An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 08. April 2003


GILBY CLARKE "Swag" 3
Spitfire/cmm, 2002

Gilby Clarke - Swag

Ex-Guns N' Roses-Klampfer Gilby Clarke auf Solopfaden. Bei "Swag" zeigt sich deutlich, daß der Gitarrero wohl eher nicht der Hauptsongwriter in der Supergroup war. Denn die elf banalen Rocknümmerchen hätten den immensen Erfolg der Gunners nie und nimmer zugelassen. Clarke schrummelt und fiedelt sich so unspektakulär durch die Lieder, daß er selbst in der hinterletzten Kneipe am Missouri sicherlich Streß mit dem durchschwitzten, whiskeybenebelten Rednexpack bekommen würde, für das diese mit Country-Zitaten reich durchsetzte Platte sicher angedacht war. "Swag" ist vielleicht als Schlaftablette zu empfehlen, doch Baldrianpillen sind doch um einiges billiger.
"Crocodile Tears"

THOMAS

CAGE „Darker Than Black“ 8
Massacre, 2003

Cage - Darker Than Black

Um gleich allen Irritationen vorzubeugen. Diese us-amerikanische Band namens CAGE hat nicht das Geringste mit der kürzlich an dieser Stelle vorgestellten Band The Cage zu tun (siehe Abgehört vom 01. April 2003). Weder Tony Martin noch Dario Mollo mischen hier mit, noch gibt es irgendwelche musikalischen Parallelen, außer, daß sich beide Bands im Kosmos des Heavy Metal bewegen. Und während uns The Cage auf eine Nostalgie-Reise in die 70er entführte, halten es die Amis CAGE mit dem sogenannten US-Power Metal. Und den zelebrieren sie ohne Haken und Ösen. Wenn der gemeine Fan beim Konsumieren der „Darker Than Black“-Scheibe Sanctuary-Elemente durchklingen hört, dann liegt er gar nicht so falsch. Hier wird mit exzellenten Riffs enorm Druck erzeugt, der sich sowohl durch die rasanten als auch groovigen Passagen zieht. Die Songs sind durch die Bank kleine Arrangement-Perlen und warten immer wieder mit Wendungen auf, die für das US-Power Metal-Genre zwar nicht ungewöhnlich sind, bei CAGE allerdings immer noch zu überraschen wissen. Sänger Sean Peck hat ein Organ, das schrilles Gurgeln ebenso packt wie schwarz-metallisches Gekeife oder den vollen warmen Ton. Wer den Kopf gern zu rhythmischen Gitarren-Attacken kreisen läßt, ist bei CAGE an der richtigen Adresse. Mit der spanischen Version von „Chupacabra“ gibt es noch den Bonus-Track für die europäische Version von „Darker Than Black“. Das ist vielleicht eine Homage an die immer mehr erstarkende spanische Metal-Szene. Davon konnten sich die INTERREGNUM-Hörer ja auch schon überzeugen.
„Philadelphia Experiment“

JUB

SYLVA MALA "Sylva Mala" 3
Eigenproduktion, 2001

Sylva Mala - Sylva Mala

Die Italiener formierten sich 1997 in Torre Annunziata und veröffentlichten 2001 ihre Debüt-CD unter dem Einfluß solcher Bands wie Edge Of Sanity, Metallica, Moonspell und At The Gates. Letztere kann man am ehesten heraushören. Doch bewegen sich die fünf Freunde auf einem weit niedrigeren Level als die großen Schweden, denn die Riffs klingen viel zu oft uninspiriert und regelrecht aus Krampf heraus entstanden. Dazu kommt, daß Drummer Tony Di Leo einen recht merkwürdigen Drumstil an den Tag legt. Was ihm zwar Individualität beschert, mir jedoch nach drei Liedern auf den Zeiger geht. Auch die Akustikparts wollen nicht so recht zünden und verpuffen schnell. Allerdings ließ uns die Band wissen, daß sie mitten in der Vorbereitungsphase der neuen CD steckt. Vielleicht wird ja mit der zukünftigen Scheibe alles besser, wer weiß? http://stage.vitaminic.de/sylva_malasylvamala@hotmail.com
"In Sylva"

THOMAS

FOZZY „Happenstance“ 2
Steamhammer/SPV, 2002

Fozzy - Happenstance

Keine Ahnung, was lustig daran ist, wenn Leute von Stuck Mojo und Sabbath zusammen mit einem Wrestler eine Band gründen, um Standards aus der Heavy Metal-Geschichte zu covern. Da hat man sich eine recht abstruse Story über eine Band ausgedacht, die durch einen Knebel-Deal 20 Jahre in Japan festgehalten wurde, dort den Heavy Metal erfand, und die Europäer und Amis machten sich über die Demos dieser Band her, um hier große Erfolge mit den Songs zu feiern. Und jetzt sei diese Band endlich aus ihrem Zwangs-Exil entflohen und präsentiert die Original-Versionen von Nummern wie „Balls To The Wall“ (Accept), „Freewheel Burning“ (Judas Priest), „Mob Rules“ (Black Sabbath) oder „L.O.V.E. Machine“ (W.A.S.P.). Na gut, irgendwie muß man ein Cover-Band-Konzept ja verkaufen. Nur stirbt solch eine Idee sofort, wenn die nachgespielten Stücke nicht mal annähernd den Pfiff der Originale erreichen. Und die Story wird zu einem dummen Schnapps-Einfall, da ja dann diese glorreichen Erfinder des Heavy Metal einfach nur schlecht sind.
Wenn eine Band im Studio Songs covert, kann sie dies mit ehrfürchtiger Begeisterung tun. Oder aber sie macht ihren Job. Und genau das haben FOZZY mit „Happenstance“ getan. Ein langweiliges Cover-Album, das von der Live-Performance jeder zweiten Heavy-Metal-Cover-Band in Deutschland, die auf Biker-Treffen spielt, in den Schatten gestellt wird. Ich bin bestimmt kein Prophet, wenn ich sage, daß Ihr von dieser Truppe in Zukunft nicht mehr viel hören werdet. Und gebt nichts drauf, wenn die Bang Your Head-Veranstalter FOZZY zu ihrer Lieblingsband erklärten. Da spielt meist nicht die musikalische Qualität eine Rolle, sondern wie gut man beim Saufen miteinander harmoniert.
„L.O.V.E. Machine“/“Balls To The Wall“

JUB

JUGHEAD "Jughead" 2
Earcandy/SPV, 2002

Jughead - Jughead

JUGHEAD ist eine neue Band von Ty Tabor, dem Kings X-Gitarristen, und wie sollte es anders sein, wird auch diesem Projekt eine einzigartige und innovative Aura zurechtkonstruiert - wie auch schon bei Kings X. Dabei sind JUGHEAD im Gegensatz zu den Königen weitaus gradliniger und weniger experimentell. So sind es eher die unspektakulären Singalongs, die Tabors neue Band auszeichnen. Sofern es eine Auszeichnung ist. Im Infoblatt steht was von eingängigen Melodien, die den Kopf nicht mehr verlassen wollen, klassischen Riffs und tollen Vocalharmonien. Ha! Von wegen. JUGHEAD ist einfach nur langweiligster Tralala-Kram ohne Höhepunkte und brachte mich spätestens nach dem vierten Lied auf die Palme. Finger weg, kann ich nur sagen.
"Halfway Home To Elvis"

THOMAS

LULLACRY „Crucify My Heart“ 9
Century Media/Spinefarm, 2003

Lullacry - Crucify My Heart

Die Welt des Gothic hat sich längst davon befreit, nur Musik für Einsame zu sein, die von Todessehnsucht zerfressen über ihren Schlafsarg gebeugt, den letzten Rotwein-Rausch auskotzen. Gothic ist ein Synonym für warme Moll-Melodien geworden, die meist mit Heavy-Metal-Gitarren umhüllt mehr oder weniger temporeich dargeboten werden. Und deshalb sind auch LULLACRY aus Finnland eine Band aus dem Gothic-Dunstkreis, denn smarte Melodien können die Mannen um Frontfrau Tanja zu Hauf zaubern. Dabei ist man trotzdem immer schön zackig und nimmt auf der „Crucify My Heart“ zum Beispiel zum ersten Mal bei Song Nummer sechs, „Unchain“, den Fuß vom Gaspedal. Irgendwie sind LULLACRY eine Schnittmenge aus HIM und Sentenced mit Frauengesang. Das dürfte doch so einige Fans anturnen.
Beim Frontposten hat es zur letzten Scheibe „Be My God“ (siehe Abgehört vom 26. Februar 2002) einen Wechsel gegeben. Tanja kam für Tanya. Allerdings sind nicht nur die Namen äußerst ähnlich. Auch stimmlich agieren die beiden Mädchen in einer Liga. Selbst in Sachen Sexappeal gehen beide zur gleichen Zeit durchs Ziel. Wer jetz Mühe hat, die Mädels zu unterscheiden: Es gibt doch immer noch die Haare bei den Frauen. Die alte Shouterin war blond, diese hier trägt einen roten Federschmuck.
„Crucify My Heart“

JUB

ANCIENT EXISTENCE "Ancient Existence" 9 (BANDS BATTLE-Band 2003)
Eigenproduktion, 2002

Ancient Existence - Ancient Existence

Eine vielversprechende CD legen ANCIENT EXISTENCE aus dem deutschen Underground vor, denn sie wissen sich gekonnt vom Durchschnitt abzuheben. Ihre Musik kann man als einen wilden Mix aus allen möglichen extremen Metalspielarten betrachten. Mal donnern sie mit einem Affenzahn durch die Death Metal-Botanik der komplexen Ami-Schule wie etwa Dying Fetus oder Aurora Borealis und heulen kurz darauf mit den Wölfen der nordischen Black Metal Originale. Doch bevor man sie auf einen Stil festnageln kann, verlassen ANCIENT EXISTENCE die Pfade der extremen Musik, um sich für einige kurze Augenblicke hinter Unheil verkündenden Akustikstücken zu verstecken, wo die nächsten Attacken auf den Hörer vorbereitet werden. Diese bestehen dann schonmal aus, Dismember zur Ehre reichenden, sägenden Riffs, verbunden mit Bay Area Thrash Metal-Breaks. Der Gesang von Frontsau Steffen Rehbock ist bunkertief und offenbart zu keiner Zeit Schwachstellen. Zum Glück versucht er nicht zu den ruhigen Stellen richtig zu singen. "Ancient Existence" macht Bock auf mehr. www.ancientexistence.de
"Only Blood"/"No Escape"

THOMAS

MAJESTY „Sword And Sorcery“ 8
Massacre, 2002

Majesty - Sword And Sorcery

Im Jahre 2002 haben MAJESTY definitiv das bessere Manowar-Album gemacht. Und die eigenen Vorbilder zu toppen, ist schon beachtlich. Allerdings haben die Typen um Joey De Maio den Deutschen dabei bekanntlich gehörig Schützenhilfe geleistet (siehe Abgehört vom 18. Juni 2002).
Man erinnere sich an das MAJESTY-Debüt „Keep It True“, das der Band unverzüglich den Titel „Die deutschen Manowar“ einbrachte und zu den absolut kultigsten Heavy-Metal-Klischee-Scheiben gehört, die hierzulande je veröffentlicht wurden. Da war es natürlich kompliziert, die Erwartungshaltungen all der neu hinzugewonnenen Fans zu erfüllen. Ich glaube aber, daß sich MAJESTY ausgezeichnet aus der Affäre gezogen haben.
Für Abwechslung ist auf „Sword And Sorcery“ gesorgt. Von der Quasi-Ballade „Aria Of Bravery“ bis zum Speed-Kracher „Fields Of War“ ist schon mal eine beachtliche Bandbreite abgedeckt, wobei sich die meisten Stücke Headbanger-freundlich im Midtempobereich bewegen. Die Mitsing-Refrains haben einen ähnlich hohen Kultfaktor wie auf der „Keep It True“, die Melodien der Songs sind zum Teil noch eingängiger. Selbst die anfangs etwas einfältig klingende Weise von „Heavy Metal“ wird mit der Zeit zum Ohrwurm. Lediglich „Aria Of Bravery“ ist in den ersten beiden Dritteln etwas müde. Im Gegensatz dazu sind Stücke wie „Ride Silent“, „Fields Of War“ und „Epic War“ einfach nur großartig.
Trotzdem muß Sänger, Gitarrist, Komponist, Texter und Produzent Tarek „MS“ Maghary verdammt aufpassen, irgendwann mit MAJESTY nichts weiter als eine Manowar-Cover-Band mit eigenen Songs zu sein. Noch funktioniert das Konzept, eine Blaupause der Amis zu sein. Ein Hauch etwas mehr Eigenständigkeit (wie immer die aussehen mag) wird MAJESTY sicher beim nächsten Mal ziemlich gut tun. Noch hat das alles viel Witz, vor allem auch textlich (Schwerter aus Stahl, in den Himmel gereckte Fäuste, Krieger ziehen in die Schlacht, Poser werden sterben ...). Selbst, daß Manowar-Ex-Gitarrist Ross the Boss bei „Heavy Metal“ mitklampft, hat was Rührendes. Ob das aber auch noch alles genauso auf der kommenden Veröffentlichung funktioniert? - Wir werden sehen. Jetzt aber erst einmal MAJESTY in den Player und die Birnen geschüttelt bis das Bier wieder rauskommt.
„Heavy Metal“/“Ride Silent“

JUB

BEHIND THE SCENERY "Nocturnal Beauty Of A Dying World" 5
Eigenproduktion/Re-Release: Grind Media Syndicate, 1997/99

Behind The Scenery - Nocturnal Beauty Of A Dying World

Schon einige Jahre auf dem Buckel hat das Debüt von BEHIND THE SCENERY aus Göppingen/Süddeutschland.
"Nocturnal Beauty Of A Dying World" ist ein Kniefall vor den schwedischen Melodic Death Metal-Bands, die wie Dark Tranquillity oder In Flames und At The Gates Meisterwerke veröffentlichten. Die Nordlichter jedoch waren allesamt Pioniere auf diesem Gebiet und können schwer erreicht oder gar übertroffen werden. Somit ist schonmal klar, daß BEHIND THE SCENERY mit ihrem Debüt den Kürzeren ziehen müssen. Denn es scheint, als schauten sie beim Komponieren ihres Materials stets nach Schweden, um zu sehen, wie sie vorgehen sollten, anstatt die eigenen Wege mit Selbstbewustsein zu beschreiten. Auf "Nocturnal..." gibt es viel zu viele Pflichtakustikparts, die mit Absicht in das Schwedenkorsett gezwängt wurden. Auch eine Vielzahl an Melodie-Riffs klingt recht schwachbrüstig und auf Norm getrimmt. Dabei hätten es die Jungs wahrlich drauf, diese Art von Musik zu spielen, denn hier und da blitzt ein heller Moment in ihrer Musik durch. Das Stück "Nocturnal Beauty" etwa hat regelrecht Chic. Die gradlinigen Songs scheinen dem Fünfer eher zu liegen als das verkrampfte Gefrickel.
"Blinded By Abnormity"

THOMAS

BEHIND THE SCENERY "...Of Honesty Forbidden" 6
Grind Media Syndicate/Nuclear Blast, 2000

Behind The Scenery - ...Of Honesty Forbidden

Wie schon auf ihrem Vorgänger "Nocturnal Beauty Of A Dying World" zollen BEHIND THE SCENERY auf ihrem Longplayer "...Of Honesty Forbidden" der schwedischen Melodic Death Metal-Schule Respekt. Dieses Mal stellen sie sich jedoch etwas geschickter beim Komponieren an und lassen die Songaufbauten für den Hörer logischer erscheinen ("Kneel To Pray", "Another Stranger", "Pure Evil"). Hier sind die Riffs stark und die einzelnen Passagen flüssig miteinander verbunden. Fast könnte man meinen, eine alte Dark Tranquillity-CD hätte sich im Player verirrt. Doch halten die Jungs den Level nicht auf der ganzen CD und so gibt es auch ein paar Langweiler zu hören ("Pierce The Eyes","Under A Frozen Sun"), bei denen die Melodien und Gesangslinien recht ausgelutscht klingen. Unterm Strich aber eine leichte Steigerung zum Debüt.
"Another Stranger"

THOMAS

MERAUDER „Bluetality“ 9
Century Media, 2003

Merauder - Bluetality

Ihr könnt Euch durch die neue MERAUDER zappen wie Ihr wollt, Euch springt fast jedes Mal eine musikalische Gewalt an, als würde der grüne Hulk über Euch herfallen. Lediglich bei „41 Shots“ und „Mr. Righteous“ schwächelt das Heavy Metal-Monster aus New York. Death Metal, extrem brutale Thrash-Riffs und Hardcore sind die Essenz der MERAUDER-Wut. Und der puertorikanische Fünfer schleudert seine Zornes-Ausbrüche schon seit mehr als zehn Jahren in die Massen. Allerdings gab die lange Zeit der Band nicht den geringsten Anlaß, an der Mixtur ihres Material auch nur eine Note zu ändern. Denn die Alben „Master Killer“ (1995), „Five Deadly Venoms“ (1999) und eben „Bluetality“ klingen wie aus einem Guß. Dabei wird nur selten mit dem Schaum vorm Mund agiert, im Gegenteil. MERAUDER haben auf jedem Album Perlen erschaffen, die Heavy Metal-Hits für die Ewigkeit sein könnten. Erinnern möchte ich da nur an „Downfall Of Christ“ von der „Master Killer“ - unglaublich das Stück. „Bluetality“ hat „Bleeding Wounds“ - ein Groover vor dem Herrn.
„Bleeding Wounds“

JUB

URBAN TALE "Signs Of Times" 4
Frontiers Rec., 2003

Urban Tale - Signs Of Times

Daß amerikanisch klingender Melodic Metal praktisch überall in der Welt originalgetreu kopiert werden kann, bewiesen die Finnen von URBAN TALE schon mit ihrer ersten selbstbetitelten CD. Nun liegt ihr neuester Streich mit dem Titel "Signs Of Life" vor und schlägt, nein, legt sich sanft in dieselbe Kerbe wie das Debüt. So schlagen sie eine Brücke zwischen Bombast, verhaltenen Elektronikeinsprengseln und Radiokompatibilität mit einhergehendem Pop Appeal. Nur eben sehr harmlos. Klar wenn man AOR spielt, kann man nicht kloppen wie weiland Napalm Death in frühen Tagen, aber man könnte den Hörer ruhig mit Spannungsbögen und Aha-Effekten bei Laune halten. Doch "Signs Of Life" klingt über weite Strecken einfach zu zahnlos.
"Houdini´s Eyes"

THOMAS

MEPHISTOPHELES „Death Unveiled“ 3
Remedy Rec/Zomba, 2003

Mephistopheles - Death Unveiled

„Wer zweimal mit der gleichen pennt, gehört schon zum Establishment“, hieß es in der Hippie-Ära. Heute heißt es „In ein Lied gehören 20 Ideen rein, sonst bist Du ein Spießerschwein“. - Ja, ist ein Gleichnis, das im Rollstuhl sitzt, allerdings ist mir die verordnete Abwechslung der End-60er tausendmal lieber, als das hysterische Drauflos-Kreativieren von Bands wie zum Beispiel Bal-Sagoth oder eben MEPHISTOPHELES, die dem Hörer nicht einmal 20 Sekunden Zeit lassen, sich an einem Meldodie-Einfall oder einer Rhythmus-Struktur zu erfreuen. Auf „Death Unveiled“ müßte ein Warn-Aufkleber prangen: „Vorsicht, nur nach zehn Jahren Musikschule genießbar“. Das Sextett gefällt sich in progressiven Death und Black Metal-Windungen, daß man meinen mag, die Jungs haben nach jedem Song, der im Kasten war, erst einmal das gesamte Mischpult voll gewichst.
Natürlich entdeckt man gelungene Melodien auf dieser CD, auch ist die Fähigkeit der Musiker unbestritten, im Studio die kompliziertesten Konstrukte hervorzubringen (live habe ich die Band glücklicherweise noch nicht gesehen). Manches klingt sogar richtig gelungen (Passagen aus „From End To End“ zum Beispiel). Allerdings versteht die Band überhaupt nichts davon, gute Songs zu schreiben. Und wir wissen nicht erst seit den Beatles, daß genau dies die Kunst am Komponieren ist. Allerdings bedarf es dazu auch einer gewissen Portion Talent. 
Das Zeug von MEPHISTOPHELES ist Material, das sicherlich sehr sehr geschmachsabhängig ist. Allerdings kenne ich in meinem schwermetallischen Umfeld niemanden, der diese Art von Musik tatsächlich mag.
„From End To End“

JUB

...AND OCEANS „Cypher“ 8
Century Media/Magic Arts Publ., 2002

...And Oceans - Cypher

Wie nahezu unendlich progressiv die Metal-Szene ist, wird uns immer wieder bewiesen, indem Bands unterschiedliche Stilmittel nutzen, um sie zu verbinden. Dabei entstehen nicht nur besondere Formen der Vermischungen, sondern teilweise ganz neue Klangwelten, die man sich so in den 80ern zum Beispiel nicht hätte vorstellen können. Wer hätte ein Konglomerat aus Black und Death Metal mit Electronic für möglich gehalten? Wohl niemand.
Nun, ...AND OCEANS sind sicher nicht die ersten, die sich an solch eine Verquickung wagen. Allerdings machen die Finnen dies auf ihrer aktuellen Scheibe „Cypher“ auf eine ganz eigene Art und Weise, um am Ende eine Form von Industrial zu kreieren. Da wird der Bogen von Bands wie Old Mans Child und Dimmu Borgir hin zu Pain und Ministry geschlagen. Die CD ist ultrabrutal, beinhaltet ein durchgehend währendes Gitarreninferno, das mal zügellos rast, mal martialisch hämmert. Sänger Kenny scheint auf der Streckbank zu liegen, kennt allerdings keine stimmlichen Nuancen mehr. Die elektronischen Beats sind zwischen einem penetranten Hacken und sanften Säuseleien angesiedelt. Alles ist maschinell kalt, gibt die Atmosphäre eines riesigen Stahlwerks um 1920 wieder: Verschwitzte und verruste Leiber ackern zwischen ohrenbetäubendem Lärm vor Hochöfen, die tausende Grad Hitze verströmen, und doch haben die Männer Gänsehaut.
„Picturesque: Cataclysm Savour: And The Little Things That Make Us Smile“

JUB

TALON "Talon" 3
Frontiers/Point, 2002

Talon - Talon

Puuuh, ich denke mal, wenn es Altherren-Rock gibt, dann ist dies hier solcher. Da wird mit einer verzerrten Gitarren auf Melodic Metal gemacht, allerdings kommt nichts weiter heraus, als Tanzkapellen-Eigenkompositionen. Soll heißen, diese Wir-covern-alles-Combos, die vor allem zu DDR-Zeiten Hochkonjunktur hatten, wagten immer mal wieder ein eigenes Lied. Das war dann völlig hausbacken, flach und abgedroschen, die Tanzmucker fühlten sich aber plötzlich wie harte Rocker.
Ob es den Leuten von TALON auch so ging, als sie ihr Debüt-Album zusammenstellten, entzieht sich meiner Kenntnis. Allerdings haben sie kaum mehr songwriterisches Talent als Gruppen, die seit 20 Jahren sowohl Seniorenweihnachtsfeiern als auch den Dorf-Jugendtanz bespielen. Hört Euch nur "Calling You Tonight" an - das Stück könnte bestenfalls eine Kindertagsfete aufmischen. Oder vielleicht eignet es sich gerade noch so zur Beschallung der kaufwütigen Kundschaft im Supermarkt.
"Mother Mary May I"

JUB 
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