ABGEHÖRT vom 07. September 2004

MERCENARY
"11 Dreams"
Erschienen: 2004
Label: Century Media/Magic Arts Publishing
Homepage: www.mercenary.dk
MERCENARY - 11 Dreams On Air: "11 Dreams"/"Sharpen The Edges"
Ein bißchen habe ich es ja geahnt, als wir Euch das MERCENARY-Debüt "Everblack" vorstellten (siehe Abgehört vom 17. August 2004): Wenn die Songs dort auch ständig ihre Linie verloren, lagen ihnen im Großen und Ganzen gute Melodie-Ideen zu Grunde. Nur waren diese halt häufig nur angedeutet und aus unerfindlichen Gründen nicht zu kompakten Songs verwandelt worden. Das ist jetzt auf "11 Dreams" ganz anders.
Der eigentümliche Melodic-Thrash-Death-Stil, der die klagende helle Stimme von Mikkel Sandager als Dreh- und Angelpunkt hat, wird auf dem Zweitling soweit ausgebaut, daß die Band sich tatsächlich von den meisten anderen Bands ihres Genres abhebt. Hier kann man sich mit In Flames- oder Dark Tranquillity-Vergleichen nicht über die Besprechung retten. Dazu ist neben dem Gesang auch weiterhin die Strukturierung der Lieder zu außergewöhnlich. Sich in unerwarteten Melodie-Momenten zu gefallen, haben MERCENARY nämlich beibehalten. Nur unterscheidet sich das Material von heute zu dem des Debüts darin, daß man grundsätzlich runde Songs am Start hat, die die besten Momente der Kompositions-Einfälle voll ausreizen und die Verschrobenheiten nur als Bereicherung zulassen. Und mit solch einer Herangehensweise wird sogar ein Stück wie "Sharpen The Edges" zum Hit. Denn diese Nummer ist im ersten Moment wirklich sperrig mit ihrer sich windenden Melodie im Strophen-Teil und dem Schlachtruf-Refrain, der scheinbar das ganze Lied zerreißt, es am Ende aber hervorragend zusammenhält, da man bei mehrmaligem Hören immer wieder auf diese Passage wartet.
Ein absoluter Melodic-Death-Kracher ist den Dänen mit ihrem Titelsong gelungen, der sich mit allen bisherigen großen Nummern anderer Protagonisten der Spielart messen kann. Und wenn Heavy Metal radiorotationstauglich wäre, dürfte "Music Non Stop" eben jene Single-Auskopplung sein, die fürs Dauer-Airplay gedacht war.
Na, wenn das mal nicht eine Weiterentwicklung ist. 8 von 10
JUB

POWER
"Hate Explosion"
Erschienen: 2002
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.powerthrash.de
POWER - Hate Explosion On Air: "Black To The Bone"
Seit dem Jahr 2000 wird in Erftstadt die Nacht zum Tag gemacht. Schuld daran ist eine Zusammenrottung von kaputten Zombie-Freaks, die unter dem Namen POWER firmieren. 
Nach ihrer ersten Veröffentlichung "Victim 1" liegt nun die nächste Schandtat vor. "Hate Explosion" nennt sich die CD, mit der die Fünf um Aufmerksamkeit buhlen. Das Konzept der Band ist interessant. Sie spielen einen primitiven Thrash Metal, der von der Rhythmik und vom Aufbau her nach den Bands der frühen Achtziger klingt. Dazu kommt eine Prise Punk, wahlweise aber auch ein Quentchen Doom. Streckenweise läßt sich auch der Einfluß Venoms ausmachen. Abgerundet wird das Ganze durch ein optisches Erscheinungsbild, welches die Misfits zum Vorbild hat. Totenköpfe, Zombiefressen oder an "The Crow" erinnernde Visagen werden geschminkt. Auf der Bühne soll es zudem mit Kunstblut richtig zur Sache gehen. Lecker!
So interessant sich das auch anhört, die musikalische Qualität kann jedoch die Erwartungshaltung nicht erfüllen. Die Songs sind zu unspektakulär und rattern zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus. Handwerklich passabel dargeboten, haben sie kaum etwas, das aufhorchen läßt. Die großen Vorbilder der Misfits hingegen konnten mit beinahe jedem Song einen Treffer landen. Von der Gänsehautatmosphäre jener Songs sind die deutschen Zombies noch weit entfernt. Live funktioniert die Musik in Verbindung mit dem Outfit in der richtigen Location sicherlich. Damit es sich aber auch lohnt, eine POWER-CD in der heimischen Gruft einzulegen, müssen die Jungs aber noch so manchen Vollmond im Übungskeller verbringen. 4 von 10
THOMAS

MOLLY HATCHET
"25th Anniversary - Best Of Re-Recorded"
Erschienen: 2003
Label: SPV
Homepage: www.mollyhatchet.com
MOLLY HATCHET- 25th Anniversary - Best Of Re-Recorded On Air: "Satisfied Man"
Schaut man sich die Wirkung der us-amerikanischen Southern-Rock-Szene auf Europa an, dann bleiben eigentlich nur noch zwei Bands übrig, die was reißen können. Live sind auf jeden Fall immer noch LYNYRD SKYNYRD eine sichere Bank. Dem stehen MOLLY HATCHET in nichts nach, allerdings scheint das Sextett auch verkaufstechnisch erfolgreicher zu sein, vor allem in Deutschland, denn hier hatte man in den zurückliegenden Jahren ein paar geschickte Tour-Kombinationen. Erinnert sei da nur an die Route mit DEEP PURPLE im Herbst vergangenen Jahres. Und so ist es nur allzu nachvollziehbar, daß die Band ihr 25jähriges Album-Jubiläum mit einer "The Best Of" begehen. Und daß sich in einem Vierteljahrhundert eine Vielzahl trefflicher Songs ansammeln, ist bei einer Gruppe wie MOLLY HATCHET nur logisch. Und obwohl es auf "25th Anniversary - Best Of Re-Recorded" vor allem um sehr altes Material geht, sind beachtliche 17 Songs zusammengekommen, die qualitativ auf einem gemeinsamen hohen Level liegen. Erinnert sei da nur an Sachen wie "Whiskey Man", "Fall Of The Peacemaker" oder "Flirtin' With Desaster".
Allerdings werfen uns MOLLY HATCHET die alten Nummern nicht als Überspielung von alten Alben als Brocken vor, sondern haben sie neu eingespielt. Das kommt bei den heavy angelegten Sachen besonders zum Tragen, da sie tatsächlich härter klingen. Interessant ist es auch, die Gitarren-Soli der Originale mit der heutigen Auffassung zu vergleichen. Die Unterschiede sind zwar nur klein, aber fein.
MOLLY HATCHET-Fans mit kleinem Geldbeutel, die schon alles haben und sich sagen, ein "Best Of" brauche ich nicht, sollten sich das Ganze noch einmal überlegen, denn die Scheibe ist eine gute Bestandsaufnahme. Leute, die mit Südstaaten-Rock bisher nur wenig zu tun hatten, das bisher Gehörte aber ganz gut fanden, sind bei MOLLY HATCHET genau an der richtigen Adresse. Denn diese Amis spielen in der ersten Liga. 9 von 10
JUB

MISFIT
"Kiss Of A Demon"
Erschienen: 2002
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.misfit-roxx.de
MISFIT - Kiss Of A Demon On Air: "Wild Night"
Wer bei diesem Bandnamen automatisch an eine Tribute-Band, an das amerikanische Grusel-Outfit um Glenn Danzig denkt, muß hier eines Besseren belehrt werden. MISFIT haben mehr mit Warlock als mit den Original Misfits am Hut. Zum einen zocken die Aschaffenburger einen stampfenden Heavy Metal mit simplen, einprägsamen Refrains, die dazu angelegt sind, um sie vom Publikum mitgröhlen zu lassen. Und zum anderen haben MISFIT mit Marija Svecak eine Dame am Mikro, die stimmlich sehr stark an Doro zu "Burning The Witches"-Zeiten erinnert. Allerdings quietscht Frau Svecak nicht so hoch wie das Düsseldorfer Standgebläse. Verwirrenderweise wird auf der CD eben jene Marija als Sängerin aufgeführt, im Begleitschreiben jedoch eine Eva Kreuzer. Auf den jeweiligen Fotos sind aber dieselben Personen abgebildet. Wer auch immer das Mikro hält, sie sollte vielleicht doch hin und wieder so hoch quietschen, nicht um wie eine perfekte Doro-Kopie zu klingen, sondern um mehr Wildheit in die Songs zu bringen. Eben diese geht den Songs manchmal ab. Ansonsten gehen die Lieder aber in Ordnung. Zwar fehlt noch das gewisse Etwas, um vollends überzeugen zu können, doch das kleine Einmaleins des 80er Metal haben die Musiker durchaus gelernt und können live sicher das Haus rocken. Mit "Kiss Of A Demon" liegen die zwei Damen und die drei Herren mehr am Original-Feeling der guten alten Zeit als so manche Italo-Metal-Kombo, das ist schon mal viel wert. 6 von 10
THOMAS

THE AWAKENING
"The Age Of Storm"
Erschienen: 2000
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.theawakening.de
THE AWAKENING - The Age Of Storm On Air: "The Age Of Storm"
Man mag gar nicht glauben, was sich in deutschen Landen auf dem Viking/Pagan-Sektor so alles tut - oder halt tat, wie im Falle der "The Age Of Storm"-CD von THE AWAKENING. Die ist nämlich schon von 2000, allerdings erst jetzt unter unsere Rezensenten-Fuchtel geraten. Und das ist erfreulich, weil sie für eine halbe Stunde angenehme Kurzweil sorgte.
Die Oldenburger fügen heftigste Black-Metal-Prügel-Orgien mit mittelalterlich anmutenden Gesangspassagen zusammen, erlauben ihrem Frontmann schon mal den ein oder anderen Growl-Part und bemühen sich durchweg um breite, im Allgemeinen als episch bezeichnete Gitarrenmelodien. Nach dem Opener "Only The Brave", bei dem es eigentlich ununterbrochen voll auf die Zwölf gibt, überraschen die Oldenburger mehr und mehr mit Nuancierungen, die "The Age Of Storm" aus dem Veröffentlichungseinerlei dieses Genres sehr angenehm hervorheben. Und wenn die Instrumentalisten ihren Sänger manchmal auch davongaloppieren, ist das nicht etwa peinlich, sondern ein Aspekt, der die Rauheit und - ja sagen wir ruhig Unbekümmertheit dieses Tonträgers untermauert. 8 von 10
JUB

KICKDOWN
"Kawoom"
Erschienen: 2004
Label: MG-Music-SK/Soulfood/cmm
Homepage: www.kickdown.de
KICKDOWN - Kawoom On Air: "Simon Says"
Richtig Wert auf viel Melodie legen die Deutschen von KICKDOWN mit ihrer Platte "Kawoom". Eben so sehr wie auf satten Groove. Dabei können sie als ein Hybrid aus Melodic Metal und Stuck Mojo (Rich Ward wirkte auf dieser Platte als Gast mit) durchgehen. Doch wie es so mit Kompromissen ist, beide Seiten müssen einstecken. So kommt richtiger böser Groove nur richtig breitwandig rüber, wenn er die Basis der Songs ist und er genug Platz hat, um sich entfalten zu können. Die Melodien, die ihrerseits zwar nett sind aber bei weitem keine Offenbarung, nehmen der Musik ihre nötige Härte und Durchschlagskraft. Dazu kommt, daß der Gesang immer klar und sauber ist, was den melodischen Anspruch unterstreicht, den Groove aber entscheidend entschärft. "Kawoom" ist nicht schlecht, aber auch nicht wirklich gut. Gute Ansätze zeigen sich laufend, nur werden sie nicht zur Perfektion getrieben. Inklusive "Dr. Feelgood", der Coverversion von Mötley Crüe. 6 von 10
THOMAS

ARREST
"Night Stalker"
Erschienen: 2004
Label: Mausoleum Records/Soulfood
Homepage: www.arrestmusic.com
ARREST - Night Stalker On Air: "Same Old Story"
Hach ja, das alte belgische Mausoleum-Label. Da mag man nostalgisch werden. Kann man aber auch, denn hier wurde nicht nur ein Markenzeichen des Heavy Metals der 80er Jahre wiederbelebt, sondern auch der Geist: ARREST, die mit ihrem dritten Album "Night Stalker" auf Mausoleum erscheinen, sind mindestens 20 Jahre alt. Zumindest das, was sie hier zusammenkomponiert haben. Von modernen Einflüssen nicht einmal schemenhaft eine Spur. Der deutsche Vierer läßt ACCEPT auf New Wave Of British Heavy Metal treffen und ist dabei vor allem im Midtempobereich angesiedelt. Da kann man natürlich nicht mehr den Innovations-Helden miemen, weil in diesem Dunstkreis eigentlich schon alles gesagt und gespielt ist. Das ist den ARRESTanten aber offenbar pupsegal, ziehen sie doch beinhart ihren Stiefel durch und überraschen uns hier und da mit Rif-Ideen, die nicht gerade zu den gewöhnlichsten gehören. Außerdem haben sie in Alex Weinrauch einen Sänger mit auffälliger Stimme, die so manchem den Zahnschmelz wegraspeln wird, allerdings sehr kraftvoll ist und der Band einen Teil ihrer speziellen Note verleiht. Ebenso wie die effektvollen Gitarren-Soli, denen das Können anzuhören ist.
Die Schwermetall-Nachgewachsenen sind zu 90 Prozent Extrem-Fans und werden von ARREST herzlich wenig mitbekommen. Der Alt-Fan sollte diese Band allerdings nicht links liegen lassen und mal nachhören, ob da nicht eine Band am Wirken ist, der man ruhig schon etwas eher seine Aufmerksamkeit hätte schenken sollen. 7 von 10
JUB

NIEDERSCHLAG
"Mehr als sterben"
Erschienen: 2001
Label: Moonstorm/EFA/NSM
Homepage: www.niederschlag.com
NIEDERSCHLAG - Mehr als sterben On Air: "Stereo"

Diese CD ist fast schon ein Oldie, soll an dieser Stelle aber trotzdem nicht übergangen werden. Das Label Moonstorm bewies schon immer ein geschicktes Händchen, wenn es darum ging, Bands mit wenig bis keiner Substanz zu fördern. Wir erinnern uns an die unsäglichen Stendal Blast oder auch an Die Schinder, welche wahrlich nicht das Gelbe vom Ei waren. Ganz so drastisch verhält es sich im Falle von NIEDERSCHLAG zum Glück nicht. Denn die Musik kommt hier flüssiger und treibender daher. So daß man hin und wieder tatsächlich von melancholischem Groove sprechen kann. NIEDERSCHLAG vereinen Einflüsse solcher Bands wie Warpath, Kyuss, neuerer Sepultura, Oomph und ein paar symphonischen Versatzstücken mit deutschen Texten. Dabei wird das "R" glücklicherweise nicht gerollt. Pluspunkt. Allerdings werden mit vielen Worten wenig Inhalte vermittelt. Wasser bergauf fließen zu lassen, scheint einfacher zu sein als ausdrucksstark in der eigenen Muttersprache zu dichten. Doch da sind NIEDERSCHLAG nicht die ersten, die daran scheitern. So sehr sich die Hamburger auch vom hanebüchen klingenden Normalprogramm des Labels abheben, richtige Highlights, die man immer wieder gerne hört, kristallisieren sich selbst nach dem fünften Durchlauf von "Mehr als sterben" nicht heraus. Deshalb Prädikat: Halb so schlimm. 4 von 10 
THOMAS

THE OCEAN
"Promo"
Erschienen: 2002
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.theoceancollective.com
THE OCEAN - Promo On Air: "Tides"
Eine der außergewöhnlichsten Bands in Deutschland dürften zweifelsohne THE OCEAN sein. Tja, das will was heißen. Wie will man denn heutzutage wirklich noch so besonders sein, daß man sich von vermutlich tausenden anderen abhebt? Ein Rezept gibt es dafür durchaus: Man orientiere sich so wenig wie möglich an Vorbildern, sondern folge Eingebungen, die man vielleicht selbst in dem Moment, wenn sie auftauchen, für völlig abstrus hält. Aber weiterverfolgt offenbaren sich manchmal die großartigsten Ergebnisse.
Wie das bei THE OCEAN war, ist mir nicht bekannt. Aber mir scheint, als hätten sich die Musiker beim Erfinden ihrer Musik vor allem in einen kollektiven Lärmrausch gespielt. Erst als das gesamte Gebäude, in dem sich der Ocean-Proberaum befand, zu vibrieren begann, den Musikern ihre eigenen zu Materie gewordenen Klangschwerter die Haut ritzten, brachen sie ab. Und das war so ergreifend, daß sich heute die Songs der Berliner Band immer wieder genau so aufbauen: Noisige Gitarren steigern sich in einen orgiastischen Wahn, um dann zum Beispiel von einem E-Piano erlöst zu werden. Das alles hat immer eine erdrückende Schwermut. Dafür sorgen nicht nur die nicht greifbaren Melodien, sondern auch der Gitarrensound, der nach kaputtem Verstärker klingt. Die Musik von THE OCEAN ist das Bindeglied zwischen alter Prog- und Doom-Metal-Formationen der 70er und moderner Gitarren-Bands, die man heutzutage immer wieder mal auf den Musik-TV-Kanälen sieht.
Leider liegt uns nur dieses Promo vor, das das live im Studio aufgenommene Stück "Queen Of The Food Chain", das 14-minütige "Tides" vom 2002er THE-OCEAN-Debüt und drei Instrumental-Versionen späterer Songs enthält. Damit eine Band zu bewerten, ist fast gemein. Nicht im Falle von THE OCEAN, denn die können selbst mit einer reinen Promo-CD überzeugen. 8 von 10
JUB

PERNICIOUS
"Promo 2002"
Erschienen: 2002
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.pernicious.nl
PERNICIOUS - Promo 2002 On Air: "Cunt Eater"
Die Niederländer PERNICIOUS haben schon zwei CDs veröffentlicht, mit absoluten Top-Acts der Brutalo-Metal-Szene zusammengespielt und sind dabei, ihr drittes Album - nach erfolgreicher Labelsuche - zu veröffentlichen. Eine bewegte Historie möchte man meinen. Kein Wunder, die Band existiert nun schon seit 1994.
Die Band um Schlagzeuger Mark Knoop zelebriert Death Metal im Stile solcher Acts wie Sinister und Severe Torture. Dabei fährt Sänger Coen Tabak (Wenn das kein geiler Name ist!?) eine Stimmlage auf, die sich vom reinen Ultragrunz seiner Kollegen abhebt, indem er in thrashigeren Bereichen röhrt. Die Musik hingegen wirkt wie ein Hackfleisch-Schredder auf Hochtouren, der alles was sich in seine Nähe wagt, zu klumpigem Matsch zerreißt. Das heißt, daß ihr Passagen zum Luftholen mit der Lupe suchen müßt. Das ist ja geil, doch wäre es geiler, wenn die Songs als solche auch im Kopf blieben. Das machen sie nämlich nicht. Es knallt, röhrt und fräst die gesamte Spielzeit der CD über. Doch wenn sie vorbei ist, weiß man nur noch, daß man gerade brutalen Sound gehört hat. Songs als solche, oder gut arrangierte Parts bleiben leider nicht im Ohr zurück. Für Krachfetischisten sicher ein gefundenes Fressen. 6 von 10
THOMAS

TVANGESTE
"Firestorm"
Erschienen: 2003
Label: Metal Mind Rec./World Chaos Prod.
Homepage: www.tvangeste.com
TVANGESTE - Firestorm On Air: "Tears Will Wash Off The Blood"
Na, die haben sich das ja ganz einfach gemacht. Ähnlich wie FROWN aus der Slowakei, die eine 1:1-Kopie von TYPE O NEGATIVE darstellen, haben sich TVANGESTE darauf verlegt, halt einfach Vorbilder zu imitieren. In diesem Falle sind das CRADLE OF FILTH. Wie bei den Black-Metal-Briten sind die TVANGESTE-Songs gespickt mit einer Vielzahl von Rhythmus- und Melodiebrüchen, pendelt man zwischen Melancholie und wilder Raserei oder bemüht sich um passende Gothic-Momente. Sänger/Gitarrist Miron hat nicht nur die Stimmenfärbung von Dani, sondern kopiert ohne Abstriche dessen Gesangsstil. Und das Mädel Olaa darf genau wie bei Cradle bedeutungschwere Passagen in die Songs reden. Die eigene Note - die natürlich keine ist - verschaffen sich TVANGESTE durch die Hinzunahme eines die Songs dominierenden Violine-Spiels nebst Baltic Symphony Orchestra und diverser Chor-Gesänge des Prussian Chamber Choirs. Beides ist wiederum in seiner Machart sofort als THERION auszumachen.
Daß solch eine Band nun ausgerechnet wieder aus einem osteuropäischen Land kommen muß, in diesem Fall nämlich Rußland, ist fast logisch. Denn bei dem dünnen Tonträger-Markt dort und der Seltenheit, die in jenen Regionen die großen Acts zu Touneen vorbeiführt, sind die Kopisten willkommene Ersatzstars. War ja zu DDR-Zeiten nicht anders. Nur dürfte das hier im Abendland auf weniger Gegenliebe stoßen, denn was soll ich mit einer billigen Kopie, wenn ich das Original mit all seinen Facetten jeden Tag in meinen CD-Player schieben kann.
Bands wie TVANGESTE werden ein Phänomen des Ostens bleiben, solange sich die Marktmechanismen nicht auch dort durchgesetzt haben. Das ist allerdings kein Grund, einen Mitleids- oder Das-ist-aber-niedlich-Sympathie-Bonus zu verteilen. Von daher: TVANGESTE sind überflüssig wie die Big-Brother-Allstars. 2 von 10 
JUB

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