwei (oder mehr) Gitarristen zusammenschmeißen, um ein gemeinsames Album herauszubringen oder ein Live-Projekt zu starten, ist nichts Ungewöhnliches. Gegenseitige Befruchtung wird erwartet. Zwei Sänger allerdings, das ist eher selten (wenn man mal von Konzeptalben diverser Masterminds absieht, die sich eine ganze Sanges-Armada einladen).
Richtig pikant wird es, wenn es sich bei den beiden Shoutern um echte Spitzenleute handelt, denen man doch eher ein Ego unterstellen möchte, das nichts und niemanden neben sich duldet. Umso größer sollte die Aufmerksamkeit sein, die man dem Album "The Battle" widmet, denn hier lassen gleichberechtigt nebeneinander Russell Allen (Symphony X) und Jorn Lande (Masterplan, Millenium, Ark usw.) ihre edlen Organe hören. Daß das prinzipiell schon einem Großereignis gleichkommt, ist unbestritten. Richtig historisch wird das Ganze dann dadurch, daß sämtliche Songs auf diesem Album zur absoluten Spitze des aktuellen Melodic Metals gehören. Die Melodien sind in jeder Note perfekt, die Arrangements stammen aus dem Lehrbuch der Arrangeure. Man hört den Stücken vor allem die Handschrift Jorn Landes und des Gitarristen Magnus Karlsson an, so man die Arbeit der beiden Musiker aus ihren Bands Jorn und Millenium sowie Starbreaker und Last Tribe kennt. Russell Allen scheint beim entwickeln der Scheibe ein wenig nebenan gestanden zu haben, den an die US-Proger Symphony X erinnert hier eigentlich nichts. Und das ist im Falle von ALLEN-LANDE ausnahmsweise mal von Vorteil.
Das einzige Manko dieser Platte resultiert bedauerlicherweise ausgerechnet aus ihrem größten Pfund: die Stimmen der beiden Sänger. Denn die sind sich in der Tonlage sehr ähnlich, was dem Zuhörer eine Unterscheidung nur erlaubt, wenn er konzentriert lauscht. Aber genau das macht bei dieser Scheibe in ganz besonderer Weise Spaß.

10 von 10

JUB



LUNAR ECLIPSE
"Chapter Omega"
Erschienen: 2003
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.lunareclipse.de
LUNAR ECLIPSE - Chapter Omega On Air: "Obey And Slay"

Mit ideenreichem Gitarrespiel, herrlichen Leads und nachvollziehbaren Songs kann man schon mal locker aus dem Wust gleichgesichtiger Death-Metal-Bands herausragen, ohne weniger brutal oder lahm zu sein. Hoffentlich merken die Cannibal-Corpse-Clones das irgendwann einmal. Die Jungs von LUNAR ECLIPSE haben das erkannt, und ihre CD "Chapter Omega" ist ein kleines Highlight geworden. Aggression, Melancholie, Epik und Brutalität kann man in jedem ihrer Songs ausmachen. Abwechselnder Gesang zwischen tief und schneidend-krächzig sorgt für nette Akzentuierungen. Von der Qualität der Musik stehen sie Acts wie Obscenity oder Death Reality in nichts nach. Warum die Jungs keinen Plattenvertrag bekommen haben, ist mir ein Rätsel. Die Breaks machen Sinn, verkommen nicht zum Selbstzweck und die instrumentellen Finessen sollten auch Nicht-Musiker zum Staunen bringen. Daumen hoch!
8 von 10

THOMAS



ARCH ENEMY
"Doomsday Machine"
Erschienen: 2005
Label: Century Media/Savage Messiah Music
Homepage: www.archenemy.net
ARCH ENEMY - Doomsday Machine On Air: "My Apocalypse"

Einiges ist wie immer: Der Thrash Metal dieser schwedischen Formation hat erneut eine unwiderstehliche Power, knallt und ist durchaus melodiös. Die deutsche Sängerin Angela Gossow kotzt sich ihre Eingeweide heraus und ist eigentlich so gut wie nie zuvor. Schließlich haben die Songs einmal mehr exzellent durchdachte Strukturen, die nötig sind, um ein musikalisch hochwertiges Album abwechslungsreich zu gestalten.
Einiges ist aber auch anders: Zuallererst fehlen die Smasher. Außer "Nemesis", der Sampler-Song dieses Albums, geht eigentlich kein Song schon beim ersten Hören ins Ohr. Das ein oder andere Stück wird zwar nach mehreren Durchläufen gängiger ("Taking Back My Soul" zum Beispiel), für ARCH ENEMY ist das so aber nicht unbedingt typisch. Und schließlich haben sich in das Album "Doomsday Machine" doch tatsächlich progressive Elemente eingeschlichen ("My Apocalypse" zum Beispiel), die nicht immer für einen brachialen Ritt garantieren, sondern hin und wieder den Fluß der Scheibe bremsen.
Wie immer ein gutes Teil, aber von den Scheiben mit Gossow das bisher schwächste (wenn man diesen Begriff bei ARCH ENEMY überhaupt verwenden kann).

7 von 10

JUB



MACHINE MEN
"Scars & Wounds"
Erschienen: 2003
Label: Dynamic Arts Rec.
Homepage: www.machinemen.net
MACHINE MEN - Scars & Wounds On Air: "Against The Freaks"

Wenn man diese CD zum ersten Mal im Player rotieren läßt, wird man entweder vor Begeisterung zusammenbrechen oder mit den Augen rollen und die vermeintlichen Iron-Maiden-Clones mit Nichtachtung strafen. Frontmann Antony klingt dermaßen nach Bruce Dickinson, daß man eine genetische Verwandtschaft nicht ausschließen möchte. Erst wenn man die CD tatsächlich ein-, zweimal durchlaufen läßt und man sich an die frappierende Ähnlichkeit der Stimmen gewöhnt hat, merkt man, daß die jungen Finnen nur bedingt in das Maiden-Schema passen. Klar spielen sie auch Heavy Metal mit viel Melodie und doppelläufigen Leadgitarren, doch was die Epik und Dramatik der Briten anbelangt, spielen MACHINE MEN noch in einer anderen Liga. Da kommt ihre Musik noch recht gradlinig rüber. Eben so wie es klingen kann, wenn Fans die Musik ihrer Helden neu erfinden. Durchaus gut und mit der Detailverliebtheit, die nur Fans an den Tag legen können, doch eben, was die Ideen anbelangt, nur zweite Ebene. Das eigene tatsächlich vorhandene Originalitätspotential, wird nur bedingt ausgeschöpft. So kann man sagen, daß MACHINE MEN zwar ihre Sache als "MAIDEN-Tribu-Band" mehr als gut machen, doch als eigenständige Gruppe ist da noch viel mehr drin. Das will nur noch von den Burschen entdeckt werden.
7 von 10

THOMAS



SAVAGE CIRCUS
"Dreamland Manor"
Erschienen: 2005
Label: Dockyard 1
Homepage: www.savagecircus.de
SAVAGE CIRCUS - Dreamland Manor On Air: "Between The Devil And The Seas"

Was soll man zu diesem Album schon groß sagen? Blind Guardian zu "Battalions Of Fear"- oder "Follow The Blind"-Zeiten. So, Rezension beendet.
"Der hat sich das aber leicht gemacht", könnten einige sagen. "Denn so identisch wird das Zeug schon nicht sein." - Und ich sage: Doch. Blind-Guardian-Schlagzeuger Thomen Stauch ist definitiv BG-geschädigt, denn obwohl er doch eigentlich seine Stammband verließ, um aus dem Kreislauf des ewig Gleichen auszubrechen, setzt er diesen an anderer Stelle und unter anderem Namen fort: SAVAGE CIRCUS. Und somit hat die Welt nach Persuader nun die zweite Blind-Guardian-Klon-Band.
Und man achte auf den Namen Persuader, denn deren Sänger, Emil Norberg, singt auch bei SAVAGE CIRCUS. Emil klingt nämlich nahezu wie eine Blaupause von Hansi Kürsch. Und ich denke, dieser Typ tut sich bestimmt keinen Gefallen, daß er nun schon die zweite Band bereichert, die sich auch musikalisch ganz dem Schaffen Blind Guardians unterwirft: Speed/Power Metal der pompösen Art mit holprigen Vers-Teilen und harmonischen Bombast-Momenten in den Refrains. Was denken ernst zu nehmende Musiker eigentlich, wenn sie Kollegen kopieren. Jens Karlsson, ebenfalls von Persuader (Nachtigall, ick hör Dir trapsen), denkt sich vielleicht weniger, denn er hat sich ja schon bei seiner Stammformation offensichtlich nicht so viele Gedanken darüber gemacht. Aber Piet Sielck von Iron Savior, der ebenfalls bei SAVAGE CIRCUS mitmischt, sollte sich doch hin und wieder am Hinterkopf kratzen.
Aber egal. Die Songs sind ja schließlich gut. Ich glaube, so schmissig wie bei "Waltz Of The Demon" zum Beispiel bekommen das heutzutage nicht einmal mehr Blind Guardian hin. Von daher ist das Album "Dreamland Manor" rein objektiv betrachtet ein ziemlich gelungenes. Und wer Blind Guardian bisher nicht kannte, wird vielleicht gar völlig begeistert sein. Sicher zu Recht, denn ohne eine Vorlage solche Songs zu schreiben, wäre schon beachtlich. Nur ist dem leider nicht so.
Auch wenn ich jetzt in dieser Rezension weitaus häufiger Blind Guardian als SAVAGE CIRCUS geschrieben habe, ist das hier keine Blind-Guardian-Review. Aber das haben sich SAVAGE CIRCUS selbst zuzuschreiben.

5 von 10

JUB



THE FINAL SIGN
"Don't Forget The Hate Is Back"
Erschienen: 2004
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.thefinalsign.de
THE FINAL SIGN - Don't Forget The Hate Is Back On Air: "Götterwein"

Das, THE FINAL SIGN, soll Black Metal sein? Da mußte sogar meine Oma Lotte lachen, die just zu Besuch weilte. "Die Typen nennen sich Abbadon und Fenriz?", fragte die alte Dame, die sich im Gegensatz zum Rest ihrer Alterskollegen zu "Welcome To Hell", "Pure Holocaust", "Deathcrush" und "Under A Funeral Moon" auf ihrem Schaukelstuhl in Rage wippt. "Ha! Das Crematory-Keyboard nimmt jedwede Evilness. Ich will unheiligen Krach Jungchen, mach die Zirkusmusik aus!" Recht hat sie ja, wie immer. Auf die Frage, was sie als unumstößliche Instanz im Bezug auf die Qualität von Black-Metal-Scheiben von den Gitarren und dem Schlagzeug hielte, winkte sie spöttisch ab: "Das spielt doch jeder Gitarrenschüler nach drei Unterrichtsstunden mit links nach. Ich will rasende Grimness hören! Und zermalmende Blastbeats!", schrie sie leicht krächzend in Richtung ihrer Satyricon- und Tsjuder-Tapes, die sie auf ihrem Gepäckberg in ihrer Lederjacke eingehüllt hatte. Bedrohlich schwenkte sie ihren mit Nägeln bespickten Krückstock an meinem Monitor vorbei. "Hölle! Oma paß auf, du machst hier alles kaputt!" "De Mysteriis Dom Sathanaaaaas!!!", fauchte sie durch ihr runzeliges Händchen, zum Evilzeichen geformt. "Das Cover ist Scheiße, Provokation gleich null", stieß sie verächtlich aus, als sie ihren Fünf-Kilo-Stock zu meiner Freude wieder in die Ecke stellte. "Das hat Euronymous nicht gewollt und Quorthon schon gar nicht. Ich geh jetzt ein bißchen spazieren, und wehe du gibst den Typen mehr als null Punkte!" Sprachs und verschwand. Hätte ich gewußt, daß sie schnurstracks zur Marienkirche ging, um "ein Exempel zu statuieren", hätte ich ihr wahrscheinlich mein Feuerzeug nicht geliehen. Stattdessen hätte ich lieber Mayhem in den Player packen sollen, um die THE FINAL SIGN-CD außerhalb ihrer Reichweite zu besprechen. Hinterher ist man immer schlauer.
0 von 10

THOMAS



HEADRUSH
"Headrush"
Erschienen: 2005
Label: Frontiers Records
Homepage: http://www.alexderosso.com/
HEADRUSH - Headrush On Air: "All In A Crime"

Riffs über Riffs. Nicht nur im Meer, sondern auch bei HEADRUSH. Alessandro De Rosso, bekannt auch durch DOKKEN, malträtiert seine Gitarre mit Akkorden, daß die Ohren wackeln. Roberto Tiranti (ex-LABYRINTH) liefert zu der Rifforgie die passende Stimme. Zwar sind die Songs nicht überoriginell, aber heute kann einen doch nur noch eine Black-Metal-Band mit der Heimat Vatikanstadt überraschen. Die Band will wahrscheinlich auch nicht mit Einzigartigkeit punkten, eigen sind sie doch. Die beiden Protagonisten machen ihr Ding, das auch noch gut, und so soll es wohl auch sein. Es gibt songtechnisch keinen Ausfall, aber auch wenig Höhepunkte. Die Devise auf dieser CD heißt: Vorwärts. "All In A Crime" geht richtig ab und eignet sich gut zum Haare schütteln. "Silence" ist, wie der Name schon vermuten läßt, eine Ballade. Nicht unbedingt leise aber doch schön melodiös.
Auf HEADRUSH hat die Welt nicht gerade gewartet, es ist dennoch gut, daß sie da sind.

8 von 10

DEDDY



DANIELE LIVERANI
"Genius - A Rock Opera - Episode 2: In Search Of The Little Prince"
Erschienen: 2004
Label: Frontiers/Soulfood
Homepage: www.danieleliverani.com
DANIELE LIVERANI - Genius - A Rock Opera - Episode 2: In Search Of The Little Prince On Air: "He Won't Escape"

Wir wagten es zu befürchten. Als DANIELE LIVERANI 2002 seine "Genius"-Oper mit dem Zusatz "Episode 1" versah (siehe Abgehört vom 15. Juli 2003), galt dies als Ankündigung, daß dieser tötig langweilige und freudlose Progressiv-Metal-Unsinn eine unendliche Geschichte werden könnte. Zumindest ist jetzt Teil 2 da. Wieviel da noch kommt, ist unklar. Aber solange Liverani Mitmusiker findet, die brav seinen Altherren-Spieltrieb mittragen, könnte es dauern.
"Genius - Episode 2" unterscheidet sich vom Vorgänger darin, dass die Songs nachvollziehbarer sind. Eigentlich gaaaaaanz typischer Power Metal, wie ihn in Italien mittlerweile 80 Prozent aller Heavy-Metal-Verrückten spielen. Vermutlich ist das die Musik, die die Senoritas zum Kochen bringt. Von daher könnte man DANIELE LIVERANI sogar einen Niveau-Absturz bescheinigen, wenn Teil 1 mit seinen künstlerisch verkrüppelten Songs nicht so unsäglich nervtötend gewesen wäre.
Auch diesmal hat der Gitarren-Virtuose, Keyboarder und Baß-Spieler die halbe Sängerwelt um sich versammelt. Und genau das ist es auch, was diese Platte für Fans interessant macht: Mark Boals (Ring Of Fire), Daniel Gildenlow (Pain Of Salvation), Russell Allen (Symphony X), Edu Falaschi (Angra), Rob Tyrant (Labyrinth), Eric Martin (Mr. Big), Oliver Hartmann (Empty Tremor), um nur die wichtigsten zu nennen. Als Dame im Spiel ist Liv Kristine mit von der Partie. Opulent, nicht wahr. Allerdings machen all diese Sangeskünstler nur ihren Job. Das musikalische hat DANIELE LIVERANI verzapft, und der scheint beim besten Willen einfach kein guter Songschreiber zu sein. Deswegen ist ihm ja auch eigentlich keiner böse, denn als Bestandteil diverser Bands (Empty Tremor und Khymera zum Beispiel) macht er ja seinen Job gut. Nur sollte er einfach nicht komponieren.
Vielleicht empfindet manch ein Prog-Fan diese Scheibe ja als ultimatives Kunstwerk. Dann hat er aber garantiert keine Platten mehr im Schrank, auf denen einfach nur kleine anspruchslose fröhliche Rock-Songs zu hören sind. Solche Leuten sei als Therapie vier Wochen ABBA verordnet. Danach kann man wieder Melodien nachpfeifen.

4 von 10

JUB



LADY BLOODY MARY
"Demo"
Erschienen: 2003
Label: Eigenproduktion
Homepage: EntarteteKunst@gmx.net
kein Cover On Air:

Hier hat aber jemand die eigene Meßlatte sehr hoch angelegt: "LADY BLOODY MARY erzeugen einen industriell-experimentellen Rock mit humorvoll-kritischer Bewegung, beeinflußt durch avantgardistische und zeitlose Züge der Musik, inspiriert durch die Entwicklung der Punk- und Rock'n'Roll-Geschichte und interpretiert durch menschliche Weisheitslehren, der Literatur und Künste. LADY BLOODY MARY ist ein Kabarett der Postmoderne." Soweit so gut. Fakt ist, daß durch die auf der CD lediglich als ausgefadete Versionen vorliegenden Songs keinerlei Eigenständigkeit erreicht wird (ausgefadete Versionen auf einem Demo - selten so gelacht). Man hat ständig das Gefühl, einem selbstverliebten Marilyn-Manson-Fan zuzuhören, der sich in derselben Avantgardistik seines Idols üben möchte. Nur erreicht Marco Reinbold bei weitem nicht die Eigenständigkeit eines Originals, indem er es nachäfft, auch wenn er zugegebenermaßen sehr dicht an den Gesang des Amis heranreicht. Ansonsten kann Herr Reinbold nicht viel reißen.
1 von 10

THOMAS



MOONLYGHT
"Progressive Darkness"
Erschienen: 2004
Label: escapi/NMS/GerMusica
Homepage: www.moonlyght.ca
MOONLYGHT - Progressive Darkness On Air: "The Autumn's Freezing Harmony"

Was wäre unsere Welt ohne Bevölkerungsgruppen-Klischees? Der politisch korrekt denkende Zeitgenosse würde jetzt natürlich sofort ein inbrünstiges "besser" erschallen lassen. Ich sage aber: langweiliger. Denn uns würde immer wieder einmal das Erlebnis genommen, wie es ist, Vorurteile über Bord werfen zu müssen.
Bisher haben uns die Kanadier eher mit recht ruppigen Mannschaften beehrt: Bachman-Turner Overdrive, April Wine, Cryptopsy zum Beispiel. Da waren die Filigran-Künstler Rush schon eine echte Überraschung. Jetzt wird der Hund in der Pfanne verrückt, denn MOONLYGHT sind im eigentlichen Sinne eine Pagan-Metal-Band. Wenn sie inhaltlich auch nichts mit den alten europäischen Religionen zu tun haben, sind ihre Texte, die im Zusammenhang mit Naturerscheinungen sehr mystische Bilder zeichnen, durchaus kompatibel für die Szene. Musikalisch bewegen sich MOONLYGHT in einem Bereich zwischen Black Metal, Folk und Progressive Metal. In Verbindung mit den zum Teil sehr breiten und schönen Melodien paßt das bestens in den Pagan-Bereich.
Typisch für diese Art von Bands der klare, raue, kreischige und Sprechgesang. Eine Frau kommt ebenfalls zu Sangesehren. Und der Einsatz von Violine und Akkordeon sind durchaus ebenfalls ein Indiz.
"Progessive Darkness" ist das, was es im Titel verspricht. Sehr stimmungsvoll, meist düster, äußerst abwechslungsreich und manchmal ziemlich verspielt.

8 von 10

JUB



INFECTED NOISE
"Demo"
Erschienen: 2003
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.infectednoise.ch
kein Cover On Air:

Hier möchte ich, nein ich muß mit der Tür ins Haus fallen. Was die Schweizer INFECTED NOISE hier bieten, kann man getrost als überflüssig bezeichnen. Es geht mir nicht darum, kleinen Bands ans Bein zu pissen. Niemand in diesem Stadium kann sich einen Scott Burns oder Neil Kearnon als Produzenten leisten. Man muß auch keine sauteure Aufmachung für ein Demo hinzaubern oder bahnbrechende Songs schreiben können, wenn man sich noch auf der Suche nach dem eigenen Stil befindet. Doch mit Verlaub, eine lieblose CD-R mit uninspiriertem Geschrammel und einer unterirdischen Gesangsleistung, die jeden Sänger, egal ob aus dem Heavy-, Speed-, Thrash-, Death- oder Black-Metal-Genre, die Hand ins Gesicht schlägt, zu versenden, mit rauschendem Unsound und einer Gagenforderung "nach Vereinbarung" ist echt dreist. Jungs, Timing ist keine Stadt in China. Etwas mehr Objektivität hat noch niemandem geschadet. Dieses Gerumpel ist keine Musik mit der man sich bewirbt. Ab in den Proberaum! Der Bandname ist noch Programm.
0 von 10

THOMAS



GALADRIEL
"World Under World"
Erschienen: 2004
Label: Metal Age Productions
Homepage: www.galadriel.sk
GALADRIEL - World Under World On Air: "I Closed Your Book"

Das ist doch mal ein Sprung. Nicht, daß GALADRIELs Vorgänger "From Ashes & Dust" (siehe Abgehört vom 28. Oktober 2003) etwa schlecht gewesen wäre. Allerdings ist es den Slowaken doch jetzt tatsächlich gelungen, ein äußerst stimmiges Gothic-Werk abzuliefern, das getrost als momentaner Höhepunkt der Band angesehen werden kann. Die Gitarren legen in einer bestechenden Weise einen breiten Melodien-Teppich aus, auf dem sich die Sangeskünstler Dodo Datel (rau), Martin Kolarik (klar) und Lydia Lacova mit einer nahezu traumwandlerischen Sicherheit bewegen. Das Spiel mit dem Wechselgesang funktioniert reibungslos. Gerade die weibliche Stimme paßt in ihrer Wärme wunderbar. Das wird besonders in den Songs "The End Of Eternity" und "Imaginary Sins" deutlich.
Auch diesmal sind GALADRIEL vor allem herzzerreißend melancholisch, erlauben sich aber auch mal heftigere Thrash/Death-Ausflüge in "Insanity & Suffering" oder kommen uns mit ungewöhnlichen Elektronik-Experimenten ("Sex In The Underworld").
"World Under World" ist für Deutschlands Gothic-Gemeinde ein echter Geheimtipp, denn hierzulande gibt es einfach zu wenige Bands, die so unbeschwert traurig sein können.

9 von 10

JUB



BIG IRON
"Falling Down"
Erschienen: 2004
Label: Neoblast Records/Twilight
Homepage: www.bigiron.com
BIG IRON - Falling Down On Air: "American Pleasure Drive"

Southern Metal suggeriert eine Affinität zum Südstaaten Rock á la Lynyrd Skynyrd, Molly Hatchet oder Blackfoot. Also schwere Riff-Angriffe mit Blues- oder Country-Querverweisen. Bei BIG IRON ist davon auf der "Falling Down" nicht viel zu hören. Die texanische Band hat zwar schön dröhnende Gitarren, die aber nur wenig Wirkung zeigen, weil sie meist in ein widerliches New-Metal/Crossover-Gehacke versinken. Obendrein ist Dan Lehmanns Gesang den New-Yorker-Hardcore-Gangshouts näher als entspanntem Farmer-Liedgut.
4 von 10

JUB



POWER QUEST
"Neverworld"
Erschienen: 2004
Label: Frontiers Rec./Now & Then/ Soulfood
Homepage: www.power-quest.co.uk/
POWER QUEST - Neverworld On Air: "For Evermore"

Bei den Briten von POWER QUEST zeigt sich einmal mehr, wie dicht bei keyboardlastigem Speed/Power Metal die genialen und die fürchterlichen Momente beieinander liegen können.
Die Band ehemaliger Dragon-Heart- und Shadow-Keep-Musiker (nicht jedoch Bolt Thrower, wie man durch den schlagzeugspielenden Namensvetter von Gitarrero Gavin Ward der britischen Panzerkolonne glauben könnte) hat Songs im Gepäck, bei denen man headbangen und die Nase rümpfen zugleich kann. Die Geschwindigkeit der Riffanschläge pro Sekunde ist mitunter unglaublich. Das Drumming sauschnell. Das weiß hier und da eine enorme Wand aufzubauen. Die Gesangslinien flechten sich dazu ein, als seien sie das Logischste und Passendste, was man in diesem Moment dazu komponieren könnte. Doch so gut das Keyboard in diesen Momenten auch paßt, es wirkt an anderen, ruhigeren Stellen so was von überstrapaziert und aufdringlich, daß man diese Art von Musik wirklich sehr lieben muß, um nicht zu reihern. Europe lassen grüßen. Auch so manche Gesangsmelodien und Backing-Chöre scheinen mir zu sehr auf "Nummer sicher" konstruiert, als daß sie punkten könnten. Was an der einen Stelle paßt, ist an der nächsten Stelle wieder absolut fehl am Platze. Eine Scheibe, die bei kritikloseren Hörern polarisieren könnte, würde man von POWER QUEST mehr Notiz nehmen.

5 von 10

THOMAS
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