HARDCORE
SUPERSTAR „Shame“ 7
Music For
Nations/Zomba, 2001
Daß die
Gruppe HARDCORE SUPERSTAR soviel mit Hardcore zu tun hat, wie Verteidigungsminister
Rudolph Scharping mit einer stattlichen Erscheinung, ist nicht neu. Allerdings
klangen die Schweden noch nie so Sleaze-lastig. LA Guns, Hanoi Rocks und
ähnliche Radau-Brüder fallen einem bei dieser Musik ein. Die
Single „Shame“ ist eindeutig eine Rückbesinnung auf die Spätachtziger.
„Shame“
JUB
KRISIUN
"Ageless Venomous" 6
Drakkar/BMG/Century
Media, 2001
Das KRISIUN
trotz (oder gerade wegen) ihres völlig wahnsinnigen Speedgepolters
talentierte Musiker sind, haben sie schon in der Vergangenheit auf CD und
bei ihren Livekonzerten bewiesen. Nicht umsonst erfreuen sich die drei
brasilianischen Brüder Alex, Max und Moyses gerade in der prominenten
Death Metal-Musikerszene stetig wachsender Beliebtheit, die man allein
an den häufig bei Auftritten zur Schau gestellten KRISIUN-Shirts
der Musiker solcher Bands wie Napalm Death, Immortal oder Cannibal Corpse
ablesen kann. Auch durch ihr stets natürliches und fanfreundliches
Auftreten vor, während und nach ihren Konzerten haben die Südländer
bei Fan, Musiker und Journalist gleichermaßen einen Stein im Brett.
Somit ist es nicht weiter verwunderlich, daß ihre neue Platte vielerorts
über den grünen Klee gelobt wird.
Meiner Meinung
nach sind KRISIUN mit "Ageless Venomous" zwar wieder ein Stückchen
fitter an ihren Instrumenten geworden und auch herrscht nicht nur pausenlos
die Abrißbirne in ihren neuen Songs, dennoch ist ihr neues Werk die
für mich am schwersten zu knackende Veröffentlichung. Denn, obwohl
man mittlerweile die Songs voneinander unterscheiden kann,wirkt die CD
auf Anhieb etwas sperrig, was an den stark verschachtelten Riffs der Band
und dem eigenartigen Sound der Bassdrums liegt.
"Ageless
Venomous"
Das KRISIUN
jedoch mal ein Akustikstück aufnehmen würden, hätte ich
mir in meinen kühnsten Träumen nicht ausmalen können. Doch
unverhofft kommt oft, heißt es so schön.
Lustigerweise
klingen KRISIUN unplugged genauso wie sonst auch, nur ohne Strom. Schell
und frickelig.
"Diableros"
THOMAS
GRAVE
DIGGER „The Grave Digger“ 8
Nuclear Blast,
2001
Da hat es 17
Jahre und neun reguläre Tonträger gedauert, bis GRAVE DIGGER
den Totengräber zur Hauptfigur machen und eine Scheibe quasi „selbstbetiteln“.
So heißt die 2001-Edition der deutschen Heavy Metal-Ikonen halt „The
Grave Digger“. Ein bedeutungsschwerer Titel, der ein besonderes Album suggeriert.
Und ausgerechnet der Titelsong will dieses Versprechen nicht halten.
„The Grave
Digger“
Aber keine
Sorge: Auch 2001 sind GRAVE DIGGER voll bei der Sache und liefern weder
Halbgares noch verliert man sich in Experimenten. Allein „King Pest“ oder
„Haunted Palace“ sind die Anschaffung dieser Scheibe wert. Wo GRAVE DIGGER
drauf steht, ist auch GRAVE DIGGER drin. Thematisch bleibt man zwar dem
Mystischen verhaftet, hat aber diesmal nicht erneut das Mittelalter durchforstet,
sondern ist mit Edgar Allen Poe eine unheilige Allianz eingegangen. Sicher
ist die Wahl dieser Themenwelt nicht gerade originell, zu GRAVE DIGGER
scheint sie aber gut zu passen. Es wäre absurd abzuwägen, ob
die Band auf „The Grave Digger“ nun härter, geradliniger, melodiöser
geworden ist, denn irgendwie trifft alles und nichts zu. Was aber auf jeden
Fall auffällt: Sänger Chris Boltendahl, dessen Stimme seit jeher
die Metal-Szene spaltet, scheint immer besser zu werden.
„Raven“
JUB
ADAGIO
"Sanctus Ignis" 5
LMP/SPV,2001
Die Progressiv
Metal-Szene ist schon eine, in meinen Augen, sehr merkwürdige. Meist
versuchen sich ein paar überkandidelte Instrumental-Virtuosen durch
das Komprimieren von verschachtelten Breaks, ausuferndem Gitarrengewichse
und überflüssiger Verkomplizierung ihrer Musik in ein ähnlich
gottgleiches Licht wie z.B. Yngwie Malmsteen zu rücken. Doch kann
man die Kompositionen meist nur schwer verdauen und noch schwerer danach
headbangen. Doch es gibt natürlich auch Bands, die wirklich so etwas
wie Spannung erzeugen bzw. eine erkennbare klare Linie in ihren Tonkaskaden
haben. ADAGIO gehören zur letzteren Kategorie. Zwar hat der Franzose
Stephan Forte auch einen Narren an den Flitzefingern des exzentrischen
Schweden Malmsteen gefressen, doch ist seine Musik kein stumpfes Skalengerase.
Vielmehr fühlt man sich beim Hören von "Sanctus Ignis" tatsächlich
in der Lage, den Songs folgen zu können. Nur die Gesangsmelodien sind
mir zum Teil ein Rätsel (vorgetragen von Pink Cream 69-Sänger
David Reedman) und manchmal, ja manchmal kann auch unser Franzose vom Gniedeln
nicht genug bekommen. Doch ansonsten hat der Musiker, der auch schon mit
Death Metal und Grindcore (!) experimentiert haben soll, hier ein Progressivalbum
aufgenommen, das Spaß macht, zu hören und sicher noch das ein
oder andere mal seinen Weg in meinen CD-Playerschacht finden wird.
"The Inner
Road"
THOMAS
BOLT
THROWER „Honour - Valour - Pride“ 8
Metal Blade,
2001
Aus dem gespenstisch
den Horizont zerschneidenden Waldrand bahnt sich Motorengedröhn einen
Weg in die eigenen Stellungen. Zu erkennen ist absolut nichts, die Nacht
ist wolkenverhangen. Das Grummeln wird heftiger. Kommen sie näher
oder werden es mehr? Im Magen gesellt sich zum flauen Gefühl ein leichtes
Vibrieren, das nach einigen Minuten in ein Kollern übergeht. Sie kommen
tatsächlich. Ihre Umrisse werden sichtbar. Zwischen den Kolossen wanken
hühnenhafte Gestalten. Die Gesichter blutverschmiert, zu Grimassen
entstellt. Wenn die in die Gräben eindringen, wird hier alles mit
Haut und Haar gefressen.
„Inside
The Wire“
BOLT THROWER
ziehen nunmehr zum siebenten Mal in den Krieg. Ihre Schlachten haben sie
bisher immer gewonnen, ein Ende des Gemetzels ist allerdings nicht abzusehen,
auch - und das ist mit Bedauern anzumerken - wenn die Briten die ersten
Verschleißerscheinungen zeigen. Man kommt nicht mehr ganz so flink
aus dem Schützenloch, trifft nicht mehr unbedingt mit dem ersten Schuß
und der sitzt dann meist auch nicht wie üblich mitten im Gesicht,
sondern kann schon mal die Schulter zerreißen oder einen Arm
zerschmettern. Trotzdem ist es auch anno 2001 immer noch sicherer, auf
Seiten BOLT THROWERs zu kämpfen.
"K-Machine"/"Contact
Wait Out"
JUB
HADES
"DamNation"
7
Metal Blade,
2001
Jawoll! Ein
Cover mit brennender USA-Flagge, von einer amerikanischen Band, das nenne
ich in den heutigen Zeiten Provokation. Gut, die CD erschien bevor die
Häuser umkippten, aber sie wird immernoch in so manchem Laden stehen.
Aber was ist da wohl für Musik drauf? Gut ins Ohr gehender Speed Metal
ohne Tiefen aber auch ohne besondere Höhen. Das, was hoch ist, ist
die Stimme von Sänger Alan Tecchio, der schon zwischendurch bei Watchtower
und Non-Fiction für Begeisterung bei US-Speed Metal-Fans sorgte. "DamNation"
ist insgesamt etwas unspektakulärer als zum Beispiel Agent Steel oder
Exciter (in meinen Augen Hammerbands), gehören aber in die selbe Abteilung
im Plattenschrank. Das Problem bei HADES ist einfach, daß kein Song
sofort zündet, auch nicht nach fünfmaligem Hören. Es treibt
zwar und drückt wie Sau, aber der Errinnerungsfaktor ist sehr gering.
Ein bißchen wenig für eine Kultband für die HADES in gewissen
Kreisen gehandelt werden.
"Stressfest"
THOMAS
BOOZE
BOGY „Welcome To The Bogyland“ 8
Nexus Rec/Point
Music, 2001
Wer die Ramones
spätestens seit Joeys Krebs-Tod und auch die Dickies schmerzlich vermißt,
der bekommt ausgerechnet aus Österreich einen - wenn auch nicht gleichwertigen
- Ersatz. Was die Punks BOOZE BOGY aber auf jeden Fall aus der Spaß-Müll-Szenerie
heraushebt, sind zu jeder Zeit funktionierende Melodien mit einem ebenso
hohen Slam-Dance- wie Mitsing-Faktor. Hinzu kommt, daß die Gitarren
durchaus akzeptabel bratzen. Textlich dreht sich beinahe alles auf dem
BOOZE-Debüt „Welcome To The Bogyland“ ums Poppen. Das ist nicht besonders
aufregend, aber zumindest ein Thema, auf das sich alle einigen können.
„Chicks
In Rage“
BOOZE BOGY
passen eigentlich überhaupt nicht in den Kreis jener Würste,
die sich im Allgemeinen so Punks nennen. Denn entweder sind es diese Bullenschweine-Nazis-Raus-Böser-Kapitalismus-Bands
oder Saufen-Raufen-Ball-Nachlaufen-Truppen. Musikalisch ist das meist sauschwach.
Punk war mit
dem „The Great Rock’n’Roll Swindle“-Album der Sex Pistols 1979 eh am Ende.
Alles, was danach kam, war die Spreu. Ach, und dann gibt es da noch die
Neu-Punkies, deren Shows immer so lustig sind, daß man meinen möchte,
auf einer Parodie-Party zu sein. Solche Combos nennen sich zum Beispiel
Grüner Tee oder Oftspringen. Da sind die BOOZE BOGYs eine echte Erholung,
weil zum einen vom Punk der Amis der Spätsiebziger gestriffen und
zum anderen äußerst unaufdringlich.
„Monsters“
JUB
EVERGREY
"In Search Of Truth" 6
InsideOut/SPV,
2001
So lasse ich
mir Progressiv Metal gefallen. Keine aufgesetzte Fröhlichkeit, nein
im Gegenteil, "In Search Of Truth" kommt recht düster daher. Die Stimme
bewegt sich in angenehmen Frequenzbereichen diesseits der Männlichkeitsskala.
Doch der größte Pluspunkt bei EVERGREY ist der Fakt, daß
man sich beim Komponieren wirklich einen Kopf gemacht hat und nicht nur
mit instrumentaler Fähigkeit aufschneidet. Die Songs sind zwar noch
Lichtjahre davon entfernt, sich sofort im Ohr festzusetzen, aber sie haben
etwas, was anderen Kapellen aus diesem Sektor meiner Meinung nach fehlt;
nämlich, daß man mit Spannung zuhört und die Lieder nachvollziehen
kann, ohne dannach eine Aspirin schlucken zu müssen.
Kurzum, die
Gitarren drücken, die Strukturen greifen und das düstere Erscheinungsbild
der Band lassen nur einen Schluß zu: EVERGREY sind zwar progressiv
aber auch Metal. Sympathisch.
"The Masterplan"
THOMAS
BORKNAGAR
„Empiricism“ 6
Century Media/Magic
Arts Publishing, 2001
Ich weiß
nicht, ob das wirklich so gut ist, wenn ich bei „The Black Canvas“ von
BORKNAGARs neuer Scheibe „Empiricism“ an Procoul Harum erinnert werde.
Nicht, daß Procoul Harum schlecht wären, nur hatte die Psychedelic-Band
der Spätsechziger mit Heavy Metal überhaupt nichts zu tun. Diese
Verbindung kann man Oystein G. Brun und seinen erneut zusammengewürfelten
Haufen nun wirklich nicht absprechen, wohl aber hat sich im Klangbild der
Norweger wieder einmal einiges geändert. Nicht nur, daß jetzt
nach Garm (auf den ersten beiden Alben) und Simen Hestnaes (Scheibe 3 und
4) zu den Aufnahmen von „Empiricism“ der gute Vintersorg hinter dem Mikrophon
stand, offenbar hat sich auch die Teilnahme von Ex-Emperor-Basser Tyr auf
die neuen Stücke niedergeschlagen. Denn bekanntlich hassen die Emperor-Leute
es, wenn ein Lied ohne Brüche und Winkel durchgespielt werden kann.
Und so ist der Zugang zu dem neuen BORKNAGAR-Material im Vergleich zum
Vorgänger „Quintessence“ geradezu extrem schwierig.
Nehmen wir
nur die Melodien: Die sind diesmal weder packend, noch einschmeichelnd.
Sie haben etwas Schwermütiges, Dramatisches, zwingen zum Zuhören.
Nimmt man sich keine Zeit, quält sich die neue BORKNAGAR praktisch
am Ohr vorbei. Dann haben wir da die leidvolle, leicht weinerliche Stimme
von Vintersorg. Auch nicht jedermanns Sache und mit zunehmender Spielzeit
doch etwas belastend. Das Tempo ist auf „Empiricism“ meist gedrosselt,
Keyboard und Klavier spielen eine äußerst dominante Rolle.
Die BORKNAGAR-Scheiben
am Stück gehört, lassen die Neue sicher auffallen, richtig gelungen
wirkt sie allerdings nicht.
„The Stellar
Dome“
JUB
FIREHOUSE
"O²" 1
Wocka-Wocka/Spitfire,
2000
Die Band mit
dem doofen Namen gibt es schon ein bißchen länger und ich glaubte
sie auch schon im musikalischen Jenseits. Doch mit "O²" belehren mich
die vier Musiker eines Besseren. Interessierte mich die Band Anfang der
Neunziger nicht im geringsten, so weiß ich heute genau wieso. Allerwelts-Rock'n'Roll
wie er hahnebüchener nicht sein könnte, wird auf "O²" zelebriert.
Dazu Klischeetexte der Marke: "Wir rocken hier total das Haus" über
"Oh Baby, du bist die einzige für mich!" bis hin zu "Ich mache jede
Nacht zum Tag!" Man, das habe ich alles schon einmal aufregender gehört.
Und vor allem glaubwürdiger. Denn die Typen auf dem Backcover sehen
eher wie die Begleitband von Wolfgang Petry aus.
Braucht keine
Sau.
"Take It
Off"
THOMAS
Heaven
And Earth „Windows To The World“ 8
Frontiers/Now
& Then/Point Music, 2000
Es ist immer
wieder absolut faszinierend, wieviele Musiker und Bands von Ritchie Blackmore
und Deep Purple beeinflußt worden sind. Einer von ihnen ist der englische
Gitarrist Stuart Smith, der nach einem Solo-Projekt mit viel Prominenz
jetzt die Band HEAVEN AND EARTH präsentiert.
Smith verleugnet
in keinem Moment, daß er einst unter den Fittichen Blackmores stand.
Denn die Songs auf „Windows To The World“ sind nicht nur einmal Deep Purple-
oder Rainbow-lastig. Auch dieses blues-rockige Feeling genannter Bands
blitzt auf, obwohl Smith doch meist etwas gemäßigter agiert.
Aber selbst Balladeskes bringt der Brite mit Stil, serviert gekonnte Melodien
und hat mit dem vordergründigen Schlagzeugspiel und der Hammond-Orgel
ein herrliches Soundgewand im Rücken.
Stuart Smiths
Mitstreiter sind allesamt gestandene Wandler durch die Szene: Da wäre
Schlagzeuger Richie Odori, der für Bobby Kimball, Keith Emerson und
Rick Derringer trommelte, Sänger Kelly Keeling, der bei Baton Rouge,
Blue Murder und MSG hinterm Mikro stand und schließlich ist da noch
Keyboarder Arlan Schierbaum, den Smith aus Musiker-Kreisen in Los Angeles
kannte. Und dieses Team ist wirklich vortrefflich aufeinander eingespielt.
Zuguterletzt
befindet sich mit dem Stück „Prisoner“ ein Song auf der Scheibe, den
Smith gemeinsam mit Kelly Keeling und Ritchie Blackmore schrieb.
„Prisoner“
JUB
SEMEN
DATURA „This Love Is Dead“ 5
CCP, 2001
Oh, SEMEN DATURA
machen es einem nicht leicht. Da sind auf der einen Seite die enorm schraddelnden
Gitarren, der bullige Sound, der Live-Atmosphäre suggeriert und ein
Thrash Metal-Kracher wie „Follower“, der uns auf eine kleine Zeitreise
in die 80er nimmt. Auf der anderen Seite hingegen kommen die meisten anderen
Songs nicht halb so flüssig rüber, kann man die deutschen Texte
nur schwer anbieten und ist das Keyboard beinahe ausschließlich ein
Störfaktor. Außerdem nervt der Gesang der - wie es im Label-Info
heißt - „professionellen Sängerin“ Tereza gewaltig. Wenn
sie allein trällert ist es schon schlimm, singen Tereza und
Sänger/Gitarrist Foerster gemeinsam, ist es ganz vorbei. Auch dieses
Gebräu aus Thrash und Black Metal, dem ein ganz ganz kleiner Schuß
Gothic verpaßt wurde, funktioniert nur ganz selten.
„Price
Of Liberty“
JUB
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