An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 07. Oktober 2003


DIMENSION F3H „Reaping The World Winds“ 7
Hammerheart Rec., 2003

DIMENSION F3H - Reaping The World Winds

Eine merkwürdige Musik. Zusammengerechnet ergibt das Ganze sicherlich eine sehr eigentümliche Form des Industrial Metals. Allerdings treibt es Limbonic Art-Musiker Morfeus auf seinem Solo-Debüt "Reaping The World Winds" viel bunter, als daß man die Scheibe ohne weiteres Die Hard-Industrial-Fans empfehlen könnte. Der Opener, gleichzeitig der Titelsong, deutet das schon an. Wer will, kann in dem Stück Black und Death Metal ebenso entdecken wie symphonische oder progressive Elemente. Und nicht umsonst hat Morfeus im Cover eine orientalische Tänzerin versteckt, tauchen doch morgenländische Klangwelten immer wieder auf. Los geht es bei "The 3rd Generation Armageddon", um in "The Dawn" wie das Gebet eines Muezin zu enden. Zwischendurch trällern noch ein paar Damen exotisch in "Paint Me Something Bleach", was aber auch ein bißchen wie russische Folklore weggehen könnte.
"Mit Waterworld" kommt uns Morfeus, dessen Projekt sich DIMENSION F3H nennt, mit Electronic und Industrial rein synthetisch, was er bei "Reborn" wiederholt, wo sanftere Synthi-Pop-Klänge und Trip Hop-Rhythmen angeschlagen werden. Und um die ganze Sache vollends zu verwirren: "Mirrorheart" ist das totale Hyperspeed-Geballer über einem verspielten E-Piano. Na denn, viel Spaß bei der bizarren Reise durch der Welten Winde.
„The Dawn“

JUB

ENDSTILLE „Frühlingserwachen“ 10
Twilight, 2003

ENDSTILLE - Frühlingserwachen

Da endlich. Deutschlands vermutlich beste Black Metal-Band setzt ihre musikalisch-militanten Attacken auf unsere Gemüter fort. Nach "Operation Wintersturm" heißt die Offensive diesmal "Frühlingserwachen". Während die Norddeutschen jedoch in ihrem ersten Schlag ein atemberaubendes Tempo hinlegten, das die Nachhut verdammt nochmal zu keiner Zeit mithalten konnte, rückt man jetzt gemächlicher vor. Allerdings wirken ENDSTILLE dabei zu keiner Zeit weniger bedrohlich. Vernehmt zum Beispiel die monotonen und eindringlichen Gitarren-Riffs bei "Ripping Angelflesh": Gänsehaut oder doch schon Narben von einem chemischen Angriff. "Defloration" kommt erst schwer in Fahrt, präsentiert dann aber eine Klampfen-Melodie, die in ihrer Einfachheit allerdings eine maximale Wirkung zeigt: Mit dem ersten Schuß das Hirn durchschlagen quasi. Streckenhalt Nummer drei ist "Biblist Burner". Der Wechsel zwischen wuchtigem Marsch und hektischem Geländegewinn ist perfekt inszeniert. Und dann "Endstille": Wunderschön. Vielleicht ein merkwürdiges Wort angesichts der ENDSTILLE-typischen Hysterie-Anfälle "Frühlingserwachen", "With The Fog They Come", "1914" oder "World Free Christ". Allerdings gelten für diese Band andere Regeln, die auch mit der Entrückung von Begrifflichkeiten einhergehen.
Ich hatte nach einem Live-Gig der Band im September diesen Jahres befürchtet, die neue Scheibe könnte qualitativ abfallen, da die neuen Songs so sehr aus den Programm ausbrachen. Aber nix da. ENDSTILLE beherrschen nicht nur den überraschenden Überfall, sondern auch den geordneten Angriff.
„Frühlingserwachen“/“World Free Christ“/"Endstille"

JUB

TIAMAT "Cain" 5
Century Media/Magic Arts Publishing, 2003

TIAMAT - Cain

Eine Drei-Track-CD ist dieses "Cain". Und der Titelsong scheint einmal mehr ein Hit zu werden. Düster, schwermütig, mit einer warmen eingängigen Melodie ausgestattet, verschafft er sich sofort Zugang zu unserem Zuneigungs-Nerv. Anders "Love In Chains". Diese Nummer gehört zur Marke Routine-Arbeit. Gut, aber nicht wirklich beeindruckend. Nummer drei im Bunde ist "Sleeping In The Fire" von W.A.S.P. Eine Ballade. Der Charakter wird auch bei der TIAMAT-Version beibehalten, kann dem Original aber nicht im Geringsten das Wasser reichen.
"Cain"

JUB

SHAKRA "Rising" 9
Point Music, 2003

SHAKRA - Rising

"Now Or Never"
Hier zittert der Pegel in beinahe jeder Beziehung durchgehend im roten Bereich: Wie SHAKRA Partytauglichkeit mit mörderischer Heavines und eindringlichen Hammer-Melodien verbinden, fordert nicht nur Respekt, sondern vor allem unsere Kondition. Denn bei dieser Musik headbangt man sogar, wenn man auf der Schüssel sitzt. Die Schweizer könnten eine Vielzahl von Metallern unter ihren Fittichen zusammenziehen, denn die Songs von "Rising" dürften Anhängern von AC-DC, Krokus, L.A. Guns oder Bonfire ebenso die Nackenhaare aufstellen wie Fans von Britny Fox, Def Leppard, Kiss oder Aerosmith. Auch aus diesem Grunde wundere ich mich zum Beispiel, daß die Band doch verhältnismäßig unbekannt ist. Hier stimmt fast alles. Auch dem Vorgänger "Power Ride" (siehe Abgehört vom 26. März 2002) haftet dieses Gütesiegel an. Wer sich also "Rising" zulegt, kann das andere Teil gleich mitkaufen, sind doch fast zwei Stunden SHAKRA immer besser als lediglich 50 Minuten.
"Fight The Fire"

JUB

MY SIXTH SHADOW "10 Steps 2 Your Heart" 4
Voice Of Life Rec./Twilight, 2003

MY SIXTH SHADOW - 10 Steps 2 Your Heart

Junge Mädchen sind die enthusiastischsten und häufig auch die treuesten Fans, wenn man als Band mit drei, vier Jahren der Existenz zufrieden ist. Länger ist bei den pubertierenden Küken nämlich nichts zu holen, denn kommt ein "Prinz" daher, ist es mit den eigenen Entdeckungen meist vorbei. Dann wird sich "aus Liebe" mit dem arrangiert, was Mann will. Und der wird wohl kaum akzeptieren, wenn seine gerade aufblühende Maid eine Truppe von knackigen Hübschlingen anhimmelt.
Aber das geht schon zu weit. Denn erst einmal werden sich die Italiener MY SIXTH SHADOW mit ihrem eher anspruchslosen Gothic Pop in die Herzen unzähliger weiblicher Fans spielen. Warum gerade die Muschis? Daß die Jungs alles tun, um Klasse auszusehen, erwähnte ich bereits. Darüberhinaus sind sie zwar hartrockig genug, um nicht gleich als "Top Of The Pops"-Kasperle-Theater durchzurutschen, aber immer noch so sanft, daß selbst eine vernachlässigte Mitvierzigerin mit einem sehnsuchtsvollen Blick zum Booklet greifen wird, wenn die Tochter die CD im Player rotieren hat. Dann läßt die helle und hohe Stimme von Sänger Dave genügend Platz für Jungenhaftigkeit, die dem Frontmann vor allem zugute käme, wäre er schon Ende 20.
Die Band kokettiert vor allem mit dem Stil der ganz frühen The Cult, fast ist da noch ein Death Cult-Touch zu erahnen. Auch kann man hier und da The Cure wiederfinden. Allerdings sind MY SIXTH SHADOW vor allem schwer zu ertragen, wenn sie eigentlich ans Herz gehen möchten ("Throw Me Away", "Sacrifice", "Life Is Nothing For Me (acoustic version)"). Die heftiger nach vorn gespielte Nummer "Death Is My Rebirth" hingegen ist richtig gut. Auch die Rock-Version von "Life Is Nothing For Me" und "Aeteria" sind hörbar. Und weil "Intoxicate My Heart" wie eine The Cult-Hommage klingt, kann man sich auch damit anfreunden. Allerdings wird dieser gut gemeinte Versuch mit dem The Cult-Cover "Rain" auf das Plumpeste wieder zunichte gemacht. Solch eine miese Version dieses Stückes habe ich noch nie gehört.
"Death Is My Rebirth"/"Life Is Nothing For Me (acoustic version)"

JUB

KHYMERA "Khymera" 5
Frontiers Rec., 2003

KHYMERA - Khymera

Die Liste der Komponisten läßt aufhorchen: Jim Peterik, Russ Ballard, Giorgio Moroder, Kip Winger, Reb Beach ... Da müßte doch eigentlich ein Album zustande kommen, das uns an die Wand nagelt. Allerdings kommt es dann immer noch darauf an, wer sich an dem Material zu schaffen macht. In diesem Falle sind es der Gitarrist Daniele Liverani und Kansas-Sänger Steve Walsh. Letzterer ist gehörige Geschmackssache, da so ähnlich auch ein Kater klingen könnte, der bei vollem Bewußtsein kastriert wird. Und Liverani? Gut, daß der hier nicht als Hauptsongwriter auftritt, denn was dabei rauskommt, hat er uns mit seinem unerträglichen "Genius"-Projekt bewiesen (siehe Abgehört vom 15. Juli 2003) Ein guter Gitarrist ist er aber, kann es aber nicht lassen, vor allem egozentrisch zu spielen. Man hätte aus den Songs, deren Potential an einigen Stellen tatsächlich durchschimmert, weitaus mehr machen können.
"Shadows"

JUB

GRIMFIST "Ghouls Of Grandeur" 8
Candlelight Rec., 2003

GRIMFIST - Ghouls Of Grandeur

Aggressiver, wilder und brutaler geht's nimmer. GRIMFIST, mit Ex-Immortal-Schlagzeuger Horgh verstärkt, sind die Ausgeburt der Hölle, wie wir es uns wünschen oder doch zumindest vorstellen. Und da beschränkt man sich nicht etwa auf Black Metal. Death-Gebolze und Thrash-Riffing bekommen auf "Ghouls Of Grandeur" mindestens genauso viel Raum, wenn nicht gar einen Hauch mehr. So entstehen bei diesem Stilmix grandiose Übernummern wie "A World Of Wrath", grindiges á la "No Compromises" oder Banger im Stile von "Christ Denied". Hier riecht alles verdammt nach Old School und das wollen wir so. Keine Kompromisse.
"No Compromises"

JUB
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