GILBY CLARKE "Swag" 3
Spitfire/cmm, 2002
Ex-Guns N' Roses-Klampfer Gilby Clarke
auf Solopfaden. Bei "Swag" zeigt sich deutlich, daß der Gitarrero
wohl eher nicht der Hauptsongwriter in der Supergroup war. Denn die elf
banalen Rocknümmerchen hätten den immensen Erfolg der Gunners
nie und nimmer zugelassen. Clarke schrummelt und fiedelt sich so unspektakulär
durch die Lieder, daß er selbst in der hinterletzten Kneipe am Missouri
sicherlich Streß mit dem durchschwitzten, whiskeybenebelten Rednexpack
bekommen würde, für das diese mit Country-Zitaten reich durchsetzte
Platte sicher angedacht war. "Swag" ist vielleicht als Schlaftablette zu
empfehlen, doch Baldrianpillen sind doch um einiges billiger.
"Crocodile Tears"
THOMAS
CAGE „Darker Than Black“ 8
Massacre, 2003
Um gleich allen Irritationen vorzubeugen.
Diese us-amerikanische Band namens CAGE hat nicht das Geringste mit der
kürzlich an dieser Stelle vorgestellten Band The Cage zu tun (siehe
Abgehört
vom 01. April 2003). Weder Tony Martin noch Dario Mollo mischen hier
mit, noch gibt es irgendwelche musikalischen Parallelen, außer, daß
sich beide Bands im Kosmos des Heavy Metal bewegen. Und während uns
The Cage auf eine Nostalgie-Reise in die 70er entführte, halten es
die Amis CAGE mit dem sogenannten US-Power Metal. Und den zelebrieren sie
ohne Haken und Ösen. Wenn der gemeine Fan beim Konsumieren der „Darker
Than Black“-Scheibe Sanctuary-Elemente durchklingen hört, dann liegt
er gar nicht so falsch. Hier wird mit exzellenten Riffs enorm Druck erzeugt,
der sich sowohl durch die rasanten als auch groovigen Passagen zieht. Die
Songs sind durch die Bank kleine Arrangement-Perlen und warten immer wieder
mit Wendungen auf, die für das US-Power Metal-Genre zwar nicht ungewöhnlich
sind, bei CAGE allerdings immer noch zu überraschen wissen. Sänger
Sean Peck hat ein Organ, das schrilles Gurgeln ebenso packt wie schwarz-metallisches
Gekeife oder den vollen warmen Ton. Wer den Kopf gern zu rhythmischen Gitarren-Attacken
kreisen läßt, ist bei CAGE an der richtigen Adresse. Mit der
spanischen Version von „Chupacabra“ gibt es noch den Bonus-Track für
die europäische Version von „Darker Than Black“. Das ist vielleicht
eine Homage an die immer mehr erstarkende spanische Metal-Szene. Davon
konnten sich die INTERREGNUM-Hörer ja auch schon überzeugen.
„Philadelphia Experiment“
JUB
SYLVA MALA "Sylva Mala" 3
Eigenproduktion, 2001
Die Italiener formierten sich 1997
in Torre Annunziata und veröffentlichten 2001 ihre Debüt-CD unter
dem Einfluß solcher Bands wie Edge Of Sanity, Metallica, Moonspell
und At The Gates. Letztere kann man am ehesten heraushören. Doch bewegen
sich die fünf Freunde auf einem weit niedrigeren Level als die großen
Schweden, denn die Riffs klingen viel zu oft uninspiriert und regelrecht
aus Krampf heraus entstanden. Dazu kommt, daß Drummer Tony Di Leo
einen recht merkwürdigen Drumstil an den Tag legt. Was ihm zwar Individualität
beschert, mir jedoch nach drei Liedern auf den Zeiger geht. Auch die Akustikparts
wollen nicht so recht zünden und verpuffen schnell. Allerdings ließ
uns die Band wissen, daß sie mitten in der Vorbereitungsphase der
neuen CD steckt. Vielleicht wird ja mit der zukünftigen Scheibe alles
besser, wer weiß? http://stage.vitaminic.de/sylva_malasylvamala@hotmail.com
"In Sylva"
THOMAS
FOZZY „Happenstance“ 2
Steamhammer/SPV, 2002
Keine Ahnung, was lustig daran ist,
wenn Leute von Stuck Mojo und Sabbath zusammen mit einem Wrestler eine
Band gründen, um Standards aus der Heavy Metal-Geschichte zu covern.
Da hat man sich eine recht abstruse Story über eine Band ausgedacht,
die durch einen Knebel-Deal 20 Jahre in Japan festgehalten wurde, dort
den Heavy Metal erfand, und die Europäer und Amis machten sich über
die Demos dieser Band her, um hier große Erfolge mit den Songs zu
feiern. Und jetzt sei diese Band endlich aus ihrem Zwangs-Exil entflohen
und präsentiert die Original-Versionen von Nummern wie „Balls To The
Wall“ (Accept), „Freewheel Burning“ (Judas Priest), „Mob Rules“ (Black
Sabbath) oder „L.O.V.E. Machine“ (W.A.S.P.). Na gut, irgendwie muß
man ein Cover-Band-Konzept ja verkaufen. Nur stirbt solch eine Idee sofort,
wenn die nachgespielten Stücke nicht mal annähernd den Pfiff
der Originale erreichen. Und die Story wird zu einem dummen Schnapps-Einfall,
da ja dann diese glorreichen Erfinder des Heavy Metal einfach nur schlecht
sind.
Wenn eine Band im Studio Songs covert,
kann sie dies mit ehrfürchtiger Begeisterung tun. Oder aber sie macht
ihren Job. Und genau das haben FOZZY mit „Happenstance“ getan. Ein langweiliges
Cover-Album, das von der Live-Performance jeder zweiten Heavy-Metal-Cover-Band
in Deutschland, die auf Biker-Treffen spielt, in den Schatten gestellt
wird. Ich bin bestimmt kein Prophet, wenn ich sage, daß Ihr von dieser
Truppe in Zukunft nicht mehr viel hören werdet. Und gebt nichts drauf,
wenn die Bang Your Head-Veranstalter FOZZY zu ihrer Lieblingsband erklärten.
Da spielt meist nicht die musikalische Qualität eine Rolle, sondern
wie gut man beim Saufen miteinander harmoniert.
„L.O.V.E. Machine“/“Balls To
The Wall“
JUB
JUGHEAD "Jughead" 2
Earcandy/SPV, 2002
JUGHEAD ist eine neue Band von Ty
Tabor, dem Kings X-Gitarristen, und wie sollte es anders sein, wird auch
diesem Projekt eine einzigartige und innovative Aura zurechtkonstruiert
- wie auch schon bei Kings X. Dabei sind JUGHEAD im Gegensatz zu den Königen
weitaus gradliniger und weniger experimentell. So sind es eher die unspektakulären
Singalongs, die Tabors neue Band auszeichnen. Sofern es eine Auszeichnung
ist. Im Infoblatt steht was von eingängigen Melodien, die den Kopf
nicht mehr verlassen wollen, klassischen Riffs und tollen Vocalharmonien.
Ha! Von wegen. JUGHEAD ist einfach nur langweiligster Tralala-Kram ohne
Höhepunkte und brachte mich spätestens nach dem vierten Lied
auf die Palme. Finger weg, kann ich nur sagen.
"Halfway Home To Elvis"
THOMAS
LULLACRY „Crucify My Heart“
9
Century Media/Spinefarm, 2003
Die Welt des Gothic hat sich längst
davon befreit, nur Musik für Einsame zu sein, die von Todessehnsucht
zerfressen über ihren Schlafsarg gebeugt, den letzten Rotwein-Rausch
auskotzen. Gothic ist ein Synonym für warme Moll-Melodien geworden,
die meist mit Heavy-Metal-Gitarren umhüllt mehr oder weniger temporeich
dargeboten werden. Und deshalb sind auch LULLACRY aus Finnland eine Band
aus dem Gothic-Dunstkreis, denn smarte Melodien können die Mannen
um Frontfrau Tanja zu Hauf zaubern. Dabei ist man trotzdem immer schön
zackig und nimmt auf der „Crucify My Heart“ zum Beispiel zum ersten Mal
bei Song Nummer sechs, „Unchain“, den Fuß vom Gaspedal. Irgendwie
sind LULLACRY eine Schnittmenge aus HIM und Sentenced mit Frauengesang.
Das dürfte doch so einige Fans anturnen.
Beim Frontposten hat es zur letzten
Scheibe „Be My God“ (siehe Abgehört
vom 26. Februar 2002) einen Wechsel gegeben. Tanja kam für Tanya.
Allerdings sind nicht nur die Namen äußerst ähnlich. Auch
stimmlich agieren die beiden Mädchen in einer Liga. Selbst in Sachen
Sexappeal gehen beide zur gleichen Zeit durchs Ziel. Wer jetz Mühe
hat, die Mädels zu unterscheiden: Es gibt doch immer noch die Haare
bei den Frauen. Die alte Shouterin war blond, diese hier trägt einen
roten Federschmuck.
„Crucify My Heart“
JUB
ANCIENT EXISTENCE "Ancient
Existence" 9 (BANDS BATTLE-Band 2003)
Eigenproduktion, 2002
Eine vielversprechende CD legen ANCIENT
EXISTENCE aus dem deutschen Underground vor, denn sie wissen sich gekonnt
vom Durchschnitt abzuheben. Ihre Musik kann man als einen wilden Mix aus
allen möglichen extremen Metalspielarten betrachten. Mal donnern sie
mit einem Affenzahn durch die Death Metal-Botanik der komplexen Ami-Schule
wie etwa Dying Fetus oder Aurora Borealis und heulen kurz darauf mit den
Wölfen der nordischen Black Metal Originale. Doch bevor man sie auf
einen Stil festnageln kann, verlassen ANCIENT EXISTENCE die Pfade der extremen
Musik, um sich für einige kurze Augenblicke hinter Unheil verkündenden
Akustikstücken zu verstecken, wo die nächsten Attacken auf den
Hörer vorbereitet werden. Diese bestehen dann schonmal aus, Dismember
zur Ehre reichenden, sägenden Riffs, verbunden mit Bay Area Thrash
Metal-Breaks. Der Gesang von Frontsau Steffen Rehbock ist bunkertief und
offenbart zu keiner Zeit Schwachstellen. Zum Glück versucht er nicht
zu den ruhigen Stellen richtig zu singen. "Ancient Existence" macht Bock
auf mehr. www.ancientexistence.de
"Only Blood"/"No Escape"
THOMAS
MAJESTY „Sword And Sorcery“
8
Massacre, 2002
Im Jahre 2002 haben MAJESTY definitiv
das bessere Manowar-Album gemacht. Und die eigenen Vorbilder zu toppen,
ist schon beachtlich. Allerdings haben die Typen um Joey De Maio den Deutschen
dabei bekanntlich gehörig Schützenhilfe geleistet (siehe Abgehört
vom 18. Juni 2002).
Man erinnere sich an das MAJESTY-Debüt
„Keep It True“, das der Band unverzüglich den Titel „Die deutschen
Manowar“ einbrachte und zu den absolut kultigsten Heavy-Metal-Klischee-Scheiben
gehört, die hierzulande je veröffentlicht wurden. Da war es natürlich
kompliziert, die Erwartungshaltungen all der neu hinzugewonnenen Fans zu
erfüllen. Ich glaube aber, daß sich MAJESTY ausgezeichnet aus
der Affäre gezogen haben.
Für Abwechslung ist auf „Sword
And Sorcery“ gesorgt. Von der Quasi-Ballade „Aria Of Bravery“ bis zum Speed-Kracher
„Fields Of War“ ist schon mal eine beachtliche Bandbreite abgedeckt, wobei
sich die meisten Stücke Headbanger-freundlich im Midtempobereich bewegen.
Die Mitsing-Refrains haben einen ähnlich hohen Kultfaktor wie auf
der „Keep It True“, die Melodien der Songs sind zum Teil noch eingängiger.
Selbst die anfangs etwas einfältig klingende Weise von „Heavy Metal“
wird mit der Zeit zum Ohrwurm. Lediglich „Aria Of Bravery“ ist in den ersten
beiden Dritteln etwas müde. Im Gegensatz dazu sind Stücke wie
„Ride Silent“, „Fields Of War“ und „Epic War“ einfach nur großartig.
Trotzdem muß Sänger,
Gitarrist, Komponist, Texter und Produzent Tarek „MS“ Maghary verdammt
aufpassen, irgendwann mit MAJESTY nichts weiter als eine Manowar-Cover-Band
mit eigenen Songs zu sein. Noch funktioniert das Konzept, eine Blaupause
der Amis zu sein. Ein Hauch etwas mehr Eigenständigkeit (wie immer
die aussehen mag) wird MAJESTY sicher beim nächsten Mal ziemlich gut
tun. Noch hat das alles viel Witz, vor allem auch textlich (Schwerter aus
Stahl, in den Himmel gereckte Fäuste, Krieger ziehen in die Schlacht,
Poser werden sterben ...). Selbst, daß Manowar-Ex-Gitarrist Ross
the Boss bei „Heavy Metal“ mitklampft, hat was Rührendes. Ob das aber
auch noch alles genauso auf der kommenden Veröffentlichung funktioniert?
- Wir werden sehen. Jetzt aber erst einmal MAJESTY in den Player und die
Birnen geschüttelt bis das Bier wieder rauskommt.
„Heavy Metal“/“Ride Silent“
JUB
BEHIND THE SCENERY "Nocturnal
Beauty Of A Dying World" 5
Eigenproduktion/Re-Release: Grind
Media Syndicate, 1997/99
Schon einige Jahre auf dem Buckel
hat das Debüt von BEHIND THE SCENERY aus Göppingen/Süddeutschland.
"Nocturnal Beauty Of A Dying World"
ist ein Kniefall vor den schwedischen Melodic Death Metal-Bands, die wie
Dark Tranquillity oder In Flames und At The Gates Meisterwerke veröffentlichten.
Die Nordlichter jedoch waren allesamt Pioniere auf diesem Gebiet und können
schwer erreicht oder gar übertroffen werden. Somit ist schonmal klar,
daß BEHIND THE SCENERY mit ihrem Debüt den Kürzeren ziehen
müssen. Denn es scheint, als schauten sie beim Komponieren ihres Materials
stets nach Schweden, um zu sehen, wie sie vorgehen sollten, anstatt die
eigenen Wege mit Selbstbewustsein zu beschreiten. Auf "Nocturnal..." gibt
es viel zu viele Pflichtakustikparts, die mit Absicht in das Schwedenkorsett
gezwängt wurden. Auch eine Vielzahl an Melodie-Riffs klingt recht
schwachbrüstig und auf Norm getrimmt. Dabei hätten es die Jungs
wahrlich drauf, diese Art von Musik zu spielen, denn hier und da blitzt
ein heller Moment in ihrer Musik durch. Das Stück "Nocturnal Beauty"
etwa hat regelrecht Chic. Die gradlinigen Songs scheinen dem Fünfer
eher zu liegen als das verkrampfte Gefrickel.
"Blinded By Abnormity"
THOMAS
BEHIND THE SCENERY "...Of
Honesty Forbidden" 6
Grind Media Syndicate/Nuclear Blast,
2000
Wie schon auf ihrem Vorgänger
"Nocturnal Beauty Of A Dying World" zollen BEHIND THE SCENERY auf ihrem
Longplayer "...Of Honesty Forbidden" der schwedischen Melodic Death Metal-Schule
Respekt. Dieses Mal stellen sie sich jedoch etwas geschickter beim Komponieren
an und lassen die Songaufbauten für den Hörer logischer erscheinen
("Kneel
To Pray", "Another Stranger", "Pure Evil"). Hier sind die Riffs stark und
die einzelnen Passagen flüssig miteinander verbunden. Fast könnte
man meinen, eine alte Dark Tranquillity-CD hätte sich im Player verirrt.
Doch halten die Jungs den Level nicht auf der ganzen CD und so gibt es
auch ein paar Langweiler zu hören ("Pierce The Eyes","Under A Frozen
Sun"), bei denen die Melodien und Gesangslinien recht ausgelutscht klingen.
Unterm Strich aber eine leichte Steigerung zum Debüt.
"Another Stranger"
THOMAS
MERAUDER „Bluetality“ 9
Century Media, 2003
Ihr könnt Euch durch die neue
MERAUDER zappen wie Ihr wollt, Euch springt fast jedes Mal eine musikalische
Gewalt an, als würde der grüne Hulk über Euch herfallen.
Lediglich bei „41 Shots“ und „Mr. Righteous“ schwächelt das Heavy
Metal-Monster aus New York. Death Metal, extrem brutale Thrash-Riffs und
Hardcore sind die Essenz der MERAUDER-Wut. Und der puertorikanische Fünfer
schleudert seine Zornes-Ausbrüche schon seit mehr als zehn Jahren
in die Massen. Allerdings gab die lange Zeit der Band nicht den geringsten
Anlaß, an der Mixtur ihres Material auch nur eine Note zu ändern.
Denn die Alben „Master Killer“ (1995), „Five Deadly Venoms“ (1999) und
eben „Bluetality“ klingen wie aus einem Guß. Dabei wird nur selten
mit dem Schaum vorm Mund agiert, im Gegenteil. MERAUDER haben auf jedem
Album Perlen erschaffen, die Heavy Metal-Hits für die Ewigkeit sein
könnten. Erinnern möchte ich da nur an „Downfall Of Christ“ von
der „Master Killer“ - unglaublich das Stück. „Bluetality“ hat „Bleeding
Wounds“ - ein Groover vor dem Herrn.
„Bleeding Wounds“
JUB
URBAN TALE "Signs Of Times"
4
Frontiers Rec., 2003
Daß amerikanisch klingender
Melodic Metal praktisch überall in der Welt originalgetreu kopiert
werden kann, bewiesen die Finnen von URBAN TALE schon mit ihrer ersten
selbstbetitelten CD. Nun liegt ihr neuester Streich mit dem Titel "Signs
Of Life" vor und schlägt, nein, legt sich sanft in dieselbe Kerbe
wie das Debüt. So schlagen sie eine Brücke zwischen Bombast,
verhaltenen Elektronikeinsprengseln und Radiokompatibilität mit einhergehendem
Pop Appeal. Nur eben sehr harmlos. Klar wenn man AOR spielt, kann man nicht
kloppen wie weiland Napalm Death in frühen Tagen, aber man könnte
den Hörer ruhig mit Spannungsbögen und Aha-Effekten bei Laune
halten. Doch "Signs Of Life" klingt über weite Strecken einfach zu
zahnlos.
"Houdini´s Eyes"
THOMAS
MEPHISTOPHELES „Death Unveiled“
3
Remedy Rec/Zomba, 2003
„Wer zweimal mit der gleichen pennt,
gehört schon zum Establishment“, hieß es in der Hippie-Ära.
Heute heißt es „In ein Lied gehören 20 Ideen rein, sonst bist
Du ein Spießerschwein“. - Ja, ist ein Gleichnis, das im Rollstuhl
sitzt, allerdings ist mir die verordnete Abwechslung der End-60er tausendmal
lieber, als das hysterische Drauflos-Kreativieren von Bands wie zum Beispiel
Bal-Sagoth oder eben MEPHISTOPHELES, die dem Hörer nicht einmal 20
Sekunden Zeit lassen, sich an einem Meldodie-Einfall oder einer Rhythmus-Struktur
zu erfreuen. Auf „Death Unveiled“ müßte ein Warn-Aufkleber prangen:
„Vorsicht, nur nach zehn Jahren Musikschule genießbar“. Das Sextett
gefällt sich in progressiven Death und Black Metal-Windungen, daß
man meinen mag, die Jungs haben nach jedem Song, der im Kasten war, erst
einmal das gesamte Mischpult voll gewichst.
Natürlich entdeckt man gelungene
Melodien auf dieser CD, auch ist die Fähigkeit der Musiker unbestritten,
im Studio die kompliziertesten Konstrukte hervorzubringen (live habe ich
die Band glücklicherweise noch nicht gesehen). Manches klingt sogar
richtig gelungen (Passagen aus „From End To End“ zum Beispiel). Allerdings
versteht die Band überhaupt nichts davon, gute Songs zu schreiben.
Und wir wissen nicht erst seit den Beatles, daß genau dies die Kunst
am Komponieren ist. Allerdings bedarf es dazu auch einer gewissen Portion
Talent.
Das Zeug von MEPHISTOPHELES ist
Material, das sicherlich sehr sehr geschmachsabhängig ist. Allerdings
kenne ich in meinem schwermetallischen Umfeld niemanden, der diese Art
von Musik tatsächlich mag.
„From End To End“
JUB
...AND OCEANS „Cypher“ 8
Century Media/Magic Arts Publ.,
2002
Wie nahezu unendlich progressiv die
Metal-Szene ist, wird uns immer wieder bewiesen, indem Bands unterschiedliche
Stilmittel nutzen, um sie zu verbinden. Dabei entstehen nicht nur besondere
Formen der Vermischungen, sondern teilweise ganz neue Klangwelten, die
man sich so in den 80ern zum Beispiel nicht hätte vorstellen können.
Wer hätte ein Konglomerat aus Black und Death Metal mit Electronic
für möglich gehalten? Wohl niemand.
Nun, ...AND OCEANS sind sicher nicht
die ersten, die sich an solch eine Verquickung wagen. Allerdings machen
die Finnen dies auf ihrer aktuellen Scheibe „Cypher“ auf eine ganz eigene
Art und Weise, um am Ende eine Form von Industrial zu kreieren. Da wird
der Bogen von Bands wie Old Mans Child und Dimmu Borgir hin zu Pain und
Ministry geschlagen. Die CD ist ultrabrutal, beinhaltet ein durchgehend
währendes Gitarreninferno, das mal zügellos rast, mal martialisch
hämmert. Sänger Kenny scheint auf der Streckbank zu liegen, kennt
allerdings keine stimmlichen Nuancen mehr. Die elektronischen Beats sind
zwischen einem penetranten Hacken und sanften Säuseleien angesiedelt.
Alles ist maschinell kalt, gibt die Atmosphäre eines riesigen Stahlwerks
um 1920 wieder: Verschwitzte und verruste Leiber ackern zwischen ohrenbetäubendem
Lärm vor Hochöfen, die tausende Grad Hitze verströmen, und
doch haben die Männer Gänsehaut.
„Picturesque: Cataclysm Savour:
And The Little Things That Make Us Smile“
JUB
TALON "Talon" 3
Frontiers/Point, 2002
Puuuh, ich denke mal, wenn es Altherren-Rock
gibt, dann ist dies hier solcher. Da wird mit einer verzerrten Gitarren
auf Melodic Metal gemacht, allerdings kommt nichts weiter heraus, als Tanzkapellen-Eigenkompositionen.
Soll heißen, diese Wir-covern-alles-Combos, die vor allem zu DDR-Zeiten
Hochkonjunktur hatten, wagten immer mal wieder ein eigenes Lied. Das war
dann völlig hausbacken, flach und abgedroschen, die Tanzmucker fühlten
sich aber plötzlich wie harte Rocker.
Ob es den Leuten von TALON auch
so ging, als sie ihr Debüt-Album zusammenstellten, entzieht sich meiner
Kenntnis. Allerdings haben sie kaum mehr songwriterisches Talent als Gruppen,
die seit 20 Jahren sowohl Seniorenweihnachtsfeiern als auch den Dorf-Jugendtanz
bespielen. Hört Euch nur "Calling You Tonight" an - das Stück
könnte bestenfalls eine Kindertagsfete aufmischen. Oder vielleicht
eignet es sich gerade noch so zur Beschallung der kaufwütigen Kundschaft
im Supermarkt.
"Mother Mary May I"
JUB
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